Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Angst’

Gestern habe ich für meine „Schreiberlebentipps“ einen Artikel geschrieben (erscheint in den nächsten Tagen) in dem es um das „Ideen finden“ geht. Wie die meisten von uns wissen und erfahren haben, küssen einen die Musen meistens sehr überraschend. Meine sind besonders während (längerer) Autofahrten sehr aktiv. So geschehen gestern abend.

Ich fuhr über die Bundesstraße zur Kinderbetreuung. Auf den Brücken, die an einigen Stellen über die Straße führen sind großteils Graffitis zu sehen. Mein Scheinwerfer erfasste an einem Brückenpfeiler das Wort: Kobold. Es war in großen Buchstaben geschrieben und farbig ausgemalt.

Sofort baute sich in meinem Kopf eine Szene zusammen. Zwei Kinder, etwa 13 bis 14 Jahre, die im Dunkeln unterwegs sind (Grund wäre noch zu überlegen). Sie kommen an einer alten, gemauerten Brücke vorbei (ich hätte da schon eine Idee 😉 ) und das Mädchen sieht das Wort Kobold. Was sie nicht weiß ist, nur sie erkennt die Zeichen, die in einer alten Sprache geschrieben wurden.

Hier ist meine kleine Koboldszene:

„Hier gibt es Kobolde“, flüsterte Luna.

„Woher weißt du das?“, Roman sah sich um, doch die Dunkelheit war nicht zu durchdringen, „ich kann nichts entdecken.“

„Es steht dort am Brückenpfeiler.“

Luna richtete den Strahl ihrer Taschenlampe auf das verwitterte Mauerwerk der alten Eisenbahnbrücke. Die verschlungenen Buchstaben leuchteten erneut auf.

„Sorry, ich sehe gar nichts.“ Roman versuchte das mulmige Gefühl abzuschütteln. „Du willst mir nur Angst machen. Aber das schaffst du nicht.“

„Quatsch. Wie so sollte ich dir Angst machen wollen?“ Luna sah die Buchstaben auf dem Mauerwerk so plastisch vor sich, als wären sie in Reliefs hervorgehoben. So etwas hatte sie schon einmal im Museum gesehen. „Ich schwöre dir, es steht da auf der Mauer.“

„Glaubst du etwa, dass es Kobolde gibt?“ Romans Stimme klang ungläubig. Was ihr nur wieder einfällt, dachte er genervt, ständig hat sie so merkwürdige Ideen.

„Keine Ahnung.“ Luna überlegte kurz. „Wenn du mir sagst, warum es keine geben sollte, dann vielleicht glaub ich nicht daran.“

„Ich kann dir tausend Gründe aufzählen“, erwiderte Roman hastig und überlegte fieberhaft, was er sagen könnte, „der erste wäre, dass du vierzehn Jahre alt bist und nicht mehr vier. Du solltest den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Märchen erkennen.“

„Und du bist fast fünfzehn und solltest wissen, dass es mehr gibt, zwischen Himmel und Erde, als nur die sichtbaren Dinge.“

„Hast du etwa schon einen Kobold gesehen?“ Roman ärgerte sich, dass er so überrascht klang.

„Nein, nur darüber gehört. Und es war furchteinflössend, das kannst du mir glauben.“

Luna zupfte Roman am Ärmel. Der zuckte erschrocken zusammen. Eine Gänsehaut zog sich über seinen Schultern und er schüttelte sich.

„Mensch, Luna, ich krieg noch einen Infarkt!“ Seine erhobene Stimme echote unter dem hohen Bogen der Brücke

„Sei nicht so laut. Nachher können sie uns hören.“ Luna war sauer. „Deinetwegen finden sie uns noch. Komm, lass uns weitergehen.“

„Ach, die bestimmt nicht. Sonst wären sie schon hier. Die sind bestimmt in die andere Richtung gelaufen.“

„Oder auch nicht“, hörten die beiden eine höhnische Stimme.

Sie fuhren herum und wurden von einem gleißenden Lichtstrahl geblendet.

Fortsetzung folgt…

 

Nacharbeit:

Nun ist diese Szene ein junges Pflänzchen. Es gibt da noch eine Menge zu klären.

