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Archive for the ‘Märchenhaftes’ Category

Hier die ersten Seiten meines Bilder – Buch – Projekts. Die Idee hatte ich schon länger – eine Geschichte mit Bildern, die die Szenerie der Story zeigt, wie bei einem Bilderbuch für Kinder – nur eben für Erwachsene. Dazu gibt es Gedichte, die ich besonders mag – und kleine Briefchen, selbst Gemaltes und collagenartige Hintergründe. Die Größe ist DIN – A 3. Das ist mal was ganz anderes und macht unheimlich viel Spaß. So kann ich schreiben, malen und collagieren miteinander verbinden.

Die Geschichte heißt im Arbeitstitel: Jade und das alte Haus

Erste Seite - Bilder-Buch-Projekt

Erste Seite – Bilder-Buch-Projekt

Zweite Seite

Zweite Seite

Dritte Seite

Dritte Seite

Vierte Seite

Vierte Seite

 

Für die Collagen habe ich Bilder ausgedruckt, Zeitschriften aller Art geplündert, alte Zeichungen, Geschenkpapiere usw zusammengetragen. Außerdem habe ich auf dem Bücherflohmarkt ein paar günstige Bücher erstanden, die ich ebenfalls für die Collagen verwenden will und zu diesem Zweck auseinander nehmen muss. Und auch wenn ich diese Bücher im Regal habe, blutet mir das Herz einen Schnitt in die Seiten zu machen. Ich denke, ist ja nicht verloren, sondern für eine „gute“ Sache – ein Buch lässt Seiten für ein anderes, aber wohl ist mir trotzdem nicht dabei. Tja, Bücher und ich 😉 .

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Auf dem gelben Ortseingangsschild mit dem wohlklingenden Ortsnamen Rabenau sitzt Abraxas, der Rabenälteste. In der alten Eiche im angrenzenden Feld hat sich der Rest der Rabensippe niedergelassen. Leises Krächzen verrät ihre Aufregung, denn es ist eine außerplanmäßige Zusammenkunft. Es muss etwas sehr Wichtiges geschehen sein, dass Abraxas eine Versammlung einberuft, die so überstürzt stattfindet. Nebelschwaden liegen über den gepflügten, rotbraunen Feldern und verleihen diesem Herbstmorgen einen eigentümlich theatralischen Hintergrund.

„Abraxas, worauf wartest du noch?“, ruft einer der jungen Raben, Maras, „warum hast du uns zur Versammlung gerufen?“

Plötzlich ist es ganz still, alle blicken den alten Raben an und warten gespannt auf eine Antwort. Majestätisch hebt Abraxas den Kopf und blickte mit Herablassung auf den hitzköpfigen Maras. Diese jungen Dummköpfe denken, weil sie stärker sind, haben sie das Recht sich ungebührlich zu benehmen, aber das zeigt nur ihren Unverstand. Abraxas hat schon viele Jahre das Ältestenamt inne. Ihm kann niemand etwas vormachen. Weisheit ist eben eine Sache des Alters und nicht der Jugend.

„Wir sind noch nicht vollzählig,“ erwidert Abraxas.

Er will gerade fortfahren, als ein leises Rauschen in der Stille zu hören ist und mit ein paar eleganten Flügelschlägen landet Jorel neben Abraxas auf dem Ortsschild.

„Du kommst spät,“ höhnt Maras.

„Dafür habe ich meine Gründe,“ erwidert Jorel und blickte Maras kühl an.

Jorel verabscheut Maras wegen seiner Gewaltbereitschaft und seiner Lust Schwächere zu quälen. Er bedauert, dass sich einige der jungen Raben Maras angeschlossen haben und sogar in den eigenen Reihen Unruhe verursachen.

„Und welches ist dein ach so guter Grund?“ Maras versucht Jorel zu provozieren.

Der schweigt, wandte sich Abraxas zu und nickt. Dieser räusperte sich.

„In unserem Gebiet sind in der letzten Zeit merkwürdige Gesänge gehört worden. Hier halten sich mehrere Vögel auf, die hier nichts zu suchen haben. Ich habe Jorel ausgesandt festzustellen, woher die Gesänge kommen. Hört, was er uns zu sagen hat!“

„Na, da bin ich aber gespannt,“ redete Maras erneut dazwischen.

„Der alte Lehrer Schröder hat auf seinem Grundstück mehrere Käfige aufgestellt und züchtet dort Vögel, aus anderen Ländern“, berichtet Jorel, „sie stellen keine Bedrohung für uns da. Der Lehrer füttert sie. Dabei handelt es sich um scheußlich schmeckende Körner.“

„So?“ Maras kann und will den Schnabel nicht halten. „Wen interessiert das? Es sind Fremde. Sie müssen verjagt werden.“

Ein zustimmendes Gekrächze schallt aus der Eiche.

„Wozu? Sie sind keine Bedrohung und außerdem nehmen sie uns kein Futter weg“, meint Jorel ruhig.

„Es war schon immer so in Rabenau! Das ist doch Grund genug. Das ist unser Land und niemand außer uns hat das Recht hier zu wohnen. Das ist Tradition, willst du etwa damit brechen?“, Maras plustert sich auf und seine Anhänger lassen beifälliges Krähen ertönen.

„Nein. Aber immerhin sind sie gefangen und werden uns nicht in die Quere kommen“, stellt Abraxas nachdenklich fest.

„Du bist ein alter Narr!“, Maras wird noch lauter und spreizt drohend die schwarzen Flügel. „Wenn wir diese Fremden dulden, werden bald andere kommen und dann? Wir öffnen dem Verderben Tür und Tor!“

Erneute Zustimmung der Rabensippe, nur wenige enthalten sich der Stimme. Sie bleiben vorsichtig im Hintergrund.

„Wenn wir diesen Fremden etwas tun, öffnen wir dem Verderben Tür und Tor. Die Menschen werden diese Sache nicht auf sich beruhen lassen und uns jagen“, sagt Abraxas ruhig, aber mit fester Stimme.

