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Posts Tagged ‘Alltag’

Der Wecker klingelt penetrant. Ich dreht mich um und blinzele an die Decke. Dorthin wirft der Wecker meines Liebsten die Uhrzeit. 6:10 Uhr. Mindestens zwanzig Minuten zu früh, aber wenn ich nun einmal wach bin, kann ich auch aufstehen. Ich rolle mich aus der „Koje“, schnappe meine Klamotten und gehe ins Bad. So entgehe ich immerhin dem morgendlichen Badgedränge der Familie. 🙂

Außerdem bekomme ich den ersten Kaffee und kann noch mindestens eine Stunde an meinem Roman schreiben. Das Klischee des nachtschwärmerischen Künstlers trifft auf mich leider nicht zu. Ich schreibe ich in der morgendlichen Stille. Besonders jetzt im Frühling, wenn durch die offenen Fenster die kühle Morgenluft hereinströmt und die Vögel zwitschern. Okay, wenn ich einen Roman schreibe kann ich nicht nur morgens schreiben, sonst würde ich mein Pensum nicht schaffen.

Ich muss mich zwischen meinen Jobs, Haushalt, Familie und Freunden organisieren. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich nicht so aufmerksam bin, wie ich eigentlich sein möchte. Immerhin lebe ich in meinem Roman, mit den Figuren, bewege mich zwischen den Welten hin und her und bleibe des Öfteren in der Fantasiewelt hängen. Die vielen bunten Notizzettel auf meinem Schreibtisch sind ein sicheres Indiz dafür.

Da war es mir heute sehr recht, einen kleinen Ausflug nach Bad Homburg zum gotischen Haus zu machen.

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Meine Freundin kannte es noch nicht und ich konnte neben einem netten Gespräch, bei Kaffee und Kuchen, noch einen Museums Besuch machen und dabei ein bisschen Recherche betreiben. Dazu gehört zum Beispiel Equipment, dass im 19. Jahrhundert verwendet wurde.

Hier ein wunderschönes Cembalo.

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Mit diesen Lampen erhellten die Menschen damals ihre Wohnungen.

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Talglampen

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Handlampe, mit denen man nachts durch die dunkle Stadt ging.

Ich nehme an, dass die reichen Leute einen Diener hatten, der sie trug und die Herrschaft begleitete.

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Für die „Dame von Welt“ gab es wunderschöne Hüte und ein Sommerkleid zu sehen.

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Und für den eleganten Herren verschiedene Zylinder.

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Es war also ein sehr entspannender und gleichzeitig spannender Besuch. Außerdem ist es allemal interessanter, als nur am PC zu recherchieren. In der Bewegung nach außen, bewegt sich auch das Innen. Bei genauer Betrachtung der Gegenstände und der geschichtsträchtigen Orte, stellt man erst fest, welchen Widrigkeiten die Menschen in anderen Jahrhunderten ausgesetzt waren.

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Durch diese Allee kam der Herzog vom Schloss in Bad Homburg zum gotischen Haus.

Nach diesem schönen Ausflug wird die riesige Handlampe, neben ein paar anderen Kleinigkeiten, auf jeden Fall in meinem Roman vorkommen!

Den Wecker habe ich für morgen früh absichtlich auf 6:30 gestellt 😉 .

PS.: Falls ihr einen Ausflug plant: Öffnungzeiten ab 14 Uhr bis 17 Uhr. Eintrittspreis 2 Euro für Erwachsene. Unbedingt Zeit für Kaffee und Kuchen einplanen. Lecker!

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Wer hat an der Uhr gedreht – wenn ich das wüsste! Irgendwie hängt es immer. Wenn meinen „Alltag“ schmeißen muss, kann ich nicht schreiben, das macht mich unzufrieden und wenn ich schreibe bleibt das Unangenehme liegen und starrt mich unverwandt an. „Du musst mich erledigen“, sagt es hämisch zu mir und bohrt sich in meine Gedanken.

