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Posts Tagged ‘Druck’

Es gab tausend Chancen, die wir nicht ergriffen.

Wir begegneten dem Unbekannten, und vermochten nicht die Hände danach auszustrecken.

Uns fehlte der Mut, wir ließen zu, dass uns die Angst lähmte.

So breitet sich die Zukunft vor uns aus, glatt, langweilig, absehbar.

Eine ungefaltete Karte, frisch aus dem Druck, die keinen Reisenden begleiten wird.

Wir liegen am Wegrand, Steinen gleich, über denen die Zeit ungenutzt verstreicht.

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oder Studenten auf Reisen

 Nachdem ich endlich Studentin sein darf, ist es an der Zeit die neu gewonnene Freiheit zu genießen und sich dem Leben hinzugeben. „Das Leben wurde geschaffen für große Abenteuer & große Freundschaften.“ So haben meine Mitstudentin Uschi und ich eine spontane Reise zu einem Konzert der Band PROJEKTiON in die Niederlande geplant.

PROJEKTiON

PROJEKTiON

Nein, die Reise zum Konzert der Band ist nicht meinem neuen Seminar: Verstehen an der Grenze – Fremde Lebenswelten beobachten – verstehen – beschreiben, geschuldet, sondern wurde durch einen netten Zufall auf Twitter ausgelöst. Dort stieß ich vor einigen Wochen auf diese interessante Band aus den Niederlanden. Da ich Musik liebe  (und die Niederlande), sie auch zum Schreiben brauche, und ich es spannend finde neue Musik/er zu entdecken (dank meiner Kinder, die immer mal wieder ungewöhnliche Musik nach Hause brachten und mich inspirierten) klickte ich den Song an.

PROJEKTiON – Stranded

Dieser Song ist eine wunderschöne Ballade und gefiel mir auf Anhieb. Der Leadsänger beherrscht die leisen Töne, aber wie man bei dem Song „Delirious“ hören kann, auch die rockigen Vocals.

PROJECTiON – Delirious

Die Band kommt aus den Niederlande, Provinz Gelderland aus den hübschen Städtchen Winterswijk, Varsseveld, Borculo. Die Musiker blicken auf langjährige Erfahrungen zurück, traffen bei Auftritten öfter aufeinander, bis sie sich in der jetzigen Konstellation zusammenfanden. Die Bandmitglieder: Richard Immink (drums and vocals), Frank van Eerden (guitar and vocals), Herman Wiggers (lead vocals), Peter Pampiermole (keyboards and vocals), Jürgen ten Have (bassguitar and vocals) schreiben und komponieren alle Songs selbst.

Das Debüt-Album heißt Realitivity und entstand 2015 – Genre: Melodic/ Progressive Rock. Die Songs des Konzeptalbums stehen zwar alle für sich, bilden aber eine harmonische Einheit. Die Bandmitglieder haben beim Schreiben der Songs ihr Leben, ihre Erfahrungen einfließen lassen.

Das Album ist eine musikalische Beschreibung des Lebens mit allem was uns im Alltag begegnet: Eile, Stress, Erwartungen, Druck, Überzeugung, Zweifel, Reue, aber natürlich auch Freude, Liebe und Glück, die ein unersätzliches Gegengewicht bilden. Die Relativität der Realität. Realitivity. So entstand ein Album, das sich zu einer stimmig-melodischen Einheit zusammenfügt.

Background Magazin über PROJECTiON

Informationen in englischer Sprache

Webseite der Band PROJECTiON

In Niederländisch.

Das Konzert findet am 24.11.2016 im Muziek Cafe Merleyn, in 7001 Doetinchem, Grutstraat 4 statt. Muziek Cafe Merleyn

Und was das Studentische in der Reise betrifft – nach dem Konzertbesuch wird es einen kleinen Reisebericht geben. Denn tatsächlich wird dies das zweite Konzert meines Lebens. Das erste Konzert war im Olympia Stadion Berlin – U2 – Zoo Tour. Eine zweite Premiere sozusagen. Es ist doch toll, dass man mit 51 Jahren Dinge  zum (fast) ersten Mal erleben kann.

„Die Inspiration ist vorbei, nun kann ich mich wieder an die Arbeit machen.“                                             Stanislaw Afanasjew

Ein schönes Zitat. Zeigt es doch, dass wir nie aufhören dürfen neugierig und interessiert zu sein. Sich mit Neuem zu befassen um sich inspirieren zu lassen. Der Sehnsucht nachzugeben, dem Leben ein Abenteuer abzutrotzen und sich nicht kampflos dem Alltag zu überlassen. Ohne Inspiration kann unsere Kreativität nicht befruchtet werden. Das kann sicher jeder Künstler bestätigen. Und wer den Funken der Inspiration gespürt hat, kann und will ihn nicht mehr missen.

