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Posts Tagged ‘Blüten’

Wie Du mir nötig bist? Wie Trank und Speise
Dem Hungernden, dem Frierenden das Kleid,
Wie Schlaf dem Müden, Glanz der Meeresreise
Dem Eingeschloßnen, der nach Freiheit schreit.

So lieb ich Dich. Wie dieser Erde Gaben
Salz, Brot und Wein und Licht und Windeswehen,
Die, ob wir sie auch bitter nötig haben,
Sich doch nicht allezeit von selbst verstehen.

Und tiefer noch. Denn auch die ungewissen
Und fernen Mächte, die man Gott genannt,
Sie drangen mir zu Herzen mit den Küssen,

Den Worten Deines Mundes und die Blüte
Irdischer Liebe nahm ich mir zum Pfand
Für eine Welt des Geistes und der Güte.

Mari Luise Kaschnitz

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Meine „gestochenen“ Worte: Kastanie, alte Lieder, Pan, Weltenweise, flammenleichte, Seele, Flügelschlag

Unter strahlend blauen Himmeln
Saß ich unter meinem Baum
Einer Kastanie tausend Jahre alt
Ihre flammenleichten Blütenkerzen
Wogen sacht im Flügelschlag
Der zarten Sommerbrise auf und ab
Alte Lieder hört ich
Pan auf seiner Flöte spielen
Aller Zeiten Weltenweisen
Lieblich und Grausam
Vom Geboren werden und Vergehen
Aller Seelen leuchtend schön
Wie bunte Blüten nur ein Dunst
Kaum erblüht, bald verhaucht

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Die Hitze der letzten Tage hat die Luft mit den Aromen des Sommers angefüllt. Es duftet nach reifem Korn, erinnert mich fast etwas wehmütig an den Herbst, gemähtem und vertrocknendem Gras. Angereichert mit den Essenzen sterbender Blüten. In einer anderen Zeit wird mich der Duft immer an diesen besonderen Sommer erinnern, in dem ich alles viel stärker fühlte, Glück, Unglück, Farben, Düfte, Musik, mich selbst.

Ich sitze auf dem Balkon, lausche in die sternklare Nacht. Von den nahen Teichen höre ich die Frösche quaken, einige Grillen zirpen im Gras, scheinbar selbst erschöpft von der Hitze des Tages. Nur die Fledermäuse huschen in einem rasanten Tempo durch die samtene Nacht, auf Beutezug. Alles andere geht langsam vor sich. Jede Bewegung, sogar die Gedanken verlangsamen sich in diesem südlich anmutenden Sommer. Ich frage mich, teils bang, teils neugierig, ob ich diese betörenden Gefühle über die Grenze des Herbstes in den Winter tragen kann, oder ob es mir nicht vergönnt sein wird, nachdem ich mich so lange danach gesehnt habe.

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Hier die ersten Seiten meines Bilder – Buch – Projekts. Die Idee hatte ich schon länger – eine Geschichte mit Bildern, die die Szenerie der Story zeigt, wie bei einem Bilderbuch für Kinder – nur eben für Erwachsene. Dazu gibt es Gedichte, die ich besonders mag – und kleine Briefchen, selbst Gemaltes und collagenartige Hintergründe. Die Größe ist DIN – A 3. Das ist mal was ganz anderes und macht unheimlich viel Spaß. So kann ich schreiben, malen und collagieren miteinander verbinden.

Die Geschichte heißt im Arbeitstitel: Jade und das alte Haus

Erste Seite - Bilder-Buch-Projekt

Erste Seite – Bilder-Buch-Projekt

Zweite Seite

Zweite Seite

Dritte Seite

Dritte Seite

Vierte Seite

Vierte Seite

 

Für die Collagen habe ich Bilder ausgedruckt, Zeitschriften aller Art geplündert, alte Zeichungen, Geschenkpapiere usw zusammengetragen. Außerdem habe ich auf dem Bücherflohmarkt ein paar günstige Bücher erstanden, die ich ebenfalls für die Collagen verwenden will und zu diesem Zweck auseinander nehmen muss. Und auch wenn ich diese Bücher im Regal habe, blutet mir das Herz einen Schnitt in die Seiten zu machen. Ich denke, ist ja nicht verloren, sondern für eine „gute“ Sache – ein Buch lässt Seiten für ein anderes, aber wohl ist mir trotzdem nicht dabei. Tja, Bücher und ich 😉 .

