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Posts Tagged ‘Abgrund’

Brickdale_Eleanor_Fortescue_1908

June is Dead, Eleanor Fortescue, 1908

Rosentod

 

Da lagst du unter den gelben Rosen

Die zarten Blätter dufteten süß

Deine hellen Sternenaugen geschlossen

Die weißen Flügel zerbrochen

*

Neugier trieb dich weit hinaus

Einmal schauen was dort unten ist

Sahst in den tosenden Abgrund

Stürztest bodenlos in unseren Garten

*

Weiche Federn von Dornen aufgespießt

Blutstropfen rot wie Splitter von Rubin

Färbten deine Jungenwangen rosa

So fand ich dich unter den gelben Rosen

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Verschlungen auf endlosen Pfaden
Zwischen Gedanken
Wünsche und Träumen
Wandere ich
Dem Ziel entgegen
Ohne es zu erreichen

Enger schließen sich die Stäbe
Aus Angst und Traurigkeit
Geboren in der Vergangenheit
Lassen mir keine Ruhe
Vermag nicht zu atmen
Bewegungslos gebannt

Durch Sprachlosigkeit
Schreiende Stille
Die nichts wegwischt
Weder tausend Tränen
Noch verzweifelte Liebe

Gefangen im Labyrinth
Des seichten Lebens
Strebe ich der Tiefe zu
Finde nur den Abgrund
In den ich stürze

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Nach dem Bild: Furcht vor dem Großen, von Michael Ludwig

Ich falle
In den Schatten
Stürze in den Abgrund
Niemand der mich sieht
Keine Hand
Die meine hält
Einsamkeit
Zerstörte Hoffnung
Verbranntes Herz

In einer Illusion
Von Dämmerung
Trifft mich ein Strahl
Leuchten blendet
Den stumpfen Blick
Eingehüllt in Silber
Dunkler Geist
Namenlos
Versprichst mir
Alles oder Nichts

Linderst den Schmerz
Gibst deinen Anteil
Forderst
Einen hohen Preis
Das Feld der Ehre
Nimmt die Seele
Für ein Trugbild
Täuschungen
Sind harte Währung

Ich lehne ab
Erhebe mich
Aus Staub und Asche
Verletzt
Doch nicht gebrochen
Verschmäht
Doch immer Ich
Bin frei
Geh meinen Weg

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Lieber Rilke,

warum du es bist, dem ich einen Brief schreibe, magst du dich fragen? Du bist der Dichter meines Herzens. In deinen Versen finde ich mich wieder. Sie rühren mein Herz, dringen tief in meine Seele. Sie sprechen von Liebe, unendliche Liebe. Wie sehr sehne ich mich danach, ich glaube, du hast es gewusst. Du hast das Gefühl gekannt, wie es sich anfühlt, ineinander aufzugehen, den Atem des anderen zu trinken, reines Gefühl sein – gleichgültig, ob dieser Rausch uns in den Abgrund stürzt oder in den Himmel hebt. Du musstest es tun, so wie ich nicht anders kann.

Wenn ich liebe, kann ich es nicht halb. Ich kann meinen Verstand nicht erhören, auch wenn ich weiß, dass mich meine Leidenschaft verschlingt, mein Leben völlig auf den Kopf gestellt wird. Ich muss mich hingeben – nichts ist wichtiger, einzig die Liebe.

Kein Geld, kein Erfolg, kein Ziel kann die Liebe aufwiegen. Nur sie erfüllt mich so vollständig, lässt mein Herz rasen, mein Blut kochen, meine Gedanken, wie Wirbelwinde dahinstürmen. Liebe erschafft – ist der Treibstoff der Musen – Liebe zerstört.

Liebeslied von R.M.Rilke

Wie soll ich meine Seele halten, dass
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand? O süßes Lied.

