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Posts Tagged ‘Auto’

Das Jahr 1965

Die folgenden Informationen stammen von der interessanten Seite http://www.was-war-wann.de/. Dort kann jeder sein Geburtsjahr oder Jahrzehnt wählen und verschiedenste Infos abrufen. Meistens erinnert man sich wohl ehr nicht an sein Geburtsjahr, sondern die Jahre in denen wir bewusst wurden – Weltgeschehnisse sind da meistens eher zweitrangig, es sei denn sie sind von erschreckenden Ausmaßen. Das Interesse bezieht sich meistens auf das nähere Umfeld. Familie, Schule, Freunde, Hobbys.

In dem Artikel über Astrid Lindgren wird hervorgehoben, dass Wärme, Menschlichkeit und Toleranz im Mittelpunkt ihrer Geschichten stand, sie ihr Anliegen: das Erzählen von Geschichten, aber nicht aus den Augen verlor. Das gefällt mir sehr.

Geschichten erzählen finde ich sehr spannend. In meinen Geschichten geht es sehr oft um Freundschaft, die alles durchsteht, dass das Innere zählt und nicht das Äußere, und ein Happy End in der Liebe.

 Als ich die Liste der beliebtesten Vornamen las, war ich ganz froh, dass meine Eltern sich nicht daran gehalten haben, auch wenn ich als Kind gerne einen anderen Namen gehabt hätte. Mit Caroline bin ich sehr zufrieden.

Gilbert Bècauds Song Nathalie mag ich übrigens auch sehr – er hat was Melancholisches. Außerdem ist er eine Liebesgeschichte, wenn ich das Lied höre, habe ich viele Bilder im Kopf.

Schlagzeilen

Artur Fischer erfindet Fischertechnik.
Der Wiederaufbau des Bergdorfes Bardou wird begonnen.
Die deutsche Hard-Rock-Band Scorpions wird gegründet. Ebenso wie Pink Floyd.
Erstmals wird der Krawattenmann des Jahres gewählt
Wolf Biermann wird in der DDR erstmals mit Auftrittsverbot bestraft.
Arno Penzias und Robert Woodrow Wilson entdecken die kosmische Hintergrundstrahlung
Die Antibabypille kommt in der DDR auf den Markt
Entwicklung des Sailwing, des ersten Gleitschirms.

Benzinpreise

Der Spritpreis 1965 lag im Durchschnitt bei 0,58 DM pro Liter. Der Liter Diesel kostete im Schnitt 0.52 DM pro Liter.

Auto des Jahres: Der Austin 1800

Nobelpreisträger 1965

Nobelpreis Physik: Richard Feynman, Julian Schwinger und Shinichirō Tomonaga
Nobelpreis Chemie: Robert B. Woodward
Nobelpreis Medizin: François Jacob, André Lwoff und Jacques Monod
Nobelpreis Literatur: Michail Scholochow
Friedensnobelpreis: UNICEF – Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen

Dies und Das

Der Besuch, den die britische Königin Elizabeth II. der Bundesrepublik Deutschland im Frühjahr 1965 abstattete, war nicht nur ein Medienereignis ersten Ranges, sondern auch eine versöhnliche Geste von britischer Seite. Zwischen diesem und dem letzten Besuch eines Monarchen Großbritanniens in Deutschland lagen zwei Weltkriege. Die BRD bestand erst 16 Jahre und verkraftete diesen Staatsbesuch souverän, auch wenn er an Pracht kaum zu übertreffen war und somit auch enorme Kosten verursacht hatte. Im selben Jahr starb Winston Churchill, der heute als der bedeutendste, britische Politiker des 20. Jahrhunderts gilt.

Er war eine internationale Berühmtheit und war ein Leben lang sehr viel Anerkennung zuteil geworden: der Friedensnobelpreisträger, der Arzt, Philosoph und Organist Albert Schweitzer. In diesem Jahr starb er 90-jährig in Lambaréné im afrikanischen Gabun.

Erstmalig sprach ein Papst vor der Generalversammlung der UNO. Die Rede von Papst Paul VI. war ein Friedensappell an die Welt und so Aufsehen erregend, dass sie als eine der bemerkenswerten Reden der 20. Jahrhunderts in die Geschichte einging.