Diese Gehäßigkeit müllt mir den Teil meines Hirns zu, der für Wortschöpfungen und Plots zuständig ist. Verdammt! Da beißt sich die Katze in den Schwanz – weil sie es kann. Hilft alles nichts, es soll weitergehen! Inzwischen habe ich eine List für mich ersonnen, die mir hilft den Sprung zum Schreiben auf einem Umweg zu erreichen. Ich mache Collagen. Es macht mir echt Spaß und inzwischen ist aus dem Umweg ein Nebenweg geworden, der einen weiteren Teil meiner Zeit beansprucht. Das heißt, ich teile meine Zeit zwischen Collagen/Zeichnungen und Schreiben.

Nicht das, was ich geplant hatte, andererseits Kunst ist Kunst und erlaubt ist, was gefällt und Spaß macht. Ich bin nicht bereit, den Sehenden in mir, für den Sprechenden kaltzustellen. Dazu gehe ich zu sehr darin auf. Collagen zusammenzustellen bringt mich runter und entspannt mich, ebenso wie mich das Schreiben anregt und in den Flow wirft. Ich brauche beide Seiten und Zeit!!

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Diana saß im Pyjama auf dem grauen Ecksofa, die Beine angezogen und aß Müsli. Die Sonne fiel durch die breite Fensterfront und erfüllt den Raum mit warmem Licht. Draußen tobten die ersten Schneeflocken durch die Luft, die der winterlich wilde Wind über die Ostsee trieb. Diana hörte, wie er die Bäume zerzauste und sah wie er die Wellen in einem dramatischen Tanz gegen den flachen Strand trieb. Die Möwen hatten Mühe sich gegen den Sturm zu behaupten und segelten in einem Zickzackkurs über dem Wasser.

Im Hintergrund sang Gordon Haskell „How wounderful you are …“, das neue Jahr war noch frisch, erst fünf Tage alt, und trotzdem hinterließ es erste Spuren. Diana war weit fort von zu Hause und der Gedanke in den Alltag zurückzukehren verursachte ihr ein dumpfes Gefühl in der Magengegend.

„Things can happen fast“, sang Gordon und Diana dachte an die Veränderungen, die sich in den letzten Monaten ergeben hatten. Sie hatte das Glück gesehen. Für einen kurzen Moment spürte sie es: zu Hause sein. Ein überwältigendes Gefühl, das sie atemlos machte, um es im nächsten Augenblick wieder zu verlieren. Die Dinge wandelten sich oft schneller, als vorauszusehen. Sie wusste, dass sie dieses Glück nicht behalten konnte. Es gehörte ihr nicht, würde ihr niemals gehören. Das hatte sie nicht daran gehindert es sich anzusehen und es zu begehren. Manchmal will das Herz, was das Herz will, egal um welchen Preis.

Diana wünschte sich glücklich zu sein und doch, genau das war schwer zu bewerkstelligen. Glück, diese flüchtigen Augenblicke, die man oft erst erkannte, wenn sie verflogen waren. Nun in diesem Moment, die Sonne fiel auf ihr Gesicht, die Musik hüllte sie ein, der ungestörte Blick auf das Meer – verspürte sie ein Gefühl des Glück, dass ihr ganzes Sein erfüllte.

Diana wusste, es war besser nicht darüber nachzudenken. Im Augenblick des Nachdenkens bekam das Glück schon wieder Risse, weil sie es festhalten wollte. Sie nahm sich vor, wenn sie es nicht verwahren konnte, so wollte sie zumindest weniger unglücklich sein. Sie schrieb in ihr Tagebuch:

„Erinnere dich immer an diesen Tag, wenn du in den nächsten 360 Tagen vor einer Krise stehst. Erinnere dich an das Meer, die Stille, das Glück, das du so erfüllend empfunden hast und glaube fest dran, dass du dich eines Tages wieder so unendlich glücklich fühlen wirst, wie an dem Tag, als du in seine Augen gesehen hast.“

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oder Studenten auf Reisen

 Nachdem ich endlich Studentin sein darf, ist es an der Zeit die neu gewonnene Freiheit zu genießen und sich dem Leben hinzugeben. „Das Leben wurde geschaffen für große Abenteuer & große Freundschaften.“ So haben meine Mitstudentin Uschi und ich eine spontane Reise zu einem Konzert der Band PROJEKTiON in die Niederlande geplant.

