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Posts Tagged ‘Dichtung’

„Jeder Augenblick, jedes beiläufige hingeworfenen Wort,
jeder Blick, jeder tiefe oder nur als Scherz gemeinte Gedanke,
jede unmerkliche Regung des menschlichen Herzens,
ebenso wie der fliegende Flaum der Pappeln oder
das Blinken der Sterne in einer Pfütze bei Nacht –
alles sind kleine Körnchen Goldstaub.
Wir Schriftsteller gewinnen sie im Laufe von Jahrzehnten,
diese Millionen kleiner Körnchen,
wir sammeln sie, ohne es selbst zu merken,
verwandeln sie in eine Legierung
und schmieden dann aus dieser Legierung
unsere „Goldene Rose“ –
eine Erzählung, einen Roman oder eine Dichtung.“

Konstantin Paustowski, Die goldene Rose

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„Die stille Weid` an dem was wir bereiten,
das ist der Lohn, den uns die Musen schenken.“
C.F.Raßmann

„O`Dichtkunst! Welche ein schmerzliches Geschenk des
Himmels bist du!“                                  Heinrich Laube

Es ist schon eine wunderliche Sache mit der Dichtung. Sie springt uns geradezu an, wenn wir es nicht erwarten. Du denkst an nichts Besonderes, lässt deine Gedanken schweifen und da ist sie! Die Muse streift dich, nur ganz sacht.

Was macht es aus, dass jemand unsere Muse wird und das ganze Räderwerk unserer Kreativität entfacht? Ein Blick, ein Duft, ein betörender Ton und der Funke der Leidenschaft brennt lichterloh.

Es scheint zu sein, wie mit der Liebe. Du begegnest ihm (ihr) und dein Blick bleibt an ihm haften. Eure Augen treffen sich. Du bemerkst den lässigen Gang, sein Selbstbewusstsein, dieses unwiderstehliche Lachen. Vielleicht der Biss in einen Apfel, die blonden Härchen auf seinen gebräunten Unterarmen vermischt mit Sommerluft oder der kühlen Brise eines Herbstmorgens.

Und dann schreibe ich. Für mich. Einsam an meinem Schreibtisch – fließen die Worte aus mir heraus. Wie C.F.Raßmann schreibt, weiden wir uns still an dem, was die Musen uns schenken. Aber ehrlich, das stimmt nicht wirklich. Nicht in meinem Fall. Ich bin eitel und wünsche mir Beifall oder zumindest Zustimmung. Vielleicht ist es eine Sucht – eine Sehnsucht, es möge jemand meine Texte lesen. Im günstigsten Fall die Muse, die mich inspiriert hat und sich in meinen Worten wieder findet.

Meine Musen wissen nicht, dass sie Musen sind. Es ist immer nur eine „ferne Liebe“. Aber in meinen Fingerspitzen kribbelt es, mich zu zeigen und mich nicht hinter meinen Texten zu verstecken. „Sieh nur, das bist du!“

Es passiert nie – nur der Gedanke, „was wäre wenn …“ ist wie ein Aufputschmittel. Noch ein Text und noch ein Text. Einsam an meinem Schreibtisch. Mit der Hoffnung, dass meine Muse doch eines Tages diese Zeilen lesen könnte und sich wieder erkennt. „Sieh nur, das bin ich.“

Manchmal wünschte ich mutiger zu sein und der Muse meine Texte in die Hand zu drücken – aber so soll es wohl nicht sein. Also bleibe ich still und schreibe, solange ich Worte habe.

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