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Posts Tagged ‘Bach’

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Ich sitze im Schatten

Unter den Rosen

Es duftet nach Heu

Die Vögel schweigen

In der Mittagshitze

Nur der nahe Bach

Plaudert munter

 

Einmal noch Kind sein

Zeit Zeit sein lassen

Den Sommer leben

Ohne Fragen an Morgen

Sich dem Tag hingeben

Alles loslassen

Sich hin und her wiegen

Wie ein Schmetterling

Von Blüte zu Blüte treiben

Mit dem Sommerwind

 

Zwischen kühlen Laken

Die Nacht durchträumen

Mit den Plejaden tanzen

In der Weite des Himmels

Mit ihnen hinabstürzen

In den frühen Morgen

Eines neuen durchglühten Tages

Dieses endlos scheinenden Sommers

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Das Jahr fließt in den Herbst

Silbernebel schweben auf Feldern

Die Kiefern träumen schweigend

In der Stille des Morgens

Die an wilderen Tagen

Unter der Hand des Windes

Ihre Geschichten erzählen

 

Nur der Bach springt

Mit leisem Murmeln über Steine

Blaue Himmelsplitter ausgestreut

Achtlos vermischt mit Wolkenstückchen

Laub knistert unter Füßen

Es riecht nach Erde und Wasser

Spinnennetze behangen mit Perlentau

 

Nachdenklich wandere ich

Den Weg entlang ohne dich

Du bist nur Erinnerung

An einen fernen süßen Sommer

Der mich hoffen ließ

Doch wie das Jahr verweht

Gingst du leise ohne mich

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Es gibt so Schönes in der Welt

Daran du dich nie satt erquickst

Und das dir immer Treue hält

Und das du immer neu erblickst

Der Blick von einer Alpe Gart

Am grünen Meer ein stiller Pfad

Ein Bach, der über Felsen springt

Ein Vogel, der im Dunkel singt

Ein Kind, das noch im Traume lacht

Ein Sterneglanz der Winternacht

Ein Abendrot im klaren See

Bekränzt von Alm und Firneschnee

Ein Lied am Straßenzaun erlauscht

Ein Gruß mit Wanderern getauscht

Ein Denken an die Kinderzeit

Ein immer waches, zartes Leid

Das nächtelang mit seinem Schmerz

Dir weitet das verengte Herz

Und über Sterne schön und bleich

Dir baut ein fernes Heimwehreich.

                    Hermann Hesse, 1902

 

Die Worte Hermann Hesses sind nun schon 114 Jahre alt und haben nichts von ihrem Zauber und ihrer Wahrheit verloren.

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Ein sehr fiktiver Briefwechsel 😉

Liebste herzige Margarete,

du glaubst nicht, wen ich heute kennen gelernt habe! Wolfgang Amadeus Mozart! Er ist der rebellischste, talentierteste und bestaussehende Mann, den ich jemals gesehen habe. Ich weiß jetzt schon, dass ich ihn anbete und ich verrate dir kein Geheimnis, wenn ich dir hier verspreche, dass ich ihm zu Willen sein werde, wann immer er mich dazu auffordert. Oh, Liebste! Du musst bald zu Besuch kommen und ihn kennenlernen. Seine Konzerte sind einzigartig, niemand kann ihm das Wasser reichen.

1000 schwesterliche Küsse,
Deine Constanze

***

Meine herzliebste Constanze,

du weißt, wie sehr mir dein Glück am Herzen liegst und ich muss sagen, dass mich dein letzter Brief in Angst und Schrecken versetzte. Ich hörte das Gerücht, und du weißt, an jedem Gerücht ist ein Körnchen Wahrheit, dass Meister Mozart zwar wegen seiner Musik, wie unser seliger Bach gefeiert wird, aber sich im allgemeinen Umgang mit Frauen, wie ein wilder Stier benimmt und wie eine Biene von Blume zu Blume fliegt. Bitte meine Liebe, habe Geduld und wahre deine Unschuld, bis du dem Richtigen begegnest! Die Erfahrung zeigt, dass Musiker unstete, untreue Gesellen sind. Tu nichts unüberlegtes, meine liebe Constanze, ich werde dich aufsuchen, sobald Mutter mich entbehren kann.

