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Archive for the ‘Freche Texte’ Category

Das ist also der letzte Beitrag für dieses Jahr 🙂 . Ein bisschen Grusel gefällig? Dann viel Spaß, beim Lesen.

Die Kirchturmuhr schlägt zwölf. Mitternacht. Ich schalte den Fernseher aus. Zeit schlafen zu gehen. Eigentlich wollte ich vor einer Stunde im Bett sein, aber wie das so ist – rumgezappt und hängen geblieben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bei N24 zeigen sie um die Uhrzeit immer Knastdokus aus den USA. Brutal! Meterhohe Mauern und Stacheldraht. Gefangene mit Tattoos und Körpern wie Bodybuilder. Gehalten in Gitterzellen, von allen Seiten einsehbar oder in hermetisch abgeriegelten Kästen aus Sicherheitsglas.

Dagegen sind die Wärter blass und fluffig, wie Weißbrot. Nicht gerade das, was einem zu fünfmal Lebenslänglich verurteilten Serienmörder den Schrecken in die Glieder fahren lässt. Für mich ist das ein Magnet des Grauens. Ich kann nicht abschalten, muss hinsehen. Wie können Menschen es in so einer Maschinerie aushalten? Ein hohler Betonklotz überfüllt mit Leibern, Gerüchen, Stimmen, Geräuschen aus Metall, Neonlicht und Gewalt laden die Atmosphäre auf. Ich würde verrückt. Immer Licht, immer Krach, Körper an Körper. Mir läuft eine Gänsehaut über den Rücken.

Lissi hat sich schon hingelegt. Sie hatte wieder Zoff auf der Arbeit. Ihre blöden Arbeitskolleginnen mobben sie, seit sie zur „Chefsache“ befördert wurde. Eine beschissene Situation. Ändern will sie es auch nicht. Endlich verdient sie mehr Geld, kann schicke Kleider kaufen und mit dem Chef auf Geschäftsreise gehen. Auf den hat sie es seit ersten Tag abgesehen. Eine echte Augenweide, leider verheiratet. Zum Glück bin ich selbstständig und muss mir so einen Kollegenklüngel nicht antun.
Ich gehe ins Bad und putze mir die Zähne. Ob die Gefangenen ihren Mitinsassen Streiche spielen? Mit den Zahnbürsten das Klo putzen oder so? Bei dem Gedanken wird mir übel. Ich spüle mir den Mund mit Fresh Minze aus. Vor der Tür höre ich schnelle Schritte. Lissi kann wohl nicht schlafen? Ich strecke den Kopf zur Tür hinaus. Nichts zu sehen? Ich muss mich verhört haben, rede ich mir ein.

Bevor ich in mein Zimmer gehe, schaue ich kurz bei Lissi rein. Sicher ist sicher. Ein langer Lichtschein vom Flur fällt in ihr Zimmer. Mein Schatten ist drei Meter lang. Lissis Bett ist zerwühlt, aber sie liegt nicht darin. Gibt`s doch nicht. Ich lausche. Nichts zu hören. Wach ich oder träum ich? Ich kneif mir in den Arm. Mist, das tut weh!

„Lissi, verdammt, wo steckst du?“, rufe ich.

Nichts rührt sich. Die anderen Zimmer liegen still und dunkel da. Ob Lissi schlafwandelt? Diese Phänomene können durch psychische Anspannung ausgelöst werden. Hatte ich als Kind auch mal. Als meine Mutter abgehauen ist und mich und meine Brüder bei Verwandten zurückließ. Aber darum geht’s ja gerade nicht. Wo kann Lissi bloß sein? Die Wohnungstür ist verschlossen. Fest. Zweimal. Habe ich gerade gescheckt. Scheiße! Kann man einen Menschen in seiner eigenen Wohnung verlieren?

Im Wohnzimmer höre ich plötzlich Stimmen. Das unangenehme Gefühl in meinem Bauch zieht sich immer mehr zu einem dicken Knäul zusammen. Vorsichtig gehe ich zur Tür und öffne sie sacht. Ich atme auf. Die flimmernden Schattenwürfe und die Stimmen kommen vom Fernseher. Alles kein Hexenwerk. Ist von allein angegangen. Kann vorkommen. Hab ich schon erlebt. Bei meiner Nachttischlampe. Wackelkontakt, kosmische Störungen, was weiß ich. Werde morgen beim Fernsehfritzen anrufen, der soll sich das Gerät mal anschauen. Vielleicht sollten wir gleich einen neuen kaufen. Röhrengeräte sind so was von out.
Wo ist die Fernbedienung? Habe ich wohl vorhin auf`s Sofa geworfen. Am besten ich ziehe den Stecker. Ist sicherer. Nicht das der durchschmort und abbrennt, während ich schlafe.

„Kathy! Kathy!“

Das ist Lissi! Wo ist sie und warum schreit die so? Ich tauche zwischen den Sofakissen auf, die Fernbedienung in der Hand.

„Lissi! Wo bist du?“

„Hier!“, brüllt sie hysterisch.

Ich höre dumpfes Tok-Tok. Mein Blick fällt auf den Fernsehbildschirm. Das kann nicht sein! Unmöglich! Katrin steht im Pyjama in einer Zelle im Hochsicherheitstrakt in dem die Todeskandidaten untergebracht sind. Sie donnert mit den Fäusten gegen die Innenseite des Fernsehers. Dabei lässt sie den bulligen Gefangenen, der ihr mit einem tückischen Grinsen näher kommt, nicht aus den Augen. Ich erkenne ihn wieder. Das ist der Kerl, den sie vorhin in der Doku gezeigt haben. Der hat zehn Frauen vergewaltigt und umgebracht. Von denen sie wissen. Ein Irrer! Psychopath, Soziopath. Ich schätze, ich habe bei „Criminal Minds“ nicht aufgepasst. Was ist hier los!

„Bist du es wirklich?“

„Was denkst du?! Kannst du nicht gucken?!“, schreit Lissi außer sich.

„Lissi, komm da raus. Sofort!“, brülle ich.

„Wie denn?!“

„Keine Ahnung! Wie bist du darein gekommen?“

„Weiß auch nicht. Hol mich raus! Jetzt!“

Lissi fängt an zu heulen. Ich krieg`ne Gänsehaut und Panik. Der Häftling lacht. Er steht dicht hinter ihr. Er sagt etwas, dass ich nicht verstehe. Scheiße, was kann ich tun.

„Soll ich ausschalten?“, schreie ich.

„Nein! Bloß nicht. Tu irgendwas!“

„Aber was?“

Das Grauen lähmt mich. Ich stehe hilflos da und sehe zu, wie der Kerl Lissi in eine Ecke drängt und ihr die Kleider vom Leib reißt. Sie tritt und schlägt, schreit wie von Sinnen. Oh Gott, was kann ich tun? Ich dreh gleich durch.

„Ich rufe jetzt in dem Gefängnis an. Halte durch!“

Die denken bestimmt, da ist`ne Bekloppte am Telefon, sollte ich es überhaupt schaffen nach Amerika durchzukommen. Aber was Besseres fällt mir nicht ein. Ich stürze zum Telefon. Jemand packt mich am Shirt, reißt mich zurück und hält mich im Würgegriff.

„Du rufst nirgendwo an, Schätzchen“, höre ich eine bösartige Stimme an meinem Ohr. „ich will auch ein bisschen Spaß haben.“

Alles Liebe und einen guten Start ins Jahr 2015! Mit vielen kreativen Stunden und Inspirationen!

Eure Caro

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So! Hier der zweite Teil meines kleinen Schreibmarathons. Viel Spaß beim Lesen 🙂 . Die nächsten 13 Sätze für die Nachtbereitschaft warten schon. Werden morgen auf den Schreiberlebentipps gepostet unter dem Titel: 13 Sätze – 13 Geschichten

6.Heute bei der Arbeit…

Heute bei der Arbeit, ich saß im Pyjama auf dem Bett, das Laptop auf den Knien, im Fernsehen lief „Crossing Lines“, hörte ich vor meiner Zimmertür ein merkwürdiges Geräusch. Zugegeben, ich höre öfter Geräusche vor meiner Zimmertür oder über meinem Zimmer. Kein Wunder! Bei 20 Schlaf-Gästen und einem Haus, das mindestens zwei Jahrhundertwenden überdauerte, kann es die verschiedensten Geräusche geben. Türen quietschen oder krachen, Treppen knarren, Holzdielen knarzen und wer weiß, ob nicht die ein oder andere Maus im Spiel ist.

