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Posts Tagged ‘Arbeit’

Lea saß auf einem umgekippten Baumstamm und sah zu, wie Sam mit einem mächtigen Vorschlaghammer auf die Mauer einschlug. Er hatte das Ding fluchend durch den Wald getragen, bis zu der zugemauerten Höhle.

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Auf dem Weg dorthin hatte Lea überlegt umzudrehen und wegzulaufen. Sam hätte sie mit dem Hammer niemals eingeholt. Nun war es zu spät. – Nein, habe ich gesagt, nein! Aber er wollte nicht hören. Erinnerst du dich an das letzte Mal? Habe ich gesagt. Wir sind nur durch einen unglaublichen Zufall dem Sensenmann von der Schippe gesprungen, habe ich gesagt. Warum lasse ich mich nur immer wieder von Sam zu solchen Himmelfahrtskommandos überreden? Weil er dein ältester Freund ist. Selbst Schuld. Dabei habe ich mir geschworen: Keinen Rückfall mehr! –

Lea fröstelte. Sie schaute auf die Uhr. Halb sechs. – Es dauert nicht mehr lange, bis es dunkel wird. – Sie sehnte sich nach der Wärme in ihrem Labor, der Kaffeemaschine in ihrem gemütlichen Büro im Museum. Es war sicher, trocken und völlig ungefährlich, es sei denn, sie schnitt sich in den Finger. Lea liebte ihre Arbeit als Archäologin und Restauratorin. Im Museum und in der Feldforschung. Nur mit Sam, war es jedesmal ein Abenteuer auf Leben und Tod. – Bitte, ich brauch dich. Du bist die einzige, die mir helfen kann. Hat er gesagt. Du kannst mir sagen, ob es wirklich alt ist oder nicht. Diesmal ist es völlig ungefährlich. Es wird nichts Schlimmes passieren. Hat er gesagt. –

Der Hammer krachte gegen die Mauer. Steine polterten.

„Ich bin durch!“ Sam riss Lea aus ihren Gedanken, bevor sie den Teil mit dem Tod näher durchdenken konnte.

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„Die Arbeit ist, verstehe sie mich recht, ein wenig ungewöhnlich“, sagte Mister Gordon.

Sein merkwürdiges Lächeln hätte mich misstrauisch machen müssen. Aber ich seit drei Wochen wartete ich auf einen halbwegs gutbezahlten Job um meine Rechnungen bezahlen zu können, aber mein Büro schien in ein schwarzes Loch gefallen zu sein. Ich brauchte dringend einen Auftrag, egal von wem. So wischte ich das flaue Gefühl in meinem Magen beiseite, dass ich fataler Weise für Hunger hielt und sagte:

„Das ist kein Problem für mich. Ich hoffe nur, dass sie sich meine Dienste leisten können.“

Mister Gordon lachte und ein leiser Schauer rieselte über meinen Rücken hinab. Er zog einen Umschlag aus der Innentasche seines feinen Wollmantels und schob ihn mir über den Schreibtisch zu.

„Mister Morgan, wenn sie wüssten wer ich bin, würden sie solche Fragen nicht stellen. Die einzige Frage, die wirklich wichtig ist, kann ich ihnen vertrauen?“

Abrupt verschwand das Lächeln aus seinem Gesicht. Dabei verengten sich seine schwarzbraunen Augen zu kleinen Schlitzen und musterten mich scharf. Unwillkürlich musste ich an einen Hai denken. Sobald er mein Büro verließ, würde ich Erkundigungen über ihn einziehen, dachte ich, griff nach dem Umschlag und hob die Klappe leicht an. Ein dickes Bündel 500 Euroscheine strahlte mir entgegen und wischte meine Skrupel hinweg.

„Natürlich können sie mir vertrauen“, erwiderte ich im Brustton der Überzeugung und dachte, es wird schon gutgehen.