Während in der DDR der Regimekritiker Wolf Biermann mit der Tragik eines Auftrittsverbotes zu kämpfen hatte, hatten die Menschen in Pakistan ihren Kampf gegen einen Wirbelsturm bereits im Ansatz verloren. Es starben etwa 30.000 Menschen.

Beliebteste Vornamen

Mädchennamen:
Claudia, Susanne, Petra, Andrea, Martina, Silke, Kerstin, Bettina, Birgit, Heike, Kathrin, Barbara
Jungennamen:
Thomas, Andreas, Michael, Torsten, Frank, Stefan, Matthias, Ralf, Jens, Christian, Martin, Peter

Rock Hits 1965 Musikcharts

Rolling Stones – Satisfaction
Petula Clark – Downtown
Sam The Sham & The Pharaos – Wooly Bully
The Byrds – Mr. Tambourine Man
The Beatles – Help
Casey Jones & The Governors – Don´t Ha Ha
Five Tops – Rag Doll
Nini Rosso – Il Silenzio
Sonny & Cher – I Got You Babe
The Rolling Stones – The Last Time
The Beatles – I Feel Fine
Wanda Jackson – Santo Domingo
Shirley Bassey – Goldfinger
France Gall – Poupée De Cire Poupée De Son
The Beatles – Rock & Roll Music
The Renegades – Cadillac
Casey Jones & The Governors – Jack The Ripper
The Supremes – Stop In The Name Of Love
The Rainbows – My Baby Balla Balla
Beatles – Yesterday
Barry McGuire – Eve Of Destruction
Beatles – Ticket To Ride
Rolling Stones – Get Off Of My Cloud
Mikis Theodorakis – Zorba le Grec
The Animals – House Of The Rising Sun

Manfred Mann – Do Wah Diddy Diddy
Chris Andrews – Yesterday Man
Beatles – Eight Days A Week
Beach Boys – Help Me Rhonda
Gilbert Bècaud – Nathalie
Renegades – Cadillac
Lords – Shakin‘ All Over
Bob Dylan – Like A Rolling Stone
The McCoys – Hang On Sloopy
Searchers – Goodbye My Love
Supremes – Baby Love
Tony Sheridan – Skinny Minnie
Rolling Stones – Little Red Rooster
Lords – Poor Boy
Herman’s Hermits – Mrs. Brown You’ve Got A Lovely Daughter
Sam The Sham & The Pharaohs – Ju Ju Hand

Erfolgreichste Filme 1965

Doktor Schiwago
James Bond – Feuerball
Die phantastische Reise
Wer hat Angst vor Virginia Woolf ?
Cincinnati Kid

Literatur 1965

Im Jahr 1965 erhielt die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren den Schwedischen Staatspreis für Literatur für ihr literarisches Werk, das mittlerweile eine Gesamtauflage von über 450 Millionen Büchern umfasst, wodurch sie eine der bekanntesten Kinderbuchautorinnen weltweit ist.

Die Schriftstellerin, die im Jahr 1994 auch den Alternativen Nobelpreis erhielt, schuf unsterbliche Figuren der Kinderliteratur wie den frechen Michel von Lönneberga, die ebenso starke wie mutige und selbstbestimmte Pippi Langstrumpf oder den jugendlichen Meisterdetektiv Kalle Blomquist.

Die bei Vimmerby in Schweden geborene Astrid Lindgren verlebte eine überaus glückliche und idyllische Kindheit auf dem Land, die sie im Nachhinein immer wieder als prägend für den Grundtenor ihrer Bücher angab.

Die Werke der schwedischen Kinderbuchautorin sind geprägt von Menschlichkeit und Toleranz, die Figuren sind trotz aller menschlichen Schwächen und Konflikte durchweg ausgezeichnet durch ihre Güte, ihre Hilfsbereitschaft und Lebensfreude.

Dennoch steht in ihren Büchern stets die Lust am Erzählen, die Freude am Berichten der kleinen Ereignisse im Leben ihrer Figuren am Vordergrund, pädagogische und didaktische Absichten treten zurück hinter der Stimmigkeit der Geschehnisse. Auch sind es in Lindgrens Werken weniger die großen Entwürfe, die welthaltigen Geschichten, die Millionen von Kindern entzückten und noch heute entzücken; es ist die Welt im Kleinen, die Idylle des Alltags, welche die Lektüre der Bücher zu prägenden Kindheitserlebnissen macht. Die Freuden eines Sommertags, das Spiel in Wald und Wiesen, die Ereignisse in den Ferien oder der lang ersehnte Geburtstag finden Eingang in die erzählerische Welt und sorgen für hohes Identifikationspotential bei den Kindern, an die sich die Werke der schwedischen Autorin ausdrücklich richten.