PROJEKTiON

PROJEKTiON

Nein, die Reise zum Konzert der Band ist nicht meinem neuen Seminar: Verstehen an der Grenze – Fremde Lebenswelten beobachten – verstehen – beschreiben, geschuldet, sondern wurde durch einen netten Zufall auf Twitter ausgelöst. Dort stieß ich vor einigen Wochen auf diese interessante Band aus den Niederlanden. Da ich Musik liebe  (und die Niederlande), sie auch zum Schreiben brauche, und ich es spannend finde neue Musik/er zu entdecken (dank meiner Kinder, die immer mal wieder ungewöhnliche Musik nach Hause brachten und mich inspirierten) klickte ich den Song an.

PROJEKTiON – Stranded

Dieser Song ist eine wunderschöne Ballade und gefiel mir auf Anhieb. Der Leadsänger beherrscht die leisen Töne, aber wie man bei dem Song „Delirious“ hören kann, auch die rockigen Vocals.

PROJECTiON – Delirious

Die Band kommt aus den Niederlande, Provinz Gelderland aus den hübschen Städtchen Winterswijk, Varsseveld, Borculo. Die Musiker blicken auf langjährige Erfahrungen zurück, traffen bei Auftritten öfter aufeinander, bis sie sich in der jetzigen Konstellation zusammenfanden. Die Bandmitglieder: Richard Immink (drums and vocals), Frank van Eerden (guitar and vocals), Herman Wiggers (lead vocals), Peter Pampiermole (keyboards and vocals), Jürgen ten Have (bassguitar and vocals) schreiben und komponieren alle Songs selbst.

Das Debüt-Album heißt Realitivity und entstand 2015 – Genre: Melodic/ Progressive Rock. Die Songs des Konzeptalbums stehen zwar alle für sich, bilden aber eine harmonische Einheit. Die Bandmitglieder haben beim Schreiben der Songs ihr Leben, ihre Erfahrungen einfließen lassen.

Das Album ist eine musikalische Beschreibung des Lebens mit allem was uns im Alltag begegnet: Eile, Stress, Erwartungen, Druck, Überzeugung, Zweifel, Reue, aber natürlich auch Freude, Liebe und Glück, die ein unersätzliches Gegengewicht bilden. Die Relativität der Realität. Realitivity. So entstand ein Album, das sich zu einer stimmig-melodischen Einheit zusammenfügt.

Background Magazin über PROJECTiON

Informationen in englischer Sprache

Webseite der Band PROJECTiON

In Niederländisch.

Das Konzert findet am 24.11.2016 im Muziek Cafe Merleyn, in 7001 Doetinchem, Grutstraat 4 statt. Muziek Cafe Merleyn

Und was das Studentische in der Reise betrifft – nach dem Konzertbesuch wird es einen kleinen Reisebericht geben. Denn tatsächlich wird dies das zweite Konzert meines Lebens. Das erste Konzert war im Olympia Stadion Berlin – U2 – Zoo Tour. Eine zweite Premiere sozusagen. Es ist doch toll, dass man mit 51 Jahren Dinge  zum (fast) ersten Mal erleben kann.

„Die Inspiration ist vorbei, nun kann ich mich wieder an die Arbeit machen.“                                             Stanislaw Afanasjew

Ein schönes Zitat. Zeigt es doch, dass wir nie aufhören dürfen neugierig und interessiert zu sein. Sich mit Neuem zu befassen um sich inspirieren zu lassen. Der Sehnsucht nachzugeben, dem Leben ein Abenteuer abzutrotzen und sich nicht kampflos dem Alltag zu überlassen. Ohne Inspiration kann unsere Kreativität nicht befruchtet werden. Das kann sicher jeder Künstler bestätigen. Und wer den Funken der Inspiration gespürt hat, kann und will ihn nicht mehr missen.