Wie soll ich meine Seele halten, wenn mich die Liebe überwältigt? Ist es nur die Anziehung des Neuen, fremder Haut? Oder ist es tiefer, eine lang herbei gesehnte Seelenverwandtschaft, die sich aufschwingt, bis die Kraft erlahmt und ausbricht?
In diesen Augenblicken, wünsche ich mir weise und abgeklärt zu sein. Mir zu sagen, lass die Finger davon, du weißt, dass es ein gefährlicher Weg ist. Doch mein Körper erinnert sich an die euphorischen Gefühle, den Höhenflug, die Energie, die mein Schreiben antreibt. Wer kann der Liebe widerstehen?

Folgen wir unseren Gefühlen, dann können sie unser Leben aus allen Angeln heben, folgen wir ihnen nicht, zehrt uns die Sehnsucht aus. Immer ist da diese Frage: Was wäre wenn?

Aus Traumgekrönt von R.M.Rilke

Und wie mag die Liebe dir kommen sein?
Kam sie wie ein Sonnen, ein Blütenschnein,
kam sie wie ein Beten? – Erzähle:

Ein Glück löste leuchtend aus Himmeln sich los
und hing mit gefalteten Schwingen groß
an meiner blühenden Seele…

Das war der Tag der weißen Chrysanthemen, –
mir bangte fast vor seiner schweren Pracht…
Und dann, dann kamst du mir die Seele nehmen
tief in der Nacht.

Mir war so bang, und du kamst lieb und leise, –
ich hatte grad im Traum an dich gedacht.
Du kamst, und leis wie eine Märchenweise
erklang die Nacht…

Der Virus Sehnsucht. Er schlummert tief im Herzen. Plötzlich rührt ihn jemand an und es geschieht. Der Virus breitet sich unaufhaltsam aus. Erfasst jede Zelle unseres Körpers. Verliebtsein ist der aufregendste Zustand, in dem wir uns befinden können. Er ist einfach da. Ohne Sport, Siege, Erfolgserlebnisse. Einfach so. Der Funke springt über und der Virus ist nicht aufzuhalten.

Lieber Rilke, Herzensdichter, ich glaube du kannst verstehen, wie es ist, diese unfassbare, schwindelerregende, lichterloh brennende Liebe zu spüren. Was auch passiert, es fühlt sich so verdammt gut an! Alle Sinne geschärft, der Körper aufgeladen mit Energie, ein Übermaß an Inspirationen im Kopf, die jubelnde Seele.

Es gibt noch vieles, dass ich mit dir bereden möchte, und wer weiß, eines Tages …

Dir zugetan auf ewig

Deine Lea

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You can never be ready – Sunrise Avenue Aus diesem Lied habe ich die fünfte Zeile adaptiert und als Aufhänger für meine Geschichte benutzt. (Eine der Aufgaben aus meinem Blog „Schreiberlebentipps“)

Warum jetzt?

„Lass alles raus, Kleine. Du kannst dich auf mich verlassen. Keine Sorge.“

Chris schloss die Tür und stellte sich mit übereinandergeschlagenen Armen davor. Ich sah ihn an, als sähe ich einen Geist. Chris trug einen schwarzen teuren Anzug, glänzend geputzte Schuhe und eine weiße Orchidee im Knopfloch, passend zum Blumenbouquet seiner zukünftigen Ehefrau, während ich im Pyjama auf meinem Bett saß.

„Was ist los? Du kannst mir alles sagen. Ich kann die Wahrheit vertragen.“

Das hätte er lieber nicht sagen sollen, dachte ich wütend.

„Darf ich dir eine Frage stellen, Herr Christian Berger?“, es sollte süffisanter klingen, als es tatsächlich herauskam.

„Leg los!“

„Wie kommst du darauf, dass ich dir jetzt, nach so vielen Jahren, in denen du nichts von meinen Gefühlen bemerkt hast, sage, was mit mir los ist?!“

Ich stand auf und ging zum Fenster. Hätte ich ihn länger angesehen, wären mir die Tränen gekommen.

„Hey, Kleines, was redest du da?! Heute ist meine Hochzeit. Ich will, dass du dabei bist und dich mit mir freust.“

Der Tropfen brachte meine Fassung endgültig zum überlaufen. Ich drehte mich um und sah ihn mit funkelnden Augen an.

„Davon, dass ich dich liebe!“, meine Stimme kippte und die ersten Tränen kullerten.

