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Posts Tagged ‘Bauch’

Mia hatte das Gefühl jemand würde ihr inwendig die Haut abziehen. Alles in ihrem Körper fühlte sich wund an. Sie hatte den Eindruck ihr Herz würde sich zu einem unbeweglichen, harten Klumpen verkleben und ihre Seele schrumpfte zu einem zerknitterten, unkenntlichen Etwas zusammen.

Es war also nur darum gegangen. Sie bedeutete ihm nichts. Er hatte sie genommen und benutzt. Das Gefühl aus ihr herausgesaugt. Darum war er ihr die ganzen Jahre ausgewichen, wenn sie ihn fragte, warum liebst du mich.

Er sagte die Worte, aber es waren nur Laute ohne Bedeutung. Mia glaubte ihm, wollte ihm glauben, nun verkehrte sich das Ganze ins Gegenteil. Dabei hatte sie sich damals geschworen, nie wieder würde sie einen Mann so sehr lieben, dass er ihr wehtun konnte. Es war ihr nicht gelungen.

Lieben konnte Mia nur ganz. Mit allem, was sie ausmachte. Sie hielt nichts zurück. Gab ihre Wünsche und Sehnsüchte preis, ihren Körper, ihre Kraft, ihre Fantasie. Nun ließ er sie zurück. Er hatte etwas Neues gefunden, das ihn nährte.

Alles in ihr begehrte auf. Übelkeit kroch durch ihren Bauch, hinauf in ihre Speiseröhre und ihren Rachen. Der Schmerz erfasste jede Zelle, jeden Gedanken. Ihr Kopf glühte und ihr Körper erzitterte unter einem Schüttelfrost.

Mia wollte nur noch schlafen, schlafen, nichts mehr denken, nichts mehr fühlen. Sie sehnte die Dunkelheit herbei, aber sie kam nicht. Wenn es kein Ende gab, stand sie wieder am Anfang. Sie wusste nicht wie, aber sie musste überleben.

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Das Musikstück für den folgenden Text ist von Ben Becker – „Ich will du sein“ – aus dem Rilke-Projekt (sehr zu empfehlen! 🙂 )

Er kommt. Groß, dunkel, kraftvoll. Das Licht der Straßenlaterne wirft seinen Schatten.
Soll ich laufen oder bleiben. Ich wende mich ab, will mein Heil in der Flucht suchen.
Er ruft nach mir. Nennt meinen Namen. Saugt ihn in seinen Rachen. Er ist es.
Ich schließe die Augen. Er steht hinter mir. Spüre seinen heißen Atem. Fließt in meinen Nacken, meine Wirbel.
Gänsehaut überstreift, fängt er mich in seinem Netz aus Melodie und Klang. Lauf, lauf, sagt die Stimme der Vernunft.
„Ich will du sein. Ich will aufgehen in dir.“
Seine tiefe samtige Stimme reibt sich gleich einer aufkommenden Brise über meine glühende Haut.
Lauf, lauf, schreit die Stimme der Vernunft.
„Ich will leise Träume träumen.“
Seine Lippen kosten meinen Hals.
Woher kennt er meine Wünsche. Wer verriet ihm meine Sehnsucht? War ich es selbst, die Herz und Seele bloßlegte?
„Ich will am Feuer deiner Augen 1000 leise Opfer anzünden.“
Seine fordernden Hände liegen auf meinen Hüften. Fingerkuppen verlangen ihren Preis.
„Ich will aufgehen in dir.“
Seine weiche, wilde Stimme dringt ohne Mühe in mich ein.
Bis zu meinem Herzen, meinem sehnsuchtskranken Herzen.
Mein gieriges wollüstiges Herz will mehr. Mehr von ihm. Mehr von seiner Stimme. Sie soll mir von Liebe sprechen.
„Ich will aufgehen in dir. Ich will du sein.“
Kann nicht gehen, kann nicht bleiben. Seine Stimme hat sich in meinen Bauch gegraben, mich genommen, jede Zelle besetzt.
Ich will alles. Kann nicht aufhören seinen Worten zu lauschen. Gebe seiner Stimme meinen Willen hin. Ich will ihn in seine Nacht begleiten, ihm gehören unter den einsamsten Sternen.
„Ich will aufgehen in dir. Ich will aufgehen in dir. Aufgehen in dir.“ Ich flehe ihn an.
„Es ist längst geschehen.“
Sein Mund nimmt mich ohne Gnade, ohne Reue. Nur er und ich. Aufgegangen ineinander.