In treuer Zuneigung
Deine Margarete

***

Liebe gute Margarete,

liebste Freundin, ich zweifele nicht an deinen besten Absichten für meine Ehre. Aber wenn du ihn gesehen hättest, dann würdest du nicht anders denken als ich. Sein sprühender Witz, seine außergewöhnliche Liebenswürdigkeit und diese seelentiefen Augen. Welche Frau könnte diesen herrlichen Charaktereigenschaften wiederstehen? Ich jedenfalls konnte es nicht. Als mich der Meister nach seiner letzten Oper, sie hieß die Zauberflöte, auf die Parkbank einlud, um mir die richtigen Flötentöne beizubringen, musste ich einfach Ja sagen. Er weckte eine Flamme in mir, die zur Feuersbrunst erwachsen ist. Oh, Margarete, ich muss dir soviel mitteilen und dir einiges beichten, was mir auf dem Herzen lastet. Ich bin mir sicher, der Herr Mozart wird mein Schicksal sein.

Ich vermisse dich und deinen überlegten Geist
Deine Constanze

***

Liebe Constanze,

ich las deinen Brief mit Erschauern. Konnte ich doch kaum atmen, angesichts der Entwicklung, die du mir berichtetest. Warum hat es denn dein Herr Mozart so eilig? Hat er nicht schon genug unerfahrene Mädchen ins Unglück gestürzt? Es muss ein übernatürlicher Zauber sein, der dir den Verstand geraubt hat. Constanze, ich flehe dich an, halte an dich. Ich werde im wilden Schweinsgalopp zu dir eilen und dir beistehen, deine keusche Jungfernschaft, oder das was davon noch übrig ist, zu bewahren. Ich folge dem Überbringer dieses Briefes auf dem Fuße.

Sei meiner Freundschaft versichert,

deine Margarete

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Die Natur ist beinahe zum Verzweifeln schön. So schön, dass es mir die Kehle zuschnürt. Tränen steigen mir in die Augen. Schönheit erfreut mich über alle Maßen. Gleichzeitig erfüllt sie mich mit Trauer. Sie macht mir bewusst, wie vergänglich alles ist. Besonders jetzt im Herbst.

Das Wasser des Baches springt gurgelnd über die Steine, Blätter schwemmen sich zu Dämmen auf. Der Wind streicht durch die Äste der Bäume, füllt sich mit dem Duft der Kiefernnadeln. Er reißt die letzten Blätter von den Obstbäumen. Die winzigen harten Äpfel liegen auf kleinen Haufen unter ihren rauen Stämmen. Die letzten Blüten leuchten wie bunte Perlen in der Sonne. Die Vögel jagen sich durch die entlaubten Baumkronen.

Ich atme, atme, atme. Sauge alles in mich hinein. Die kühle Luft, den aromatischen Duft aus Erde, Blättern, Wasser, das goldenen Licht des Herbstmorgens, das rauschen des Windes in den Tannen und das Murmeln des Baches unter den Weiden. Könnte es doch immer so sein. Zeitlos goldene Tage.

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Anmutig streckte Frau von Trauerweide ihre zart ergrünten Zweige dem im Sonnenlicht glitzernden Wasser entgegen und lauschte den leise gemurmelten Geschichten, die Herr Bach auf seinem stetigen Weg erzählte. Wenn die leichte Frühlingsbrise durch ihre Blätter säuselte, berichtete Frau von Trauerweide ihrerseits Herrn Bach die neusten Geschehnisse, die sich im Park zu getragen hatten, um sie ihrer Nichte, die weiter unten am Waldrand wuchs anzuvertrauen. Es gab immer etwas Neues. Familie Eichelhäher war umgezogen, in dem verwunschenen Garten der Herzogvilla, beste Wohnlage, und Familie Eichhörnchen erwartete Nachwuchs.

In diesem Frühling allerdings gab es etwas ganz Besonderes weiter zutragen. Ihre Nichte würde staunen. Mit einem sehnsuchtsvollen Seufzen teilte Frau von Trauerweide ihrem Herold die aufregende Nachricht mit. Herr Knorkeiche hatte sich endlich, endlich zu ihr gewendet und das Wort an sie gerichtet.

Wie viele Jahre hatte sie darauf gewartet. Schon als gertenschlankes Weidenstämmchen hatte sie einen leidenschaftlichen Blick auf die schneidige Eiche geworfen, die nur einige Schritte entfernt ihre Äste imposant in den Himmel streckte.

Die Jahre vergingen, aus ihrem Stämmchen wurde ein Stamm und auch Herr Knorkeiche nahm an Umfang zu. In den letzten Jahren war ihre Hoffnung, dass er sie bemerken würde, immer mehr geschwunden. Aber in jedem Frühling, wenn das Leben neu erwachte und Blumendüfte die laue Parkluft erfüllten, schlug auch Frau von Trauerweides Herz ein wenig schneller. Herr Bach lauschte ihrer Berichterstattung aufmerksam, gab nur dann und wann ein zustimmendes Gurgeln von sich.

