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Posts Tagged ‘Fehler’

„Wenn die Wellen über mir zusammenschlagen,

dann tauche ich hinab,

um nach Perlen zu fischen.“

      Mascha Kaleko

Es gab Zeiten in denen ich, wenn die Wellen über mir zusammenschlugen, anfing zu strampeln, um mich zu schlagen und Wasser zu schlucken, bis ich keine Luft mehr bekam. Ich bin mit fliegenden Segeln untergegangen. Nicht nur einmal – unzählige Male. Inzwischen hat sich etwas geändert. Ich musste lernen, dass es Dinge gibt – das große Unbekannte – das ich weder beeinflussen noch vorausberechnen kann.

Natürlich kannst du das nicht, höre ich den Tadel, wie kommst du auf so einen dummen Gedanken? Wenn ich das wüsste, hätte ich von Anfang an einen Riegel vor diesen Gedanken geschoben – so hab ich das Leben auf die harte Tour gelernt. Strampeln, paddeln, untergehen, Wasser schlucken.

Die Wellen schlagen immer noch über mir zusammen. Wie sollte es auch anders sein. Ich habe ein Herz, ich fühle, liebe, ich mache Fehler, bin ungeduldig, ich bin keine Insel. Aber heute bin ich halbwegs darauf vorbereit. Mir ist klar, ich kann untergehen und es wird passieren. Immer noch. Aber ich weiß inzwischen sicher, dass man einen Sturm übersteht, selbst einen mit zehn Meter hohen Wellen. Ich lebe schließlich noch! Die Kunst ist: die Luft anzuhalten, sich auf den Meeresgrund sinken zu lassen und nach Perlen ausschau zu halten, aus denen Schönes entstehen kann.

Ein Schriftsteller, Maler, Musiker schöpft aus dem Erlebten. Aus der Trauer, dem Glück, der Liebe, dem Tod, der hellen und der dunklen Seite. Das Leben gibt die Impulse für die Kunst. Es nützt nichts sich zu wehren. Niemand wird vom Leben verschont. Ich muss weitergehen, das Rad dreht sich, bis mir irgendwann das Herz stehen bleibt. Solange fische ich weiter nach Perlen.

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„Leben Sie so intensiv Sie können. Alles andere ist ein Fehler.

Was Sie im Einzelnen tun ist nicht so wichtig, solange sie nur wirklich leben. (!!!)

Was haben Sie gehabt, wenn Sie vom Leben nichts gehabt haben?

Was man verpasst hat, ist dahin.

Täuschen Sie sich nicht. Jede Zeit, von der man das Glück hat, sie noch zu erleben, ist die richtige Zeit.

Leben Sie. (!!!)“

Henry James 1903

Was für Herny James vor über 110 Jahren galt, gilt heute in diesen unruhigen Zeiten umso mehr. Wenn wir die Möglichkeit des Lebens in diesem Moment nicht nutzen, könnten wir es Morgen schon bereuen.

Es gibt diesen schönen Spruch, der uns so leicht über die Lippen geht: Man bereut am Ende seines Lebens das, was man nicht getan hat und nicht das, was man getan hat.

Der Spruch ist nicht nur schön daher gesagt, er ist wahr. Das Jagen nach Geld und Gut, der Ärger über andere Menschen, unötige Hektik nützen uns nichts. Wenn wir am Ende unseres Lebens angekommen sind, egal wann es sei, ist es sicher nicht, das Büro, an das wir uns gerne erinnern. Sondern es sind die schönen Dinge, die wir erlebt und getan haben.

Erfülle Deine kostbare Lebenszeit mit schönen Dingen. Es gibt nur einen einzigen Moment, in dem Du etwas erleben kannst: Und der ist jetzt!

Lebe, liebe, lache und genieße jede Sekunde!

„Ich will reisen so weit ich kann,

bis zur Freude in meiner Seele,

will meine Grenze weiter ziehen

und fühlen, wie ich wachse;

will leben, dasein, „sein“

und die Wahrheit in mir hören.“

Doris Warshay

 

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Tee mit einem Todesengel

Der Todesengel empfängt uns stilecht in einem Mausoleum im Westteil des Highgate Cemetery, London. Im Eingangsbereich des Grabmals ist ein Tisch für Zwei gedeckt. Weiße gestärkte Tischdecke und Servietten gehören ebenso zum guten Ton, wie feines chinesisches Porzellan.