Die Töne heute waren mir jedenfalls nicht vertraut. Ich speicherte meine Datei, stellte das Netbook aufs Bett und stand auf. Das Geräusch nahm an Lautstärke zu. Ich hatte sie schon öfter gehört, nur eben nicht in diesem Haus. Ich zog meine Turnschuhe und meinen Pulli an, griff nach dem Zimmerschlüssel und drückte die Klinke herunter. Sacht zog ich die Tür auf. Ein kalter Luftzug drückte durch den Spalt zu mir herein und verursachte mir eine Gänsehaut. Völlig fassungslos starrte ich auf das Szenario vor mir.

Als Schriftstellerin kann ich mir alle möglichen wilden und abstrusen Situationen vorstellen, das ist mein Job – aber das?! Es war wie eine Szene aus einem Traum! Völlig surreal und mit nichts zu erklären. Denn trotz meiner ausufernden Fantasie bin ich mir der Naturgesetze wohl bewusste, auch wenn ich sie in meinen Geschichten gelegentlich außer Kraft setze.

Vor meiner Tür ankerte ein Schiff. Und nicht irgendein Schiff. Es war ein fünf-Mast-Segelschiff. Am Bug hing eine riesige Meerjungfrau als Galionsfigur. Ihr hellblauer Fischschwanz wand sich über der Wasseroberfläche.
Ich kniff mich in den Arm. Verdammt, das tat weh. Ich drückte panisch die Zimmertür zu. Für einen Moment herrschte Stille.

Dann hörte ich erneut Geräusche. Was stimmte nicht mit mir? Erneut öffnete ich die Tür. Dieses Mal lag vor meinen Füßen ein Bahnsteig. Mir gegenüber stand ein altmodischer Zug. Menschen gingen auf und ab. Sie trugen Kleider, wie aus den BBC Verfilmungen von Jane Austen. Niemand nahm Notiz von mir. Ich schien unsichtbar zu sein. Vielleicht können sie mich sehen, wenn ich auf den Bahnsteig trete, dachte ich und wagte einen Versuch.

7.Nach dem Ball …

Nach dem Ball ist vor dem Ball, denke ich, schleiche mich in die Garderobe und mache mich auf die Suche nach meinem Mantel. Ein langer roter Mantel aus Kaschmir. Passend zu meinen Schuhen. Es ist alles nur geliehen. Ich kann mir so teure Sache nicht leisten. Ich bin arm wie eine Kirchenmaus. Na gut, etwas übertrieben. Aber für das teure Seidenkleid, das ich gerade trage, müsste ich mehr als drei Monate arbeiten. Ich fühle mich wie Cinderella. Der Fehler in meiner Geschichte ist, dass es für sie ein Happy End gab. Ich dagegen habe alles auf eine Karte gesetzt und verloren. Ich habe ihn gesehen, aber er mich nicht. Morgen früh wird es so sein, als hätte es diesen Abend nicht gegeben. Ich bringe die Kleider zurück. Bis auf die Quittung wird nichts mehr daran erinnern, dass ich ein paar Stunden Prinzessin war.

Endlich habe ich meinen Mantel gefunden. Ich streiche gedankenverloren über den weichen Stoff. Er fühlt sich fantastisch an. Der Mantel trägt sich wie eine zweite Haut. Ich muss lächeln. Der Busfahrer wird sich wundern, wenn er sieht wie ich einsteige. Ich werde sagen: Guten Abend, leider habe ich meinen Kürbis verlegt. Ich hoffe, er hat Humor. Ich knöpfe den Mantel zu, schließe den Gürtel. Noch einmal sehe ich zum Ballsaal hinüber. Musik dringt heraus. Ich drehe mich um und gehe auf die breite Marmortreppe zu.

„Sie wollen schon gehen?“

Ich halte inne, sehe über die Schulter. Da steht ein großer blonder Mann in einem tadellos sitzenden Anzug, klassisch schwarz. Gutaussehend, sympathisch.

„Ja, leider. Es ist nach Mitternacht und mein Kürbis ist schon weg.“

Er lacht und kommt näher.

„Darf ich ihr Kutscher sein?“

Ich lächele.

„Ich bin mir nicht sicher. Meine Mutter hat mir immer eingebläut nicht mit fremden Männern mitzugehen. Nur weil sie einen Anzug tragen, heißt das nicht, dass sie vertrauenswürdig sind.“

In seinen blaugrauen Augen blitzt der Schalk auf.

„Dann darf ich mich vorstellen. Thomas Berger.“ Er verbeugt sich galant. „Zu ihren Diensten.“

„Lea Winter. Prinzessin für eine Nacht.“ Ich mache einen Knicks. „Schade, dass sie mich nicht in meinem Kleid sehen konnten.“

„Woher wollen sie das wissen?“, er schmunzelt, „ich habe den ganzen Abend nichts anderes gesehen.“

„Dann muss ich sie tadeln, Herr Berger.“

„Tom, bitte, sagen sie Tom“, unterbricht er mich.

„Gut. Also Tom, wenn das wahr ist, dann frage ich mich, warum sie mich nicht zu einem Tanz aufgefordert haben?“

Er wird ernst.

„Sie hatten ihre Aufmerksamkeit auf einen anderen Herrn gerichtet. Ich war mir nicht sicher, ob sie mir einen Korb geben.“

Ich senke beschämt den Blick und erröte. Hat er recht? Bin ich so durchschaubar.

„Wollen wir das jetzt nachholen?“

Seine Stimme ist sanft. Ich sehe auf. Tom streckt mir die Hand entgegen. Ich lege meine hinein. Er zieht mich zu sich heran, legt die andere Hand in meine Taille. Wir machen die ersten Schritte. Tom ist ein guter Tänzer. Er schafft es problemlos meine Fehltritte auszugleichen. Die Prinzessin hat ihren Tanz zu guter Letzt doch noch bekommen.

„Vielen Dank für diesen Tanz“, sagt Tom, neigt leicht den Kopf und bietet mir seinen Arm, „darf ich sie nach Hause chauffieren?“

„Gerne.“

Ich genieße die Fahrt durch die nächtliche Stadt. Wir reden über Gott und die Welt. Lachen mit einander. Ich fühle mich wohl mit ihm. Tom ist ein guter Autofahrer. Entspannt und sicher. Er findet meine Straße ohne Navi, kennt sich gut aus. Vor meinem Haus steigt er aus, hält mir die Autotür auf und begleitet mich zur Haustür. Er nimmt meine Hand. Warme Finger umfassen meine.

„Darf ich sie wiedersehen?“, fragt Tom.

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“

„Warum nicht?“

„Wie ich schon sagte, ich bin Prinzessin für einen Abend gewesen. Morgen bin ich wieder das Mädchen in der Asche. Ich passe nicht in ihre Welt.“ Ich deute an der Hausfassade hinauf. „Ich bin das Mädchen aus dem Dachgeschoss.“

„Was würde der Prinz jetzt tun?“, ignoriert er meinen Einwand und lächelt.

Ich zögere, sehe in seine strahlenden Augen. Der Mann ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

„Die Prinzessin küssen.“

Tom zieht mich in seiner Arme und küsst mich. Ich schließe die Augen, gebe mich dem Augenblick hin.

„Keine Angst Prinzessin“, sagt er, nachdem er mir das Versprechen abgenommen hat, ihn wiederzusehen, „alles ist möglich.“

8.Später beim Picknick…

„Später, nach dem Picknick!“

„Später, später … das sagst du immer!“, mault das Mädchen.

„Nein. Sag ich nicht.“

Sie stapft mit dem Fuß auf. Der Kellner serviert meinen Kaffee.

„Doch! Du hörst dir ja nicht mal selber zu. Du hilfst mir später bei den Hausaufgaben, du gehst später mit mir zum Gartenfest, später redest du mit meinem Lehrer, später, später, später!“

Der Mann sieht erschöpft aus. Er hat etwa mein Alter. Das Mädchen, wohl seine Tochter, zirka 13.