„Bitte, mein lieber Bach, sagen sie meiner Nichte, dass er mich wegen meiner üppigen Äste ansprach. Mit nur einem ganz kleinen Knarzen, ja einem fast schon zärtlichen Knarren, bat er mich, sie in eine andere Richtung zu strecken, damit sein Stamm stärker von der Sonne beschienen werden könne.“

Gleichzeitig ging ein Zittern und Beben durch Frau Trauerweides empfindsames Geäst, dass diese unerwartete Aufregung hervor rief.

„Versprechen sie mir lieber Bach, vergessen sie keines meiner Worte“, wisperte Frau von Trauerweide.

„Wie könnte ich, wie könnte ich“, säuselte Herr Bach.

Er beeilte sich den Weg zum Waldesrand hinab zu fließen, um alles getreulich zu berichten. Frau von Trauerweide schaut derweil mit sehnsüchtigem Verlangen zu Herrn Knorkeiche.

„Ach, würde er mich doch bald wieder ansprechen … und nicht noch einmal so viele Jahre verstreichen lassen“, dachte sie und seufzte aus tiefstem Herzen.

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„Mama, Jörg will nicht aufhören zu rauchen!“  (Isa)

„Nur wenn du anfängst Gemüse zu essen.“  (Jörg)

„Na gut.“ (Isa)

„Ok, das ist ein Deal.“ (Ich)

„Ich hör aber trotzdem nicht auf.“ (Jörg)

„Siehste, da gehen wir beide den Bach runter.“ (Isa)

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Einmal links, dann wieder links und dann rechts. Ich stehe vor dem Löwenhaus. Es ist ungewöhnlich und doch schön. Auf der Mauer und hinter der Eingangspforte sitzen zwei große Löwen aus rose-anthrazit-farbenem Marmor. Die Pranken gehoben und mit offenem Maul. Vor der Haustür steht ein Mädchen, das aus einer Muschel Wasser in eine Schale laufen lässt. Ein ausgesprochen schönes Wasserspiel. Wenn man an der rosefarbenen Mauer entlang geht, kommt man zu einem Heckenstück, über das man in den Garten sehen kann. Dort steht ein runder Springbrunnen, der mit blauen glänzenden Fliesen ausgekleidet ist und mich an Spanien erinnert, daneben steht eine Bank. Ich würde dort gerne sitzen und dem Plätschern zuhören.

Das Löwenhaus besteht aus vielen verschiedenen Hausteilen, einem Türmchen, einem angebauten Carport und einer winzigen Gartenvilla. Ein Pferdeanhänger steht davor. Es hat einen Treppenaufgang, in Form eines Türmchens und weiße Holzgeländer. Es sieht aus wie eines dieser eleganten Südstaatenhäuser in Miniaturformat.

Wenn man um das Haus herum geht, kann man in den riesigen Garten, mit den Statuen, dem großen Springbrunnen und der Patchworkbauweise, sehen. Am Gartentor hängt ein Löwenkopf aus Metall, der einen großen Ring im Maul trägt. Für Hunde gibt es am Ende des Grundstücks eine Wasserstelle.

Das Haus sticht vor allen anderen heraus, bis auf das „Hakuna Matata“ Haus. Das erinnert mich immer an unsere Legohäuser. Ein großes Viereck unten, eine Reihe Dachsteine, dann ein kleineres Viereck oben aufgestockt. Und so viele Fensterelemente, wie ich verbauen konnte. Ich habe, glaube ich, meistens Häuser aus Legosteinen gebaut.

Es hat geregnet. Meine Nase wird mit Geruch geradezu überflutet. Es riecht nach nassem Gras, schwerer dunkler Erde, modrigem Holz und sterbenden Blüten. Lavendel und Rosen. Die Blätter der Büsche sehen aus wie frisch poliert und ich könnte einfach reinbeißen, nur der Gedanke sie könnten giftig sein hält mich zurück.

Ich höre das Plätschern des Nauheimer Baches. Der Weg aus Erde und Tannennadeln ist weich und elastisch. Jeder Fußtritt wird verschluckt. Die alten Bäume bilden mit ihren überhängenden Ästen eine grüne Höhle, und der Bach spielt seine Musik dazu. In manchen Abschnitten hört man es gurgeln, sprudeln, plätschern und gluckern. In anderen ist es ganz still. Ich bleibe stehen und lausche. Nur hier und da gibt ein Vogel ein Zwitschern von sich. Sie scheinen erschöpft von den vergangenen heißen Tagen und müssen neue Kräfte schöpfen, bevor sie wieder ihre Sinfonien erklingen lassen.