„Wir bereuen am Ende unseres Lebens das, was wir nicht getan haben. – Noch niemand hat am Ende gedacht, schade, ich habe viel zu wenig Zeit im Büro verbracht.“

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Die Buchhandlung ist nicht sehr groß, aber bis auf den letzten Platz besetzt. Ich freue mich einerseits, andererseits treibt es mein Lampenfieber erst richtig in die Höhe. Heute lese ich aus meinem ersten Roman. Darin geht es um eine junge Polizistin, die allerlei erotische Verwicklungen erlebt.

Bis jetzt hat sich das Buch sehr gut verkauft. Sex sells. Deswegen hat meine Verlegerin einige Lesungen organisiert und heute ist Premiere.

Auf dem Polizeirevier weiß niemand davon und ich will auch nicht, dass sich etwas daran ändert. Mein Chef hält mich sowieso für unorthodox und naseweis, diesen Eindruck will ich nicht verstärken. Zum Glück läuft die Veröffentlichung unter einem Pseudonym und die Buchhandlung liegt nicht in meiner Heimatstadt.

Die nette Besitzerin tritt vor und begrüßt die Gäste. Sie stellt mich kurz vor, ohne meinen Beruf und meinen richtigen Namen zu erwähnen. Dann ist die Lesung eröffnet.

Bevor ich mich dem Text zuwende, blicke ich noch einmal lächelnd in die Runde. Mein Blick bleibt an zwei kühlen, blauen Augen hängen, die ich sehr gut kenne. James, mein Kollege und Partner! Oh Gott, er hat es herausgefunden! Lässig lehnt er an einem Bücherregal, die Arme untergeschlagen. Wie immer im teuren Anzug. Einziges Zugeständnis an den inoffiziellen Anlass ist das Fehlen der Krawatte.

Ich hefte meinen Augen auf das Buch. Die Zeilen verschwimmen. Ich fühle seinen intensiven Blick auf meinem Gesicht. Atme, atme, sage ich mir – vielleicht ist das alles nur Einbildung. Ich sehe wieder hoch. James steht noch an derselben Stelle, wie festgefroren. An seiner Mimik kann ich nichts ablesen.

Er wird sich bestimmt in meinem Roman wieder erkennen. Immerhin ist er von meinem Alltag inspiriert. Verdächtig eindeutige Texte gibt es genug und ich weiß, James ist sehr klug. Ich habe alles, was es zwischen ihm und mir im echten Leben nicht gibt, geben darf, in diesem Roman aufgeschrieben und das ist unter anderem eine Menge fiktiver Sex, vermischt mit einer realen Mörderjagd.

Es ist so still, dass ich eine Stecknadel fallen hören könnte. Aber es gibt kein zurück! Ich trinke noch einen Schluck Wasser, räuspere mich nervös und fange an zu lesen:

„Lance sieht mich mit diesem unergründlichen Blick an und streicht sich durch sein widerspenstiges blondes Haar.“

Mir ist klar, dass James es in genau diesem Moment weiß. Er hat mich hier in der Buchhandlung aufgespürt und er weiß, dass er Lance ist. Immerhin ist er der beste Ermittler im Yard.

„Mein Herz gerät aus dem Takt. Inzwischen arbeite ich solange mit Lance zusammen und habe mich noch nicht dran gewöhnt. Das liegt daran, dass ich mehr für Lance empfinde, als angebracht und erlaubt ist. Plötzlich hören wir ein verdächtiges Geräusch. Lance schaltet das Licht aus, und ehe ich reagieren kann, zieht er mich in eine Nische zwischen Wand und Schrank.

„Psst“, macht er nur.

