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Salz, leicht, Hand, Wasser, drehen, Spiel

Ich drehte den alten Wasserhahn auf. Er sah aus wie ein Drehkreuz. Norden, Süden, Osten, Westen, dachte ich, als ich das Rad in Bewegung setzte. Die erste Umdrehung kostete Kraft, doch dann löste sich das Gewinde und es wurde leichter. Ich hielt meine Hand in den kühlen Wasserstrahl und genoss das köstliche Gefühl auf meiner erhitzten Haut. Sam ging vorbei. Er würdigte mich keines Blickes. Ich wischte mit der Hand schwungvoll unter den Wasserstrahl und spritzte ihm die eisigen Tropfen an die Beine.

„Hey! Was soll das?“, fuhr er mich an.

Seine blauen Augen sprühten Funken. Seine Wut stachelte meinen Übermut an. Ich wiederholte das Spiel. Er kam drohend auf mich zu.

„Wenn du das noch einmal machst, dann…“

„Was dann?“, unterbrach ich ihn und spritzte ihm eine neue handvoll Wasser entgegen.

„Ich bin stärker als du.“

Ich lachte laut auf, obwohl mir mulmig war, Sam war mindestens einmeterneunzig groß und sehr athletisch.

„Das will ich sehen.“

Bevor ich zu einem neuen Angriff ansetzen konnte, packte er mich und versuchte mich unter den Wasserhahn zu ziehen. Ich wehrte mich verzweifelt. Am Ende waren wir beide klatschnass und umklammerten uns wie zwei Schlingpflanzen. Sam sah auf mich herunter. Seine blauen Augen hatten einen eigenartigen Glanz. Als er mich küsste, konnte ich den leichten Salzgeschmack des Wassers auf meinen Lippen schmecken.

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Der Anfangssatz lautete: Sam war sich nicht sicher, ob es ein gutes Zeichen oder das Zeichen einer kommenden Katastrophe war, aber er wusste, …

… dass gleich etwas Aufregendes geschehen würde. Er hatte es im Gefühl. Diese leise Vorahnung, die sich mit einem erregenden Kribbeln im Bauch ankündigte. Bis jetzt hatte er noch nie daneben gelegen. Sam lauschte. Eine Tür wurde aufgerissen, schlug zu. Dann hastete Misses Miller, Archers Sekretärin, schnellen Schrittes den Korridor entlang. Das Geräusch ihrer Pumps war schon von Weitem zu hören. Ein rhythmisches Klappern, vergleichbar dem spanischer Kastagnetten. Der Karren, mit dem der Hausbote die Post auslieferte, erinnerte Sam immer an einen alten Regionalzug, dessen Räder nicht ganz rund liefen und bei jeder Umdrehung einen dumpfen Ton von sich gaben.

„Hallo, Misses Miller“, Sam hatte sich von seinem Drehstuhl erhoben. Im Türrahmen blieb er stehen, „ist was passiert?“

„Ja. Schrecklich“, stieß sie im Vorbeilaufen atemlos aus.

„Was denn?!“, rief Sam hinter ihr her.

„Jetzt nicht. Später!“, wehrte sie mit einer Handbewegung ab und lief weiter.

Für einen kurzen Moment überlegte Sam, ob er ihr folgen sollte. Er bezwang sich. Nur nicht auffallen, sagte er sich. Nachdenklich ließ er sich wieder in seinem Bürostuhl nieder. Langsam drehte er sich um seine eigene Achse. Wer wusste am meisten und am schnellsten über alles bescheid? Misses Miller war mit Betsy aus der Buchhaltung befreundet. Die zwei gönnten sich nach der Arbeit oft noch einen Drink im Pub auf der anderen Straßenseite. Sam hatte sie ein paar Mal dort gesehen. Er griff zum Telefon wählte die 232. Das Freizeichen ertönte. Sam wartete. Betsy nahm nicht ab. Nach dem zehnten oder zwölften Tuten legte er auf.

Was soll`s, dachte er, früher oder später werde ich mitkriegen, was los ist. Er drehte sich wieder. Seine grauen Aktenschränke gelangten in sein Blickfeld. Dann die Tür zu seinem Büro, mit dem Poster gesuchter Krimineller und dem Aufruf, sich mit sachdienlichen Hinweisen bei der Polizei zu melden. Sein Kleiderständer, die Regale mit den Gesetzestexten, die Ecke mit der Kaffeemaschine, über der ein hässlicher Druck hing, den er von seinem Vorgänger übernommen hatte, dann das breite Fenster mit den senffarbenen Vorhängen.

Als er die komplette Runde gedreht hatte, hielt es ihn nicht mehr. Verdammt! Auffällig oder nicht, ich muss wissen, was vor sich geht. Er sprang auf, verließ sein Büro und folgte Misses Millers Spur. Hätte er geahnt, was ihn am Ende seines Weges erwartete, er hätte sein Büro niemals verlassen.

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