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Posts Tagged ‘Bäume’

Der Schatten glitt zwischen den Bäumen hindurch.

Endlich! Seit Stunden hockte ich in meinem Versteck und wartete, meine Beine und mein Rücken taten weh und so waren meine Bemühungen nicht umsonst. Ich versuchte so lautlos wie möglich aufzustehen und den Schatten nicht aus den Augen zu verlieren. Die dünnen Äste knackten unter meinen Füßen, aber dies Wesen war auf der Jagd und seine Sinne auf andere Beute ausgerichtet. Sie waren äußerst selten und ich war noch nie einem begegnet, kannte seine Gestalt und Gewohnheiten nur aus alten Büchern. Ich hatte mich gut ausgerüstet, musste mich aber auf wage Informationen verlassen, denn die Bücher waren über dreihundert Jahre alt. Was damals als neuste Erkenntnis galt, konnte sich heute völlig anders darstellen.

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Diana saß im Pyjama auf dem grauen Ecksofa, die Beine angezogen und aß Müsli. Die Sonne fiel durch die breite Fensterfront und erfüllt den Raum mit warmem Licht. Draußen tobten die ersten Schneeflocken durch die Luft, die der winterlich wilde Wind über die Ostsee trieb. Diana hörte, wie er die Bäume zerzauste und sah wie er die Wellen in einem dramatischen Tanz gegen den flachen Strand trieb. Die Möwen hatten Mühe sich gegen den Sturm zu behaupten und segelten in einem Zickzackkurs über dem Wasser.

Im Hintergrund sang Gordon Haskell „How wounderful you are …“, das neue Jahr war noch frisch, erst fünf Tage alt, und trotzdem hinterließ es erste Spuren. Diana war weit fort von zu Hause und der Gedanke in den Alltag zurückzukehren verursachte ihr ein dumpfes Gefühl in der Magengegend.

„Things can happen fast“, sang Gordon und Diana dachte an die Veränderungen, die sich in den letzten Monaten ergeben hatten. Sie hatte das Glück gesehen. Für einen kurzen Moment spürte sie es: zu Hause sein. Ein überwältigendes Gefühl, das sie atemlos machte, um es im nächsten Augenblick wieder zu verlieren. Die Dinge wandelten sich oft schneller, als vorauszusehen. Sie wusste, dass sie dieses Glück nicht behalten konnte. Es gehörte ihr nicht, würde ihr niemals gehören. Das hatte sie nicht daran gehindert es sich anzusehen und es zu begehren. Manchmal will das Herz, was das Herz will, egal um welchen Preis.

Diana wünschte sich glücklich zu sein und doch, genau das war schwer zu bewerkstelligen. Glück, diese flüchtigen Augenblicke, die man oft erst erkannte, wenn sie verflogen waren. Nun in diesem Moment, die Sonne fiel auf ihr Gesicht, die Musik hüllte sie ein, der ungestörte Blick auf das Meer – verspürte sie ein Gefühl des Glück, dass ihr ganzes Sein erfüllte.

Diana wusste, es war besser nicht darüber nachzudenken. Im Augenblick des Nachdenkens bekam das Glück schon wieder Risse, weil sie es festhalten wollte. Sie nahm sich vor, wenn sie es nicht verwahren konnte, so wollte sie zumindest weniger unglücklich sein. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Erinnere dich immer an diesen Tag, wenn du in den nächsten 360 Tagen vor einer Krise stehst. Erinnere dich an das Meer, die Stille, das Glück, das du so erfüllend empfunden hast und glaube fest dran, dass du dich eines Tages wieder so unendlich glücklich fühlen wirst, wie an dem Tag, als du in seine Augen gesehen hast.“

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Messer, Papier, Eis, See, Mantel, Markt, fangen

Der Parksee lag unter einer dicken Eisschicht. Ein paar Hartnäckige trotzten den dicken Flocken, die seit einer Stunde fielen und liefen Schlittschuh. Ich zog den Mantelkragen enger, und wickelte den Maxi-Schal noch einmal um meinen Hals.

