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Posts Tagged ‘Druck’

Sam war sich nicht sicher, ob es ein gutes Zeichen oder das Zeichen einer kommenden Katastrophe war, aber er wusste, …

… dass gleich etwas Aufregendes geschehen würde. Er hatte es im Gefühl. Diese leise Vorahnung, die sich mit einem erregenden Kribbeln im Bauch ankündigte. Bis jetzt hatte er noch nie daneben gelegen. Sam lauschte. Eine Tür wurde aufgerissen, schlug zu. Dann hastete Misses Miller, Archers Sekretärin, schnellen Schrittes den Korridor entlang. Das Geräusch ihrer Pumps war schon von Weitem zu hören. Ein rhythmisches Klappern, vergleichbar dem spanischer Kastagnetten. Der Karren, mit dem der Hausbote die Post auslieferte, erinnerte Sam immer an einen alten Regionalzug, dessen Räder nicht ganz rund liefen und bei jeder Umdrehung einen dumpfen Ton von sich gaben.

„Hallo, Misses Miller“, Sam hatte sich von seinem Drehstuhl erhoben. Im Türrahmen blieb erstehen, „ist was passiert?“

„Ja. Schrecklich“, stieß sie im Vorbeilaufen atemlos aus.

„Was denn?!“, rief Sam hinter ihr her.

„Jetzt nicht. Später!“, wehrte sie mit einer Handbewegung ab und lief weiter.

Für einen kurzen Moment überlegte Sam, ob er ihr folgen sollte. Er bezwang sich. Nur nicht auffallen, sagte er sich. Nachdenklich ließ er sich wieder in seinem Bürostuhl nieder. Langsam drehte er sich um seine eigene Achse. Wer wusste am meisten und am schnellsten über alles bescheid? Misses Miller war mit Betsy aus Buchhaltung befreundet. Die Zwei gönnten sich nach der Arbeit oft noch einen Drink im Pub auf der anderen Straßenseite. Sam hatte sie schon ein paar Mal dort gesehen. Er griff zum Telefon wählte die 232. Das Freizeichen ertönte. Sam wartete. Betsy nahm nicht ab. Nach dem zehnten oder zwölften Tuten legte er auf.

Was soll`s, dachte er, früher oder später werde ich schon mitkriegen, was los ist. Er drehte sich wieder. Seine grauen Aktenschränke gelangten in sein Blickfeld. Dann die Tür zu seinem Büro, mit dem Poster gesuchter Krimineller und dem Aufruf, sich bei sachdienlichen Hinweisen bei der Polizei zu melden. Sein Kleiderständer, die Regale mit den Gesetzestexten, die Ecke mit der Kaffeemaschine über der ein hässlicher Druck hing, den er von seinem Vorgänger übernommen hatte, dann das breite Fenster mit den senffarbenen Vorhängen.

Als er die komplette Runde gedreht hatte, hielt es ihn nicht mehr. Verdammt! Auffällig oder nicht, ich muss wissen, was vor sich geht. Er sprang auf, verließ sein Büro und folgte Misses Millers Spur. Hätte er geahnt, was ihn am Ende seines Weges erwartete, er hätte sein Büro niemals verlassen.

Der erste Satz war nur der Anreger 😉 .

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Wahnsinn, Schwachsinn, Gemeinheit mit Methode, völlige Realitätsferne oder einfach nur menschenverachtend? Wie ist es in unserem Rechtsstaat möglich, dass Arbeitnehmer so arrogant und geringschätzig behandelt werden? Finanziell und emotional. Tariflohn, bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind für viele Minijobber oft eine Wunschvorstellung. Es steht ihnen zwar zu, aber von bekommen kann keine Rede sein. Arbeitest du für eine Firma, die dir diesen Luxus zugesteht? Glückwunsch. Freu dich!

Wenn nicht, dann kann ich mir vorstellen, was in dir vorgeht: Du brauchst den Job unbedingt! Hast Kinder, Rechnungen zu bezahlen, musst ab und an was essen und brauchst eine neue Hose. Du weißt vielleicht, dass dir die obengenannten Dinge zustehen, aber du traust dich nicht es zu fordern, weil du deinen Job dann ganz schnell los bist. Es warten genug neue Leute auf deinen Job. Raus katapultiert man sich schneller, als man denkt.

