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Posts Tagged ‘Blicke’

Worte,

Tausend Tausende.

Orkan in meinem Kopf.

Der Schrei so laut,

Den niemand hört.

 

Warum?

Nur ein paar Blicke.

Ein paar Worte.

Wahr, erdichtet.

Niemand weiß es.

 

Nicht du.

Nicht ich.

Gefühle sind.

Du gingst vorbei.

Ich sehe dir nach.

 

Muss ich nun schweigen?

Worte setzen nach Verstand?

Sind wir entfernte Freunde?

Ist heute nicht,

Was gestern war?

 

Zwei Seelen im Einklang.

Außerhalb von Zeit und Raum.

Müssen sich finden,

In einem Leben.

Kann Liebe zeitlos sein?

 

Mein Herz ist offen.

Dankbar für dich.

Meine Hände ausgestreckt.

Lass uns wir sein.

Liebe kann alles.

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Ein Taxi, ein alter Feind und der Valentinstag

„Valentinstag ohne Date“, ich hörte das Bedauern in Sannes Stimme.

„Ich bitte dich, das ist doch ein Tag wie jeder andere Kommerz ohne Ende.“

„Trotzdem, ich finde du solltest dich mal wieder ins Leben und die Liebe stürzen.“

Ich zuckte mit den Schultern. Liebe wurde weit überschätzt. Am liebsten hätte ich Sanne meine Meinung gesagt, aber diese elende Diskussion hatten wir so oft, und heute hatte ich keine Lust dazu.

„Sei nicht sauer, ich muss los“, ich umarmte sie, „ich wünsche dir viel Spaß!“

„Wir sehen uns morgen.“

Ich nickte ihr zu und verließ die Wohnung. Das Taxi wartete schon.

„Hallo Colja, schön, dass du mich fährst“, freute ich mich.

Er lächelte.

„Du weißt doch, wenn ich es einplanen kann, immer.“

„Danke“, sagte ich und gab ihm die Adresse. „Wartest du auf bitte auf mich? Ich könnte einen Freund brauchen, wenn das Gespräch vorüber ist.“

Unsere Blicke begegneten sich im Rückspiegel. Er brauchte nichts zu sagen, sein Blick sagte alles. Ich war umso erleichterter, dass Colja mich begleitete, als ich in wenigen Minuten einem Menschen gegenüber stehen würde, den ich abgrundtief hasste.

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Ich liebe die Stille der Nacht. Das eingehüllt Sein in das sanfte Licht einer Lampe. Die Zeit verlangsamt sich auf magische Art und Weise. Die hektischen Dinge des Tages verblassen langsam und ich atme auf. Ich mache es mir in meinem kuscheligen Bett oder in meiner Sofaecke gemütlich, im Hintergrund leise Musik und lese ein Buch, lasse mich in andere Welten entführen.

Musik ist keine Stille? Für mich kann auch Musik Stille sein. Wenn ich in einem Gedankenkarussell stecke, mache ich ganz laut Musik an. Das versetzt meinen Körper in Schwingungen und ich muss mich bewegen. Ich tanze, hüpfe herum und mache die ganz große Geste – und das Karussell in meinem Kopf kommt zum Stillstand. Die unnütze Energieverschwendung meiner Synapsen fließt in das Tanzen.
Ich liebe die Stille eines Wintermorgens, wenn noch alles dunkel ist, nur die Straßenlaternen geben Licht und in ihrem Kegel tanzen dicke weiße Flocken.

Ich liebe die Stille eines Sommermorgens um halb fünf. Wenn die Vögel ihre euphorischen Konzerte abhalten und die Morgensonne begrüßen.

Ich liebe die Stille zwischen zwei Menschen, die sich in die Augen schauen. Wenn Blicke mehr bedeuten als Worte.

Stille ist so viel mehr als Abwesenheit von Geräusch. Ein Zustand, der uns in der technisierten Welt um uns herum kaum vergönnt ist. Stille kann ein innerer Zustand sein, in dem wir zur Ruhe kommen, unsere Energien aufladen. Ich brauche den Ausgleich der Stille, um in dieser lauten Zeit wieder denken und atmen zu können.

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Augen Blicke

Lea parkt den Wagen. Es dauerte eine Weile, bis sie einen Parkplatz ergatterte. Darauf war sie vorbereitet. Es war nicht ihr erster Besuch in Berlin. Aber hier scheint das bessere Viertel zu sein, denkt sie und sieht sich um, nur noch um die Ecke gehen, ein Stück die Straße hinunter, dann stehe ich vor Jeans Haus.