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„Menschen sind merkwürdig, nicht wahr?“, Antonio unterbricht mich, „je mehr uns jemand ablehnt, um so stärker entbrennt unsere Leidenschaft.“

„Tja, als ob uns das anzieht. Die Abwehr zieht uns an, oder die Gleichgültigkeit. Sie ist wie ein Magnet. Plötzlich erscheint uns der andere so begehrenswert.“

Ich klappe das Buch zu. Ich schließe die Augen und höre dem Rauschen des Meeres zu.

„Ich wünschte, ich müsste nie, nie mehr hier fortgehen. Ich würde so gerne hier sitzen bleiben bis in alle Ewigkeit. Irgendwann würde ich erstarren, wie eine Fliege im Bernstein und immer würde ich hier sitzen und das Meer sehen. Die Möwen würden mir am Tag Gesellschaft leisten und in der Nacht die Sterne.“

„Ein romantischer Wunsch“, lacht Antonio, „aber ich schätze du würdest irgendwann großen Hunger bekommen.“

„Da hast du wohl recht“, seufze ich.

In seine Augen kann ich ein wehmütiges Lächeln sehen.

„Meinst du, man kann an gebrochenem Herzen sterben?“, fragt er mich.

Ich nicke wortlos mit dem Kopf. Wenn ich an Raoul denke, spüre ich diesen Schnitt in meinem Herzen noch genauso heftig, wie zu dem Zeitpunkt, als er mich verließ. Die Gedanken, die heiße Sehnsucht, die Träume lassen mich nicht los und vertiefen den Riss noch.

„Die Wunde heilt alle Zeiten“, murmele ich.

„Heißt das nicht, die Zeit heilt alle Wunden?“

„Ja, schon, aber ich fürchte, dass meine Wunden die Zeiten überdauern werden.“

„Meine auch“, flüstert Antonio und zieht mich in seine Arme.

Ich rücke zu ihm hinüber und lehne meinen Kopf an seine Schulter. Ich weiß nicht, ob ich davon laufen, oder jede Grenze überschreiten und mich einfach fallen lasse soll. Tränen laufen mir über die Wangen. Meine Gefühle schlagen Wellen, wie das Meer und ich hab das Empfinden unterzugehen.

Antonio streicht mir eine Locke, die sich aus meinem Zopf gelöst hat, aus dem Gesicht, legt den Finger unter mein Kinn und hebt mein Gesicht seinem entgegen. Zärtlich küsst er mir die Tränen fort. Seine Lippen sind weich und sanft, ohne zu fordern.

„Antonio“, flüstere ich.

„Sag nichts. Lass mich dich einfach nur küssen. Ich weiß, dass du nicht bei mir bleiben kannst. Niemand kann das besser verstehen als ich. Wenn es um dich gehen würde, dann würde ich auch immer weiter nach dir suchen.“

„Warum?“

„Weil Liebe, Liebe ist. So wie du dich in diesen andern Mann verliebt hast, ohne an die Konsequenzen zu denken, so hab ich mich in dich verliebt.“

Antonio drückt mich fest an sich, und als er mich wieder küsst, lasse ich es geschehen, ohne nachzudenken. Wie lange wir dort sitzen, weiß ich nicht. Eng aneinander geschmiegt und schweigend.

„Ich glaube wir müssen langsam zurückgehen. Mutter wird mit dem Essen warten“, bricht Antonio das Schweigen.

„Dann sollten wir gehen“, versuche ich zu lächeln, „deine Mutter wundert sich bestimmt, wo du solange geblieben bist.“

„Ich glaube nicht. Meine Mutter ist eine kluge Frau!“

Als wir zurück sind, gehe ich auf mein Zimmer. Meine Sehnsucht bringt mich fast um. Ich denke an Antonio und seine Zärtlichkeit, die mich bis in mein Inneres getroffen hat. Ich könnte bleiben. Niemals fortgehen von diesem wunderbaren Mann, dem Meer, dem Himmel. Mein Herz hier verlieren. Aber dann wird mir bewusst, dass ich es schon längst verloren habe und es weit fort von hier ist.