„Bitte, Natalie, beruhige dich. Du weißt, dass ich einen streßigen Job habe.“

„Bei Mama ist es viel besser. Ich will das Mama wiederkommt.“

„Deine Mutter ist aber noch zwei Monate im Ausland. Du wirst es wohl oder übel mit mir aushalten müssen.“

Aha, daher weht der Wind. Scheidungskind, nervt Vater und macht ihm ein schlechtes Gewissen. Natalie scheint zu spüren, dass ihr Vater die Grenze seines guten Willens erreicht. Ich trinke den letzten Schluck Kaffee.

„Bitte, Tom, bitte. Ich habe so einen Hunger“, sie hakt sich bei ihrem Vater ein.

„Na gut, dann mach die Tüte auf! Und nenn mich nicht Tom.“

Natalie zerrt eine Tüte mit Schokoriegelchen aus der Einkaufstasche und reißt sie auf. Ziel erreicht. Sie lächelt triumphierend.

Ich lege das Geld für den Kaffee neben meine Tasse. Tom bemerkt, dass ich die Szene interessiert beobachte. Ich lächele ihm zu und nickte. Er erwidert es verlegen.

„Du Papa“, Natalie zieht die Worte schmeichelnd in die Länge.

Der nächste Angriff kündigt sich an. Ich stehe auf, mache ein überraschtes Gesicht und sage:

„Mensch Tom! Jetzt erkenn ich dich! Ich bin`s die Sandra aus der Schule. Schön dich wieder zu sehen.“
Vater und Tochter sehen mich überrascht an. Ich mache noch einen Schritt nach vorn und umarme Tom stürmisch, Küsschen rechts, Küsschen links, und flüstere ihm ins Ohr:

„Einfach mitspielen, alles wird gut.“

Zu Natalie sage ich:

„Hallo und du bist Toms Tochter?“

„Ja!“, erwidert sie reserviert.

„Freut mich dich kennen zu lernen“, ich sehe zu Tom, „wirklich gut hingekriegt, mein Lieber!“

„Stimmt“, er nickt leicht irritiert.

„Darf ich euch einen Vorschlag machen?“, ich sehe die beiden an und rede einfach weiter, „magst du Pferde, Natalie?“

Bitte sag ja, denke ich, alle Mädchen mögen Pferde.

„Ja, wieso?“

„Mein Bruder hat ein Gestüt. Wenn dein Vater nichts dagegen hat, könnt ihr euer Picknick dort machen und du könntest eine Reitstunde nehmen.“

Mein Vorschlag hat die gewünschte Wirkung.

„Papa, bitte, darf. Bitte, bitte, Papaaaa.“

„Wenn Sandra uns einlädt können wir so ein tolles Angebot nicht ablehnen“, sagt er verhalten.

Ich zwinkere ihm zu.

„Ich geh schon mal zum Auto!“, ruft Natalie und rennt los.

„Ich hoffe mein Überfall hat sie nicht völlig aus dem Konzept gebracht“, grinse ich Tom an, „ich bin auch alleinerziehend und meine Tochter ist im selben Alter. Ich kenne solche Situationen zu gut. Vielleicht verschafft ihnen meine Intervention einen entspannten Nachmittag.“

Tom zieht die Augenbraue hoch und schmunzelt.

„Aha, Leidensgenossin also.“

Ich nicke.

„Sie haben was gut bei mir“, sagt er und sein Blick verursacht einen Herzhopser bei mir. „Ich hoffe, dass war nicht der letzte Überfall.“

9.Wir gingen am Strand entlang…

Wir gehen am Strand entlang. Die Jungs mit großen Schritten vor weg. Ich in sicherem Abstand hinter her. Das Wetter hat sich etwas beruhigt. Der Dauerregen der letzten zwei Tage hält seit ein paar Stunden den Atem an und gönnt uns eine Verschnaufpause. Vermutlich drehe ich sonst durch.

In der kleinen Ferienhütte herrscht ein Testosteronpegel, der ausreichen würde eine ganze Klosterschule flach zu legen. Bei dem Gedanken setzt bei mir ein Kopfkino ganz besonderer Art ein. Nur gut, dass von den Fünf keiner Gedanken lesen kann.

Dass das keiner falsch versteht! Ich liebe Männer. Männer sind toll. Ich komme gut mit Männern klar. Wirklich wahr. Aber fünf Männer auf engstem Raum – alle gut befreundet und ich?!

Der ganze Ausflug fing ganz harmlos an. Wie das bei solchen Sachen meistens der Fall ist. Arbeitsurlaub nannte es unser Boss.

„Alles easy“, höre ich Adam noch sagen und dachte, na wenn er meint.

Wir arbeiten zusammen. Die Fünf und ich. In einer Drehbuchschmiede für eine SiFi-Serie. Vielleicht erklärt das den Frauenmangel im Team. Gestört hat das bis dahin nicht. Klar wird anders geredet, wenn keine Frau dabei ist und tatsächlich habe ich immer das Gefühl gehabt, in der Masse unterzugehen. Ja, hahaha, schon klar. Aber ich bin halt kein Püppchen, sondern Frau. Make up ist nicht meins. Klamotten mag ich gerne bequem, was nicht heißen soll, dass ich in Sacktuch und Asche herumlaufe. Ich bin nicht auf den Mund gefallen und eine klare Sprache macht mir nichts aus. Im Gegenteil. Mein Vater war Vorarbeiter auf dem Bau. Ich kenne den Sprachduktus unter Männern. Eigentlich finde ich es sogar witzig. Wenn es nicht total unterste Schublade ist.

Jedenfalls hatte ich in dem Jahr unserer Zusammenarbeit nicht den Eindruck der Gegenstand von Anmache zu sein, sondern eine Kollegin unter Kollegen. Voll integriert. Ich habe nicht damit gerechnet, dass sich daran etwas ändert, wenn wir in Klausur gehen. Wir waren heilfroh der tristen Büroatmosphäre eine Weile zu entkommen. Das Ganze sollte der Teambildung und der Ideenfindung dienen. Die Serie ist so beliebt, dass man einen Kinofilm drehen will und wir sollen das Drehbuch schreiben. Immerhin ist das unser Baby.

Die ersten zwei Tage ging alles gut. „Alles easy.“ Das Gerangel fing an, als ich am dritten Tag morgens aus dem Bad kam. Ich vergaß meine Klamotten in meinem Zimmer und trug auf dem Rückweg nur ein knappes Handtuch. Das Bad liegt im Erdgeschoss, mein Zimmer in der ersten Etage. Der Weg dorthin führt durch die Küche. Womit ich nicht rechnete war, dass meine lieben Kollegen so früh auf waren, nachdem ich sie die vorangehenden Tage wecken musste. Nein, alle fünf standen, saßen dort und tranken ihren ersten Kaffee. Muss ich noch etwas sagen?

Nur so viel. Jerry, der Spaßvogel, grinste und sagte: „Wow Kat, zeig uns mehr,“ und griff nach dem Zipfel meines Handtuchs. Es passierte, was passieren musste. Und auch wenn Jerry sich später bei mir entschuldigte, nachdem ich im Evakostüm posiert hatte, schienen „meine“ Jungs in Erwägung zu ziehen, dass ich mehr sein könnte, als ihre Kollegin und taten alles, um es mich wissen zu lassen.

10.Ich beobachtete den Regenbogen…

Ich beobachte den Regenbogen, der sich in leuchtenden Farben über die Straße spannt. Leider kann ich dabei die Verkehrslage nicht so gut überblicken und werde mit einem heftigen Ruck und Krachen in die Wirklichkeit zurückgeholt. Meine Tasche fliegt durch den Innenraum. Mein Apfel auch. Mist! Und vor mir ein großer BMW. Ziemlich neues Model. Glänzend poliert und chromverziert. Seufzend steige ich aus. Der Halter des BMW steht schon am Heck und beugt sich über die Stoßstange. Anzugträger, teurer Stoff, tadelloser Sitz. Durchgestylt vom Scheitel bis zur Sohle. Der mag bestimmt keine Kratzer. Mein Herzschlag beschleunigt sich. Ich mache mich auf einen rauen Anpfiff gefasst.

„Hm, nichts zu sehen“, sagt er und sieht mich mit einem freundlichen Lächeln an.

Ich atme auf. Keine verbale Attacke. Leider hat mein fahrbarer Untersatz mehr einstecken müssen. David gegen Goliath. Der linke Kotflügel ist verzogen und die Motorhaube hat sich nach oben gedrückt.

