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Posts Tagged ‘Anfänge’

Ein Zitat zur rechten Zeit:

„Wenn du aufgeben willst, denk daran, warum du angefangen hast.“

In den letzten zwei Wochen hatte ich so etwas wie eine Blockade. Keine Schreibblockade im eigentlichen Sinn – immerhin habe ich ein Buch zu Ende geschrieben und den ganzen „Kleinkram“ drumherum erledigt. Das es läuft – was das Schreiben betrifft – ist also nicht der wunde Punkt.

Der Punkt war, wieder einmal, die Frage nach dem Sinn. Warum? Was tust du da? Wer wird das lesen und wenn interessiert das überhaupt? Fragen, die ein Schriftsteller meiden sollte wie die Pest – übrigens auch alle anderen Kreativen – aber sie schleichen sich halt manchmal an und zack, hängt man im Gedankenkarussell.

Durch die Fertigstellung des Buches und den intensiven Kontakt mit dem Verlag,  lernte ich einige sehr fleißige Autoren kennen. Der eine stellt ein Buch in einem Monat fertig. Also mit allem drum und dran ca 10 bis 12 Bücher im Jahr. Dazu Messen, Lesungen und so weiter. Und er ist kein Single – war meine erste Frage, nachdem er mir seinen Zeitplan beschrieb.*ggg*

Auch wenn er mir sagte, ich solle mir an ihm kein Beispiel nehmen, hat mir mein innerer Kritiker sofort ins Ohr geflüstert: Schau dir das mal an! Und was machst du? Du kannst ja froh sein, wenn du ein Buch im Jahr fertig bekommst!

Wenn es erst soweit ist, wird es schwierig, der Stimme zu entkommen. Natürlich denke ich nicht daran aufzugeben! Das habe ich nie getan, egal wie oft meine Romane abgelehnt wurden. Schreiben ist meine Leidenschaft, die gibt man nicht auf, ohne sich selbst aufzugeben. Dennoch wurden die Zweifel lauter.

Aber ein blindes Huhn finde bekanntlich auch mal ein Korn und so stieß ich gestern auf das obige Zitat.

Warum habe ich angefangen zu schreiben?

Ich erinnere mich an meine erste bewusst geschriebene Geschichte (ich schrieb vorher auch, aber das waren eher Zufallstexte.) Eine Liebesgeschichte. Sie war meiner desolaten Beziehungssituation geschuldet – ich brauchte schöne Gedanken und hab sie mir geschrieben, weil ich sie in der Realität nicht haben konnte.

Im Grunde tat ich, was ich schon als Kind getan hatte, als unsere Familie auseinanderbrach: Ich erzählte mir Geschichten (später meinem Bruder, meinen Freundinnen). Mit Happy End. Ich brauchte das glückliche Ende, zur Beruhigung, meine Ängste zu bewältigen, Mut zu fassen. (Inzwischen schaffe ich es auch, ein alternatives Ende zu schreiben – auch wenn es schwer fällt 😉 )

Im Grunde hat sich in den Jahren kaum etwas daran geändert. Ich bewege mich in vielen Welten – auf fremden Planeten, in der Geschichte, in der Zukunft, auf verschiedenen Kontinenten, in verschiedenen Gesellschaftsschichten, an dunklen und hellen Orten – und ich erzähle Geschichten.

Mein Motto: Ich schreibe mir das Leben schön (da wo es eigentlich nicht schön ist).

Ich schreibe, weil es meine Leidenschaft ist.

Ich schreibe, weil es mich glücklich macht.

Ich schreibe, weil es mich freut andere zu unterhalten (egal, ob eine Person oder Tausend.)

Ich schreibe, weil ich mir gerne Geschichten erzähle (und sie nicht vergessen will).

Ich schreibe, weil ich in Welten spazierengehe, die ich sonst nicht betreten könnte.

Ich schreibe, weil ich Dinge ausprobieren kann, die die Realität nicht hergibt.

Es ist okay, dass ich langsamer schreibe als andere. Ich darf mein eigenes Tempo haben! Es geht nicht darum, wie viele Bücher ich auf „meiner Liste“ habe. Es geht darum Spaß zu haben, Ideen zu erforschen und vor allem zu Leben! Denn trotz meiner Leidenschaft für das Schreiben ist da noch ein Leben zu leben und da ich Kunst liebe und mache, auch in dieser Hinsicht zu arbeiten und zu experimentieren.

