Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Bibliothek’

Irgendetwas hatte angefangen, aber es hatte noch keinen Namen. Eine fieberhafte Nervosität befiel Bryand. Er schloss sich in der Bibliothek ein und machte sich auf die Suche nach dem Buch der Seher. Bryand wusste, dass er es zuletzt im Jahre 1223 gesehen, ihm damals aber noch zu wenig Bedeutung beigemessen hatte. Zu der Zeit nahmen ihn die Kreuzzüge in Anspruch und Bryand hatte das Buch wieder ins Regal gestellt. Irgendwo ganz hinten in den letzten Reihen.

Bryand hörte wie jemand mit der Faust gegen die Tür hämmerte.

„Was ist los?“, rief Bryand.

Er stand auf einer Leiter und angelte nach einem dicken Lederband.

„Bryand, komm endlich aus der Bibliothek. Du bist schon seit zwei Tagen da drin.“

„Ich kann nicht. Zuerst muss ich das Buch finden, Hendrik.“

Bryand reckte sich weiter, erreichte den Band und griff zu.

„Dann lass mich dir helfen. Zwei Augenpaare sehen mehr, als eins.“

Das Buch wackelte und fiel herunter.

„Bryand!“, Hendrik rüttelte an der Tür, „ist dir was passiert.“

„Nein“, hörte er es dumpf nach außen dringen, „warte ich komme und öffne dir.“

Hendrik verdrehte die Augen. Dass sein Onkel aber auch so verdammt dickköpfig sein musste. Selbst nach sechshundert Jahren hatte er sich immer noch nicht daran gewöhnt.

Read Full Post »

Denke an einen deiner letzten Urlaube. Gab es ein besonderes Detail – ein Haus, eine Person, ein Fundstück, einen Ort, eine Gefühl – das dich besonders berührt hat?

Das ist die eigentliche Aufgabe für die Nummer 228 meines 365-Tage-Projekts. Eine Aufgabe, die mir sehr gut gefällt, da ich auf meinen letzten Kurzreisen so viel gesehen, gelesen, fotografiert habe, dass es für eine Menge Geschichten reichen würde. Zurzeit habe ich allerdings einfach zu wenig Zeit mich dieser Aufgabe intensiver zu widmen. Im Moment sitze ich jeden Tag einige Stunden an meinem zweiten Buch und schreibe. Zum Glück hatte ich mir im Vorfeld viele Notizen gemacht.

Dazu habe ich ein Angebot der Familienbildungsstätte Wetterau bekommen, aufgrund des Interesses in der KreativNacht, einen Einführungsabend zum „Kreativen Schreiben“ zu gestalten. Also einen kleinen Vortrag, dazu eine Lesung aus den Kurstexten (die im Lauf der Jahre entstanden sind) und eine Schnupperstunde für kreatives Schreiben. Eine gute Gelegenheit dem Stigma, das dem Schreiben anhaftet, den Schrecken zu nehmen.

Demnächst werde ich mich mit meiner Verlegerin treffen und ihr ein paar weitere interessante Ideen unterbreiten. Wenn ich sie dafür begeistern kann, was ich hoffe, werde ich in den nächsten Monaten mit Projekten ausgelastet sein.

Allerdings werde ich die Aufgaben für mein Projekt weiter posten und so gut es geht, die Texte dazu schreiben. So ist auch die Nummer 228  nur verschoben und nicht aufgehoben. Um einen kleinen Teil der Aufgabe anzugehen, erfolgt hier meine Liste (sicherlich nicht vollständig) über welche Punkte ich schreiben könnte. Das macht es etwas einfacher bei passender Gelegenheit direkt anzufangen.

Liste Weimar:

  1. Goethe-Haus:  Schreibzimmer, Bibliothek, Garten, Skulpturen, Medusa
  2. Schiller-Haus: Schreibzimmer, Porträts, Liebe zu zwei Frauen, über Schillers Schreibgewohnheiten (sehr interessant!)
  3. Schloss Tiefurt: Grotte, Musentempel, Teepavillon, lauschige Plätze
  4. geatmete Geschichte
  5. verfallene Häuser, Verfall
  6. Friedhof
  7. losgelöst von allen Dingen
  8. verschollen im Nirgendwo
  9. plötzliche Wintereinbrüche
  10. Schloss Belvedere: Labyrinth, geheime Gänge und Türen
  11. Opferstätte im Moor, Pferde als Grabbeigaben
  12. usw …

Read Full Post »

Nur noch ein paar Schritte und ich hole mir zurück, was seit Generationen meiner Familie gehörte. Ich verberge mich im Schatten. Lausche. Es ist still. Der Hausdiener macht seinen Rundgang erst in einer Stunde. Bis dahin bin ich weit fort.

Wolken schieben sich vor den Mond, tauchen den Raum in Dunkelheit. Lautlos gehe ich zu dem Schaukasten auf der anderen Seite des Raumes. Da ist er! In der Dunkelheit kann ich nur seine Form erkennen. Oft stand ich hier, dem Familienschatz zum Greifen nah, ohne ihn erreichen zu können. Mit einem Draht öffne ich das Schloss der Vitrine.

Lächerlich, dass es keine Sicherheitsvorrichtungen gibt. Der Kompass ist mehr wert, als alle anderen Gegenstände in diesem Zimmer, ja in diesem Schloss. Wenn die van Buren wüssten, welcher Zauber dem Kompass innewohnt, könnten sie Königreiche damit erwerben.

Ich bin gekommen, dies zu verhindern. Meine Familie wurde zu Wächtern des Kompasses ernannt, auch wenn ich die letzte unseres Clans bin, werde ich nicht zu lassen, dass böse Menschen den Kompass für ihre abscheulichen Pläne benutzen. Die van Buren werden für den Frevel bezahlen. Durch ihren Verrat Blut klebt an ihren Händen und ich werde ihr Richter sein.

Ich hebe den Kompass aus dem Kasten. Zum Schutz trage ich doppelt genähte Lederhandschuhe trotzdem spüre ich seine Kälte. Vorsichtig wickele ich ihn in ein unbehandeltes Seidentuch und stecke ihn in die Innentasche meiner Jacke. Es wurde aus einem einzigen Faden gewoben. Ich schließe den Deckel der Vitrine.

Da ein Geräusch. Ich halte den Atem an. Lausche. Ich bin nicht mehr allein. Sie sind zu zweit. Bis zur Tür sind es nur zehn lange Schritte. Ich atme einmal tief durch, balle meine Hände zu Fäusten. Jetzt! Ich drehe mich um, hebe die Hände und ziehe die Fäuste ruckartig nach außen. Sie geben den Mechanismus und meine Handgelenke frei. Zwei scharfe Dolche suchen sich den Weg in die Körper der Angreifer. Einer der beiden schreit laut auf. Treffer! Ich laufe los.

„Ich bin verletzt!“, keucht ein Mann, „pack dir den Dieb, Connor und keine Gnade!“

Ich höre schwere Schritte. Sehe die Silhouette eines großen Mannes an mir vorbei hasten. Als es wieder still ist, steige ich aus dem großen Wäscheschrank, in den Connor mich als Kind so oft eingesperrt hat.

Seelenruhig gehe ich in die Bibliothek und öffne die Tür des Geheimgangs. Als sie sich wieder hinter mir schließ, muss ich lächeln. Dies ist erst der Anfang! Ich mache euch van Burens das Ende so schmerzhaft wie möglich.

Read Full Post »

Nachdem sich der Inspektor verabschiedet hatte, zog sich Rosalie in die Abgeschiedenheit der Bibliothek zurück, während Anthony  Gil, nach der denkwürdigen Besichtigung der Ahnengalerie, zu einem Ausritt drängte. Rosalie war froh ihren Recherchen ungestört nachgehen zu können.

Die Tür der Bibliothek öffnet sich mit leisem Knarren. Misses Morse lauscht, macht ein paar Schritte in den Raum, reckt den Hals und sieht sich aufmerksam um.

„Miss Rosalie“, ruft sie unsicher, „sind sie da?“

„Ja, Misses Morse“, hört sie Rosalies dumpfe Stimme, „ganz hinten links.“

Vorsichtig balanciert die Köchin ein Tablett mit frischem Brot, Butter, kaltem Hühnchen und einer Flasche Weißwein zwischen den langen Regalreihen hindurch. Erstaunt zieht sie die Augenbrauen hoch, als sie die junge Frau in einem Durcheinander aus Karten, Büchern und Grundrissen auf dem Boden sitzen sieht. Es hat den Anschein, ein Sturmwind hätte die Regale geleert.

„Miss Rosalie“, sagt sie mit leisem Vorwurf in der Stimme, „das schöne Kleid.“

Rosalie lächelt und steht vorsichtig auf, um keines der kostbaren Schriftstücke zu beschädigen.

„Liebe Misses Morse, sie haben so Recht! Ich war ganz vertieft in meine Recherche, dass ich gar nicht darüber nachgedacht habe.“ Sie streicht das blau schimmernde Seidenkleid glatt und rückt ihre warme Wolljacke zurecht. „Stellen sie den Tee doch auf den Tisch am Fenster. Dann kann ich die letzten Sonnenstrahlen genießen.“

„Zum Glück haben sie eine warme Jacke an. Sie holen sich in diesen zugigen Räumen noch den Tod.“ Die ältere Frau schüttelt besorgt mit dem Kopf und sagt mehr zu sich selbst, „heutzutage sind die jungen Leute so leichtsinnig, wenn es um ihre Gesundheit geht.“

Das Porzellan klirrt leise, als Misses Morse das Tablett auf dem Spieltisch vor dem Fenster abstellt. Sie richtet Rosalie einen Teller mit Brot und Hühnchen, gießt ihr ein Glas Weißwein ein. Rosalie setzt sich und kostet einen Schluck.

„Ein edler Tropfen“, stellt sie fest.

„Aus unserem Weinkeller“, erklärt Misses Morse, „der alte Lord war immer sehr eigen, was seine Weine betraf“, Rosalie horcht auf, „aber ich dachte, nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Nacht, könnte ihnen ein kleine Aufmunterung nicht schaden.“

Die Köchin zwinkert Rosalie verschwörerisch zu.

„Danke, liebe Miss Morse. Würden sie sich zu mir setzen und mir Gesellschaft leisten? Ich denke, das Hühnchen reicht für zwei und der Wein ebenso.“

Misses Morse errötet verlegen und setzt sich ganz vorne auf die Stuhlkante. Rosalie reicht ihr einen Teller und schmunzelt.

„Und einen Schluck Wein?“

„Nein, Miss, danke. Lieber nicht.“

Rosalie bestreicht das warme duftende Brot mit Butter, die sofort zerläuft.

„Sie sind eine begnadete Köchin“, Rosalie saugt den Geruch ein, „ich erwäge ernsthaft sie abzuwerben. John, mein Butler, liegt mir seit Wochen in den Ohren endlich wieder eine festangestellte Köchin einzustellen.“

Misses Morse Augen leuchten auf und Rosalie weiß, dass sie ihren Trumpf an der richtigen Stelle ausgespielt hat. Tatsächlich spielt sie mit dem Gedanken die freundliche Frau in ihren Haushalt aufzunehmen.

„Wissen sie, ob die Weinkeller zu dem alten oder neuen Teil des Hauses gehören?“

„Sie wurden auf einem alten Teil des Hauses aufgebaut, soweit ich weiß“, Misses Morse belegt ihr Brot mit einem Stück Hühnchen, „aber Mister Smith kennt sich besser mit diesen Dingen aus, schon sein Vater und Großvater haben den de Clares gedient. Ich bin erst mit vierzehn als Küchenmädchen hergekommen.“

„Danke für den Hinweis“, Rosalie gießt sich etwas Wein nach, „aber sie haben meine Theorie schon bestätigt. Wissen sie zufällig, ob es so etwas wie Eiskeller oder Erdgewächshäuser gab?“

Misses Morse kaut bedächtig an ihrem Bissen. Dann nickt sie.

„Ja, ich erinnere mich. Ich muss etwa 16 gewesen sein, als ich in der Nähe des großen Turms in ein Loch stürzte. Es hatte die Form einer kleinen Vorratskammer. Es dauerte drei Stunden, bis man nach mir suchte und mich befreite.“

„Ich nehme an, dass das Loch danach zugeschüttet wurde?“

Misses Morse zuckt mit den Schultern.

„Tut mir leid, Miss Rosalie. Ich weiß es nicht. Ich war nur heilfroh, dass sie mich da rausholten.“

„Macht nichts. Mir wäre es vermutlich genauso gegangen.“

Rosalie lächelt verständnisvoll. Sie hat erfahren, was sie wissen will.

Ihr Vater ermöglichte es ihr Geschichte zu studieren. Ein Wissensgebiet, dass ihm mehr als alles andere am Herzen lag. Wann immer sich die Gelegenheit bot, besichtigte er mit Rosalie Herrenhäuser, Schlösser, Kirchen, Museen, Galerien und Bibliotheken. Ihr Vater erzählte ihr die Legenden über Uther Pendragon und König Artur, der ebenso ein Bastardkind war, wie er selbst. Er brachte ihr bei, wie man recherchierte, Karten las und welche Bedeutung Symbole und Zeichen hatten.

Rosalies erste Arbeit, in langen Stunden recherchiert, handelte von der Verfolgung katholischer Gemeinden unter Heinrich dem VIII. Sie wusste von den Plünderungen der Kirchenschätze, den Morden an einzelnen Priester und ganzen Ordensbruderschaften. Wer nicht auf Heinrichs Seite war, war gegen ihn. Allerdings gab es auch die andere Seite. Zufluchtsstätten, geheime Schatzkammern, Menschen, die ihr Leben für das Leben fremder Menschen aufs Spiel setzten und den Tod fanden.

„Ich glaube, ich sollte mich wieder in die Küche aufmachen“, reißt Misses Morse Rosalie aus ihren Erinnerungen. „Seine Lordschaft und Mister Douglas werden sich hungrig sein, wenn sie von ihrem Ausritt zurückkehren.“

Sie steht auf und räumt das Geschirr zusammen.

„Sie kennen seine Lordschaft seit seiner Kindheit?“

„Ja, Miss Rosalie“, die Köchin seufzt, „ein liebenswürdiger, fröhlicher Junge. Und so hübsch. Seit er den alten Lord beerbt hat und die Last dieses düsteren Hauses tragen muss, hat er sich sehr verändert. Leider nicht zum Vorteil, wenn ich diese Meinung äußern darf.“ Sie nimmt das Tablett auf. „Er ist ein musischer, künstlerisch begabter Mensch. Ich glaube nicht, dass Mister Gil für diese Art der Verantwortung geschaffen ist.“

„Da mögen sie durchaus Recht haben, Misses Morse“, stimmt Rosalie nachdenklich zu. – Ich sollte ein ernsthaftes Gespräch mit seiner Lordschaft führen. –

Read Full Post »

Es ist genau acht Uhr, als Inspektor Robins in Begleitung eines jungen Sergeant, den schweren Türklopfer gegen die Eingangstür krachen lässt.

Misses Morse zuckt nervös zusammen und blickt Rosalie irritiert an.

„Wer kann den jetzt noch kommen?“

Ihre Augen sind vom Weinen gerötet und ihre Hand zittert, als sie an ihrem Tee nippt. Rosalie streicht beruhigend über ihre kleine, mollige Hand.

„Ich nehme an, die Polizei. Wären sie so nett, den Herren einen frischen Tee aufzubrühen und im Arbeitszimmer servieren zu lassen?“

„Natürlich, Miss“, sie springt eifrig auf und macht sich an die Arbeit.

Rosalie verlässt die Küche und begibt sich in die Eingangshalle. Ehe sie sich bemerkbar machen kann, hat der Inspektor sie bemerkt. Er steht zwischen Anthony und Gilbert, mit dem Rücken zu ihr. Als sie sich nähert, dreht er sich um. Der intensive Blick lässt ihr Herz für einen Moment schneller schlagen.

„Sie müssen Miss Graville sein“, seine Stimme ist tief und angenehm. Er reicht ihr die Hand. Sie erwidert seinen festen Händedruck und ein flüchtiges Lächeln umspielt seine etwas zu sinnlichen Lippen. „Inspektor Nathan Robins.“

Zwischen den beiden athletischen, blonden Männern mit den ebenmäßigen Gesichtszügen, wirkt der drahtige Inspektor mit dem dunklen welligen Haar, dem etwas zu eckigen Gesicht, der charakterstarken Nase und den tiefbraunen, fast schwarzen Augen, wie ein dunkler Engel. Ein Wort, eine Geste von ihm könnte Anthony und Gil aus ihrem zerbrechlichen Himmel stürzen lassen.

„Wie mir mein Sergeant berichtete, haben sie uns rufen lassen.“

Nathan lässt Rosalie nicht aus den Augen.

„Das stimmt.“

Anthony lächelt schief, während Gils Gesichtsausdruck keine Emotionen erkennen lässt.

„Sie glauben nicht, das der Sturz von Lady Edna ein Unfall war?“

Seine Blick streift die Runde und bleibt wieder bei Rosalie hängen.

„Dazu kann ich mir kein Urteil erlauben, ich bin kein Arzt. Sie war eine alte gebrechliche Dame.“
Gil unterbricht Rosalie durch einen verächtlichen Laut. Sie runzelt unmerklich die Stirn und ist sicher, dass der Inspektor es gesehen hat.

„Es wäre ein Leichtes gewesen, ihr einen Schubs zu geben, damit sie die Treppe herunterstürz“, fährt sie fort, genauso gut könnte sie gefallen sein. Aber deswegen sind sie nicht hier.“

„Nicht?“

„Nun ja, irgendwie schon“, Rosalie zuckt entschuldigend mit den Schultern, „sie sind hier, weil die Familienjuwelen aus dem Safe gestohlen wurden. Vielleicht gibt es da einen Zusammenhang?“

„Wo befindet sich der Safe, Mister de Clare?“

Gils Gesichtsausdruck ist Ablehnung pur. Nathan zieht eine Braue hoch, ohne die Schärfe seines Blicks zu mildern. Männer wie Gilbert de Clare lehrten Nathan nicht klein beizugeben und zu kämpfen.

„Der Safe mit dem Familienschmuck befindet sich in Lady Ednas Zimmer“, lässt Gil sich zu einer Antwort herab.

„Wann wurde der Diebstahl bemerkt?“, Nathan wendet sich erneut Rosalie zu. Miss Graville passt überhaupt nicht in dieses Haus, geht es ihm durch den Kopf, sie scheint die einzige mit gesunden Menschenverstand zu sein.

„Nachdem der Bestatter eintraf. Etwa gegen sechs Uhr. Ich sollte ein Kleid für Lady Edna heraussuchen. Sie ist im Nachthemd gestürzt“, fügt sie hinzu, als würde diese Erklärung ausreichen.