„Ach hör doch auf! Du bist alt und ängstlich“, Maras lacht höhnisch. „Wer schließt sich mir an und vertreibt die Fremden?“, ruft er der Sippe zu.

Vielstimmiges Krächzen schall über die Felder, und wird durch die Stille des Morgens noch lauter zurückgeworfen.

„Dann lasst uns handeln. Je eher, um so besser!“

Maras erhebt sich in die Lüfte und seine Anhänger folgen ihm.

„Aber Abraxas spricht die Wahrheit,“ krächzt Jorel wütend hinter den Rebellen her. „Bleibt hier und lasst die Fremden in Ruhe.“

Niemand hörte auf ihn. Nur ein paar seiner engsten Freunde sitzen mit ernsten Gesichtern in der alten Eiche.

„Abraxas wir müssen etwas unternehmen!“ bittet Jorel den alten Raben hilflos.

„Was sollen wir tun?“, Abraxas sieht Jorel traurig an, „du weißt, was passieren wird. Maras kennt keine Gnade. Es wir ein Blutbad geben, auf beiden Seiten. Wenn wir eingreifen, wird es uns wie den Fremden gehen. Entweder sterben wir durch Maras Hand oder von den Kugeln der Menschen.“

Jorel tritt unruhig von einer Kralle auf die andere.

„Ich kann nicht glauben, dass dies der einzige Weg ist.“ Jorel breitet seine Flügel aus und fliegt auf. „Ich werde sehen, ob ich etwas tun kann!“

Mit kräftigen Flügelschlägen verschwindet er im Nebel. Als er sich dem Garten des alten Lehrers Schröder nähert, ist es schon zu spät. Er hört die verzweifelten Schreie der fremden Vögel. Ihre bunten Federn sind blutüberströmt. Viel liegen am Boden, mit verdrehten Hälsen und gebrochenen Flügeln. Die Sonne, die langsam den Nebel verdrängt, blickt auf ein blutiges Schlachtfeld. Jorel sieht, wie Maras sich auf einen der Fremden stürzt und ihm ein Stück Fleisch aus der Seite reißt. Wutentbrannt stürzt Jorel sich auf ihn. Die Wucht des Aufpralls stößt Maras von seinem Opfer.

„Mörder!“, krächzte Jorel, „Mörder!“

Maras setzt zum Gegenangriff an, als ein dröhnender Knall ertönt. Maras sinkt leblos ins Gras. Es folgt der nächste Knall, darauf der Nächste. Der Rabensippe fliegen die Kugeln gnadenlos um die Ohren. Viele werden verletzt oder getötet. Jorel kann sich nur um Haaresbreite in Sicherheit bringen. Er flüchtet zu der alten Eiche und ruft schon im Anflug:

„Wir müssen fliehen. Schnell! Ich konnte gerade noch entkommen. Maras ist tot und viele andere mit ihm. Wenn wir uns nicht beeilen, sind bald die Jäger da und werden keine Gnade für uns überhaben.“

Die wenigen Raben, die zurückgeblieben sind, erheben sich hastig in die friedliche Herbstluft und folgen Jorel dicht über die dunklen Tannen des nahen Waldes. Abraxas schüttelt traurig den Kopf. Diese dummen, überheblichen Raben. Hätten sie doch auf ihn gehört. Nun ist es zu spät. Sie bezahlten ihren Hochmut mit dem Leben. Jetzt müssen sie alle ihren Ort Rabenau verlassen, an dem sie solange gelebt haben. Es gibt kein zurück.       

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Anmutig streckte Frau von Trauerweide ihre zart ergrünten Zweige dem im Sonnenlicht glitzernden Wasser entgegen und lauschte den leise gemurmelten Geschichten, die Herr Bach auf seinem stetigen Weg erzählte. Wenn die leichte Frühlingsbrise durch ihre Blätter säuselte, berichtete Frau von Trauerweide ihrerseits Herrn Bach die neusten Geschehnisse, die sich im Park zu getragen hatten, um sie ihrer Nichte, die weiter unten am Waldrand wuchs anzuvertrauen. Es gab immer etwas Neues. Familie Eichelhäher war umgezogen, in dem verwunschenen Garten der Herzogvilla, beste Wohnlage, und Familie Eichhörnchen erwartete Nachwuchs.

In diesem Frühling allerdings gab es etwas ganz Besonderes weiter zutragen. Ihre Nichte würde staunen. Mit einem sehnsuchtsvollen Seufzen teilte Frau von Trauerweide ihrem Herold die aufregende Nachricht mit. Herr Knorkeiche hatte sich endlich, endlich zu ihr gewendet und das Wort an sie gerichtet.

Wie viele Jahre hatte sie darauf gewartet. Schon als gertenschlankes Weidenstämmchen hatte sie einen leidenschaftlichen Blick auf die schneidige Eiche geworfen, die nur einige Schritte entfernt ihre Äste imposant in den Himmel streckte.

Die Jahre vergingen, aus ihrem Stämmchen wurde ein Stamm und auch Herr Knorkeiche nahm an Umfang zu. In den letzten Jahren war ihre Hoffnung, dass er sie bemerken würde, immer mehr geschwunden. Aber in jedem Frühling, wenn das Leben neu erwachte und Blumendüfte die laue Parkluft erfüllten, schlug auch Frau von Trauerweides Herz ein wenig schneller. Herr Bach lauschte ihrer Berichterstattung aufmerksam, gab nur dann und wann ein zustimmendes Gurgeln von sich.

„Bitte, mein lieber Bach, sagen sie meiner Nichte, dass er mich wegen meiner üppigen Äste ansprach. Mit nur einem ganz kleinen Knarzen, ja einem fast schon zärtlichen Knarren, bat er mich, sie in eine andere Richtung zu strecken, damit sein Stamm stärker von der Sonne beschienen werden könne.“

Gleichzeitig ging ein Zittern und Beben durch Frau Trauerweides empfindsames Geäst, dass diese unerwartete Aufregung hervor rief.

„Versprechen sie mir lieber Bach, vergessen sie keines meiner Worte“, wisperte Frau von Trauerweide.