Die Nische ist so eng, dass wir dicht aneinander gedrängt stehen müssen. Ich versuche auf das Geräusch zu achten, stattdessen denke ich an nichts anderes, als an Lance Nähe. Er hat seinen Arm von hinten um meine Taille gelegt. Ich fühle seine kräftige Hand auf meinem Bauch. Sein warmer Atem streift meinen Nacken. Ohne nachzudenken, lehne ich mich an ihn und neige meinen Kopf zur Seite. Lance fasst mir in die Haare und legt meinen Hals frei, dann haucht er mir einen Kuss auf die empfindliche Stelle hinter meinem Ohr. Ein Schauer rinnt meinen Rücken hinab. Unwillkürlich drücke ich mich fester an ihn.“

Himmel warum habe ich nur diese Stelle zum Vorlesen ausgesucht? So ähnlich hat es immerhin stattgefunden, bis auf das Küssen und Randrücken, da wir kurz darauf unter Beschuss standen. Ich schaue kurz auf und begegne James unergründlichem Blick. Ich bilde mir ein, ein gefährliches Flimmern in seinen Augen zu sehen und etwas, dass ich noch nicht kenne. Atemlos lese ich weiter. Das tut der erotischen Szene, die jetzt folgt, allerdings keinen Abbruch. Im Gegenteil.

***

Der Applaus tut gut. Ich bin froh, dass ich die Lesung unfallfrei hinter mich gebracht habe, obwohl James mich keine Sekunde aus den Augen ließ. Während ich für die begeisterten Besucher Bücher signiere und mir ihre wohlwollenden Kommentare anhöre, steht James in einer Ecke. Er beobachtet das Spektakel und wartet, bis alle ihre Unterschrift haben. Dann kommt er herüber, legt mir sein Buch auf den Tisch und sagt mit seiner tiefen Stimme:

„Für Lance bitte.“

Für eine Sekunde zögere ich. Dann schreibe ich:

„Für Lance von seiner Lea.“

James wirft einen Blick darauf, ohne eine Miene zu verziehen, klappt das Buch zu und sagt:

„Komm ich fahr dich heim.“

Ich nicke. Die innere Anspannung zerreißt mich fast. James will bestimmt reden.

„Ich hole nur meine Tasche und meine Jacke.“

James wartet geduldig, bis ich mich von der Buchhändlerin verabschiedet habe, nimmt mir die Tasche ab und trägt sie zum Auto. Ganz Gentleman öffnet er die Tür und wartet, bis ich eingestiegen bin. James schaltet Musik an. Sanft perlt sie durch die Nacht und untermalt unser Schweigen.

Ich möchte etwas sagen, erklären, weiß aber nicht wo ich anfangen soll. James scheint keinen Erklärungsbedarf zu haben. Er macht keinen Versuch das Schweigen zu brechen und wartet einfach ab. So wie er es manchmal bei Verhören tut. James knackt die härtesten Brocken.

Wir halten vor James Haus. Erst jetzt fällt mir auf, dass wir einen anderen Weg gefahren sind, so vertieft war ich in meine Gedanken. James steigt aus, geht um den Wagen und reich mir die Hand.

„Ich denke, es gibt einiges zu klären“, sagt er streng.

Ich lege meine Hand in seine und folge James gehorsam ins Haus. Es ist schlicht und geschmackvoll eingerichtet. James führt mich ins Wohnzimmer. An jeder Wand stehen Regale angefüllt mit Büchern. James nimmt mir die Jacke ab.

„Ein Glas Wein?“, fragt er.

„Ja.“

Ich bin irritiert. Gehört das zu James neuen Verhörmethoden? Ich setze mich aufs Sofa, während James Musik auflegt, zwei Gläser aus dem Schrank holt und den Rotwein eingießt. Er setzt sich neben mich und reicht mir mein Glas. Der Wein funkelt in den schönen Schwenkern wie Rubin.

„Auf dein Buch“, sagt er.

Ich versuche Spott in seinem Gesicht zu erkennen, aber da ist keiner. Was ich sehe, ist eher Neugier und Interesse.

„Seit wann?“, fragt James und ich weiß genau, was er meint.

„Seit dem ersten Tag“, flüstere ich und schaue konzentriert auf das Glas in meiner Hand.

„Du hast es sehr gut verborgen“, stellt James anerkennend fest.

Ich schweige. Was soll ich sagen? Wenn es raus gekommen wäre, hätte mich der Chef in eine andere Einheit versetzt. Das hätte ich nicht ertragen.

„Hast du mir gar nichts zu sagen?“, James Stimme ist samtweich. Er nimmt meine Hand in seine, zieht sie an seine Lippen und küsst jede Fingerspitze einzeln, dabei sieht er mir direkt in die Augen.