In einer Ecke lehnt das Arbeitswerkzeug meines Gastgebers, die große Sense mit stabilem Eichenholzgriff und glänzender, speziell gehärter Stahlklinge.

Der Todesengel sieht etwas blass aus, begrüßt mich aber mit einem festen Händedruck und bietet mir galant einen Platz an. Der Gastgeber selbst gießt Tee ein und bietet Gebäck an. Meine Bedenken bezüglich der Verträglichkeit entkräftet er mit einem winzigen Lächeln und dem Kommentar, er würde nur in der hiesigen Edelbäckerei Candy&Cake kaufen. Tatsächlich lässt er einen erlesenen Geschmack erkennen, beim Gebäck ebenso wie bei der Wahl des Tees.

Der Todesengel ist in den edlen schwarzen Anzug eines angesagten Designers gekleidet. Auf die Frage nach der Zweckmäßigkeit seiner Kleidung, antworte er, dass es für Männer seiner Profession angemessen sei, sich dem Ernst des Anlasses anzupassen und den Kunden in Würde die letzte Ehre zu erweisen.

Hier ein Auszug aus dem Interview:

„Herr Todesengel … .“

„Bitte, sagen sie Azrael. Ich hasse Formalitäten. Mein Beruf liegt weit außerhalb der gesellschaftlichen Normen, da können wir uns die Wahrung der Konventionen sparen.“

„Gerne, Azrael. Würden sie ihren Beruf auch als Berufung bezeichnen?“

„Eher nicht. Einer musste den Job erledigen. Nachdem ich die Sache mit der Sintflut zur Zufriedenheit vom Boss gelöst hatte, übertrug er mir den Job des Projektleiters.“

„Das heißt also, sie sind nicht der einzige Vollstrecker.“

„Stimmt. Gerade in der heutigen Zeit, mit den schnell wachsenden Konflikten, Bürgerkriegen, länderübergreifenden Auseinandersetzungen, Drogen, den verschiedenen mafiösen Organisationen, Autounfällen usw., suche ich immer fähige Leute, die mich unterstützen.“

„Interessant. Wer kommt ihrer Meinung nach für diesen Job infrage?“

„Eine gute Konstitution muss der Bewerber auf jeden Fall mitbringen. Immerhin muss die Sense jederzeit mitgeführt werden und wir haben einen 16 bis 18 Stundentag. Schlaf und Freizeit sind Luxus. Außerdem sollte man Geduld und Scharfblick beweisen. Nicht jeder, der dafür gehalten wird oder danach aussieht, steht auf der schwarzen Liste.“

Bei diesen Worten lächelt Azrael müde und nippt an seinem Tee. Bei diesem immensen Arbeitspensum verwundert es nicht, dass er erschöpft und abgespannt wirkt.

„Wollen sie damit andeuten, dass nicht jeder Kunde zu seiner vorgegebenen Zeit abtritt?“

„Das ist richtig. Aber es ist schwierig gute Mitarbeiter zu finden. Der Lohn ist ausgesprochen gut. Innerhalb weniger Jahre kann es der Mitarbeiter zu einem kleinen Vermögen bringen, abgesehen von der stattlichen Abfindung beim Ausscheiden. Doch in Anbetracht der Menge an Kunden und der schwindenden Mitarbeiterzahlen – können Fehler beim Abarbeiten der Liste auftreten.“

„Das ist nachzuvollziehen, aber sehr bedauerlich.“

„Niemand bedauert das mehr als ich. Immerhin bin ich der Verantwortliche in der ganzen Sache. Ich habe Controller eingestellt, die die Außendienstmitarbeiter über eine Deadline unterstützen. Wir sind mit der neusten Technik ausgestattet – aber ein gewisser Fehlerquote besteht trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. Doch manchmal hatte dies durchaus einen positiven Effekt.“

„Können sie Namen nennen?“

Azrael schmunzelt und seine schwarzbraunen Augen glänzen. Er zögert einen Moment, bevor er antwortet.

„Ich weiß, das wird für Tumult sorgen und der Boss wird nicht erfreut sein, aber ich möchte die Gelegenheit nutzen unser Metier etwas aus der Zone des Negativen herauszuheben. Der Führer des dritten Reiches hätte zum Beispiel noch nicht das Zeitliche gesegnet, wäre ich nicht eingeschritten.“

„Darf ich mir die Frage erlauben, warum diese Maßnahme nicht eingeleitete wurde, bevor der Mann so viel Unheil anrichten konnte.“

Mein Gegenüber scheint auf diese Frage gefasst zu sein.