„Wie könnte ich, wie könnte ich“, säuselte Herr Bach.

Er beeilte sich den Weg zum Waldesrand hinab zu fließen, um alles getreulich zu berichten. Frau von Trauerweide schaut derweil mit sehnsüchtigem Verlangen zu Herrn Knorkeiche.

„Ach, würde er mich doch bald wieder ansprechen … und nicht noch einmal so viele Jahre verstreichen lassen“, dachte sie und seufzte aus tiefstem Herzen.

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Menschen sind Engel mit einem Flügel. Damit sie fliegen können, müssen sie sich umarmen. Ich liebe diesen Spruch! Es deutet das viele Wertvolle an, das in uns steckt, zeigt uns aber auch auf, dass wir nicht überheblich sein sollten. Denn um fliegen zu können, brauchen wir immer ein Gegenstück, das uns umarmt. Sonst können wir uns nicht vom Boden erheben.

In uns steckt die Schwere des Erdbodens und die Leichtigkeit des Himmels. Heute in der Morgendämmerung geschah etwas Außergewöhnliches. Ich sah einen Engel mit zwei Flügeln. Er war rotbraun wie die Erde, aber in seinen Augen und in seinen Flügeln sah ich das Blau des Himmels. Er trug alle Farben des Regenbogens in sich, seine Flügel weit geöffnet. Mit einer liebevollen Geste streckte er mir die Hände entgegen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich träumte oder wachte, aber ich konnte deutlich sein Gesicht sehen. Er trug deine Züge. Dein Lächeln, deine Augen, deinen Mund.

Du sagtest kein Wort. Sprachst nur mit deinen Augen. Du legtest deine Flügel um mich. Warm und festhieltest du mich und ich wusste, mir kann nichts passieren. Denn was auch geschieht, du bist in meiner Nähe. Ob ich dich sehe oder nicht. Die Sonne begann mein Zimmer zu erleuchten und langsam löstest du dich im hellen Licht auf. Deine Flügel schlugen lautlos und sacht. Da sah ich, dass du zwar zwei Flügel hattest, aber dass dir ein Fuß fehlte. Ich wollte dich fragen, wieso? Aber da wusste ich es schon. Auch du musst mit einem Mangel leben, um nicht überheblich zu werden. So wie du mich mit deinen Flügeln auffängst, wenn ich falle, oder mich fliegen lässt, wenn ich mich selbst nicht erheben kann, so helfe ich dir zu stehen, wenn dir einmal die Kraft deiner Flügel versagt.

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Glas essen. Zerrieben und zermalmtes Glas. Aus dick- und dünnwandigen Gläsern. Grünes, braunes und weißes Glas. Zermahlen zu winzigen Splittern werden sie mir eingetrichtert. Ich sehe, wie er mir dabei zusieht. Seine angsteinflößende Fratze zu einem Lächeln verzogen. Ich winde mich in Schmerzen und will ihn von mir werfen, aber es gelingt mich nicht, bin gefangen in meinem Traum. Er lässt mich nicht entkommen, weidet sich an meiner Angst, meinem Schmerz, der ihn aufbläht, immer stärker werden lässt und neue schreckliche Trugbilder ersinnt. Sie erscheinen so klar, als wären sie Wahrheit und meine Gefühle drohen mich zu überwältigen. Kein Schrei wird hier gehört, kein Laut der diesen Zauber brechen kann, dringt in dies Welt aus Illusionen und Erinnerung, die sich vermischen und mich jede Nacht dem Tode nahe bringen. Eine Qual, der ich entkommen muss und doch nicht kann. Schlafen will ich, einfach schlafen. Bin ausgezehrt und finde keine Ruhe. Mein Geist versinkt bei Nacht in dunklen Schatten, die kein Tageslicht mir mildern kann, denn ist der Tag verglüht, beginnt die neue Nacht mit ihren Schrecken. Wo kann ich müßig sein, mich erfrischen? Wohin ich auch geh, der Nachtmahr findet mich und gönnt mir kein Erbarmen.

 

Morpheus

 

Morpheus

Komm über mich

Hüll mich ein

In deine Nacht

Tröstende Dunkelheit

Leg sie auf meine Träume

Damit kein Alb mich drückt

Mich weckt aus meiner Stille

 

Komm Morpheus

Leg deine kühle Hand

Auf meine Augen

Halt die stürmischen Gedanken an

Damit der Schlaf nicht flieht

 

Komm Morpheus

Küss mein ruheloses Herz

Nie lässt es los

Kommt nicht zur Ruh

Es zehrt mich aus genug bei Tag

Kann nicht die Nacht noch geben

 

Komm Morpheus

Wieg mich sacht

In deinen starken Armen

Finde ich endlich Ruhe

Versüß mir meine Träume

 

Die Texte entstanden nach dem Bild von Johann Heinrich Füssli, der den Romantikern zugerechnet wird.

 

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In einer fernen Vergangenheit lebten zwei Menschen, Peewee und Serafina, sie waren auf der Suche nach der wahren Liebe. Peewee hatte sein Leben in den felsigen Klüften mit einigen Gefährten verbracht. Je länger er in der Einöde wohnte, umso intensiver wurde der Wunsch sesshaft zu werden und einen Menschen an seiner Seite zu haben, mit dem er den Rest seines Lebens verbringen konnte. Serafina hatte versucht sich das Leben im Schutz ihres Clans einzurichten, so gut es ihr möglich war. Aber das war zum Scheitern verurteil. Eines Tages machte sich Serafina auf den Weg, um sich einen neuen Platz in der Welt zu suchen, an dem sie die sein konnte, die sie war und an dem die Grenzen nicht hinter der Dorfmauer aufhörten.

Beide, Peewee und Serafina, suchten das weite Land, den Himmel und den unendlichen Horizont. Auf ihrer langen Wanderung begegneten sie einigen Menschen, die sie am Weiterreisen hindern wollten. Sie boten ihnen Nahrung, Obdach und Sex, aber sie merkten schnell, dass es nicht das war, was sie wirklich suchten und reisten bald weiter. Sie suchten die Person, mit der sie ganz und gar eins sein konnten. Es lauerten Gefahren und Ablenkungen auf ihrem Weg, aber unbeirrt gingen sie weiter.