Dennoch wagte sich Astrid Lindgren auch an tiefgründige und nachdenklich stimmende Themen heran wie den Tod, den sie in ihrem Roman „Die Brüder Löwenherz“ als Reise in ein fernes, fremdes Land beschreibt, in dem es zahlreiche Abenteuer wider das Diktat der Gewalt und Unmenschlichkeit zu bestehen gilt.

Astrid Lindgrens Bücher zählen zu Recht zu den meistgelesenen Kinderbüchern der Welt, sie vermitteln Wärme, Menschlichkeit und Toleranz und vergessen dabei nie ihr eigentliches Anliegen: das Erzählen von Geschichten.

 

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Reisetasche, Henkel, Flasche, Verabredung, schwarz, Wanderung

In der letzten zwei Wochen passierten so viele kleine und große Katastrophen, dass ich das Gefühl habe unter einer großen schwarzen Wolke zu leben. Darum wehrte ich mich mit Händen und Füßen gegen die Wanderung durch den Green Forrest. Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören und die Verabredung absagen sollen.

Das erste Missgeschick geschah bevor ich das Haus verließ. Der Henkel meiner neuen Reisetasche riss ab, sie rutschte mir aus der Hand und fiel zu Boden. Auf der Fahrt zum Hotel, dass die Basis unseres Ausflug bildete, platzte mir eine bei einer Pause auf dem Rastplatz eine Mineralwasserflasche. Ich stand in nasser Hose und Shirt da.

Sandy schüttelte nur den Kopf.

„Wie viel Pech kann ein Mensch eigentlich haben“, sagte sie und sah mich mitleidig an.

„Die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Danke, dass du mich noch mal darauf hinweist“, antwortete ich gereizt.

„Du bist aber schlecht drauf“, maulte sie mich an.

„Bin ich auch! Und du musst nicht noch in meiner Wunde bohren.“

„Ich bohre nicht! Ich bekunde Mitgefühl!“

„Darauf kann ich verzichten. Ich sollte gar nicht hier sein, sondern in meiner gemütlichen Stube auf dem Sofa.“

„Dann hau doch ab!“, schrie sie, ließ den Motor an und fuhr los.

So stehe ich plötzlich irgendwo in der Pampa, kein anderes Auto weit und breit, und mein Handy in meiner Tasche in Sandys Auto. Super!

Gut, ich gebe zu, man soll die Hand, die einen füttert nicht beißen, aber das nächste Mal fahre ich mit meinem Auto. Wenn einer wegfährt, dann bin ich das.

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„Ich habe das Gefühl, der Mann, auf dem Plakat an der Wand dort drüben, starrt mich an.“

Biene legte den Kopf schief und machte einen Schritt zurück.

„Ach Bienchen, aus dir spricht der Alkohol.“ Mary lachte und zog sie sanft am Arm hinter sich her. „Wir sind gleich beim Auto. Heute Nacht wirst du schlafen wie ein Stein.“

„Doch echt! Die Augen bewegen sich. Wirklich“, nuschtelte Biene.

Mary schüttelte den Kopf, warum müssen sich die Leute immer so volllaufen lassen. Sie seufzte. Manchmal wünschte sie sich, sie könnte den Reiz dahinter erkennen. Doch in Situationen, wie dieser, wusste sie, dass sie niemals in diesen Zustand kommen wollte. Gekonnt buxierte Mary die brabbelnde Biene auf den Beifahrersitz und schnallte sie sorgfältig an.

„Plakataugen, die einen anschauen“, murmelte sie und wendete sich vorsichtshalber noch einmal dem Plakat zu. Sie konnte nichts Auffälliges erkennen. „Nichts. Wie könnte es auch anders sein.“

Mary stieg ein und startete den Motor. Die Augen des Mannes auf dem Plakat registrierten jede ihrer Bewegungen.