„Wir bereuen am Ende unseres Lebens das, was wir nicht getan haben. – Noch niemand hat am Ende gedacht, schade, ich habe viel zu wenig Zeit im Büro verbracht.“

 PROJEKTiON bei Facebook

PROJEKTiON bei Twitter

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Großreinemachen und gute Vorsätze müssen sich nicht ausschließen – können sie aber. Wenn das Reinmachen zu den Vorsätzen gehört, super – wenn nicht – kann auch super sein, muss es aber nicht. Das Großreinemachen gehörte Ende 2015 nicht zu meinen guten Vorsätzen, es schlich sich eher so peu a peu ein.

Drei Tage an der See – Wolken, eisiger Wind, ungestüme Wellen und Einsamkeit.

Eck. Dünen 2

Angenehme Einsamkeit in einer wunderschönen roten Backsteinkirche,

Nicolai Kirche 6

in der es nach Tanne duftete, einem liebvoll eingerichteten Heimatmuseum,

Eckernförde, Museum am Markt 1

das einen Dichter und Philosophen sein eigen nennt, und in gemütlichen Cafes mit aromatischem Kaffee und leckerem Gebäck.

Cafe Heldt innen

Abends saß ich in einem heimeligen Gästezimmer, mit meinem neuen Buch, das ich mir als Reiseandenken gekauft hatte, meinem Laptop, meiner Musik und einem Zeitungsartikel in dem es um: „Neue Visionen deines Lebens“ ging und meinen Gedanken.

Kiel, Unterkunft 7

Seit über zehn Jahre schreibe ich. Es ist ein besonderer Teil meines Lebens. Schreiben macht mich glücklich. Ich schreibe jeden Tag und gerne. Aber es gibt auch andere Sachen, die ich gerne tue und die ich vernachlässigt habe. Eine davon ist Zeit zu haben, ohne Druck im Nacken. Zu lesen und mich in den Stoff zu vertiefen, nähen, häkeln, spazieren gehen, fotografieren, Ideen nachgehen, Notizen machen – einfach mal so – ohne zu wissen wohin es führt.

Natürlich gibt es die Idee zu einem neuen Roman. Notizen, einige Skizzen, Personen, den Ort. Und doch – es ist das erste Mal, seit langem, dass ich es nicht eilig habe. Angenehm. Aufatmen. Es wird geschrieben, wenn es so sein soll. Keine Eile, nichts überstürzen. Leben. Leben um zu schreiben. Es wird Zeit die Dinge anders anzugehen.

Konstantin Paustowski schrieb: „Die Fähigkeit, das Leben als etwas ständig Neues zu empfinden, ist jener fruchtbare Boden, auf dem die Kunst erblüht und reift.“

Ich will nicht schreiben müssen. Ich möchte schreiben wollen. Das kommt wieder. Ich kenne die Phasen. Doch diese Phase ist frei gewählt. Ich will mich ausklinken, will sehen, hören, fühlen, schmecken, riechen. Ich will mich nicht quälen, um meine Fähigkeiten als Schriftstellerin unter Beweis zu stellen oder mich abwatschen zu lassen. Ich die meiste Zeit meines Lebens in der Pflicht und gerade jetzt ist es an der Zeit nicht in der Pflicht zu sein oder nur, wenn ich es für richtig halte.

Wenn es Zeit ist, möchte ich schreiben wollen. Bis dahin will ich leben, mich mit dem Strom dahin gleiten lassen und einfach ich sein.

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Brüste, Kompass, Wohnzimmer, locker

Wo ist mein Kompass! Ich weiß, dass ich ihn im Wohnzimmer, in die kleine verschließbare Schublade, in meinen Sekretär gelegt habe.

Unglaublich! Am Schloss bemerke ich Kratzer. Aufgebrochen? Wer könnte an meinem Kompass interessiert sein?

Martin, der Misterkerl! Er muss es gewesen sein. Er hat mich ein paar mal gefragt, ob er sich den Kompass leihen kann. Ich habe es abgelehnt.

Eigentlich bin ich recht locker, wenn es darum geht etwas zu verleihen. Nur bei meinem Kompass nicht. Mein Vater hat ihn mir vererbt. Der hat ihn von seinem Vater und der von seinem und so weiter, und so weiter.