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Wir

wollen

glauben an

ein langes Jahr,

das uns

gegeben ist, neu, unberührt,

voll nie dagewesener Dinge,

voll nie getaner Arbeit, voll

Aufgabe, Anspruch und Zumutung.

Wir wollen sehen, dass wir`s nehmen

lernen

ohne allzu viel fallen zu lassen von dem,

was es zu vergeben hat,

an die, die Notwendiges, Ernstes und Großes

von ihm verlangen.

R.M.Rilke

Ich wünsche allen ein gutes neues Jahr. Gefüllt mit Liebe, Frieden, Freude, Freunden, Inspirationen, Ideen, Träumen und allen guten Dingen, die euch glücklich machen.

Eure Caroline

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Eine lichte Mitternacht

Dies ist deine Stunde, o Seele,

Dein freier Flug ins Wortlose

Weg von Büchern, weg von Künsten

Nach getilgtem Tag nach getaner Arbeit,

Dich ganz und weitfort hebend

Schweigend staunend sinnend

Über das, was Du am meisten liebst:

Nacht, Schlaf und die Sterne.

Walt Whitman

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Rosalie wählt den Weg über die Küche, zurück ins Haus. Die rundliche Köchin teilt ihrer Küchenhilfe gerade Arbeit zu, als Rosalie den Raum betritt.

„Misses Morse“, flüstert das Mädchen und deutet mit einem leichten Kopfnicken in ihre Richtung, „die neue Miss ist da.“

Misses Morse unterbricht abrupt ihre Unterweisung und wendet sich Rosalie zu.

„Guten Morgen, Miss“, ihr Gesichtsausdruck macht klar, dass sie nicht erfreut ist.

„Miss Rosalie“, hilft Rosalie aus und setzt ihr liebenswürdigstes Lächeln auf, „liebe Misses Morse, darf ich sie um einen Tee und etwas Gebäck bitten. Die Herren sind gerade erst zu ihrem Ausritt aufgebrochen.“

Misses Morse Gesichtsausdruck verfinstert sich noch ein bisschen mehr.

„Bitte machen sie für mich kein großes Aufhebens“, beschwichtigt Rosalie die Köchin, „ich nehme meinen Tee gerne hier ein“, sie setzt sich an den großen polierten Esstisch, an dem die Bediensteten sonst ihre Mahlzeiten einnehmen, „ihre Küche ist so adrett und sauber, wie ich es selten gesehen habe. Da können sich einige herrschaftliche Haushalte eine Scheibe abschneiden.“

Ein Lächeln huscht über das Gesicht der Köchin. Und tatsächlich ist es nicht einmal übertrieben. Wenn Rosalie von dem ausgeht, womit Misses Morse arbeiten muss.

„Bitte, Miss Rosalie“, sagt die Köchin und sieht deutlich entspannter aus, als sie ihr Tee eingießt und einen Teller mit Zitronenkuchen vorsetzt.

„Vielen Dank, Misses Morse“, Rosalie deutet auf den Stuhl gegenüber, „würden sie mir einen Moment Gesellschaft leisten?“

„Danke, Miss“, unsicher setzt sich die Köchin und gießt sich ebenfalls einen Tee ein. Sie blickt zu dem Küchenmädchen, das in Ehrfurcht erstarrt scheint. „Mary, mach weiter, sonst wird das Frühstück nie fertig!“, weist sie das Mädchen zurecht, dass sich hastig wieder seiner Arbeit zu wendet.

„Wie lange stehen sie bei den de Clares in Diensten?“, beginnt Rosalie das Gespräch. Sie weiß nur zu gut, dass Dienstboten über alles wichtige Bescheid wissen und auch über alles Unwichtige.

***

Als Rosalie eine halbe Stunde später die Küche verlässt, ist sie ausgesprochen gut über den Haushalt und seine Bewohner informiert. Als der alte de Clare, ihr Großvater, vor einem Monat das Zeitliche segnete, hinterließ er Gilbert, als nächstem männlichen Erben den gesamten Besitz – mit seinen Schulden, die eine beträchtliche Summe ausmachen. Um wie viel es sich handelt, weiß niemand genau. Das soll die Testamentseröffnung ans Licht bringen, zu der auch Rosalie geladen wurde. Misses Morse erzählte Rosalie hinter vorgehaltener Hand, dass es sich um Spielschulden handelt.

