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Posts Tagged ‘Ägypten’

– Was hat sich Großvater nur dabei gedacht! Was habe ich mir dabei gedacht! Und dabei habe ich mir vorgenommen ganz ruhig und gefasst zu bleiben. Ich hätte auf John hören sollen, er hat mich gewarnt. – Mit energischen Schritten umrundet sie den großen Brunnen vor dem Haus. – Ich sollte nach Hause fahren. Aber das wäre ein Triumph. Gil würde sich ins Fäustchen lachen, dass er die lästige Erbin losgeworden ist. Ich muss mehr wissen. – Rosalie hält kurz inne, atmet tief durch. – Ich werde meine allwissende Quelle anzapfen müssen. – Kurz darauf sitzt sie bei Misses Morse in der Küche, genießt ein Stück frisch gebackenen Kuchen und eine Tasse Tee.

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Rosalie liegt im Bett, in spitzenbesetzten Kissen und Decken und betrachtet den reich bestickten Baldachin über sich. Sie hat den Verdacht, das Bett gehörte schon zur ersten Möblierung des Hauses und obwohl sie in ihrem eigenen Heim den modernen Stil bevorzugt, übt das altmodische Ambiente einen besonderen Reiz auf sie aus.

Ihre Gedanken kreisen um die beiden Besitzer des Anwesens. Lady Edna, die in selbstgewählter Begrenzung aus Konvention und Arroganz wie ein zurückgebliebenes Kind wirkte, nicht im Stande einfachste Zusammenhänge zu verstehen. Während Gil sich durch die Traditionen an das Haus und das Erbe ketten ließ, alles genau beobachtete, sich auf der Suche nach einem Ausweg im Kreis drehte und eine Mauer aus eisiger Ablehnung aufbaute.

Rosalie schlägt die Decke zurück, schlüpft in Pantoffeln und Morgenrock und verlässt ihr Zimmer. Sie könnte Mister Smith aus dem Bett klingeln und ihn bitten ihr einen Tee zu bringen, doch sie will seine Abneigung gegen ihre Person nicht verstärken. Den Weg in die Küche findet sie ohne nachzudenken.

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Durch den nachglühenden Herd herrscht in der Küche noch eine angenehme Temperatur. Rosalie legt einen Holzscheit nach und ragt mit dem Schürhaken mehr Glut um das Holz. Sie rückt den Wasserkessel über die Feuerstelle. Er ist noch zur Hälfte gefüllt und lauwarm. Rosalie nimmt eine kleine Teekanne vom Regal, füllt eine Handvoll Pfefferminzblätter ein und zieht sich einen Stuhl vor den Herd. Das trockene Holz knistert hinter der Ofentür und verströmt einen harzigen Geruch. Rosalie genießt die Stille und die behagliche Atmosphäre.

Ihre Gedanken kehren zum Nachmittag zurück, als sie Misses Morse in der Küche aufsuchte, um ihr ein paar Auskünfte bezüglich ihres Großvaters, Lady Ednas und des Familienschmucks zu entlocken.
Misses Morse genoss die Aufmerksamkeit der schönen Miss Rosalie und ließ sich nur zu gerne herab, ihr interessante Einzelheiten über ihre Ahnen anzuvertrauen. Immerhin, so sagte sie sich, war die Miss die Enkelin seiner Lordschaft und es wäre sträfliche Nachlässigkeit gewesen, ihr die Bedeutung ihres Großvaters vorzuenthalten.

Rosalie versucht sich einen Reim auf Misses Morse Mitteilungen und die merkwürdige Dynamik in dieser Familie zu machen. Nach der Testamentseröffnung hatte sie nicht vorgehabt am Dinner teilzunehmen, bis Anthony sie bei Misses Morse in der Küche aufspürte und sie mit Engelszungen davon überzeugte nicht klein beizugeben.

Sie machte aus der Not eine Tugend. Ein Erbe ihrer Eltern. Rosalie zog eines ihrer schönsten Kleider an, steckte ihr Haar zu einer eleganten Frisur auf und setzte ein strahlendes Lächeln auf. Kannst du deine Feinde nicht schlagen, gewinn sie für dich, beherzigte sie die Maxime ihres Vaters. Bis dahin war es ihr meistens gelungen, Neider oder Kritiker für sich zu gewinnen, aber was Lady Edna und Gil betraf war sie alles andere als sicher.