Einer unserer Nachbarn kommt mit zwei seiner Kinder und dem Hund vorbei. Der Hund ist hübsch, schwarz-weiß, aber etwas zottelig. Der Mann ist mir unheimlich. Unsympathisch kann ich nicht sagen, denn ich kenne ihn nicht, ich sehe ihn nur. Damals, als wir hier herzogen, da hatte er kurze Haare und sah ganz adrett aus, wenn man das so sagen kann. Im Laufe der Zeit hat er sich einen Zopf wachsen lassen und sieht sehr ungepflegt aus. Er ist etwa vierzig Jahre alt. Alles kein Grund für Unsympathie, aber wenn ich seine Frau sehe, die inzwischen das fünfte Kind hat und völlig ausgezehrt und grau aussieht, dann ist er mir unheimlich. Seine Frau habe ich noch nie lächeln gesehen. Ihre Kleidung hängt an ihr herab, ihre Augen sind riesig in dem knochigen Gesicht. Ein mit Haut überzogener Schädel. Ihre Kinder sind alle „normal“ im Sinne von Gewicht und Größe. Es ist, als ob sie sich auflöst, während die Kinder geboren werden und aufwachsen. Wie Schmarotzerpflanzen, die den Wirt immer weiter überwuchern, bis sie ihn irgendwann mit ihren Wurzeln und Fangarmen erstickt haben. Fühlt ein Baum den Schmerz? Kann er sich wehren? Ich habe von Bäumen gelesen, die gegen ihre Feinde bestimmte Substanzen entwickeln und sie dadurch vertreiben. Gut gemacht, Baum!

Hier am Nauheimer Bach stehen viele Baumarten. Pflaumenbäume mit lila, weißen Früchten und Pflaumenbäume mit kirschgroßen Früchten. Apfelbäume, Kirschbäume, Trauerweiden, Kiefern, Walnussbäume, Eichen, Kastanien und noch einige andere, die ich nicht kenne.

Vom Golfplatz her hört man dieses leise „Klack“, wenn die Golfer abschlagen. Der hohe Maschendrahtzaun, der von verschiedenen Schlinggewächsen überwuchert ist, trennt die Golfer von den übrigen Menschen. Sie sind auf der anderen Seite in ihrer geschlossenen kleinen Welt, von Bekannten und Gegnern sicher verwahrt, aber das stimmt nicht. Denn an einigen Stellen gibt es Löcher, kleinere und größere, durch die man ohne Probleme hindurchschlüpfen könnte. Das weiße Clubhaus sieht wie eine afrikanische Villa aus. Aus Holz, mit riesiger überdachter Terrasse, Korbmöbeln. Alles sehr stilvoll, gepflegt, vorhersehbar. Ich bleibe lieber auf der anderen Seite, in der grünen, aufregenden Höhle.

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Einmal links, dann wieder links und dann rechts. Ich stehe vor dem Löwenhaus. Es ist ungewöhnlich und doch schön. Auf der Mauer und hinter der Eingangspforte sitzen zwei große Löwen aus rose-anthrazit-farbenem Marmor. Die Pranken gehoben und mit offenem Maul. Vor der Haustür steht ein Mädchen das aus einer Muschel Wasser in eine Schale laufen lässt. Ein ausgesprochen schönes Wasserspiel. Wenn man an der rosefarbenen Mauer entlang geht, kommt man zu einem Heckenstück, über das man in den Garten sehen kann. Dort steht ein runder Springbrunnen, der mit blauen glänzenden Fliesen ausgekleidet ist und mich an Spanien erinnert, daneben steht eine Bank. Ich würde dort gerne sitzen und dem Plätschern zuhören.

Das Löwenhaus besteht aus vielen verschiedenen Hausteilen, einem Türmchen, einem angebauten Carport und einer winzigen Gartenvilla. Ein Pferdeanhänger steht davor. Es hat einen Treppenaufgang, in Form eines Türmchens und weiße Holzgeländer. Es sieht aus wie eines dieser eleganten Südstaatenhäuser, in Miniaturformat.