Ironie des Schicksals, starb der alte Herr an einem Herzinfarkt kurz bevor er einen Kontrakt unterzeichnen konnte, in dem er das Haus als Gegenwert zu einer Wette einsetzte. Sonst wäre das ganze Anwesen der Ehrenwerten de Clares in die Hände eines Buchmachers gefallen.

Rosalie weiß nicht, ob sie Bedauern oder Schadenfreude empfinden soll. Zumindest Gilbert tut ihr Leid, auch wenn sie ihn für einen unverschämten Snob hält. Er ist die Person, die am wenigsten für die Verhältnisse kann und doch aus Ehr – und Pflichtgefühl genötigt ist die Sache zu regeln. Rosalie ist gespannt, was der Notar in der Testamentseröffnung offenbaren wird und vor allem, warum sie zu diesem Termin geladen wurde.

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– Was wäre wenn ich nicht einsteige? – Unschlüssig stehe ich auf dem Bahnsteig und blicke auf die Anzeigentafel. Rechts fährt mein Zug zur Arbeit, links ein Zug Richtung Köln. – Von dort ist es nicht mehr weit bis nach Aachen und von da nach Zeeland. Ein Tag am Meer und nicht in diesem blöden, stickigen Büro mit dem ewig schlechtgelaunten Chef. Einen Tag mir den Wind um die Nase wehen lassen. Ich habe alles dabei. Kreditkarte, Laptop, Schreibzeug. Den Rest kann ich kaufen. – Der Zug zur Arbeit hält. Leute steigen aus, andere ein. Das typische Montagmorgengewusel. Mein Herz schlägt schneller. Jetzt kann ich noch einsteigen. Die Türen schließen sich, der Zug fährt los. Ich sehe ihm nach. Der Zug nach Köln läuft ein. Ich steige ein und bin plötzlich ganz ruhig. – Das hätte ich schon lange tun sollen. –

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„Mein Text ist leider nicht perfekt.“ Ein Ausspruch, der in Schreibkursen sehr häufig vorkommt. Ich gestehe, auch ich habe diesen Satz das ein oder andere Mal benutz. Einerseits könnte man die Aussage als eine Art Understatement betrachten. Oder als Entschuldigung dafür, dass man einen schlechten Tag hat oder gerade nicht in Stimmung ist.

Doch der wahre Grund ist zu ca. 90 % der innere Kritiker, der in unserem Kopf herumtobt und uns sagt: „Was du da machst, ist doch Blödsinn! Ein/e Hemingway, Schätzing, Brown, Austen usw. wird doch so wieso nie aus dir!“ Und welche netten Sätze der kleine Mistkerl noch so ausbuddelt. Der kleine Mann in unserem Kopf kramt sämtliche Komplexe, hochgesteckten Erwartungen, Minderwertigkeitsgefühle, Zweifel aus unseren Schubladen und häuft sie zu einem riesigen Haufen vor uns auf. Dann lehnt er sich zufrieden zurück und sagt: „So, mein/e Liebe/r, jetzt sieh mal zu, wie du über diesen Berg kommst! Das schaffst du nie!“ Und tatsächlich ist das der Punkt, an dem so manch begabter Schreiber aufgibt. Statt den kleinen Mistkerl in den Hintern zu treten und ihn in die Verbannung zu schicken, strecken sie die Waffen. In unserem Fall den Stift. Da hilft auch gutes Zureden nicht, wie ich in meinen eigenen Schreibkursen festgestellt habe.

