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Posts Tagged ‘Essen’

Ich sitze beim Essen. Die Kerze strömt einen sanften Duft aus. Musik läuft im Hintergrund. Meine Kehle wird eng, schnürt sich immer weiter zu, bis die ungehörten Schreie mir als Tränen in die Augen steigen. Ich esse. Kann nicht aufhören.

Tränen rinnen mir über die Wangen. Sie verschmelzen mit dem Essen auf der Gabel. Ich schmecke die Einsamkeit auf meiner Zunge, schlucke sie mit jedem Bissen. Mühsam versuche ich die Tränen zu unterdrücken, sie abzuwischen. Es kommen immer neue. Der Strom endet nicht, wenn der Damm gebrochen ist.

Ich spende Trost, bin da, wenn man mich braucht, lache und bin gutgelaunt, halte alles aus, was man mir auch aufbürdet, ich bin stark. Bis der Augenblicke kommt in dem ich es wieder erkenne – ich bin allein. Mehr als das. Ich bin einsam. Eisige, gefrorene Einsamkeit, die alles lähmt, mir alles nimmt.

Das Monster bricht aus seinem gut gehüteten Gefängnis. Es schlägt seine Krallen in den letzten Rest Hoffnung. Mit seinem gierigen Maul verschlingt es jedes andere Gefühl. Taucht jeden Sinn in abgrundtiefe Finsternis.

Ich bin allein mit meinem Schmerz, meiner Traurigkeit, meiner Sehnsucht nach Liebe, Händen, die mich halten. Getrennt von allen Menschen löst sich die Camouflage der Fröhlichkeit in der Lauge aus Einsamkeit und Qual. Ich werde unsichtbar. Kein Wort wird noch gehört. Kein Schluchzen ist es wert sich umzudrehen.

Ich esse, schlucke salzige Tropfen. Kann nicht aufhören. Muss immer weiter trinken. Den Schmerz meiner Seele herunterwürgen, bis mir das Herz zerbricht und ich endlich frei sein kann. Nur noch ein Hauch, der vermischt mit den Morgennebeln entschwindet im Licht der aufgehenden Sonne.

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Ich bin nicht „am Wasser“ geboren und doch fühle ich mich mein Leben lang „zum Wasser“ hingezogen. Sei es See, Teich, Fluss, Bächlein oder Meer, Ozean. Jedes Wasser hat seinen eigenen Reiz. Natürlich ist es immer ein besonderes Erlebnis an einem großen Wasser zu sein. Meer – Salz, Wellen, Wind, Sand, Muscheln, Möwen, Schiffe, Himmel.

Ich vermisse das Meer. Ich träume vom Meer. Wasser, das sich hoch aufschwingt und sich an Felsen bricht. Wind, der mich zerzaust, bis auf die Haut. Sandkörnchen, wie kleine Nadelstiche. Möwen schaukeln schreiend auf dem Sturm. Segelschiffe tanzen zwischen den Wellen auf und ab. Containerschiffe auf großer Fahrt versinken langsam hinter der Horizontlinie, wie die Sonne am Abend, wenn sie einen Flächenbrand auf dem Wasser inszeniert. Die hellen Vollmondnächte, die das Wasser in flüssiges Silbergrau verwandeln. Der Geruch des Meeres, der sich in die Erinnerung brennt.

Früher wünschte ich mir, eines Tages in Spanien zu leben. An der wilden Küste, mit ihren kleinen Buchten, hübschen Fischerdörfern, an denen der Größenwahn von Bettenburgen vorbeigegangen ist. Ich bin mehr als einmal dort gewesen und würde gerne eines Tages die Orte meiner Erinnerung noch einmal besuchen. Ich liebe die Sprache, die Menschen, das Essen und die raue Landschaft.