„Zum Glück“, sage ich und denke an meinen Versicherungsbeitrag.

„Leider muss ich ihn in die Werkstatt bringen. Ist ein Firmenwagen“, stellt er beinah bedauernd fest.

„Ok“, ich zucke mit den Schultern.

Die Prozedere kenne ich. Wenn die Schrauber das Auto erst mal in der Mache haben, wird’s teuer. Schließlich bezahlt die Versicherung – denen ist egal ob da nichts zu sehen ist. Hauptsache die Kohle stimmt. Ich krame meine Visitenkarte aus der Geldbörse und drücke sie dem BMW-Mann in die Hand. Er gibt mir seine. Creative Direktor steht drauf. Na sowas aber auch.

Wir steigen wieder in unsere Autos. Hinter uns hat sich eine morgendliche Rush-Hour-Schlange gebildet. Wir fahren weiter.

Der BMW-Mann sah gut aus und nett war er, wieder erwarten. Ich bin froh, dass ich mich in dieser Hinsicht getäuscht habe. Der Crash reicht mir, da brauche ich nicht noch einen wutschnaubenden Fahrer, der mich auf offener Straße zur Schnecke macht.

Ich lächele zufrieden. Immerhin steht auf meiner Visitenkarte Autorin. Das macht ein bisschen was her, Herr Creative Direktor, oder? Auch wenn mein kleiner Reisfresser eher nach Chaos als nach Kaviar aussieht. Aber der erste Eindruck muss ja nicht unbedingt, der richtige sein.

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Die Kirchturmuhr schlägt zwölf. Mitternacht. Ich schalte den Fernseher aus. Zeit schlafen zu gehen. Eigentlich wollte ich vor einer Stunde im Bett sein, aber wie das so ist – rumgezappt und hängen geblieben. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bei N24 zeigen sie um die Uhrzeit immer Knastdokus aus den USA. Brutal! Meterhohe Mauern und Stacheldraht. Gefangene mit Tattoos und Körpern wie Bodybuilder. Gehalten in offenen Zellen, von allen Seiten einsehbar oder in hermetisch abgeriegelten Kästen aus Sicherheitsglas.

Dagegen sind die Wärter blass und fluffig, wie Weißbrot. Nicht gerade das, was einem zu fünfmal Lebenslänglich verurteilten Serienmörder den Schrecken in die Glieder fahren lässt. Für mich ist das ein Magnet des Grauens. Ich kann nicht abschalten, muss hinsehen. Wie können Menschen es in so einer Maschinerie aushalten? Ein hohler Betonklotz angefüllt mit Leibern, Gerüchen, Stimmen, Geräuschen aus Metall, Neonlicht und Gewalt. Ich würde verrückt. Immer Licht, immer Krach, Körper an Körper. Mir läuft eine Gänsehaut über den Rücken.

Lissi hat sich schon hingelegt. Sie hatte wieder Zoff auf der Arbeit. Ihre blöden Arbeitskolleginnen mobben sie, seit sie zur „Chefsache“ befördert wurde. Eine beschissene Situation. Aber ändern will sie es aber nicht. Sie verdient endlich mehr Geld, kann schicke Kleider kaufen und mit dem Chef auf Geschäftsreise gehen. Auf den hat sie es seit ersten Tag abgesehen. Zum Glück bin ich selbstständig und muss mir so einen Kollegenklüngel nicht antun.

Ich gehe ins Bad und putze mir die Zähne. Ob die Gefangenen ihren Mitinsassen Streiche spielen? Mit den Zahnbürsten das Klo putzen oder so? Bei dem Gedanken wird mir übel und ich spüle mir den Mund mit Fresh Minze aus. Vor der Tür höre ich schnelle Schritte. Lissi kann wohl nicht schlafen? Ich strecke den Kopf zur Tür hinaus. Nichts zu sehen? Ich muss mich verhört haben, rede ich mir ein.

Bevor ich in mein Zimmer gehe, schaue ich kurz bei Lissi rein. Sicher ist sicher. Ein langer Lichtschein vom Flur fällt in ihr Zimmer. Mein Schatten ist drei Meter lang. Lissis Bett ist zerwühlt, aber sie liegt nicht drin. Gibt`s doch nicht. Ich lausche. Nichts zu hören. Wach ich oder träum ich? Ich kneif mich in den Arm. Mist, das tut weh!

„Lissi, verdammt, wo steckst du?“, rufe ich.

Nichts rührt sich. Die anderen Zimmer liegen still und dunkel da. Ob Lissi schlafwandelt? Diese Phänomene können durch psychische Anspannung ausgelöst werden. Hatte ich als Kind auch mal. Als meine Mutter abgehauen ist und mich und meine Brüder bei Verwandten zurückließ. Aber darum geht’s ja gerade nicht. Wo kann Lissi bloß sein? Also die Wohnungstür ist verschlossen. Fest. Zweimal. Habe ich gerade gescheckt. Scheiße! Kann man einen Menschen in seiner eigenen Wohnung verlieren?

Im Wohnzimmer höre ich plötzlich Stimmen. Das unangenehme Gefühl in meinem Bauch zieht sich immer mehr zu einem dicken Knäul zusammen. Vorsichtig gehe ich zur Tür und drücke sie auf. Ich atme auf. Die flimmernden Schattenwürfe und die Stimmen kommen vom Fernseher. Alles kein Hexenwerk. Ist von allein angegangen. Kann vorkommen. Hab ich schon erlebt. Bei meiner Nachttischlampe. Wackelkontakt, kosmische Störungen, was weiß ich. Werde morgen beim Fernsehfritzen anrufen, der soll sich das Gerät mal anschauen. Vielleicht sollten wir gleich einen neuen kaufen. Röhrengeräte sind so was von out.
Wo ist die Fernbedienung? Habe ich wohl vorhin auf`s Sofa geworfen. Am besten ich ziehe den Stecker. Ist sicherer. Nicht das der durchschmort und abbrennt, während ich schlafe.

„Kathy! Kathy“

Das ist Lissi! Warum schreit die so? Ich tauche zwischen den Sofakissen auf, die Fernbedienung in der Hand.

„Lissi! Wo bist du?“

„Hier!“

Mein Blick fällt auf den Fernsehbildschirm. Das kann nicht sein! Unmöglich! Katrin steht im Schlafanzug in einer der Zellen im Hochsicherheitstrakt in dem die Todeskandidaten untergebracht sind. Sie lässt den bulligen Gefangenen, der mit einem tückischen Grinsen näher kommt, nicht aus den Augen. Das ist doch der Kerl, der 10 Frauen umgebracht hat, von denen sie wissen. Ein Irrer! Psychopath, Soziopath. Ich schätze, ich habe bei „Criminal Minds“ nicht aufgepasst. Was ist hier los!

„Bist du es wirklich?“

„Was denkst du?! Kannst du nicht gucken?“, schreit Lissi außer sich.

„Lissi, komm da raus. Sofort!“, brülle ich.

„Wie denn?“, schreit sie zurück.

„Keine Ahnung! Wie bist du darein gekommen?“

„Weiß auch nicht. Hol mich raus! Jetzt!“

Lissi fängt an zu heulen. Der Häftling lacht. Er sagt etwas, dass ich nicht verstehe. Scheiße, was kann ich tun?

„Soll ich ausschalten?“, schreie ich.

„Nein! Bloß nicht. Tu irgendwas!“

„Aber was?“

Die Panik lähmt mich. Ich stehe hilflos da und sehe, wie der Kerl Lissi in eine Ecke drängt und ihr die Kleider vom Leib reißt. Sie tritt und schlägt, schreit wie von Sinnen. Oh Gott, was kann ich tun? Ich dreh gleich durch.

„Ich rufe in dem Gefängnis an. Halte durch!“

Die denken bestimmt, da ist`ne Bekloppte am Telefon, sollte ich es überhaupt schaffen nach Amerika durchzukommen. Aber was Besseres fällt mir nicht ein. Ich stürze zum Telefon. Jemand packt mich am Shirt und reißt mich zurück.

„Du rufst nirgendwo an, Schätzchen“, höre ich eine bösartige Stimme an meinem Ohr. „ich will auch ein bisschen Spaß haben.“

 

Der Text entstand beim Freitagsschreiben. Die markierten Sätze sollten in den Text einfließen. Und das vorherrschende Gefühl im Text sollte „Entsetzen“ sein.

