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Archive for the ‘Schreibtechniken’ Category

Gute Tipps um Liebesgeschichten interessant und aufregend zu gestalten 🙂

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I. Wer an die Niederschrift eines größeren Werks zu gehen beabsichtigt, lasse sich’s wohl sein und gewähre sich nach erledigtem Pensum alles, was die Fortführung nicht beeinträchtigt.

II. Sprich vom Geleisteten, wenn du willst, jedoch lies während des Verlaufes der Arbeit nicht daraus vor. Jede Genugtuung, die du dir hierdurch verschaffst, hemmt dein Tempo. Bei Befolgung dieses Regimes wird der zunehmende Wunsch nach Mitteilung zuletzt ein Motor der Vollendung.

III. In den Arbeitsumständen suche dem Mittelmaß des Alltags zu entgehen. Halbe Ruhe, von schalen Geräuschen begleitet, entwürdigt. Dagegen vermag die Begleitung einer Etüde oder von Stimmengewirr der Arbeit ebenso bedeutsam zu werden, wie die vernehmliche Stille der Nacht. Schärft diese das innere Ohr, so wird jene zum Prüfstein einer Diktion, deren Fülle selbst die exzentrischen Geräusche in sich begräbt.

IV. Meide beliebiges Handwerkszeug. Pedantisches Beharren bei gewissen Papieren, Federn, Tinten ist von Nutzen. Nicht Luxus, aber Fülle dieser Utensilien ist unerlässlich.

V. Lass dir keinen Gedanken inkognito passieren und führe dein Notizheft so streng wie die Behörde das Fremdenregister.

VI. Mache deine Feder spröde gegen die Eingebung, und sie wird mit der Kraft des Magneten sie an sich ziehen. Je besonnener du mit der Niederschrift eines Einfalls verziehst, desto reifer entfaltet wird es sich dir ausliefern. Die Rede erobert den Gedanken, aber die Schrift beherrscht ihn.

VII. Höre niemals mit Schreiben auf, weil dir nichts mehr einfällt. Es ist ein Gebot der literarischen Ehre, nur dann abzubrechen, wenn ein Termin (eine Mahlzeit, eine Verabredung) einzuhalten oder das Werk beendet ist.

VIII. Das Aussetzen der Eingebung fülle aus mit der sauberen Abschrift des Geleisteten. Die Intuition wird darüber erwachen.

IX. Nulla dies sine linea (kein Tag ohne Linie/Zeile) – wohl aber Wochen.

X. Betrachte niemals ein Werk als vollkommen, über dem du nicht einmal vom Abend bis zum hellen Tage gesessen hast.

XI. Den Abschluss des Werkes schreibe nicht im gewohnten Arbeitsraume nieder. Du würdest den Mut dazu in ihm nicht finden.

XII. Stufen der Abfassung: Gedanke – Stil – Schrift. Es ist der Sinn der Reinschrift, dass in ihrer Fixierung die Aufmerksamkeit nur mehr der Kalligrafie gilt. Der Gedanke tötet die Eingebung, der Stil fesselt den Gedanken, die Schrift entlohnt den Stil.

XIII. Das Werk ist die Totenmaske der Konzeption.“

Einbahnstrasse (1928), S. 46-49

Nicht alles was Walter Benjamin vor 87 Jahren schrieb erscheint uns in unserer schnelllebigen Welt sinnvoll, trotzdem gibt es einige Punkte, über die wir nachdenken sollten. Gute Ratschläge verlieren ihren Wert nicht, nur weil sie eine beträchtliche Reihe an Jahren alt sind.

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Nachdem ich mich einige Tage durchs Internet wühlte, um zu sehen welche Möglichkeiten der Fortbildung es in Bezug auf das Schreiben gibt, und ich damit Freunden und Familie ziemlich auf die Nerven gefallen bin, möchte ich euch etwas an meinen Forschungen teilhaben lassen. (Auf Anraten einer Freundin, die meinte, wenn du dir schon die Arbeit machst, kannst du es auch weitergeben. Recht hat sie!)

Mir ist klar: Schreiben lernt man durch schreiben!

Aber vielleicht geht es einigen von euch wie mir. Du schreibst schon längere Zeit und hast wirklich Spaß daran. Gute Ideen zu Hauff und willst ein Buch schreiben(oder bist gerade dabei). Die Frage steht im Raum: wird es reichen? Spannung, Figuren, Konflikte, Prämisse, Plot, Erzählstränge, Anfang und Ende? (Ich schmeiße die Begriffe einfach mal wahllos dahin – ihr wisst, was ich meine.)

Mit „wird-es-reichen“ meine ich nicht, nur eine Geschichte fertig zu schreiben. Ich bin sicher du (und ich) kannst das! Mit „wird-es-reichen“ meine ich, eine Geschichte zu schreiben, die einen Verlag und von dort zum Leser findet.
Gründe sich der Kunst des Schreibens anzunehmen gibt es viele. Mögen sie am Anfang nach innen gerichtet sein, kommt irgendwann der Punkt, an dem wir uns anderen mitteilen wollen. Zuerst sind das meistens die Familie, Freunde, eine wohlwollende Schreibgruppe.

Mit der VHS (hier sei insbesondere die Frankfurter VHS erwähnt, da selbst getestet), Kulturprojekten (Schreibkurs bei Jannis Plastargias im Blauen Haus, Niederräder Ufer, Frankfurt, war sehr anregend) und privaten Initiativen(meine eigene *ggg* SchreibraumEigenSinn) habe ich gute Erfahrungen gemacht.

Das Ausprobieren im geschützten Raum ist wichtig und gut! Es hilft uns Mut zu fassen, mit dem, was uns wichtig ist, nach Außen zu gehen, erste Erfahrungen zu sammeln und zu sehen wo Stärken und Schwächen liegen, welche Themen uns besonders am Herzen liegen.

Doch die meisten von uns haben die Erfahrung gemacht, so sehr wir uns auch einreden „nur-aus-Spaß“ zu schreiben, dass daraus zu einem bestimmten Zeitpunkt Ernst wird. Wir wollen unsere Worte nicht nur auf unserem PC/Blatt sehen, sondern gedruckt in einem Buch, auf dem unser Name steht.

Ein Schriftsteller sollte Spaß am Schreiben haben(!!!), aber wer einmal ein Buch, mit seinem Namen darauf und seinen Worten darin, in den Händen hatte, weiß, was für ein wahnsinnig euphorisierendes Gefühl das ist.

Jeder, der sich mit einer Buchveröffentlichung beschäftigt, weiß wie heiß umkämpft der Buchmarkt ist. Ein Manuskript bei einem Verlag unterzubringen ist schwieriger als im Lotto zu gewinnen und sagt noch nichts über die Qualität des Textes aus. Bücher sind, wie Kunst im Allgemeinen, Geschmacksache.

Es stellt sich also für jeden Schreiber irgendwann die Frage: Was fehlt mir (noch), um meine Texte so fit zu machen, dass der Lektor eines Verlages mich unbedingt haben will!?