Habe ich mich die ganze Zeit vor dem Leben gedrückt? Bin ich verloren gegangen aus Angst, niemals wirkliches Glück und echte Liebe zu finden? Mein Herz schlägt wie verrückt. Mir ist bewusst, dass es keine Alternative gibt. Ich habe meinen Bestimmungsort noch nicht gefunden und muss gehen. Schnell packe ich meine Sachen und gehe hinunter ins Café. Madeleine erwartet mich.

„Du gehst fort nicht wahr“, fragt sie traurig.

Ich nicke unter Tränen.

„Ja, ich muss gehen. Grüßen sie bitte Antonio von mir?“

Da kommt Antonio aus der Küche.

„Du musst nicht fortlaufen“, sagt er leise.

Ich umarme ihn ganz fest. Mein Hals ist zugeschnürt. Tränen laufen über meine Wangen und vermischen sich mit seinen.

„Vergiss mich“, flüstere ich, „finde die Eine, die dich so sehr liebt, wie du es verdienst.“

Dann nehme ich mein Gepäck und gehe zum Bahnhof hinüber. Mein Herz ist steinschwer und meine Augen sind blind vor Tränen. Der Zug hält gerade, als ich ankomme. Ein netter Schaffner hilft mir beim Einsteigen, dann ist ein lauter Pfiff zu hören und der Zug setzt sich in Bewegung und verlässt den Bahnhof. Die Tränen sind wie ein Strom, der über die Ufer tritt. Jeder Zentimeter meines Körpers, meines Herzens und meiner Seele schmerzt. Da höre ich eine sanfte Stimme neben mir.

„Hab keine Angst, Noelle, alles wird gut.“

„Herr Grimm?! Wie kommen sie hier her?“, frage ich überrascht und erleichtert.

Ich umarme ihn und er streicht mir sanft über das Haar.

„Nun, ich dachte, es wäre an der Zeit meine Notizbücher wieder abzuholen und dir deine eigenen zu bringen.“

Er lächelt und reicht mir ein Bündel Notizbücher, das mit einer roten Schleife versehen ist. Oben auf den Etiketten steht mein Name: Noelle Snow. Sie sind ganz neu und riechen nach frischem Papier.

„Hier und dies sind ein paar Stifte, damit du sofort anfangen kannst.“

Herr Grimm reicht mir einen Bund Stifte, die von einem Bindfaden zusammengehalten werden.

„Danke, Herr Grimm.“

Er sieht mich aufmerksam an.

„Hab keine Angst. Sei mutig, du wirst finden, was du suchst. Du bist jetzt eine Geschichtenerzählerin. Du hast die Liebe, die Freude, das Leid gesehen. Du brauchst all dies um deine Geschichten zu erzählen. Und hab keine Angst vor den Schatten. Du kannst sie bezwingen. Deine Fantasie wird sie zurückdrängen und die Welt um vieles bunter machen.“

Dann küsst er mich auf die Stirn, nimmt sein Bündel Notizbücher unter den Arm und verlässt mein Abteil.

Ich erwache. Was war das für ein Traum? Ich reibe mir die Augen und strecke mich. Neben mir auf dem Sitz liegen die Notizbücher. Ich nehme sie in die Hand. Auf den Etiketten steht mein Name. Noelle Snow.

„Hallo Noelle, wie schön, dass du wach bist.“

Diese Stimme! Wie sehr habe ich mich danach gesehnt sie zu hören.

„Raoul?“, flüstere ich verwundert.

„Hast du daran gezweifelt?“, fragt er.

„Nein“, erwidere ich fassungslos, „ich sah dich in meinen Träumen, hörte deine Stimme. Was ist passiert?“

Raoul setzt sich zu mir und reicht mir einen Becher Kaffee.

„Ich weiß es nicht. Du bist eingeschlafen und ich hab dich nicht mehr wach bekommen. Dein Schlaf war sehr unruhig und ich hatte Angst um dich. Manchmal hast du gesprochen, aber ich konnte dich nicht richtig verstehen. Aber nun bist du ja wieder erwacht.“

Das ist unmöglich. Alles soll nur ein Traum gewesen sein? Nein, das kann, das darf nicht sein. Ich öffne meinen Rucksack. Alles, was ich geschenkt bekam, ist noch da. Ich finde sogar eine Feder von Lilis Flügeln. Was ist passiert? Die Schatten? Ich sehe Raoul aufmerksam an, ich weiß nicht, was es ist, aber seine Gesten, seine Blicke sind so verändert, dass ich es mehr als beunruhigend finde.