Sie zögert. Es kommt ihr vor wie ein Traum. Soll sie die Grenze überschreiten? Was würde geschehen? Leas Herz schlägt bis zum Hals. Jeder Schritt macht sie atemloser. Sie denkt an die Mail, als Jean sie fragte, ob sie Lust hätte ihn zu besuchen. Er würde ihr die Sehenswürdigkeiten zeigen.
Natürlich wollte sie. Gleichzeitig schwankte Lea zwischen Euphorie und Panik. Endlich begegnete sie ihm in der realen Welt. Seine Stimme, seine Worte vereinten sich mit der Person. Wie würde es sein, ihm gegenüberzustehen?

Lea erreicht das Haus. Sein Name fiel ihr gleich ins Auge. Sofort ist es wieder da. Das Stolpern ihres Herzens. Was denkt er, wenn er mich sieht? Wird er mich mögen? Oder verpuffte die Faszination, die sie sich durch die Entfernung aufgebaut hatte?
Lea denkt an das letzte Mal, als sie dieses Bangen fühlte. Es ist über 1o Jahre her. Damals verschmolzen Stimme und Wort zu einer Einheit. Wie Jing und Jang schmiegten sie sich ineinander. Alles, was übrig blieb, sind ein sanfter Duft, ein Lächeln, ein zärtlicher Satz. Nur noch ein undeutliches Bild in ihrer Erinnerung.

In diesem Moment beneidet sie die Menschen, denen alles egal ist. Die in der Hektik, in ihren kleinlichen Gedanken, ihrem spießigen Zuhause gefangen sind und wie Hamster im Rad rotierten. Sie vermissen nichts, weil sie nichts haben. Ihre Herzen sind leer und öde. Täglich der gleiche Trott. Rennen, hetzten, alles mitnehmen, abends noch Schrott-TV. Gespräche dauern nur wenige kurze Sätze. Das, was zwischen den Anfang des Werbespotts, den Klobesuch und das Ende des Spotts passt. Einmal in der Woche Statistiksex. Man ist ja ein Paar. Das 1 ½ Quotenkind. Golf und Reiten. Formel 1 und Germany`s next Topmodel. Pauschalurlaub und überkommene Traditionen.

Lea wollte nie so werden. Ihr Hunger nach Leben ist ungebrochen. Egal, wie sehr ihr die alten Traditionen und Konventionen eingetrichtert worden waren. Die Sehnsucht ist nur größer geworden. Sie schreibt sich alles von der Seele. In den einsamen Stunden am PC wünschte sie sich tausend Mal auszubrechen. Lea will weinen und Lachen, bis ihr die Stimme versagt. Sie will Liebe und Sex, bis ihr Herz stehen bleibt. Will das Leben umarmen. Sich daran klammern und ganz vom Gefühl durchdrungen werden. Sich völlig hingeben.

Sie bekommt Angst vor ihren eignen Gedanken. Wie viel von diesen Gedanken kann sie Jean zumuten? Er ist erfolgreich, gebildet, viel beschäftigt. Dozent an der Uni. Stand mit beiden Beinen im Leben. Lea empfand sich oft als chaotisch und getrieben. Sie wollte hemmungslos und wild sein, und kämpfte mit der Angst für verrückt und liederlich gehalten zu werden.

Andererseits hat Jean ihr aus seinem Leben geschrieben. Alles andere als althergebracht. Ein Leben wie aus Hemingways Romanen. Mit Havanna und Whiskey. Lea hat sich während der Zeit ihrer Gespräche vorgestellt, wie es gewesen wäre, die Welt mit seinen Augen zu sehen. So frei und ungebunden zu sein. Stark und unabhängig.

Eine Fantasie, in der sie sich mit Jean gemeinsam sah, gefällt ihr besonders:
Irgendwo an einem Meer, an einem warmen Tag in der Abenddämmerung. Neben ihm auf der Terrasse auf einem breiten Bett zu liegen, seiner angenehmen Stimme zu lauschen, träge vom Tag und anschmiegsam zu sein. Seine Hand auf ihrem Nacken zu spüren. Wie seine Fingerspitzen langsam ihre Wirbelsäule herab glitten …

Die Tür wird aufgerissen. Lea zuckt zusammen. Das ist er. Jean. Lässig in Jeans und Hemd.

„Hallo“, flüstert sie und schaut ihn staunend an.

Er lächelt. In Leas Bauch schlägt ein Funken auf und steigt langsam, brennend ihre Lungen hinauf, in ihre Kehle.

„Auch Hallo. Ich hab dich gesehen und befürchtet, du würdest wieder gehen.“

Lea schüttelt den Kopf. Ihr fehlen die Worte. Er zieht eine Augenbraue hoch. Das kennt er nicht von ihr.