Warum darf das sein? Warum dürfen Menschen anderen Menschen solche Angst einjagen, sie so unter psychischen Druck setzen?

Warum dürfen Menschen anderen Menschen das Gefühl geben, sie wären nicht genauso viel wert, wie sie, nur weil sie vielleicht nicht dieselbe Bildung oder dieselbe Gehaltsklasse haben?

Ich versteh es nicht und will es auch nicht! Eine dicke Geldbörse oder ein akademischer Grad können Herzensbildung und ein freundliches Wesen nicht ersetzen.

Zugegeben, ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Wenn es nach der darwinschen Theorie geht, würde ich zu den Ersten gehören, die von den Starken gefressen wird. Manchmal wundert es mich selbst, dass ich noch ganz bin. Allerdings hat es bis jetzt funktioniert, obwohl ich mich bemühe ein netter Mensch zu sein.

„Nie entmutigt sein. Das Geheimnis meines Erfolgs.“ Von Ernest Hemingway. Das Zitat gefällt mir sehr. Denn egal wie dick es manchmal kam, ich bin immer wieder aufgestanden. Ich möchte keinen Ärger und ich hasse Streit. Ich will in Ruhe leben, aber irgendwann ist die Schmerzgrenze überschritten.

Wenn jemand meint, ich wäre dumm und mich so behandelt als wäre ich geistig zurückgeblieben, dann hat er sich geschnitten. Ich weiß nicht alles (zum Glück, sonst würde mir ja die Rübe platzen) aber ich weiß, wo man sich erkundigen muss. Außerdem darf ich eine tolle Familie und gute Freunde mein Eigen nennen. Ich danke dem Leben für das, was es mir geschenkt hat, aber ich bin auch bereit dafür zu kämpfen. Es kann gut ausgehen oder nicht, aber ich will in den Spiegel schauen können und das Gefühl haben, dass ich mir von niemandem Angst machen lasse, egal wie groß der Druck ist.

Es könnte viel mehr erreicht werden, wenn die geschundenen Leute zusammenhalten würden, aber dass scheint ein echtes Problem zu sein. Es wird geschimpft und sich empört, aber wenn es darauf ankommt, dann bist du allein. Wie ging der alte Kinderreim: „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ – „Niemand!“ – „Und wenn er kommt?“ – „Dann laufen wir!“

Besser sollte es heißen: „Und wenn er kommt, dann halten wir zusammen und stehen für uns ein.“ Wenn wir nicht einmal für uns einstehen können, wie wollen wir für andere einstehen? Wir sollten uns öfter vor Augen führen, dass der schwarze Mann auch nur ein Mensch ist. Er mag denken, er kommt mit seinen Anmaßungen durch, aber erstens gibt es ein Gesetzt und zweitens gibt es eine Art Karma. Der schwarze Mann entkommt dem Leben nicht. Wenn er denkt, er könnte ungestraft alles tun, was er will, dann kann ich nur sagen: alles was du tust fällt auf dich zurück. So oder so.

Meine Schmerzgrenze ist oft zu hoch, aber ich hasse Ungerechtigkeit. Besonders wenn es um kollektive Ungerechtigkeit geht. Für mich kann ich einiges aushalten, aber wenn es um meine Familie oder meine Freunde geht, dann kenne ich kein Pardon. Ich gehöre nicht zu den Mutigsten. Trotzdem bin ich bereit all meinen Mut zusammenzuraffen. Und sollte mir auch das Herz aus dem Leib springen, steh ich für mich und das ein, was mir wichtig ist.

Ich werde niemals vom Rand des Himmels springen oder mich von Klippen in tosendes Wasser stürzen. Aber jeder der denkt, dass er mich leicht einschüchtern kann, sollte sich nicht täuschen lassen. In meinem Inneren schlägt ein kleines Löwenherz und wenn es nötig sein sollte, bin ich breit zu verteidigen was Recht ist.

Vielleicht ist es wahnsinniger Schwachsinn, aber vielleicht ist es auch wahnsinnig mutig. Mit jeder Überwindung meiner Angst werde ich stärker und das ist doch das wirklich Ermutigende an dieser Sache.

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