„Aber du hast nie was gesagt!“ Chris Blick war reine Verwunderung. „Ich war doch fast jeden Tag bei euch. Warum hast du …?“

Ich unterbrach ihn abrupt.

„Himmel, wie viele Beweise brauchtest du, um zu merken, dass ich dich liebe?“ Ich schüttelte unwillig den Kopf und dachte an die vielen kleinen Annäherungsversuche. Chris kam näher. Ich wich ihm aus. „Lass das! Geh! Deine Braut wartet vor dem Standesamt.“

Er wandte sich um und ging zur Tür. Bevor er sie öffnete, dreht er sich wieder um und kam zurück.

„Erklär mir das!“, seine Stimme vibrierte und jeder Muskel seines Körpers war angespannt, „warum jetzt?“

Das hysterische Lachen steckte mir schon im Hals.

„Was kümmert es dich? Du hast meine Hinweise nie bemerkt. Also was ist so wichtig daran? Ich komme nicht zu deiner Hochzeit oder denkst du ich möchte mir ansehen, wie du sie küsst? Reicht doch das Toby dabei ist. Basta!“

„Warum hat er mir nichts davon erzählt?!“

Oh, oh, dachte ich, das gibt Ärger.

„Ich habe ihm nie etwas darüber gesagt. Meinst du, ich wollte das Gespött meines Bruders und seiner Freunde sein? Oder hast du vergessen, dass ihr mich oft genug am Wickel hattet?“

„Und trotzdem liebst du mich?“

Könnte ich ihm doch nur sagen, wie sehr. Dazu war es nun zu spät. Ich ging auf ihn zu und schubste ihn Richtung Tür.

„Wenn du etwas für mich empfunden hättest, wären wir nicht in der Situation. Ich werde nicht mit dir darüber diskutieren. Verschwinde!“

Chris hatte die Hand auf der Klinke, als er sich umdrehte und mich am Arm packte. Unerbittlich zog er mich näher. Ich wehrte mich, aber gegen Chris kam ich nicht an. Er presste mich an sich. Sein Duft flutete mein Hirn. Mit einer Hand zwang er mein Kinn nach oben. Seine sonst so sanften blauen Augen waren dunkel vor Zorn. Er beugte sich herunter und küsste mich so lange, bis mein Widerstand brach und ich seinen Kuss erwiderte. Es fühlte sich unglaublich gut an. Besser als alles, was ich mir in den Jahren vorgestellt hatte. Und es fühlte sich richtig an.

Als Chris mich losließ, hatte ich das Gefühl in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen. Er ging ohne ein weiteres Wort. Die Tür fiel ins Schloss und ich heulte wie ein Schlosshund.

„Verdammt, verdammt! Warum musste ich es ihm sagen? Welcher Teufel hat mich geritten!“, brüllte ich meine Zimmerwände an. „Ich bin total irre! Total!“

Ich warf meine Lieblingskaffeetasse gegen die Tür. Sie zerfiel in viele kleine Scherben. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich absichtlich etwas zerstörte. Ich fühlte mich nicht besser. Eher schlimmer. Die Tasse konnte nichts dafür, dass ich so masochistisch und sadistisch war und Chris gerade heute, die Wahrheit sagen musste.

Warum hatte ich keine Krankheit vorgetäuscht, sondern es auf die Konfrontation ankommen lassen? Ich kannte die Antwort. Ich wollte, dass Chris wenigstens ein bisschen litt. Dass er ein schlechtes Gewissen hatte. Vielleicht auch die wahnwitzige Idee, er könnte noch in der letzten Sekunde erkennen, dass er mich liebte und nicht diese ewig grinsende affektierte Tussi. Sogar mein Bruder fragte sich, wo er die aufgetan hatte und was zur Hölle ihn dazu bewegte, sie so schnell zu heiraten. Allerdings war er schlauer gewesen und behielt seine Zweifel nicht für sich.

„Scheiß Hollywoodfilme! Scheiß Liebe!“, schrie ich. „So was wie wahre Liebe gibt es gar nicht!“

Es half nichts. Der Schmerz saß tief und bohrte sich noch weiter in meine Eingeweide. Ich duschte, zog mich an und verließ das Haus durch den Garten.