„Komm ich nehm dir die Tasche ab.“

Lea überlässt sich seiner Fürsorge, folgt ihm und überlegt fieberhaft, was sie sagen und tun soll. – Lass es auf dich zu kommen. – Versucht sie sich zu beruhigen. – Wie lasse ich etwas auf mich zu kommen, dass ich mir mehr als alles andere herbeisehne? –

Jean öffnet die Wohnungstür und macht eine einladende Geste.

„Bitte, komm rein.“

Lea tritt ein. Er schließt die schwere Tür hinter ihr, stellt die Tasche auf den glänzenden Parkettboden. Sie dreht sich zu ihm um. Atemlos aufgeregt steht sie da. Für eine endlose Sekunde schauen sie sich in die Augen. Lea errötet. – Kann er es in meinem Augen lesen? – Jean macht einen Schritt vorwärst, legt die Hände auf ihre Hüfte und zieht Lea näher zu sich. Sie hält den Atem an. – Bitte lass mich nicht mehr los. –

Jean hält Leas Blick fest, als er sich zu ihr beugt. Er sieht, wie sich ihre Lider schließen. Zart küsst er ihre Stirn, ihre Wangen, spürt wie sie ihm entgegen kommt, die Lippen leicht öffnet. Jean nimmt ihren Mund. Lea schmiegt sich an ihn. Sein dezenter Duft steigt ihr in die Nase. Eine holzige Note und seine Wärme vermischen sich zu einem verführerischen Cocktail, der Lea einhüllt, sie zu ihm zieht und ihre Bedenken weg spült. Sie ist angekommen.

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Eine kleine Szene – ca 19.Jahrhundert.

Roxanne warf einen letzten Blick in den Spiegel. Perfekt, dachte sie, Anthony wird heute sein blaues Wunder erleben. Ihr rotes Haar leuchtete im Schein der Kerzen, wie frisch poliertes Kupfer. Das Kleid aus dunkelgrüner Seide harmonierte mit ihren grünen Augen. Der Schnitt im angesagten Empirestil brachte ihre schlanke Figur hervorragend zur Geltung und gewährte einen geheimnisvollen Ausblick auf ihren vollkommenen Busen. Die cremefarbene Perlenstickerei und die Smaragdohrringe taten ihr Übriges, sie wie eine Prinzessin aussehen zu lassen.

Eitelkeit gehörte nicht zu Roxannes hervorstechenden Eigenschaften, aber an diesem Abend musste sie so schön sein, dass es allen den Atem verschlug, besonders Anthony und seinen Brüdern. Es war viele Jahre her, aber Roxanne hatte die Hänseleien und Demütigungen nicht vergessen, die sie von ihnen erdulden musste.

„Aber die Zeiten ändern sich. Jetzt wirst du sehen, wer zuletzt lacht.“

Roxanne streckte ihrem Spiegelbild die Zunge heraus. Dann setzte sie wieder ein unschuldiges Lächeln auf und verließ ihr Zimmer. Sara wartete sicher schon auf sie.

***

Der Zusammenstoß kam unerwartet. Roxanne flog der Fächer im hohen Bogen aus der Hand.

„Verzeihung, Mylady“, der Mann bückte sich nach ihrem Fächer, „ich ahnte nicht, dass ich nicht der einzige Gast bin, der zu spät auf dem Ball erscheint.“

Er machte eine leichte Verbeugung, als er ihr den Fächer überreichte. In seinen dunklen Augen blitzte der Schalk auf, als er sagte:

„Darf ich mich vorstellen? Simon Hastings, Lord of Calvedon. Und wer seid ihr?”

„Roxanne Harris, eine gute Freundin von Sara.“

„Es freut mich außerordentlich, dass ich schon jetzt die Ehre habe, die schönste Frau des Abends zutreffen, das erspart mir eine Menge Arbeit und ich kann mich sofort in eure Tanzkarte eintragen.“

Roxanne konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

„Sir, ich kenne euch. Nicht von Angesicht, aber aus den Gazetten. Ihr seid ein Herzensbrecher. Sagt man.“

Sie gingen den Flur entlang. Simon musterte sie unauffällig. Was für ein außergewöhnliches Mädchen, dachte er, und diese Augen.

„Ihr müsst nicht alles glauben, was in der Zeitung steht“, Simon schmunzelte, „leider habe ich über euch noch nichts gelesen.“

„Ich hoffe, dass es nie passieren wird.“

Roxanne blieb an der Treppe stehen und legte ihre schmale Hand auf Simons Arm. Diese kleine Vertraulichkeit gefiel ihm.

„Mylord, darf ich euch um einen Gefallen bitten?“

In Roxannes unergründlichen Augen glitzerte der Schalk.