Ich spüre, wie sich ein furchtbarer Druck auf meine Brust legt. Wenn ich den Kompass nicht bald zurückbekomme, ist es zu spät. Er will gefüttert werden und ich bin die einizige, die weiß, wo sein Futter ist.

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Die Motivationen von Kursleitern für kreatives Schreiben sind vielfältig. Doch nicht alle Beweggründe sind hilfreich für den Schreibenden. Als Poesiepädagogin, Kursleiterin und Teilnehmerin von Schreibkursen konnte ich einige Erfahrungen sammeln. Mein Vorbild in meiner Arbeit als Kursleiterin ist meine erste Dozentin Annette. Für sie stand das Schreiben, der zündende Funke, die Inspiration der Teilnehmer immer im Vordergrund.

Folgend möchte ich über einige Gründe von Kursleitern (KL) sprechen und wie sie sich auf den Teilnehmer und den Dozenten auswirken.

Motivationen sind z. B.:
1. Geld verdienen.
2. Seinem Lebenslauf Skills (Qualifikationen) hinzuzufügen zu können.
3. Kontakte knüpfen.
4. Als Lehrer agieren.
5. Ein Prestigeobjekt vorweisen zu können.
6. Begeisterung für das Schreiben.
7. Hilfestellung für zaghafte Schreiber, Ideengeber/Anreger und Ratgeber für Geübte sein.

Leider wird das Schreiben (von Geschichten, Romanen, Texten, Gedichten …) in unseren Breitengraden oft belächelt: „Ach, jetzt schreibt sie/er auch noch.“ – „Ein Hemingway ist er/sie ja nicht gerade.“ – „Wenn ich wollte, könnte ich auch einen Roman schreiben, das ist doch nicht schwierig.“ – „Wozu besuchst du einen Schreibkurs? Kannst du etwa nicht schreiben?“

Maler, Bildhauer, Sänger, Musiker, Fotografen oder Köche (und andere Kreative) sind Künstler – warum sind Schriftsteller – außer den Bestsellerautoren vielleicht, weniger Künstler? Weil jedes Kind in der Schule schreiben lernt? Ich weiß es nicht. Sich schreibend auszudrücken ist Kunst. Und wie bei allen Künsten, wird der Schreiber durch Üben besser. Und wie bei anderen Künsten auch, ist das Kunstwerk Geschmacksache.
Literarische Kunst kennt, wie z. B.: Malerei und Musik, verschiedenste Stilrichtungen und Möglichkeiten sich auszudrücken. Darum ist es als KL für kreatives Schreiben besonders wichtig kein Kritiker oder Lehrer (siehe 4) zu sein, vielmehr ein Mentor. Er sollte erkennen, wo die besonderen Begabungen des Schreibenden liegen und wie sie herausgestellt werden können und an welchen Punkten gefeilt werden sollte. Rechtschreibung und Grammatik haben natürlich ihren Platz, doch nicht im Moment des Schreibprozesses(!). Das kann zu tiefgreifenden Blockaden führen. Wir sind nicht in der Schule, sondern im „Künstleratelier“.

Jede Schreiberseele braucht ihren eigenen Raum, um sich zu entfalten. Sie hat ihren individuellen Rhythmus und Stil, den es zu respektieren gilt und der nicht durch ein Korsett aus Regeln eingeengt werden soll. Um Handwerk zu vermitteln, braucht der KL Fingerspitzengefühl.
Ein weiterer Beweggrund (siehe 1), den ich als ungeeignet betrachte, einen Kurs zu leiten, ist, damit Geld zu verdienen. Dadurch setzt sich der KL selbst und den Teilnehmer unter Druck.

Gute Arbeit soll angemessen bezahlt werden. Andererseits halte ich es für wichtig, die Beiträge moderat zu halten, um möglichst vielen Interessierten die Gelegenheit zu geben sich die Teilnahme an einem Schreibkurs zu leisten. Wenn der Kursleiter die Beiträge als Anerkennung für seine Organisation und Durchführung betrachtet, nimmt er sich den Druck eine bestimmte Zahl an Teilnehmern zusammenbringen zu müssen und kann auch mit wenigen Besuchern arbeiten.

Zu dieser Einstellung zu gelangen, ist gewiss eine Sache der Begeisterung (siehe 6), die den Schreibkurs als Prestigeobjekt oder Skill (siehe 5 und 2) direkt ausschließt. Ein Prestigeobjekt oder eine vorzeigbare Qualifikation dient nicht dem Schreibenden, sondern dem KL. Wir brauchen keine „Schreibjünger“ oder Vorzeigeobjekte. Wir wollen den Nährboden für eine harmonische Atmosphäre und Gruppendynamik schaffen, in der Ideen und Inspirationen auf fruchtbaren Boden fallen, wachsen und gedeihen. Ein geschützter Raum, in dem sich die Teilnehmer, als Kollegen und Helfer wahrnehmen, im positivsten Sinn, als Freunde (siehe 3) und nicht als Konkurrenten. Durch konstruktives Feedback und Lob können alle wachsen, sich unterstützen und ihr Talent weiter entwickeln.

