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Posts Tagged ‘Abenteuer’

‚Leben, Schreiben, Atmen‘, heißt das Buch von Doris Dörrie. Für mich müsste es anders heißen: Schreiben, Atmen, Leben. Im ersten Kapitel schreibt Doris: Schreibend halte ich mich am Leben und überlebe. Jeden Tag wieder.

Das spricht mir aus der Seele und aus meinem tiefsten Herzen. Ich wüsste nicht, was ich tun sollte, wenn ich nicht schreiben könnte. Den Stift in die Hand nehmen und Buchstaben auf das Papier setzen.

Wie viele Tränen, Träume, Hoffnungen und Wünsche habe ich schon auf Papier gebannt? Wie viele Worte, Buchstaben gekritzelt, gemalt, schön geschrieben? Wie viel Tinte, Bleistiftminen, Kugelschreiber, Radiergummi, Zettel, Post its, Blätter, Notizhefte usw verbraucht, nur um meine Befindlichkeiten und meine Geschichten aufzuschreiben?

Weiter heißt es im Buch: Ich schreibe, um einen Sinn zu finden, obwohl es am Ende wahrscheinlich keinen gibt. Und auch das ist wahr. Wie oft habe ich die Frage nach dem Sinn gestellt und für mich erörtert und wie oft bin ich gescheitert? Ich kann es nicht zählen und am Ende ist das Schreiben der Sinn. Es hört sich wie eine Feststellung an, aber es ist eher eine Frage. Und die Antwort ist für jeden, der schreibt, eine andere.

Meine Antwort ist: Ich lebe und atme, weil ich schreiben kann. Mein Kopf würde platzen und mein Herz zerspringen, wenn ich nicht schreiben könnte. Wirre Gedanken nehmen Form an, klären oder relativieren sich. Pläne entstehen, Ängste verringern sich und der Mut wird gestärkt. Ich schwelge in Träumen und suche die wunderbaren Orte meiner Kindheit auf. (Ja, es gibt sie tatsächlich, auch wenn sie nicht immer sofort zu erblicken sind.)

Ich erinnere mich… an den Pflaumenweg hinter der kleinen Dorfschule. Obwohl ich nicht weiß, ob er tatsächlich so hieß oder wir ihn nur so nannten. Wir rasten mit unseren Klapprädern hinunter und es war eine Kunst die Kurve zu kriegen und nicht in die Brennnesseln am Zaun zu stürzen, der gegenüber der Einmündung lag.

Ich erinnere mich… an die große unbebaute Wiese neben unserem Haus, mit dem hohen Gras und dem knorrigen Apfelbaum, in den ich zwar hineinklettern konnte, aber nicht wieder herunter.

Ich erinnere mich… an den Geruch der Kartoffelfeuer, an nebligen Herbsttagen und die stillen, dunklen Wintermorgen. Die dicken Schneeflocken, die unter der Laterne vor dem Haus tanzten und die unberührte Schneedecke, in die ich die ersten Fußabdrücke setzte wenn ich zur Schule ging.

Ich erinnere mich… an meine Schulfreunde, die im Lauf der Jahrzehnte „verloren gegangen“ sind. Peter, Andrea, Gesa, Thomas, Andreas, Manuela, Claudia, meine Klassenlehrerin, die Schulräume, und das Klettergerüst von dem ich gefallen bin.

Und so ließe sich die Reihe der Erinnerungen fortsetzen. Ich schreibe schon seit dich die ersten Buchstaben aufs Papier bringen konnte. Es hat mich immer fasziniert und jede Geschichte, jedes Märchen, jedes Bucht hat meine Fantasie befeuert.

Doris schreibt: Wir sind alle Geschichtenerzähler. Genauso sehe ich mich, als Geschichtenerzählerin. Ich habe meinen Freundinnen Geschichten erzählt, da war ich 12, meinem jüngeren Bruder, da war ich 7 oder 8 Jahre alt, lange Jahre meinen vier Kindern und ich erzähle mir selbst Geschichten, seit ich denken kann. Gegen die Angst, gegen die Traurigkeit, gegen Schlaflosigkeit, gegen die harte Realität, aus Spaß, aus Lust am Abenteuer.

Schreiben ist so wichtig wie Atmen. Ohne Atmen kann ich nicht leben, und ohne Schreiben auch nicht.