„Wo befanden sie sich alle, als Lady Edna stürzte?“

„Ich war mit Miss Graville in der Küche“, kommt Anthony Rosalie hilfsbereit zu vor.

Nathan runzelt die Stirn.

„Und sie, Mister de Clare?“

„In meinem Bett“, Gils Ton lässt deutlich erkennen, dass er die Frage des Inspektors für eine Zumutung hält.

Nathan ignoriert es und sagt zu seinem Sergeant:

„Collins, befragen sie die Angestellten.“

„Ja, Sir.“

Der junge Mann eilt dienstbeflissen in die Küche, in der sich die Dienstboden zur Verfügung halten sollen.

„Miss Graville, würden sie mir bitte den Tatort zeigen?“

Nathan macht eine einladende Handbewegung. „Darf ich sie bitten voranzugehen.“

Rosalie setzt sich in Bewegung. Gil und Anthony wollen ihr folgen, aber Nathan schüttelt den Kopf.

„Sie warten bitte in der Bibliothek.“

„In meinem Haus haben sie gar nichts zu befehlen“, Gils Stimme ist gefährlich ruhig.

Nathan lächelt überlegen.

„Ich habe nichts befohlen. Ich habe bitte gesagt.“

Über Rosalies Gesicht huscht ein Lächeln und sie ist froh, dass Gil ihr Gesicht nicht sehen kann.

Read Full Post »

Es war noch sehr früh, als ich am nächsten Morgen erwachte. Ich konnte nicht wieder einschlafen, also zog ich mich an und ging hinunter in die Bibliothek. Die Morgensonne fiel durch die großen Glastüren und tauchte den Raum in ein sanftes Licht. Ich sah hinaus in den Garten meiner Kindheit und erinnerte mich an die schöne Zeit, die wir hier verbracht hatten. An die Gartengesellschaften, an die Tage an denen Anna und ich frei wie der Wind durch die Welt getobt waren. Und jetzt? In ein paar Tagen würden wir uns in einer anderen Welt wieder finden, mit der ich mich nicht auskannte und vor der mir graute. Ich hatte keine Angst vor Männern, aber der Gedanke einen Mann zuheiraten, der auf mein Erbe spekulierte, gefiel mir überhaupt nicht. Anna durfte nichts von Lord Stanfords Plänen erfahren, dass würde ihr noch mehr Angst machen, als sie ohnehin hatte.

„Guten Morgen, Miss. Lord Stanford erwartet sie und Miss Anna im Esszimmer.“

„Danke, James. Ich gehe hinüber, Miss Anna, ist noch auf ihrem Zimmer, lassen sie ihr bitte Bescheid sagen.“

„Sehr wohl, Miss.“

James ging so leise, wie er erschiennen war.

Als ich das Esszimmer betrat, stand Lord Stanford am Fenster und sah hinaus.

„Guten Morgen, Mylord.“

„Guten Morgen Eliana haben sie gut geschlafen?“, er schien in einer versöhnlichen Stimmung zu sein.

„Ja, danke.“ Jetzt musste ich es ihm sagen, bevor mich der Mut verließ. „Mylord darf ich sie um etwas bitten?“

„Ja, um was handelt es sich?“

Justin sah mich mit prüfender Miene an.

„Ich möchte sie bitten, Anna nichts von ihren Hochzeitsplänen zu sagen. Es wird sie schon genug beunruhigen, dass wir von hier fortgehen, aber sie sollte nicht mehr davon wissen, als nötig.“

Justin kam auf mich zu und ich sah zu ihm auf.

„Sie lieben ihre Schwester sehr, nicht wahr?“

Die Wärme in seiner Stimme überraschte mich und so nickte ich nur.

„Ich werde ihr nichts sagen. Aber es wäre gut, dass sie sie bei Zeiten darauf vorbereiten. Es wäre sicher nicht sehr angenehm, wenn sie diese Tatsache unvorbereitet trifft.“

„Danke, Mylord.“

Die Tür ging auf.

„Guten Morgen, Lord Stanford, guten Morgen Eliana.“

Anna kam schüchtern herein und Justin begrüßte sie freundlich.

„Schön, dass ich sie kennenlerne, Anna. Wenn sie erlauben, würde ich ihnen beim Essen gerne einen Vorschlag für die nähere Zukunft unterbreiten.“

Wir setzten uns zu Tisch. Anna war von Justins Liebenswürdigkeit sehr angetan und ich spürte, dass ihre Angst der Erleichterung wich. Die Reise nach Stanford Park hörte sich für sie an, wie eine längst fällige Urlaubsreise, und als Justin ihr die Schönheiten seines Hauses anpries taute sie auf. Ich war sehr erstaunt, dass er es so gut verstand mit einem jungen Mädchen umzugehen. Dann fiel mir ein, dass er ja schon einige Frauenbekanntschaften hinter sich hatte und ich fragte mich, wie diese Frauen aussahen. Sicher waren es die schönsten Frauen der Londoner Gesellschaft. Andererseits war ich froh, dass Anna sich mit der Situation so besser arrangieren konnte.

„Sie sind also eine hervorragende Reiterin, Eliana.“

Mit diesen Worten riss mich Justin aus meinen Betrachtungen.

„Wie bitte?“, stotterte ich, „reiten? Ja, ich reite sehr gerne.“

„Dann wird es sie sicher interessieren, dass nächstes Wochenende ein Hindernisrennen in Stanford Park stattfindet.“

„Ja?!“, antwortete ich einsilbig und dachte, dass es mich unter anderen Umständen sehr gefreut hätte.

„Darf ich sie jetzt bitten mir die Bücher zu zeigen.“

Ich atmete tief durch.

„Ja, natürlich.“

Ich schob meinen Teller zurück, heute Morgen hatte ich sowieso keinen großen keinen Appetit.

„Ich möchte sie bitten uns zu entschuldigen, Miss Anne“, wandte sich Justin an meine Schwester, „wenn sie inzwischen schon Anweisungen geben würden, für die Sachen, die sie mitnehmen möchten, könnte uns dass sehr helfen.“

Er lächelte sie gewinnend an und Anne war mit dieser neuen Verantwortung betraut, sofort bereit alles Nötige zu veranlassen. Die Reisevorbereitungen würden sie ablenken, Justin regelte das sehr geschickt. Nachdem Anne uns verlassen hatte, zog er sich mit mir in die Bibliothek zurück.

„Mylord!“

 „Ja?“

„Ich wollte euch für eure Feinfühligkeit danken.“

Meine Stimme zitterte und ich sah unsicher zu Boden. Justin machte mich nervös.

„Ich weiß, was sie über mich denken, Eliane. Aber ich habe Gefühle und kann sehr wohl Mitgefühl empfinden“, die Ironie in seiner Stimme war nicht zu überhören, „wenn sie fertig sind mir zu danken, könnten wir jetzt die Bücher prüfen.“

Eliane sah bezaubernd aus, sie trug ein weißes schlichtes Seidenkleid, ihre Haare waren zu einem extravaganten Zopf geflochten und als Justin jetzt so dicht bei ihr stand nahm er den Duft von Lavendel war. Es tat ihm leid, dass er sie so kühl behandelt musste, aber das war seine Art jegliche Gefühlsdusselei zu unterdrücken.

Seine schroffe Art traf mich härter als ich zu gab. So musste ich mir über seine Beweggründe wenigstens keine Gedanken machen. Was er tat, tat er nur um uns leichter zu handhaben. Wenn jemand glücklich ist, macht er weniger Ärger. Also schleppte ich die schweren Bücher der letzten drei Jahre heran und machte ihn mit den Fakten vertraut, die er zu diesem Zeitpunkt wissen musste.

„Wieso hatte Lord Staverley keinen Verwalter, der ihm das Haus führte?“

Justin schüttelte missbilligend den Kopf. „So eine schwere Aufgabe gehört nicht in Frauenhände.“

„Wir hatten einen Verwalter. Solange mein Vater lebte, rechnete er immer ordnungsgemäß ab. Nach Vaters Tod allerdings, dachte er, so wie sie, dass wir Frauen nicht rechnen können, und versuchte die Bücher zu manipulieren. Als ich dahinter kam, habe ich Mutter veranlasst ihm zu kündigen. Dann wurde Mutter krank und es gab niemand, den ich um Rat fragen konnte. So habe ich die Arbeit gemacht.“ Antwortete ich erhobenen Hauptes.

„Verzeihen sie, ich habe ja nicht behauptet, dass sie nicht rechnen können. Wie ich sehe, haben sie ihre Sache sehr gut gemacht.“

Das Lob klang ehrlich.

 „Aber die meisten jungen Frauen ihres Alters möchten doch lieber zu Bällen gehen und schöne Kleider tragen, als sich mit dem Führen eines Haushaltes abzumühen.“

Sein Blick traf mich unvorbereitet, und als er mit sanfter Stimme fragte: „Was möchten sie gerne, Eliana?“, war ich sehr verunsichert.

Wir standen dicht über die Bücher gebeugt. Seine Nähe brachte meine mühsam errungene Fassung ins Wanken. Ich drehte mich von ihm weg, ging zum Fenster und sah hinaus.

„Nun? Sie haben mir noch nicht geantwortet!“

Justin trat hinter mich. Seine Stimme war sehr eindringlich. Seinen warmer Atem verfing sich in den kleinen Härchen in meinem Nacken, die sich aufstellten und ein erregendes Gefühl hinterließen.