Heute sehe ich aus dem Fenster. Kühler Wind zerzaust die Blätter der Zierkirschen. Er treibt die Wolken hastig über den hellblauen Frühsommerhimmel. Ich wäre jetzt gerne an einem nördlichen Meer. Möchte mich durchwehen und zerzausen lassen. Den wilden Wellen zusehen, die seit ewigen Zeiten an den Strand rollen. Die Augen über den Horizont schweifen lassen, ohne anzustoßen. Eine Muschel finden für mein Regal. Den Geruch des Ortes einatmen und aufbewahren in meiner Erinnerung. In den Dünen sitzen und Zeit vergehen, Zeit sein lassen.
Egal wo ich bin. Das Meer ist in mir. So war es immer und so wird es sein.

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Ratten im Paradies. Der Gedanke ist schon ziemlich lustig, aber, wie im Buch beschrieben, einleuchtend. Die „armen“ Ratten in den versiften engen Käfigen brachten sich in einen Dauerrausch, in dem sie von Drogen versetztem Wasser tranken. Kein Wunder, um das zu ertragen, muss man dauerhigh sein. Als dann die Ratten, die vorher „süchtig“ waren, in einen paradiesähnlichen Käfig kamen, hörten sie auf von dem mit Rauschgift versetzten Wasser zu trinken.

Was sagt das über uns aus? Paul sagt, dass wir uns durch Beziehungen, Jobs und unserer Leben „in den Käfig sperren“ lassen. Die Betonung liegt auf: Wir sperren uns ein. Kein anderer. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sind wir verantwortlich für unser Leben und das, was wir tun. Eigenverantwortung. Erkenne und handele. Das bedeutet nicht darüber nachzudenken, wie schrecklich unsere Kindheit doch war … auch wenn sie es war und uns eine gewisse Prägung mit gibt. Es würde bedeuten sich aus dem Staub der Vergangenheit zu erheben und sich zu sagen: Wie sieht es in meinem Leben aus? Was kann oder will ich ändern? Und vor allem, warum?

Ich stelle bei mir immer wieder eine gewisse „Neidtendenz“ fest. Aber statt auf die anderen zu schielen und meine Energie mit Grübeleien zuverschwenden, sollte ich mich fragen, warum mir das so gut gefällt und was ich tun kann, um diese oder jene Seite von mir stärker hervor zu bringen. Allerdings sollte ich dabei bedenken, dass ich eine gewisse Trägheit mitbringe, die mich öfter hemmt, als antreibt. Andererseits habe ich mir dieses Leben ausgesucht und ich fühle mich in „meiner kleinen Welt“ ganz wohl. Ich mag es, in Ruhe auf meinem Sofa zu sitzen und zu lesen oder etwas anderes zu tun. Das, was ich in meiner Kindheit nie konnte, weil ich dauernd raus geworfen wurde. Stubenhocker!

Frage: Warum sollte ich nicht das tun, was meiner Natur am nächsten kommt? Es gibt keinen Grund. Wenn ich drin sein will, dann darf ich das. Ich bin erwachsen und erlaube mir das. Und wenn es draußen schön ist, darf ich trotzdem auf dem Sofa sitzen und muss nicht „das schöne Wetter ausnutzen“. Ich kann, aber niemand kann mich zwingen. Zu den meisten Dingen zwinge ich mich selber, weil ich denke, ich müsste es tun. Aber Fakt ist: Ich muss gar nichts. Ich will. Das würde meinem kleinen Schweinehund im Übrigen sehr entgegen kommen.

Und ehrlich: Thai Chi ist ja nett, aber was ich eigentlich will wäre: Tanzen. Was mach ich bloß? Ich müsste das mit meinem Mann besprechen, aber für ihn ist das natürlich nicht das Gelbe vom Ei. Ihn zu etwas zwingen, was ihm keinen Spaß macht? Dann wäre er in dem Fall die Ratte, die stoned werden will, weil sie nicht in diesem Käfig sein will und ich kann schließlich nichts von ihm verlangen, was ich nicht geben will.

Das Schreiben habe ich damals angefangen, weil ich mir mein Leben schön schreiben wollte. Eine Art des Rauschs. Wenn man in den Flow kommt, dann ist man high. Aber schreiben ist nicht nur Flow. Schreiben ist Handwerk und Disziplin, weil man sonst nie ein Buch fertig kriegt. Schreiben tut es sich nicht von alleine. Man muss schon dran bleiben und Geduld haben, die Gedanken und Ideen auszuarbeiten.