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Diese Texte entstanden aus einer launigen Idee heraus, einen kleinen Schreibmarathon mit mir selbst zu veranstalten. Die Anfangssätze der Texte habe ich auf meiner „Schreiberlebentipps“ Seite unter „Kleiner Schreibmarathon“ gepostet. Also für alle die Spaß haben: lasst euch Inspirieren. 🙂

1. Eines Tages beschloss ich ..

Eines Tages beschloss ich von zu Hause fortzugehen. Ich hatte es nicht geplant oder von langer Hand vorbereitet. Es geschah einfach so. Wie bei einem Schuh, bei dem man die Schnürsenkel zu bindet. Eine ganz alltägliche Handlung. Der Grund, der mich zu diesem Entschluss führte, war alles andere als gewöhnlich.

Ich stand morgens früh auf, wie jeden Tag. Wusch mich, zog mich an, schnürte mir die Schuhe und nahm meinen Rucksack für die Uni. Englische Literatur, Kunstgeschichte, Soziologie. Auf dem Weg in die Küche, um mir meine Brote und die Thermoskanne mit Kaffee zu holen, hörte ich auffallende Laute aus dem Wohnzimmer. Wachsam näherte ich mich der Tür. Durch die Milchglastür sah ich bunte Lichter aufleuchten. Sacht drückte ich die Tür auf und warf einen Blick hinein. Ich traute meinen Augen nicht. In der Mitte unseres Wohnzimmers tanzte eine Art Windhose aus Lichtern.

Bis zu diesem Zeitpunkt glaubte ich nicht an paranormale Phänomene. Dieser Wirbelsturm aus Leuchten und glitzerndem Staub ändere meine Meinung schlagartig. Mein erster Gedanke war Nimmerland. Peter Pan und Tinkerbells Feenstaub. Dann fiel mir Dr. Who ein. Aber das war natürlich Unsinn. Ein Kindermärchen und eine TV-Serie. Wo gibt`s denn so was? Zumindest DR. Who konnte es auf keinen Fall sein, der war mit einer blauen Telefonzelle unterwegs.

Bedächtig näherte ich mich der Erscheinung. Ich streckte meine Hand aus. Sofort bewegte sich der Wirbel von mir weg. Ich machte einen Schritt darauf zu. Er wich weiter zurück. Ich blieb stehen und wartete. Nach einer Weile rückte er wieder näher. Ich wartet, atmete ruhig ein und aus. Der Wirbel begann mich zu umkreisen, als nähme er Maß.

Plötzlich wurde er an einer Stelle durchsichtig, als ginge ein Fenster auf. Gebannt starrte ich auf die Öffnung.
Ohne nachzudenken, machte ich einen Schritt nach vorn und verließ mein Zuhause.

2. Ihre Handtasche schien mit … gefüllt zu sein.

Sandras Handtasche schien mit einem Trödelladen gefüllt zu sein. Es gab nichts, dass sie nicht dabei hatte. Zumindest schien es ihren Freundinnen so. Tatsächlich war die Fülle ein Schrei nach Hilfe. Eine Art Schutzpanzer aus Dingen, statt aus Fett. Tatsächlich brachte sie mit ihrer Handtasche im letzten Jahr einen Räuber zur Strecke. Ironie des Schicksals – einen Handtaschendieb.

Sandra verfügte über Dinge für jede Not, in jeder Lebenslage. Taschenmesser, Pflaster, Löffel, Thermobecher, Notizzettel, Stifte, Strumpfhosen, Tampons, Binde, Kondome, Sonnenbrille, Brillenputztuch, Cremes, Busfahrkarten, Fahrpläne, Handy, Zeitung, Schlüssel, Geldbörse, Bürste, Einmal-Handschuhe, Bonbons, Zahnbürste, Fotoapparat, Briefmarken, Postkarten, usw. usw.

Allerdings war nichts von den Dingen in ihrer Tasche geordnet. Bevor Sandra eins ihrer Notfallgadgets finden konnte, war der Grund für die Nutzung oft schon wieder behoben. Das Chaos ihrer Handtasche setzte sich in ihrer Wohnung, in ihrem Leben, in ihrem Herzen fort.

Sandra füllte Terminkalender und kam trotzdem meistens zu spät. Listen mit Wünschen und Zielen zierten ihre Kühlschranktür, ohne dass sie diese jemals erreichte. Sandra träumte und fantasierte, aber das hinderte sie daran, sich tatkräftig für das echtes Leben einzusetzen und ihre Sehnsüchte wahr zu machen.

Doch wie in allen guten Märchen kommt irgendwann der Punkt, an dem das Schicksal ein Einsehen hat und der Prinzessin einen Retter schickt. Sandra wurde von einem unaufmerksamen Raucher gerettet, der seinen glimmenden Stängel mit einem Schnipsen in Sandras Tasche versenkte. Sie fing Feuer, und ehe Sandra sich versah, verwandelte sich ihr Notfallkoffer in Asche und Rauch. Der Brodem verzog sich.

„Entschuldigen sie, darf ich sie zu einem Kaffee einladen?“, fragte der Verursacher des Brandes.

„Das ist das Mindeste“, sagte Sandra und lächelte.

3.Die Party war ein Desaster …

Die Party war ein einziges Desaster. Es fing damit an, dass Molly mich auf die Laufmasche aufmerksam machte, die sich an meiner linken Wade hinaufschlängelte. Da standen wir allerdings längst auf dem roten Teppich und ich hatte keine Gelegenheit sie gegen eine intakte einzutauschen. Was kein großes Manko war, denn die Reporter beachteten mich nicht. Wie auch? Ich habe schließlich nur das Drehbuch geschrieben. Bevor jemand Notiz von mir nimmt, müsste ich erst den Oskar gewinnen. Die Aussicht darauf ist wie ein Sechser im Lotto plus Zusatzzahl.

Ich durfte froh sein, überhaupt an dieser Party teilzunehmen. Der Regisseur meines Drehbuches hatte aus einem, mir rätselhaften, Grund einen Narren an mir gefressen und mir zwei Einladungen zu kommen lassen.

Also huschten Molly und ich an den posenden Stars und Sternchen vorbei in den Veranstaltungssaal. Dabei stieß ich äußerst unglücklich mit dem Schauspieler T.W. zusammen. Bei unserem Crash verschüttete er den Inhalt seines Sektglases über ein spindeldürres It-Girl. Sie trug eine handbreit Stoff, der ihre Knochen mit dem Silikon getunten Busen zusammenhielt. Die Promibrause darauf ließ sie wie eines von diesen Wet-T-Shirt-Girlies aussehen. T.W. nahm das Spektakel recht humorvoll. Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen.

Girlie bekam meinen Ausbruch von Heiterkeit in den falschen Hals und stürzte sich wie eine Furie auf mich. Ich habe es T.W. zu verdanken, dass sie mir keinen physischen Schaden zu fügte. Er schaffte es, mich aus ihren magersüchtigen Krallen zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Bei dieser Hop-oder-Top-Aktion verlor ich Molly.

Es dauerte drei Tage, bis ich sie wieder fand. Es erwies sich als Vorteil für mich, das T.W. mich auf meiner Suche tatkräftig unterstützte. Ohne diese Katastrophe hätte ich ihn nie so gut kennengelernt.(Von mir erfahren sie nichts. Ich bin diskret in Liebesdingen.)

Der Stoff, aus dem Hollywoodträume sind. Und ehrlich, es gibt Geschichten, die sind so unglaublich, dass man sie nicht erfinden kann. Wenn ich für das Drehbuch keinen Oskar kriege, dann weiß ich es auch nicht.

4.Das Auto raste …

Das Auto raste mit überhöhter Geschwindigkeit über die regennasse Landstraße. Die Musik im Innenraum übertönte die dröhnenden Motorengeräusche. Adrenalin rauschte durch Sams Adern. Sein Herzschlag dröhnte in seinen Ohren. Er hatte das Gefühl nicht atmen zu können. Gierig sog er die Luft ein, seine Finger krampften sich um das Lenkrad.