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Ein/e Ex-Freund/in, ein Fernglas und Glück

Sanne hatte das Auto so geparkt, dass sie den Eingang von Andreas Haus mit dem Fernglas gut erkennen konnte. Von Martin war nichts zu sehen, aber Sanne hatte das ungute Gefühl, dass er bei ihr war, auch wenn er gestern alles geleugnet hatte. Martin vermied es im Allgemeinen Überstunden zu machen, er wollte seinem Chef kein Geld in den Rachen werfen, und nun schon das zweite Mal diese Woche.

Sanne wollte ihre Observation beenden, immerhin lag sie schon seit mehr als zwei Stunden auf der Lauer, da sah sie ein Pärchen auf der anderen Straßenseite. Das könnten sie sein, schoss es ihr durch den Kopf. Sie richtete das Fernglas aus. Die Frau war nicht Andrea. Sanne wollte erleichtert aufatmen, als sie Martin erkannte. Also doch, Wut stieg in ihr auf, Sanne betrachtet die Frau genauer. Verdammt! Es war nicht Andrea, sondern Ina, Andreas kleine Schwester.

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Diese Texte entstanden aus einer launigen Idee heraus, einen kleinen Schreibmarathon mit mir selbst zu veranstalten. Die Anfangssätze der Texte habe ich auf meiner „Schreiberlebentipps“ Seite unter „Kleiner Schreibmarathon“ gepostet. Also für alle die Spaß haben: lasst euch Inspirieren. 🙂

1. Eines Tages beschloss ich ..

Eines Tages beschloss ich von zu Hause fortzugehen. Ich hatte es nicht geplant oder von langer Hand vorbereitet. Es geschah einfach so. Wie bei einem Schuh, bei dem man die Schnürsenkel zu bindet. Eine ganz alltägliche Handlung. Der Grund, der mich zu diesem Entschluss führte, war alles andere als gewöhnlich.

Ich stand morgens früh auf, wie jeden Tag. Wusch mich, zog mich an, schnürte mir die Schuhe und nahm meinen Rucksack für die Uni. Englische Literatur, Kunstgeschichte, Soziologie. Auf dem Weg in die Küche, um mir meine Brote und die Thermoskanne mit Kaffee zu holen, hörte ich auffallende Laute aus dem Wohnzimmer. Wachsam näherte ich mich der Tür. Durch die Milchglastür sah ich bunte Lichter aufleuchten. Sacht drückte ich die Tür auf und warf einen Blick hinein. Ich traute meinen Augen nicht. In der Mitte unseres Wohnzimmers tanzte eine Art Windhose aus Lichtern.

Bis zu diesem Zeitpunkt glaubte ich nicht an paranormale Phänomene. Dieser Wirbelsturm aus Leuchten und glitzerndem Staub ändere meine Meinung schlagartig. Mein erster Gedanke war Nimmerland. Peter Pan und Tinkerbells Feenstaub. Dann fiel mir Dr. Who ein. Aber das war natürlich Unsinn. Ein Kindermärchen und eine TV-Serie. Wo gibt`s denn so was? Zumindest DR. Who konnte es auf keinen Fall sein, der war mit einer blauen Telefonzelle unterwegs.

Bedächtig näherte ich mich der Erscheinung. Ich streckte meine Hand aus. Sofort bewegte sich der Wirbel von mir weg. Ich machte einen Schritt darauf zu. Er wich weiter zurück. Ich blieb stehen und wartete. Nach einer Weile rückte er wieder näher. Ich wartet, atmete ruhig ein und aus. Der Wirbel begann mich zu umkreisen, als nähme er Maß.

Plötzlich wurde er an einer Stelle durchsichtig, als ginge ein Fenster auf. Gebannt starrte ich auf die Öffnung.
Ohne nachzudenken, machte ich einen Schritt nach vorn und verließ mein Zuhause.

2. Ihre Handtasche schien mit … gefüllt zu sein.

Sandras Handtasche schien mit einem Trödelladen gefüllt zu sein. Es gab nichts, dass sie nicht dabei hatte. Zumindest schien es ihren Freundinnen so. Tatsächlich war die Fülle ein Schrei nach Hilfe. Eine Art Schutzpanzer aus Dingen, statt aus Fett. Tatsächlich brachte sie mit ihrer Handtasche im letzten Jahr einen Räuber zur Strecke. Ironie des Schicksals – einen Handtaschendieb.