„Diese Frage höre ich immer wieder und ehrlich? Ich bin es leid. Ihr Menschen macht es euch einfach. Denkt ihr vielleicht mir macht es Spaß tausende Menschen zu töten in Kriegen, die ihr angezettelt habt? Wer treibt ganze Völker durch gewaltsame Konflikte in die Flucht? Wer zündet Flüchtlingsheime an? Verprasst Millionen für Vergnügungen und lässt gleichzeitig Menschen verhungern? Wer schädigt die Umwelt und schröpft die Ressourcen? Wer ist so machtgierig und geldgeil, dass ihm seine Mitbewohner egal sind? Das seid ihr und nicht wir! Wir machen die Drecksabreit und müssen uns dann solche Fragen gefallen lassen.“

In diesem Moment ertönt ein Klingelton. Mein Gastgeber zieht einen Pieper aus der Tasche. Ein besorgter Blick auf das Display, dann er erhebt er sich und greift zur Sense. Unser Gespräch scheint beendet zu sein. Azrael entschuldigt sich für den hastigen Aufbruch. Auf meine Frage nach dem Grund, wird er sehr ernst. Leider könne er zu diesem Zeitpunkt noch keinen Kommentar zur Sache abgeben, verspricht aber mich auf dem Laufenden zu halten.

Dieses aufschlussreiche Interview mit einem außergewöhnlichen Gesprächspartner führt uns allen einmal mehr vor Augen wie wichtig Toleranz, Akzeptanz und Hilfsbereitschaft in unserer von Krisen geschüttelten Zeit sind. Dadurch können Menschenleben geschont und überflüssige Tode vermieden werden. Eine Sache, die uns allen am Herzen liegen sollte.

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oder
wie man einen Schriftsteller in den Wahnsinn treibt

Seit vier Tagen scheiben – lesen – weiterschreiben – lesen – schreiben – roh korrigieren – Sätze/Absätze hin und her schieben – in den fertigen Text (der nach einem abgebrochenen NANO seit etwa 1 ½ Jahren auf seine Fortsetzung wartete) einfügen – 154 Seiten – ich nähere mich endlich der Schnittstelle, an der meine Geschichte vorläufig endete, und an der ich weiterschreiben will.

 

Es läuft! Der Flow! Daran zu erkennen, dass ich vor dem Einschlafen fünfmal (Minimum) das Licht wieder anschalte, um diesen ganz wichtigen Gedanken aufzuschreiben, und dann davon träume. Dass mir beim Putzen Plotlöcher auffallen und mir blitzartig in den Sinn kommt, warum meine Figur genau das tut, was sie tut und ich sofort an meinen PC stürze und mir drei neue Szenen notiere.

 

Bis gestern Abend. OMG! Plötzlich – ohne ersichtlichen Grund und Vorwarnung – machte mein Laptop ein nerviges Tutgeräusch und über meinem Text erschien ein kleines Feld, mit einem roten Punkt und weißem Kreuz, dazu die 5 Buchstaben des Bösen: ERROR! Und ehrlich? ERROR ist der HORROR!
In dem weißen Feld befand sich zwar auch der OK Button, mit dem man den Kasten zur Kenntnis nehmen kann und das X, um ihn zu schließen, aber ERROR ließ weder das eine noch das andere zu.

 

Eben noch bester Laune und voller Euphorie ob meiner effizienten Arbeit brach mir der Schweiß aus. Abwechselnd wurde mir heiß und kalt. Mein Herz raste – oder bliebt es gleich stehen? Im Kopf herrschte Chaos. Alle desaströsen Szenarien nahmen Gestalt an, ballten sich zu einer gigantischen schwarzen Wolke zusammen und lösten die totale Panik aus. Zu erkennen an: sinnloser Herumrennerei, diversen bizarren Schmerzenslauten, flehenden Stoßgebeten (Gott nein, Gott nein, … usw.), Kopf gegen den Türrahmen schlagen, beginnender Tränenproduktion und allen Arten physischen Schmerzes. Gott nein!