„Wenn es in meiner Macht steht, tue ich alles für euch.“

„Nicht so voreilig. Ihr müsstet nämlich bereit sein, eurem Freund Anthony einen Streich zu spielen.“

Erstaunt zog Simon die Brauen hoch. Nicht nur rätselhafte Augen, sondern auch Geheimnisse, es wurde immer interessanter.

„Verfügt über mich“, sagte er galant.

„Gut“, Roxanne lächelte, „eigentlich müsst ihr nichts Besonderes tun. Nur das, was ihr immer tut, wenn ihr euch um eine Dame bemüht.“

„Das dürfte mir bei euch nicht schwerfallen“, Simon lachte.

Dieses Feen-Mädchen hatte scheinbar keine Ahnung, was alles dazugehörte, wenn er sich um eine Dame bemühte oder besser, was die Damen von ihm erwarteten. Simons Blick glitt über ihre nackten Schultern, das zarte Dekolleté und die zierlichen Hände, in denen sie den Fächer hielt.

„Allerdings könnte ich dabei ernsthaft in Gefahr geraten getötet zu werden. Lord Brighterton ist ein guter Schütze und sehr leicht erregbar. In welchem Verhältnis steht ihr zu ihm? Seid ihr seine Verlobte?“, fragte er und dachte, bitte sag Nein.

Roxanne lachte schallend.

„Oh, Mylord, Anthony würde mich niemals zur Braut wählen. Seht mich an.“

Simon fiel ein Stein vom Herzen. Er war frei, sich um Roxanne zu bemühen.

„Ich sehe euch an, und obwohl ich mich für intelligent halte, verstehe ich sie nicht so ganz? Wieso könntet ihr nie seine Braut sein?“

„Weil ich ein rothaariger, dicker, sommersprossiger Mops bin. Eine von Anthonys netteren Bezeichnungen für mich.“

Simon schüttelte den Kopf.

„Was immer ihr sein mögt, aber diese Bezeichnung betrachte ich als persönlichen Affront. Soll ich ihn fordern?“

Roxanne forschte in Simons Gesicht nach dem Wahrheitsgehalt dieser Aussage und war froh ein listiges Funkeln in ihnen zu sehen.

„Nun, Mylady, dann wollen wir Sir Anthony einen Denkzettel verpassen.“

Simon reichte ihr den Arm und Roxanne nahm dankbar an. Sie war froh Anthony nicht allein gegenübertreten zu müssen, denn es stimmte, er hatte ein aufbrausendes Temperament. Auch wenn sie keine Kinder mehr waren und er ihr vor der versammelten Gesellschaft keine Szene machen würde, genoss Roxanne Simons bedingungslosen Schutz.

***

Als Roxanne und Simon den blauen Salon betraten, in dem sich die Hausgäste vor dem Ball trafen, um einen kleinen Imbiss zu nehmen, hörte sie gerade noch, wie Anthony zu Sara sagte:

„Oh bitte, doch nicht diesen dicken, sommersprossigen Mops!“

Seine Brüder lachten und Sara machte ein unglückliches Gesicht.

„Aber Anthony, ich muss dich doch sehr bitten! Roxanne ist Mamas Patenkind“, tadelte sie ihren Bruder.

„Immer noch die Liebenswürdigkeit in Person, lieber Anthony“, sagte Roxanne mit ausgesuchter Höflichkeit hinter ihm, „wie ich höre, lässt dein Sarkasmus nichts zu wünschen übrig.“

Schlagartig war es totenstill im Raum. Alle Augen richteten sich auf die schöne junge Frau an Lord Calvedons Arm. Anthony, Ben und Collin drehten sich zu Roxanne um und Sara zwinkerte Roxanne verschwörerisch zu.

„Roxi?“, flüsterte Anthony fassungslos.

„Für dich Roxanne“, erwiderte sie und hielt seinem entgeisterten Blick stand. „du darfst wieder zu dir kommen, wenn du genug gegafft hast.“

„Du bist kaum wieder zuerkennen“, stellte Collin bewundernd fest.

„Danke, mein Lieber“, Roxanne lächelte sanft, als würde sie mit einem kranken Kind reden, „ihr habt euch nicht sehr verändert.“

„Ach Sara, Liebste, sieh wen ich getroffen habe“, Roxanne warf ihrer Freundin einen konspirativen Blick zu, „Lord Calvedon.“

Simon schob sich ins Blickfeld seines Freundes und erntete einen düsteren Blick.

„Fühlst du dich nicht wohl, Anthony“, fragte er besorgt und versuchte ein Grinsen zu unterdrücken.

