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Dialektik der Symbole

Georg Heym benutzt zur Symbolisierung der Dystopie (in der Literaturwissenschaft ist die D. eine Anti-Utopie eine fiktionale Erzählung, die in der Zukunft stattfindet, mit negativem Ausgang, z.B.: George Orwell, 1984) z.B.: den Winter, das erstarrte Leben, den Tod und die Toten, den Mond, die Kranken, Lahmen, Blinden, Tauben, Irren, die Endzeit, den Untergang.

Symbole der Utopie sind bei Heym: die Sonne, das Feuer, die revolutionäre Aktion, der Krieg.

Übung: Schreiben sie einen Text in dem möglichst viele der genannten expressionistischen Symbole vorkommen.

Expressionistische Farben

Farben haben im expressionistischen Text eine besondere Bedeutung. Sie werden nach drei Regeln angewandt.

–   Sie verwenden die Grundfarben.

–   Sie trennen die Farben von ihrem natürlichen Gegenstand.

–   Sie affektieren(anstreben, anmaßen) und subjektivieren(einer Sache einen persönlichen Stempel aufdrücken)den Bedeutungsgehalt der Farben.

Folgende Bedeutung von Farbsymbolen lassen sich ausmachen:

  1. Dystopische Farben:

–   Schwarz: Tod, Sterben

–   Rot: Katastrophe, Untergang

–   Geld: Unheil

  1. Doppeldeutige Farben

–   Weiß: Göttliches Licht und Grauen

–   Purpur: Pracht und Gefahr

–   Grün: Kälte und Friede

  1. Utopische Farben:

–   Golden: Versöhnung mit dem All

–   Blau: Erhabenheit, maßloses Entzücken

Schreiben sie einen Text (über den Staat) in

expressionistischen Farben.

Die Reise durch die expressionistischen Seelenlandschaften

Die Expressionisten versuchten das Unbewusste zu erfassen. Gemäß der Dialektik (die Lehre von den Gegensätzen in den Dingen, bzw.: den Begriffen, sowie die Auffindung und  die Aufhebung dieser Gegensätze) der Grundtriebe (Todes- und Lebenstrieb) entwerfen die Expressionisten mit Hilfe von Landschaftssymbolen ein Bild vom ES.

Landschaften des Todestriebs:

In Landschaften spiegelt sich für Trakl wie für Heym das Bild des Untergangs. Tiere, Pflanzen, die unbelebte Natur, Gestirne, Personen symbolisieren die Untergangsmetaphorik in unterschiedlicher Weise.

Die Tiere

Das wilde Tier(Sinnbild des Triebes und der Affekte) das sanfte Wild(Bild des Mutterkindes), die Vögel/der Vogelflug(Sinnbild der Fantasie, der Reise ins Totenland).

Die Pflanzen

Rose(Sinnbild der Frau, lockend und drohend), Holunder (Zeichen der berauschenden Kindheit). Aster (Todesblume)

Unbelebte Natur

Am Waldesrand(Nahe dem Reich der Mütter, dem Unbewussten), die Mauer(Schutz und Widerstand), den Stein (Sinnbild erstarrter Vitalität).

Gestirne

Sonne/Sonnenuntergang(bei Trakl anderes als bei Heym Sinnbild des Todes), Mond(Gestirne des Totenreichs).

Personen

Engel(ambivalente Züge: geistige Freiheit und satanische Empörung, dann Sinnbild des narzisstischen Selbst), der Hirte/Landmann(Symbol der bedrohten Einheit von Mensch und Natur).

Landschaften des Lebenstriebes:

Landschaft:

Die seelische Ideallandschaft bei G.Benn ist der mittelmeerische Komplex. Der „Süden“ wird vom Meer beherrscht. Berge und Gebirge lässt Benn weg. Das „Meer“ erscheint als Zusammensetzung: „Muschelmeer“, „Mythenmeer“, „Sternenmeer“. Es hat bei Benn einen „Strand“, „Küste“, „Lagune“, „Hafen“. Die Landschaft wird von einer „Sonne“ beherrscht, die „Licht“, „Wüste“, „Mittag“, „Schatten“ verursacht.

Pflanzen:

Blumen, Sträucher spielen eine große Rolle: Mohn, Glyzinien, Orchideen, Asphodelen, Anemonen (sie bdeuten: Fülle, Schönheit, Harmonie, aber auch einmalige Leuchtkraft im Zeichen ihrer natürlichen Vergänglichkeit).

Gebäude:

Antike Ruinen runden das Bild an: Säulen, Tempel, Krüge, Vasen.

Tiere:

Erwähnte Tiere sind z.B.: Taube, Möwe, Stier, Schwalbe.

Personen:

Personen treten als Angehörige von alten Kulturen auf: Nubier, Phäaken, Inkas.

Farben:

Die wichtigste Farbe des mittelmeerischen Komplexes ist Blau. Mit dem Blau kann der Dichter „den Himmel von Sansibar … und das Meer der Syrten in seinem Herz beschwören“.

Übung: Beschreiben sie eine Reise, die sie erst durch die Landschaften des Todes und dann des Lebenstriebes führt.

Schreibprozess und Textarbeit

Inspiration: ist für Benn die Ausschaltung des Ichs, Öffnung tieferer Bewusstseinsschichten, freie Assoziation von Worten, Hinzuziehung von gesammelten Einfällen.