Auf dem wöchentlichen Markt hatte ich ein paar Einkäufe tätigen wollen, aber es gab nur zwei Stände, die Gulaschkanone und den Messerschleifer. Da ich weder ein Mittagessen, noch scharfe Messer benötigte, ging ich ins Kaufhaus und besorgte mir eine Packung Druckerpapier.

Ich hatte es nicht besonders eilig. Zu hause wartete mein fertiges Manuskript darauf ausgedruckt und korrigiert zu werden. Ein anstrengendes Stück Arbeit lag vor mir und ich wollte meinen Kopf frei bekommen, bevor ich damit begann. Langsam ging ich über die eingeschneiten Wege nach Hause. Ich genoss die Stille des Wintertages, die weißen Flocken, die sich schützend auf die Bäume und Pflanzen legten.

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Der Winter, den wir sehnsüchtig erwartet hatten, brach mit ungeahnter Macht über uns herein. Flüsse und Seen überzog eine dicke Eisschicht. Schnee fiel seit Tagen und begrub die Dörfer, Städte und Wälder unter sich. Die Bäume ächzten unter der Last der weißen Pracht. Die Tiere zogen sich in ihre Höhlen zurück und drängten sich enger zusammen.

Arie stand am Fenster und starrte durch das kleine Loch, das er mühevoll in die Eisblumenschicht gerieben hatte. Wie lange es wohl noch dauert, bis ich mit Milo und Franci schlittenfahren kann, überlegte er und seufzte sehnsüchtig.

Ein leises Knacken der Holzdielen ließ ihn aufhorchen. Dann folgte ein rhythmisches Tapsen. Wie kleine Kinderfüße in schnellem Getrappel. Ich bin doch allein, alle sind ausgegangen, dachte er, und Geister gibt es nicht. Arie atmete tief durch und drehte sich langsam um. Was er sah, versetzte ihn in ungläubiges Staunen und zauberte ein Lächeln auf sein Gesicht.

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„Lerne etwas über das Leben.

Schneide dir mit dem Silbermesser ein großes Stück heraus,

ein großes Stück vom Kuchen.

Lerne, wie die Blätter an den Bäumen wachsen.

Mach die Augen auf (…)

Lerne, wie der Mond im Nachtfrost vor Weihnachten untergeht.

Öffne deine Nase.

Rieche den Schnee.

Lass das Leben zu.“

Sylvia Plath

Ist sie nicht wunderbar!

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Text meines Mitschreibers auf der Rückseite der Postkarte:

„Tom spürte nicht, wie hart der Stuhl war. Auch nicht die Kälte, die von den Bäumen auf ihn herabzufallen schien. Er spürte nur die Wut (der letzten Tage), die sich in seinem Unterbewusstsein eingenistet hatte und nun jede Faser seines Körpers im Griff hatte.“

– Warum hat sie mir nichts gesagt? Zig mal habe ich
nachgefragt, weil ich das Gefühl hatte, irgendetwas stimmt nicht, aber sie hat nichts gesagt. Immer nur: alles Ok. –

Und am Morgen beim Frühstück, Tom biss gerade in sein Brötchen, sagte Franziska so ganz nebenbei: „Ich bin schwanger, das Kind ist nicht von dir.“

Tom war total perplex. Er konnte nicht kauen, nicht schlucken und den Bissen nicht ausspucken. Während Franziskas Worte immer wieder durch seine Gedanken rasten, löste sich der kleine Weizenklumpen in seinem Mund einfach auf.

Tom sprang so heftig vom Stuhl auf, dass er umfiel. Er stapfte mit harten langen Schritten über die Wiese, ratschte mit den Füßen durch Laubhäufchen, die unter seinen Tritten zerstoben.
„Scheiße, Scheiße, Scheiße!“, brüllte Tom die Worte gegen die Bäume.

In seinem Inneren kochte es. Er spürte die Wut wie eine heiße rote Flüssigkeit in sich aufsteigen. Die Welle lief seinen Bauch hinauf, über seine Brust, den Hals bis zu seinem Gesicht. Sie erreichte die Augen und Tom konnte es nicht mehr aufhalten. Tränen rannen über seine Wangen. Regelrechte Tränenströme. Tom konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal geweint hatte, aber er war sich sicher, dass es nie so heftig gewesen war. Der Anfall schüttelte seinen schlanken hochgewachsenen Körper.