  • Wer sind Luna und Roman? Welchen Charakter/Geschichte und welche Motivation haben sie?
  • Wo genau befinden sie sich und warum?
  • Wer sind „sie“ die Verfolger? Ihr Charakter, ihre Motivation usw.
  • Was ist mit den Kobolden? Gibt es sie und wie sehen sie aus? Es müssen ja keine klassischen Kobolde sein.
  • Aus dieser Überlegung ergibt sich die Frage, in welchem Setting befinden wir uns? Es könnte Jetztzeit sein, Distopie Fantastic, Horror…
  • Worauf läuft das Ganze hinaus?

 

Read Full Post »

Der Gespensterwald wurde von Erinnerungen heimgesucht, brüchig die Zweige, die winzigen Knochen gleich unter Marks Stiefeln knirschten. (Der schwarze Dolch)

Kälte kroch seinen Rücken hinauf und ein beklemmendes Gefühl spannte sich um seinen Brustkorb. Ich habe keine Angst, prahlt er vor seinen Freunden, doch längst bohrte sie sich unaufhaltsam in sein Herz und seine Gedanken. Niemand, der einmal den Gespensterwald betrat, kehrte unversehrt daraus zurück. Auch wenn nicht jeder körperlichen Schaden nahm, auf seiner Seele lag der Schatten des Todes. Einmal gezeichnet gab es kein Mittel diese Wunde zu heilen

Read Full Post »

Der Hund witterte sie zu erst. Er blieb stehen, spitzte die Ohren, gab leise Fiep-Laute von sich. Suchend schaute Paul sich um, doch außer den normalen Lauten des Waldes nahm er nichts wahr. Er wollte weitergehen, aber Artus folgte ihm nicht. Er hatte sich hingesetzt und starrte in eine Richtung. Paul stellte sich neben seinen Hund und folgte seinen Blicken. Ganz genau sah er hin, versuchte das dunkelgrüne Dickicht der Tannenschonung mit den Augen zu durchdringen. Doch es blieb eine zusammenhängende Masse. Er gab auf. Da sah er sie! Ganz in das Grün des Hains gekleidet, verschmolz sie mit ihrer Umgebung. Paul blieb reglos stehen. Was für ein wunderschönes Geschöpf, ging es ihm durch den Kopf, ich darf sie nicht erschrecken, sonst läuft sie davon.

Doch sie schien keine Angst zu haben und kam langsam auf Herrchen und Hund zu. Während sie ging, begann sie ihre Farbe zu verändern, angepasst an die nackten Birkenstämme und das lichte Grün der Frühlingsblätter.

Read Full Post »

Es war früher Nachmittag, die unbewegte Wasserfläche glitzerte in der Sonne, die hoch am Himmel stand. Es herrschte eine ungewöhnliche Stille. Die Bäume schwiegen erschöpft in der schwülen Hitze und auch die Vögel, deren Gezwitscher sonst immer einen Klangteppich im Hintergrund bildeten waren nicht zu hören. Ich saß geraume Weile unter einer Weide, an ihren dicken Stamm gelehnt und harrte der Dinge, die kommen würden. In dem drückenden Schweigen hatte ich das Zeitgefühl verloren und leise Zweifel stiegen in mir auf, dass der alte Mann mich genarrt hatte, um seinen Spaß zu haben. Gerade, als ich darüber nachdachte meine Sachen zusammenzusuchen und den Heimweg anzutreten, erhob sich aus dem Nichts ein Summen. Das muss es sein, schoss es mir durch den Kopf und ein Gefühl von Spannung und Angst erfasste meinen Körper, das meine Sinne schärfte.

Read Full Post »

Es war der Tag an dem meine Großmutter explodierte.

Nicht buchstäblich. Zumindest am Anfang nicht. Es sah ganz nach einem ihrer üblichen Anfälle aus, wenn ihr etwas nicht passte, nicht schnell genug ging oder eines ihrer Kinder und Enkel ein Widerwort hatte. Sie keifte, schlug mit der Hand auf den Tisch, schlug mit dem Stock nach mir und verschluckte sich an ihrer eigenen Spuke.