(In meiner Fantasie spielt sich das etwa so ab: Mitten in der Nacht ruft mich der Lektor einer der größten Fantasy-Verlage an und fragt panisch:
„Sie haben hoffentlich noch keine Angebote von einem anderen Verlag? Mein Boss will sie! Unbedingt. Egal, was es kostet. Außerdem haben wir schon eine Filmfirma, die ihren Stoff verfilmen will.“
Ja, schon gut. Ich werde doch noch träumen dürfen! Kommentar meiner Tochter: Mama, das ist kein Traum, das ist ein Ziel! 🙂 )

Zurück zum Thema Fortbildung. Fernstudieninstitute, die Schreibkurse im Programm haben, sind breit gestreut. Z.B.: ils, sgd, Fernakademie f. Erwachsenenbildung, Hamburger Akademie für Fernstudien, Laudius, um nur einige zu nennen. Dort kann man sich Kataloge mit den Programmen schicken lassen oder sie als PDF-Dateien herunter laden. Die Dauer der Kurse und die Preise sind bei den bekanntesten Instituten in etwa identisch. Der günstigste Anbieter ist Laudius. Woran das liegt, kann ich leider nicht sagen, würde aber empfehlen, vor der Wahl des Instituts die Modalitäten: Preise, Kursdauer, Inhalte, Zusatzleistungen(für manche Kurse gibt es Lektoratsleistungen), Studienmaterial, genau zu prüfen. Beim Institut „Schule des Schreibens“ gibt es einen kostenlosen Lektoratsdienst, wenn man einen Kurs bucht, der Qualität und Marktreife prüft. Die Frage ist: Was brauche ich, was will ich und wo will ich hin?

http://www.bundesakademie.de/
Die Bundesakamdie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel möchte ich euch ebenfalls vorstellen, obwohl es dort nur Präsenzkurse gibt. Aber die Auswahl der Schreibkursthemen ist sehr vielseitig, preislich vernünftig, besonders wenn man die Leistungen bedenkt(!) und es kann sich sehr positiv auswirken einen Tapetenwechsel zu haben und Gleichgesinnte kennenzulernen. Schaut euch einfach mal auf der Seite um.

Bei meinen Forschungen bin ich auch auf einige Online-Kursinstitute gestoßen, die mir von Aufbau und Inhalt besonders zusagten. Einer davon wäre:
http://www.akademie-modernes-schreiben.de/
Es gibt Grundlagen-, Aufbau- und Fortschrittskurse. Außerdem eine Romanakademie, von der Idee zur Fertigstellung plus Lektorat für 250 Romanseiten. Was mir auf dieser Seite gefällt ist, dass es Genre-Kurse gibt(hat man einen Kurs absolviert und möchte einen weiteren belegen, wird der zweite Kurs günstiger!). Dazu Exposé-, Manuskriptcheck und Lektoratsleistungen verschiedener Preisklassen. Die Akademie Modernes Schreiben ist eines der größeren Institute. Informationen über die Kursleiter sind auf der Seite zu finden.

http://www.online-autorenkurse.de/
Der Autorenkurs geht über ein Jahr. (Zwei Mal im Jahr startet ein neuer Kurs.)Schaut euch das Programm an. Die Betreuung von Lea Korte scheint sehr persönlich zu sein, was sehr angenehm sein kann, wenn die Chemie zwischen Kursleiter und Schüler stimmt. Das gilt auch für die nächste Seite.
http://www.kreatives-schreiben.net/
Rainer Wekwerth bietet ein breites Spektrum von Kursen an, von Grundkurs bis Profikurs. Figuren entwickeln, Exposé, Manuskript, Coaching usw. Der Kontakt zum Kursleiter ist telefonisch möglich und bietet die Chance sich beraten zu lassen, welcher Kurs der „Richtige“ ist.

Für Drehbuchschreiber:
http://www.masterschool.de/drehbuch-schreiben
Reine Drehbuchkurse. Präsenz und Online.
http://www.skript-akademie.de/
Interessante Seite! Ein Kurs: Autor/Lektor/Dramaturg und einer: Drehbuch/Roman und besondere Themen, wie serielles Schreiben. Stöbert und falls ihr Fragen habt: anrufen und Leute löchern.

Extras(Exposé, Manuskriptchechs, Lektoratsleistungen, Foren, Schreibtipps per Newsletter usw.) bieten die meisten Online-Kursinstitute an. Bitte vorher genau über Preise informieren, auch was Kursdauer, Inhalte usw. betrifft. Hier gilt: sucht das persönliche Gespräch. Die meisten Kursleiter und Institute (egal ob Online oder Fernakademien) kann man telefonisch erreichen und alle offenen Fragen zum Programm stellen.

Anmerkung:
Ich konnte nur eine kleine persönliche Auswahl treffen. Es gibt sicher noch viele weitere gute Angebote. Ich habe die Auswahl aufgrund meiner Überlegungen, Bedürfnisse und finanziellen Verhältnisse getroffen. Zu einer endgültigen Entscheidung bin ich noch nicht gekommen, aber zwei Angebote haben es in die engere Auswahl geschafft.
Überlegt dir: Was willst du erreichen? Nur zum Spaß schreiben oder einen Schritt weiter gehen und veröffentlichen? Wo stehst du? (Bitte ehrlich sein.) Was brauchst du? (Resultiert aus der Frage vorher.)

Fazit:
Man muss keinen Fernlehrgang oder Onlinekurs machen. Schreiben kann man auch für sich allein oder in einem Schreibkurs. Eine Fortbildung für das Schreiben zu buchen ist keine Garantie ein Buch zu veröffentlichen. Wichtig ist schreiben, schreiben, schreiben.

Der Vorteil eines Fernstudien- oder Onlinekurses ist: du hast einen Lehrer nur für dich, der mit dir arbeitet und dein Ansprechpartner ist. Durch die enge Zusammenarbeit sind Schwachstellen besser zu erkennen. Der Fernlehrer ist objektiv und redet dir nicht nach dem Mund. Das muss du wissen und wollen. Es ist nicht so einfach, wenn sich jemand an deinem Text „vergreift“ und dir deine „Fehler“ aufzeigt. Bietet aber auch eine Chance sich besser einzuschätzen und an sich zu arbeiten. Außerdem kann man von Extraleistungen, zum Beispiel: Lektorat, profitieren.

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  1. Eindrücke von Übungen, Settings
  2. Fragen für die ich Antworten suche
  3. Textfragmente
  4. Beispiele
  5. Titel für mögliche Texte
  6. Notizen zu Gesprächen und Mails
  7. Gliederungen
  8. Ideen für Geschichten, Bücher, Artikel usw.
  9. Cluster
  10. Diagramme
  11. Beobachtungen
  12. Skizzen
  13. Zitate
  14. Zeitungsausschnitte
  15. Bücher, die man lesen möchte/sollte
  16. Aufgaben, die zu erledigen sind
  17. Zeitpläne
  18. Briefe
  19. Listen aller Art
  20. Gedichte
  21. Dialoge (mit dem inneren Zensor, meinen Figuren, mitgehörte Gespräche usw.)
  22. Träume
  23. Schreibübungen
  24. Bilder

Damit uns keine gute Idee, Inspiration usw. mehr durch die Lappen geht.

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Das expressionistische Märchen führt viele Elemente des romantischen Volksmärchens fort. Z.B.: Zaubersprüche, Verwandlung von Menschen in Tiere und Pflanzen, die Vermenschlichung der Natur, die Aufhebung der Logik von Raum und Zeit.

Allerdings gibt es auch neue Elemente:

  1. Es berichtet nicht aus der Vergangenheit sondern aus der Zukunft. Statt „es war einmal“ beginnt es mit „es wird einmal sein“.

Aufgabe: Beginnen sie ein expressionistisches Märchen mit den Worten: „Es wird einmal sein, dass…“.

 

  1. Das expressionistische Märchen beginnt immer mit einem Schock.

Aufgabe: Entwerfen sie mal ein hässliches Bild in Worten.

 

  1. Die Personen des expressionistischen Märchens sind reine Marionetten.

Aufgabe: Entwerfen sie das Psychogramm einer Marionette.