Benjamin Disraeli beschert uns ein Zitat, dem sicher die meisten von uns zustimmen können:
„Es steht schlimm um einen Menschen, an dem man nicht einen einzigen sympathischen Fehler entdecken kann.“

Schwierig wird es, wenn man sich in einer Gruppe befindet, in der es eine sehr kritische Person gibt oder in der die allgemeine Atmosphäre wertend und abschätzend ist. Besonders unter dem Vorwand den/die anderen Schreiber weiterzubringen. Das hat nichts mit konstruktiver Kritik zu tun, sondern mit Selbstprofilierung.

„Da Perfektion im Auge des Betrachters liegt, wird sie je nach Betrachter nie perfekt sein.“ Ilja Pohl

Der Sinn einer Gruppe ist Förderung des Talentes, Feedback, Wachstum, neue Fähigkeiten erwerben und alte verbessern. Der Künstler möchte das Beste aus sich herausholen. Das ist gut und richtig. Doch aus diesem „das Beste wollen“ kann ein Zwang werden, der sich soweit manifestiert, dass er zur Blockade wird.

Sicher kennen die meisten Kunstschaffenden die Situation: Nach reiflicher Prüfung hat man ein Projekt abgeschlossen. Alles ist in trockenen Tüchern, da fällt einem ein: Dieser oder jener Satz könnte besser sein. Das kann seine Berechtigung haben, aber irgendwann muss der Stift ruhen. Das Buch/Text/Bild/Werkstück/Skulptur/Song usw. muss in die Freiheit entlassen werden.

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt.

Wir sind Lernende und werden es immer sein, wenn wir wollen. Das ist unser Job in diesem Leben! Es gibt einen sehr schönen Satz: Sag nicht, das kann ich nicht – sondern: das kann ich noch nicht. Es ist keine Schande etwas nicht zu können. Es liegt in unserer Hand, es zu erlernen.

Als Hilfestellung gibt es Schreibgruppen, VHS-Kurse, Schulen und Universitäten, Werkstätten usw. Kreativität lässt sich nicht erzwingen, aber sie lässt sich anlocken. Wenn eine entspannte, lockere Grundstimmung herrscht, in der sich die Teilnehmer gegenseitig inspirieren, statt zu konkurrieren, kann der kreative Same aufgehen. Dazu muss man nicht verbissen kämpfen. Aus Irrtümern, Macken, Versprechern können neue Ideen hervorgehen. Eine Schramme kann einem Tisch Charakter verleihen und eine Narbe, ein unverwechselbares Kennzeichen sein. Das ist eine Frage des Standpunktes.

„Perfektion ist der größte Makel – wer alles ist, kann nichts mehr werden.“ Maik Alwin

Der Spaß an der Sache und Freude an der kreativen Betätigung soll im Vordergrund stehen. Das hat nichts mit einem guten oder schlechten Text zu tun. Die erste Version ist immer ein Rohentwurf. Kein Schriftsteller, egal wie berühmt (berüchtigt) er sein mag, kann stante pede (stehenden Fußes/auf der Stelle/just in diesem Moment) einen druckreifen und ausgefeilten Text schreiben. (Vielleicht einen Sinnspruch, aber der hat in der Regel nur eine Zeile.) Wer sich den Anspruch der Vollkommenheit auf die Fahne schreibt, muss enttäuscht werden.

Es ist sinnvoll die erste Version als Skizze oder Basis der späteren Arbeit zu sehen. (Das Element der Textarbeit und Korrektur steht auf einem anderen Blatt.) Dadurch fällt ein großer Druck weg. In dem Stadium der Inspiration und Ideenfindung muss nichts fertig sein. Kreativität braucht Spielraum und die Vielfalt der Möglichkeiten, um sich zu entfalten.

Etwas, dass wir uns bei Kindern abschauen können. Wenn sie in ihren Spielen aufgehen, dann gibt es nichts rechts und links, sondern nur diesen Moment. Mit roten Wangen und glänzenden Augen treiben sie ihr Werk voran. Sie denken nicht darüber nach, welche Urteile andere fällen. Es wäre schön, wenn uns diese Leichtigkeit ein Leben lang erhalten bleiben könnte. Leider ist es oft nicht der Fall – entweder durch andere oder uns selbst verursacht.