Elena betrog ihn. Mit seinem besten Freund. Es war beinahe direkt unter seinen Augen geschehen. Ben war nicht nur sein Freund, sondern auch sein Partner. Sam kannte Ben seit Kindertagen. Nie hatte es einen Streit zwischen ihnen geben, sogar bei Meinungsverschiedenheiten war es ihnen möglich einen Konsens zu finden.

Und jetzt das! Ben hatte Sam das Kostbarste genommen, dass er besaß: Elena und das Vertrauen in den Menschen, den er so gut kannte wie sich selbst. Jedenfalls hatte er das gedacht, bis zu diesem Tag.

Sam besuchte ein Seminar. Vom Ausfall der Veranstaltung erfuhr er erst, als er vor Ort eintraf. Der Seminarleiter hatte einen Herzinfarkt erlitten. Nach einem Kaffe trat Sam den Heimweg an. Er freute sich über das freie Wochenende. So konnte er Zeit mit Elena verbringen. Das war in den letzetn Wochen zu kurz gekommen. Sam kaufte Konfekt und Blumen. Elena liebte rosa Rosen.

Als er vor dem Haus parkte, wunderte er sich, dass Bens Auto vor der Tür stand. Erst vermutete Sam, dass Elena etwas zugestoßen sei, aber als er die Haustür öffnete, sah er Kleidungstücke eines Mannes und seiner Frau im Flur liegen. Musik drang aus dem Schlafzimmer zu ihm herunter. Das war ihre Musik. Elena empfing ihn manchmal damit und in Spitzendessous. Wie von einem Magneten gezogen, stieg er die Treppe hinauf und stieß die Schlafzimmertür auf. Da waren sie. Ben und Elena. Ineinander verschlungen. Elena mit geschlossenen Augen bog sich Ben entgegen, so wie sie es tat, wenn Sam sie liebte. Sie stöhnte leise, während Ben ihren Hals küsste.

Reglos stand Sam da. In seinem Kopf schrie eine Stimme, wie ein Orkan, ohne das ein Laut über seine Lippen kam. Der Schmerz war so elementar, dass sein Inneres erstarrte. Sam drehte sich um und ging. Stieg in seinen Wagen und fuhr los.

5.Ich kann es kaum erwarten nach Hause zu gehen und …

Ich kann es kaum erwarten nach Hause zu gehen und die Welt draußen auszuschließen. In meiner Tasche trage ich ein neues Buch mit mir. Heute war ich im Buchantiquariat von Herrn Meister, stöbern. Er hatte gerade einige neue Kisten randvoll mit alten Büchern bekommen und ließ mir die erste Wahl. Stundenlang kann ich mich durch die alten Wälzer wühlen, ohne Müde zu werden.

Ich wurde fündig. Eigentlich werde ich das jedes Mal. Ich gehe nie ohne Buch nach Hause. Herr Meister weiß, welche Bücher ich bevorzuge und legt mir oft Exemplare zurück, von denen er ahnt, dass sie mir gefallen.

Heute habe ich ein Buch gefunden, von dem ich nicht dachte, dass es überhaupt existierte. Ich las einige Mal in anderen alten Schriften davon, hielt es aber für einen Mythos. Auch Herr Meister hielt die Existenz dieses Buches für unwahrscheinlich, als ich ihm von meinen Forschungen berichtete. Er selbst hat sein ganzes Leben danach gesucht und es nicht ausfindig machen können.

Nun war es mir in die Hände gefallen. Zwischen alten Klassikern aller Couleur lag ein Band aus schwarzem Leder. Vorsichtig nahm ich es aus der Kiste. Als ich die goldenen Lettern auf dem Umschlag las, wusste ich sofort: Das ist es!

Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich es heimlich in meine Tasche gleiten ließ. Den Anflug von schlechtem Gewissen, Herrn Meister gegenüber, unterdrückte ich mit dem Gedanken, dass ich das Buch nur leihen wollte. Wenn ich es gelesen habe, werde ich es Herrn Meister zurückgeben.

Das Verlangen es zu lesen ist so übermächtig, dass nichts anderes eine Rolle spielt. Da ist nur der ein obsessive Gedanke: Wissen zu erlangen. Eine Euphorie, die ich noch nie verspürt habe. Ich bin auserwählt! Das Schicksal hat mir das Buch in die Hände gelegt. Ich bin diejenige, die in die Mysterien der nichtsstofflichen Welt eintaucht und unschätzbare Erkenntnisse erlangen wird, die seit Tausenden Jahren verborgen sind.

Teil 2 folgt Freitag 🙂 . Donnerstag ist wieder „Nachtarbeit“ angesagt.

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Metaphernmontage aus Gerald Durrell`s: Meine Familie und anderes Getier

– Juli war von einem schneidenden Wind wie ein Kerze ausgeblasen worden
– Sprühregen fiel und blähte sich zu undurchsichtigen grauen Tüchern auf
– Die Berge schliefen wie unter einem zerknitterten braunen Laken, dessen Falten mit dem Grün der Olivenhaine betupft waren
– Strand weiß wie Elfenbein
– Grüne Läden waren von den Fenstern zurück geschlagen worden wie die Flügel von tausend Motten
– Anschein huldvoller Majestät
– Fetter, kleiner Mann mit kriecherischen Augen
– Scharten sich wie die Geier um uns
– Schwarzen Augen zogen sich zu einem Knoten von Nachdenklichkeit zusammen
– Mit einer dicken Schicht seidigen Staubes bedeckt war
– Wie ein Federbett aus Olivenhainen, die wie Fischleiber glänzten
– Kleine erdbeerrote Villa wie eine im Laubwerk versteckte exotische Frucht
– Die warme Luft war schwer vom Duft unzähliger sterbender Blüten
– Heftete sich wie eine Klette an uns
– Der Puls des Meeres
– Mein Herz verhärtete sich

Der Juli war von dem schneidenden Wind wie ein Kerze ausgeblasen worden und ich sehnte mich nach wärmeren Gegenden. Ich stand am Fenster und betrachtete den englischen Sprühregen, der sich zu undurchsichtigen grauen Tüchern aufgebläht hatte und mir jede Neigung verbitterte hinaus zu gehen und frische Luft zu schnappen. Da kam es geradezu einem Wunder gleich, als Onkel Victor von einem reichen Griechen eingeladen wurde, auf seinem Grundstück Ausgrabungen vorzunehmen, da er der Ansicht war, dass sich dort wertvolle archäologische Stücke verbargen. Onkel Victor teilte seine Meinung zwar nicht, aber nichts desto trotz nahm er die Einladung an, die mit einer außergewöhnlich guten Aufwandsentschädigung einher ging. Sie würde ihn in die Lage versetzen die lange hinaus geschobene Expedition nach Ägypten zu finanzieren. So packten wir eilig unsere Koffer und Werkzeuge und begaben uns auf den Weg nach Korfu.

Als wir Korfu vor uns aus dem Meer aufsteigen sahen, an einem zarten Morgen unter sanften Frühnebeln, zitterte mein Herz vor Freude. Die Berge schliefen wie unter einem zerknitterten brauen Lacken, dessen Falten mit dem grün der Olivenhaine betupft waren und unter deren Rocksäumen halbmondförmige Spitzen hervor blitzen, Strände so weiß wie Elfenbein.

Als wir das Schiff verließen, heuerte mein Onkel einige der Gepäckträger an, die sich wie die Geier um uns geschart hatten, um sich ein paar Drachmen zu verdienen. Die übrigen Männer hefteten sich wie Kletten an meine Fersen. Ich versuchte mir den Anschein huldvoller Majestät zu geben, um sie von mir fern zu halten. Es blieb nur bei dem Versuch, der mir offenkundig missglückte. Ein fetter, kleiner Mann mit kriecherischen Augen und ungewöhnlich pompöser Aufmachung tat sich unter ihnen besonders hervor und griff nach meinem Arm, um mich aus der Menge zu ziehen.

„Lassen sie mich sofort los“, herrschte ich ihn an.