Auf ihrer Reise von Norden nach Süden und von Süden nach Norden begegneten sie sich eines Tages auf einer wunderbaren Blumenwiese. Die Sonne sendete die letzten Strahlen auf die Welt und Peewee und Serafina erkannten sich. Sie sahen sich in die Augen und ohne Worte wussten sie, dass sie gefunden hatten, wonach sie solange gesucht hatten. Sie schlossen sich in die Arme und spürten, dass sie am Ende ihres Weges angelangt waren.

Während sie sich in den Armen hielten, verging die Zeit. Die Sonne versank am Horizont. Der Mond ging auf und unter. Sterne wanderten über den nächtlichen Himmel. Sternschnuppen fielen. Die Sonne stieg über den Rand der Welt hinauf und zog ihre Bahn, bis zum Abend. So verging Tag für Tag, Nacht für Nacht. Regen fiel, Sonne schien, Schnee hüllte sie ein, Winde wehten. Peewee und Serafina standen auf der Wiese und hielten sich in den Armen.

Zeit um Zeit verging und Peewee und Serafina schlugen Wurzeln in der fruchtbaren Erde des neuen Landes, das sie gefunden hatten. Ihre Wurzeln fasten tief in die Erde. Ranken umschlungen sie unzertrennlich. Eine mächtige Baumkrone wuchs aus ihnen empor, streckte sich in den Himmel und diente ihnen als Schutz. Sie mussten nicht sprechen. Ihre Gefühle waren ihre Verständigung. Mehr brauchte es nicht, um diese große Liebe am Leben zu erhalten. Aus ihnen erwuchs der Weltenbaum, Amrasil, der Baum der Liebenden. Um ihn zu finden, muss man weite Wege gehen. Er ist nicht leicht zu finden, ebenso wie die wahre Liebe. Aber die Suche lohnt sich und so wird es immer sein.

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Der Prinz war recht glücklich mit seiner rechten Braut. Sie war bildschön und anschmiegsam, außerdem recht brav.

Und doch war da ein Stachel in seinem Herzen. Die falsche Braut hatte ihm, wenn er ehrlich war, besser gefallen. Dunkles langes Haar, glutvolle Augen und ein Mund, der sich zu küssen lohnte. Ein echtes Rasseweib. Jeden Abend, wenn seine Frau sich zur Ruhe gebettet hatte, stand er auf und sah aus dem Fenster.

Mehr als ein Mal kam ihm der verwegene Gedanke, er könnte die falsche Braut zurückholen und gegen die Echte tauschen, die alles andere als leidenschaftlich war. Aber es gab kein Zurück. Sein Vater hatte die falsche Braut in ein Nagelfass gesperrt und einen Abhang hinunter gestürzt.

Der Prinz seufzte. Seine Braut hatte sich als Gänseliesel im Grunde genommen viel besser gemacht und außerdem hatte sie den Peter im Griff gehabt, den frechen Lümmel. Jetzt faulenzte er wieder den ganzen Tag und spielte den Dienern Streiche.

„Ach, wenn ich nur nicht so vorschnell gehandelt hätte“, murmelte er, „aber jetzt muss ich es so nehmen wie es ist.“

„Wieso?“, fragte eine kecke Stimme hinter ihm.

Der Prinz fuhr herum und sah ein merkwürdig gekleidetes Männlein mit krummen Beinen und einem Buckel.

„Wer bist du?“

„Ich bin Rumpelstilzchen und mache gerne Geschäfte mit verzweifelten Hoheiten“, kicherte das Männlein, das sich insgeheim die Hände rieb. Diesen Dienst würde es sich etwas kosten lassen.

„Je schwieriger der Wunsch, um so teurer“, sagte es daher, als der Prinz fragte, was es denn für den Gefallen verlangen würde, die Bräute zurückzutauschen.

„Ich möchte 1000 Gulden und den Peter“, verlangte es.

„Wozu das?“, fragte der Prinz erstaunt, „1000 Gulden kannst du haben. Aber was willst du denn mit Peter?“

„Weil die falsche Braut beim Teufel Dienst tut und der gibt sie nicht so einfach her. Der will einen Ersatz“, sagte Rumpelstilzchen.

„Aber da nimm doch lieber gleich meine Braut mir“, schlug der Prinz vor und dachte, dass er sehr schlau sei.

„Nein“, widersprach das Rumpelstilzchen energisch, „der Teufel mag keine netten Prinzessinnen. Der will was Freches, das er zähmen kann.“

„Na gut“, lenkte der Prinz ein, „hier hast du das Geld. Wo der Peter schläft weißt du sicher.“

So war der Handel perfekt und der Prinz musste sich überlegen, wie er die echte Braut ohne Aufsehen los wurde. Dafür gab es ja genug böse Feen. 100 Jahre Schönheitsschlaf ließen sich bestimmt irgendwie arrangieren…es kam nur auf den richtigen Preis an.

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Der Tanzsaal dreht sich immer schneller um uns herum. Mit uns im dreiviertel Takt. Bis er mit einem lauten Krachen auseinander springt wie ein Knallbonbon. Viele tausend Funken erhellen die Nacht und selbst die Sonne erblasst vor Neid. Auf der Milchstraße tanzen wir weiter, leicht wie die Federn und barfüssig, bis zu den Knöcheln im milchigen Nass. Wir geben den Sternbildern neue Namen. Das Cello, die Bratsche, die Trompete, das Saxophon, der Trommler und der ganze Himmel hängt voller Geigen. Unserem Reigen schließen sich die Sternzeichen an. Wassermann, Schütze, Jungfrau und die quirligen Zwillinge. Wir tanzen die ganze Nacht, bis nur noch die Venus am Horizont zu sehen ist, während alle anderen Sterne schon müde zur Ruhe gegangen sind. Der Spiralnebel löst sich in den Weiten des Alls in Wohlgefallen auf. Du hältst mich in den Armen und langsam steigen wir aus unserem siebten Himmel wieder zur Erde hinab. Erschöpft sinken wir auf unsere Kissen und schlafen sofort ein. Im Morgengrauen erinnern nur noch zwei milchig weiße Pfützen vor unserem Bett, an diese wundersame Begegnung zwischen Tag und Traum.