Wenn wir lieben was wir tun und den Anspruch der Vollkommenheit hintenanstellen, kann sich unser Geist befreien und in den kreativen Fluss eintauchen.

„Die Feder kritzelt: Hölle das!
Bin ich verdammt zum Kritzeln-Müssen? –
So greif‘ ich kühn zum Tintenfass
und schreib‘ mit dicken Tintenflüssen.
Wie läuft das hin, so voll, so breit!
Wie glückt mir alles, wie ich’s treibe!
Zwar fehlt der Schrift die Deutlichkeit –
Was tut’s? Wer liest denn, was ich schreibe?“
Friedrich Wilhelm Nietzsche

Zum Schluss ein schönes Zitat von Özsoy Öztürk
„Die kürzeste Definition von Perfektion lautet Illusion.“

Wir können nach Vollkommenheit streben, aber wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir sie nicht erreichen werden. Und darin liegt doch auch ein kleiner Trost. In diesem Punkt sind wir alle gleich:

„Es gibt in der Tat nichts in der Welt, das nicht einen Vorzug hat, und nichts das nicht ein Gebrechen hat.“
Chinesische Weisheit (um 300 v.Chr.)

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Eine gute Frage. Die Frage überhaupt. Nicht zum ersten Mal, dass ich mir darüber Gedanken mache (und ich bin damit sicher nicht allein). Um ehrlich zu sein, geht mir der Gedanke in letzter Zeit häufiger durch den Sinn. Ich könnte einfach aufhören zu schreiben. Doch in den Phasen, in denen ich nicht schreibe, denke ich viel über das Schreiben nach. Was ich schreiben will, wie ich einen Text am besten verpacke. Ich notiere Ideen, von denen ich nicht wenige habe. Und schreibe darüber, warum ich gerade nicht schreiben kann. Seitenweise.

Braucht ein Künstler einen emotionalen Notstand, sei er positiv oder negativ, um kreativ zu sein? Den Eindruck habe ich. Und das ist nicht nur mein Erfahrungswert. Viele Schriftsteller (und andere Kunstschaffende) quälen sich mit ihren dunklen, unerfüllten Sehnsüchten, Ängsten, Unsicherheiten usw.

Graham Green, zum Beispiel, sah seine Schriftstellerei als Möglichkeit, dem Wahnsinn und er Melancholie der menschlichen Existenz zu entgehen. Es war ihm unerklärlich, wie andere Menschen ihr Leben meisterten, ohne durch Schreiben, Komponieren oder Malen (oder andere kreative Tätigkeiten) ihre Ängste lindern zu können.

Es liegt im menschlichen Geist, das Gefühl: da muss noch etwas sein! Wie weit kann ich gehen? Oft habe ich das Gefühl, wir schreiben aus einem Mangel heraus. In unseren Texten kompensieren wir, was wir in unserer „normalen“ Alltäglichkeit vermissen.

Für mich persönlich kann ich das bejahen. Tatsächlich geschehen in meinem Leben kaum aufsehenerregende Dinge – ständiger Ausnahmezustand kann echt anstrengend sein – aber in meinen Tagträumen und meinen Texten geben sie sich die Klinke in die Hand. Bin ich süchtig nach Abenteuer? Zu Hause ist es sicher und in meinen Geschichten kann mir nichts passieren – für den Fall der Fälle gibt es immer einen Twist, der mich aus dem Feuer rettet, das ich selber gelegt habe.

Wie viel (selbst erzeugtes) Chaos und Emotionen brauche ich, um schreiben zu können? Was ist das Loch in meinem Herzen, dass ich durch das Schreiben zu stopfen versuche und was passiert, wenn es sich schließt? Ist Schreiben dann noch möglich?