Inkubation: der Einfall wird vertieft, vernetzt, verdichtet. Das ist für Benn das Zusammenschließen von Worten in tieferen Schichten des Unterbewussten: Verdichtung, Symbolisierung, Verschiebung.

Explikation: Das unbewusste Material erhält Form. Der Text wird nun gestaltet, vom Intellekt durchgearbeitet.

Diese drei Stufen können wir mit der Clustermethode der freien Assoziation durchschreiten. Dabei ist wichtig, dass wir das Kernwort und Assoziation im Geist des Expressionismus vollziehen.

Aufgabe: Mit Hilfe des Clusterns schreiben wir einen Text zum Thema „Kleine Aster“.

Expressionistische Textarbeit umfasst sechs Regeln:

  1. Substantivierung

Wortverkürzung, Wortveränderung, Satzverkürzung,

Konzentration. Z.B.:

Die Bäume und Blumen blühen.

Die Bäume, Blumen blühen.

Baum und Blume blühen.

Baum blüht Blume.

Blühte.

Aufgabe: Bilden sie einen längeren Satz. Substantivieren sie diesen Satz, indem sie erst die Worte des Satzes verkürzen, dann verändern, dann den Satz verkürzen und schließlich die Satzaussage konzentrieren.

  1. Heterogenisierung

Die poetischen Bilder werden dissonant gegeneinander

Gesetzt, wie Schnitte im Film. Die freie Assoziation wird hier literarisches Prinzip. (James Joyce, der innere Monolog).

Aufgabe: Schreiben sie einen Text über die Großstadt, die nur aus einer Reihung freier Assoziationen und Einfällen besteht, die möglichst wenig miteinander zu tun haben.

  1. Personifizierung

Die dringliche Umwelt, Landschaften werden als Personen

dargestellt: Häuserrudel, Fenster sehen in die Nacht, Häuser bellen wie Hunde, etc. Die animistische und mystische Beseelung der Umwelt wird als Ausdruck der Aggressivität, der Dämonie der städtischen Konkurrenzgesellschaft, des bürgerlichen Schicksals im Krisenzyklus von Krieg und Wirtschaftszusammenbruchs benutzt.

Aufgabe: Lassen sie sich einige Stadtlandschaften einfallen und verwandeln sie sie in Personen; verwandeln sie Häuser in Tiere, Fenster in Augen, Wolken in Fäuste, Gedanken in mytische Gestalten, Brücken in Raubwesen etc. Schreiben sie dann einen personifizierten Text über ihren Stadtteil.

  1. Reduktion der Personen auf hässliche Details

Menschen werden nur noch durch hässliche Körperteile

dargestellt: Sattelnase, Bartflechte etc.(Benn: Nachtcafé) oder als Tiere: durch Substantivverschmelzung: Hungerhaie, Menschentiere. Die Entmenschung der Industriegesellschaft wird damit handgreiflicher Ausdruck.

Aufgabe: Schneiden sie aus einer Illustrierten zehn Bilder von Menschen aus und versuchen sie sie nur durch ein Körperdetail zu charakterisieren. Danach charakterisieren sie dieselben Menschen durch Tiere. Schreiben sie dann einen Text über Menschen in der Großstadt, die sich als Körperteile begegnen.

  1. Emotionalisierung

Das Verhältnis des bedrohten Ichs zu seiner drohenden,

zerstörerischen Umwelt erzeugt eine hohe emotionale Dauerspannung. Diese wird durch Rhythmus und Spannungen im Satzbau ausgedrückt.

–   Das lyrische Gedicht ist keine Mitteilung von Gedanken, sondern Kunde einer Offenbarung

–   Wichtige Stilmittel sind Laut und Rhythmus.

–   Der Rhythmus ordnet die Laute zu einer Einheit

–   Die Grammatik der Umgangssprache ist für die Lyrik belanglos. Das lyrische Gedicht ist Sprachtonwerk

Aufgabe: Schreiben sie zehn Sätze über einen Mord in

einer Großstadt. Versuchen sie dann durch folgenden Stilmittel den Text zu emotionalisieren.

–   Stellen sie die Worte in jedem Satz so um, dass der Satz stärker wird. Aus „Der Mörder hob langsam das Messer“ wird „Das Messer der Mörder hob – langsam“.

–   Versuchen sie möglichst viele dunkle Vokale in den Worten Ihrer Sätze unterzubringen.

–   Sprengen sie dann alle Regeln der Grammatik und verwandeln sie ihren Text in ein Sprachtonwerk.

  1. Utopisierung

Aus den Trümmern der Gegenwart, aus dem Chaos des

Untergangs erhebt sich die Gestalt des neuen Menschen, der sich in ekstatischer Lebe, in neuer Naturverschmelzung, utopischer Gemeinschaftssehnsucht ausdrückt. Aufbruch, Bewegung des Empor, Lichtmetaphern, der standhafte Mensch, Ideen neuer Gesellschaft.

Aufgabe: Nach dem Setzung des oberflächlichen Stadtmenschen durch die expressiven Stilmittel, soll nun ein Text über den neuen Menschen mit den Formeln des expressiven Pathos erarbeitet werden. Schreiben sie einen Text über den neuen Menschen als Bruder, guter Mensch, treuen Freund. Laden sie ihn mit dann utopisch auf.

–   O-Mensch-Ausrufe

–   Empor- und Lichtmetaphern

–   Aufbruchstimmung

–   Stilisierung des Guten bis zur ironischen Schmerzgrenze und bis an den Rand des Kitsches.

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

Siehe expressionistisches Schreiben Teil II.

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