„Oder hast du schon alles in deinem Roman beschrieben.“

Ich kann meinen Blick nicht aus seinem lösen, bin völlig gebannt. Die Berührung seiner Lippen sind wie kleine Stromschläge, die ihr Ziel, meine Körpermitte, nicht verfehlen.

„Ich warte“, flüstert James.

Er lächelt und ich laufe purpurrot an. Ich fühle es bis in die Haarspitzen.

„Es war wie eine Sucht“, höre ich mich sagen, „jeden Tag, in den letzten zwei Jahren, wenn ich nach Hause kam, schrieb ich mir die Sehnsucht aus dem Körper, bis ich leer war. Am nächsten Tag begann es von Neuem. Du warst da. Sahst mich an, auf deine Art. Redetest mit mir, auf deine Art. Berührtest mich, unabsichtlich nur, aber du hast es getan und ich sog mich voll mit meiner Lust.“

James rückt näher an mich heran. Sein warmer Atem streift mein Gesicht. Sein Duft hüllt mich ein. Immer noch hält er meine Hand. James beugt sich vor.

„Woher weißt du, dass ich dich unabsichtlich berührt habe?“

Ich zucke zusammen. Mit weit aufgerissenen Augen sehe ich ihn an.

„Ich habe gehofft, dass du irgendwann aus deiner Deckung kommst, aber du hast dir keine Blöße gegeben. Irgendwann dachte ich, ich hätte mich getäuscht, was deine Gefühle für mich betrifft. Nur richtig glauben konnte ich es nicht. Dann hätte mich meine Intuition schon sehr im Stich lassen müssen.“

„Warum hast du nie etwas gesagt?“

Ich versuche die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken.

„Vielleicht aus demselben Grund wie du. Angst vor Zurückweisung. Der Wunsch begehrt zu werden.“

Ohne weiter nach Erklärungen zu suchen, beuge ich mich vor und hauche James einen Kuss auf den Mund. Oh mein Gott, wie süß sich das anfühlt. Ein Kribbeln zieht sich von meinen Lippen durch meinen ganzen Körper. Ich habe solange gewartet, dass es kein zurück mehr gibt.

Mit einer geschmeidigen Bewegung raffe ich meinen Rock hoch und schwinge mich auf James Schoß, umfasse sein Gesicht mit den Händen und küsse ihn wieder. James packt mich an den Hüften und zieht mich ganz dicht an sich heran. Seine Hände gleiten unter meine Bluse. Ich lehne mich zurück. James küsst meinen Hals. Ein tiefes Stöhnen scheint direkt aus meinem Bauch zu kommen. Ich presse mein Becken fest gegen seine Hüften, spüre seine Erektion. James hakt meinen BH auf, schiebt ihn mit der Bluse über meinen Kopf. Quälend langsam und erregend küsst James sich von meinen Schultern zu meinen Brüsten hinab. Ich kann mich nicht zurückhalten, kralle mich Finger in seine Schultern. James befreit mich mit einem Ruck von meinem Seidenslip. Ich höre das Ratschen und fühle die Feuchtigkeit zwischen meinen Schenkeln.

***

„Wie oft hab ich mir das vorgestellt“, flüstere ich.

„Und?“

Ich höre sein Lächeln.

„Es war so gut!“

Ich will von seinem Schoß gleiten. James hält mich fest. Seine Hände liegen auf meinen Hüften.

„Nein, bleib. Warte einen Moment.“

Ich gehorche. James sieht mich an.

„Kein Widerwort?“, fragt er und ein spöttisches Lächeln spielt um seine vollen Lippen.

„Nein.“

Ich erröte. Ich würde alles tun, was er will, nur damit er das noch einmal mit mir macht.

„Beweg dich ganz langsam“, fordert er mich auf.