„Doch mir geht es sehr gut“, knurrte Anthony und fuhr sichtlich beunruhigt durch sein helles dichtes Haar, „wie ich sehe, amüsierst du dich hervorragend.“

„Oh, das tue ich doch immer bei euren Festen. Aber heute Abend besonders.“

Simon neigte den Kopf in Roxannes Richtung, was sie mit einem liebenswürdigen Lächeln quittierte. Anthony spürte einen bösartigen Stich in seinem Herzen. Es durfte unmöglich sein, dass dieses schöne Geschöpf Simon gehören sollte.

„Vergiss nicht, sie ist Gast in meinem Haus und Patenkind meiner Mutter.“

Jeder Muskel in Anthonys Körper war angespannt. Die beiden Männer maßen sich mit durchdringenden Blicken.

„Wie könnte ich das vergessen, Anthony“, erwiderte Simon spöttisch. „Mylady, würdet ihr mich zum Tanz begleiten?“

Roxanne knickste leicht.

„Sehr gerne, Mylord“, und leiser, sodass nur er es hören konnte, „ich las ihr seid ein begnadeter Tänzer.“

Simon lachte herzlich. Anthony sah den beiden unsicher hinterher und ballte die Fäuste. Bei schönen Frauen traute er Simon nicht über den Weg, Anthony kannte ihn einfach zu gut, als dass er ihm bei Roxanne ehrbare Ziele zutraute.

„Da habt ihr tatsächlich die Wahrheit gelesen.“

Roxanne ging an seiner Seite in den Ballsaal. Alles war so passiert, wie sie es sich vorgestellt hatte. Anthony hatte es die Sprache verschlagen, und sie ging mit einem der begehrtesten Männer zum Tanz. Rache ist eben doch süß, dachte sie, und gab sich der Illusion hin, dass sie Anthony eine Lektion erteilt hätte.

***

Simon betrachtete das ätherische Geschöpf an seiner Seite und konnte sein Glück kaum fassen. Was für ein unglaublicher Zufall, dass ausgerechnet er Roxanne begegnet war. Er konnte es an den Gesichtern der Anwesenden ablesen. Die Frauen tuschelten neidvoll mit ihren Bekannten und Freundinnen, während jeder Mann wünschte, an Simons Stelle zu sein. Als das Orchester die ersten Töne spielte, legte Roxanne ihre zierliche Hand in seine und er führte sie auf die Tanzfläche.
Simon hatte nicht zu viel versprochen und die Zeitungen hatten nicht untertrieben, er war ein fantastischer Tänzer.

Roxanne hatte das Gefühl auf Wolken zu schweben. Bis jetzt gab es keinen Mann, der sie gleichzeitig so sanft und doch so bestimmt führte. Einzig die Tatsache, dass Simon den Blick keine Sekunden von ihr wendete, machte sie stutzig.

„Mylord, ist etwas nicht in Ordnung?“, fragte sie unsicher.

„Nein, wieso?“

„Weil ihr mich so aufmerksam betrachtet.“

Über Simons markantes Gesicht huschte ein Lächeln. Er zog sie etwas näher heran und beugte sich zu ihr hinunter.

„Ihr seid die schönste Frau des Abends, Roxanne, und ich habe die Ehre mit euch zu tanzen. Es wäre eine Schande, wenn ich euch nicht die gebührende Aufmerksamkeit schenkte.“

„Sir, ihr scherzt. Bitte macht euch nicht lustig über mich.“

Simon wurde ernst.

„Niemals würde ich darüber Scherze machen. Habt ihr denn die Blicke der anderen Männer, einschließlich Anthonys und seiner Brüder, nicht bemerkt. Ich bin der meist beneidete Mann des Abends.“

„Nein, habe ich nicht.“

Roxanne riskierte vorsichtige Blicke.

„Um so besser“, Simon strahlte, „ich bin nicht bereit meine privilegierte Stellung an eurer Seite kampflos aufzugeben.“

„Oh, das müsst ihr nicht Sir. Ich genieße es mit euch zu tanzen.“

„Das Kompliment kann ich nur zurückgeben. Allerdings sieht das Anthony nicht sehr wohlwollend. Sein Gesicht gleicht dem eines Kriegers, der nur darauf wartet das sein Gegner ihm seine schwache Stelle präsentiert.“

„Ihr habt nichts zu befürchten. Anthony kann mich nicht leiden. Für ihn bin ich nur eine nervtötende hässliche kleine Kröte.“

Simon schüttelte den Kopf. So mochte es einmal gewesen sein. Er hatte Anthonys Blick gesehen, als sie an ihm vorbei tanzten. Dieses Mädchen war ein Juwel, nur wusste sie nichts davon, oder falls sie es wusste, bedeutete es ihr nichts, was sie um so liebenswerter machte. Er wäre jedenfalls der Letzte, der ihr sagen würde, dass Anthony für sie entflammt war, auch wenn er es vielleicht selbst noch nicht wusste.