„Spielt mein Wunsch überhaupt eine Rolle? – Bald werde ich mich einem Ehemann beugen müssen und wer wird dann nach meinen Wünschen fragen?“

Die Resignation in meiner Stimme war nicht zu überhören. Justin wollte gerade antworten, als die Tür aufging und Anna hereinkam. Wir fuhren auseinander.

„Entschuldigt, bitte. Aber ich wollte sie bitten Mylord, ob ich unsere Zofe mitnehmen darf?“

„Ja, natürlich.“

Justin stimmte sofort zu und wurde von Anna mit einem strahlenden Lächeln belohnt.

„Bitte entschuldigen sie mich, Mylord. Ich muss auch noch Reisevorbereitungen treffen.“

Nutzte ich die Unterbrechung, um dieser unangenehmen Situation zu entgehen. Bevor Justin mich zurückhalten konnte, verließ ich das Zimmer.

Read Full Post »

Für alle die gerne etwas Herz-Schmerz mögen, hier eine meiner heißgeliebten historischen Stückchen :-).

                                 Anno 1856

Die Sonne versank hinter den hohen Bäumen von Staverley Court. Der Himmel war in die verschiedensten orange Töne getaucht. Besonders im September, wenn sich die Blätter der Bäume zu färben begannen, war das Farbenspiel unbeschreiblich schön. Ich ließ den Pinsel sinken und setzte mich auf die breite Fensterbank unseres alten Kinderzimmers. Mit den Jahren hatte ich diese Szene viele Male gesehen, trotzdem hatte sie nichts von ihrer Fazsination verloren. Während ich die Farbenpracht in mir aufsaugte, fragte ich mich, wie oft ich dieses Schauspiel noch verfolgen könnte. Ich seufzte. Was würde  nächstes Jahr um diese Zeit sein? Wo wäre ich und wo meine Schwester Anna? Seit meine Mutter vor zwei Wochen beerdigt wurde, warteten wir auf Lord Justin Stanford, den neuen Besitzer von Staverley Court.

Lord Staverley, Mamas Mann, war nicht mein richtiger Vater, allerdings ließ er mich dass nie spüren und ich hatte ihn sehr gerne. Er heiratete meine Mutter, kurz nachdem mein Vater bei einem Reitunfall ums Leben kam. Sie liebten sich sehr und als meine kleine Schwester Anna geboren wurde, war das Glück perfekt. Anna und ich genossen eine vorzügliche Ausbildung und waren unzertrennlich.

 Vor drei Jahren war Annas Vater an einer starken Grippe erkrankt, hatte sich eine Lungenentzündung zugezogen und starb. Seit dieser Zeit, war Mutter nicht mehr dieselbe. Sie litt unter Depressionen, war anfällig für alle möglichen Krankheiten und nun hatte sie uns auch verlassen. Ich war der Meinung, sie starb an gebrochenem Herzen. Anna weinte sich die Augen aus dem Kopf. Ich war wie erstarrt. Die Menschen, die ich am meisten liebte waren fort. Nur Anna war mir geblieben, sie durfte ich nicht auch verlieren. Ich befand mich in einem schwarzen Loch. In meinem Kopf ging alles drunter und drüber. Wenn Lord Stanford, der letzte männliche Verwandte Lord Staverleys eintraf, erwartete er vermutlich nur eine junge Frau. Was würde er sagen wenn er zwei vorfinden würde, mit denen er sich befassen musste. Besonders, da ich nicht direkt mit seiner Familie verwandt war, was würde mit mir passieren? Unvermittelt überlief mich ein kalter Schauer, trotz der lauen Brise, die durch das offene Fenster herein wehte. Könnten wir zusammen bleiben oder würde er uns trennen? Ich wusste, dass ich das nicht ertragen könnte und auch Anna hatte Angst davor.

Allerdings war das  kein Wunder, wir hatten die Stanfords nie kennen gelernt. Lord Staverley pflegte keinen Kontakt zu der Familie seiner älteren Schwester. Er behauptete immer, seine Schwester schlüge völlig aus der Art. Sie neigte dem Glücksspiel zu und man munkelte, dass sie ihren älteren Ehemann betrog, als er noch unter den Lebenden weilte. Inzwischen war Lord Arthur verstorben und sein Sohn das Oberhaupt der Stanfords. Das erfuhren wir aus der Zeitung. Da wir auf dem Land keine große Beschäftigung hatten, nahmen wir jede Nachricht begierig auf und studierten die Zeitungen solange, bis wir sie auswendig kannten. Besonders seit Mutter krank war, hatten wir kaum noch Umgang mit anderen Menschen, da wir völlig in ihrer Pflege aufgingen und so waren die Gazetten unsere einzige Brücke zur Außenwelt. In der wenigen Freizeit ritten wir aus, lasen uns durch aufregende Reiseberichte aus Vaters Bibliothek und stellten uns vor, fremde Länder zu bereisen. Manchmal richteten wir uns in unserem alten Kinderzimmer ein und malten. Anna war besonders begabt.

 Ich hatte mich zum Malen zurückgezogen, um mich von den kommenden Ereignissen abzulenken. Anna verbrachte die meiste Zeit in ihrem Zimmer und ließ sich nicht bewegen, mit mir zu kommen. Ich sah schon eine ganze Weile aus dem Fenster, als ein Reiter, der die Allee herauf geprescht kam, meine Aufmerksamkeit auf sich zu zog. Wer wollte uns so spät seine Aufwartung machen? Rasch schloss ich das Fenster, zog meinen alten Kittel aus und rannte die Wendeltreppe hinunter in Annas Zimmer.

„Anna!“

Ich stieß die Tür auf und Anna zuckte erschrocken zusammen.

„Anna, tut mir leid, dass ich dich erschreckt habe! Wir bekommen Besuch. Ich glaube, es ist Lord Stanford.“

Ihre Augen weiteten sich ängstlich. Bevor wir noch ein Wort wechseln konnten, klopfte es.

„Herein!“

James, unser Butler, erschien in der Tür.

„Lord Stanford ist eingetroffen und wünscht Miss Staverley zu sehen. Ich habe ihn in die Bibliothek geführt.“

„Danke, James! Sagen sie ihm, wir kommen gleich.“

James zog sich leise zurück.

„Nein, bitte, Eliana, ich will ihn nicht sehen. Bitte, rede du mit ihm!“, Anna sah mich beschwörend an.

„Aber Anna, er will dich sehen!“

Ich fasste nach ihren Händen, sie waren eiskalt.

„Ich kann das nicht! Ich befürchte, ich falle in Ohnmacht, wenn ich ihm gegenüber treten muss. Sag ihm, ich liege im Bett und fühle mich nicht wohl!“ Anna begann zu schluchzen. „Bitte!“

 „Na, gut!“ Ich atmete tief durch.

„Viel Glück!“

Anna drückte dankbar meine Hände.

„Danke, dass kann ich gebrauchen!“

Ich richtete mich kerzengerade auf, und mit aller Würde, die ich aufbringen konnte, ging ich hinunter. So musste es sich anfühlen, zu seiner eigenen Hinrichtung zu gehen. Ich dachte an all die Gerüchte, die wir über Lord Justin gehört hatten. Er war ein überragender Reiter, dem die Frauen zu Füßen lagen. Seine neuste Errungenschaft war die schöne Lady Isabell. Lord Stanford war als gefühlskalt und zynisch bekannt, ein Mann ohne Nerven, der keine Gefahr scheute. Das war der Grund für Annas Abneigung. In ihrer Trauer konnte sie keine harten Worte vertragen und fing bei jeder Kleinigkeit an zu weinen.

Vor der Bibliothek blieb ich stehen, straffte meine Schultern und klopfte.

„Herein!“

Vorsichtig öffnete ich die Tür und trat ein. Das Feuer im Kamin verbreitet ein warmes Licht. Lord Stanford sah in die prasselnden Flammen, mit dem Rücken zu mir. Eine letzte gute Gelegenheit die Flucht zu ergreifen.

„Guten Abend, Mylord“, meine Stimme zitterte.

Lord Stanford richtete sich zu voller Größe auf und drehte sich zu mir um. Ein leicht erstaunter Ausdruck trat in seine Augen, als er mit fester, kühler Stimme sagte:

„Guten Abend, Miss Staverley. Ich hielt sie für jünger!“

Ich hatte es geahnt.

„Miss Staverley ist jünger. Sie lässt sich entschuldigen. Seit dem Tod unserer Mutter befindet sie sich nicht gut“, versuchte ich mich souverän zu geben.

„Anna hat eine Schwester?“

Er kam aufreizend langsam näher. Interessiert musterte er mich ich. Trotzdem ich nicht klein war, überragte Lord Stanfort mich mindestens um einen Kopf. Er sah mich durchdringend an und ich fühlte mich nicht wohl in meiner Haut. Wie ein Kaninchen in der Falle.

 „Wie heißen sie?“

Er fixierte mich mit seinen kühlen blauen Augen und ich antwortete mit zitternder Stimme.

„Eliana Lefay.“

Justin zog eine Augenbraue hoch.

„Sie sind Französin?“

„Ja, zur Hälfte. Mein Vater war ein französischer Edelmann. Anna ist meine Halbschwester.“

„So, so!“

Er ging einmal um mich herum und begutachtete mich. Wie ein Pferd auf einer Auktion. Ich rührte mich nicht und sah auf meine Schuhspitzen.

„Nun, ich denke, dass wird die Sache nicht unnötig erschweren.“

Ich wandte den Kopf.