Und beim Essen mag es ja so sein, dass man sich in dem Moment glücklich fühlt (und keiner sagt, dass man nicht etwas Schönes essen dürfte), aber am Ende ist doch die Frage, ob es sich lohnt leere Kalorien zu futtern, die sich so unendlich schwer wieder los werden lassen.

Ich will die Sucht los lassen und mein Leben annehmen, weil ich mich mit meinem Leben und meiner Familie gut fühle. Ich möchte schreiben, weil ich mich gut dabei fühle und weil es mir Spaß macht, aber nicht, weil ich mich selbst unter Druck setze und es ein Zwang wird. Alles, was unter Zwang geschieht, ist zum Scheitern verurteilt. Dinge, die man will, machen Spaß. Dinge, die man muss, sind eine Last. Und ich will nicht mehr essen müssen. Ich will mir das Essen nicht rein zwingen. Ich will essen, weil ich Hunger und Lust habe auf das, was ich esse. Und heute habe ich mir ein Stück Pflaumenkuchen gegönnt, ganz für mich allein.

Mir fällt das Schreiben im Kurs wahrscheinlich leichter, weil es da ein Spiel ist und egal ist, was dabei raus kommt. Es muss keine Form haben, Fehler und Wiederholungen sind wurscht. Das sollte ich mir für meine Projekte auch wieder zu gestehen. Denn ich will „perfekt“ schreiben, das ist wohl meine Natur. Statt es Perfektionismus zu nennen, sollte ich es Gewissenhaftigkeit nennen, das Wort gefällt mir entschieden besser.

Fazit:

  1. Ich bestimme mein Leben selber und nicht mein Leben mich.
  2. Ich darf sein, wie ich bin. Und wenn ich ein Stubenhocker bin, dann bin ich es.
  3. Ich bin gewissenhaft und das ist gut so.
  4. Ich nehme mein Leben an, weil ich es mir ausgesucht habe und weil ich mich darin sicher fühle.
  5. Ich will schreiben, weil es mir Spaß macht und weil ich mich dabei gut fühle.

 

Ich genieße es auf der Couch zu sitzen, zu lesen, Kaffee zu trinken, der Katze zu zusehen, den Wattewolken zuzusehen, die gemächlich grasend über den Septemberhimmel ziehen und Musik zu hören. So laut es mir gefällt! Alles ist gut, so wie es ist. Ich muss es nur sehen und mich in meinem Leben ausbreiten.

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Birnen

Das Zittern begann in den Knien, zog sich den Bauch hoch, über Brust und Arme, bis in den Kopf.

Ich muss etwas essen. Sofort! Schokolade, Brötchen. Irgendwas!

Die Brotdose war leer, die Supermärkte zu weit weg. Ihr Blick fiel auf eine Schüssel Birnen. Lang, grünbäuchig, rauhäutig.

Ich will Birnen. Ob ich eine haben kann?

„Hallo“, rief sie der Servicekraft zu, „ich wollte fragen, ob ich mir eine Birne nehmen darf. Ich bin total klapprig, irgendwie unterzuckert.“

„Klar! Nehmen sie sich ruhig noch eine.“

Die Frau lächelt vertraulich und steckt ihr eine zweite Birne in die Tasche.

„Danke! Einen schönen Tag noch.“

Sie lächelte der Frau zu und rannte los.

Bloß raus hier. Endlich essen!

Die Birnen wogen schwer und fleischig in ihrer Tasche. Draußen öffnete sie hastig ihr Fahrradschloss und schob es über die Straße. Sie konnte sich nicht mehr zurück halten. Griff sich eine Birne und biss hinein. Fest, aber nicht hart. Süße Bissen, saftig aber nicht matschig. Ihre Zunge tastete das Aroma, aber ihre Zähne rissen gierig weitere Stück aus der Frucht. Sie konnte nicht innehalten, verschlang die ganze Frucht, nur die winzig kleine Blüte blieb zurück. Achtlos flog sie in das nächste Gebüsch. Die zweite Birne verlor ihr Dasein auf die gleiche barbarische Weise. Zerfetzt von weißen Zähnen, wollüstig verzehrt.