Tatsächlich stand Anthony wie erstarrt am Rand der Tanzfläche. Sara lächelte. So hatte sie ihren großen Bruder noch nie erlebt. Er ließ Roxanne keinen Moment aus den Augen. Anthony konnte es einfach nicht fassen, aus dem hässlichen Entlein war ein Pfau geworden. Trotz ihres teuren Kleides und es kostbaren Schmucks wirkte sie natürlich. Als er sah, wie frei und offen sie Simon anlächelte und mit ihm sprach, spürte er ein heißes Gefühl von Eifersucht in sich aufflammen. Er deklarierte es als Verantwortungsgefühl, weil er sich für seine Eifersucht schämte. Immerhin hatte er Roxanne früher oft und bösartig gehänselt, bis sie in Tränen ausbrach, und seine Brüder mit hinein gezogen. Das kam ihm jetzt völlig unpassend und irreal vor. Aber es ließ sich nicht rückgängig machen. Die Frage war, ob Roxanne ihm verzeihen konnte.

Die riesigen Kristalllüster strahlten im Schein der vielen Kerzen und brachen sich in den Spiegeln, die an einer Wand angebracht waren, um den Raum größer erscheinen zu lassen. Die Paare drehten auf dem Parkett ihre Runden und inmitten all der Herrlichkeit schwebte Roxanne in Simons Armen leicht wie eine Feder. Nichts erinnerte an die pausbäckige, linkische, unscheinbare Roxanne von damals.

„Sie ist unglaublich.“

„Wer?“, Collin wandte sich seinem Bruder zu.

Anthony gab keine Antwort. Er war sich nicht einmal bewusst, dass er es laut aussprach. Roxanne schlug ihn völlig in ihren Bann und er war nicht der Einzige.

„Wer ist denn nun unglaublich?“

Collins stupste seinen Bruder in die Seite.

„Roxanne“, murmelte der.

„Da erzählst du nichts Neues. Jeder heiratsfähige Mann schaut sie an, und die anderen ebenfalls. Ich wette ihre Tanzkarte ist voll bis obenhin.“

Anthony wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Roxannes Anblick verhinderte, dass er vernünftig nachdenken konnte. Nur der Gedanke, dass er der Einzige war, der sie besitzen durfte, raste wie ein Sturm durch seinen Kopf und verhinderte, dass er angemessen reagierte.

***

Der Tanz war vorbei, und als das nächste Musikstück einsetzte, bemerkte Anthony, dass Simon mit Roxanne am Arm auf die großen Flügeltüren des Ballsaals zusteuerte. Bevor die beiden auf die Terrasse treten konnten, hatte Anthony sich vor Simon aufgebaut.

„Wohin wollt ihr?“, seine Stimme hatte einen drohenden Unterton.

„Etwas frische Luft schnappen“, erwiderte Roxanne, bevor Simon antworten konnte, „kommt, Mylord.“

„Das solltest du dir zweimal überlegen“, warnte Anthony, „er ist als Schürzenjäger verpönt. Das würde deinem Ruf sehr schaden.“

Roxanne richtete sich zu voller Größe auf. Trotzdem musste sie zu Anthony aufblicken. Ihre Blicke prallten aufeinander. Sie verstärkte den Druck auf Simons Arm. Trotzig reckte sie ihm das Kinn entgegen und antwortete kühl:

„Ich weiß ja nicht, wer dich zu meinem Vormund bestellt hat? Aber soviel sei gesagt: Dein Name, mein lieber Anthony, wird in den Zeitungen nicht weniger mit Damen zweifelhafter Reputation genannt, als der von Lord Calvedon.“

„Touché“, sagte Simon und grinste.

Anthony schnappte nach Luft. Roxanne hatte tatsächlich die Verve ihm die Stirn zu bieten.

„Du bist das Patenkind meiner Mutter. Als Hausherr und Oberhaupt der Familie habe ich die Pflicht, deinen Ruf zu schützen.“

Roxanne lachte hell auf.

„Du!? Ich staune, dass ausgerechnet du, dies anführst. Du bist immerhin der Mensch, der sich die übelsten Schimpfnamen für mich ausgedacht und sie der Öffentlichkeit verkündet hat. Wenn jemand meinen Ruf ruiniert hat, dann doch wohl du! Wenn ich mir meinen Ruf noch mal ruiniere, dann suche ich mir den Mann selbst aus, der sich dieser Ehre rühmen darf.“

Roxannes grüne Augen sprühten Funken. Ihre Blicke maßen sich mit Anthonys. Sara bekam Angst, dass sich die beiden an die Gurgel gehen könnten. Anthony hatte die Hände zu Fäusten geballt. Es kostete ihn Mühe genug Selbstbeherrschung aufzubringen, Simon nicht zu schlagen, der sich das Lachen nicht verkneifen konnte.
Simon hatte noch nie eine Frau gesehen, die Anthony widerstand, geschweige denn so entschieden die Meinung sagte. Collin und Ben beobachteten den Disput aufmerksam und rechneten sich bessere Chancen bei Roxanne aus, je schlechter Anthony da stand. Da dieser sich keinen Schritt von der Tür weg bewegte, wandte sich Roxanne an Simon.