„Raoul kannst du dich noch daran erinnern, was du mir am Anfang unserer Reise über die Liebe sagtest?“

„Was gibt es über die Liebe zu sagen?“, antwortet er gleichgültig.

„Du bist nicht Raoul! Wer bist du!“, schreie ich den Doppelgänger an.

Ein böses Lachen ist zu hören.

„Ich habe dich unterschätzt Noelle Snow. Woran hast du es bemerkt?“

Vor meinen Augen verwandelt sich Raoul in einen gesichtslosen dunklen Schatten. Schwarz und bedrohlich erfüllt er das kleine Abteil und nimmt der Sonne das Licht.

„An deinen Augen. Du bist ein Schatten, seelenlos und Raoul ist alles andere als das!“

Der Schatten kommt näher und ich spüre, wie mich die Kälte, die er ausstrahlt, zu lähmen beginnt.

„Gib ihn mir zurück!“, befehle ich ihm.

„Warum sollte ich!“, der Schatten lacht mich aus.

„Weil ich, dich töten werde.“

Die Wut treibt mir Tränen in die Augen, aber ich werde mich nicht unterkriegen lassen.

„Mit was willst du mich töten?“

Immer weiter dringt die Kälte in mich ein.

„Mit meinen Worte, meiner Fantasie. Ich werde solange Geschichten erzählen, bis du fort bist, du hast keine Chance, denn dir fehlt die Liebe und niemals! Niemals wird das Böse das Gute besiegen! Es war einmal ein kleines Mädchen, das sich verloren hatte …“, beginne ich mit letzter Kraft zu erzählen.

Plötzlich ertönt ein lautes Zischen ich halte mir die Ohren zu und rede dabei immer weiter. Schwarze grausame Nebel wallen auf und ab, greifen nach mir. Ich rede, wie ein Wasserfall. Jeder Gedanke, der sich in meinem Gehirn verfangen hat, ist mir recht. Ich spreche, bis mir die Zunge am Gaumen klebt und ich mich kaum noch aufrecht halten kann. Da weicht unerwartet der Schatten immer weiter zurück, bis er ganz verschwunden ist.

Die Sonne erhellt mein Abteil, wie vorher. Ich atme auf. Da geht ein leichter Ruck durch den Zug. Die Bremsen krallen sich in die Schienen. Ein lautes Zischen. Die Lok stößt einen weißen Schwall Rauch aus. Ein Bahnhof. Soll ich jetzt den Zug verlassen und an diesem Ort bleiben? Alles in mir verkrampft sich. Ein lähmendes Gefühl lässt mich zögern, als ich eine sanfte Stimme höre.

„Geh, Noelle, versuch dein Glück!“

Ich sehe Herrn Grimms gütige Augen vor mir. Er zwinkert mir zu und lächelt aufmunternd.

Ich nehme allen Mut zusammen und steige aus. Es ist ein Bahnsteig, wie alle anderen. Nichts ist besonders hier. Kein Duft, keine außergewöhnlichen Menschen. Und tatsächlich regnet es. Wie auf Tausenden Bahnhöfen vorher. Vielleicht sollte ich wieder in den Zug einsteigen. Ich will einen anderen Bahnhof finden, einen besseren als diesen ordinären Bahnsteig im Nirgendwo.

Da setzt sich der Zug wieder in Bewegung, meine Chance ist vorbei. Ich gehe zu der einzigen Bank auf dem Bahnsteig, setze mich und öffne meinen Rucksack. Da, auf den Notizbüchern von Herrn Grimm, liegt das kleine Päckchen, dass Raoul mir hinterlassen hat, bevor er ging. Ich nehme es heraus, hebe den Deckel an und ein unglaublicher Duft von Kaffee, Schokolade und betörenden Essenzen strömt heraus.

Das ist genau der Duft! Ich hatte ihn schon die ganze Zeit bei mir und habe es nicht gewusst. Ich verschließe das Döschen wieder, stecke es in meine Tasche und verlasse eilig den Bahnsteig.