Warum schreibe ich? Weil ich auf der Suche bin. Weil ich mir das Leben schön/aufregend schreibe. Andererseits habe ich in der letzten Zeit das Empfinden, angekommen zu sein. In mir. In meinem Leben, meinen Wünschen. Klar, es ist nicht alles perfekt, aber ich bin angenehm zufrieden.

Zufriedenheit ist kein Motor. Das Motto: ich schreibe mir das Leben schön, tritt zunehmend in den Hintergrund. Wie viel Loch ist noch in meinem Herzen? Ich habe es immer als wünschenswert angesehen diesen ausgeglichenen, entspannten Zustand zu erreichen. Allerdings empfinde ich ihn für meine Kreativität als hemmend.

Ist das nur eine der vielen Phasen? Ich kenne zwei Schreiberinnen, die nicht mehr schreiben, obwohl sie vor Jahren sehr häufig geschrieben haben. Ehrlich gesagt habe ich leichte Panik. Was wäre, wenn ich nicht mehr schreiben würde? Was passiert dann mit mir? Darüber nachzudenken empfinde ich schon als Sakrileg. Das darf – das kann unmöglich – sein. Es ist das, was ich kann, will, was mich begeistert, mich erfüllt. Ich will nicht glauben, dass es anders sein könnte!

Muss ich meine Schreibmotivation neu definieren? Wenn ja, wie? Was motiviert mehr, als ein Loch im Herzen, das man stopfen will? Dafür gibt es Mittel aller Art und Stärke, Rauschmittel, Sex, Geld, Arbeit … Kunst. Jeder Mensch hat da seine eigene Präferenz. Mein Mittel war/ist Schreiben.

George R.R. Martin sagte in einem Interview: „Im Kopf gibt es eine perfekte Geschichte, die der Schriftsteller aufzuschreiben versucht. Wie ein Übersetzer.“ Ich denke, da spricht er uns aus dem Herzen. In unserer Vorstellungskraft ist alles da. Der Ort, die Personen, das Geschehen. Und dann sind wir dran. Vorstellungskraft in Worte verwandeln. Das ist nicht so einfach, wie sich das manche Leute vorstellen. Bücher schreiben. Eine Geschichte über Hunderte Seiten am Laufen zu halten. Um was geht es in der Geschichte? Die Figuren zu schaffen, die leben, sie zu bewegen, ihnen eine Seele einzuhauchen, die den Leser zu sich zieht und mit der er sich bestenfalls identifizieren kann. Einen guten Einstieg in die Geschichte zu finden, Spannung aufzubauen, zu halten, und ein sinnvolles Ende zu finden.

Das kann man sich nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Dazu gehört Konzentration, Durchhaltevermögen, Ideen, ein „Auge“ für die Figuren, Zeit, Ruhe, Inspiration, Mut über den eigenen Schatten zu springen und: Handwerk. Schreiben ist eine ebenso anspruchsvolle Kunst, wie andere Künste auch. Harte Arbeit. Trotzdem scheint Schreiben in den Augen anderer, eine der geringeren Künste zu sein. Dazu kann ich nur sagen: schreibt erst mal ein Buch – dann sprechen wir weiter.

Welche Motivation mich am Ende auch antreibt zu schreiben – ich kehre immer wieder an meinen Schreibtisch zurück. Schreiben ist mein Mittel Löcher in meinem Herzen zu stopfen. Mir die Welt zu erklären, meine Ängste im Griff zu haben, Abenteuer zu erleben, den Flow zu spüren, dem Wahnsinn etwas entgegenzusetzen, meinen Geist beweglich zu halten.

Was hinausdrängt, kann niemand für längere Zeit aufhalten. Der Ausdruck sucht sich einen Weg. Immer wieder. Wie Tropfen den Stein aushöhlen, bis der Damm bricht. Deswegen schreibe ich: um den reißenden Strom zu sehen. Wie Seite um Seite sich füllt, die Geschichte wächst, vom ersten Satz bis zum Schlusspunkt. Bilder meiner Fantasie Schwarz auf Weiß. Pure Lust.