„Sir, seid so gut und schädigt meinen angeschlagenen Ruf mit einem weiteren Tanz, bevor Lord Brighterton eine Prügelei anzettelt und ich mich noch mehr vergesse. Das ist es nicht wert.“

Anthony schluckte. Roxanne zahlte ihm seine Jugendsünden heim.

„Nichts lieber als das, Mylady.“

Simon machte eine leichte Verbeugung und ohne Anthony eines weiteren Blickes zu würdigen, folgte sie Simon zurück auf die Tanzfläche.

Ein bisschen Herz, Schmerz, Liebesgeplänkel fürs Wochenende 🙂 .

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„Ich habe Angst“, flüstert Lea.

„Wieso?“

Declans steht so nah bei ihr, dass seinen warmer Atem über ihren bloßen Nacken streicht.

„Sie werden merken, dass ich nicht hier her gehöre.“

„Niemand wird es heraus finden“, erwidert Declan mit Nachdruck. „Lass dich von mir führen und alles wird gut.“

Er nimmt ihren Arm und ehe Lea groß nachdenken kann, steht sie auf dem Teppich, der von den ankommenden Autos zur Villa führt, damit sich die Damen ihre teuren Schuhe und Roben nicht beschmutzen. Lea strafft den Rücken, hebt ihren Kopf und schreitet langsam neben Declan her. Sie bemerkt seinen aufmerksamen Blick und errötet, als sie feststellt, dass er an ihrem üppigen Dekolleté hängen geblieben ist.

„Wundervoll“, raunt er ihr zu und lächelt, „ich weiß, dass du es kannst.“

„Klar, mit diesem Kleid, sehe ich geradezu wie eine Einladung zum Essen aus.“

„Oh, dein Sarkasmus kehrt zurück. Jetzt wird alles gut“, neckt Declan sie.

Die beiden betreten die festlich geschmückte Eingangshalle. Lea spürt, wie sie die Aufmerksamkeit anderer Gäste auf sich zieht. Nicht verwunderlich. Sie trägt als einzige Rot! Auffälliger kann ihr Abendkleid nicht sein. Dazu eng anliegend und mit kleiner Schleppe. Lea muss zierliche Schritte machen, um nicht zu stolpern.

„Ist es nicht zu offensichtlich, dass du mich auf dem Silbertablett servierst?“

Declan grinst und seine grünen Augen glitzern erregt. Wenn er auf der Jagd ist, gibt es kein Halten.

„Mag sein, aber du bist so verführerisch, dass dir keiner widerstehen kann“, seine Stimme klingt rau und Lea blickt zu ihm auf, „ – und dann komme ich ins Spiel.“

Lea denkt an das Waffenarsenal, das Declan unter seinem perfekt sitzenden Anzug versteckt hat. Nichts zeichnet sich unter dem teuren Stoff ab. Obwohl er mindestens zwei silberne „Pfähle“ unter dem Jacket trägt, ganz zu schweigen von silbernen Wurfsternen, und zwei Pistolen mit Silberkugeln.

„Und du bist sicher, dass wir keine Verstärkung brauchen?“

„Ich bin nicht das erste Mal auf so einer Mission“, er senkt seine Stimme, als ein eindrucksvoller Mann auf sie zu kommt, „Showtime!“

„Guten Abend, es freut mich, sie in meinem Haus begrüßen zu dürfen“, der Gentleman lächelt und seine dunklen Augen bleiben an Leas Gesicht haften, „mit wem habe ich das Vergnügen.“

„Declan Galbraith“, antwortet Declan und schiebt Lea etwas nach vorne, „darf ich ihnen meine Schwester Lea vorstellen, Mylord.“

Die Lüge geht im leicht von den Lippen. Eine gute Tarnung ist lebenswichtig.

„Mylord.“

Lea macht einen vollendeten Knicks und neigt anmutig den Kopf. Aus ihrer Hochsteckfrisur lösen sich ein paar vorwitzige Löckchen, dadurch kommt ihr schlanker Hals noch auffälliger zur Geltung. Lord Vulcan streckt ihr die Hand entgegen. Lea legt ihre Hand in seine. Erstaunt registriert sie, dass sie nicht kalt ist, wie sie es erwartet hat.