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Lea saß auf einem umgekippten Baumstamm und sah zu, wie Sam mit einem mächtigen Vorschlaghammer auf die Mauer einschlug. Er hatte das Ding fluchend durch den Wald getragen, bis zu der zugemauerten Höhle.

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Auf dem Weg dorthin hatte Lea überlegt umzudrehen und wegzulaufen. Sam hätte sie mit dem Hammer niemals eingeholt. Nun war es zu spät. – Nein, habe ich gesagt, nein! Aber er wollte nicht hören. Erinnerst du dich an das letzte Mal? Habe ich gesagt. Wir sind nur durch einen unglaublichen Zufall dem Sensenmann von der Schippe gesprungen, habe ich gesagt. Warum lasse ich mich nur immer wieder von Sam zu solchen Himmelfahrtskommandos überreden? Weil er dein ältester Freund ist. Selbst Schuld. Dabei habe ich mir geschworen: Keinen Rückfall mehr! –

Lea fröstelte. Sie schaute auf die Uhr. Halb sechs. – Es dauert nicht mehr lange, bis es dunkel wird. – Sie sehnte sich nach der Wärme in ihrem Labor, der Kaffeemaschine in ihrem gemütlichen Büro im Museum. Es war sicher, trocken und völlig ungefährlich, es sei denn, sie schnitt sich in den Finger. Lea liebte ihre Arbeit als Archäologin und Restauratorin. Im Museum und in der Feldforschung. Nur mit Sam, war es jedesmal ein Abenteuer auf Leben und Tod. – Bitte, ich brauch dich. Du bist die einzige, die mir helfen kann. Hat er gesagt. Du kannst mir sagen, ob es wirklich alt ist oder nicht. Diesmal ist es völlig ungefährlich. Es wird nichts Schlimmes passieren. Hat er gesagt. –

Der Hammer krachte gegen die Mauer. Steine polterten.

„Ich bin durch!“ Sam riss Lea aus ihren Gedanken, bevor sie den Teil mit dem Tod näher durchdenken konnte.

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Marian kam um die Mittagszeit am Zentralbahnhof an.

Seine Mutter hatte ihn gewarnt.

„Pass nur ja auf, dass du nicht in den Menschenmassen verloren gehst“, erklang ihre kritische Stimme noch in seinen Ohren.

Bis zum Schluss, er stand schon auf dem Bahnhof von Unterhofen, hatte sie versucht ihn zurückzuhalten. Diesmal ließ Marian sich nicht beirren und brach zum größten Abenteuer seines Lebens auf.

Onkel Henri hatte im einen Lehrplatz in seinem Betrieb angeboten. Automobile! Das Fortbewegungsmittel der Zukunft. Henris Auto war das erste, das er überhaupt zu Gesicht bekam und die Leidenschaft hatte Marian sofort gepackt. Um nichts in der Welt hätte er sich abhalten lassen, die Chance die Henri ihm bot zu ergreifen.

Marian zwängte sich durch das Gedränge zwischen den ankommenden und abfahrenden Zügen. Er war froh, dass er nur einen kleinen Koffer und einen Rucksack bei sich hatte, auch wenn es ihm ärmlich vorkam. Er genoss die neuen Eindrücke, Geräusche, Gerüche, ja saugte sie geradezu in sich auf. Plötzlich vernahm er eine bekannte Stimme.

„Marian! Hier sind wir!“

Er drehte sich in die Richtung aus er den Ruf vermutete. Dort stand Onkel Henri. Marian hob die Hand und winkte, als er das hinreißende Geschöpf an der Seite seines Onkels bemerkte. Viola, Henris Frau.

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„Du wirst dich noch verraten!“, krächzte Ares.

Er saß auf Tirzas Schulter und zupfte mit dem Schnabel an ihren roten Locken.

„Psst“, zischte sie und drückte sich eng an den dicken Stamm einer knorrigen alten Eiche. Ihre Kleidung, in verschiedenen Braun – und Grüntönen gehalten, machte sie beinahe unsichtbar. „der Wind steht günstig. Sie werden mich nicht riechen. Außerdem sind sie damit beschäftigt das Lager aufzuschlagen“

„Genau“, stimmte Blue Tirza zu, „du bist es, der uns mit seinem ewigen Genörgel verrät.“

Die azurblauen Augen des Polarfuchses verengten sich zu Schlitzen und warfen dem Raben scharfe Blicke zu. Eines Tages beiße ich ihm die Kehle durch, dachte er. Bevor Ares etwas erwidern konnte und sich in eine verbale Schlacht mit seinem Rivalen um Tirzas Gunst stürzen konnte, sagte sie:

„Ihr seid jetzt beide still! Sonst nehme ich euch nie wieder mit.“

Die beiden Tiere schluckten ihren Ärger herunter und schwiegen. Vorerst. Tirza wusste, dass dieser Disput nur aufgeschoben war. Sie verkniff sich ein Lächeln und blickte Ares und Blue streng an. Ohne die beiden hätte sie sich nie in ein Abenteuer gestürzt. Dazu waren ihre Dienste viel zu wertvoll.