Wenn man um das Haus herum geht, kann man in den riesigen Garten, mit den Statuen, dem großen Springbrunnen und der Patchworkbauweise, sehen. Am Gartentor hängt ein Löwenkopf aus Metall, der einen großen Ring im Maul trägt. Für Hunde gibt es am Ende des Grundstücks eine Wasserstelle.

Das Haus sticht vor allen anderen heraus, bis auf das „Hakuna Matata“ Haus. Es erinnert mich immer an die Legohäuser, die ich als Kind baute. Ein großes Viereck unten, eine Reihe Dachsteine, dann ein kleineres Viereck oben aufgestockt. Und so viele Fensterelemente wie ich verbauen konnte. Ich habe, glaube ich, aus Legosteinen meistens Häuser gebaut.

Es hat geregnet. Meine Nase wird mit Geruch geradezu überflutet. Es riecht nach nassem Gras, schwerer dunkler Erde, modrigem Holz und sterbenden Blüten. Lavendel und Rosen. Die Blätter der Büsche sehen aus wie frisch poliert und ich könnte einfach hinein beißen, nur der Gedanke sie könnten giftig sein hält mich zurück.

Ich höre das Plätschern des Baches. Der Weg aus Erde und Tannennadeln ist weich und elastisch. Jeder Fußtritt wird verschluckt. Die alten Bäume bilden mit ihren überhängenden Ästen eine grüne Höhle, und der Bach spielt seine Musik dazu. In manchen Abschnitten hört man es gurgeln, sprudeln, plätschern und gluckern. In anderen ist es ganz still. Ich bleibe stehen und lausche. Nur hier und da gibt ein Vogel einen Zwitschern von sich. Sie scheinen erschöpft von den vergangenen heißen Tagen und müssen neue Kräfte schöpfen, bevor sie wieder ihre Sinfonien erklingen lassen.

Einer unserer Nachbarn kommt mit zwei seiner Kinder und dem Hund vorbei. Der Hund ist hübsch, schwarz-weiß, aber etwas zottelig. Der Mann ist mir unheimlich. Unsympathisch kann ich nicht sagen, denn ich kenne ihn nicht, ich sehe ihn nur. Damals, als wir hier her zogen, da hatte er kurze Haare und sah ganz adrett aus, wenn man das so sagen kann. Im Laufe der Zeit hat er sich einen Zopf wachsen lassen und sieht ungepflegt aus. Er ist etwa vierzig Jahre alt. Alles kein Grund für Unsympathie, aber wenn ich seine Frau sehe, die inzwischen das fünfte Kind hat und völlig ausgezehrt und grau aussieht, dann ist er mir unheimlich. Seine Frau habe ich noch nie Lächeln gesehen. Ihre Kleidung hängt an ihr herab, ihre Augen sind riesig in dem knochigen Gesicht. Ein mit Haut überzogener Schädel. Ihre Kinder sind alle „normal“ im Sinne von Gewicht und Größe. Es ist als ob sie, sich auflöst, während die Kinder geboren werden und aufwachsen.

Wie Schmarotzerpflanzen, die den Wirt immer weiter überwuchern, bis sie ihn irgendwann mit ihren Wurzeln und Fangarmen erstickt haben. Fühlt ein Baum den Schmerz? Kann er sich wehren? Ich habe von Bäumen gelesen, die gegen ihre Feinde bestimmte Substanzen entwickeln und sie dadurch vertreiben. Gut gemacht, Baum!

Hier am Bach stehen viele Baumarten. Pflaumenbäume mit lila, weißen Früchten und Pflaumenbäume mit kirschgroßen Früchten. Apfelbäume, Kirschbäume, Trauerweiden, Kiefern, Walnussbäume, Eichen, Kastanien und noch einige andere, die ich nicht kenne.

Vom Golfplatz her, hört man dieses leise „Klack“, wenn die Golfer abschlagen. Der hohe Maschendrahtzaun, der von verschiedenen Schlinggewächsen überwuchert ist, trennt die Golfer von den übrigen Menschen. Sie sind auf der anderen Seite in ihrer geschlossenen kleinen Welt, von Bekannten und Gegnern, sicher verwahrt, aber das stimmt nicht. Denn an einigen Stellen gibt es Löcher, kleinere und größere, durch die man ohne Probleme hindurch schlüpfen könnte. Das weiße Clubhaus sieht wie eine afrikanische Villa aus. Aus Holz, mit riesiger überdachter Terrasse, Korbmöbeln. Alles sehr stilvoll, gepflegt, vorhersehbar. Ich bleibe lieber auf der anderen Seite, in der grünen, aufregenden Höhle.

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