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Posts Tagged ‘Büro’

„Die Arbeit ist, verstehe sie mich recht, ein wenig ungewöhnlich“, sagte Mister Gordon.

Sein merkwürdiges Lächeln hätte mich misstrauisch machen müssen. Aber ich seit drei Wochen wartete ich auf einen halbwegs gutbezahlten Job um meine Rechnungen bezahlen zu können, aber mein Büro schien in ein schwarzes Loch gefallen zu sein. Ich brauchte dringend einen Auftrag, egal von wem. So wischte ich das flaue Gefühl in meinem Magen beiseite, dass ich fataler Weise für Hunger hielt und sagte:

„Das ist kein Problem für mich. Ich hoffe nur, dass sie sich meine Dienste leisten können.“

Mister Gordon lachte und ein leiser Schauer rieselte über meinen Rücken hinab. Er zog einen Umschlag aus der Innentasche seines feinen Wollmantels und schob ihn mir über den Schreibtisch zu.

„Mister Morgan, wenn sie wüssten wer ich bin, würden sie solche Fragen nicht stellen. Die einzige Frage, die wirklich wichtig ist, kann ich ihnen vertrauen?“

Abrupt verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht. Dabei verengten sich seine schwarzbraunen Augen zu kleinen Schlitzen und musterten mich scharf. Unwillkürlich musste ich an einen Hai denken. Sobald er mein Büro verließ, würde ich Erkundigungen über ihn einziehen, dachte ich, griff nach dem Umschlag und hob die Klappe leicht an. Ein dickes Bündel 500 Euroscheine strahlte mir entgegen und wischte meine Skrupel hinweg.

„Natürlich können sie mir vertrauen“, erwiderte ich im Brustton der Überzeugung und dachte, es wird schon gutgehen.

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„Leben Sie so intensiv Sie können. Alles andere ist ein Fehler.

Was Sie im Einzelnen tun ist nicht so wichtig, solange sie nur wirklich leben. (!!!)

Was haben Sie gehabt, wenn Sie vom Leben nichts gehabt haben?

Was man verpasst hat, ist dahin.

Täuschen Sie sich nicht. Jede Zeit, von der man das Glück hat, sie noch zu erleben, ist die richtige Zeit.

Leben Sie. (!!!)“

Henry James 1903

Was für Herny James vor über 110 Jahren galt, gilt heute in diesen unruhigen Zeiten umso mehr. Wenn wir die Möglichkeit des Lebens in diesem Moment nicht nutzen, könnten wir es Morgen schon bereuen.

Es gibt diesen schönen Spruch, der uns so leicht über die Lippen geht: Man bereut am Ende seines Lebens das, was man nicht getan hat und nicht das, was man getan hat.

Der Spruch ist nicht nur schön daher gesagt, er ist wahr. Das Jagen nach Geld und Gut, der Ärger über andere Menschen, unötige Hektik nützen uns nichts. Wenn wir am Ende unseres Lebens angekommen sind, egal wann es sei, ist es sicher nicht, das Büro, an das wir uns gerne erinnern. Sondern es sind die schönen Dinge, die wir erlebt und getan haben.

Erfülle Deine kostbare Lebenszeit mit schönen Dingen. Es gibt nur einen einzigen Moment, in dem Du etwas erleben kannst: Und der ist jetzt!

Lebe, liebe, lache und genieße jede Sekunde!

„Ich will reisen so weit ich kann,

bis zur Freude in meiner Seele,

will meine Grenze weiter ziehen

und fühlen, wie ich wachse;

will leben, dasein, „sein“

und die Wahrheit in mir hören.“

Doris Warshay

 

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Eine kaputte Armbanduhr, Pfefferminz-Bonbons, eine Umarmung, die etwas zu lange dauert.

Dieser Tag fing nicht gut an – zuerst kam ich zu spät ins Büro, weil meine Armbanduhr kaputt war und ich mich beim Bäcker verquatschte. Dann wollte mein Chef einen Pfefferminz-Bonbon, frischer Atem vor der Präsentation, um mich zu umarmen! Das allein war schon schräg, aber die Umarmung dauerte etwas zu lange, dabei glitt seine Hand ganz sanft in Richtung meines unteren Rückens. Zum Glück klingelte das Telefon und beendete diesen merkwürdigen Moment.

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„Holen sie Harry. Sofort!“, brüllt Chief Morris und knallt die Zeitung auf den Tisch.

„Ja, Sir!“, Ben eilt davon.