Und ab und zu das Meer zu sehen 😉 .

Ein paar Sachen habe ich allerdings während der intensiven Arbeit an meinem letzten Roman gelernt und will versuchen sie in die Tat umzusetzen.

  1. So wenig digitale Medien, wie möglich! Während der Schreibzeit Smartphone aus meinem Bereich entfernen oder ausschalten.
  2. So wenig Fernsehen wie möglich! Ich belohne mich mit einer Folge meiner Lieblingsserie, wenn ich mein Pensum geschafft habe. (Miss Fishers mysteriöse Mordfälle)
  3. Wenn am Ende des Tages immer noch so viele Gedanken im Kopf sind: Notizen machen! Vertrau drauf, dass du morgen weiterschreiben kannst!
  4. Immer wichtig: kenne deine Personen … lebe mit ihnen.
  5. Nicht jammern! Hinsetzen und schreiben!
  6. Tür zu! Don`t disturb!
  7. „Sorry, ihr Lieben, ich muss schreiben“ – Treffen mit Freunden gehen meist nur nach meinen Konditionen – außer natürlich in Notfällen – dafür ist immer Zeit. (Das ist schwierig, weil nicht jeder meiner Freunde schreibt und die Dynamik versteht.)
  8. Termine sinnvoll planen. Sonst geht zu viel Zeit verloren.
  9. Kochen macht Spaß, aber ein Butterbrot mit Käse tut es auch.
  10. Immer genug Kaffee im Haus (!), Tee … und eine Tafel dunkle Pfefferminzschokolade oder Gummibärchen.
  11. Alltagskram nicht aufschieben! So schnell wie möglich erledigen, damit die Schreibzeit nicht beeinträchtigt wird.
  12. Frage: Hat das jetzt Vorrang?
  13. Pausen einschieben!!! Sonst erschöpft man sich und das blockiert erst recht.
  14. Frische Luft schnappen und die Gedanken spazierengehen lassen.
  15. Belohne dich. Kaffeetrinken mit Freunden/Mann/Frau … anderen Schreiberlingen zwecks Austausch, Inspiration usw.
  16. Feiere deine Erfolge!

Ich wünsche euch und euren kreativen Projekten viel Erfolg, Spaß und Inspirationen!

Eure Caro

PS.: Allem Anfang wohn ein Zauber inne – ich wünsche euch, dass ihr den göttlichen Funken des Anfangs immer von Neuem in euch spürt!

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11.November. Tag elf des National-Novelle-Writing-Month. 18699 Worte. Alles läuft. Jeden Tag schreiben. Es geht mir super. Was ist zwischen dem 31.Oktober und dem 1.November passiert?

Ich kann mich kaum erinnern, wann ich den letzten Text geschrieben habe, mit dem ich zufrieden war und der mir leicht von der Hand ging.

Max Frisch schrieb in seinem Buch „Entwürfe zu einem dritten Tagebuch“: Ein fast unüberwindlicher Ekel vor der Schreibmaschine, Versuche mit Handschrift, einmal auch mit dem Tonband, aber das hilft nicht – Muss ich was zu sagen haben? … Ich weiß nicht, was los ist.

Es war eine Erleichterung, als ich es las. Auch die Besten haben Schreibhemmungen. Und der Gedanke: Muss ich was zu sagen haben … den stelle ich mir bei jedem Text, jeder Zeile. Gab es nicht jemand vor mir, der es besser geschrieben hat? Ich gebe mich keinen Illusionen hin. Bestimmt.

Meine Freundin rief mich an. „Du ich habe ein ganz tolles Buch gelesen. Es war so komisch, der Konflikt zwischen den Figuren so gut geschrieben. So ein Buch würde ich auch gerne schreiben. Ich bin auf der Suche nach der ultimativen Geschichte.“ – Genau mein Gedanke, wenn ich zum Beispiel Frankenstein von Shelley lese. Wo finde ich die ultimative Geschichte?