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Es war einmal, so beginnen doch alle Geschichten, besonders die mit einem Happy End. Auch diese Geschichte hat letztlich ein gutes Ende, aber bis es dazu kam, gab es am Nordpol eine große Aufregung.

Alles fing ganz friedlich an. Niemand der vielen Nordpolbewohner ahnte Böses, als sie an diesem Morgen in ihren Betten schlummerten. Es war der 23.12. und wie jedes Jahr an diesem Tag vor dem großen Fest, wollte ihn der Weihnachtsmann in aller Ruhe beginnen. Alle Geschenke waren rechtzeitig fertig und verpackt. Die Maschinen in den großen Werkstätten standen still und die Bewohner von Chrismas Hollow freuten sich auf einen ruhigen Tag und eine schöne Weihnachtsfeier. Das hatten sie sich redlich verdient. Denn in den letzten Wochen waren so viele Lastminute Bestellungen aufgegeben worden, dass den Engeln in Himmelstür die Finger gequalmt hatten, als sie die Bestellzettel füllten und die Weihnachtselfen hatten Sonderschichten gefahren.

Nun, jedenfalls freute sich Santa auf ein gemütliches Frühstück und einen heißen Kaffee mit einem Schuß Rum und Zimt, als er aus dem Bett stieg. Er schlurfte ins Bad, machte sich frisch, kämmte seinen Bart und bürstete seine vollen schlohweißen Haare. Leise pfeifend ging er in die gemütliche Küche und setzte sich an den gedeckten Tisch. Der Herd bollerte sanft vor sich hin, der Wasserkessel begann gerade zu flöten, als Mary, seine Frau, von draußen herein trat und ganz aufgeregt rief:

„Claus es ist was Schreckliches passiert!“

Ihre Wangen waren gerötet und ihre Hände, mit der Brötchentüte zitterten.

„Aber Schatz, so schlimm wird es doch nicht sein“, versuchte Santa sie zu beruhigen.

Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was so Katastrophal sein könnte, dass sein Frau so außer sich war.

„Doch es ist furchtbar! Mehr als das. Du wirst es niemals glauben!“, schluchzte sie und brach in Tränen aus.

Santa holte ein großes Taschentuch aus seiner Hosentasche und Mary schnäuzte sich geräuschvoll die Nase.

„Also, Liebes, was ist denn nun los?“

Erneut schimmerten Tränen in ihren Augen und Santa befürchtete schon, ein neuer Sturzbach würde einsetzen.

„Zieh dir die Stiefel an und komm mit, sonst denkst du ich will dich auf den Arm nehmen.“

Mary zog Santa hinter sich her in den Flur. Er stieg in seine Stiefel und warf sich die rote Jacke über. Seine Laune hatte einen leichten Schlag bekommen, nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass er seinen geliebten Morgenkaffee noch nicht bekommen hatte. Aber sie gelangte auf den Tiefpunkt, als Mary ihn in die Stallungen führte und seine Rentiere und der Schlitten fort waren. Sprachlos stand Santa vor den Boxen seiner Rentiere und konnte es nicht fassen. Sie waren alle weg. Samt Festtagsgeschirr und Schlittenschmuck. Santa fasste sich an die Brust und fürchtete einen Herzinfarkt zu bekommen.

„Wer wagt es einen Tag vor dem Fest meinen Schlitten und die Rentiere zu stehlen?“, donnerte er durch den Stall.

Sein dröhnender Ausruf setzte eine Lawine Schnee frei, die vom Dach rutschte und einen Weihnachtself unter sich begrub, der gerade in aller Eile auf dem Weg in die Stallungen gewesen war. Santa hörte leise Rufe und trat vor die Stalltür. Aus der Schneewehe schaute eine rote Bommelmütze heraus. Fieberhaft buddelten Santa und Mary den Elf aus.

„Santa, Santa!“, rief der Kleine aufgeregt, „es ist etwas Furchtbares passiert.“

Er sprang von einem Bein auf das andere und schüttelte sich den Schnee von der Kleidung.

„Was denn noch alles!“, polterte Santa den Kleinen an.

„Der Sack mit den Geschenken ist weg.“

„Nein, unmöglich!“ Santa wollte es nicht glauben.

Das war der Superweihnachtsgau.

„Doch Santa, er ist weg. Ich ging vorhin in die Werkstatt um etwas aufzuräumen, da sah ich, dass er fort war“, sagte der Elf mit weinerlicher Stimme.

„Die Rentiere sind auch weg, samt dem Schlitten.“

Santa setzte sich auf einen dicken Holzblock.

„Nein!“

Jetzt kreischte der Elf und fing an zu heulen, als hätte ihn jemand geohrfeigt. Santa und Mary, die ihn still beobachtet hatten, hielten sich die Ohren zu.

„Aufhören! Du weckst ja alle auf!“, rief Mary.

Das Elfengeschrei war grässlich und Santa hätte dem Winzling am liebsten tatsächlich eine Ohrfeige verpasst. Aber er beherrschte sich. Schließlich änderte das nichts an der Situation.

„Komm Mary“, sagte er, „ich brauche meinen Kaffee, sonst kann ich nicht nachdenken. Aber ich muss unbedingt in Ruhe überlegen, was zu tun ist.“

Mary nickte verständnisvoll. Sie gingen zum Haus und ließen den verdutzten Elf im Schnee stehen. Erstaunt hörte der auf zu schreien. Sie ließen ihn einfach alleine stehen und was nun? Er beschloss seinen Brüdern zu berichten, was heute Nacht passiert war und hüpfte davon.