Erleichtert stellte Rosalie fest, dass sie nicht der einzige Gast war. Lady Edna thronte wie eine bösartige Krähe in schwarzer Witwentracht und streng frisiertem Haar an einem Ende der Tafel. Neben ihr saß Pater Markus dessen geistiger Beistand, gegen diese schreckliche Frau, seine Anwesenheit verlangte. Anthony flüsterte ihr in einem unbeobachteten Moment zu, dass der Pater Lady Ednas Beichtvater war. Die alte Dame beobachte die junge Frau mit Argusaugen. Zu ihrem Überdruss konnte sie keine Regelverstöße gegen die Etikette feststellen. Die fixe Idee Rosalie bei einem Faux Pas zu erwischen und bloßzustellen, schlug fehl.

Des weiteren bereicherte eine adelige Familie aus der Nachbarschaft das Dinner. Rosalie verdächtigte Lady Edna Gil verkuppeln zu wollen. Die drei Töchter im heiratsfähigen Alter konnten ihre Augen nicht von Gil und Anthony abwenden. Es kostete Rosalie Mühe das alberne Kichern der jungen Damen nicht mit sarkastischen Worten zu kommentieren.

Victor, der schneidige Bruder der drei Mädchen entschädigte Rosalie mit einem interessanten Gespräch über eine Reise nach Ägypten, von der er gerade ein paar Tage zuvor zurückgekehrt war. Er schien Gefallen an ihr zu finden und wich ihr den ganzen Abend keinen Schritt von der Seite.

Rosalie war so beschäftigt, beschäftigt zu sein, dass sie nicht bemerkte, das sowohl Gil, als auch Anthony ihren Gesprächspartner mit Argusaugen beobachteten. Je mehr sie sich in die Unterhaltung mit Robert vertiefte, je weiter sank die Stimmung bei den beiden Herren, die parallel die Laune der flirtenden Mädchen herabsetzte.

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Der Aufstand in Ägypten eskaliert. Die „Welt“ hat Angst, dass dort ein Bürgerkrieg ausbricht. Ist er ja eigentlich schon. Den letzten Präsidenten haben sie aus dem Amt gejagt oder geschubst … und die extremistischen Islamisten sind darauf aus, dass das Ganze in die Luft fliegt. Al-Qaida steht auch schon in den Startlöchern. Sie gieren danach das letzte Streichholz in das Pulverfass zu werfen. Warum? Was tun sie ihrem Volk nur an? Das Land, die Wirtschaft, die Kultur, das Volk wird verwundet, zerstört, kaputt gemacht. Sie können ihre Mitbürger nicht von ihrem Lebensstil überzeugen, und darum stacheln sie die extremen Elemente an, um ihre Überzeugung durchzusetzen.

Aber ehrlich, geklappt hat sowas noch nie. Wird es auch nicht. In uns liegt der freie Wille und je mehr Druck ausgeübt wird, desto mehr Gegendruck wird erzeugt. Vielleicht wollen sie ihr Volk in die Vernichtung treiben und hoffen, dass am Ende nur welche ihrer eigenen Art übrig bleiben? Aber das ist im Grunde nichts Neues. Es gab und gibt viele Diktatoren, die alles ausrotten was nur im entferntestem ihrer Ideologie wiederspricht. Schlimm nur, dass sie soviel Befürworter und Helfer haben. Am Ende trägt den Verlust der einfache Mann/Frau von der Straße. Die Bonzen bauen Bunker, horten materiellen Besitz und bringen sich in Sicherheit, wenn es brenzlig wird. Und ganz groß: sie fühlen sich nicht einmal verantwortlich. Die anderen Menschen, die Umstände, der Zeitpunkt sind schuld an ihrer Misere. Traurig, dass der unwissende Pöbel nicht erkennt, wie toll sie doch sind (Ironie!).