Langsam ließ das Zittern nach und sie beruhigte sich wieder.

 

 

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Das Dilemma meines Lebens. Besonders, da sich diese beiden Dinge in geradezu teuflischer Kombination perfekt ergänzen.

Gerade bin ich wieder an diesem Punkt des Teufelskreises, der das Karussell auf unheimliche Weise in Gang setzt. Man sieht es nicht kommen, wenn man nicht darauf achtet. Plötzlich ist es da und schwingt sich zu immer größeren Kreisen auf.

Es beginnt mit einer stillen Frustration, oder einer müden Lustlosigkeit. Der Kopf ist voller Gedanken an die Dinge, die man tun möchte, die Ideen häufen sich von Hügeln zu Bergen und je höher sie werden, desto kleiner und antriebsloser wird man selbst.

Ich sitze da, starre auf meine PC oder mein Blatt. Ideenfluten mein Hirn, aber statt einfach anzufangen, bleibt kein Gedanke greifbar. Wie durch eine Windböe am Meer, die Wolken vertreibt, sind sie fort, ehe ich eines Wortes habhaft werden konnte.

Ich möchte schreiben, aber was wenn die Idee schlecht, schon geschrieben, zu schwierig, zu langwierig oder sonst wie unerreichbar ist? Und außerdem bin ich doch sowieso nicht gut genug? 600 Seiten auf Papier, und was wenn sie niemand haben will? Du musst es aber erst mal versuchen, bevor du wissen kannst, ob es einer will oder nicht!

Wozu die Arbeit? Die Verlagsuche, die Absagen…alles ist so ermüdend.

Die Spatzen hüfen draußen herum und suchen sich einen Partner zum Nestbau. Interessant den Vögeln zu zusehen. Grünfinken, Meisen, Spatzen, Rotkelchen. Katze Finchen schaut ihnen auch zu, aber unter anderen Gesichtspunkten. Sie würde die laute, aufdringliche Bagage lieber fangen und fressen.

„Ich bin müde, kann mich kaum auf den Beinen halten. Habe Ideen die ich aufschreiben will, aber ich traue mich nicht!“ –  „Was soll das denn heißen? Du hast einen erotischen Roman veröffentlicht, du kannst das und bist gut darin. Warum traust du dich nicht? Du darfst alles schreiben, alles. Du musst es ja niemandem zeigen, wenn du nicht willst, immerhin ist es dein Geschreibsel.“ – „Mir kommt alles so hohl und nichtssagend vor.“

Ich kann nichts dafür. Der Gedanke hat sich in mein Hirn gebohrt, wie ein Wurm, der erst nur ein Würmchen, sich von meinen Zweifeln nährt und langsam immer dicker und fetter wird, und immer mehr Platz in meinen Gedanken einnimmt. Der droht mich zu ersticken und irgendwann aufzufressen.

Die Erschöpfung ist überdeutlich spürbar. In meinem Kopf ist ein schwarzes Loch, das alle Ideen und Worte schluckt, sprengt und als Puzzle wieder ausspuckt. Mein Mann würde sagen, das ist nur eine Schaffenspause, aber ich fühle mich so ausgezehrt, dass ich am liebsten nur noch schlafen und meinen Tagträumen nach hängen möchte.

Davon abgesehen, dass ich mich zur Kompensierung dieses Zustandes, mit Essen aller Art tröste und mich selbst wie eine Raupe fühle. Vielleicht kommt ja irgendwann ein riesiger Vogel vorbei und pickt mich auf.

Die Spatzen, oder sollte ich Sperlinge sagen, sammeln kleine Ästchen und Kleinkram für ihre Nester. Und ich hole mir jetzt einen ordentlichen Kaffee und einen Keks.

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