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Der Anfangssatz lautete: Sam war sich nicht sicher, ob es ein gutes Zeichen oder das Zeichen einer kommenden Katastrophe war, aber er wusste, …

… dass gleich etwas Aufregendes geschehen würde. Er hatte es im Gefühl. Diese leise Vorahnung, die sich mit einem erregenden Kribbeln im Bauch ankündigte. Bis jetzt hatte er noch nie daneben gelegen. Sam lauschte. Eine Tür wurde aufgerissen, schlug zu. Dann hastete Misses Miller, Archers Sekretärin, schnellen Schrittes den Korridor entlang. Das Geräusch ihrer Pumps war schon von Weitem zu hören. Ein rhythmisches Klappern, vergleichbar dem spanischer Kastagnetten. Der Karren, mit dem der Hausbote die Post auslieferte, erinnerte Sam immer an einen alten Regionalzug, dessen Räder nicht ganz rund liefen und bei jeder Umdrehung einen dumpfen Ton von sich gaben.

„Hallo, Misses Miller“, Sam hatte sich von seinem Drehstuhl erhoben. Im Türrahmen blieb er stehen, „ist was passiert?“

„Ja. Schrecklich“, stieß sie im Vorbeilaufen atemlos aus.

„Was denn?!“, rief Sam hinter ihr her.

„Jetzt nicht. Später!“, wehrte sie mit einer Handbewegung ab und lief weiter.

Für einen kurzen Moment überlegte Sam, ob er ihr folgen sollte. Er bezwang sich. Nur nicht auffallen, sagte er sich. Nachdenklich ließ er sich wieder in seinem Bürostuhl nieder. Langsam drehte er sich um seine eigene Achse. Wer wusste am meisten und am schnellsten über alles bescheid? Misses Miller war mit Betsy aus der Buchhaltung befreundet. Die zwei gönnten sich nach der Arbeit oft noch einen Drink im Pub auf der anderen Straßenseite. Sam hatte sie ein paar Mal dort gesehen. Er griff zum Telefon wählte die 232. Das Freizeichen ertönte. Sam wartete. Betsy nahm nicht ab. Nach dem zehnten oder zwölften Tuten legte er auf.

Was soll`s, dachte er, früher oder später werde ich mitkriegen, was los ist. Er drehte sich wieder. Seine grauen Aktenschränke gelangten in sein Blickfeld. Dann die Tür zu seinem Büro, mit dem Poster gesuchter Krimineller und dem Aufruf, sich mit sachdienlichen Hinweisen bei der Polizei zu melden. Sein Kleiderständer, die Regale mit den Gesetzestexten, die Ecke mit der Kaffeemaschine, über der ein hässlicher Druck hing, den er von seinem Vorgänger übernommen hatte, dann das breite Fenster mit den senffarbenen Vorhängen.

Als er die komplette Runde gedreht hatte, hielt es ihn nicht mehr. Verdammt! Auffällig oder nicht, ich muss wissen, was vor sich geht. Er sprang auf, verließ sein Büro und folgte Misses Millers Spur. Hätte er geahnt, was ihn am Ende seines Weges erwartete, er hätte sein Büro niemals verlassen.

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Der Briefkasten ist grün. Ziemlich verbeult. An einigen Stellen ist die Farbe abgeplatzt, dort setzt sich Rost ab. Grün – Farbe der Hoffnung. Doch jeden Tag, wenn ich den kleinen silbernen Schlüssel in das Schloss stecke, enttäuscht er mich seit Tagen. Kein Brief von George. Er hat es versprochen und was er zusagt, hält er. George ist der zuverlässigste Mensch, den ich kenne. Das mag an seinem Namen liegen. George – ein alter Name mit Sicherheitsgarantie, Erde und Arbeit verschmolzen. Ein Landwirt lässt seine Heimat nicht im Stich.

Die Unruhe hat mich gepackt. Es muss etwas Schreckliches passiert sein. Ein Unfall oder ein anderes tragisches Schicksal hat ihn ereilt, weswegen George sich nicht meldet.

Ich höre den schweren Schritt meiner Nachbarin. Ihre schweren Holzclogs dröhnen durch den Hausflur. Klack, klack, klack. Ich eile die Stufen hinunter. Heute muss ein Brief von George dabei sein. Ich will vor ihr am Briefkasten sein. Sie soll nicht sehen, wie ich seinen Brief herausnehme und mich fragen: „Von wem haben sie denn Post bekommen?“, in dieser näselnd neugierigen Tonart.

Hastig öffne ich das grüne Maul. Es gibt nichts her, sein Bauch ist leer. Ich kämpfe die Tränen nieder.

„Na Kindchen wieder nichts?“, höre ich meine Nachbarin hinter mir.

Ich presse die Lippen zusammen, will nicht weinen. Ich schüttele den Kopf, wende mich ab und gehe zurück ins Haus. Wieder nichts. Die Enttäuschung zieht sich in mir zusammen, wie ein dickes schwarzes Knäul, dessen feine Fäden sich in jeden Winkel meines Körpers winden und mir die Freude heraussaugen. Es gibt nichts zu tun. Nur das Warten auf Morgen und die schwindende Hoffnung auf ein Lebenszeichen von George.

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