„Welche Sache?“

Was meinte er?

„Sie und ihre Schwester gut zu verheiraten.“

„Heiraten?“

Ich war sprachlos.

„Natürlich! Was sollte ich sonst mit ihnen tun? Mir obliegt die Verantwortung für sie und ihre Schwester. Für zwei junge Damen ihres Alters, ist es das Beste, zu heiraten und versorgt zu sein. Schließlich habe ich auch noch andere Verpflichtungen, als auf sie aufzupassen.“

„Andere Verpflichtungen? Sie meinen wohl Lady Isabell?“, rutschte es mir ausversehen heraus.

Sofort traf mich ein strafender Blick seinen stahlblauen Augen. Ich zuckte unter dieser Kälte  zusammen und entsetzt sah ich ihn an, als er weiter redete.

„Ihre Schwester wird eine Mitgift von 80.000 Pfund erhalten. Und was ist für sie vorgesehen?“

„Im Fall einer Heirat wird ein Trust frei, der etwa 50.000 Pfund wert ist“, antwortete ich tonlos.

„Das erleichtert meine Pläne um einiges.“

Lord Stanford klang völlig gleichgültig. Er wollte uns loswerden, verkaufen. Und bei dem Geld, das uns bei unserer Hochzeit zustehen würde, hätte er sicherlich keine Probleme einen Abnehmer für uns zu finden. Meistbietend ersteigert. Das konnte nicht sein ernst sein. Der Gedanke daran, welche zwielichtigen Heiratskandidaten sich für uns interessieren würden, machte mir Angst. Männer, die es nur auf unsere Mitgift abgesehen hatten, ein widerlicher Gedanke!

In Lord Stanfords Gesicht erkannte ich keine Gefühlsregung. Sollten die Gerüchte wahr sein? Konnte er uns, ohne unsere Wünsche in Betracht zu ziehen, einfach verschachern?

„Ich möchte nicht von meiner Schwester getrennt werden“, wagte ich einen Versucht ihn umzustimmen.

„Ich kann ihnen nichts versprechen. Vorläufig werden sie noch zusammen sein, also sollten sie es genießen. Sie werden die nächsten Wochen auf unserem Familienbesitz verbringen. Meine Mutter wird sie in die Gesellschaft einführen. Alles Weitere wird sich finden.“

Das er damit auf heiratswillige Männer anspielte, war mir klar.

„Von hier fort gehen?“

Meine Beherrschung ließ mich langsam aber sicher im Stich und meine Augen füllten sich mit Tränen. Das war ein einziger großer Alptraum, und ich hoffte daraus aufzuwachen.

„Ich kann sie ja schlecht hier lassen. Zwei junge Damen der Gesellschaft ohne Anstandsdame. Oder wie hatten sie sich das vorgestellt?“

Justin setzte sich hinter den großen Schreibtisch seines Vaters und ließ mich nicht aus den Augen.

„Bis jetzt sind wir sehr gut alleine zu Recht gekommen.“

Alles in mir sträubte sich gegen seine Pläne. Ich senkte den Blick, damit er die Tränen nicht sah, die mir über die Wangen rollten. Als Justin nicht antwortete, fragte ich leise:

„Dürfen wir unsere Pferde und unsere Hunde mitnehmen?“

„Natürlich!“

Seine Stimme klang weicher. Ich sah ihn an und unsere Blicke trafen sich. Mein Herz schlug plötzlich schneller.

„Alles was sie möchten, können sie mitnehmen, ich werde das Nötige veranlassen.“  

„Danke, Mylord“,  ich neigte den Kopf. „Darf ich mich jetzt entschuldigen? Ich bin müde!“

„Sicher. Ich würde morgen gerne mit ihrem Verwalter sprechen, um die finanziellen Dinge zu regeln.“

Auch das noch. Ich gab mir einen Ruck, sah ihn direkt an und sagte:

„Nun, da werden sie wohl mit mir vorlieb nehmen müssen.“

„Mit ihnen?“

Das schien zur Abwechslung ihm die Sprache zu verschlagen.

„Ja, in den letzten drei Jahren habe ich die Bücher geführt und den Besitz verwaltet.“

„Höchst ungewöhnliche Methoden“, er hob irritiert die Augenbrauen.

„Ja, Mylord. Gute Nacht!“

Ich wollte die Bibliothek verlassen, als Justin mich zurückhielt.

„Eliana!“

Er erhob sich und kam zu mir herüber. Seine Nähe machte mich nervös und ich verschränkte die Finger ineinander.

„Sehen sie mich an!“, es klang wie ein Befehl und ich gehorchte. „Sträuben sie sich nicht gegen ihre Zukunft, dann wird es für uns alle leichter sein. Jeder muss seine Pflicht erfüllen.“

Justin legte eine Hand unter mein Kinn und sagte mit rauer Stimme:

 „Wenn ihre Schwester nur halb so reizvoll ist, wie sie, werden sich sicher respektable Ehemänner finden.“

Das konnte alles nicht wahr sein. Mein Kampfgeist erwachte.

„Ich werde niemals einen Mann heiraten, den ich nicht liebe, eher sterbe ich!“

Ich warf meinen Kopf zurück und verließ schnurstracks die Bibliothek.

 

Das konnte heiter werden. Justin sah Eliane kopfschüttelnd hinterher. Er hatte gehofft, wie ein Retter empfangen zu werden, aber das Gegenteil war der Fall. Nicht nur das. Plötzlich wurde mit zwei Mädchen konfrontiert. Eliana schien ziemlich widerspenstig zu sein. Trotzdem die Leute behaupteten, er sei kühl und unnahbar, besaß er genug Menschenkenntnis um erkennen, dass ihre schönen blauen Augen sehr traurig blickten. Die letzten drei Jahre, in denen sie den ganzen Haushalt geführt, ihre kleine Schwester erzogen und ihre Mutter pflegte, hatten ihr sicher große Kräfte abverlangt. Und auch jetzt gestattete sie sich keine großen Gefühlsregungen, weil sie für ihre Schwester stark sein musste. Es tat ihm leid, aber darauf konnte er wenig Rücksicht nehmen. Probleme hatte er auch so genug. Es würde nicht einfach werden, einen Mann zu finden, der Eliana gewachsen war. Allerdings war ihr Aussehen ein großer Pluspunkt. Sie war ein schönes schlankes Mädchen, die langen blonden Haare fielen in weichen Wellen über ihre Schultern, bis zu ihrer Taille und in ihrem fein geschnittenen Gesicht, mit dem schön geschwungenen Mund, standen Augen von einem Blau, wie er es noch nie gesehen hatte. Ob Anna auch so hübsch war und so schwierig? Nun, er würde es morgen wissen.

 

Ich schlug die Tür der Bibliothek hinter mir zu. So eine Frechheit! Wie konnte Justin so gefühllos sein? Ich lief durch die Küche hinaus zu den Ställen. Als ich die Stalltür öffnete schnaubte Brego, mein schwarzer Hengst. Ich betrat seine Box und schlang meine Arme um seinen Hals.

 „Ach, Brego!“

Das erste Mal, seit der Beerdigung unserer Mutter, weint ich. Ich weinte um mich, um Anna und ich hatte Angst vor dem was kommen würde.

„Brego, was soll aus uns werden? Anna und ich werden verkauft. Verkauft an irgendwelche Männer, die wir nicht kennen und nicht lieben. Wenn ich doch auf der Stelle tot umfallen könnte? Aber was würde aus Anna? Ich kann sie doch nicht allein lassen?“

Brego schnaubte leise und stupste mich mit seinem weichen Maul an.

 „Ja, wenn du ein Mann wärst, du würdest mich retten und weit, weit weg bringen. Stimmt`s?!“

Ein leises Geräusch schreckte mich auf.

„Hallo, ist da jemand?“  

„Ja! Ich bin hier!“

Oh, nein! Justin! Wie lange war er schon hier? Hatte er gehört was ich Brego  erzählt hatte? Ich wischte mir verstohlen die Tränen aus dem Gesicht. Justin betrat die Box. Er ließ sich zumindest nichts anmerken, als er fragte:

„Ist das ihr Pferd?“  

„Ja, er heißt Brego!“

„Sehr ungewöhnlich. –  Wie sehr viele Sachen in diesem Haus. Woher kommt der Name Brego?“

Im Halbdunkel konnte ich sein Gesicht nicht erkennen und fragte mich, ob seine Augen wieder so kühl blickten, wie vorhin.

„Es ist ein alter nordischer Name und bedeutet „königlich“.“

Justin trat näher und streckte seine Hand vor, damit Brego seinen Geruch aufnehmen konnte, danach streichelte er ihm sanft über Hals und Nüstern und Brego ließ es sich gefallen. Wenn er mit Menschen so sanft umgehen würde, wie mit Tieren! 

„Und was bedeutet ihr Name, Eliana?“

Er stand ganz dicht neben mir und seine Stimme war plötzlich sehr sanft und eindringlich.

„Mein Name kommt aus dem Griechischen, ein Steckenpferd meines Vaters. Er kommt von Helios – Sonne“, antwortete ich verlegen.

„Eine schöne Bedeutung. Gehen sie jetzt zu Bett und schlafen sie sich aus. Wenn morgen die Sonne aufgeht, sieht alles schon ganz anders aus.“

„Ja, Mylord.“

„Schlafen sie gut, Eliana.“

Ich verließ den Stall. Seine sanfte Stimme brachte mich mehr aus der Ruhe, als seine Distance von vorhin.