Sandra verfügte über Dinge für jede Not, in jeder Lebenslage. Taschenmesser, Pflaster, Löffel, Thermobecher, Notizzettel, Stifte, Strumpfhosen, Tampons, Binde, Kondome, Sonnenbrille, Brillenputztuch, Cremes, Busfahrkarten, Fahrpläne, Handy, Zeitung, Schlüssel, Geldbörse, Bürste, Einmal-Handschuhe, Bonbons, Zahnbürste, Fotoapparat, Briefmarken, Postkarten, usw. usw.

Allerdings war nichts von den Dingen in ihrer Tasche geordnet. Bevor Sandra eins ihrer Notfallgadgets finden konnte, war der Grund für die Nutzung oft schon wieder behoben. Das Chaos ihrer Handtasche setzte sich in ihrer Wohnung, in ihrem Leben, in ihrem Herzen fort.

Sandra füllte Terminkalender und kam trotzdem meistens zu spät. Listen mit Wünschen und Zielen zierten ihre Kühlschranktür, ohne dass sie diese jemals erreichte. Sandra träumte und fantasierte, aber das hinderte sie daran, sich tatkräftig für das echtes Leben einzusetzen und ihre Sehnsüchte wahr zu machen.

Doch wie in allen guten Märchen kommt irgendwann der Punkt, an dem das Schicksal ein Einsehen hat und der Prinzessin einen Retter schickt. Sandra wurde von einem unaufmerksamen Raucher gerettet, der seinen glimmenden Stängel mit einem Schnipsen in Sandras Tasche versenkte. Sie fing Feuer, und ehe Sandra sich versah, verwandelte sich ihr Notfallkoffer in Asche und Rauch. Der Brodem verzog sich.

„Entschuldigen sie, darf ich sie zu einem Kaffee einladen?“, fragte der Verursacher des Brandes.

„Das ist das Mindeste“, sagte Sandra und lächelte.

3.Die Party war ein Desaster …

Die Party war ein einziges Desaster. Es fing damit an, dass Molly mich auf die Laufmasche aufmerksam machte, die sich an meiner linken Wade hinaufschlängelte. Da standen wir allerdings längst auf dem roten Teppich und ich hatte keine Gelegenheit sie gegen eine intakte einzutauschen. Was kein großes Manko war, denn die Reporter beachteten mich nicht. Wie auch? Ich habe schließlich nur das Drehbuch geschrieben. Bevor jemand Notiz von mir nimmt, müsste ich erst den Oskar gewinnen. Die Aussicht darauf ist wie ein Sechser im Lotto plus Zusatzzahl.

Ich durfte froh sein, überhaupt an dieser Party teilzunehmen. Der Regisseur meines Drehbuches hatte aus einem, mir rätselhaften, Grund einen Narren an mir gefressen und mir zwei Einladungen zu kommen lassen.

Also huschten Molly und ich an den posenden Stars und Sternchen vorbei in den Veranstaltungssaal. Dabei stieß ich äußerst unglücklich mit dem Schauspieler T.W. zusammen. Bei unserem Crash verschüttete er den Inhalt seines Sektglases über ein spindeldürres It-Girl. Sie trug eine handbreit Stoff, der ihre Knochen mit dem Silikon getunten Busen zusammenhielt. Die Promibrause darauf ließ sie wie eines von diesen Wet-T-Shirt-Girlies aussehen. T.W. nahm das Spektakel recht humorvoll. Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen.

Girlie bekam meinen Ausbruch von Heiterkeit in den falschen Hals und stürzte sich wie eine Furie auf mich. Ich habe es T.W. zu verdanken, dass sie mir keinen physischen Schaden zu fügte. Er schaffte es, mich aus ihren magersüchtigen Krallen zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Bei dieser Hop-oder-Top-Aktion verlor ich Molly.

Es dauerte drei Tage, bis ich sie wieder fand. Es erwies sich als Vorteil für mich, das T.W. mich auf meiner Suche tatkräftig unterstützte. Ohne diese Katastrophe hätte ich ihn nie so gut kennengelernt.(Von mir erfahren sie nichts. Ich bin diskret in Liebesdingen.)