 

Auf die lapidare Frage des Computercracks unseres Haushalts: „Hast du eine Sicherheitskopie gemacht?“ erfolgte eine verbale Attacke mit der kurz zusammengefassten Aussage: „Mach ich immer! Seit damals!“

 

Ich habe so viele Sicherheitskopien, dass ich mich vor DVDs und USB-Sticks nicht retten kann – seit ich damals tatsächlich einen Text „verloren“ habe. Solche Schläge hinterlassen Narben auf der Seele, die nie richtig verheilen.

 

Kernproblem bei dieser ganzen Geschichte: Ich sah meinen Text, konnte aber nicht mehr an ihn herankommen. Nichts half. Das böse ERROR-Kästchen verhinderte jeden Zugriff. Bei der ganzen Mauschelei war die Textdatei, bis dahin auf meinem Desktop zu sehen, wie von Zauberhand verschwunden. Erwische ich den Mistkerl von Zauberer, ist er ein toter Mann!

 

Mein IT-Spezi versuchte inzwischen den Kasten des Teufels zu eliminieren und gab mir den Rat: „Bleib ruhig.“

Mein Adrenalinpegel schwang sich zu einer neuen Höchstmarke auf. Der Countdown, mich schreiend auf den Boden zu werfen lief: 10, 9, 8, 7, … Zero!

„Dein Arbeitsspeicher ist voll“, klärte mich mein PC-Manager auf.

Super! Und jetzt? Der blöde Kasten wollte sich, verdammte Axt, nicht schließen lassen. Ratloses Schweigen. Bis mein Spezialist die abscheulichsten Worte überhaupt laut aussprach:

„Ich mache einen Neustart.“

„Ist dann alles weg“, schrie ich. Der Totalausfall stand um Haaresbreite bevor.

„Kann sein“, lässiges Schulterzucken, „aber du hast doch den Text noch irgendwo.“

„Aber nicht den von eben! Nur den von gestern!“ Meine Hysterie nahm eine Form an, an der Freud seine Freude gehabt hätte. (Ja! Ich habe befriedigenden Sex. Alles klar, Sigmund?!)

„Also was soll ich machen?“, fragte Scotty und sah mich erwartungsvoll an. Schließlich wollte er nicht schuld sein, wenn das schwarze Loch den Text fraß.

„Mama, holst du mir ein Eis?“, fragte mein Kind liebenswürdig dazwischen.

„Nicht jetzt!“, schnauzte ich zurück. „Nachher vielleicht. – Dann mach es eben!“, gab ich zähneknirschend mein OK.

Scotty fuhr das System herunter. Der Bildschirm wurde dunkel.

„Ich brech zusammen! Das darf nicht wahr sein!“

Alles in mir verkrampfte sich. Ende! Aus! Verloren! Weg! Alles umsonst. Die vielen Stunden schreiben, der Flow – vergeblich! Heulen oder aus dem Fenster springen? Das System startete erneut.

„Die Datei ist es nicht?“, fragte der Spezi.

„Nein“, stöhnte ich, mit starrem Blick auf den Bildschirm.

„Und das ist deine Normdatei?“

„Siehst du doch!“, knurrte ich. Steht doch drunter!

Scotty klickte sie an, das Programm öffnete sich. In einer kleinen Spalte am linken Rand der Normdatei erschienen zwei separate Zeilen. Beide jeweils mit dem Titel des verlorenen Dokuments und der Info: Irgendwo, in den Weiten meines Laptop-Universums, schwebt eine Sicherungskopie herum, die man durch einen einfachen Klick aufrufen kann.

„Die Obere ist es!“, brüllte ich.

„Echt? Die eine ist von 18:58 Uhr und die andere von 20:59 Uhr“, las mein IT-Experte vor. Lesen kann ich auch!

„Die Obere! Die Obere!“

Wenn Scotty nicht SOFORT auf das richtige Dokument klickt, schubse ich ihn vom Stuhl und mach es selber.

Einen Klick später sehe ich meinen verschollenen Text auftauchen. In voller Länge! Selbst der Fehler, den ich vor einer Stunde verbessern wollte, bevor sich der Text aufhängte, ist noch da. Noch nie(!!!!) war ich so glücklich über einen Fehler.

„Jetzt habe ich mir aber auch ein Eis verdient“, kommentierte mein Spezi meine Wiedersehensfreude trocken. Also zog ich meine Schuhe an und besorgte Tiramisu – und Schokoladeneis.

Liebe Familie – sorry! Aber wenn es um den Text geht … kenn ich kein Pardon.

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