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Posts Tagged ‘Blut’

In meinen Träumen konnte ich mir alles vorstellen, aber gegen die Wirklichkeit konnte ich nichts unternehmen. Sie ist noch genauso kalt, grau und lebensfeindlich, wenn ich die Augen öffne. Wieso ausgerechnet ich den Super-Gau überlebt habe, ist mir ein Rätsel. Ich bin mir keines Vorteils gegenüber anderen Mitgliedern meiner Spezies bewusst. Nur eins ist sicher, nachdem ich aus einem tiefen Schlaf erwachte, bin ich allein.

Seitdem kämpfe ich jeden Tag ums Überleben. Die Suche nach anderen habe ich aufgegeben. Mein einziger Begleiter ist ein einäugiger Rabe. Und nur in meinen Träumen finde ich für kurze Zeit ein wenig Trost. Wie oft habe ich mir gewünscht, im Schlaf, während eines besonders schönen Traumes, zu sterben. Doch das Glück ist mir nicht vergönnt. Immer wieder erwache ich. Jeden Tag schlägt mein Herz aufs Neue und pumpt das Blut durch meine Adern.

Ich bin bereits auf den Gedanken verfallen, dass dieses graue Leben Traum und meine Träume die Realität sind. Andererseits fühlt es sich nicht so an. Immer wieder stellt sich die Frage: warum?

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Im Dunkel der Schränke reifen die Sommerkleider. Warten auf einen Sommer, der niemals wiederkommt. Längst vergangen sind die Zeiten, in denen die Wiesen, Wälder und Gärten sich in leuchtend bunte Farben kleideten, die Luft vom Geschwirr der Vögel flirrte und in Mensch und Tier die Lust zu leben weckte.

Leer und öd ist es. Beton und Eisen überziehen die Welt. Müll, sichtbar und unsichtbar sind die neuen Farben. Lärm und Dissonanzen verstopfen uns die Ohren, verhindern, dass wir denken können.

Nach dem großen Krieg, den dumme, machtgierige Diktatoren anzettelten und dem sie ihre Völker opferten, verfiel das Land bis zur Unkenntlichkeit. Es lag im Todeskampf, getränkt mit Blut. In den Jahrtausenden, in denen es geknechtet und ausgebeutet wurde, hatte es nach der Schlachtung seiner Kinder die Lust am Leben verloren. Könnte ich so viele Tränen weinen, den Schmutz wegzuwaschen, ich weinte sie alle.

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„Unfähig sich zu ändern, versuchten sie die Welt zu ändern.“

Sagte ich, und scheiterten kläglich, dachte ich.

Im Publikum entstand eine kurze raumgreifende Stille, dann brandete mir ein Applaus entgegen, den ich nicht erwartet hatte. Alles was ich geschrieben, arrangierte und auf die Bühne brachte, alles was ich darstellte und sagte, war auf jeden einzelnen unter ihnen gemünzt. Doch sie verstanden es nicht. Erkannten nicht, dass sie sich ändern mussten, vom kleinsten zum großen hin, damit diese Welt nicht ins Chaos stürzte.

Möglicherweise hatten sie einen winzigen Blitz der Erleuchtung, im Augenblick der Stille, doch der wurde durch den frenetischen Beifall hinweggefegt.

Schon morgen würden sie alle Worte, die schrecklichen Bilder und die schönen, vergessen haben. Nichts veränderte sie. Egal, wie viel Blut die Straßen entlang rann oder wie faszinierend komplex die Wunder unserer Welt erschaffen waren. Nichts von alledem weckte sie auf. Sie waren wie tumbe Steine, die unbeweglich auf der Stelle lagen, statt wie eine emsige Koralle zu sein, die sich stetig veränderte und dem Licht entgegenwuchs.

Ich stand da und starrte in den Zuschauerraum. So würde es also enden.

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Da meine Blogkolleginnen Sabine Wirsching und Marga Auwald wunderbare Sätze in Grün erdacht haben, habe ich mich an roten Sätze versucht.