Santa setzte sich wieder an seinen Küchentisch, nahm sich ein Brötchen und bestrich es dick mit Erdbeermarmelade. Mit leerem Bauch konnte er nicht richtig nachdenken. Mary brühte den Kaffee auf, gab einen ordentlichen Schuß Rum dazu, auf den Schreck, und streute eine Prise Zimt in die Tasse.

„Hier noch einen Löffel Schlagsahne, damit sich der Schreck etwas legt.“

Mary nahm einen Krug mit Sahne aus dem Kühlschrank und gab einen dicken Löffel Schlag auf den Kaffee. Der Duft durchzog die ganze Stube und nur das ungnädige Brummeln von Santa erinnerte an das Unfassbare, das passiert war. Eine ganze Weile kaute Santa murmelnd vor sich hin. Er musste den Schlitten wieder finden. Dann dachte er an seine Rentiere. Wie es ihnen wohl ergehen mochte? Wenn der Dieb ihnen ein Haar krümmte, dann konnte der Lümmel sein blaues Wunder erleben. Die andere Überlegung war, wer so einen riesigen Sack mit Geschenken transportieren konnte. Er kam zu dem Schluss, dass der Dieb den Sack nur mit dem Schlitten befördern konnte und deswegen beides verschwunden war.

„Was hältst du davon, wenn wir die Hunde einsetzten. Mit ihren feinen Nasen, müssten sie bald eine Spur aufnehmen“, fragte Mary und biss in einen Lebkuchen, von dem bunten Teller.

„Das ist eine sehr gute Idee, Mary!“

Santa griff zu seinem Handy und gab die Nummer von Billy dem Hundeführer ein. Es bimmelte mehre Male, bis Billy endlich den Hörer abnahm.

„Ja, hier Billy, wer stört.“

Hörte Santa eine verschlafen Stimme auf der anderen Seite.

„Hier ist Santa, du musst sofort aufstehen und deine Hunde auf Trab bringen.“

„Was, wieso?“

Billy versuchte aufzuwachen und zu verstehen, was Santa von ihm wollte, aber es war noch viel zu früh nach den vielen Nachtschichten, war er total erschöpft.

„Frag nicht. Tu was ich sage! Es ist ein Notfall. Mein Schlitten und die Geschenke sind entführt worden“, Santa wurde ungeduldig.

„Was!“, schrie Billy in den Hörer.

Santa ließ fast sein Handy fallen.

„Wie konnte das passieren?“

„Es fehlt nur noch, dass der auch noch anfängt zu heulen“, dachte Santa bekümmert.

„Ich weiß es nicht. Dafür brauchen wir die Hunde. Sie sollen die Spur aufnehmen und den Schlitten wieder finden“, erklärt er.

„Und wo sind die Rentiere“, fragte Billy.

„An dem Schlitten, du Duselkopf!“

Jetzt reichte es Santa.

„Alles, alles ist weg. Mach dass du aus den Federn kommst. Wir treffen uns am Stall.“

Wütend drückte er auf den Ausknopf.

„Dieser Billy ist ein Dummkopf. Wenn er nicht so ein guter Hundeführer wäre, würde ich ihn feuern und mit dem Besen den Schnee fegen lassen.“

„Beruhige dich, Schatz! Nimm noch einen Schluck Kaffee. Die Huskies werden den Schlitten finden, bestimmt!“

Mary legte Santa sanft eine Hand auf die Schulter.

„Sie müssen ihn finden! Das wäre das größte Desaster in der Geschichte von Weihnachten, ohne Geschenke“, seufzte Santa verzweifelt.

Eine viertel Stunde später trafen sich Santa und Billy vor dem Stall. Billy hatte die Huskies schon eine Spur aufnehmen lassen und sie vor den Hundeschlitten gespannt.

„Es kann los gehen“, rief er Santa entgegen, der seinen roten Arbeitsanzug an hatte.

„Gut, dann lass uns los fahren! Falls wir den Übeltäter finden kann er was erleben.“

Santa machte es sich auf dem Hundeschlitten bequem. Billy sprang auf den breiten Rücken des Leithundes Teddy und griff mit beiden Händen nach dem Hundegeschirr. Dann stieß er Teddy mit den Fersen in die Flanken und rief:

„Hey, Ho! Auf, auf und davon!“

Dabei zappelte er so heftig herum, dass Santa befürchtete Billy würde herunter fallen. Teddy bellte laut und dann zogen die Huskies den Schlitten an, trabten immer schneller den ausgetretenen Weg entlang und hatten schließlich soviel Fahrt aufgenommen, dass der Schlitten abhob und  „Hui!“ über dem Nordpol eine halsbrecherische Schleife drehte, bevor er Richtung Europa davon brauste. Santa musste seine rote Mütze festhalten und sein weißer Bart flatterte ihm ins Gesicht.

„Musst du denn immer so einen wilden Start hinlegen? Du weißt doch, dass ich das Fliegen mit den Hunden nicht so gut vertrage“, murrte er ärgerlich.

Billy lachte nur und trieb die Huskies zu Höchstleistungen an, als hätte er Santa nicht gehört. Wenn er schon so früh aus den Federn musste, dann wollte er wenigstens seinen Spaß haben. Wer immer den Schlitten, samt Sack und Rentieren gemopst hatte, musste eine ungeheure kriminelle Energie an den Tag gelegt haben. Ehe Santa sich versah, schwebten sie auch schon über Grönland, Island nach Norwegen hinüber.

„Irgendwo da müssen sie sein, die Hunde haben den Geruch der Rentiere gewittert.“

Schrie Billy in den brausenden Nordwind, der sie seit ihrer Überquerung der Färöer Inseln begleitete, und deutete auf Skandinavien. Der Nordwind redete dauernd auf Santa ein und wollte wissen, was er zu Weihnachten bekommen würde, aber Santa wollte es ihm nicht verraten. Der Nordwind, der es vor Neugier nicht mehr aushalten konnte, blies daraufhin so stark, dass der Hundeschlitten ins Trudeln geriet und über einem dichten Waldgebiet in Norwegen abstürzte. Billy schrie vor Schreck und krallte sich in Teddys Löwenmähne fest. Santa wurde von dem Sturz so überrascht, dass er keine Vorsichtsmaßnahmen treffen konnte und kopfüber in eine große Schneewehe fiel. Billy, sprang von Teddys Rücken, löste das Hundegeschirr und mit vereinten Kräften buddelten sie Santa aus dem Schnee.

„Hast du dir weh getan?“

Billy weinte und buddelte. Buddelte und weinte.

„Aua“, stöhnte Santa, als die Huskies und Billy ihn freigelegt hatten, „ich glaube ich habe mir den Hals verrenkt. Schleudertrauma!“

Er massierte seinen Nacken und biss die Zähne zusammen, um nicht auch noch zu weinen.

„Was für ein schrecklicher Tag!“, jaulte Billy und putzte sich geräuschvoll seine Nase an Santas roter Bommelmütze ab.

„Hör auf herum zu palavern!“, Santa erhob sich unbeholfen, „du musst den Schlitten finden. Soweit weg kann er ja nicht sein!“

„Ja, sofort!“

Billy schniefte noch mal laut, dann befahl er den Hunden nach dem Schlitten zu suchen.

Nach einer Stunde kamen die ersten unverrichteter Dinge zurück. Bis auf Aljoscha. Er war nicht allein. Auf seinem Rücken trug er Pit und Pat. Noch bevor man Aljoscha sehen konnte, hörte man die beiden Elfenkinder. Ihr hysterisches Geheul erfüllte den stillen Wald und schreckte alle Bewohner auf.

„Seit schon still“, herrschte Santa die Beiden an, „was habt ihr euch dabei gedacht, den Schlitten und den Sack zu entführen?“

Drohend stand er vor den Misstätern und hätte sie am liebsten über das Knie gelegt, aber als er ihre roten Augen und verweinten Gesichter sah, brachte er es nicht übers Herz.

„Wir wollten dir doch bloß helfen, weil es dir nicht gut geht?“

Schluchzten sie und warfen ihre Arme in theatralischer Pose in die Luft.

„Wieso denn das?“, fragte Santa verständnislos, „mir geht’s doch gut. Bis heute Morgen jedenfalls.“

„Nein“, jammerte Pit und machte seinen unglücklichsten Augenaufschlag, „du hast neulich zu Onkel Tandil gesagt, dass dir dein Rücken zu schaffen macht und du nicht weißt, wie lange du noch diesen schweren Job erledigen kannst. Da haben wir gedacht, wir könnten die Geschenke verteilen. Dann haben wir den Nordwind getroffen. Der wollte einen Blick auf seine Pakte werfen und als wir sie ihm nicht geben wollten, hat er uns herumgewirbelt und wir sind abgestürzt.“ Beifallheischend sah er seinen Bruder Pat an und der nickte eifrig.

„Genau so war es.“

„Dieser ungestüme Gesell von Wind, der kann was erleben, wenn ich ihn noch mal erwische!“, dachte Santa wütend.

„Aber das sage ich doch jedes Jahr, ihr kleinen Dummköpfe.“ brummte Santa betroffen, „nach den vielen arbeitsreichen Wochen habe ich immer Kreuzschmerzen, aber wenn das Fest vorüber ist, dann dauert es nicht lange und es geht mir wieder besser.“

„Und was tun wir jetzt?“

Billy hüpfte aufgeregt herum.

„Schade das Santa den beiden kleinen Quälgeistern keine Tracht Prügel verabreicht hat“, dachte er.

„Zwei der Rentiere haben sich verletzt“, fuhr Billy fort und sah Pit und Pat mit bösen Blick an, „inzwischen ist es schon spät und die ersten Kinder auf der Erde beginnen bald das Weihnachtsfest.“

„Du meine Güte, dass ist ja furchtbar!“, Santa schlug die Hände über dem Kopf zusammen, „die armen Eltern, dass wird ja ein schönes Geschrei geben.“

„Hallo, ihr da!“, hörten die Vier eine leise Stimme aus einem Dickicht heraus.

„Wer ist denn da?“, fragt Santa und blickte gespannt in den dunklen Tann.

Billy, Pit und Pat versteckten sich zitternd hinter Santa.

„Wir sind die Wollibollis. Und wir haben gehört, dass ihr in Schwierigkeiten seid, können wir euch helfen?“, fragte die Stimme.

„Ja, vielleicht. Aber kommt doch erst mal heraus, damit wir euch sehen können. Wir tun euch nichts“, sagte Santa freundlich.

Wie erstaunt war er, als eine ganze Gruppe von kleinen, kugelrunden Kobolden aus dem Gebüsch purzelte. Sie trugen braune Hosen und Westen, einen grünen Wams und einen roten Schal. Nur ihre Mützen hatten verschiedene Farben. Vermutlich das Einzige woran man sie auseinander halten konnte. Für Santa sahen sie alle irgendwie gleich aus.

„Wie wollt ihr uns denn helfen“, fragte er skeptisch.

„Wir können Schlitten besorgen und Rentiere, so schnell wie der Wind“, sagte der Anführer, der eine besonders dicke rote Nase hatte und ständig schniefte.

„Das wäre uns eine große Hilfe!“, Santa klatschte begeistert in die Hände.

„Wartet hier auf uns, wir sind bald wieder zurück“, sgte der kugelrunde Anführer und wie von Geisterhand verschwanden sie im Unterholz.

„Billy, du musst die Rentiere, die sich verletzt haben, zurück nach Chrismas Hollow bringen. Nimm Teddy mit. Bringt große Säcke mit, in die wir die Geschenke verteilen können, damit die Wollibollis sie auf die Schlitten laden können. Außerdem brauchen wir jeden deiner Hunde, den du entbehren kannst.“

Santa blickte Pit und Pat mit herunter gezogenen Augenbrauen an.