Hinter unserem Grundstück zog sie ein kleiner Weg durch die sommerlichen Wiesen bis zum Waldrand. Ich wanderte immer weiter, bis ich an den Aussichtsturm der alten Burgruine kam. Trotz meiner Höhenangst stieg ich hinauf. Von dort oben hatte ich einen unglaublichen Blick über die sanften Täler und Hügel meiner Heimatstadt. Die Luft war noch frisch, Bussarde schraubten sich über den goldenen Feldern in die Höhe und zarte weiße Wolken zogen gemächlich unter einem stahlblauen Himmel dahin.

Ich wusste nicht, wie lange ich dort oben stand, als ich Schritte auf der eisernen Turmtreppe hörte. Ich drehte mich nicht um.

„Hallo Schwesterchen“, hörte ich die vertraute Stimme meines Bruders.

„Nanu, was machst du denn hier?“

Toby trug zwar noch die dunkle Anzughose, aber er hatte die Hemdsärmel hochgekrempelt und die oberen Knöpfe des weißen Hemdes standen offen.

„Die Hochzeit findet nicht statt“, sagte er leichthin und grinste.

„Echt?“, überrascht war ich doch.

„Echt. Chris kam sehr aufgelöst zum Standesamt. Er zog mich beiseite und fragte mich, wieso ich daran zweifelte, dass er die richtige Entscheidung treffe. Ich sagte ihm, was ich schon einmal gesagt hatte. Danach sagte er die Hochzeit ab“, Toby lachte, „das war eine Aufregung sag ich dir. Das Geheule der Braut und ihrer Mutter, dass ihnen der Goldfisch doch noch von der Angel gegangen ist, war groß.“

„Hat er sonst noch etwas zu dir gesagt?“

Toby schüttelte den Kopf.

„Nein, nur dass ich nach dir sehen soll“, mein großer Bruder maß mich mit aufmerksamen Blicken, „ich dachte mir, dass ich dich hier finde. Und – alles OK?“

Ich nickte. Erleichtert, dass Chris frei war. Toby legte den Arm um meine Schulter. Schweigend standen wir da, sahen auf das Land unter uns und hingen unseren Gedanken nach.

„Wollen wir gehen?“, fragte Toby nach einer Weile.

„Ich bleibe noch ein bisschen.“

„OK“, er lächelte auf mich herunter, „weißt du eigentlich, dass ich immer dachte, du und Chris würdet gut zusammenpassen?“

Erstaunt sah ich meinen Bruder an. Er zwinkerte mir verschwörerisch zu, so wie er es in Kindertagen immer gemacht hatte, wenn wir etwas ausheckten.

„Soll ich ihm sagen, wo du steckst?“

Bevor ich antworten konnte, war er schon in dem dunklen, engen Treppenhaus des Aussichtsturms verschwunden.

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Poem 6.4

Die Nachtzeit

Tage voller Hektik
Stunden angefüllt mit Lärm
Komm Nacht
Lass mich ruhen
In deinen sanften Armen

Tage voller Beschäftigung
Gedanken kommen und gehen
Die Nacht kommt
Der Schmerz schwillt an
Erfüllt jeden Raum

Tage voller Hoffnung
Stunden gefüllt mit Licht
Schleppend vergeht die Nacht
Steh am Abgrund meiner Kraft
Ich will springen

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Mitternacht meiner Seele

Dunkelster Abgrund

Starrt zu mir hinauf

Tiefster Fall

Nicht aufzuhalten

Mein Schrei ohrenbetäubend

Zerschmettert jeder Knochen

Zermahlen alle Gedanken

An dich

 

Du rufst

Ich bin stumm

Du siehst

Mein Blick ist leer

Du berührst

Ich bin kalt

Du küsst

Blutlose Lippen

 

Nichts ist übrig

Atem vergeht

Zeit verrinnt

Unaufhörlich

Wandelt sich alles

Dünung des Lebens

Nur eins bleibt

Ruheloses Sehnen

Nach Liebe

Mitternacht der Seele – siehe „Ein Versuch“ …

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Die Zeit ist gekommen

Abschied zu nehmen

Niemand ist Schuld

Es ist das Leben

 