  • Der Stier sah Rot.
  • Rot wie Blut, weiß wie Schnee, schwarz wie Ebenholz.
  • Er lag in einer dunkelroten zähflüssigen Masse.
  • Die untergehende Sonne färbte den Himmel in den verschiedensten Rotschattierungen.
  • Das Feld erglühte unter dem Rot des Klatschmohns.
  • Er zeigte ihm die rote Karte.
  • Die Ampel sprang auf Rot.
  • Ihre tiefrot geschminkten Lippen zogen ihn magnetisch an.
  • Das Rot der Alarmlampe rotierte in der Dunkelheit und tauchte die Szenerie in ein unwirkliches Licht.
  • Das Rote, das will ich.
  • Der rote Backsteinbau strahlte Wärme und Sicherheit aus.
  • Die Sonne legte einen goldenen Schimmer auf ihr rotes Haar.
  • Der Apfel hatte zwei rote Bäckchen.
  • Ich errötete bis unter die Haarspitzen.
  • In der Asche flackerte die Glut rot auf, als er mit dem Schürhaken darin herum stocherte.
  • Das rote Kleid schmiegte sich eng um ihren wohlgeformten Körper und ließ keinen Zweifel an ihre Mission für diesen Abend.
  • Das Buch hat einen roten Ledereinband und ist mit goldenen Buchstaben und einem Pentagramm versehen.
  • Blut tropfte in das Waschbecken und rann in roten Schlieren in den Ausguss.
  • Der Rubin leuchtete in einem geheimnisvollen satten Dunkelrot.
  • Du bist die nächste, hatte jemand in roten Lettern auf die Haustür geschrieben.
  • Der eine Rosenstock war weiß, der andere rot.
  • Auf dem roten Uniformrock glänzten goldene Litzen und Sterne.
  • Das Licht der roten Laterne flimmerte eine Sekunde, dann erlosch es.
  • Er setzte den Rotstift an, der sich grausam durch den Text fräste.
  • Als er die letzte rote Kerze angezündet hatte, schlug ihr Herz bis zum Hals

 

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Hülle, Waffe, Flügel, Faden, hoch,weiß                                     

 

Ich starrte auf die riesigen weißen Flügel des Mannes.

„Wer bist du“, stieß ich hervor.

Er senkte die blutige Waffe. Sein ebenmäßiges Gesicht zeigte keine Gefühlsregung. Die Augen waren von dunklem Braun mit goldenen Sprenkeln, seine schwarzen Locken leicht zerzaust durch den Kampf. Die weiße Rüstung mit dem goldenen Emblem war blutgespritzt. Er schien es nicht zu bemerken oder es war ihm egal.

Obwohl ich etwa 1,70 Meter maß, kam er mir wie ein Riese vor. Ich musste meinen Kopf in den Nacken legen, um ihn anzuschauen.

„Wer bist du“, unternahm ich einen neuen Versuch.

„Ich bin Adrael“, hörte ich eine tiefe Stimme, ohne dass er den Mund öffnete.

„Warum hast du das getan?“, fragte ich fassungslos.

Ich deutete auf die Toten, die überall im Einkaufszentrum herumlagen.

„Es musste getan werden“, hörte ich ihn.

„Warum sprichst du nicht?“

„Dein Trommelfell würde platzen, wenn ich mit dir sprechen würde.“

„Ich nehme an, du bist ein Engel, oder zumindest sowas ähnliches“, wagte ich mich vor und hoffte inständig, dass er kein Dämon war. Sie waren Meister der Täuschung, ich hatte einige gesehen, doch noch nie einen Engel. „Warum hast du das getan?“

„Wer bist du, dass du mit mir rechtest?“, seine Stimme zitterte. Erschien wütend zu sein, doch sein Gesicht blieb unverändert ausdruckslos.

„Niemand“, erwiderte ich, obwohl er wohl eher eine rethorische Frage stellte. Ob Engel oder Dämon, ich war mir sicher, er wusste, wer ich war. Ich senkte den Blick unterwürftig, „Engel erscheinen in der biblischen Geschichte, wenn sie Gottes Strafgericht ankündigen oder ausführen. Hast du deinen Auftrag erfüllt oder wird Schlimmeres geschehen?“

Die Angst in meiner Stimme konnte ich nicht unterdrücken.  Ich sah, wie Adrael all diese Menschen hingeschlachtet hatte. Er war gekommen wie ein Wirbelwind und hinterließ eine Schneise der Vernichtung. Leichen über Leichen. Der Boden, die Wände, die Fenster und Gegenstände waren mit Blut bedeckt. Nur ich war übrig geblieben, ohne einen Kratzer.

„Du stellst zu viele Fragen.“

Er machte einen Schritt auf mich zu, ich wich furchtsam zurück. Würde er mich jetzt töten?

„Sie genau hin!“, hörte ich ihn, „dann wirst du sehen, dass es nur Hüllen sind.“

Ich betrachtete eine der Leichen. Tatsächlich schien sie nur noch aus Haut zu bestehen. Die Körper waren in sich zusammengeschrumpft, als hätte man einem Ballon die Luft herausgelassen. Sogar ihre Köpfe waren nur noch Knochen mit Haut überzogen.