Chief Morris lässt sich schweratmend auf seinen gepolsterten Stuhl fallen. Er zieht die unterste Schublade seines Schreibtisches auf, holt den Scotch heraus und ein Glas. Er gießt es fast bis unter den Rand voll, dann trinkt er es in einem Zug. Für einen Moment hält er inne, dann schüttelt er sich. – Verdammter Hundesohn, dieser Harry! Hat versprochen die Presse rauszuhalten. Und jetzt steht alles brühwarm auf der ersten Seite. Dem dreh ich den Hals um! – Es klopft.

„Herein!“

„Chief!“, Ben stößt unsanft einen kleinen dicken Mann ins Büro, „Harry Ellis.“

Chief Morris grinst und deutet auf einen unbequemen Holzstuhl vor seinem Schreibtisch.

„Setzen sie sich bitte, Harry“, sagt er gespielt höflich. Er legt die Hände, wie zum Gebet aneinander und beugt sich vor. „Sie und ich, Harry, werden nun ein Gespräch darüber führen, was es heißt Vereinbarungen einzuhalten!“

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– Was wäre wenn ich nicht einsteige? – Unschlüssig stehe ich auf dem Bahnsteig und blicke auf die Anzeigentafel. Rechts fährt mein Zug zur Arbeit, links ein Zug Richtung Köln. – Von dort ist es nicht mehr weit bis nach Aachen und von da nach Zeeland. Ein Tag am Meer und nicht in diesem blöden, stickigen Büro mit dem ewig schlechtgelaunten Chef. Einen Tag mir den Wind um die Nase wehen lassen. Ich habe alles dabei. Kreditkarte, Laptop, Schreibzeug. Den Rest kann ich kaufen. – Der Zug zur Arbeit hält. Leute steigen aus, andere ein. Das typische Montagmorgengewusel. Mein Herz schlägt schneller. Jetzt kann ich noch einsteigen. Die Türen schließen sich, der Zug fährt los. Ich sehe ihm nach. Der Zug nach Köln läuft ein. Ich steige ein und bin plötzlich ganz ruhig. – Das hätte ich schon lange tun sollen. –

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Seline ließ ihren Stift sinken und dachte an die lauten Straßen Londons. Manchmal vermisste sie das pulsierende Leben, die Pubs und die Clubs, in denen sie bis in die frühen Morgenstunden tanzte.

In Carrigan gab es eine Bar, das Golden Goose, für alles: Tanzvergnügen, Sportwetten, Billard, Steakhouse und Kaffeekränzchen. Seline seufzte. Was sagte Oma Mary immer, wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus. Von dieser Warte aus, hätte es Seline schlechter treffen können. Sie hatte ein eigenes Büro, auf dessen Tür ihr Name stand und eine eigene Sekretärin, wenn man Anna-Luise so bezeichnen konnte.

In ihrer Londoner Kanzelei waren die Sekretärinnen top gestylt. Make up, Haare vom Coiffeur, und das schicke Business Kostüm mit Pumps gehörte zur Grundausstattung. Anna-Luise trug Jeans, Turnschuhe, dazu T-Shirts mit den wildesten Logos und Aufdrucken und eine Frisur, die an einen Punk-Irokesen erinnerte. Anna-Luise war im Grunde gegen alles. Rebellion war für sie ein Lebensstil und kein Anliegen. Aber was Recherche und Computerkenntnisse betraf machte ihr keiner etwas vor. Neuliche hatte sie sich in den Rechner des CSIS gehackt. Das war wirklich eine große Nummer.

Seline war immer noch erstaunt, was Anna-Luise in so einem Kaff wie Carrigan verloren hatte. Seline fragte sie einmal danach, aber Anna-Luise blockte dieses Thema rundweg ab. Seitdem hegte Seline den Verdacht, dass ihre Sekretärin entweder auf der Flucht vor dem Gesetze lebte oder in einem Zeugenschutzprogramm steckte.

Selines Handy klingelte und riss sie aus ihren Gedanken. Seit wann gab es im „Golden Goose“ ein Netz? Sie erkannte die Nummer und ahnte Schreckliches. Niemand hatte dort Empfang, aber wenn ihre Mutter anrief, gab es kein Funkloch, in das sich Seline verkriechen konnte. Sie zögerte, aber nach dem das Handy gefühlte 20 Mal geklingelt hatte, gab sie auf. Ihre Mutter würde es wieder versuchen, da konnte sie das Gespräch auch gleich führen.

„Hallo Mama.“

„Ich habe so oft auf deine Mailbox gesprochen, wieso rufst du nicht zurück?“

„Dir auch einen schönen Tag Mutter!“

„Mutter, Mutter, treuloses Kind. Erst machst du dich bei Nacht und Nebel aus dem Staub und dann meldest du dich nicht mehr.“

Seline verdrehte die Augen.

„Und verdreh nicht deine Augen.“

Seline sah sich erschrocken um. Sie erwartete direkt in das Gesicht ihrer Mutter zu sehen, aber sie war allein.