Kommen und Gehen

Frühling und Herbst

Säen und ernten

Geboren werden und sterben

 

Wolken ziehen dahin

Mein Herz ist schwer

Euch zu verlassen

Hätte ich noch eine Stunde

 

Der Kampf ist vorüber

Niemand ist Schuld

Es ist das Leben

Geleert bist zur Neige

 

Gute Tage schlechte Tage

Ich sah die Liebe

Sah den Abgrund

Stand wieder auf

 

Der Kampf ist vorüber

Ich gehe still

Meine Liebe bleibt

Für immer

Die Musik ist von Craig David & Sting, Rise and Fall – ein wunderschöner, sehr melancholischer Titel für mich.

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Schreibe über Schlangen … Die meisten Menschen würden mit Schlangen Falschheit und Bösartigkeit assoziieren. Dies Vorurteil habe ich schon lange nicht mehr. Vor einer gefühlten Ewigkeit arbeitete ich in einem Zoogeschäft. Dort habe ich gelernt, dass Schlangen sehr sensible Wesen sind. Wenn sie gefressen haben und gestört werden, dann müssen sie sich übergeben. Außerdem, jeder der schon einmal eine Doku über Schlangen gesehen hat, hat sicher mitbekommen, dass Schlangen Vibrationen über ihr Mittelohr wahrnehmen können, wenn sie ihren Kopf auf den Boden legen. Also wirklich sensible Tiere.

Wenn „man“ Menschen kennenlernt, dann behauptet man nie wieder, dass Schlangen bösartig oder falsch sind. So falsch wie unsere eigene Art ist, können Schlangen gar nicht werden. Tier ist Tier. Was sie tun ist Instinkt. Bei uns ist das anders. Wir haben ein Gewissen, wir haben Verstand und doch tun wir anderen Menschen Dinge an, die wir nie und nimmer selbst aushalten möchten. Sei es: Mobbing, Verrat, Betrug, Übervorteilung, Frechheiten aller Art, von Mord und Todschlag gar nicht zu reden. Je Ärmer, je kleiner deine Lobby. Bist du dick, heißt es, du hast keine Selbstdisziplin. Bist du arm heißt es, du könntest mehr arbeiten oder sparen. – Auf jeden Fall hast du verloren.

„Ein pfiffiger Arbeitgeber schafft es, dir die Reibungswärme, die entsteht, wenn er dich über den Tisch zieht, als Nestwärme zu verkaufen.“ (Hab den Spruch von meinem Bruder *g*)

Das ist Falschheit. Wären die, die uns über den Tisch ziehen, an unserer Stelle, sie würden jammern und jaulen, sich beschweren und schimpfen. Aber wenn wir uns wehren, dann sind wir aggressiv und undankbar.

Aber am härtesten ist es, wenn die Leute, die dich gegen die Ungerechtigkeit verteidigen sollten, dir das Geld aus der Tasche ziehen wollen, dass du nicht hast.

„Nein, keine Prozesskostenbeihilfe, nur gegen Honorar.“

Na super! Jetzt bist du schon am unteren Ende der Nahrungskette, jetzt geben sie dir auch noch einen Schubs! Da kommst du dir vor wie ein Lemming, mit dem Unterschied, dass die angeblich selber springen (was nachgewiesenermaßen nicht stimmt). Eins steht fest, egal wie sehr du auch im Recht bist, irgendwo gibt es ein Gebüsch aus dem jemand heraus springt und dich den Abhang runter schubst, den du gerade mühsam hochgeklettert bist.

Eigentlich sollte ich deswegen deprimiert sein – ich höre in mich hinein, aber da ist nichts – die Depression ist gerade zum Teufel gegangen. Die ganze Situation ist so grotesk, dass ich nur lachen kann. Zugegeben, das hat was Psychotisches, aber das Ganze ist eine riesige Farce. So etwas kann man sich nicht ausdenken. Ich muss das wissen. Ich bin Schriftstellerin – die haben bekanntermaßen `ne Menge Flausen im Kopf.

