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Posts Tagged ‘Atem’

Es war noch sehr früh, als ich am nächsten Morgen erwachte. Ich konnte nicht wieder einschlafen, also zog ich mich an und ging hinunter in die Bibliothek. Die Morgensonne fiel durch die großen Glastüren und tauchte den Raum in ein sanftes Licht. Ich sah hinaus in den Garten meiner Kindheit und erinnerte mich an die schöne Zeit, die wir hier verbracht hatten. An die Gartengesellschaften, an die Tage an denen Anna und ich frei wie der Wind durch die Welt getobt waren. Und jetzt? In ein paar Tagen würden wir uns in einer anderen Welt wieder finden, mit der ich mich nicht auskannte und vor der mir graute. Ich hatte keine Angst vor Männern, aber der Gedanke einen Mann zuheiraten, der auf mein Erbe spekulierte, gefiel mir überhaupt nicht. Anna durfte nichts von Lord Stanfords Plänen erfahren, dass würde ihr noch mehr Angst machen, als sie ohnehin hatte.

„Guten Morgen, Miss. Lord Stanford erwartet sie und Miss Anna im Esszimmer.“

„Danke, James. Ich gehe hinüber, Miss Anna, ist noch auf ihrem Zimmer, lassen sie ihr bitte Bescheid sagen.“

„Sehr wohl, Miss.“

James ging so leise, wie er erschiennen war.

Als ich das Esszimmer betrat, stand Lord Stanford am Fenster und sah hinaus.

„Guten Morgen, Mylord.“

„Guten Morgen Eliana haben sie gut geschlafen?“, er schien in einer versöhnlichen Stimmung zu sein.

„Ja, danke.“ Jetzt musste ich es ihm sagen, bevor mich der Mut verließ. „Mylord darf ich sie um etwas bitten?“

„Ja, um was handelt es sich?“

Justin sah mich mit prüfender Miene an.

„Ich möchte sie bitten, Anna nichts von ihren Hochzeitsplänen zu sagen. Es wird sie schon genug beunruhigen, dass wir von hier fortgehen, aber sie sollte nicht mehr davon wissen, als nötig.“

Justin kam auf mich zu und ich sah zu ihm auf.

„Sie lieben ihre Schwester sehr, nicht wahr?“

Die Wärme in seiner Stimme überraschte mich und so nickte ich nur.

„Ich werde ihr nichts sagen. Aber es wäre gut, dass sie sie bei Zeiten darauf vorbereiten. Es wäre sicher nicht sehr angenehm, wenn sie diese Tatsache unvorbereitet trifft.“

„Danke, Mylord.“

Die Tür ging auf.

„Guten Morgen, Lord Stanford, guten Morgen Eliana.“

Anna kam schüchtern herein und Justin begrüßte sie freundlich.

„Schön, dass ich sie kennenlerne, Anna. Wenn sie erlauben, würde ich ihnen beim Essen gerne einen Vorschlag für die nähere Zukunft unterbreiten.“

Wir setzten uns zu Tisch. Anna war von Justins Liebenswürdigkeit sehr angetan und ich spürte, dass ihre Angst der Erleichterung wich. Die Reise nach Stanford Park hörte sich für sie an, wie eine längst fällige Urlaubsreise, und als Justin ihr die Schönheiten seines Hauses anpries taute sie auf. Ich war sehr erstaunt, dass er es so gut verstand mit einem jungen Mädchen umzugehen. Dann fiel mir ein, dass er ja schon einige Frauenbekanntschaften hinter sich hatte und ich fragte mich, wie diese Frauen aussahen. Sicher waren es die schönsten Frauen der Londoner Gesellschaft. Andererseits war ich froh, dass Anna sich mit der Situation so besser arrangieren konnte.

„Sie sind also eine hervorragende Reiterin, Eliana.“

Mit diesen Worten riss mich Justin aus meinen Betrachtungen.

„Wie bitte?“, stotterte ich, „reiten? Ja, ich reite sehr gerne.“

„Dann wird es sie sicher interessieren, dass nächstes Wochenende ein Hindernisrennen in Stanford Park stattfindet.“

„Ja?!“, antwortete ich einsilbig und dachte, dass es mich unter anderen Umständen sehr gefreut hätte.

„Darf ich sie jetzt bitten mir die Bücher zu zeigen.“

Ich atmete tief durch.

„Ja, natürlich.“

Ich schob meinen Teller zurück, heute Morgen hatte ich sowieso keinen großen keinen Appetit.

„Ich möchte sie bitten uns zu entschuldigen, Miss Anne“, wandte sich Justin an meine Schwester, „wenn sie inzwischen schon Anweisungen geben würden, für die Sachen, die sie mitnehmen möchten, könnte uns dass sehr helfen.“

Er lächelte sie gewinnend an und Anne war mit dieser neuen Verantwortung betraut, sofort bereit alles Nötige zu veranlassen. Die Reisevorbereitungen würden sie ablenken, Justin regelte das sehr geschickt. Nachdem Anne uns verlassen hatte, zog er sich mit mir in die Bibliothek zurück.

„Mylord!“

 „Ja?“

„Ich wollte euch für eure Feinfühligkeit danken.“

Meine Stimme zitterte und ich sah unsicher zu Boden. Justin machte mich nervös.