Die wichtigste Aufgabe eines KL ist es den Teilnehmer an seine Inspiration heranzuführen, ihm Möglichkeiten aufzuzeigen seine kreative Quelle anzuzapfen und bei Bedarf in der Textarbeit behilflich zu sein (siehe 7). Außerdem muss der KL als Betreuer einer Gruppe, die Fähigkeiten der Teilnehmer einschätzen können, und die Stimmungen und Dynamik zwischen den Schreibenden im Auge behalten. In diesen wichtigen Bereichen sind die sozialen Fähigkeiten eines KL gefragt. Ein Schriftsteller hat eine ebenso sensible Künstlerseele, wie Kunstschaffende anderer Genres. Ein KL soll keine „Brechstange“ benutzen, um aufzuzeigen, wo Korrekturbedarf besteht, sondern einen „Bleistift“. Es gibt im Bereich des kreativen Schreibens viele Übungen, mit denen der KL dem Teilnehmer das nötige Handwerkszeug zur Textarbeit entspannt vermitteln kann. (Schöne Beispiele gibt es (z.B.) in dem Buch: Kleiner Autoren-Workshop von Ursula LeGuin. )

Wer sich ernsthaft mit dem kreativen Schreiben auseinandersetzt, das betrifft ebenfalls die therapeutisch/psychologische Seite, die nicht zu unterschätzen ist, weiß, dass durch Druck nichts erreicht wird. Druck und harsche Kritik machen hart, widerwillig und führen zu tiefsitzenden Schreibblockaden.

Die Musen der Antike werden mit Attributen wie fröhlich tanzen, erfreuen, liebevoll, himmlisch usw. belegt. Unsere Aufgabe als Kursleiter ist es die Teilnehmer zum „Singen“ (Schreiben) zu bringen. Dazu kann ich die Bücher von Lutz von Werder (Lehrbuch des kreativen Schreibens, Schreiben als Therapie, Schreib- und Poesietherapie), Jürgen vom Scheidt (Kreatives Schreiben – HyperWriting) und von Julia Cameron (Von der Kunst des Schreibens) empfehlen.

Es ist gut die eigene Motivation von Zeit zu Zeit neu zu überdenken, um die bestmögliche Arbeit für unsere Kursteilnehmer zu leisten und den Spaß an der Kunst für uns und andere zu erhalten.

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Der Anfangssatz lautete: Sam war sich nicht sicher, ob es ein gutes Zeichen oder das Zeichen einer kommenden Katastrophe war, aber er wusste, …

… dass gleich etwas Aufregendes geschehen würde. Er hatte es im Gefühl. Diese leise Vorahnung, die sich mit einem erregenden Kribbeln im Bauch ankündigte. Bis jetzt hatte er noch nie daneben gelegen. Sam lauschte. Eine Tür wurde aufgerissen, schlug zu. Dann hastete Misses Miller, Archers Sekretärin, schnellen Schrittes den Korridor entlang. Das Geräusch ihrer Pumps war schon von Weitem zu hören. Ein rhythmisches Klappern, vergleichbar dem spanischer Kastagnetten. Der Karren, mit dem der Hausbote die Post auslieferte, erinnerte Sam immer an einen alten Regionalzug, dessen Räder nicht ganz rund liefen und bei jeder Umdrehung einen dumpfen Ton von sich gaben.

„Hallo, Misses Miller“, Sam hatte sich von seinem Drehstuhl erhoben. Im Türrahmen blieb er stehen, „ist was passiert?“

„Ja. Schrecklich“, stieß sie im Vorbeilaufen atemlos aus.

„Was denn?!“, rief Sam hinter ihr her.

„Jetzt nicht. Später!“, wehrte sie mit einer Handbewegung ab und lief weiter.