Das ist so irre … wie in dem Film: Geschenkt ist noch zu teuer – mit Tom Hanks – er schüttet den letzten Eimer Wasser in die Badewanne, die dann durch alle Etagen bis in den Keller stürzt, während er oben vor dem Loch steht und wie ein Irrer lacht.

Mir ist das auch schon mal passiert. Aber da haben wir nur den Autoschlüssel innen stecken gelassen, damals, als es noch keine Keycards gab, mit denen man die Autos aus der Ferne aufschließen kann.

Im Moment wäre ich lieber in Tom Hanks Situation … der Mann ist ein Superstar und hat Geld wie Heu. Aber da ich nicht so begütert bin, muss ich sehen, wie ich den Abhang wieder rauf komme. Eins steht fest, wenn ich wieder oben bin, mache ich um Gebüsche einen riesigen Bogen. Diese ganze Kletterei kostet einfach zu viel Energie, die lässt sich anders besser einsetzen.

 

 

 

 

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Ich schaue auf mein Notizbuch. Drei Sätze habe ich mir abgerungen. Die Worte sind zäh wie Sirup vom Löffel getropft. Sie haben ein unangenehmes Ziehen bei mir hinterlassen. Ich lese die Zeilen wieder und wieder. So süß und unecht. Seit Wochen hänge ich jetzt schon in diesem Loch und finde keinen Ausweg. Sprachlose Träume beunruhigen mich. Nichts ergibt einen Sinn. Ich brauche Hilfe. Wer hilft einer erfolglosen Schriftstellerin? Beim Schreiben ist man allein.  Ich seh mich, wie so viele vor mir, desillusioniert in einer verrauchten Kneipe, den Melodien des Pianisten lauschen und den Rest meines Lebens mit Alkohol betäuben.

Eine halbe Stunde später sitze ich in meinem Lieblingscafé und bestelle einen Milchkaffee. Ich betrachte die vorüberhastenden Menschen. Niemand schaut den anderen an. Blind und stumm. Bin ich verloren?

„Ist hier ein Platz frei?“

Ich sehe in zwei dunkle Augen.

„Ja, setzen sie sich.“

Ich nehme meine Tasche vom Stuhl. Der Mann setzt sich und schaut mich interessiert an.

„Sie sind traurig.“ Seine Stimme wirkt hypnotisch. „Ich möchte ihnen helfen.“

„Mir kann niemand helfen.“

„Sie dürfen nicht so schnell aufgeben. – Ich bin übrigens Aidan.“

Er lächelt. Mysteriös und faszinierend zugleich. Sein ebenmäßiges Gesicht lässt ihn alterslos erscheinen, aber seine geheimnisvollen Augen sind tief wie schottische Seen und so unergründlich.

„Ich heiße… .“

„Sandrine.“

„Woher wissen sie das?“

Aidan lacht.

„Ich weiß noch viel mehr. Ich kann sehen, was den Menschen fehlt. Ihnen fehlen die Worte.“

Ich kann nicht glauben, was ich höre.

„Ich möchte ihnen die Worte wieder geben, aber dazu müssen sie mir vertrauen. Ich weiß was sie suchen und wie sie es erreichen können.“

Seine Stimme ist sanft wie Seide und verursacht mir Gänsehaut.

„Ich kenne sie doch gar nicht.“

„Sie kennen mich. Aber sie können sich nicht an mich erinnern. Kommen sie heute Abend bei Mondaufgang in den Kirschgarten.“

Aidan erhebt sich und geht. Die Tür fällt hinter ihm zu und ich erwache aus einem Traum. Ich trinke meinen Kaffe und zahle. Während ich nach Hause gehe, versuche ich seine Stimme und seine Augen abzuschütteln. Es gelingt mir nicht. Immer wieder gehen mir seine Worte durch den Kopf. – Ihnen fehlen die Worte – das hätte jeder Scharlatan wissen können, versuche ich meine Zweifel zu verteidigen. Aber wenn er tatsächlich weiß, wie ich meine Sprache wieder finden kann?