„Ich weiß, was sie über mich denken, Eliane. Aber ich habe Gefühle und kann sehr wohl Mitgefühl empfinden“, die Ironie in seiner Stimme war nicht zu überhören, „wenn sie fertig sind mir zu danken, könnten wir jetzt die Bücher prüfen.“

Eliane sah bezaubernd aus, sie trug ein weißes schlichtes Seidenkleid, ihre Haare waren zu einem extravaganten Zopf geflochten und als Justin jetzt so dicht bei ihr stand nahm er den Duft von Lavendel war. Es tat ihm leid, dass er sie so kühl behandelt musste, aber das war seine Art jegliche Gefühlsdusselei zu unterdrücken.

Seine schroffe Art traf mich härter als ich zu gab. So musste ich mir über seine Beweggründe wenigstens keine Gedanken machen. Was er tat, tat er nur um uns leichter zu handhaben. Wenn jemand glücklich ist, macht er weniger Ärger. Also schleppte ich die schweren Bücher der letzten drei Jahre heran und machte ihn mit den Fakten vertraut, die er zu diesem Zeitpunkt wissen musste.

„Wieso hatte Lord Staverley keinen Verwalter, der ihm das Haus führte?“

Justin schüttelte missbilligend den Kopf. „So eine schwere Aufgabe gehört nicht in Frauenhände.“

„Wir hatten einen Verwalter. Solange mein Vater lebte, rechnete er immer ordnungsgemäß ab. Nach Vaters Tod allerdings, dachte er, so wie sie, dass wir Frauen nicht rechnen können, und versuchte die Bücher zu manipulieren. Als ich dahinter kam, habe ich Mutter veranlasst ihm zu kündigen. Dann wurde Mutter krank und es gab niemand, den ich um Rat fragen konnte. So habe ich die Arbeit gemacht.“ Antwortete ich erhobenen Hauptes.

„Verzeihen sie, ich habe ja nicht behauptet, dass sie nicht rechnen können. Wie ich sehe, haben sie ihre Sache sehr gut gemacht.“

Das Lob klang ehrlich.

 „Aber die meisten jungen Frauen ihres Alters möchten doch lieber zu Bällen gehen und schöne Kleider tragen, als sich mit dem Führen eines Haushaltes abzumühen.“

Sein Blick traf mich unvorbereitet, und als er mit sanfter Stimme fragte: „Was möchten sie gerne, Eliana?“, war ich sehr verunsichert.

Wir standen dicht über die Bücher gebeugt. Seine Nähe brachte meine mühsam errungene Fassung ins Wanken. Ich drehte mich von ihm weg, ging zum Fenster und sah hinaus.

„Nun? Sie haben mir noch nicht geantwortet!“

Justin trat hinter mich. Seine Stimme war sehr eindringlich. Seinen warmer Atem verfing sich in den kleinen Härchen in meinem Nacken, die sich aufstellten und ein erregendes Gefühl hinterließen.

„Spielt mein Wunsch überhaupt eine Rolle? – Bald werde ich mich einem Ehemann beugen müssen und wer wird dann nach meinen Wünschen fragen?“

Die Resignation in meiner Stimme war nicht zu überhören. Justin wollte gerade antworten, als die Tür aufging und Anna hereinkam. Wir fuhren auseinander.

„Entschuldigt, bitte. Aber ich wollte sie bitten Mylord, ob ich unsere Zofe mitnehmen darf?“

„Ja, natürlich.“

Justin stimmte sofort zu und wurde von Anna mit einem strahlenden Lächeln belohnt.

„Bitte entschuldigen sie mich, Mylord. Ich muss auch noch Reisevorbereitungen treffen.“

Nutzte ich die Unterbrechung, um dieser unangenehmen Situation zu entgehen. Bevor Justin mich zurückhalten konnte, verließ ich das Zimmer.

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Man muss weggehen können

und doch sein wie ein Baum:

als bliebe die Wurzel im Boden,

als zöge die Landschaft und wir ständen fest.

Man muss den Atem anhalten,

bis der Wind nachläßt

und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,

bis das Spiel von Licht und Schatten,

von Grün und Blau,

die alten Muster zeigt

und wir zuhause sind,

wo es auch sei,

und niedersitzen können und uns anlehnen,

als sei es an das Grab

unserer Mutter.

 

Hilde Domin

 

Das erste Mal hörte ich ein Gedicht von Hilde in einem

Seminar. Es ging um Biografie. Das Gedicht hat mich

schwer beeindruckt und darum möchte ich euch heute

dieses Gedicht ans Herz legen.

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Telefon

Ich liege

Neben dir

Hör dich

Atmen

Dein Herz

Schlagen

Spüre

Deine Zärtlichkeit

 

Küsst mich

Hältst mich

Nimmst mich

Heiß und tief

Fließen

Ineinander

Durch und durch

Bis sich

Unsere Säfte mischen

 

Deine Seele

Mich erfüllt

Deine Süßigkeit

Mir Nahrung ist

Jedes Wort

Nimmt mir

Den Atem

 

Hältst mich fest

In deinem Bann

Lieg

In deinen Armen

Stundenlang

Am Telefon

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