„Ich kenne dich Missy.“

„Mutter ich bin beinahe dreißig Jahre. Ich weiß, was ich tue.“

„Aber scheinbar nicht, was du mir antust!“

Die Stimme von Miss Monroe kippte ins Hysterische.

„Was habe ich dir getan, dass du mich so verlassen hast.“

„Zum hundertsten Mal! Ich habe dich nicht verlassen. Ich wollte nur endlich auf eigenen Beinen stehen.“

„Das hättest du auch hier tun könne. Dein Vater hätte dir eine Kanzelei eingerichtet.“

„Ich wollte unabhängig sein Mutter. Verstehst du?“

„Ich verstehe gar nichts. Willst du uns bestrafen?“

Seline schüttelte den Kopf. Ihre Mutter würde nie verstehen, dass Seline nicht die kleine Tochter des großen Strafverteidigers Sir Albert Monroe sein wollte. Sondern Seline Monroe, Anwältin. Dass sie dafür bis nach Kanada gehen musste, hätte sie nicht gedacht, aber so lag immerhin der Atlantik und ein Teil der kanadischen Wildnis zwischen ihr und ihren Eltern.

Plötzlich erklang ein Piepton vom anderen Ende der Leitung. Das Netz war zusammengebrochen. Seline sandte ein Stoßgebet zum Himmel, der große Handynator hatte ein Einsehen und sie von ihrer Mutter erlöst. Vorerst. Vor Anna-Luise verschonte er sie nicht.

„Da sind sie ja. Ich habe sie überall gesucht!“

Anna-Luise ließ sich auf die gegenüberliegende Polsterbank fallen. Ihr Iro war heute gelb-grün und auf ihrem T-Shirt prangte ein riesiges Hanfblatt mit dem Logo „Gebt das Hanf frei“. Seline überlegte einen Moment, ob sie protestieren sollte. Immerhin war sie Anwältin und dem Gesetz verpflichtet. Andererseits, was machte das schon? Weniger Mandanten würde sie dadurch nicht haben, denn sie war die einzige Anwältin im Umkreis von 150 Meilen.

„Überall gesucht, finde ich etwas übertrieben“, wandte Seline ein.

„Sie müssen nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen“, Anna-Luise sah Seline an, als hätte sie es mit einem zurückgeblieben Kind zutun. „Sie wissen was ich meine. Ich bin auch nur gekommen, weil der Mann am Telefon gesagt hat, es wäre dringend. Sie sollen sofort zum Bearscreek – Hotel kommen.“

„Und wer war der Mann am Telefon?“, Selines Geduld war nach dem Gespräch mit ihrer Mutter erschöpft.

„Ich glaube, Mister North.“

„Sie glauben? Es geht um Fakten und Tatsachen. Das ist in meinem Beruf essenziell.“

„Fakten, Fakten, Fakten“, betete Anna-Luise herunter, „wenn sie mich nachts wecken, würde mir das als erstes einfallen. – Was ist jetzt? Fahren wir nach Bearscreek raus oder nicht?“

„Wir?“

„Ja wir. Ich habe keine Lust den ganzen Tag in dem muffigen Büro zu hocken, das ist mal eine Abwechslung.“

„Meinetwegen. Aber ich fahre! In ihr Auto steige ich nie wieder.“

Seline dachte mit Schrecken an die Todesangst, die sie ausgestanden hatte, als sie vor drei Wochen mit Anna-Luise fahren musste, weil ihr Rover in der Werkstatt war.

„Ok. Aber wenn wir nicht bald fahren, sitzt Mister North im Knast.“

Seline verschluckte sich an ihrem letzten Tropfen Kaffee.

„Knast? Was soll das heißen?“

„Der Bulle meint, Mister North hätte seinen Bruder um die Ecke gebracht.“

„Und das sagen sie mir erst jetzt?!“

„Würde es dann schneller gehen?“

Anna-Luise sah Seline mit einem Unschuldsblick an. Seline ignorierte sie, legte das Geld auf den kleinen Teller und eilte zur Tür.

„Los Anna-Luise! Schlafen sie nicht ein“, rief sie ihrer Sekretärin über die Schulter zu, „sonst fahre ich ohne sie.“

Seline dachte an ihre Mutter. Anna-Luise wäre genau der Typ Mensch, den sie ihrer Mutter gönnte und umgekehrt. Vielleicht sollte sie die beiden zusammen auf eine einsame Insel schicken. Wer von beiden wohl zuerst einen Nervenzusammenbruch erleiden würde? Seline grinste. Der Gedanke verbesserte ihre angeschlagene Laune immerhin soweit, dass sie die Fahrt nach Bearscreek genießen konnte. …

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