Draußen empfängt mich unerwartet ein milder Duft, der Regen ist fort und es riecht nach Blüten und Sommer. Ein kleiner Platz umsäumt mit Platanen liegt vor dem Bahnhof. Sonnenstrahlen drängen durch die Wolken und lassen das Wasser in den Pfützen glitzern wie Silber. Ich setze mich auf eine weiße Bank und genieße die Düfte, die mich umschweben.

Zu Hause? Ich weiß es nicht, aber ich weiß plötzlich, dass alles gut wird. Egal wohin ich von hier aus gehe, egal wem ich begegne und was mir passieren wird. Ich werde niemals allein sein. Es wird Menschen, Elementare, Ritter und Engel geben, die meinen Weg begleiten. Ob in meinen Träumen oder in der Realität ist nicht wichtig. Für mich leben sie alle und die Schatten werden vergangen sein. Auch die Schatten meiner Vergangenheit. Ich habe sie besiegt, weil ich sie bunt gemacht habe. Ich habe ihnen durch meine Fantasie die Spitzen und die Bitterkeit genommen.

Festentschlossen meine eigene Geschichte zu schreiben, werde ich meinen Weg gehen. Alles ist Legende. Vielleicht noch nicht heute, aber die Zeit wird kommen, in dem meine Geschichte sich in ein Märchen verwandelt. Ich hole die kleine Dose wieder heraus, entnehme die Praline und stecke sie mir in den Mund. Sie zergeht auf der Zunge, die Quintessenz des Lebens, Süße und Bitternis. Füllung und Umhüllung.

„Noelle?!“

Raoul kommt auf mich zu. Ich sehe ihn einfach nur an.

„Du bist da“, sage ich, ohne überrascht zu sein.

Es ist eine Feststellung und keine Frage.

„Ja.“

Er schaut mich mit einem fragenden Blick an.

„Ich bin gekommen, um dir eine Frage zu stellen. Weiß du noch, was du mir am Anfang der Reise sagtest?“, frage ich.

„Man lebt nur einmal und man liebt nur einmal“, antwortet Raoul.

„Bist du immer noch dieser Ansicht?“

Raoul sieht mir tief in die Augen. Dann nimmt er meine Hand, legt sie auf seine Brust. Ich spüre seine warme Haut unter meinen Fingerspitzen und den Schlag seines Herzens, der in meinem Rhythmus schlägt.

„Als ich dich sah, wusste ich es. Ich liebte dich, mehr als ich jemals geliebt habe. Aber ich habe schon soviel Schmerz gesehen, soviel Leid erlebt, dass ich dir das ersparen wollte.“

„Und jetzt?“, flüstere ich ängstlich.

„Willst du mich, mit allen meinen Zweifeln, meiner Zerrissenheit und meiner Angst?“

Mein Herz setzt für einen Moment aus.

„Willst du mich mit all meiner Liebe?“, frage ich zurück.

Schweigend sehen wir uns an. Raoul hält immer noch meine Hand auf sein Herz gepresst. Ich fühle, dass sein Herz sich fast überschlägt.

„Mehr als alles, was ich mir je wünschte“, antwortet er.

Seine Lippen sind meinen ganz nah, und als er mich küsst, ist es genauso, wie ich es mir erträumt habe. Also werden Träume doch wahr.

„Komm, lass uns gehen“, sagt Raoul und lächelt.

„Wohin?“, frage ich.

„Ich weiß es nicht. Wenn wir da sind, werden wir es wissen.“

Ich muss lachen.

„Also bin ich nur angekommen, um wieder zu gehen?“

Raoul schüttelt den Kopf.

„Du bist gekommen, um zu finden. Deine Suche ist zu Ende. Du bist nicht mehr verloren, weil du gefunden wurdest und gefunden hast.“ Er lacht und küsst mich zärtlich. „Aber unsere Reise beginnt erst und es gibt soviel, das ich dir zeigen will, meine süße Noelle.“

Mein Herz macht einen Satz.

„Wo möchtest du zuerst hin?“, fragt Raoul.

„Zurück zum Meer“, antworte ich sofort.

„Dann schnell, der nächste Zug kommt gleich. Er wird uns ans Meer bringen.“

Raoul nimmt mich an die Hand, und als wir den Bahnsteig betreten, fährt gerade der nächste Zug ein.