Für einen kurzen Moment überlegte Sam, ob er ihr folgen sollte. Er bezwang sich. Nur nicht auffallen, sagte er sich. Nachdenklich ließ er sich wieder in seinem Bürostuhl nieder. Langsam drehte er sich um seine eigene Achse. Wer wusste am meisten und am schnellsten über alles bescheid? Misses Miller war mit Betsy aus der Buchhaltung befreundet. Die zwei gönnten sich nach der Arbeit oft noch einen Drink im Pub auf der anderen Straßenseite. Sam hatte sie ein paar Mal dort gesehen. Er griff zum Telefon wählte die 232. Das Freizeichen ertönte. Sam wartete. Betsy nahm nicht ab. Nach dem zehnten oder zwölften Tuten legte er auf.

Was soll`s, dachte er, früher oder später werde ich mitkriegen, was los ist. Er drehte sich wieder. Seine grauen Aktenschränke gelangten in sein Blickfeld. Dann die Tür zu seinem Büro, mit dem Poster gesuchter Krimineller und dem Aufruf, sich mit sachdienlichen Hinweisen bei der Polizei zu melden. Sein Kleiderständer, die Regale mit den Gesetzestexten, die Ecke mit der Kaffeemaschine, über der ein hässlicher Druck hing, den er von seinem Vorgänger übernommen hatte, dann das breite Fenster mit den senffarbenen Vorhängen.

Als er die komplette Runde gedreht hatte, hielt es ihn nicht mehr. Verdammt! Auffällig oder nicht, ich muss wissen, was vor sich geht. Er sprang auf, verließ sein Büro und folgte Misses Millers Spur. Hätte er geahnt, was ihn am Ende seines Weges erwartete, er hätte sein Büro niemals verlassen.

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Sam war sich nicht sicher, ob es ein gutes Zeichen oder das Zeichen einer kommenden Katastrophe war, aber er wusste, …

… dass gleich etwas Aufregendes geschehen würde. Er hatte es im Gefühl. Diese leise Vorahnung, die sich mit einem erregenden Kribbeln im Bauch ankündigte. Bis jetzt hatte er noch nie daneben gelegen. Sam lauschte. Eine Tür wurde aufgerissen, schlug zu. Dann hastete Misses Miller, Archers Sekretärin, schnellen Schrittes den Korridor entlang. Das Geräusch ihrer Pumps war schon von Weitem zu hören. Ein rhythmisches Klappern, vergleichbar dem spanischer Kastagnetten. Der Karren, mit dem der Hausbote die Post auslieferte, erinnerte Sam immer an einen alten Regionalzug, dessen Räder nicht ganz rund liefen und bei jeder Umdrehung einen dumpfen Ton von sich gaben.

„Hallo, Misses Miller“, Sam hatte sich von seinem Drehstuhl erhoben. Im Türrahmen blieb erstehen, „ist was passiert?“

„Ja. Schrecklich“, stieß sie im Vorbeilaufen atemlos aus.

„Was denn?!“, rief Sam hinter ihr her.

„Jetzt nicht. Später!“, wehrte sie mit einer Handbewegung ab und lief weiter.

Für einen kurzen Moment überlegte Sam, ob er ihr folgen sollte. Er bezwang sich. Nur nicht auffallen, sagte er sich. Nachdenklich ließ er sich wieder in seinem Bürostuhl nieder. Langsam drehte er sich um seine eigene Achse. Wer wusste am meisten und am schnellsten über alles bescheid? Misses Miller war mit Betsy aus Buchhaltung befreundet. Die Zwei gönnten sich nach der Arbeit oft noch einen Drink im Pub auf der anderen Straßenseite. Sam hatte sie schon ein paar Mal dort gesehen. Er griff zum Telefon wählte die 232. Das Freizeichen ertönte. Sam wartete. Betsy nahm nicht ab. Nach dem zehnten oder zwölften Tuten legte er auf.

Was soll`s, dachte er, früher oder später werde ich schon mitkriegen, was los ist. Er drehte sich wieder. Seine grauen Aktenschränke gelangten in sein Blickfeld. Dann die Tür zu seinem Büro, mit dem Poster gesuchter Krimineller und dem Aufruf, sich bei sachdienlichen Hinweisen bei der Polizei zu melden. Sein Kleiderständer, die Regale mit den Gesetzestexten, die Ecke mit der Kaffeemaschine über der ein hässlicher Druck hing, den er von seinem Vorgänger übernommen hatte, dann das breite Fenster mit den senffarbenen Vorhängen.

Als er die komplette Runde gedreht hatte, hielt es ihn nicht mehr. Verdammt! Auffällig oder nicht, ich muss wissen, was vor sich geht. Er sprang auf, verließ sein Büro und folgte Misses Millers Spur. Hätte er geahnt, was ihn am Ende seines Weges erwartete, er hätte sein Büro niemals verlassen.

Der erste Satz war nur der Anreger 😉 .

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