„Bitte Miss Lilienstein“, sagte er unterwürfig, „mein Name ist Leonidas Stamatis. Ich habe ihren Onkel nach Korfu eingeladen.“

Seine feuchte Hand auf meinem Arm ließ mich erschauern und ich entzog ihm meinen Arm so schnell es die Etikette unter diesen Umständen zu ließ. Ich wusste, dass ich es mir mit dem Finanzier meines Onkel nicht verderben sollte. Aber der ganze Mann war ein Affront gegen den guten Geschmack. Allein die dandyhafte Kleidung und der viel zu üppige Schmuck, dazu ein überdimensionaler Zylinder. Mister Stamatis wirkte eher wie ein deplazierter Zirkusdirektor, denn ein vornehmer Grieche. Bevor ich etwas dagegen tun konnte verhärtete sich mein Herz gegen diesen Mann, den ich erst wenige Minuten kannte. Zum Glück befreite mich Onkel Victor aus diese unangenehmen Situation.

„Mister Stamatis, sehr erfreut sie zu sehen“, sagte er und warf mir einen beruhigen Blick zu, „wohin sollen die Träger das Gepäck bringen?“

„Bitte überlassen sie alles mir“, sagte Mister Stamatis und rief den Gepäckträgern ein paar griechische Befehle zu.

Ich war erstaunt, dass ich den größten Teil davon verstehen konnte. Mein Studien in griechisch hatten sich also doch ausgezahlt.

„Das ist mein Neffe Nicolas Stamatis“, stellte er den jungen Mann vor, der neben einer der Kutschen stand und dessen schwarze Augen sich zu einem Knoten aus Nachdenklichkeit zusammen gezogen hatten.

„Sehr erfreut Mister Stamatis“, sagte ich und reichte ihm meine Hand.

„Ebenfalls“, murmelte er.

Ich hatte das unangenehme Gefühl, dass mit Mister Stamatis und seinem Neffen etwas nicht in Ordnung war. Nicolas half mir in den Landauer und setzte sich mir gegenüber. Als das Gepäck ordnungsgemäß verstaut war, gesellten sich Onkel Victor und Mister Stamatis zu uns und die Kutschen setzten sich in Bewegung. Nicolas, wie auch Mister Stamatis, beäugten mich mehr als neugierig, was ich versuchte zu ignorieren.

Ich betrachtete die weißen Häuser der Hafenstadt, deren grüne Läden von den Fenstern zurückgeschlagen waren, wie die Flügel von tausenden Motten. Der Weg führte ein gutes Stück am Meer vorbei, dessen Puls langsam und bedächtig an den Strand schlug. Die Straße war mit einer dicken Schicht seidigen Staubes bedeckt, der das Geräusch der klappernden Hufe dämpfte.

Alsbald sahen wir Mister Stamatis riesige graue Villa, die er uns mit unverhohlenem Stolz zeigte. Der Gedanke dort zu übernachten ließ mir eine Gänsehaut über den Rücken laufen. Doch die Kutsche fuhr noch einige hundert Meter weiter und ich entdeckte eine kleine erdbeerrote Villa, wie eine im Laubwerk versteckte rote Frucht, inmitten eines Federbettes aus Olivenhainen, die wie Fischleiber glänzten. Nicolas musste meine Erleichterung bemerkt haben, denn er lächelte still in sich hinein und nickte mir mit einer leichten Bewegung des Kopfes zu. Fast verlegen fuhr er sich durch seine dunklen Locken und als die Kutsche hielt sprang er eilig hinaus und half mir beim Aussteigen.

„Wirklich vorzüglich“, sagte Onkel Victor, „ich darf annehmen, dass wir hier unser Domizil aufschlagen werden.“

„Sehr richtig, lieber Mister Lilienstein“, sagte Herr Stamatis erfreut über die Begeisterung meines Onkels, „die Ausgrabungsstelle liegt zwischen den beiden Häusern und dort“, er zeigte auf die kleine Villa, „können sie ungestört ihren Studien nachgehen, so wie sie es gewünscht haben.“

Ein paar Burschen kamen herbei geeilt und brachten unsere Koffer in die Villa. Die warme Luft war schwer vom Duft unzähliger sterbender Blüten, die die kleine erdbeerrote Villa in einen Mantel aus Wohlgeruch hüllte. Als ich die Veranda betrat konnte ich ganz in der Nähe das Meer sehen. Wäre Mister Stamatis nicht gewesen, es hätte das Paradies sein können.

…. eine hübsche Aufgabe falls du mal nicht weißt, was du schreiben sollst 🙂 . Nimm dein Lieblingsbuch, such dir eine oder zwei Handvoll Metaphern aus dem Text und schreibe deine eigene Geschichte in der du sie verwendest.

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Der Pub befand sich in einem schäbigen Viertel, in einer engen Seitenstraße. Ihr Kopfsteinpflaster glänzte vom Regen. Das Neonschild über dem Eingang mit der Aufschrift „Green Shamrock“ hatte seine besten Jahre gesehen, ebenso wie der Pub selbst. Zu der eisenbeschlagenen Eingangstür führten drei Stufen hinab und man befand sich im Souterrain eines alten verlassenen Fabrikgebäudes, dass eine Weberei beherbergt hatte. In seinen guten Jahren verschaffte sie hunderten Menschen Nahrung und Brot. Das war lange her und nur der Pub, ehemaliger Treffpunkt der Arbeiter, war übrig geblieben.

Im Schankraum war die Zeit stehen geblieben. Schwere rohe Eichentische und Stühle bildeten das Mobiliar auf ausgetretenem Ziegelboden. Die antiquarischen Hängelampen an den niedrigen Decken spendeten gelblich dumpfes Licht und gaben den schäbigen Tapeten und abgestoßenen Möbel einen gnädigen Anschein. In einer Ecke befand sich ein Podium mit einem schwarz lackierten Klavier und ein paar Stühlen für die Band.

Das Prachtstück im „Green Shamrock“ war der fünf Meter lange Tresen aus poliertem Nussbaumholz. Gedrechselte Säulen hielten einen Überbau, auf dem Malcolm der Wirt seine Schätze hortete. Elegante Flaschen mit honiggelbem Whiskey aller Altersklassen und Qualitäten, standen neben dickbauchigen Flaschen mit erdfarbenem Rum, gereift in Fässern, und schlanke konische Flaschen mit glasklarem Wodka. Daneben füllten andere Flaschen mit bunten Inhalten und großen Gläsern die Regale hinter der Bar, um neumodische Cocktails zu mixen. 

„Hallo Malcolm wie geht`s?“

Der hagere Mann im abgetragenen schwarzen Anzug tippte lässig an sein Hütchen.

„Danke Danny und selbst.“

„So lala. Habe gerade einen Hunderte beim Hunderennen verloren.

Malcolm grinste.

„Du solltest inzwischen schlauer sein mein Alter. Mach heute Abend ein gutes Spiel, dann gibt´s vielleicht ein ordentliches Trinkgeld von den Ladys.“

Er deutete mit dem Kopf auf einen Nischentisch, an dem vier luxuriös gekleidete Frauen mittleren Alters vor ihren Cocktails saßen. Nicht die Klientel, die sonst im „Green Shamrock“ verkehrte. Danny grinste anzüglich.

„Die mit den langen blonden Haaren ist ein heißes Geschoss. Erinnert mich an meine Ex.“

Malcolm wiegte den Kopf hin und her. Er kannte Dannys Ex, wildes Huhn. Hatte Dannys Klamotten aus dem vierten Stock geworfen, als sie erfuhr, dass er sie betrog. Na, ich hab ihn gewarnt, dachte Malcolm, Danny hätte vorsichtiger sein sollen.

„Was willst du trinken?“, fragte er Danny.

„Einen Doppelten zum Aufwärmen.“

Danny stieg auf das Podium. Bevor er den Deckel des Klaviers aufklappte, strich er zärtlich über das glatt lackierte Holz. Danny liebte es zu spielen. Es war das Einzige, dass er wirklich gut konnte. Er besaß echtes Talent, hatte aber nie gelernt es zu nutzen. So verbrachte er seine Wochenenden schon viele Jahre im „Green Shamrock“. Malcolm zahlte gut für den Abend. Drinks und Essen gab`s gratis und die Leute waren spendabel. Danny rückte sich den Klavierhocker zurecht und setzte sich.

„Hier Danny“, Malcolm stellte Danny den Whiskey aufs Klavier, „Slainte!“

Danny hob sein Glas, prostete Malcolm zu. „Slainte!“ dann nahm er einen kräftigen Schluck. Der goldene Alkohol floss mit einem leichten Brennen seine Kehle hinab. Danny legte die Finger sacht auf die Tasten, schloss die Augen, behutsam schlug er die ersten Tasten an, traumwandlerisch sicher. Dannys  verkniffenen Züge entspannten sich und die Wärme, die sich in seinem Körper ausbreitete tat ihm gut.