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Die Kategorie heißt deswegen „Second Life“, weil die Texte in der Ich-Form geschrieben sind und meinen Fantasien zu verschiedenen „Blitzideen“ aus Filmen und Büchern entsprungen sind, die ich beim Schauen und Lesen hatte. Das heißt, dass es zu den Szenen zwar eine Art Vorgeschichte gibt, die ich aber nicht ausgeschrieben habe. Teils aus Zeit – und  teils Lustgründen. Nein, ich bin nicht faul *ggg*, nur manchmal bequem und manchmal in Zeitnot. Spaß hat das Schreiben trotzdem gemacht – weil ich es einfach wollte 😉 . Ich hoffe, die Texte machen euch auch Spaß.

Oxford, Episode II, Juni 2010

Nervös drücke ich auf den Klingelknopf. Es dauert eine Weile, bis ich Schritte höre. James reißt die Tür auf. Ein erstaunter Blick aus seinen hellen Augen trifft mich.

„Oh, was verschafft mir denn das unerwartete Vergnügen“, Ironie pur.

„Ich habe Licht bei dir gesehen, da dachte ich … .“

„Da dachtest du, sieh mal nach wie es dem armen Deppen geht.“

Ich schüttele den Kopf.

„Nein. Ich … .“

„Oder hat dich der Chef zu meiner Beobachtung abgestellt.“

„Bitte James! Meine Schwester wohnt zwei Straßen weiter. Ich wollte nach Hause und sah, dass du noch wach bist.“

Sein Blick fällt auf meine offenen Haare und mein ausgeschnittenes Top.

„Du bist ja wirklich ein Mädchen. Nach unserem letzten Treffen, war ich mir da nicht mehr sicher.“

Er zieht an einer Haarsträhne, was mich nervöser macht, als ich ohnehin schon bin.

„Tja, so sehe ich aus, wenn ich in Zivil bin.“

Ich ringe mir ein Lächeln ab, aber James hat sich schon abgewandt. Ich folge ihm ins Wohnzimmer. Er lässt sich auf die Couch fallen und greift nach seinem Weinglas.

„Also warum bist du wirklich hier?“

James nimmt einen tiefen Zug und fixiert mich. Sein sezierender Blick ist mir unangenehm. Er ist so unnahbar, undurchschaubar. Ich kenne ihn inzwischen zwei Jahre, sehe ihn jeden Tag acht oder mehr Stunden bei der Arbeit und weiß nicht was in ihm vorgeht.

„Weil ich dir etwas erklären wollte.“

Ich lasse mich neben ihm auf der Sofakante nieder.

„Du bist mir nichts schuldig. Schon gar keine Erklärungen.“

Er schüttelt unwillig den Kopf.

„Ich will es aber. Bitte!“

Tränen steigen mir in die Augen. Ich lege meine Hand auf seine. James zieht sie weg. Er hasst mich. Ich habe es verdorben. Aber was sollte ich tun? Ich musste ihn schützen, auch wenn es bedeutete sein Herz zu brechen. Ich weiß nur zu genau, was es bedeutet ein gebrochenes Herz mit sich herum zu schleppen. Tag für Tag. Dem Menschen gegenüber zustehen, den man mehr liebt, als sein Leben und es ihm nicht zeigen zu dürfen.

„Na dann, schieß mal los.“

„Er hat gesagt, wenn ich dir das Herz nicht breche, dann tut er es“, flüstere ich und versuche das Schluchzen zu unterdrücken „das konnte ich nicht zulassen. Vielleicht kannst du mir nicht verzeihen, aber irgendwann möglicherweise verstehen.“

James sagt kein Wort. Ich spüre seinen Blick auf meinem Gesicht, aber ich schaffe es nicht, ihn anzusehen. Der Gedanke an den irren Killer, der James töten wollte entsetzt mich immer noch, auch wenn der Mistkerl seit drei Monaten tot ist und ich die Kugel auf ihn abgefeuert habe.

„Ich sollte gehen“, schlage ich resigniert vor und will aufstehen.