Justin hatte alles gehört. Er hatte sich vorgenommen, seine Gefühle außen vor zu lassen,  aber Eliana rührte irgendwie an sein Ehrgefühl. Er würde einen Ehemann aussuchen, den sie akzeptieren konnte.

„Tja, Brego, ich hoffe, sie hasst mich nicht zu sehr, dass würde es uns allen leichter machen.“

Justin tätschelte Bregos Hals und der schnaubte leise.

Ich huschte die Treppe hinauf, mein Herz schlug mir bis zum Hals. Ich hatte kaum Erfahrung mit Männern und Justin war ein außergewöhnliches Exemplar von Mann. Mit seiner anziehenden und gleichzeitig distanzierten Art hatte er sicherlich schon vielen Frauen das Herz gebrochen, aber nicht mit mir! Ich öffnete leise die Tür zu Annas Zimmer. Sie schlief tief und fest, daher ging ich in mein Zimmer und begab mich in mein Bett. Ich war so erschöpft, dass ich schnell einschlief. Entgegen meinen Befürchtungen war mein Schlaf tief und traumlos.

 

Read Full Post »

Das Essen verlief auf angenehme Art und Weise. Meine Gastgeberin und ihre Gäste interessierten sich sehr für mich, aber ich hielt mich soweit es ging bedeckt. Ich erzählte nichts davon, dass ich ein verlorenes Kind war. Lady Shelley schien ein ausgesprochen großes Interesse an der Wissenschaft zu haben, denn die meisten der anwesenden Herren waren Ärzte, Physiker oder Chemiker. Der Einzige, der wohltuend anders war, war John. Er saß neben mir und versuchte mich, so gut es ging, von den hochtrabenden Gesprächen abzulenken. Er flüsterte mir kleine Anekdoten der gelehrten Herren ins Ohr und ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen.

Nach dem Abendessen teilt sich die Gesellschaft. Die Damen werden in den blauen Salon geführt, wo Sherry gereicht werden soll. Unterdessen begeben sich die Herren ins Raucherzimmer, um sich einen Zigarre zu genehmigen und zu fachsimpeln.

Ich trödele etwas herum und es gelingt mir, der langweiligen Damenrunde zu entwischen und in die Bibliothek zu gelangen. Leise schließe ich die Tür hinter mir. In dem großen Kamin brennt ein hell loderndes Feuer, das Buchenholz knistert leise und erfüllt den Raum mit einem angenehmen Duft. Ich schreite die langen Regalreihen entlang und kann kaum glauben, was für Klassiker sich hier verbergen. Jeder Sammler würde sich glücklich schätzen so eine Bibliothek zu besitzen. Ich nehme hier und da eines der kostbaren in weiches Leder gebundenen Bücher in die Hand. Viele sind echte Erstausgaben, aus dem Jahr, in dem sie das erste Mal gedruckt wurden. Wer auch immer diese Bücher gekauft hatte, muss eine Menge dafür ausgegeben haben. Immer weiter wandere ich in dem Regallabyrinth umher. Eins ist sicher, hier wird mich niemand so schnell finden. In der Mitte des Labyrinths steht ein Buchständer von gigantischen Ausmaßen. Darauf liegt ein ungewöhnlich großes Buch. Neugierig trete ich näher und schaue mir den Einband an. Es ist aus dunkelbraunem Leder und mit goldenen Lettern beschrieben. Die Buchstaben sind in Latein und italienisch geschrieben. Ich kann ein paar Brocken und lese etwas über Anatomie und Mensch, und einen Namen. Vor Ehrfurcht bleibt mir die Luft weg. Leonardo Da Vinci. Ich sehe mich ängstlich um, kein Laut ist zu hören. Dann schlage ich das Buch auf. Die Seiten sind aus dickem Pergament. Jede Seite ist mit detaillierten Zeichnungen der menschlichen Anatomie gefüllt. Der Mensch an sich, der Mensch ohne Haut mit Sehnen und Muskeln, nur das Skelett, die inneren Organe, Herz, Nieren usw, Augen, Zunge, Hirn und das von allen Seiten. Faszinierend zu sehen, wie genau Leonardo war, aber ich weiß, wie er zu seinen Zeichnungen kam und das ist keine angenehme Sache. Leichen sezieren, gut muss wohl sein, aber Leichen stehlen, oder frisch getöteten Verbrechern die Haut von den Knochen ziehen, ich weiß nicht, das kann nicht gut gewesen sein. Aber andererseits musste Leonardo so vorgehen, da ihn die Kirche sonst als Ketzer verurteilt hätte und vermutlich wäre er auf dem Scheiterhaufen gelandet. Wenn ich mich nicht irre, haben sie sogar Jagd auf ihn gemacht. Schade, dass die wirklich genialen Geister immer solche Probleme hatten.

„Oh, sie scheinen eine vielseitig interessierte junge Dame zu sein!“

Ich schrecke zusammen, und als ich mich umdrehe, fängt der Buchständer an zu wackeln. John kann ihn gerade noch abfangen, bevor er umkippt.

„John haben sie mich erschreckt. Mein Herz ist fast stehen geblieben.“

John lacht und nimmt meine Hand.

„So schnell bleiben Herzen nicht stehen. – Wie kommt es, dass sie aus der ehrenwerten Damengesellschaft geflüchtet sind?“

„Ich hatte keine Lust auf Gespräche über Sticken und Kinder“, sage ich und zwinkere ihm zu, „ich liebe Bücher und musste sie mir unbedingt einmal ansehen. Ich habe recht daran getan. Sie sind wundervoll. Haben sie sich die Bände schon einmal richtig angesehen? – Bestimmt. – Aber wie kommen sie eigentlich hier her? Und wie haben sie mich in dem Labyrinth gefunden?“

„Also erstens habe ich mir die Bücher angesehen, ich habe viele davon gesammelt.“

Ich schaue ihn mit großen Augen an. Wann hat er diese Bücher gesammelt und wo hat er sie aufgetrieben. Er ist kaum dreißig Jahre alt.

„Und“, fährt er fort, „ich kenne die Bibliothek wie meine Westentasche und wer sich für Bücher interessiert, der landet früher oder später bei Leonardo.“

„Donnerwetter, das ist ja ungeheuerlich.“

„Finde ich auch. Was ich besonders bedenklich finde ist, dass ein so schönes Mädchen, wie sie, diese wundervolle Nacht in einer dunklen Bibliothek verbringt. Was halten sie davon, wenn wir zum Strand hinunter gehen?“

„Das wäre wundervoll“, stimme ich begeistert zu.

Wie lange habe ich das Meer nicht mehr gesehen. Eine wilde Sehnsucht beginnt in mir zu schlagen. Das Meer.

„Komm, wir nehmen den Weg durch die Küche. Die anderen müssen nicht mitkriegen, dass wir fort sind.“

Ich kann vor Aufregung nicht sprechen und nicke nur. John sieht mich mit einem zärtlichen Blick an, schnell beugt er sich vor und küsst mich auf die Wange. Auf meinen tadelnden Blick hin sagt er entschuldigend:

„Verzeih, sie sehen so hinreißend aus, ich konnte einfach nicht anders.“

„Na, gut, ihnen sei verziehen. Komm, last uns jetzt ans Meer gehen.“

John lacht leise.

„Dann schnell, bevor sie mich auch noch vermissen.“

„Haben sie mich vermisst?“

„Was denken sie, warum ich sie gesucht habe?“

John öffnet eine geheime Tür in einer der Regalreihen. Der geheime Mechanismus ist, mich wundert gar nichts mehr, hinter Robinson Crusoe versteckt. John führt mich durch einen dunklen engen Gang, dann höre ich ein Klicken, eine weitere Geheimtür springt auf und wir stehen in der Küche. Zum Glück sind die Bediensteten schon fertig mit Aufräumen und niemand sieht wie wir das Haus durch den Dienstboteneingang verlassen. John durchquert den Garten, bis zu einer kleinen schmiedeeisernen Tür, die er mit einem Schlüssel, den aus seiner Jackentasche zaubert, öffnet. Von dort aus führt eine Steintreppe den Hügel hinab zum Strand. Ich ziehe die Schuhe aus und bohre meine Zehen in den warmen Sand. Die Wellen rollen sanft an den Strand. Ein dünner weißer Saum aus Gischt schmückt den feinen Sandstrand, wie eine Spitzenbordüre. Der riesige Mond wirft eine verschwenderische Fülle von Diamantsplittern auf das Wasser. Ich kann mich nicht sattsehen.

„Gefällt es ihnen?“, fragt John.

„Und wie! Danke! Vielen Dank! Es ist wundervoll!“

Ich umarme ihn begeistert und er legt seine Arme mich. Mein Kopf lehnt an seiner Schulter und John vergräbt seine Nase in meinem Haar. Ich spüre seine Wärme, seinen verführerischen Duft, sein Atem streicht sanft über meine Haut und ich habe plötzlich ein völlig zwiespältiges Gefühl. Ich schwanke zwischen Sicherheit, Wehmut, Liebe, Traurigkeit, Nostalgie, Deja-vu, Illusion und Realität. Ich rühre mich nicht vom Fleck und auch John hält mich ganz still in seinen starken Armen. Ich kann durch den teuren Stoff sein Muskelspiel spüren. Am liebsten würde ich die Augen schließen, mich ganz diesem Augenblick und ihm hingeben. Es kostet mich große Anstrengung es nicht zu tun, aber der Gedanke an Raoul, lässt nicht zu, dass ich mich verliere.