 

  1. Es überschreitet die Grenze zur Schauer – und Abenteuererzählung.

Aufgabe: Legen sie sich eine Liste der größten Abenteuer an.

 

  1. Der Stil glänzt durch ekstatische Lyrismen und surrealistische Übersteigerungen.

Aufgabe: Sammeln sie die schönsten surrealen Übersteigerungen aus einem aus einem Band surrealistischer Texte.

 

  1. Wenn das expressionistische Märchen die Frage nach dem Ursprung des Bösen behandelt, nähert er sich dem „philosophischen Essay“ an.

Aufgabe: Beantworten sie einmal die Frage nach dem Ursprung des Bösen in einem kleinen Märchen.

 

  1. Wenn es Humor benutzt, dann nur den schwarzen Humor, das Groteske und die bitterste Satire.

Aufgabe: Verwandeln sie eine übliche Alltagssituation in einem Märchen in eine Situation des schwarzen Humors.

 

  1. Modernste Technik, Kosmonautenromantik und spirituelle Fantasien finden im expressionistischen Märchen ihren Platz.

Aufgabe: Stellen sie ein Repertoire ihrer Astralromantik schriftlich vor.

 

  1. Sexuelle Konflikte werden im expressionistischen Märchen völlig unverschlüsselt dargestellt. (Die Expressionisten feierten die Freisetzung der Triebe, das Exzessive, das völlige Ausleben des Körperlichen ohne Rücksicht auf die Moral. Der Orgasmus ist der Gipfel der Lebenslust. Z.B.: Elke Lasker-Schüler feiert in ihrem ersten Gedichtband „Styx“ die sexuelle Lust.)

Aufgabe: Beschreiben sie einmal ein Märchen mit einer eindeutigen Szene.

  1. In seiner extremsten Form zelebriert das expressionistische Märchen den dadaistischen Non-Sens.

Aufgabe: Schreiben sie mit dem Märchencluster ein Non-Sens Märchen.

 

  1. Die wichtigsten Themenkreise lauten:

–   Der Mensch im Kosmos- angesichts der äußersten Verlassenheit

–   Magische Medizin

–   Astrale und überweltliche Erfahrung

–   Satanische Sexualität

–   Politik der Verfremdung

–   Dadaistische Heiterkeit

Aufgabe: Wählen sie ein Thema und schreiben sie mit einem Märchencluster einen expressionistischen Text.

 

  1. Die expressionistischen Märchen zielen auf einen „utopischen Optimismus“, auf eine Welt „in der der Mensch endlich sein Gleichgewicht gefunden haben wird“, auf das „Paradies auf Erden“, den „Himmel in uns“.

Aufgabe: Schreiben sie ein expressionistisches Märchen, das ganz schwarz anfängt und dann mit dem „Himmel auf Erden“ endet.

 

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

 

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Bildbeschreibung: Thema Nachtcafe

Von Georg Grozs – Nachtcafe

Betrachtung und Bildbesprechung:

–   Wie wirkt das Bild

–   Welche expressionistischen Stilelemente

–   Was bedeutet Nachtcafe?

Texterfahrung

 

Nachtcafé vonGottfried Benn


    824: Der Frauen Liebe und Leben.
Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte
rülpst tief drei Takte lang: das schöne Abendbrot.
Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.

Grüne Zähne, Pickel im Gesicht
winkt einer Lidrandentzündung.

Fett im Haar
spricht zu offenem Mund mit Rachenmandel
Glaube Liebe Hoffnung um den Hals.

Junger Kropf ist Sattelnase gut.
Er bezahlt für sie drei Biere.

Bartflechte kauft Nelken,
Doppelkinn zu erweichen.

B-Moll: die 35. Sonate.
Zwei Augen brüllen auf:
Spritzt nicht das Blut von Chopin in den Saal,
damit das Pack drauf rumlatscht!
Schluß! He, Gigi! –

Die Tür fließt hin: Ein Weib.
Wüste ausgedörrt. Kanaanitisch braun.
Keusch. Höhlenreich. Ein Duft kommt mit. Kaum Duft.

Es ist nur eine süße Vorwölbung der Luft
gegen mein Gehirn.

Eine Fettleibigkeit trippelt hinterher.

Klärung der Aspekte expressionistischer Textarbeit

(Reduktion, Substantivierung, Heterogenisierung, Emotionalisierung, Utopisierung).

Schreibaufgabe nach Cluster oder Imaginationsmethode:

Kernwort bzw. Kernmotiv: Nachtcafe in Berlin. Das Schreiben eines Gedichts zum Thema Nachtcafe gelingt am besten bei einem Besuch eines heutigen Nachtcafes.

Textarbeit:

Überarbeitung des Textes nach Kriterien der expressionistischen Textarbeit – den Sechs!

Textdeutung:

Vorlesen der eigenen Texte in einer Gruppe. Versuch der Textdeutung der eigenen Texte nach biografischen, soziologischen und symbolischen Aspekten.

Zweites Thema: Der Idiot

Der Sturm und Drang, die schwarze Romantik griffen die Darstellung des neurotischen Menschen als literarisches Thema zuerst auf. Der psychologische Roman folgte. Im Expressionismus nahm in der Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse das Thema Wahnsinn/Ichzerfall einen großen Stellenwert, als Protest gegen die kleinbürgerliche Lebensweise, als Engagement für Außenseiter, ein.

Texterfahrung:

 

Der Idiot von Paul Zech

 

Mit einem Bild, der tief nach innen horcht,

und in den Fäusten fest die Eisenhacke – :

durchwatet er den gelben Sumpf der Schlacke.

Wie wenn ein Bauer pflügend über den Stoppeln storcht.

Stumm lebt er die Legende vom verlorenen Sohn.

Sein Lachen wuchs nicht auf in Zierstrauch-Gärten.

Was er erfuhr, hieß – : Hunger, Hiebe, Härten

Bis zu dem Tag vor der Kommunion.

An seiner Stirn zerschlug ein Lump den Fuselkrug.

Sein Husten blutet, keucht Tuberkulose

Und macht ihn für die Schicht im Schacht nicht Manns.

Manchmal schwärt Tobsucht quer durch sein Gehirn und

Wie Licht aus einer roten Fensterrose

Nach außen und entmenschlicht ein verwandertes Gesicht.

Fragen zur Textdiskussion

Wie wird die Ursache und Erscheinung der geistigen Umnachtung beschrieben? Was ist der soziale Ort des Wahnsinnigen? Welche Symbole verwendet der der Text? Welche Stilelemente? Welche Elemente expressionistischer Textarbeit kommen in diesem Gedicht vor?

 

Schreibaufgabe

Nach Cluster und Imagination. Kernwort: Der Wahnsinnige bzw. die Wahnsinnige. Erstellung eines Ur-Textes.

 

Textarbeit

Berücksichtigung der sechs expressionistischen Kriterien der Textarbeit.

Drittes Thema: Aufbruch

Vorbemerkung:

  1. Der Expressionismus zeigt in der Entwicklung vieler seiner Autoren die heilende Wirkung expressionistischen Schreibens. Von der narzisstischen Egomanie zur Solidarität.
  2. Der Expressionismus dokumentiert damit die wichtige Epoche in der Entwicklung der Potenzen in der Poesiegeschichte. Er baut auf Romantik und Neo-Romantik auf, die das Unbewusste für die Poesie entdeckten und leitet über zum Surrealismus, der das Unbewusste weiter erschloss.

Einstimmung ins Thema „Aufbruch“:

Sonne und Licht und die Farben Blau sind die bevorzugten Wunsch – und Utopiemetaphern bei Georg Heym.

„In der Jugendstilschicht der Heymschen Bilderwelt stehen Sonne und Licht-Metaphern für ein imaginäres Glück, für traumhafte Schönheit und erträumten Rausch:

Der Sonnenball hing groß am Himmelsbaum

Und rote Strahlen schoss des Abends Bahn

Auf allen Köpfen lag des Lichtes Traum.

(8,4 Berlin II)

…die Sonne wiegt in träumerischer Luft

Des goldenen Tages Brücke spannt sich weit

Und tönt wie einer großen Leier Ton…

(37,6 und 38,0 Die Heimat der Toten)

Nun zur Bedeutung der Farbe „Blau“ bei G.Heym:

„Bei Heym ist die Farbmetapher blau, wo sie in positiver Funktion gebraucht wird, aufs emphatische mit dem Gefühl des Erhabenen besetzt. Die Substantive das „Blau“ und die „Bläue“ sind abgekürzte Schreibeweisen all dessen, was sich als Utopie eines „festlichen Süds“ in Gedichten wie „Der Tag“ und „An das Meer“ entfaltet:

Palmyras Tempelstaub bläst auf der Wind

Der durch die Hallen säuselt in der Zeit

Des leeren Mittags, wo die Sonne weit

Im Blauen rast…

(53,1 Der Tag)

…Dessen hohen Thron

Am Mittag stand im Licht, der Göttersohn,

Des ungeheuer Glanz das All erfüllt,

Die marmorweißen Tempel. Blauer Glanz

Auf allen Höfen…

(137,Z.12-16 Der Tag)

…Werden wir Vögel werden,

Im Stolze des Blauen, im Zorne der Meere weit?

(78,4 Der Morgue)

Schreibaufgabe

Cluster oder Imagination zum Motiv: Aufbruch ins Blaue. Erstellung eines Ur-Textes.

Textarbeit:

Beim Überarbeiten die sechs Kriterien expressionistischer Textarbeit berücksichtigen.

Expressionistische Schreibspiele nach F.T.Marinetti

Er(Marinetti) verbreitete die Botschaft der Parataxe, der Benutzung bloßer Substantive. Er votierte für unverbrauchte Worte. Er plädierte für die schöpferische Unordnung, die das Unbewusste deutlicher zur Sprache brachte. Damit erhob er die freie Assoziation zum Gesetz der Artikulation, auch in der Dichtung. Die folgenden Thesen(Die futuristische Literatur. Technisches Manifest)sind etwas gekürzt.

  1. Man muss die Grammatik dadurch zerstören, dass man die Substantive nach der Art ihrer Entstehung anordnet.
  2. Man muss das Verb im Infinitiv gebrauchen, damit es sich elastisch dem Substantiv angepasst und es nicht dem „Typ“ des Schriftstellers unterwirft, der beobachtet und erfindet.
  3. Man muss das Adjektiv beseitigen, damit das nackte Substantiv seine eigentliche Kraft behält. Das Adjektiv ist unvereinbar mit unserer dynamischen Vision, da es einen Stillstand, eine Überlegung voraussetzt.
  4. Man muss das Adjektiv beseitigen. Das Adverb gibt dem Satz einen langweiligen gleichmäßigen Ton.
  5. Jedes Substantiv muss eine Verdopplung haben, dass heißt, das Substantiv muss ohne Konjunktion dem Substantiv folgen, dem es auch in Analogie verbunden ist. Beispiel: Mann – Torpedoboot, Frau – Hafen, Menge – Brandung, Platz – Trichter, Tür – Maschinenbahn.
  6. Keine Interpunktion mehr. Wenn die Adjektive, Adverben, und die Konjunktion unterdrückt sind, dann macht sich die Interpunktion selbst überflüssig, in der Abwechslung eines lebhaften, durch sich selbst geschaffenen Stiles, ohne die absurde Unterbrechung, durch Komma und Punkte.
  7. Der Schriftsteller hat sich bis jetzt der unmittelbaren Analogie überlassen. Man muss also die Sprache zerstören: Klischees farblose Metaphern. Also fast alles.
  8. Es gibt keine Kategorien vornehmer, grässlicher, eleganter, ärmlicher, übertriebener oder natürlicher Bilder. Die Intuition, die sie wahrnimmt, kennt keine Rücksichtnahme oder Parteilichkeit. Der vergleichende Stil ist also unumschränkter Herrscher der ganzen Materie und ihres unumschränkten Lebens.
  9. Um die aufeinanderfolgende Bewegungen eines Gegenstandes darzustellen, muss man eine Kette der Analogien bilden, die er hervorruft, eine jede gedrängt, in ein kennzeichnendes Wort zusammengefasst.
  10.  Da jede Art von Ordnung notwendig das Ergebnis eines vorsichtigen Verstandes ist, muss man die Analogien orchestrieren, verteilen nach einem Maximum von Unordnung.
  11. Nur der unsyntaktische Dichter, der sich der losgelösten Wörter bedient, wird in die Substanz der Materie eindringen können und die dumpfe Feindlichkeit, die sie von uns trennt zerstören. Die tiefe Intuition des Lebens verbindet Wort an Wort nach der unlogischen Entstehung, sie gibt die Hauptlinie einer intuitiven Psychologie der Materie.

Marinettis Botschaft war das Signal für die selbstanalytische Arbeit, die die Expressionisten leisteten und zugleich eine Poetik, nach der sich ihre Textarbeit richten konnte.

Spiele nach Marinettis Vorschlägen:

  1. Schreiben sie Sätze in der Reihenfolge der Worte, wie sie ihnen einfallen, damit die Grammatik zerstört wird.
  2.  Schreiben sie Sätze, in denen das Verb nur im Infinitiv gebraucht wird.
  3. Schreiben sie Sätze ohne Adjektiv, damit jede Nuancierung beseitigt wird.
  4. Schreiben sie spontan Sätze ohne Adverbien, damit jede Langweiligkeit aus den Sätzen verschwindet.
  5. Schreiben sie Sätze in deinen jedes Substantiv verdoppelt auftritt.
  6. Schreiben sie einen längeren Text ohne Interpunktion. Ohne Punkt, Komma usw.
  7. Schreiben sie Sätze voller Klischees und ersetzen sie alle Klischees durch bisher unerhörte Metaphern.
  8. Schreiben sie Sätze, die die völlige Gleichgültigkeit gegen den Inhalt der Sätze ausdrücken. Schreiben sie kalt, verfremdend, ironisch, als wenn die Realität durch Neonlicht beleuchtet wird.
  9. Stellen sie eine Vase Blumen auf den Tisch. Sammeln sie im freien Einfall alle Analogien, die die Vase in ihnen hervorruft und montieren sie diese Analogie zu einem Text ohne Satzzeichen und Grammatik.
  10. Gehen sie zu einer U-Bahnstation (Bahnhof). Sehen sie sich einen Zug an, der in den Bahnhof einfährt. Sammeln sie alle Analogien, die dieses Ereignis in ihnen auslöst. Schreiben sie einen Text, in dem diese Analogien in der größtmöglichen Unordnung erscheinen.
  11. Versuchen sie, beliebig in der Großstadt ausgewählte materielle Objekte zu beschreiben. Die Logik der Beschreibung soll sich dabei streng nach den freien Einfällen ausrichten, die die materiellen Objekte in ihnen ganz ungeordnet auslösen.

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

 

Siehe Expressionistisches Schreiben Teil I.

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Dialektik der Symbole

Georg Heym benutzt zur Symbolisierung der Dystopie (in der Literaturwissenschaft ist die D. eine Anti-Utopie eine fiktionale Erzählung, die in der Zukunft stattfindet, mit negativem Ausgang, z.B.: George Orwell, 1984) z.B.: den Winter, das erstarrte Leben, den Tod und die Toten, den Mond, die Kranken, Lahmen, Blinden, Tauben, Irren, die Endzeit, den Untergang.

Symbole der Utopie sind bei Heym: die Sonne, das Feuer, die revolutionäre Aktion, der Krieg.

Übung: Schreiben sie einen Text in dem möglichst viele der genannten expressionistischen Symbole vorkommen.

Expressionistische Farben

Farben haben im expressionistischen Text eine besondere Bedeutung. Sie werden nach drei Regeln angewandt.

–   Sie verwenden die Grundfarben.

–   Sie trennen die Farben von ihrem natürlichen Gegenstand.

–   Sie affektieren(anstreben, anmaßen) und subjektivieren(einer Sache einen persönlichen Stempel aufdrücken)den Bedeutungsgehalt der Farben.

Folgende Bedeutung von Farbsymbolen lassen sich ausmachen:

  1. Dystopische Farben:

–   Schwarz: Tod, Sterben

–   Rot: Katastrophe, Untergang

–   Geld: Unheil

  1. Doppeldeutige Farben

–   Weiß: Göttliches Licht und Grauen

–   Purpur: Pracht und Gefahr

–   Grün: Kälte und Friede

  1. Utopische Farben:

–   Golden: Versöhnung mit dem All

–   Blau: Erhabenheit, maßloses Entzücken

Schreiben sie einen Text (über den Staat) in

expressionistischen Farben.

Die Reise durch die expressionistischen Seelenlandschaften

Die Expressionisten versuchten das Unbewusste zu erfassen. Gemäß der Dialektik (die Lehre von den Gegensätzen in den Dingen, bzw.: den Begriffen, sowie die Auffindung und  die Aufhebung dieser Gegensätze) der Grundtriebe (Todes- und Lebenstrieb) entwerfen die Expressionisten mit Hilfe von Landschaftssymbolen ein Bild vom ES.

Landschaften des Todestriebs:

In Landschaften spiegelt sich für Trakl wie für Heym das Bild des Untergangs. Tiere, Pflanzen, die unbelebte Natur, Gestirne, Personen symbolisieren die Untergangsmetaphorik in unterschiedlicher Weise.

Die Tiere

Das wilde Tier(Sinnbild des Triebes und der Affekte) das sanfte Wild(Bild des Mutterkindes), die Vögel/der Vogelflug(Sinnbild der Fantasie, der Reise ins Totenland).

Die Pflanzen

Rose(Sinnbild der Frau, lockend und drohend), Holunder (Zeichen der berauschenden Kindheit). Aster (Todesblume)

Unbelebte Natur

Am Waldesrand(Nahe dem Reich der Mütter, dem Unbewussten), die Mauer(Schutz und Widerstand), den Stein (Sinnbild erstarrter Vitalität).

Gestirne

Sonne/Sonnenuntergang(bei Trakl anderes als bei Heym Sinnbild des Todes), Mond(Gestirne des Totenreichs).

Personen

Engel(ambivalente Züge: geistige Freiheit und satanische Empörung, dann Sinnbild des narzisstischen Selbst), der Hirte/Landmann(Symbol der bedrohten Einheit von Mensch und Natur).

Landschaften des Lebenstriebes:

Landschaft:

Die seelische Ideallandschaft bei G.Benn ist der mittelmeerische Komplex. Der „Süden“ wird vom Meer beherrscht. Berge und Gebirge lässt Benn weg. Das „Meer“ erscheint als Zusammensetzung: „Muschelmeer“, „Mythenmeer“, „Sternenmeer“. Es hat bei Benn einen „Strand“, „Küste“, „Lagune“, „Hafen“. Die Landschaft wird von einer „Sonne“ beherrscht, die „Licht“, „Wüste“, „Mittag“, „Schatten“ verursacht.

Pflanzen:

Blumen, Sträucher spielen eine große Rolle: Mohn, Glyzinien, Orchideen, Asphodelen, Anemonen (sie bdeuten: Fülle, Schönheit, Harmonie, aber auch einmalige Leuchtkraft im Zeichen ihrer natürlichen Vergänglichkeit).

Gebäude:

Antike Ruinen runden das Bild an: Säulen, Tempel, Krüge, Vasen.

Tiere:

Erwähnte Tiere sind z.B.: Taube, Möwe, Stier, Schwalbe.

Personen:

Personen treten als Angehörige von alten Kulturen auf: Nubier, Phäaken, Inkas.

Farben:

Die wichtigste Farbe des mittelmeerischen Komplexes ist Blau. Mit dem Blau kann der Dichter „den Himmel von Sansibar … und das Meer der Syrten in seinem Herz beschwören“.

Übung: Beschreiben sie eine Reise, die sie erst durch die Landschaften des Todes und dann des Lebenstriebes führt.

Schreibprozess und Textarbeit

Inspiration: ist für Benn die Ausschaltung des Ichs, Öffnung tieferer Bewusstseinsschichten, freie Assoziation von Worten, Hinzuziehung von gesammelten Einfällen.

Inkubation: der Einfall wird vertieft, vernetzt, verdichtet. Das ist für Benn das Zusammenschließen von Worten in tieferen Schichten des Unterbewussten: Verdichtung, Symbolisierung, Verschiebung.

Explikation: Das unbewusste Material erhält Form. Der Text wird nun gestaltet, vom Intellekt durchgearbeitet.

Diese drei Stufen können wir mit der Clustermethode der freien Assoziation durchschreiten. Dabei ist wichtig, dass wir das Kernwort und Assoziation im Geist des Expressionismus vollziehen.

Aufgabe: Mit Hilfe des Clusterns schreiben wir einen Text zum Thema „Kleine Aster“.

Expressionistische Textarbeit umfasst sechs Regeln:

  1. Substantivierung

Wortverkürzung, Wortveränderung, Satzverkürzung,

Konzentration. Z.B.:

Die Bäume und Blumen blühen.

Die Bäume, Blumen blühen.

Baum und Blume blühen.

Baum blüht Blume.

Blühte.

Aufgabe: Bilden sie einen längeren Satz. Substantivieren sie diesen Satz, indem sie erst die Worte des Satzes verkürzen, dann verändern, dann den Satz verkürzen und schließlich die Satzaussage konzentrieren.

  1. Heterogenisierung

Die poetischen Bilder werden dissonant gegeneinander

Gesetzt, wie Schnitte im Film. Die freie Assoziation wird hier literarisches Prinzip. (James Joyce, der innere Monolog).

Aufgabe: Schreiben sie einen Text über die Großstadt, die nur aus einer Reihung freier Assoziationen und Einfällen besteht, die möglichst wenig miteinander zu tun haben.

  1. Personifizierung

Die dringliche Umwelt, Landschaften werden als Personen

dargestellt: Häuserrudel, Fenster sehen in die Nacht, Häuser bellen wie Hunde, etc. Die animistische und mystische Beseelung der Umwelt wird als Ausdruck der Aggressivität, der Dämonie der städtischen Konkurrenzgesellschaft, des bürgerlichen Schicksals im Krisenzyklus von Krieg und Wirtschaftszusammenbruchs benutzt.

Aufgabe: Lassen sie sich einige Stadtlandschaften einfallen und verwandeln sie sie in Personen; verwandeln sie Häuser in Tiere, Fenster in Augen, Wolken in Fäuste, Gedanken in mytische Gestalten, Brücken in Raubwesen etc. Schreiben sie dann einen personifizierten Text über ihren Stadtteil.

  1. Reduktion der Personen auf hässliche Details

Menschen werden nur noch durch hässliche Körperteile

dargestellt: Sattelnase, Bartflechte etc.(Benn: Nachtcafé) oder als Tiere: durch Substantivverschmelzung: Hungerhaie, Menschentiere. Die Entmenschung der Industriegesellschaft wird damit handgreiflicher Ausdruck.

Aufgabe: Schneiden sie aus einer Illustrierten zehn Bilder von Menschen aus und versuchen sie sie nur durch ein Körperdetail zu charakterisieren. Danach charakterisieren sie dieselben Menschen durch Tiere. Schreiben sie dann einen Text über Menschen in der Großstadt, die sich als Körperteile begegnen.

  1. Emotionalisierung

Das Verhältnis des bedrohten Ichs zu seiner drohenden,

zerstörerischen Umwelt erzeugt eine hohe emotionale Dauerspannung. Diese wird durch Rhythmus und Spannungen im Satzbau ausgedrückt.

–   Das lyrische Gedicht ist keine Mitteilung von Gedanken, sondern Kunde einer Offenbarung

–   Wichtige Stilmittel sind Laut und Rhythmus.

–   Der Rhythmus ordnet die Laute zu einer Einheit

–   Die Grammatik der Umgangssprache ist für die Lyrik belanglos. Das lyrische Gedicht ist Sprachtonwerk

Aufgabe: Schreiben sie zehn Sätze über einen Mord in

einer Großstadt. Versuchen sie dann durch folgenden Stilmittel den Text zu emotionalisieren.

–   Stellen sie die Worte in jedem Satz so um, dass der Satz stärker wird. Aus „Der Mörder hob langsam das Messer“ wird „Das Messer der Mörder hob – langsam“.

–   Versuchen sie möglichst viele dunkle Vokale in den Worten Ihrer Sätze unterzubringen.

–   Sprengen sie dann alle Regeln der Grammatik und verwandeln sie ihren Text in ein Sprachtonwerk.

  1. Utopisierung

Aus den Trümmern der Gegenwart, aus dem Chaos des

Untergangs erhebt sich die Gestalt des neuen Menschen, der sich in ekstatischer Lebe, in neuer Naturverschmelzung, utopischer Gemeinschaftssehnsucht ausdrückt. Aufbruch, Bewegung des Empor, Lichtmetaphern, der standhafte Mensch, Ideen neuer Gesellschaft.

Aufgabe: Nach dem Setzung des oberflächlichen Stadtmenschen durch die expressiven Stilmittel, soll nun ein Text über den neuen Menschen mit den Formeln des expressiven Pathos erarbeitet werden. Schreiben sie einen Text über den neuen Menschen als Bruder, guter Mensch, treuen Freund. Laden sie ihn mit dann utopisch auf.

–   O-Mensch-Ausrufe

–   Empor- und Lichtmetaphern

–   Aufbruchstimmung

–   Stilisierung des Guten bis zur ironischen Schmerzgrenze und bis an den Rand des Kitsches.

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

Siehe expressionistisches Schreiben Teil II.

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Naturalistische Schreibprojekte

1.Übung: Reale Geschichten

Legen sie sich ein Heftchen an und schreiben sie alle Geschichten auf, die während einer Woche in ihrem Bekanntenkreis besprochen werden. Notieren sie jeden Abend ihre Geschichtensplitter.

(Beispiele: S.210, Kreative Literaturgeschichte,

L.v.Werder)

Aufgabe: Schreiben sie eine Geschichte, die ihren früher gestalteten Protagonisten in den Kontext einer ausgewählten erlebten Geschichte einordnet.

2.Übung: Naturalistischer Schreibstil

Der Naturalismus ist bei seiner Reproduktion der Realität auf ein minutiöses, reflexionsloses und detailtreues Schreiben angelegt. Erzählzeit und erzählte Zeit zur Deckung bringen. Das kleinste Element der Realität soll im Text mit fotografischer Genauigkeit erfasst werden.

Einige Übungen zum sekundenmäßigen Beschreiben von Details:

Dinge: Beschreiben sie ein Schaufenster, eine Tür, ein Auto, eine Verkehrsampel im Stadtteil vor Ort.

Personen: Beschreiben sie mit dem Auge einer Kamera die Begegnung von zwei Menschen.

Impressionistische Sinneswahrnehmung: Beschreiben sie z.B.: Geräusche, Gerüche oder Bewegungen, für die sie sich im „Kiez“ bestimmte Beispiele suchen (Bahnhof, Markttag oä.)

3. Übung: Naturalistische Plots

Experimentieren sie mit naturalistischen Plots. Die folgenden Plots wurden alle im Werk Emile Zolas ausgestaltet. Schauen sie sich die Plots an und entwerfen sie Plots aus der Gegenwart.

1. Verfall

In Naturalistischen Romanen enden die Handlungsabläufe fast stets in scheußlichen, tragischen Ereignissen. Zolas typische Art etwas unveränderbar zu machen, ist die Vernichtung. Die Menschen verkommen im Suff, werden wahnsinnig, krepieren an Pocken, ermorden sich zielstrebig gegenseitig, erstechen, erschlagen, vergiften, erschießen, ertränken sich, begehen Selbstmord. Wohnhäuser und Bauernhöfe verbrennen, Lokomotiven explodieren, Bergwerke versinken.

2. Seitensprung

Eine Frau zwischen Mann und Geliebtem. Der Geliebte betrügt die Frau. Der Mann verstößt sie. Sie stirbt.

3. Wahnsinn

Ein Mann wird von seiner Frau ohne Grund in eine Anstalt gesteckt, verliert dort wirklich den Verstand, ergreift die Flucht, steckt sein Haus in Brand, in dem sein Nebenbuhler umkommt.

4. Sünde eins Priesters

Priester fällt wegen Liebe vom Glauben ab. Ein Liebesverhältnis entwickelt sich. Die Kirche holt den Priester zurück, Geliebte stirbt aus Verzweiflung.

5. Intrige

Ein Außenseiter erringt eine hohe Machtposition. Er wird Opfer der Intrige einer Frau, die ihn verführt. Er stürzt. Durch Vetternwirtschaft kehrt er aber später auf seinen Posten zurück (er rächt sich?).

6. Alkoholismus

Frau mit zwei Kindern wird von Ehemann verlassen, heiratet Trinker und verkommt.

7. Prostitution

Junges Mädchen steigt zu berühmter Kokotte auf, vernichtet alle Männer durch Geldsucht und Renommierwunsch. Steht schließlich allein und verlassen da und stirbt an Pocken.

8. Aufruhr

Ein Mann wird Streikführer, der einen gewalttätigen Aufruhr zur Folge hat. Die Polizei schlägt den Aufstand nieder. Der Mann flieht, nachdem seine Geliebt in dem Aufruhr umgebracht wurde.

9. Scheitern eines Künstlers

Maler mit höchsten Ansprüchen gründet eine Malschule. Allerdings werden seine Bilder abgelehnt. Er begeht daraufhin Selbstmord.

10.    Mord

In einer Fabrik verbündet sich ein Mann mit der Frau des Fabrikbesitzers. Gemeinsam ermorden sie den Fabrikanten. Dieses Motiv hat Zola noch in einem anderen Kontext genutzt: Ein Mann wird Zeuge eines Mordes. Er entwickelt mit der Frau des Ermordeten eine Beziehung und ermordet diese Frau aus „krankhafter“ Mordlust (???).

11.    Bankrott

Ein Mann steigt zum Bankchef auf. Spekuliert, betrügt. Macht Bankrott und flieht.

Aufgabe:Diese Hauptplots aus Zolas Romanen könnten sie zu einer Kurzgeschichte motivieren, die allerdings in der Gegenwart spielen sollte.

 

4.Übung: Plots des weiblichen Naturalismus

1. Geldheirat

Eine Frau heiratet einen reichen Mann und verliert damit jede Möglichkeit der Selbstständigkeit.

2. Zwangsehe

Eine Frau findet in der Ehe keine Befriedigung, versucht auszubrechen und scheitert.

3.Neue Ehen

Eine Frau wird Künstlerin und versucht mit einem Künstler eine neue Eheform der Kreativität.

4.Befreiung

Frauen gehen keine Ehen mehr ein und werden zu sexuellen Jägerinnen und Sammlerinnen.

5. Wahnsinn

Ein Vater will die Tochter, die Künstlerin werden will, in eine Ehe zwingen. Der Mann erweist sich als Tyrann. Die Frau verfällt dem Wahnsinn.

Aufgabe: Entwickeln sie weibliche Plots, die in der Gegenwart einem naturalistischen Begriff von Realität entsprechen könnten.

5.Übung Rollenprosa: Indirekte Rede

Mit dem Wunsch der Annäherung an die Alltagssprache entstand der innere Monolog.

Aufgabe: Suchen sie sich im Stadtteil eine Straße und beschreiben sie, wie sie diese Straße als Stadtstreicher, als Alternativer, als Hund durchwandern.

6.Übung: Naturalistischer Einakter

Naturalistische Theaterstücke spielen immer in der Gegenwart, an einem Ort und in einer Zeit. Sie thematisieren das Elend der Arbeiter, der Frauen und der Künstler. Sie wollen dem Zuschauer den Spiegel vom Verfall der Verhältnisse vorhalten.

Die Protagonisten waren Arbeitermädchen am Rande der Prostitution, femme fatale, anderen Egozentrik und Kälte Familien zerbrachen. Männer, deren Potenz unsicher ist und die zum Spielball ihrer Eifersucht und ihres Frauenhasses werden. Künstler die scheitern und verhungern, Kaufleute die im Bankrott enden. Die Antagonisten der Stücke waren die Erfolgreichen: Karrierefrauen, elegante Huren, Frauenhelden, erfolgreiche Künstler, große Geldhaie.

Der Zusammenstoß ist für die Protagonisten meist tödlich. Der Sieg des Vertreters der „glücklichen“ Lebensbedingungen ist meist vorhersehbar.

Handlungsstruktur:

Anfangsdialog – Vorstellung des Protagonisten

Mitteldialog – Zusammenprall mit dem Antagonisten

Abschlussdialog – Untergang des Protagonisten

Aufgabe: Suchen sie im „Kiez“ erneut nach geeigneten Protagonisten und Antagonisten und nach einem einschlägigen Plot für ihren naturalistischen Einakter.

Beispielplots:

  1. Gefährdetes Arbeitermädchen wird von feministischer Sozialarbeiterin reingelegt und versinkt in der Asozialität.
  2. Alte Hure sucht Hilfe bei eleganter Kollegin und erntet Hohn und Spott.
  3. Junge Fabrikarbeiterin wird von Lebedame verführt und zur Prostitution gezwungen.
  4. Armer Künstler will seinen erfolgreichen Kollegen entlarven und scheitert.
  5. Bankrotter Kaufmann trifft auf Geldhai und wir von ihm endgültig zerstört.

–   Fertigen sie eine Porträtskizze der für ihren Einakter ausgewählten und beobachteten Personen an. Fixieren sie Ort und Zeit der Handlung. Schreiben sie dann (Gruppe???) die 3 Phasen des Dialogs.

–   Für den Anfangs- und Schlussdialog ist es sinnvoll, keinen Monolog des Protagonisten zu produzieren, sondern einen Dialog mit Freunden/Helfern des Protagonisten zu entwickeln. Auch diese Figuren müssen recherchiert werden.

–   Die Dialoge sollten in Alltagssprache gehalten sein.

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

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Eine solche Schreibtechnik sieht sein höchstes Ziel in der Abbildung der „sozialen“ Naturverhältnisse. Und seine primäre Schreibtechnik, ähnlich wie die sich entwickelnde Fotografie, ist auf die Erforschung, Beobachtung und Wiedergabe der Gesellschafts- und Individualnatur ausgerichtet.

Sie besitzt folgende Schwerpunkt:

Die Benutzung der fünf Sinne: Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken, Riechen.

Sie sollen alle Daten, die sich durch die äußere Realität gewinnen lassen, aufnehmen, um sie durch das schreibende Ich in eine vollsinnliche Sprache zu verwandeln. Die Einfühlungskraft soll das schreibende Ich befähigen, in die geeigneten Figuren des Milieus zu schlüpfen, um mit Sinnen und Gefühlen deren innere Welt zu sehen, zu beschreiben und zu visualisieren.

Wesentliche Schreibprozesse geschahen vor Ort:

Um die Sinnlichkeit besonders zur Sprache zu bringen, soll das schreibende Ich nicht am Schreibtisch arbeiten, sondern in der Realität, vor Ort, im Angesicht eines engen, räumlichen und zeitlich begrenzten Ausschnitts der Realität.

Die Gesellschaft soll in ihren schlimmsten Auswirkungen studiert werden:

Sinneseindrücke, Einfühlungskraft und reale Erfahrungen vor Ort vermitteln die stärksten Eindrücke dann, wenn man die Realität von ihrer schlimmsten Seite kennenlernt: Entfremdung, Verfall, Abweichung, Wahnsinn und Aggression.

Die Gesellschaft enthüllt ihr Wesen, wenn sie nach dem Standpunkt des „Überlebens der Angepassten und vom Scheitern der Unangepassten“ betrachtet wird.

Schreibübungen:  5 Sinne

Stellen sie sich an eine Straßenecke, und nehmen sie ihre Umgebung mit jeweils einem Sinn wahr. Sehen sie die Ecke, hören sie die Ecke, fühlen sie sie, schmecken sie sie, riechen sie sie. Schreiben sie einen kurzen Seh-, Hör-, Fühl-, Schmeck-, Riechtext über diese Straßenecke. Integrieren sie dann ihren Teiltext in einen ganzheitlichen Eckentext.

Identifikation

Suchen sie sich eine Person auf der Straße, in der sich das Milieu und der Druck des Kampfes um das Leben am deutlichsten zeigt. Schlüpfen sie in sie und beschreiben sie die Umgebung durch die Augen und Gefühle dieser Person.

Wörtliche Rede

Hören sie im Kiez Alltagsreden zu, z.B.: auf dem Wochenmarkt und schreiben sie sie auf.

Vor Ort

Stellen sie sich einen Ort im Kiez vor und beschreiben sie ihn. Gehen sie dann an diesen Ort und beschreiben sie ihn vor Ort. Vergleichen sie ihre beiden Texte und arbeiten sie die Unterschiede der Schreibresultate heraus.

Verfall

Suchen sie sich die schlimmste Gegend im Kiez aus und beschreiben sie sie. Beobachten sie dabei, welche Sprache sie für die Beschreibung Ihres Gegenstandes benutzen und mit welchen Klischees sie bei dieser Beschreibung zu kämpfen haben.

–   Der Mensch wird durch das Milieu, Abstammung und Vererbung geprägt

–   Der Naturalismus entdeckte folgende neue Bereiche für die Poesie: die Großstadt, die Fabrik, die Arbeiter und Kleinbürger, die Künstler. Er beobachtete die Prozesse der Entfremdung und Degeneration des Menschen, durch die industrielle Umwelt. Er thematisierte Alkoholismus, Sexualität, Zerfall von Ehen und Familien, Frauenbefreiung, soziale Konflikte zwischen Arbeitern und Fabrikanten, Männern und Frauen, Künstlern und Gesellschaft.

–   Zola hat bei Monet(Impressionist) seine Lehre absolviert. Dort hat er gelernt, an jedem Ort, in jedem Moment und in allen Dingen sinngebenden Merkmale zu erfassen: eine Geste, ein Blick, eine Falte der Kleidung, eine Haltung, ein Gegenstand, einen öffentlichen oder privaten Hintergrund, eine Regung im Gesichtsausdruck.

Die neue Schreibmethode unter besonderer Berücksichtigung der 5 Sinne bedeutet, beobachten, interviewen, fotografieren, zeichnen und schreiben, reisen und schreiben, dokumentieren von Alltagssprache, Geschichten und Dialoge. Der Naturalist verwendet authentisches Material: Tagebücher, Briefe, Entwürfe und Skizzen. Die geschlossene Form wird aufgelöst: Prosa wird zur Reihung von Skizzen, Szenen und Impressionen.

1.Übung – Portrait einer lebenden Person im Alltag

Wählen sie einen Platz im „Kiez“. Beobachten und sortieren sie die Menschen. Wählen sie eine interessante Person und porträtieren sie sie in ihrem Milieu. Beschreiben sie ihr Temperament – ihren Gesellschaftskreis – ihren Verkehr – ihre Luft – ihre Sinnlichkeit – ihre Freizeitbeschäftigung – ihre Sprache.

Die Person, die wir im Stadtteil porträtiert haben, wird im weiteren Verlauf unserer Übung zu unserem Protagonisten.

2.Übung – Soziales Netz des Protagonisten

Wir entwerfen ein Genogramm unserer Person, einen Stammbaum über vier Generationen und treffen dabei Feststellungen über Abstammung, Vererbung und Generationenverlauf. (Siehe Zola und die Familie Rougon Macquart)

Zola war sehr gründlich. Nachdem er Charakter, Sitten, Gewohnheiten seines Helden erforscht hatte, beschrieb er ein eine Reihe von Orten an denen sich der Lebensweg des Helden abspielte.

Mit Hilfe des Genogramms und des Soziogramms können wir nun zwei Kurztexte über die familiären und sozialen Beziehungen unseres Protagonisten entwerfen.

3.Übung – Experimente mit dem Protagonisten

Wir unterstellen unserem Protagonisten, dass seine Herkunfts- und Alltagsstruktur durch z.B.: Krankheit – Arbeitslosigkeit – Ehebruch – Emanzipation usw. in seiner Rolle verändert wird. Wir beschreiben das Verhalten unseres Protagonisten auf der Basis der Veränderung seines sozialen Umfeldes und schildern alternative Reaktionsweisen: Aggression, Verzweiflung, Rückzug, Isolation usw.

4.Übung – vertiefte Erforschung des Milieus

Wir untersuchen das Milieu des Protagonisten auf Personen, die als Antagonisten in Erscheinung treten können. (Wir legen Skizzen von Lokalitäten und Personen an.) Wir achten darauf dass dieser Antagonist einen spannenden Gegensatz zu dem Protagonisten bildet. In einer anschließenden (kleinen) Skizze versuchen wir das Aufeinandertreffen und die Folgen des Konflikts zwischen unserem Protagonisten und Antagonisten zu skizzieren.

5.Übung – die Hauptfiguren der naturalistischen Prosa

Nicht mehr nur Vertreter der Oberschicht sondern hauptsächlich reale Alltagsmenschen (Antihelden) vom Angepassten bis zum Außenseiter (Seelenvagabund, Abenteurer, Renaissancemensch, rohe Typen).

Sie haben im Folgenden die Aufgabe, aus den stichpunktartigen Angaben, ein genaueres naturalistisches Personenporträt von wenigstens drei Typen zu entwickeln. Es sollte folgende Aspekte umfassen: Name, Alter, Beruf, Geschlecht, Weltanschauung, Vorlieben, Lebensperspektiven, augenblickliche Lebenskrise und Entwicklungsmöglichkeiten.

  1. Die alte Hure

Verlust der körperlichen Attraktivität, Selbstwertverlust, Deklassierungsgefühl, Hunger und Not, Verkauf des Körpers, um leben zu können, innerer Hass auf die Freier.

  1. Die Revolvermietze

Junge Hure, die sich jedem verkauft, sich als Jungfrau ausgibt, um den Preis zu erhöhen, Extraleistungen anbietet, sich fein kleidet und sich von den Freiern nicht unterkriegen lässt.

  1. Der Narr

Stadtstreicher, der einen religiösen Wahn entwickelt, sich als „Erlöser“ phantasiert, um seine Ohnmacht in Allmacht zu verwandeln. Eine Mischung von Einsamkeit und Verschmelzungssehnsucht mit den Massen.

  1. Der Phantast

Armer Dachstubenpoet, der sich im Reich der Fantasie als König fühlt und im Alltag des wilhelminischen Reiches mittellos verhungert. Arno Holz, Phantastus: Gefangen in einer Mietskaserne, hungernd und frierend, von Tod und Elend umgeben, schwingt er sich doch immer wieder auf zum Traumflug um die Welt, zum Heldenleben als orientalischer Fürst, oder als Geliebter der Aphrodite.

  1. Fabrikarbeiter

Der Arbeiter erschien als der Fremde, als Angehöriger eines fremden Stammes im eigenen Volk. Sie arbeiten an schlimmen, rauchigen, dreckigen Industrieplätzen, lebt er erbärmlich, von Krankheit und Hunger bedroht und leiden unter dem Verfall der eigenen Familie.

  1. Arbeiterfamilie

Lebt beengt in einer Mietskaserne, schlecht möbliert, Aggression, Streit, Alkohol, schlechte Nahrung, kurze Lebenserwartung.

  1. Der Vampir

Eine krasse Form von Nekrophilie. Während der Wache am Totenbett seiner Geliebten, verwandelt sich ein Hysteriker zum Vampir. Hysterische Ausbrüche des Unbewussten, Regression zum Kannibalismus von Naturvölkern. Samenkeime extremer Gefühle entwickeln sich in psychologischer Entgleisung.

  1. Muttermörder

Extreme Variante eines Familienkonflikts. Beispiel: Sohn ist asozial und aggressiv nach Kindheitstrauma und ständiger Verzärtelung durch die Mutter. Die Mutter leidet an Schuldkomplexen wegen Mordimpulsen gegen den unehelichen Sohn kurz nach der Geburt.

  1. Der Anarchist

Er lehnt den diktatorischen Kommunismus und den aggressiven Terrorismus ab. Er setzt auf den Sieg der Vernunft. Er glaubt: wenn sich alle nur um das eigene kümmern und jeder seine Freiheit hat, dann ist das Ideal der Herrschaftslosigkeit erfüllt.

  1. Der Reiche

Lebt in bester Lage, bestes Essen, große Feste, besitzt die Macht, kann sich Dirnen kaufen, um seine Lust vollständig zu befriedigen, hasst(verachtet) die unteren Schichten, fürchtet sich vor ihnen, kennt ihre Stadtteile und ihr Leben überhaupt nicht.

Falls ihnen die Figuren nicht liegen, tauchen sie in ihren Stadtteil ein und entwickeln sie naturalistische Porträts geeigneter Figuren nach der Natur.

Die Aufgaben sind angelehnt und zum Teil wörtlich zitiert aus dem Buch: Kreative Literaturgeschichte, von Lutz von Werder, Klaus Mischon, Barbara Schulte-Steinicke ISBN 3-928878-01-8

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