Die leise Klaviermusik nahm dem „Green Shamrock“ die nervöse Stille. Die vier Frauen, die zuvor nur wenige kurze Sätze gewechselt hatten, wurden langsam redseliger. Dazu trug mit Sicherheit auch ein extra Schuss Alkohol in den Cocktails bei. Malcolm hatte es sich zur Gewohnheit gemacht den ersten Cocktail des Abends mit mehr Destillat aufzupeppen. Das lockerte die Stimmung und führte zum nächsten Drink usw.

Emily, Beth, Sara und Paula kannten sich seit Kindertagen. Sie wohnten in einer spießigen Kleinstadt, besuchten dieselben Schulen und schrieben sich an derselben Uni ein. Jede kannte die Geheimnisse der anderen und auch als sie durch Jobs, Heirat und die Unwägbarkeiten des Lebens getrennt wurden, hielten sie ihre Verbindung aufrecht. Alle drei Monate trafen sie sich zum Plausch. Das Treffen im „Green Shamrock“ hatte nichts mit einem Schwätzchen unter Freunden zu tun. Es ging um eine ernste heikele Angelegenheit. Erpressung.

„Zeig mal deinen Brief.“

Beth nestelte nervös an ihrer langen Goldkette herum.

„Nein, bitte Sara! Das Ganze ist so peinlich, dafür gibt`s keine Worte. Du weißt doch was drin steht.“

Sara lachte gekünstelt.

„Schon. Aber ich will sicher sein, dass es wirklich derselbe Mann ist.“

Emily zog einen braunen Umschlag aus ihrer Coco Chanel Tasche.

„Er ist es!“, unwirsch zerrte sie das Foto aus dem Umschlag, „Hier! Das Tattoo. Meinst du es gibt viele Kerle mit einem chinesischen Drachen quer über den Rücken?“

Sara schüttelte den Kopf. Gebannt betrachtete sie das Foto, dass Emily und Jack, falls das sein richtiger Name war, in einer mehr als eindeutigen Pose zeigte. Ihr Foto sah beinahe identisch aus. Selber Mann, andere Frau. Sie dachte an die Nacht mit ihm und ein Schauer lief ihr über den Rücken, zog sich bis hinauf in ihren Nacken. Sara fühlte wieder die kühle Seide auf ihrer Haut, den Duft von Moschus und Liebessäften, das Prickeln des Champagners in ihrer Kehle. Jack war ein Gauner, ein Betrüger, ein Verbrecher – Abschaum. Es gab keine Bezeichnung die schlimm genug für ihn war, und doch hatte Sara mit diesem Kerl die beste aller Nächte verbracht. Sein muskulöser Körper wurde höchstens von Michelangelos David übertroffen und nicht nur das. Er war ein Liebhaber, wie sie vorher keinen gekannt hatte. Sie zweifelte ernsthaft daran, dass sie jemals wieder solchen Wahnsinnssex haben würde. Möglicherweise lag es an dem Reiz verruchten Reiz des Verbotenen, ein One-Night-Stand während einer Geschäftsreise. Aber Sara wusste, dass dies allein nicht gereichte, um sie zu beeindrucken. Tatsächlich beherrschte der Mistkerl das Spiel, als hätte er es erfunden. Jack kannte alle Tricks. Seine Finger waren Zauberstäbe, von seinem makellosen Schwanz ganz zu schweigen. Und was er mit seiner Zunge machte! Sara errötete bis unter die Haarspitzen, dankbar für das schummrige Licht, dass solche Peinlichkeiten kaschierte. Der Haken an der Sache war, Jack wollte sich für das Erlebnis der Extraklasse bezahlen lassen. Vierfach. Wie sich herausstellte trieb Jack in vielen Betten sein Unwesen. Saras Vermutung nach, waren sie nur die Spitze des Eisberges.

„Scheiße! Wir müssen was tun und zwar bevor er die Fotos an unsere Männer schickte. Tom schmeißt mich hochkant raus wenn er mitkriegt, dass ich ihn betrogen habe.“

Die Freundinnen sahen Paula irritiert an. Noch nie hatten sie Paula fluchen gehört.

Ich überlege noch, was ich mit Jack anstelle *g*, aber es sollte ihm schon etwas wehtun 😉 .

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Verdammt! Jetzt klemmt dieses blöde Ding auch noch, dachte ich, warum habe ich mich bloß von Sarina dazu überreden lassen, mir so ein teures Dessous zu kaufen.

„Dein Mann wird verrückt, wenn er dich in dem Teil sieht!“ sagte sie und kicherte.

120 Euro kostete allein die Korsage, ganz zu schweigen von den roten High Heels mit dem trendigen Metallabsatz.

„Luxus pur!“, pries die Verkäuferin das gute Stück und lächelte vielsagend.

Und ich? Ich dumme Kuh glaubte wirklich, dass Marten hin und weg wäre, wenn ich ihn nach der Arbeit in dem knappen Spitzenteilchen empfinge. Ich hätte es besser wissen müssen.

Aufgerüscht mit sündiger Korsage, halterlosen Strümpfen, String und den neuen roten High Heels stand ich im Türrahmen. Sogar Make-up hatte ich aufgelegt und die Nägel lackiert. Die Kosmetiktante war der Ansicht ich wäre der Knaller. Aus dem Radio dröhnte „Sexbomb“ von Tom Jones. Das hatte ihr wohl die Sinne vernebelt. Marten befand nämlich nur gehässig:

„Na, wieso hast du dir denn Kriegsbemalung aufgelegt?“

 „Um dich zu überraschen“, antwortete ich unsicher.

„Bei dir kann mich nichts mehr überraschen. – Und ehrlich, der Nuttenfummel macht’s auch nicht gerade besser.“

Genauso gut hätte er mich ohrfeigen können.

„Warum bist du so gemein? Ich dachte, du magst solche Sachen?“

„Ja schon. Aber du hast nicht die Figur für so ein Teil. Du siehst aus wie die Wurst in der Pelle.“

Ich drehte mich um, rannte ins Schlafzimmer und wollte dieses unbequeme Ding ausziehen, aber die Haken öffneten sich nicht. Tränen liefen mir über die Wangen. Ich schnappte mir meine Stoffschere und schnitt es auf. Endlich fiel es von mir ab. Die Tür ging auf.

„Ach ja und noch was – schmeiß mein Geld das nächste Mal nicht mehr für solche unnütze Klamotten raus. Dafür geh ich nicht arbeiten.“ Er drehte sich um und murmelte, „`ne Augenweide ist was anderes. Von dem toten Gaul hätte ich schon längst absteigen sollen.“

Mit Genuss stieß er mir das Messer ins Herz und drehte es auch noch um. Ich zog meine High Heels aus und folgte ihm in die Küche.

Marten hatte sich ein Bier aus dem Kühlschrank genommen und suchte nach dem Flaschenöffner. Der lag an derselben Stelle, wie seit 20 Jahren. Marten fand ihn nicht. Er drehte sich um.

„Wo ist der Scheißöffner?“, herrschte er mich an.

Ich hob den Schuh und schlug mit aller Kraft zu. Der metallverzierte Absatz blieb direkt zwischen seinen weit aufgerissenen Augen stecken. Wie in Zeitlupe sackte er zusammen. Die Bierflasche rollte über die Fliesen, bis sie vor dem Geschirrspüler liegen blieb. Ich hob sie auf, öffnete sie und nahm einen großen Schluck.

„Fragt sich, wer wohl von dem toten Gaul gestiegen ist“, sagte ich laut.

Marten antwortete nicht, rührte sich nicht, starrte nur auf einen imaginären Punkt. Ich ging zurück ins Schlafzimmer und zog mich an.

Es traf sich gut, dass Marten angefangen hatte, das Loch für den Pool zu graben, den ich nicht haben wollte. Bis zum Dunkelwerden dauerte es noch circa zwei Stunden. Eine gute Gelegenheit die High Heels wieder in den Schuhladen zu bringen. Zum Glück hatte ich den Kassenbon nicht weggeworfen. Sollte eine andere Frau ihren Spaß mit ihnen haben, ich hatte meinen.

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