„Wo bist du nur so lange gewesen“, flüstert John und drückt mir einen Kuss auf die Locken.

„Ich weiß es nicht“, antworte ich leise.

„Solange habe ich auf dich gewartet und nun muss ich feststellen, dass dir ein anderer Mann begegnet ist, der dein Herz für sich eingenommen hat.“

„John“, versuche ich eine Erklärung, aber er unterbricht mich und legt mir einen Finger auf die Lippen.

„Psst! Sag nichts. Lass uns einfach hier stehen und den Augenblick genießen. Heute ist heute und morgen ist morgen.“

Ich schließe meine Arme noch fester um ihn und schmiege mich an ihn. Die Zeit hat plötzlich ihre Bedeutung verloren. Immer höher steigt der Mond und wird immer kleiner.

„Wir müssen langsam zurückgehen“, flüstert John und drückt einen Kuss auf meine Stirn.

„Müssen wir wirklich? Können wir nicht hier am Strand bleiben?“

„Du zitterst schon. Ich würde es mir nicht verzeihen, wenn du krank wirst.“

„John.“

„Ja?“

„Ich habe Angst in dem großen Zimmer, ganz allein in einem fremden Haus.“

„Musst du nicht. Ich sagte dir doch, dass du dich auf mich verlassen kannst. Außerdem schlafe ich in dem Zimmer neben an, wenn du mich rufst, werde ich sofort zu deiner Hilfe eilen.“

„Höre ich da etwas Spott in deiner Stimme?“, frage ich und sehe zu ihm auf.

Ein Lächeln liegt auf seinem schönen Gesicht. Johns Augen sind dunkel, wie das nächtliche Meer und halten meinem Blick stand.

„Nein“, sagt er zärtlich, „nur ein ganz kleines Bisschen. Aber ich schwöre dir, dass ich mein Leben dafür geben werde, dich zu beschützen.“

„So etwas darfst du nicht sagen“, erwidere ich erschrocken.

„Es ist mein Leben und ich gebe es, wem ich will.“

Ich sehe ihn ängstlich an.

„Hab keine Angst, Noelle, alles wird gut.“

Er fasst in mein Haar, zieht meinen Kopf in den Nacken und küsst mich unendlich sanft. Schwer atmend lehne ich meinen Kopf an seine Brust. Ich muss zugeben, dass mich dieser Kuss durcheinander bringt. John nimmt meine Hand.

„Komm, lass uns gehen.“

Schweigend gehen wir zurück zum Haus. Dort ist inzwischen alles still. Scheinbar hat sich die Gesellschaft schon in ihre Gemächer zurückgezogen. Wir schleichen die Treppe hinauf und John begleitet mich zu meinem Zimmer.

„Schließ deine Tür und sollte etwas sein, klopf einfach an die Wand hinter deinem Spiegeltisch. Dort liegt mein Zimmer. Ich nicke und sehe ihn mit großen Augen an. Die kleinen Lampen in den Gängen geben nur wenig Licht, aber ich kann in seinen Augen lesen und was ich sehe macht mich verlegen.

„Du bist wunderschön“, flüstert John, „dieser andere Mann – ich hoffe, er ist dich wert.“

Er zieht meine Hände an seine Lippen, ohne meinen Blick loszulassen und drück zärtliche Küsse auf meine Handflächen. Zögernd gehe ich in mein Zimmer und verschließe die Tür hinter mir, so wie John es mir geraten hat. Verwirrt von diesem Haus, seinen Bewohnern und besonders von diesem außergewöhnlichen Mann, ziehe ich mir das Nachthemd über, dass Jenny mir auf dem Bett bereitgelegt hat. Im Kamin verglühen langsam die Holzscheite. Ich nehme einen Kienspan, entzünde ihn an der Glut und zünde mir ein paar Kerzen an. Ich bin zwar erschöpft, aber in meinem Kopf rasen die Gedanken kreuz und quer. Dieses Haus ist geschmackvoll eingerichtet, seine Bewohner sind in teure Stoffe gehüllt, die Speisen sind auserlesen und doch, etwas stimmt nicht. Dabei ist es noch nicht einmal die antiquierte Art zu leben, sondern die geheimnisvolle Aura, die alles hier umweht, wie ein undurchdringlicher Nebel. Ich kann mich nur schrittweise vortasten. Wenn ich den Blick auf das nächste Bild werfen kann, dann ist das Vorherige schon wieder so verschwommen, dass nichts von allem zu einem Ganzen wird. Wie ein Puzzelspiel von dem man ein paar passende Teile zusammensteckt und sobald man einige weitere findet, jemand kommt und die Ersten böswillig wieder auseinanderreißt. Nichts erscheint vollständig, nur winzige Teilstücke sind zu entziffern.

Um wenigstens etwas Ruhe zu finden, hole ich die Notizbücher von Herrn Grimm aus meinem Rucksack und blättere darin herum. Aber auch mit ihnen stimmt hier etwas nicht. Die Buchstaben ähneln willkürlich hingeworfenen Kritzeln und ergeben keinen Sinn, geschweige denn ein vernünftiges Wort. Ich will die Bücher gerade wieder weglegen, als auf einer Seite Linien erscheinen, wie vor Kurzem, als das Buch mir Raouls Gesicht zeigte. Gebannt blicke ich auf die Seite, als vor meinen Augen eine schreckliche schmerzverzerrte Fratze erscheint. Ein Gesicht mit weit aufgerissenem Maul, scharfe Zähne blitzen daraus hervor, die Haare hängen wirr in dem gequälten Gesicht. Einzig seine Augen haben etwas Menschliches. Ich kann meinen Blick nicht von dem Gesicht abwenden. Hin und her gerissen von Mitleid und Grauen. Langsam verschwimmen die Linien wieder und nur ein grauer Schleier bleibt auf der Seite zurück. Ich klappe das Buch zu und verpacke die Bücher hastig in meinem Rucksack.

„Geh!“, höre ich eine warnende Stimme.

Ängstlich sehe ich mich um. Vermutlich werde ich jetzt verrückt.

„Geh, Noelle. Verlier keine Zeit.“

Atemlos springe ich auf. Es ist Raouls Stimme, also habe ich mich doch nicht geirrt. Hastig packe ich meine Sachen, ziehe mir bequeme Reisekleidung an und lösche alle Lichter. Dann öffne ich vorsichtig meine Zimmertür, versichere mich besorgt, ob auch niemand meine Flucht bemerken wird, und husche den Gang entlang zur Treppe. Die Eingangshalle ist leer. So lautlos wie möglich schleiche ich die Treppe hinunter, als ich plötzlich ein lautes Schreien höre. Mein Herz krampft sich zusammen. Das ist der Schrei eines Menschen, dem etwas Schreckliches angetan wird. Ich bin schon fast an der Tür, als wieder ein Schrei durch das Haus hallt. Es sind nur noch ein paar Schritte und ich bin frei.

„Lauf fort Noelle!“, höre ich wieder eine besorgte Stimme aus den Schatten.

„John“, durchzuckt es mich.

Für einen Moment zögere ich, dann stelle ich meinen Koffer neben die Tür, und gehe dem Schreien nach. Ich gelange zu einer Tür, die mich rohe Steinstufen hinab, in einen dunklen Kellergang, führt. Das Klischee aus einem Horrorfilm. Tu genau das, was kein normal denkender Mensch tun würde. Ich kann nicht anders. Mein Verstand schimpft wie ein Rohrspatz, um mich von diesem Wahnsinn abzuhalten, aber mein Herz sagt mir, dass ich meine Augen nicht vor dem Unglück eines anderen verschließen darf.

Die Schreie werden immer lauter. Mein Herz zerspringt fast vor Angst. Ich muss weiter gehen. Welche Kreatur hat es verdient solche Schmerzen zu erdulden? Jäh bricht das Schreien ab. Abrupt bleibe ich stehen. Was ist passiert? Ich befürchte, dass der Gefolterte entweder bewusstlos oder tot ist. Ich lausche in die Dunkelheit. Nicht weit entfernt höre ich Schritte und Stimmen. Ich raffe all meinen Mut zusammen und taste mich weiter an den rauen Wänden entlang. Da sehe ich einen Schimmer Licht. Die Stimmen werden lauter. Ich halte den Atem an und versuche einen Blick auf den Raum vor mir zu erhaschen.

Der Anblick, der sich mir bietet, lässt mich an meinem Verstand zweifeln. Unter dem englischen Landhaus erstreckt sich eine Art Krypta. An den marmornen Säulen hängen Fackeln, die der unterirdischen Gruft ein gespenstisches Aussehen geben. An den Wänden stehen Sarkophage, die auf ihren Deckeln Reliefe der Menschen tragen, die in ihnen bestattet wurden. In der Mitte des Raumes, unter einer Art Baldachin, steht ein Holzgestell, auf dem eine Kreatur festgeschnallt ist. Halb Mensch, halb Bestie. Lady Shelley und drei der Männer, die ich beim Dinner gesehen habe, stehen vor dem Holzgestell und streiten sich. Der Baldachin ist mir Symbolen bestickt, die mir nicht fremd sind. Ich habe sie auf einigen Seiten von Leonardos Buch gesehen. Lady Shelley trägt Handschuhe und hat ein Skalpell in der Hand.