James raue Stimme rieselt mir den Rücken herunter. Gemächlich bewege ich mein Becken auf und ab. Fühle, wie sein Schwanz wieder steif wird. Seine Finger kneten meinen Po. Ich hefte meine fiebrigen Augen auf sein Gesicht. James will mich wirklich noch einmal. Als könne er den Gedanken in meinem Blick sehen, sagt er lächelnd:

„Ich habe zwei lange Jahre gewartet. Jetzt will ich alles! Und wenn mein Herz dabei aussetzt.“

„Das wird nicht passieren“, ich küsse James begierig, beiße ihn sanft in die Lippe, was einen festen Stoß seinerseits zur Folge hat, „Ich kann Mund zu Mundbeatmung und Herzmassage.“

„Dann sollten wir das üben Frau Autorin“, grinst er, schlingt die Arme um mich, und mit einem gekonnten Griff, dreht er mich auf den Rücken. Sein Gewicht presst mich in die Kissen. Ich fühle seinen harten Ständer an meinem Bauch. Der einzige Gedanke, der mir durch den Kopf geht ist, dass ich James wieder in mir fühlen will.

„Komm zurück“, bitte ich ihn.

„Keine Angst, bevor die Nacht zu Ende geht, wirst du froh sein, wenn ich dich in Ruhe lasse.“

„Das werden wir sehen. Ich nehme alles, was du bereit bist zu geben.“

Ich schließe die Augen, überlasse mich seinen erfahrenen Händen, seinem Mund, seinem Körper. Als er wieder in mich eindringt, ist es wie eine Erlösung.

***

Erschöpft liege ich in James Armen. Mein Körper fühlt sich an wie Watte. Wir halten uns so eng umschlungen, dass kein Blatt zwischen uns passt. Ich höre James Herz schlagen. Ruhig, stark, gleichmäßig.

„Du bist schön.“

James zieht meine Hand an seine Lippen und drückt kleine Küsse auf meine Handfläche. Ich seufze. Nie habe ich gedacht, dass James so etwas zu mir sagen würde. Ich betrachte ihn. Seine Gesichtszüge sind entspannt und seine Augen ruhen zärtlich auf meinem Gesicht.

„Ich möchte dir etwas sagen“, beginne ich zögernd, „und bitte brich nicht gleich in Panik aus.“

„Psst“, James schmunzelt und legt mir sanft einen Finger auf die Lippen, „Ich bin nie in Panik. Das weißt du doch?“ Ich nicke. Bevor ich etwas sagen kann, fährt er fort: „Ich liebe dich auch. Nicht erst seit heute.“

Erstaunt sehe ich James an. Er kann wohl doch Gedankenlesen.

„Aber seit heute um so mehr“, James grinst, „und wenn du immer so willig bist, werde ich dich ewig lieben.“

„James“, tue ich empört und will ihm einen Klaps geben.

Er scheint es geahnt zu haben, fängt meine Hand ab und drückt mich in die Kissen.

„Nanana! Kleine Lady, du wirst doch keinen Polizisten, noch dazu deinen Vorgesetzten, tätlich angreifen.“

„Wenn es sein muss?!“

Ich winde mich unter ihm hin und her, aber James ist nicht zu bewegen.

„Mach nur so weiter. Das macht mich echt an. Und dann werde ich mit dir schlafen müssen.“

„Gut zu wissen.“

Ich lasse mein Becken unter seinen Hüften kreisen.

„Mach weiter, das gefällt mit ausgesprochen gut.“

James beugt sich vor, seine Lippen gleiten an meinem Schlüsselbein entlang, den Hals hinauf. Jedes Härchen meines Körper stellt sich auf. Meine Brustknospen drücken hart gegen James Oberkörper.

„Und mir gefällt es, wenn du es tust“, flüstere ich und presse mich energisch gegen ihn.

„Ich liebe deine zügelloses Temperament und deine Sinnlichkeit“, flüstert er heiser.

Ich senke den Blick. James küsst meine Lider.

„Du musst so bleiben, wie du bist.“

„Kennst du mich so gut?“

„Ich denke inzwischen schon. Aber das, was ich noch nicht kenne, werde ich mit Begeisterung entdecken.“

James streicht begehrlich über meine Schenkel. Mir gefällt das begierige Glitzern in seinen Augen. Nur zu gerne lasse ich mich von ihm zu einem neuen lustvollen Spiel verführen.