„Ich wollte ein Kind mit ihr! Sie wollte ihre Freiheit, Karriere machen! Scheiße, verdammte Scheiße!“, schrie er, „und jetzt kriegt sie ein Kind von einem dahergelaufenen Idioten.“

Franziska hatte ihm erklärt, es wäre nur ein One-night-Stand gewesen, aber sie wollte das Kind behalten. Mit ihm oder ihn, es wäre seine Entscheidung.

Tom dachte an ihre Hochzeit vor drei Jahren. – Der schönste Tag im Leben – ein bitteres Lachen brach aus ihm heraus – so ist es wohl. Seitdem ist es stetig bergab gegangen und erreicht jetzt den Tiefpunkt. – Meine Entscheidung! –

Es war seine Entscheidung und sie fiel nicht zu Gunsten eines gemeinsamen Lebens mit Franziska aus.

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„Sommer“ von Ilse Kleberger

Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich für das folgende Gedicht entschieden habe. Es gibt so viele wunderbare Zitate, Gedanken, Sätze, Absätze, Gedichte oder einzelne Worte, die mich bewegen und nachdenklich machen. Auf das Gedicht „Sommer“ von Ilse Kleberger bin ich in einem Deutschbuch meiner Kinder gestoßen. Das muss so etwa 20 Jahre her sein:

Sommer

Weißt du, wie der Sommer riecht?
Nach Birnen und nach Nelken,
nach Äpfeln und Vergissmeinnicht,
die in der Sonne welken,
nach heißem Sand und kühlem See
und nassen Badehosen,
nach Wasserball und Sonnenkrem’,
nach Straßenstaub und Rosen.

Weißt du, wie der Sommer schmeckt?
Nach gelben Aprikosen
und Walderdbeeren, halb versteckt
zwischen Gras und Moosen.
Nach Himbeereis, Vanilleeis
und Eis aus Schokolade,
nach Sauerklee vom Wiesenrand
und Brauselimonade.

Weißt du, wie der Sommer klingt?
Nach einer Flötenweise,
die durch die Mittagsstille dringt,
ein Vogel zwitschert leise,
dumpf fällt ein Apfel in das Gras,
ein Wind rauscht in den Bäumen.
Ein Kind lacht hell,
dann schweigt es schnell
und möchte lieber träumen.

Ilse Kleberger

Das Gedicht ist für mich die Verkörperung eines perfekten Sommertages. Es lässt den Duft meiner Kindertage auferstehen. Ferien auf dem Dorf, Erdbeeren naschen, ins Freibad gehen mit Freunden, Wassereis in allen Regenbogenfarben, zu den Waldteichen spazieren gehen und durch die Tannenschonung kriechen.

Es ist unbeschwert und leicht, so wie mir mein Leben als Kind erschien. Vielleicht ist es auch nur Nostalgie. Ein Foto meiner Vergangenheit in Sepia getaucht. Alles Schlimme verschwindet hinter der Sehnsucht nach zu Hause.

Wenn ich das Gedicht lese, erscheint es mir, wie manche Lieder oder Bilder, die mein Leben begleiten, von denen ich nicht weiß, wann sie sich in mein Leben schlichen und plötzlich dazugehörten. Im Grunde gehörten sie schon immer dazu, auch wenn ich sie nicht von Anfang an kannte und sie erst Stück für Stück sammelte. Wie Teile eines Puzzles, die sich in den Jahren vermehren und am Ende mein ganzes Leben abbilden.

Es rührt mich tief. Es erzählt von einer Kindheit, die wir alle gerne gehabt hätten oder die wir unseren Kindern wünschen. Heil und ganz, fern aller Sorgen und Schrecken. An nichts denken, in den Tag hinein leben und mit dem Leben dahin schwimmen. Keine Termine, die uns drängen. Einfach dem Rhythmus der Tage folgen und in einer Hängematte unter schattigen Bäumen träumen.

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