James greift nach meiner Hand und zieht mich zurück auf die Couch.

„Warum willst du mich unbedingt retten?“

Seine Finger umspannen mein Handgelenkt. Warm und fest. Ich kann nicht mehr denken.

„Ich liebe dich.“

Im selben Moment verwünsche ich meine Schwäche.

„Du liebst mich?“

James ist mir plötzlich ganz nah. Er packt mich bei den Schultern und zieht mich dicht an sich heran.

„Sag mir die Wahrheit.“

„Es ist wahr. Schon lange. Er hat mir gedroht, dir etwas anzutun, für den Fall, dass ich es dir sage.“

„Dafür ist es jetzt zu spät“, James lächelt.

„Wenn dir etwas zugestoßen wäre, dass hätte ich nicht ertragen.“

Tränen tropfen auf mein Top. James zieht mich in seine Arme. Bedeckt mein Gesicht mit vielen zarten Küssen.

„Du denkst doch nicht wirklich, dass ich dich jetzt wieder gehen lasse.“

Seine Lippen suchen meinen Mund. Ohne nachzudenken schmiege ich mich an ihn. Seine Finger fahren durch mein offenes Haar, gleiten meinen Rücken hinab und schieben sich unter mein Top. Als James meine nackte Haut berührt, bin ich verloren.

„Oh Gott, James … .“

„Psst“, er sieht mich liebevoll an, „ich liebe dich auch. Seit wir uns das erste Mal begegnet sind, wusste ich dass da etwas ist zwischen uns. Und jetzt gehörst du mir. Hörst du? Mir allein.“

Sein leidenschaftlicher Kuss lässt keinen Zweifel daran aufkommen, was gemeint ist. Langsam entkleidet er mich Stück für Stück. Küsst jeden Zentimeter neu entdeckter Haut. Als ich endlich nackt bin, bin ich so erregt, dass ich beinah überfließe. James streift sich Shirt und Hose ab. Haut an Haut liegen wir eng umschlungen auf der Couch. Seine Finger tanzen über meinen Körper, sein Mund, seine Zunge versetzen mich in Brand. James flüstert mir verführerische Worte ins Ohr. Sein sehniger, schlanker Körper und seine Erektion an meinem Bauch erregen mich.

„Komm bitte, ich will dich endlich ganz fühlen“, flüstere ich.

Tief und unwiderstehlich dringt James in mich ein und ich weiß, dass es sich richtig anfühlt. Viel zu lange habe ich darauf gewartet.

„Du gehörst mir“, seine Worte brennen sich in meine rotierenden Gedanken, „egal was auch immer passiert. Ich kann dich nicht wieder gehen lassen.“

„Ich weiß“, meine Lippen berühren sein Ohrläppchen.

James stöhnt leise. Geschmeidig wie ein Raubtier bewegt er seine Lenden in einem erregenden Takt, stimuliert meine Perle, die sich gierig gegen seinen Körper presst. Der Orgasmus erfolgt unerwartet, reißt mich weg. Blitze explodieren hinter meinen Liedern. Feuerwerk in Kopf und Körper. Meine Möse pulst um seinen Schwanz, meine Finger krallen sich in seine Schultern. Aufbäumen, ein Schrei, ein harter Stoß, sein heißer Saft vermischt mit meinem. Eng umschlungen liegen wir da. Er bedeckt meinen Körper mit seinem. Zärtlich suchen seine Lippen meine. Sein Kuss erschüttert meinen Körper aufs Neue.

„Du bist was ich immer wollte“, James sieht mich an. Sein Blick ist sanft und offen. „Zwischen uns soll es nie wieder solche Missverständnisse geben.“

„Ich verspreche es.“

„Und ich verspreche dir, dass ich dich niemals loslasse und dich bis zu meinem letzten Atemzug beschützen werde. Ich lasse nicht zu, dass uns jemand auseinander bringt.“

Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen küsst James mich wieder und ich glaube ihm jedes Wort.

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