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Das expressionistische Märchen führt viele Elemente des romantischen Volksmärchens fort. Z.B.: Zaubersprüche, Verwandlung von Menschen in Tiere und Pflanzen, die Vermenschlichung der Natur, die Aufhebung der Logik von Raum und Zeit.

Allerdings gibt es auch neue Elemente:

  1. Es berichtet nicht aus der Vergangenheit sondern aus der Zukunft. Statt „es war einmal“ beginnt es mit „es wird einmal sein“.

Aufgabe: Beginnen sie ein expressionistisches Märchen mit den Worten: „Es wird einmal sein, dass…“.

 

  1. Das expressionistische Märchen beginnt immer mit einem Schock.

Aufgabe: Entwerfen sie mal ein hässliches Bild in Worten.

 

  1. Die Personen des expressionistischen Märchens sind reine Marionetten.

Aufgabe: Entwerfen sie das Psychogramm einer Marionette.

 

  1. Es überschreitet die Grenze zur Schauer – und Abenteuererzählung.

Aufgabe: Legen sie sich eine Liste der größten Abenteuer an.

 

  1. Der Stil glänzt durch ekstatische Lyrismen und surrealistische Übersteigerungen.

Aufgabe: Sammeln sie die schönsten surrealen Übersteigerungen aus einem aus einem Band surrealistischer Texte.

 

  1. Wenn das expressionistische Märchen die Frage nach dem Ursprung des Bösen behandelt, nähert er sich dem „philosophischen Essay“ an.

Aufgabe: Beantworten sie einmal die Frage nach dem Ursprung des Bösen in einem kleinen Märchen.

 

  1. Wenn es Humor benutzt, dann nur den schwarzen Humor, das Groteske und die bitterste Satire.

Aufgabe: Verwandeln sie eine übliche Alltagssituation in einem Märchen in eine Situation des schwarzen Humors.

 

  1. Modernste Technik, Kosmonautenromantik und spirituelle Fantasien finden im expressionistischen Märchen ihren Platz.

Aufgabe: Stellen sie ein Repertoire ihrer Astralromantik schriftlich vor.

 

  1. Sexuelle Konflikte werden im expressionistischen Märchen völlig unverschlüsselt dargestellt. (Die Expressionisten feierten die Freisetzung der Triebe, das Exzessive, das völlige Ausleben des Körperlichen ohne Rücksicht auf die Moral. Der Orgasmus ist der Gipfel der Lebenslust. Z.B.: Elke Lasker-Schüler feiert in ihrem ersten Gedichtband „Styx“ die sexuelle Lust.)

Aufgabe: Beschreiben sie einmal ein Märchen mit einer eindeutigen Szene.

  1. In seiner extremsten Form zelebriert das expressionistische Märchen den dadaistischen Non-Sens.

Aufgabe: Schreiben sie mit dem Märchencluster ein Non-Sens Märchen.

 

  1. Die wichtigsten Themenkreise lauten:

–   Der Mensch im Kosmos- angesichts der äußersten Verlassenheit

–   Magische Medizin

–   Astrale und überweltliche Erfahrung

–   Satanische Sexualität

–   Politik der Verfremdung

–   Dadaistische Heiterkeit

Aufgabe: Wählen sie ein Thema und schreiben sie mit einem Märchencluster einen expressionistischen Text.

 

  1. Die expressionistischen Märchen zielen auf einen „utopischen Optimismus“, auf eine Welt „in der der Mensch endlich sein Gleichgewicht gefunden haben wird“, auf das „Paradies auf Erden“, den „Himmel in uns“.

Aufgabe: Schreiben sie ein expressionistisches Märchen, das ganz schwarz anfängt und dann mit dem „Himmel auf Erden“ endet.

 

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

 

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