„Wir müssen gehen“, er war plötzlich vor mir, schlang seinen Arm um mich, „sie kommen.“

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Das Schwert lag schwer in ihren Händen. Mariam sah auf den Mörder ihres Bruders herab. Er keuchte, die Hände auf die klaffende Bauchwunde gepresst, die Simon ihm beigebracht hatte, bevor sein Gegner ihm das Herz durchbohrte. Ihre Augen begegneten sich und noch im Angesicht des Todes lachte er.

„Ich bin nicht der einzige“, ein Röcheln unterbrach ihn, er schnappte nach Luft, dann fuhr er fort, „es werden andere kommen. Ihr habt keine Chance. Eure Familie wird ausgelöscht, für alle Zeit vom Erdboden vertilgt. Dann wird niemand mehr dasein, der uns aufhält.“

Mariam zitterte vor Wut.

„Aber noch ist es nicht soweit! So lange einer meiner Sippe die Kraft hat ein Schwert zu führen, werden wir euch bekämpfen. Ihr werdet für eure Bosheit bezahlen.“

Sie biss die Zähne zusammen und legte ihre ganze Kraft in den Hieb, der ihm den Kopf vom Rumpf trennte. Dunkles Blut spritzte aus seiner Halsschlagader. Es hatte einen eigentümlichen, Übelkeit erregenden Geruch nach fauligem Fleisch und dem aufdringlich, süßlich schweren Duft einer Blume.

Mariam glitt das Schwert aus den Händen. Sie presste sich ihr Halstuch vor Mund und Nase, um den penetranten Geruch fernzuhalten. Tränen rannen ihr über die Wangen. Sie kniete neben Simon nieder und streichelte sein blasses, kühles Gesicht. Sie spürte, dass ihn sein Geist schon längst verlassen hatte. Der Schmerz legte sich, wie ein zu fest gezogenes Korsett, um ihren schmalen Körper. Sie konnte kaum atmen.

„Ich habe dich gerächt, Bruder und Freund“, schluchzte sie, „wohin dein Geist gehen mag, wir werden beisammen sein, du und ich. Zwei von einem Blut. Gebunden im Leben, vereint im Tod. Ich schwöre, bei dir und unseren Ahnen, das zu tun, was uns bestimmt wurde. Bis wir uns auf der anderen Seite wiedersehen.“

Mariam schloss ihm sanft die Augen. Sie wusste, was zu tun war. Sie musste ihm die letzte Ehre erweisen, durfte nicht schwach sein, sich nicht von ihrem Schmerz hinreißen lassen.

Sie sammelte Brennholz und bahrte Simon auf. Dann schnitt sie dem Dämon die schwarzen Flügel von den kopflosen Schultern und bedeckte ihren Bruder mit der Trophäe. Er war ehrenvoll im Kampf gestorben. Mariam löste die Kette mit dem Zeichen der Adler von Simons Hals und legte sie sich um. Sie war die letzte Jägerin des Clans. Nun lag es an ihr, der Familie Ehre zu machen und das Werk weiterzuführen.

Mariam zog ein Fläschen aus ihrer Tasche, schüttete den Inhalt über den sterbliche Hülle ihres Bruders und zündete den Scheiterhaufen an. Sie murmelte ein paar Worte in einer unbekannten Sprache und sofort schossen imposante Flammen empor, die den Leichnam und das Holz in Brand setzten.

Mariam starrte auf das Feuer. Mit klagender Stimme sang sie die alten Lieder, die ihnen ihr Vater seit frühen Kindertagen, immer wieder vorgesungen hatte. Es weckte die Erinnerung an den Tag, an dem Simon und sie ihren Vater auf dieselbe Weise, auf die Reise ins Land der Ahnen geschickt hatten.

Erst als auch die letzten Flammen erloschen waren, rührte sich Mariam vom Fleck. Sie fror, fühlte sich steif, ihre Muskeln hatten sich verkrampft. Die Augen brannten von den Tränen und dem beißenden Rauch.

Mariam nahm das geweihte Schwert ihres Bruders an sich. Noch einmal sah sie sich zu dem Häufchen um, dass von dem Scheiterhaufen übrig geblieben war, dann wandte sie sich ab und ging zu ihrem Auto.

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„Geht es dir gut?“

Sacht tippte er ihr gegen die Schulter. Die Berührung löste ihre Starre. Mit hasserfülltem Blick sah sie ihn an.

„Geht es dir gut?“, wiederholte er.

Sie holte aus und schlug ihn mit einem harten Schlag auf die Nase. Blut spritze heraus.

„Aua!“, schrie er und presste seine Hände gegen das Riechorgan.

„Du hast sie gebrochen!“

„Sei froh, dass es nur die Nase ist. Viel lieber würde ich dein Herz brechen, so wie du meins gebrochen hast!“

Sie drehte sich um und ging.

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