 

 

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Ich stehe auf der Brücke und sehe in die schwindelerregende Tiefe. Unter mir glänzt die regennasse Straße im Schein der Straßenlaternen. Ist die Höhe groß genug, um wirklich tot zu sein oder breche ich mir jeden Knochen im Körper und werde ein bedauernswerter Pflegefall. Es reicht, dass ich mich wie ein geistiger Krüppel fühle, die mitleidigen Blicke anderer könnte ich nicht ertragen.

„Schaut nur, sie hat versucht sich zu Tode zu stürzen, aber es hat nicht geklappt und jetzt muss ihre Familie sie pflegen. Im Leben hat sie nichts richtig gemacht und auch das Sterben ist ihr nicht gelungen.“

Die Vorstellung ist furchtbar. Aber gibt es eine bessere Art zu sterben? Mit dem Strick? Wenn ich es nicht richtig anstellte, dann werde ich elendig ersticken; ins Wasser gehen, bringt nichts. Ich kann schwimmen. Erschießen? Ich weiß nicht, wie ich an eine Waffe kommen könnte und außerdem habe ich keinen blassen Schwimmer, wie man so ein Teufelsding bedient. Vor einen Zug schmeißen habe ich erwogen, aber wenn ich daran denke, wie mein Körper danach aussieht, wird mir übel.

Ich sehe in den Abgrund. Ich bin vollkommen unfähig. Unfähig zu leben und unfähig zu sterben. Tränen laufen mir über das Gesicht. Warum kann es nicht endlich zu Ende sein? Das Leben ist so ermüdend. Egal was ich tue, niemandem kann ich es recht machen. Niemand tritt für mich ein oder hat ein hörendes Ohr für mich. Wenn ich über meine Probleme sprechen will, heißt es: Was hast du? Du hast es doch gut. Schlaf dich mal aus, dann wird das schon.

Es kotzt mich an. Nichts wird gut. Das Leben läuft immer in dem gleichen Trott von Aufstehen, Arbeiten, Schlafengehen. Ohne Liebe, ohne Zuwendung. Alles bloß Gewohnheit. Alltag, der alles erstickt.

Von der Euphorie des Anfangs ist nichts übrig geblieben. Die Zeit läuft mir davon und nichts ändert sich. Ich habe das Gefühl, das jedes Wort von mir ungehört im Wind verweht und ich die Einzige bin, die erkennt wie stumpf und zerstörerisch dieses Leben ist.

Ich kann, ich will nicht mehr so weiter leben. Mein Körper rebelliert schon länger gegen diesen Wahnsinn und jetzt ist meine Seele am Ende. Der Schmerz fühlt sich an wie ein Messer, dass in meinem Bauch umgedreht wird. Ich kann nicht essen, nicht schlafen, habe ständig Kopfschmerzen.

Das muss aufhören. AUFHÖREN! Ich will nichts mehr denken, keine blöden Ratschläge mehr hören. Es soll einfach aufhören. Wenn es doch so einfach wäre. Am liebsten würde ich mich in eine Ecke legen und die Luft anhalten, bis es vorbei ist. – Markus wäre vermutlich froh, wenn er mich so bequem los wird. Dem tue ich noch einen Gefallen und seinen Eltern bin ich sowieso nie gut genug gewesen für ihren Liebling.

Ich lege meinen Kopf auf das Brückengeländer. Ein Schluchzen schüttelt mich. So kann ich nicht leben. Sterben kann ich auch nicht. Ich habe Angst vor dem Sprung. Ich bin noch nicht soweit, sonst hätte ich nicht gezögert. Mein Körper will mir nicht mehr gehorchen. Ich sinke auf die Knie.

Als sich mein Schwächeanfall gelegt hat, schleiche ich zurück wie ein geprügelter Hund. Wenn ich Glück habe, schläft Markus schon, wie immer. Sobald er morgen früh aus dem Haus geht, packe ich meine Sachen und wenn ich auf der Straße wohnen muss. Besser, als so weiter zu leben.

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