Wie war der Spruch? „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin.“ Wieso haben die Menschen so wenig Skrupel andere zu verletzen, zu vergewaltigen, zu töten … und das auch noch zu rechtfertigen. Egal um welche Ideologie es geht – Gewalt ist niemals der richtige Weg – kann es nicht sein. Wir alle haben nur ein Leben.

   Ich wünschte, die Menschen würden ihr Leben und das der anderen mehr schätzen. Es als kostbar betrachten.

   Ich wünschte, wir würden unsere Erde mehr würdigen. Wir haben nur eine.

   Ich wünschte, wir würden uns mehr bemühen Rücksicht auf andere zu nehmen.

   Ich wünschte, wir würden andere viel mehr so akzeptieren wie sie sind.

   Ich wünschte, wir würden freundlicher und höflicher miteinander umgehen.

   Ich wünschte, wir könnten offener für die Probleme anderer sein und besser Kompromisse schließen.

   Ich wünschte, wir könnten einander mehr vertrauen.

   Ich wünschte, wir könnten uns sicherer fühlen und Gewalt wäre kein Thema.

   Ich wünschte, Freiheit wäre nicht nur ein Wort.

   Ich wünschte, jeder würde mehr Verantwortung für sein Handeln übernehmen und nicht denken, er wäre allein auf der Welt. Zusammenleben beinhaltet immer auch gewisse Grenzen zu wahren und nicht wie ein Elefant im Porzellanladen darüber hinweg zu trampeln. Das gilt besonders für alle die Autorität ausüben.

Es gäbe noch vieles zu wünschen. Jeder Wunsch trifft auf ein Gegenüber und es ist utopisch anzunehmen, dass der Gesprächspartner eine ebensolche Einstellung hat – wir sind Menschen. Der Geist ist willig (oft) … was soll ich sagen? Ich bin traurig, dass so viele Menschen auf dieser wunderschönen Erde in Bedrängnis leben. Sei es Krieg, Obdachlosigkeit, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unterdrückung, moderne Sklaverei … die Liste ist lang.

Es macht mich unendlich traurig, dass Familien nichts zu essen haben. Väter und Mütter nicht schlafen können, weil sie nicht wissen, woher sie das Geld für die nächste Mahlzeit nehmen sollen. Es macht mich traurig, dass es alte Menschen gibt, um die sich niemand kümmert. Es macht mich traurig das Kinder in der Schule gemobbt und Erwachsene durch Mobbing aus ihren Jobs gedrängt werden. Es macht mich traurig, dass Tiere gequält und ausgesetzt werden. Und dass wir Kinder nicht mehr als unsere Zukunft sehen. Da werden unglaubliche Gelder für militärisches Gerät (Drohnen) in den Sand gesetzt, aber in den Schulen und Kindergärten herrscht Notstand. Ebenso wie in Seniorenheimen, Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen.

Gleichzeitig wird uns in den Medien gezeigt, wie toll doch so ein Leben als Millionär ist. Dass man noch mehr feiern, noch weiter reisen, noch teureren Schmuck, noch größere Villen kaufen und noch mehr sinnlosen Freizeitbeschäftigungen nachgehen kann. Glück ist das am Ende auch nicht. Es mag sein, Geld beruhigt. Ich wäre auch froh, wenn ich nicht jeden Euro drei Mal umdrehen müsste, mir einen Urlaub leisten oder öfter mal ohne schlechtes Gewissen ein Buch kaufen könnte.

Aber wenn ich bedenke, dass ich jeden Tag genug Essen habe, mir den Luxus freier Zeit leisten kann, um zu schreiben, gesunde Kinder und endlich wieder eine Arbeit habe, auf die ich mich freue, kein Bombenalarm vor dem ich mich fürchten müsste, dann bin ich einfach dankbar und glücklich. Ich habe mehr, als viele Menschen auf dieser Erde und es schnürt mir die Kehle zu, weil ich nicht viel tun kann, um das zu ändern. Aber eins steht uns allen frei – in unserer Umgebung damit anzufangen liebevoller, freundlicher und rücksichtsvoller zu sein. Und mit diesem Gedanken, wünsche ich euch allen einen sonnigen Tag.

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