Ich sah sie teilnahmslos an. Als Kind hatte sie mich mit ihren Anfällen in Angst und Schrecken versetzt, doch ihre Affekte verfehlten die Wirkung. Inzwischen konnte ich schneller laufen und meine Reflexe waren besser als ihre. Sie konnte mich nicht mehr ernsthaft verletzen.

Je ruhiger ich blieb, desto mehr ereiferte sie sich. Sie lief rot an, spukte Gift und Galle und nicht nur in Übertragenem Sinn. Es kostete Mühe, mich zusammenzureißen und ein Lachen zu verkneifen. Dann, fing sie an zu klappern und zittern, wie ein Motor, der den Geist aufgibt. Fasziniert sah ich zu, wie sich ihr aufgedunsenes Gesicht verzerrte, Speichel rann ihr aus den Mundwinkeln, ihre Arme und Beine bewegten sich unkontrolliert, die Augen quollen hervor.

Ein ohrenbetäubender Knall und meine Großmutter zersprang in 1000 Teile. Sie war tatsächlich geplatzt. Muttern, Schrauben, Riemen, Zahnräder, Spiralen usw. sprangen durch die Gegend.

Eine unglaubliche Stille trat ein. Ich starrte auf die Überreste meiner Großmutter. Sie war eine Maschine gewesen! Und niemand hatte es bemerkt.

Read Full Post »

Der Doktor erwachte und hatte Angst.

Sein Herz raste, kalter Schweiß lief ihm den Rücken herunter, seine Kehle war trocken, die Zunge klebte am Gaumen. Er konnte kaum atmen. Ein Gefühl von Starre hatte von seinem Körper Besitz ergriffen, obwohl er einen unwiderstehlichen Drang verspürte wegzulaufen.

Das war es, was er den anderen sagte, wenn sie vor Gefahren oder dem, was sie dafür hielten, in helle Aufgregung gerieten und kopflos umherirrten. – Lauft, lauft, lauft.

In solchen Momenten amüsierte er sich köstlich. Die verzerrten Gesichter, die hohen verfremdeten Stimmen, ihr uneffektives Herumgestolpere befriedigten seine Sensationsgier. Manchmal führter er katastrophale Situationen absichtlich herbei, um sich an den Reaktionen zu ergötzen.

Nun fühlte er es selbst, dieses – lauf weg, lauf weg. – Es war eine innere Stimme, der er nicht zuhören wollte. Trotzdem er sie ignorierte, verschaffte sie sich aufdringlich Gehör, infiltrierte seine Gedanken und erschuff ein Gefühl, das größer war, als sein messerscharfer Verstand und sich durch jede Zelle seines Körpers und Windung seines Gehirns fraß.

Der Doktor hatte Angst. Es war das erste Mal. Doch es sollte nicht das letzte Mal sein.

Read Full Post »

Thema: Dialog I

„Das ist eine grauenhafte, abscheuliche, unerhört dumme Idee. Lass es uns tun und sehen was passiert“, Mellys Stimme überschlug sich fast

„Bist du dir über die Konsequenzen im klaren“, versuchte ich sie zu bremsen.

Meinen Herzschlag konnte ich bis in die Kehle spüren und meine Handflächen waren feucht. Ich wischte sie an meinen Jeans ab.

„Du bist doch auf die Idee gekommen!“, sie sah mich prüfend an. „Erst aussprechen und dann nicht tun, dass kannst du mit mir nicht machen.“

Das war mir in dem Moment klar, als ich die Überlegung laut ausgesprochen hatte.

„Warum kann ich die Klappe bloss nicht halten“, murmelte ich.

„Weil du es genauso dringend willst, wie ich!“, sagte mir Melly auf den Kopf zu, „wann haben wir uns das letzte Mal richtig amüsiert und etwas getan, was man eigentlich nicht macht?“

Das war der Punkt. „Man“ tat das nicht und deswegen war es auch so verdammt gut. Verboten gut.

„Ok, wir tun es.“

Ich atmete durch und reckte mich zu voller Größe auf. Keine Angst zeigen, dachte ich, sonst entlarven sie dich, bevor du einen Fuß über die Schwelle gesetzt hast.

„Siehst du“, sagte Melly triumphierend, „geht doch. Davon werden wir noch in 20 Jahren sprechen.“

Das befürchtete ich auch.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: