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Posts Tagged ‘begraben’

Matratzen waren sein Leben und sein Untergang.

Begraben unter seiner größten Leidenschaft, hauchte Herr M. am Samstagnachmittag sein Leben aus. Er wollte nach Ladenschluss noch die frisch eingetroffene Wahre testen, um seinen Kunden die beste Qualität bieten zu können, als ein Turm aus 12 Taschentonnenfederkernmatratzen über ihm zusammenbrach und ihn unter sich begrub. Alleine konnte er sich nicht von der Last befreien und erstickte unter dem Gewicht. Er wurde am Montag Morgen von seinen Mitarbeitern entdeckt. Die Trauerfeier findet am Freitag, um 14 Uhr, auf dem Südfriedhof statt.

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Der kleine Herr Mann verließ an diesem Morgen sehr missmutig das Haus. Den dunkelblauen Hut tief ins Gesicht gezogen, den Wollmantel bis auf die Knöchel reichend. Zu seinem Unglück war es nebelig. Die schmutzigen und unschönen Dinge wurden vom Schnee der Nacht unter einer gnädigen Decke verborgen. Seine trübseligen Gedanken ließen nicht zu, dass er die seltsame Schönheit des Morgens genießen konnte. Er eilte durch den stillen Kurpark ohne ihn wahrzunehmen. In dieser Jahreszeit verirrte sich nur selten ein Spaziergänger hierher. Es kamen immer weniger Touristen und die Kurstadt würde langsam sterben.

Das berührte Herrn Mann nicht besonders. Für ihn ging jeder Tag im gleichen Trott dahin. Er war in diesem Ort geboren und hier würde er sterben. Er ging in den kleinen Uhrenladen, der vor ihm seinem Vater gehört hatte. Von genau 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14.30 Uhr bis 18.00 Uhr. Jeden Tag, das ganze Jahr. So war es immer. Bis auf die 14 Tage Betriebsferien im Januar. Dann versuchte Herr Mann in seinem Elternhaus, der Villa Louise, einen ruhigen Platz zu finden.

In seinen Jugendjahren hatte er sich oft gewünscht in die Welt hinaus zu gehen. Weit weg von der Villa Louise, noch einmal anzufangen. Heute fast fünfzig Jahre alt, lagen seine Träume im Park unter der alten Eiche begraben. Abgestreift und vergessen, wie die alten Handschuhe in der Schachtel für Fundsachen, die schon zum zweiten Mal überwinterten. Die Handschuhe würde er nachher sofort entsorgen.

In Herrn Manns Innern nagte der Neid, wie eine Maus, die ihn stetig und mit spitzen Zähnen immer weiter aushöhlte. Er ertrug es nicht, wenn andere träumten, weil er es nicht durfte. Zum Beispiel die junge Frau aus dem Buchladen gegenüber. Sie wohnte noch nicht lange hier. Kam irgendwo aus Norddeutschland. Ihre kleine Tochter hatte seiner Tochter erzählt, dass sie viel auf Reisen gewesen waren. Er sah sie oft hinter dem Tresen sitzen und in einem Buch lesen. Herr Mann las nicht gerne. Das lag in der Natur der Dinge. Die Bücher hätten seinen Geist auf Wanderschaft gehen lassen. Er hätte die sorgsam versteckten Träume wieder ausgraben müssen.

Auf dem Weg zu seinem Uhrenladen, wurde er unfreiwillig an seine Träume erinnert. An der alten Eiche begegnete er der Frau aus dem Buchladen. Fröhlich wünschte sie ihm einen schönen Tag. Er erschrak und konnte nur ein gemurmeltes „Morgen“ hervor stoßen. Sein Unbehagen wuchs, denn er ahnte dass ihn die Begegnung den ganzen Tag beschäftigen würde. Seine Verbitterung hätte sich noch gesteigert, hätte er gewusst, dass die Frau ihre Sachen für einen Umzug packte.

Er mochte sie nicht. Sie hielt sich nicht an die Regeln, nach denen er lebte. Er konnte nicht ausbrechen. Lustlos steuerte der arme Herr Mann auf seinen Laden zu. Schloss das Schloss dreimal auf, schaltete das Licht ein und entriegelte die Kasse. Er zog seinen Mantel aus, hängte den Hut an den Haken, stellte seine Aktentasche an den vorgesehenen Platz. Als er in den Verkaufsraum kam, sah er sie wieder. Einem Passanten zu lächelnd, schloss sie die Ladentür auf und verschwand in seinem geheimnisvollen Inneren. Herr Mann sah gebannt hinüber. Er wartete. An den sonnigen Tagen stellte sie immer den Postkartenständer vor die Tür. Heute geschah nichts.

Gedanken verloren stand er da, starrte auf das Schaufenster mit den niedergeschrieben Träumen. Abrupt stürzte er zu seinem Schrank, riss die Kiste mit den Fundsachen heraus und schleuderte die unschuldigen Handschuhe in den Papierkorb. Dass sich Träume nicht wegwerfen lassen wie ein Paar alte Handschuhe hatte er nicht bedacht. So wurde der kleine Herr Mann den ganzen Tag von den Gedanken an seine begrabenen Träume verfolgt.

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