Der Mond geht langsam auf. Riesig und orange. Die Nacht ist warm und Glühwürmchen durchschwirren den Kirschgarten am Sardansee. Ich spüre Aidans Anwesenheit. Seine Augen sind auf mich gerichtet. Auf der Lichtung, vor dem Keltenstein, steht eine dunkle Gestalt. Aidan.

„Hallo Sandrine.“

Seine Stimme ist ernst und feierlich. In diesem Moment spüre ich eine kalte Faust nach meinem Herzen greifen. Ich kenne den Grund. Ich muss weglaufen, aber meine Beine sind schwer und ich kann nicht zurück. Aidan zieht mich zu dem Findling.

„Es ist Zeit. Leg dich auf den Stein.“

Ich zögere.

„Was ist der Preis?“

„Was für ein Preis? Ich nehme kein Geld.“

Ich kann sein Lächeln hören.

„Alles hat seinen Preis. Gott und der Teufel nehmen die Seele. Was ist dein Preis?“

„Dein Herz.“

„Mein Herz?!“

„Dein Herz gegen deine Sprachlosigkeit.“

„Wie kann ich meine Sprache finden, ohne mein Herz.“

„Es wird in dir schlagen, aber es wird mir gehören. Du wirst erfahren, was Liebe ist.“

„Ich weiß, was Liebe ist“, antworte ich trotzig.

„Du hast nicht die leiseste Ahnung.“

Seine Stimme verwirbelt meine Gedanken.

„Gib mir dein Herz und du wirst nie wieder ohne Worte sein.“

Ich sehe Aidans Augen vor mir. Willenlos steige ich auf den Stein. Seine Worte sind wie die Zeilen eines Gedichts:

„Heiliges Feuer

Höre mich

Heile

Zerstöre

Läutere

Erneuere

Heiliges Feuer

Steig herauf

Nimm was dein

Gib was mein“

In diesem Moment schießt eine Flamme aus dem Stein und reißt mich von den Füßen. Meine Kleidung lodert lichterloh. Ich schreie vor Schmerz. Alles in mir glüht und brennt. Der Feuerwirbel schleudert mich auf und nieder. Ich schreie, aber kein Laut kommt über meine Lippen. Ich sehe in jeden Abgrund und erklimme die höchsten Berge. Ich fühle das Feuer und das Eis.

Alles in mir, an mir verändert sich. Es zerreißt mich in Millionen Stücke. Die Blockaden fallen wie Schlacken aus der Esse. Nichts Störendes bleibt zurück. Als ich wieder zu mir komme, schwebe ich in der Weite des Raumes. Über mir der Himmel. Ich bin riesengroß und gleichzeitig winzig. Tausende Worte erfüllen mich, als hätte jemand die Grenzen meines Verstandes gesprengt.

Ich sehe Aidan vor mir, nackt. Er legt seine Hand auf mein Herz und ein wilder Schmerz durchströmt mich. Ich erkenne ihn. Heiler und Zerstörer. Ich erkenne Liebe und Leid und ich bezahle den Preis. Mein Herz, das ihn lieben wird, bis in den Tod und das Leid, dass er mir zufügen wird. Seine Lippen legen sich auf meine, erspüren meinen ganzen Körper. Jeder Kuss ist wie ein Beben auf meiner Haut. In mir sammeln sich tausend Gedanken, weben sich Geschichten. Ich spüre ihn mit allen Sinnen, höre seinen Herzschlag, schmecke seine Haut, trinke seinen Atem und jedes Härchen seines Körpers legt eine Flamme aus Lust auf meine Haut. Als sich unsere Körper vereinigen, erzittert mein Innerstes und ein Schrei entringt sich meiner Kehle. Er erfüllt mich mit Liebe und doch spüre ich jetzt schon die Trauer, wenn er mich verlassen wird. Aidan legt sein Feuer in mich, bis die Nacht uns in die Morgendämmerung entlässt.

Als er mich vom Opferstein herunter hebt und in einen weichen Umhang hüllt, flüstert er mir leise ins Ohr:

„Erinnerst du nun, wo wir uns begegnet sind?“

„Ja, in meinen Träumen.“

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