„Nicht so förmlich bitte. Nennen sie mich Marcus“, Lea nickt und Marcus wendet sich an Declan“, darf ich ihre Schwester zum Tanz entführen?“

„Wenn sie es wünscht“, erwidert Declan höflich.

Lea weiß, dass er sich innerlich die Hände reibt, weil sein Plan aufgeht. Marcus wirft Lea einen fragenden Blick zu.

„Sehr gerne eure Lordschaft“, ein feine Röte überzieht ihr Gesicht, „entschuldigen sie, Marcus.“

„Eine schöne Frau muss sich niemals entschuldigen“, sagt Marcus galant und blickt auf sie herunter.

Lea ist feingliedrig, ohne dürr zu sein, ihre helle Haut lässt das Blau ihrer Augen und den glänzenden Kupferton ihrer Haare deutlich hervor stechen. Marcus reicht ihr den Arm und Lea folgt ihm in den Ballsaal. Seine Bewegungen sind geschmeidig, wie sie es nur von Declan kennt und unter dem weichen Stoff seiner Jacke fühlt Lea einen muskulösen Arm.

„Darf ich ihnen ein Kompliment machen, Lea“, fragt Marcus.

Als sie seinen dunklen forschenden Augen begegnet, senkt sie verlegen den Blick.

„Wenn es sein muss, Mylord – Marcus. Ich bin nicht daran gewöhnt Komplimente zu bekommen.“

Dafür muss sich Lea nicht einmal verstellen, weil es stimmt. Seit Kindertagen ist sie für die meisten die kleine rote Hexe und auch wenn es meistens lustig sein soll.

„Dann lasst mich sagen, wie aufsehenerregend schön ihr seid. Noch nie in meinem ganzen Leben“, und Marcus weilt schon lange unter den Lebenden, „habe ich so eine Schönheit gesehen.“

„Danke, Marcus. Das ist sehr freundlich von ihnen.“

„Ist es nicht“, Marcus Stimme hat plötzlich einen melancholischen Ton angenommen. „Im Grund ist es sehr egoistisch.“

„Wie meinen sie das?“

Marcus bleibt Lea die Antwort schuldig, da sie inzwischen den Ballsaal erreicht haben. Er gibt den Musikern ein Handzeichen. Der Dirigent nickt und die ersten Takte der Musik erklingen. Marcus legt Lea zart den Arm um die Taille und zieht sie sacht auf die Tanzfläche. Declan hatte darauf bestanden ihr das Tanzen beizubringen, aber seine Ungeduld führte mehr als einmal zu unschönen Szenen. Er wollte alles und zwar am liebsten sofort. Marcus behutsame Führung dagegen, macht es Lea leicht ihm zu folgen. Sie schaut zu ihm auf und bemerkt seinen sehnsüchtigen Blick.

„Was macht sie traurig, Mylord?“

Ein flüchtiges Lächeln huscht über seine sinnlichen Lippen. Marcus zieht Lea dichter an sich heran, beugt sich zu ihr herunter und flüstert:

„Es macht mich traurig, dass ich deine Schönheit nicht jeden Tag sehen kann.“

Irritiert dreht Lea etwas den Kopf. Seine seidigen dunklen Locken kitzeln ihre Wange. Sein Mund ist ihrem ganz nah. Sie fühlt seinen Hauch über ihre Lippen fliegen. Ein Schauer läuft ihren Rücken herunter.

„Mylord“, Lea ringt nach Worten.

Sein Mund streift ihre Wange, ihren Mundwinkel.

„Ich wünschte, du könntest mich lieben“, Marcus drückt Lea fest an sich. „Aber ein Monster kann man nicht lieben, nicht wahr?“

Seine Lippen finden ihre. Weich und warm. Die Berührung erschüttert Lea zu tiefst. Marcus ist so sanft und doch, Lea spürt, wie sehr er sie will. Aber am meisten erschüttert sie die Erkenntnis, dass auch sie ihn will. Die letzten Takte der Musik erklingen. Marcus löst sich von Lea.

„Es ist Zeit gehen. Ich möchte nur ungern, dass Mister Galbraith ein Blutbad vor meinen Gästen anrichtet. Lebt wohl, Lea.“

Er hebt ihr Gesicht zu sich empor und küsst sie erneut. Er schmeckt ihre Tränen auf seiner Zunge. Mit ungläubigem Blick sieht Marcus Lea an. Er hört Declans schnelle Schritte, kann seinen rasenden Herzschlag unter den Anwesenden ausmachen. Marcus kann nicht länger bleiben.

„Nein, bitte nicht.“

Lea streckt ihre Hand nach seiner aus. Aber Marcus ist in der Menschenmenge verschwunden.

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