Wenn man Georges Polti glauben darf, gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Plots. Er zählt 36 Master Plots auf. Mit Fantasie mixt man aus den 36 noch ein paar weitere zusammen. Heißt, danach ist Schluss. Hat man die geschrieben, fängt man wieder von vorne an, ganz pragmatisch gesehen. Also woher kommt die ultimative Geschichte? Bei über 95.000 Neuerscheinungen im Jahr ist die Möglichkeit, dass sich die Plotmuster wiederholen nicht gerade gering.

Vor drei Tagen habe ich meine Texte durchforstet. Ich wollte wissen aus wie vielen Anfängen ich Romane schreiben könnte. Nach einigen Stunden hatte ich siebzig Anfänge und dabei sind das nur die Anfänge, die ich schon weitergedacht habe (Teilrecherchen, Notizen, Charakter). Doppelt so viele, wie Plotmöglichkeiten und natürlich wiederholen sich die Plots.

Na super! Was sagt mir das? Ich sollte meine Plotideen etwas weiter streuen? Eine gute Idee. Aber ich gebe zu, es gibt Geschichten, die ich nicht unbedingt schreiben möchte. Zum Beispiel lese ich ganz gerne Thriller und Krimis, aber sie zu schreiben, ist nicht so meins. Im Grunde ist die einzige Option, die ich habe, wenn ich auf der Suche nach der ultimativen Geschichte bin, dass ich meine Ideen so gut umsetze wie möglich. Dass ich mein Herzblut und meine ganze Fantasie in die Geschichte stecke, egal wie oft ich diesen Plot schon benutzt habe.

Was bleit mir übrig? Es gibt nur schreiben oder nicht schreiben. Und Letzteres kommt in meinem Universum nicht vor. Ich habe ab und an diese Sinnkrisen. Klar, welcher Schriftsteller nicht?! Aber am Ende zählt einfach nur das Durchhaltevermögen und an sich zu glauben, egal ob es andere tun oder nicht. Über Henry Miller wurde geschrieben: er schrieb überall. Dauernd hörte man seine Schreibmaschine klappern.

Der NaNo ist für mich jedes Jahr die Möglichkeit ein Buch zu schreiben. Ich weiß nicht, was es ist? Ich glaube, es ist die Freiheit einfach drauflos zu schreiben. Ich denke nicht an Plots, Charaktere, Sinn oder Unsinn der Geschichte, nur an das Ziel. 50000 Worte in 30 Tagen. Und siehe da, im Laufe des Schreibens entwickelt sich die Handlung, die Figuren, die Sets, wie von Zauberhand. Während des Jahres schreibe ich mir manchmal auf, über was ich während des NaNo schreiben könnte. Aber bis jetzt waren das nie die Geschichten, die ich letzten Endes geschrieben habe. Es waren immer spontane Einfälle.

Wenn ich meine siebzig Anfänge alle zu Geschichten verarbeiten will, muss ich entweder noch siebzig Jahre NaNo schreiben. Das wird selbst bei guter Gesundheit schwierig für mich, schließlich bin ich nicht mehr zwanzig. Oder ich nehme mir persönlich mehrere NaNo – Monate im Jahr vor. Also bei jedem Monat NaNo wäre ich in fünf Jahren mit den 70 Anfängen durch. Andererseits sind sich einige der Anfänge sehr ähnlich. Ich habe eine, wie soll ich sagen, Favoritenliste gemacht und bin auf die magische 36 gestoßen. 36 Anfänge, die ich noch der „Wichtigkeit“ nach einteilen müsste. Jeden zweiten Monat ein NaNo, sechs Romane in einem Jahr, fertig in sechs Jahren.

Guter Plan. Mathematisch gut gedacht. Aber ich kenne meine Zweifel, meinen Schweinehund, außerdem produziere ich zwischendurch noch neue Ideen, von den zurückgestellten Texten ganz zu schweigen. Ab und an muss ich auch mal arbeiten und echtes Geld verdienen (ohne Kaffee und Käsebrot kann auch der genialste Schriftsteller nicht überleben), den Haushalt schmeißen und soziale Kontakte pflegen.

Was also tun? Ich klemme mich jetzt wieder hinter meinen NaNo 2012. Wenn ich dann voller Euphorie meinen Schweinehund und meine Zweifel besiegt, das Ziel der Worte erreicht habe, kann ich mich an die Lösung des anderen Problems setzen: Welcher meiner Anfänge lässt sich zu der ultimativen Geschichte verarbeiten?!

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