„Ihr werde die Geschenke auf die Säcke verteilen!“, er drohte ihnen mit dem Finger, „und macht eure Arbeit ja anständig. Wehe ein Kind bekommt keine Geschenke! Dann fegt ihr die nächsten Jahre den Schnee in Chrismas Hollow.“

„Wir machen alles was du willst, aber nicht den Schnee schippen!“, bettelten die beiden Schlingel.

Billy machte sich auf den Weg nach Chrismas Hollow. Pit und Pat führten Santa und die zurück gekehrten Wollibollis zu dem abgestürzten Schlitten. Es dauerte nicht lange und Billy und Teddy kamen mit den Ersatzsäcken zurück. Die Weihnachtselfen und Santa sortierten die Geschenke nach Ländern und teilten jedem Gespann einen Huskie zu. Dann gab Billy den Hunden Befehle, wohin sie die Wollibollis führen sollten. Santa lud den größten Sack auf den ramponierten Schlitten, setzte Pit, Pat und Billy auf den Sack und mit einem „Hü Ho!“ und einem lauten Schnalzen setzten sich die letzten Rentiere in Bewegung.

Santa Claus, Pit, Pat, Billy und die Wollibollis arbeiteten den ganzen Tag und die ganze Nacht. Alle Menschenkinder, Trolle, Wollibollis, Feen und Elfen bekamen ihre Geschenke und feierten fröhlich und ausgelassen. Niemand bemerkte, dass es in diesem Jahr fast zu einer der schlimmsten Weihnachtskatastrophen des ganzen Jahrhunderts gekommen wäre.

Nur Pit und Pat saßen, zur Strafe für ihr unbesonnenes Verhalten, am heiligen Abend ohne Geschenke da und weinten sich die Augen aus. Ihr Geheul war in ganz Chrismas Hollow zu hören. Das nervte alle Einwohner so sehr, dass sie Santa inständig baten, den beiden doch die Geschenke zu geben, damit sie in Ruhe feiern konnten. Santa, der ein großes weiches Herz hatte, ließ sich erweichen und brachte den beiden Heulsusen ihre Pakete und unter großem Geschniefe versprachen sie feierlich, so etwas nie, nie wieder zu tun!

Der Nordwind bekam als Weihnachtsüberraschung nur ein Paar übriggebliebene Ohrenschützer in Rosa, statt eines neuen warmen Wollmantels mit Schal und Handschuhen. Er ärgerte sich so maßlos, dass ihm für ein paar Tage die Puste ausging und die Kinder Schlitten fahren und Schneemänner bauen konnten. Aber das kommt eben davon, wenn man so neugierig ist und versucht den Weihnachtsmann auszutricksen.

Ende gut alles Gut!

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4.12.2011

Ich stehe in einem verschneiten Garten, neben der weihnachtlich geschmückten Tanne. Heute Abend, als es dämmerte, gingen die Lichter an und ich erstrahlte im ihrem Glanz. Die Kinder haben mir einen alten Kochtopf aufgesetzt. Zwei Steine sind meine Augen, eine dicke Möhre meine Nase. Vorhin war eine Krähe da und hat versucht mir die Nase anzupicken, aber der alte Tannenmann hat sie mit einem Zweigschlag weggejagt. Das Leben eines Schneemanns ist gar nicht so ungefährlich.

5.12.2011

Bevor die Kinder heute zur Schule gingen, haben sie mir einen Besen in die Seite gebohrt. Aua! Später hat ihn mir die Mutter wieder heraus gezogen. Sie war ärgerlich, weil sie den Besen schon eine Weile gesucht hatte.

Am Nachmittag bauten mir die Kinder einen Spielgefährten. Eine Schneefrau. Sie trägt einen pinkfarbenen Schal, ein Spitzenhütchen und ist wunderschön. Ich wollte mich ein Bisschen mit ihr unterhalten, aber sie hat nicht ein Wort erwidert. Das macht mich sehr traurig.

6.12.2011

Heute Nacht kam der Nikolaus vorbei. Er sah nicht sehr fröhlich aus. Gegrüßt hat er auch nicht. Ich schätze, er hatte schon ein paar Mal die Rute für die ungezogenen Kinder herausholen müssen. Missmutig steckte er Süßigkeiten in die Stiefel, die die Kinder vor die Tür gestellt hatten. Dann zog er eilig weiter. So ein Nikolaus hat ja auch viel zu tun. Meine Kinder haben sich sehr gefreut, als sie am Morgen ihre Stiefel einsammelten. Die Schneefrau redet immer noch nicht mit mir…

7.12.2011

Heute war ein schlimmer Tag. Ein paar Kinder aus der Nachbarschaft haben mit Schneebällen nach mir geworfen. Sie haben mir den Topf vom Kopf geschossen und meine Möhre ist auch herunter gefallen. Da hat die Schneefrau gelacht und ich musste weinen. Meine Kinder haben mir den Topf wieder aufgesetzt, aber die Krähe hat meine Nase gestohlen. Als Ersatz habe ich einen Stock bekommen. Ich bin völlig entstellt, wie schrecklich!

8.12.2011

Tagsüber war es sehr warm für einen Schneemann. Die Temperaturen sind milder geworden. Ich sage nur Erderwärmung… . Ich schwitzte ganz schön stark und nahm etwas ab.

9.12.2011

Es wird immer wärmer und ich schrumpfe weiter. Die Schneefrau hat ihr eines Auge verloren und ist lange nicht mehr so schön wie vorher. Der alte Tannenmann stöhnt und knarrt unter der Hitze. Die Vögel zwitschern, als käme der Frühling.

Drei Tage später…

…war der Schneemann unter heißen Tränen fortgeschmolzen. Die Schneefrau wollte noch mit ihm reden, aber er hatte keine Lust mehr auf ein Gespräch gehabt. Die Krähe ließ sich in den Ästen des alten Tannenmannes nieder und krächzte: „Jedes Jahr dasselbe. Erst will er und sie nicht. Dann will er nicht und sie will. Ob das mit den Beiden noch was wird?“ Der Tannenmann schüttelte sich und ächzte: „Ich glaube nicht. Dazu ist das Wetter zu wechselhaft.“

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