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Posts Tagged ‘Dünen’

Abblättern, Blau, Schein, Spitze, Wald

Die blaue Farbe blätterte von den Fenster und Türrahmen des kleinen Holzhauses ab. Kein Wunder, dachte Jen, das Salz in der Luft, der Wind, die Feuchtigkeit leisteten ganze Arbeit. Trotz des Verfalls sah das Häuschen heimelig und einladend aus.

Es stand an der Landspitze von Havens Gate, umgeben von Dünen, Reedgras und der Unberechenbarkeit eines nördlichen Meeres. Wenn man die steile Holztreppe hinaufstieg und aus dem runden Giebelfenster blickte, konnte man einen Wald sehen, der sich je nach Wetterlage heftig mit den Winden bog oder anmutig in der Brise tanzte.

Ich stellte meinen Koffer auf der Veranda ab, setzte mich auf die oberste Stufe und blickte den weißen Wattewolken nach, die gemächlich über den azurblauen Julihimmel bummelten.

Es war lange her, dass ich in Großmutters Haus gewesen war. Nun endlich hatte mich ein ungenädiger Schicksalsschlag nach Hause gespült, wie die rosa Muscheln, die ich früher am Strand gesucht hatte. Winzige Raritäten, nicht größer als Marienkäfer und so zart wie Schmetterlingsflügel. Wie sanft ich sie auch behandelte, ich konnte nur wenige heil nach Hause bringen. Meine Kinderhände waren zu gierig und hastig für das dünne Gehäuse. Mir schien es hatte sich nicht sehr viel daran geändert. Und so kam ich mit gebrochenen Flügeln zurück.

 

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Ich bin nicht „am Wasser“ geboren und doch fühle ich mich mein Leben lang „zum Wasser“ hingezogen. Sei es See, Teich, Fluss, Bächlein oder Meer, Ozean. Jedes Wasser hat seinen eigenen Reiz. Natürlich ist es immer ein besonderes Erlebnis an einem großen Wasser zu sein. Meer – Salz, Wellen, Wind, Sand, Muscheln, Möwen, Schiffe, Himmel.

Ich vermisse das Meer. Ich träume vom Meer. Wasser, das sich hoch aufschwingt und sich an Felsen bricht. Wind, der mich zerzaust, bis auf die Haut. Sandkörnchen, wie kleine Nadelstiche. Möwen schaukeln schreiend auf dem Sturm. Segelschiffe tanzen zwischen den Wellen auf und ab. Containerschiffe auf großer Fahrt versinken langsam hinter der Horizontlinie, wie die Sonne am Abend, wenn sie einen Flächenbrand auf dem Wasser inszeniert. Die hellen Vollmondnächte, die das Wasser in flüssiges Silbergrau verwandeln. Der Geruch des Meeres, der sich in die Erinnerung brennt.

Früher wünschte ich mir, eines Tages in Spanien zu leben. An der wilden Küste, mit ihren kleinen Buchten, hübschen Fischerdörfern, an denen der Größenwahn von Bettenburgen vorbeigegangen ist. Ich bin mehr als einmal dort gewesen und würde gerne eines Tages die Orte meiner Erinnerung noch einmal besuchen. Ich liebe die Sprache, die Menschen, das Essen und die raue Landschaft.

Heute sehe ich aus dem Fenster. Kühler Wind zerzaust die Blätter der Zierkirschen. Er treibt die Wolken hastig über den hellblauen Frühsommerhimmel. Ich wäre jetzt gerne an einem nördlichen Meer. Möchte mich durchwehen und zerzausen lassen. Den wilden Wellen zusehen, die seit ewigen Zeiten an den Strand rollen. Die Augen über den Horizont schweifen lassen, ohne anzustoßen. Eine Muschel finden für mein Regal. Den Geruch des Ortes einatmen und aufbewahren in meiner Erinnerung. In den Dünen sitzen und Zeit vergehen, Zeit sein lassen.
Egal wo ich bin. Das Meer ist in mir. So war es immer und so wird es sein.

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