Der Stoff, aus dem Hollywoodträume sind. Und ehrlich, es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass man sie nicht erfinden kann. Wenn ich für das Drehbuch keinen Oskar kriege, dann weiß ich es auch nicht.

4.Das Auto raste …

Das Auto raste mit überhöhter Geschwindigkeit über die regennasse Landstraße. Die Musik im Innenraum übertönte die dröhnenden Motorengeräusche. Adrenalin rauschte durch Sams Adern. Sein Herzschlag dröhnte in seinen Ohren. Er hatte das Gefühl nicht atmen zu können. Gierig sog er die Luft ein, seine Finger krampften sich um das Lenkrad.

Elena betrog ihn. Mit seinem besten Freund. Es war beinahe direkt unter seinen Augen geschehen. Ben war nicht nur sein Freund, sondern auch sein Partner. Sam kannte Ben seit Kindertagen. Nie hatte es einen Streit zwischen ihnen geben, sogar bei Meinungsverschiedenheiten war es ihnen möglich einen Konsens zu finden.

Und jetzt das! Ben hatte Sam das Kostbarste genommen, dass er besaß: Elena und das Vertrauen in den Menschen, den er so gut kannte wie sich selbst. Jedenfalls hatte er das gedacht, bis zu diesem Tag.

Sam besuchte ein Seminar. Vom Ausfall der Veranstaltung erfuhr er erst, als er vor Ort eintraf. Der Seminarleiter hatte einen Herzinfarkt erlitten. Nach einem Kaffe trat Sam den Heimweg an. Er freute sich über das freie Wochenende. So konnte er Zeit mit Elena verbringen. Das war in den letzetn Wochen zu kurz gekommen. Sam kaufte Konfekt und Blumen. Elena liebte rosa Rosen.

Als er vor dem Haus parkte, wunderte er sich, dass Bens Auto vor der Tür stand. Erst vermutete Sam, dass Elena etwas zugestoßen sei, aber als er die Haustür öffnete, sah er Kleidungstücke eines Mannes und seiner Frau im Flur liegen. Musik drang aus dem Schlafzimmer zu ihm herunter. Das war ihre Musik. Elena empfing ihn manchmal damit und in Spitzendessous. Wie von einem Magneten gezogen, stieg er die Treppe hinauf und stieß die Schlafzimmertür auf. Da waren sie. Ben und Elena. Ineinander verschlungen. Elena mit geschlossenen Augen bog sich Ben entgegen, so wie sie es tat, wenn Sam sie liebte. Sie stöhnte leise, während Ben ihren Hals küsste.

Reglos stand Sam da. In seinem Kopf schrie eine Stimme, wie ein Orkan, ohne das ein Laut über seine Lippen kam. Der Schmerz war so elementar, dass sein Inneres erstarrte. Sam drehte sich um und ging. Stieg in seinen Wagen und fuhr los.

5.Ich kann es kaum erwarten nach Hause zu gehen und …

Ich kann es kaum erwarten nach Hause zu gehen und die Welt draußen auszuschließen. In meiner Tasche trage ich ein neues Buch mit mir. Heute war ich im Buchantiquariat von Herrn Meister, stöbern. Er hatte gerade einige neue Kisten randvoll mit alten Büchern bekommen und ließ mir die erste Wahl. Stundenlang kann ich mich durch die alten Wälzer wühlen, ohne Müde zu werden.

Ich wurde fündig. Eigentlich werde ich das jedes Mal. Ich gehe nie ohne Buch nach Hause. Herr Meister weiß, welche Bücher ich bevorzuge und legt mir oft Exemplare zurück, von denen er ahnt, dass sie mir gefallen.

Heute habe ich ein Buch gefunden, von dem ich nicht dachte, dass es überhaupt existierte. Ich las einige Mal in anderen alten Schriften davon, hielt es aber für einen Mythos. Auch Herr Meister hielt die Existenz dieses Buches für unwahrscheinlich, als ich ihm von meinen Forschungen berichtete. Er selbst hat sein ganzes Leben danach gesucht und es nicht ausfindig machen können.

Nun war es mir in die Hände gefallen. Zwischen alten Klassikern aller Couleur lag ein Band aus schwarzem Leder. Vorsichtig nahm ich es aus der Kiste. Als ich die goldenen Lettern auf dem Umschlag las, wusste ich sofort: Das ist es!

Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich es heimlich in meine Tasche gleiten ließ. Den Anflug von schlechtem Gewissen, Herrn Meister gegenüber, unterdrückte ich mit dem Gedanken, dass ich das Buch nur leihen wollte. Wenn ich es gelesen habe, werde ich es Herrn Meister zurückgeben.

Das Verlangen es zu lesen ist so übermächtig, dass nichts anderes eine Rolle spielt. Da ist nur der ein obsessive Gedanke: Wissen zu erlangen. Eine Euphorie, die ich noch nie verspürt habe. Ich bin auserwählt! Das Schicksal hat mir das Buch in die Hände gelegt. Ich bin diejenige, die in die Mysterien der nichtsstofflichen Welt eintaucht und unschätzbare Erkenntnisse erlangen wird, die seit Tausenden Jahren verborgen sind.

Teil 2 folgt Freitag 🙂 . Donnerstag ist wieder „Nachtarbeit“ angesagt.

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Ich habe Angst. Es ist schwärzeste Nacht, wolkenverhangen und stürmisch, als das Auto mit quietschenden Reifen im Hof der Abtei hält. Der schweigsame Chauffeur öffnet den Fond, lässt mich aussteigen, stellt meinen Koffer neben mir ab, steigt wieder in sein Vehikel und fährt weiter.
Meine Angst erreicht langsam die Panikstufe. Sollte mein Onkel tatsächlich Recht behalten? Nein, ich werde diesen Auftrag zu aller Zufriedenheit ausführen. Es ist meine Chance ihm und seinen alten verknöcherten Kollegen zu zeigen, dass eine Frau ebenfalls eine gute Archäologin und Wissenschaftlerin sein kann.

Nachdem auch nach Minuten des Wartens niemand erscheint, um mich zu begrüßen und der irische Himmel beschlossen hat seine dunklen Wolken über mir zu entleeren, raffe ich meinen ganzen Mut zusammen, nehme meinen Koffer und steige die breite Treppe zum Eingang hinauf. Ich muss alle Kraft aufbieten, um die schwere Eichentür aufzudrücken. Sie quietscht und ächzt, als hätte sie seit Jahrhunderten niemand mehr geöffnet. Ohne Aufforderung betrete ich die düstere Eingangshalle, in der tatsächlich einige Kerzen brennen, die den Anschein erwecken, dass ich nicht das einzige menschliche Wesen in diesem Gemäuer bin. In diesen entlegenen Winkel Irlands hat die Elektrizität den Weg noch nicht gefunden.

„Guten Abend!“, rufe ich und erschrecke bei dem Echo meiner Stimme.

Nichts geschieht. Nur der Wind heult um die Abtei, wie ein wildes Tier, dem ich gerade noch entschlüpft bin, bevor es meiner habhaft werden konnte. Er schleudert schwere Regentropfen gegen die alten Fenster und ich habe das Gefühl mit meinem Erscheinen, das letzte Gericht zu entfachen. Eine Frau in den geheiligten Hallen, schien er nicht zu dulden. Mit einem unangenehm mulmigen Gefühl im Bauch rief ich erneut:

„Guten Abend! Ist jemand im Haus.“

Erschrocken fahre ich herum, als jemand antwortet:

„Ja, Miss Winter, es ist jemand im Haus.“

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Warten, warten, warten

Die Uhr tickt lautlos

Glas klirrt im Container

Autos rollen vorbei

Eine Tür fällt zu

Ein Hund bellt in der Ferne

 

Warten, warten, warten

Die Katze schläft auf dem Sofa

Ein Vogel zwitschert auf dem Dach

Ein Windstoß bewegt die Wäsche

Ein Windspiel klingt leise

Der Tag ist hellgrau

 

Warten, warten, warten

Lautlos Stunde um Stunde

Jeden Tag warten

Auf den nächsten Tag

Warten bis zum Ende

Alle Tage meines Lebens

 

Warten, warten, warten

Die hellgrauen Tage vergehen

Langsam löscht das Licht die Farben

Aus hellgrauen Tagen werden schwarze

Langsam löscht die Zeit das Leben

Warten, warten, warten

Bis ans Ende aller Tage

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