 

„Bon Voyage!“

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…dann kommt DAS dabei heraus. Es war ein sonnigen Tage, alles war so leicht, so luftig … und ich ging meiner Arbeit nach. Wahrscheinlich hatte ich zuviel Zeit zu träumen. Ich ließ mich in diese besondere vertraute und kribbelnde Nähe fallen, die ich erlebte. Er war keine Schotte, aber er könnte es sein. Tja und dann, nichts wie nach Hause und das Gefühl, das Aufreizende der Situation in den PC getippt. Aus allem wird Geschichte … wenn die Fantasie Blüten treibt:

Der Schotte

Verstohlen sehe ich ihn von der Seite an. Der rotbraune Dreitagebart unterstreicht sein kerniges Äußeres. Eine ein Meter 85 große, geballte Ladung Männlichkeit aus Muskeln, Sehnen und festem Fleisch. Große, wohlgeformte Hände, kastanienfarbiges Haar, das sich im Nacken kräuselt. Ein kräftiger Körper, mit starken Armen, bedeckt mit Härchen, die in der Sonne, die durch die Frontscheibe des Autos fällt, golden schimmern. Dazu klare blaue Augen mit langen Wimpern in einem gut geschnittenen Gesicht. Ein Mund, den ich gerne küssen würde. Ich verspüre unbändiges Verlangen meine Finger in seinen Haaren zu vergraben. Ganz zu schweigen von dem Wunsch, dass mich seine forschen Hände packen, mir die wenigen Kleidungsstücke von meinem erhitzten Körper reißen und meine Wollust befriedigen.

Ich wende mich der Landschaft zu und versuche meine Gedanken unter Kontrolle zu bringen. Himmel, was ist los mit mir! Ok, ich habe lange keinen Sex gehabt, aber deswegen würde ich mich einem Fremden normalerweise nicht sofort vor die Füße werfen. Nur gut, dass er meine Gedanken nicht lesen kann. Als er vor einer halben Stunde anhielt, meine Koffer aus meinem Pannenauto in seinen Range Rover warf, als hätten sie kein Gewicht, hielt ich den Atem an. So habe ich mir einen echten Schotten vorgestellt. Ein Gentleman, doch auf eine gewisse Weise rau und wild. Nicht wie die degenerierten, gelackten Typen in den Städten. Er hielt mir die Beifahrertür auf. Ich nahm seinen betörenden Duft nach Wind, Wasser und Gras wahr. Samtig, dunkel, rauchig wie ein guter Whiskey lief er mir die Kehle hinunter und ich hatte das Gefühl einen Schwips zu bekommen.

Liam, so hat er sich vorgestellt, fährt die schmale gewundene Straße zu dem imposanten Herrenhaus entlang. Gleich bin ich am Ziel meiner Reise und bedauere es jetzt schon, weil sich unsere Wege trennen müssen. Ich will diesen Mann. Begehrte ihn in der ersten Sekunde, als ich ihn sah und kann an nichts anderes denken. Liam hält vor dem Haus und öffnet mir die Autotür.

„Wir sind da. Ich hoffe, es gefällt ihnen.“

„Es ist wundervoll.“

Ich empfinde es tatsächlich so, aber mein Enthusiasmus wird von dem Gedanken gebremst, dass er sich gleich verabschieden wird.

„John“, ruft er laut, „Miss Kent ist da!“

Die Tür wird geöffnet. Ein Mann Mitte fünfzig kommt heraus.

„Wie schön“, John lächelt mich freundlich an, „wir haben noch gar nicht mit ihnen gerechnet. Nicht wahr, Master Liam.“

„Stimmt“, Liam lacht über mein überraschtes Gesicht, „ich habe unseren Gast kurz hinter Galway aufgegabelt. Autopanne. Veranlasse doch bitte alles Nötige.“

Donnernder Herzschlag presst mein kochendes Blut durch meine Adern und treibt mir die Röte ins Gesicht. Liam O`Flaherty ist der Laird von Connacht. Das Clanoberhaupt, dessen Ahnenreihe ich dokumentieren soll. Ich muss zugeben, er entspricht dem Bild, dass man sich von einem Highlander macht ohne wenn und aber.

„Nun, Miss Kent, entspreche ich ihrem Bild eines Clanchefs“, fragt er mit einem spöttischen Zug um den Mund.

„Voll und ganz“, sage ich und denke, mehr als du dir vorstellen kannst.

….Fortsetzung folgt….und wie!

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