„Sie Dummkopf“, schreit sie einen der Männer an, „sehen sie was sie angerichtet haben! Statt sich zu verwandeln, ist er ein Hybride. Halb Mensch, halb Monster. So war das nicht gedacht.“

Sie schlägt den Mann mit der flachen Hand ins Gesicht. Der gibt nur ein leises Stöhnen von sich, ohne Mary etwas entgegenzusetzen.

„Wir brauchen noch einen Katalysator. Er ist einfach zu sehr Mensch, als dass er sich freiwillig verwandeln würde“, wirft ein anderer Mann ein.

„Was soll denn das heißen? Wir haben alles so gemacht, wie Leonardo es beschrieben hat. Wir haben ihn infiziert und haben ihn einem hohen Stresspegel ausgesetzt. Das Adrenalin müsste bewirken, dass der Virus sich rasend schnelle vermehrt und die Verwandlung in Gang setzt.“

Lady Shelley ballt die Fäuste und nähert sich dem Mann, der ängstlich zurückweicht.

„Ja, aber“, stammelt er, „er ist stark. Sein Wille ist ungebrochen. Alles in ihm wehrt sich dagegen sich zu verwandeln.“

„Und was jetzt?“, Lady Shelleys Stimme schnappt über, „tun sie was, verdammt!“

Dann versetzt sie dem Mann einen heftigen Stoß gegen die Brust, die ihn taumeln lässt. Im letzten Moment kann er sich an einer Säule festhalten.

„Holen sie das Mädchen“, schlägt der erste Mann vor, „um sie zu beschützen, wird John sich verwandeln.“

Ich presse die Hände vor meinen Mund, um nicht zu schreien. Es ist John. Das Gesicht in meinem Buch, ich sehe wieder die Augen des Monsters vor mir. Es sind seine Augen. Flehende Augen. Oh, John, wie kann ich dir nur helfen? Fieberhaft überlege ich, was ich tun kann.

„Gute Idee! Los, machen sie schon!“, befiehlt Lady Shelley gereizt, „sie sind allesamt Stümper. Wenn das nicht klappt, dann Gnade ihnen Gott“, ein böses Lachen hallt durch die Krypta, „Gott, es gibt keinen Gott!“

Die drei Männer setzen sich hastig in Bewegung und ein wilder Schreck durchzuckt mein Gehirn. Sie suchen mich. Die Lady ist eine Art Frankenstein, besessen von Leonardos Forschungen. Aber das Leonardo solche perversen Forschungen angestrebt hat, ist mir neu. Allerdings war er, der Meister der Erfindung, wohl selten in der Lage, seine Erfindungen auch zu verwirklichen. Ein Genie auf dem Papier. Ich stehe hinter einer Säule und halte den Atem an. Was jetzt. Die drei Männer hasten an mir vorbei. Mir bleiben nur wenige Minuten, bis sie unverrichteter Dinge zurückkehren werden. Lady Shelley ist allein. Ich muss die Gelegenheit ergreifen und John helfen. Ich taste mich nach vorne, nehme eine Fackel aus ihrem Halter und trete hinter meiner Säule hervor.

„Sie sind ein kranker Mensch, Lady Shelley.“

Ich versuche meiner Stimme einen festen Klang zu geben, kann aber nicht verhindern, dass sie zittert. Mary fährt herum und ein teuflisches Lächeln spielt um ihre Lippen.

„Ich würde mich eher als Genie bezeichnen“, erwidert sie gelassen, „denn sehen sie, eigentlich wollte ich sie verwandeln, immerhin ist mir John lieb und teuer. Aber er hat mir sein Leben für ihrs gegeben.“

Bei diesen Worten geht mir ein Stich durchs Herz und Tränen treten mir in die Augen. Jetzt bloß nicht weinen, ermahne ich mich.

„Und welch glückliche Fügung! Dadurch werde ich tatsächlich erreichen, dass Leonardos Forschungen wahr werden. Ihren Willen hätte ich vielleicht nicht brechen können, aber John liebt sie und er wird alles tun, um sie zu verteidigen.“

Ich bin wie gelähmt. Der Plan ist tatsächlich perfide und gleichzeitig brillant. Meine Liebe gilt Raoul und hätte, statt mich zu schwächen, gestärkt. Johns Liebe zu mir wird ihn dazu bringen, alles zu tun mich vor dem Übel zu beschützen, dass mir Lady Shelley zu gedacht hat.

„Warum?“, ich bin verzweifelt.

„Forschung, meine Liebe. Ich werde das Leben neu erschaffen. Eine bessere, stärkere Kreatur hervorbringen.“

„Das ist ein Sakrileg!“

„Nein, Herzchen, das ist Genie.“

Sie nähert sich mir, als plötzlich ein Stöhnen zu hören ist.

„Lass sie!“

Johns Bewusstsein ist zurückgekehrt. Er atmet schwer. Mary fährt herum und mit ein paar Schritten ist sie neben ihm.

„Dann lass los und verwandele dich.“

„Nein, John, bitte nicht!“, rufe ich voller Angst.

„Ich muss es tun, sie wird dich sonst töten.“

Seine Augen sind auf mich gerichtet und ich sehe in seine Seele. Reine Liebe strömt mir entgegen.

„Nein!“, höre ich mich schreien.

Ich stürze auf ihn zu, werfe mich auf John und lege schützend meine Arme um ihn. Das darf nicht sein.

„Ihr seid so niedlich, aber die Verwandlung wird stattfinden. Er hat sich schon entschieden, sieh hin!“

Ein hysterisches Lachen erfüllt den Raum. Grauen erfüllt mich.

„Lancelot, wo bist du?“, flüstere ich.

„Hier, meine Herrin. Du hast mich gerufen.“

Lancelot tritt aus den Schatten. Er trägt einen Kampfanzug aus Leder, mit silbernen Nieten beschlagen, die in den flackernden Flammen der Fackeln aufblitzen. In seiner Hand hält er ein Schwert mit einem großen Namen: Flammenzunge.

„Oh, Verstärkung“, höhnt Lady Shelley, „du armer Junge. Liebst du sie etwa auch? Sie wird dich heute in den Abgrund  stoßen.“

Lancelot ignoriert ihre Tirade und tritt neben mich. Mitleidig blickt er auf John, der sich in Schmerzen windet und immer mehr zu der Bestie mutiert, die Mary aus ihm machen will.

„Bitte, hilf ihm“, flehe ich Lancelot an, „er wollte mich beschützen.“

Wortlos nickt Lancelot. Er steckt ihm einen Ring an den Finger.

„Nein!“

Lady Shelley schreit wie eine Furie und stürzt auf Lancelot zu. Aber es ist zu spät. Lancelot hat an dem Ring gedreht und John löst sich vor unseren Augen in Luft auf.

„Das wirst du büßen!“, tob Mary und stößt einen schrillen Ruf aus.

Plötzlich sind schnelle Schritte zuhören und Männer mit Masken bevölkern den Raum.

„Lauf“, flüstert Lancelot mir zu, „ich komme nach!“

Er hebt sein Schwert, und als die Maskierten angreifen, stürzt Lancelot der Menge entgegen. Ich kann nichts tun, um ihm zu helfen. Also gehorche ich seinem Rat und laufe dem Ausgang entgegen, aber Lady Shelley stellt sich mir in den Weg.

„Das hast du dir so gedacht?! Aber mir entkommst du nicht.“

Was ich sehe lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Für den Bruchteil einer Sekunde schließt sie die Augen und als sie sie wieder öffnet, sind sie rot wie Blut. Mary öffnet ihren Mund und entblößt zwei spitze Eckzähne.

„Sie sind ein Vampir! Nein, das ist unmöglich.“

„Nichts ist unmöglich“, lacht sie kalt und kommt näher, „John sah dich in seinen Träumen und ich habe dich gerufen. Und wie du siehst hat mein Plan funktioniert.“

„Nur fast!“, stoße ich hervor.

Ich reiße eine Fackel aus ihrer Halterung und senke sie ihr mit einer schnellen Bewegung entgegen. Ehe Lady Shelley sich in Sicherheit bringen kann, hat ihr kostbares Kleid Feuer gefangen. Ihr gellender Schrei lässt die Maskierten innehalten. Als sie sehen, wie ihre Gebieterin in Flammen steht, strecken sie die Waffen und verschwinden in der Dunkelheit, aus der sie kamen. Immer höher lodert das Feuer, immer schriller dröhnt das Geschrei durch die Krypta. Es ist nicht auszuhalten und ich presse mir verzweifelt die Hände auf die Ohren. Lancelot packt mich am Arm und zieht mich hastig hinter sich her.

„Raus hier“, keucht er.

Vor dem Haus steht die Kutsche, angespannt und bereit loszufahren.

„Lancelot“, stammele ich.

„Frag nicht, geh“, sein eindringlicher Blick mahnt mich zur Eile, „schnell. Sieh nicht zurück!“

Ich umarme ihn, dann steige ich ein und Lancelot gibt dem Kutscher ein Zeichen. Ein leises Schnalzen und das Pferd setzt sich in Bewegung. Das Letzte, was ich von Lancelot sehe, ist das Aufblitzen von Flammenzunge im Licht der ersten Sonnenstrahlen.

Die Kutsche fährt auf den kleinen Platz vor dem Bahnhof. Die Morgensonne scheint warm und in dem kleinen Cafe sitzen die alten Männer, rauchen und trinken Kaffee. Der junge Kutscher reicht mir die Hand und hilft mir auszusteigen. Er stellt mir meinen Koffer und meinen Rucksack auf die Eingangstufen zum Bahnhof, lüpft zum Abschied das Hütchen und fährt davon.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: