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Archive for the ‘365 fünf-Minuten-Texte’ Category

„Ist das eine Waffe?“

„Nein, das ist ein Föhn!“

Harry schüttelte müde den Kopf. Wieso war er nur mit diesem Nervenbündel gestraft.

„Ich spüre da eine gewisse Aggression zwischen uns“, sagte Alex und verzog die schmalen Lippen.

„Was erwartest du? Du willst ein Privatdetektiv werden! Meinst du wir werfen mit Wattebäuschen herum?“

Harry ballte die Fäuste. Alex antwortete nicht. Sein zartes Gemüt verkraftete solche Anfeindungen nicht besonders gut, nachdem er die Antidepressiva abgesetzt hatte. Harry überkam der intensive Wunsch die Waffe sofort zu benutzen und den unerwünschten Partner Six-Feet-Under zu legen. Mario schuldete ihm noch einen Gefallen. Wenn die Italiener das in die Hand nahmen, würde Alex nie wiedergefunden. Andererseits konnte er es sich nicht leisten, ihn jetzt schon in der Versenkung verschwinden zu lassen. Harry war so pleite, wie man nur sein konnte und Alex war so reich, wie man nur sein konnte.

„Los, steig endlich ein“, herrschte Harry Alex an.

„Na gut, aber das Thema ist noch nicht zu Ende“, erwiderte der pikiert und gehorchte.

Stimmt, dachte Harry, Mario schuldet mir noch was.

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„Dein Plan wird uns sehr wahrscheinlich töten. – Ich bin dabei.“

„Das dachte ich mir. Und ehrlich, dass macht mir Sorgen! Dein Hang zu selbstmörderischem Verhalten, ist beängstigend.“

Dean grinste und seine grünen Augen funkelten.

„Aber du brauchst mich. Ich habe den Plan.“

Er tippte sich an die Schläfe. Ich zuckte mit den Achseln.

„Leider! Aber da das Ganze ist sowieso ein Himmelfahrtskommando, auch ohne deine suizidale Ader. Darum ist es egal.“

„Richtige Einstellung“, stellte Dean selbstzufrieden fest.

Unter anderen Umständen hätte ich eine Diskussion über das Für und Wieder seines rücksichtslosen Verhaltens angezettelt, doch es blieb nur wenig Zeit das Ende der Welt abzuwenden, und die wäre definitiv verschwendet gewesen.

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„Wird Mister James Warner die Nacht hier verbringen?“ fragte Nadine spitz.

Sie legte mir die kostbare Perlenkette um. Im Spiegel konnte ich ihren missbilligenden Blick sehen. Ich hatte bemerkt, dass meine Zofe ebenfalls gewisse Gefühle für Mister Warner hegte. Nun, das war der kleine Unterschied, ich besaß die Mittel und die Verbindungen, um mir diese Liaison zu gönnen.

„Natürlich, wird er die Nacht hier verbringen“, erwiderte ich mit einem wissenden Lächeln, „obwohl ich gedenke, es ihm nicht so leicht zu machen.“

Eine Witwe Mitte Zwanzig zu sein, die einen steinalten reichen Mann überlebte, war keine Kunst. Die Kunst bestand darin, mir das Leben zu nehmen, dass ich wollte, ohne auf die schönen Augen der Männer hereinzufallen, die es auf mein ehrlich verdientes Vermögen abgesehen hatten und mich ein paar Wochen nach der Hochzeit mit einer 16-Jährigen betrogen.

Nadine schnaubte hörbar. Ich ignorierte es geflissentlich und dachte ernsthaft darüber nach eine neue Zofe einzustellen. Leider war gutes Personal rar gesät. Ich drehte mich zu ihr um.

„Liebe Nadine, wenn du deine Stelle nicht an eine andere verlieren möchtest, halte deine Unmutsäußerungen zurück!“, sagte ich ruhig, aber bestimmt, „nicht jeder schöne Mann, ist auch ein guter Liebhaber. Auch wenn Mister Warner dieser Ruf vorauseilt. Er muss sich mein Urteil erst noch verdienen.“

Nadine zog die Augenbrauen zusammen.

„Aber Mylady, sowas gehört sich nicht“, begehrte sie auf.

„Sagt wer?“, ich musste lachen, „die ehrenwerten Herren, die es heimlich mit jedem Rock treiben, und die vertrockneten Damen der Gesellschaft?! Lass sie reden, Nadine. Wenn sie könnten, würden sie dasselbe tun. Ich bin eine ehrbare Witwe. Ich besitze genug Geld, mich nie wieder unter Wert an einen Mann verkaufen zu müssen!“ Ich verbarg meinen Zorn, über den Kuhhandel meines Vaters hinter einem Lächeln. „Ich nehme mir, was mir gefällt. Und ich darf behaupten, ich habe einen exquisiten Geschmack, was die Männer in meinem Boudoir angeht.“

„Und was ist mit der Liebe?“, diesmal klang Nadine kleinlaut.

Ich seufzte.

„Liebes Kind, ich verstehe deine Gedanken. Aber Liebe ist nichts weiter als eine romantische Vorstellung, die Dichter uns eingetrichtert haben. Am Ende zählt, was du bist, hast und geben kannst.“ Ich hielt kurz inne. „Glück ist, wenn du einen Menschen triffst, der dir ebenbürtig ist. Da hält sich Geben und Nehmen etwa die Waage. Und ich gebe zu, die Illusion habe ich in unserer degenerierten Gesellschaft aufgegeben.“

Nadine zuckte mit den Schultern. Sie huschte hinaus, um Mister Warner in den Salon zu geleiten. Ich warf einen letzten Blick in den Spiegel. James Warner sollte diese Nacht nie wieder vergessen, auch wenn es die erste und letzte Nacht in meinem Bett sein würde. Ich hatte meine unumstößlichen Prinzipien. Verlieben kam in meiner Lebensplanung nicht vor! Nie wieder.

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Da steht: Eintritt verboten!“

Ich hielt Dean am Arm fest.

„Ich betrachte solche Schilder als gutgemeinte Vorschläge.“, sagte er lässig und zog die Waffe.

Ehe ich reagieren konnte, trat er gegen die Tür. Das morsche Holz zersplitterte unter der Wucht des Tritts. Das Krachen hallte durch die unterirdischen Gänge und war mit Sicherheit im ganzen Gemäuer zu hören.

„Dean“, zischte ich, „was soll das! Du hättest uns gleich mit Megaphone ankündigen können!“

„Ich bitte dich“, sagte er sarkastisch, „als ob die noch nicht gemerkt hätten, dass wir da sind.“

„Und wenn schon. Es ist echt unnötig, dass wir uns auf ihr Silbertablett schmeißen.“

Dean lachte und die Grübchen auf seinem Kinn faszinierten mich ein weiteres Mal. Der Kerl war lebensmüde, aber hinreißend.

„Eins ist jedenfalls klar, sie nehmen uns nicht ernst, sonst hätten sie uns nicht so weit kommen lassen.“

Wie um seine Überlegung zu bestätigen, hörten wir eine spöttische Stimme hinter uns.

„Wir haben euch früher erwartet. Was hat euch aufgehalten?“

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Er erinnerte sich noch genau daran, was er dachte, als er sie das erste Mal sah, aber nicht daran, was sie anhatte, wie sie ging, welches Wetter oder welche Tageszeit war. Merkwürdig, überlegte er und betrachtete ihr strohblondes Haar, in das die Sonnenstrahlen goldene Lichtpunkte woben, heute wäre es undenkbar für mich, nicht zu wissen, wie sie in welcher Situation aussieht. Alles an ihr ist so ungewöhnlich, so wichtig für mich, dass allein der Gedanke, sie für kurze Zeit aus den Augen zu verlieren, nicht zu ertragen ist. Dass es eine Zeit ohne ihre Anwesenheit gab, kann ich mir heute nicht mehr vorstellen. Sie ist die Einzige, die ich will und ich werde alles, alles tun, um sie nicht zu verlieren.

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Alle Nächte der Welt konnten ihr nicht dir Ruhe geben, die sie brauchte. Das was Amara erlebte, brannte sich für immer in ihre Seele. Unterschwellig existierte es am Tag. Nachts, wenn sich die Türen zwischen Realität und Illusionen öffneten, schwappte das Böse über die Schwelle und beherrschte ihre Träume. Doch Träume sind ein merkwürdiges Medium. Manchmal sind sie wirklicher als die Realität und ihre Spuren reichen bis in sie hinein. Amara spürte es schon seit geraumer Zeit, doch an diesem Morgen sah sie zum ersten Mal, die Folgen. In der Wand ihres Schlafraumes war ein Loch im Mauerwerk, so groß wie eine Faust.

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Wir haben uns auf Teufel komm raus geliebt, dann kam er und wir wussten nicht mehr weiter. Heute frage ich mich, ob es sich wirklich gelohnt hat, für diese fragilen Momente der Ekstase meine Seele aufs Spiel zu setzen? Wäre es besser gewesen zufrieden zu sein? Vernünftig wäre es gewesen, ja, aber ich weiß genau, dass ich mich damals nicht damit begnügt hätte. Ich wollte alles und noch viel mehr. Meine Sucht nach Liebe, mein absolutes Verlangen, dich zu besitzen und dir zu gehören, ließ keinen Vernunftschluss zu. Ich versuchte mich zu wehren. Dich nicht zu sehr zu mögen, meine Gefühle im Zaum zu halten. Doch es gelang mir nicht. Als du mich in deine Arme zogst, mir diesen Wahnsinnsblick schenktest, war es geschehen. Ich warf alle Hemmungen über Bord und gab mich unserer Lust hin.

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