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Archive for Mai 2019

Gestern habe ich für meine „Schreiberlebentipps“ einen Artikel geschrieben (erscheint in den nächsten Tagen) in dem es um das „Ideen finden“ geht. Wie die meisten von uns wissen und erfahren haben, küssen einen die Musen meistens sehr überraschend. Meine sind besonders während (längerer) Autofahrten sehr aktiv. So geschehen gestern abend.

Ich fuhr über die Bundesstraße zur Kinderbetreuung. Auf den Brücken, die an einigen Stellen über die Straße führen sind großteils Graffitis zu sehen. Mein Scheinwerfer erfasste an einem Brückenpfeiler das Wort: Kobold. Es war in großen Buchstaben geschrieben und farbig ausgemalt.

Sofort baute sich in meinem Kopf eine Szene zusammen. Zwei Kinder, etwa 13 bis 14 Jahre, die im Dunkeln unterwegs sind (Grund wäre noch zu überlegen). Sie kommen an einer alten, gemauerten Brücke vorbei (ich hätte da schon eine Idee 😉 ) und das Mädchen sieht das Wort Kobold. Was sie nicht weiß ist, nur sie erkennt die Zeichen, die in einer alten Sprache geschrieben wurden.

Hier ist meine kleine Koboldszene:

„Hier gibt es Kobolde“, flüsterte Luna.

„Woher weißt du das?“, Roman sah sich um, doch die Dunkelheit war nicht zu durchdringen, „ich kann nichts entdecken.“

„Es steht dort am Brückenpfeiler.“

Luna richtete den Strahl ihrer Taschenlampe auf das verwitterte Mauerwerk der alten Eisenbahnbrücke. Die verschlungenen Buchstaben leuchteten erneut auf.

„Sorry, ich sehe gar nichts.“ Roman versuchte das mulmige Gefühl abzuschütteln. „Du willst mir nur Angst machen. Aber das schaffst du nicht.“

„Quatsch. Wie so sollte ich dir Angst machen wollen?“ Luna sah die Buchstaben auf dem Mauerwerk so plastisch vor sich, als wären sie in Reliefs hervorgehoben. So etwas hatte sie schon einmal im Museum gesehen. „Ich schwöre dir, es steht da auf der Mauer.“

„Glaubst du etwa, dass es Kobolde gibt?“ Romans Stimme klang ungläubig. Was ihr nur wieder einfällt, dachte er genervt, ständig hat sie so merkwürdige Ideen.

„Keine Ahnung.“ Luna überlegte kurz. „Wenn du mir sagst, warum es keine geben sollte, dann vielleicht glaub ich nicht daran.“

„Ich kann dir tausend Gründe aufzählen“, erwiderte Roman hastig und überlegte fieberhaft, was er sagen könnte, „der erste wäre, dass du vierzehn Jahre alt bist und nicht mehr vier. Du solltest den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Märchen erkennen.“

„Und du bist fast fünfzehn und solltest wissen, dass es mehr gibt, zwischen Himmel und Erde, als nur die sichtbaren Dinge.“

„Hast du etwa schon einen Kobold gesehen?“ Roman ärgerte sich, dass er so überrascht klang.

„Nein, nur darüber gehört. Und es war furchteinflössend, das kannst du mir glauben.“

Luna zupfte Roman am Ärmel. Der zuckte erschrocken zusammen. Eine Gänsehaut zog sich über seinen Schultern und er schüttelte sich.

„Mensch, Luna, ich krieg noch einen Infarkt!“ Seine erhobene Stimme echote unter dem hohen Bogen der Brücke

„Sei nicht so laut. Nachher können sie uns hören.“ Luna war sauer. „Deinetwegen finden sie uns noch. Komm, lass uns weitergehen.“

„Ach, die bestimmt nicht. Sonst wären sie schon hier. Die sind bestimmt in die andere Richtung gelaufen.“

„Oder auch nicht“, hörten die beiden eine höhnische Stimme.

Sie fuhren herum und wurden von einem gleißenden Lichtstrahl geblendet.

Fortsetzung folgt…

 

Nacharbeit:

Nun ist diese Szene ein junges Pflänzchen. Es gibt da noch eine Menge zu klären.

  • Wer sind Luna und Roman? Welchen Charakter/Geschichte und welche Motivation haben sie?
  • Wo genau befinden sie sich und warum?
  • Wer sind „sie“ die Verfolger? Ihr Charakter, ihre Motivation usw.
  • Was ist mit den Kobolden? Gibt es sie und wie sehen sie aus? Es müssen ja keine klassischen Kobolde sein.
  • Aus dieser Überlegung ergibt sich die Frage, in welchem Setting befinden wir uns? Es könnte Jetztzeit sein, Distopie Fantastic, Horror…
  • Worauf läuft das Ganze hinaus?

 

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Eine Freundin fragte mich, ob sie mir einige Ausgaben der TEXTART „vererben“ darf. Natürlich hab ich mit Freude Ja gesagt. In der Ausgabe 3/2016 stieß ich auf einen tollen Artikel über:

„Schreiben a la John Irving – ein Blick in seine Autorenwerkstatt“

Aus diesem Artikel habe ich 11 Punkte herausgeschrieben, die ich als sehr motivierend betrachte. Besonders Punkt 4 und 10 haben es mir angetan. Ich hoffe, auch für euch ist der ein oder andere Punkt dabei, der euch anspornt.

  1. Schreib über das, was du kennst. (John Irving schrieb z.B. über einen Autor) Oder recherchiere gut.
  2. Die meisten Schriftsteller haben bestimmte Themen, die sie in ihren Werken umkreisen.
  3. Von hinten nach vorne. Zitat: „Ich brauche das Ende um anfangen zu können. Wenn du den Standpunkt und den Ton des Endes hast, dann geht es dir wie mit dem Rafrain eines guten Songs: Du bewegst dich darauf zu…das gibt dir Selbstvertrauen.“
  4. Gut Ding will Weile haben. Die Idee für „Twistet River“ trug John Irving viele Jahre mit sich herum. Seine Romane entwickeln sich teilweise über einige Jahre hinweg.
  5. Die Muse küsst einen oft sehr überraschend. John Irving fiel der letzte Satz zu „Twistet River“ ein, als er den Song „Tangled Up in Blue“ im Autoradio hörte (er war das Motto der Geschichte).
  6. Immer Papier und Stift dabei haben. John Irving rannte in die Arztpraxis  (zu der er siehe 5 unterwegs war), bat um einen Rezeptblock und notierte den Satz. Ebenso ist sein Fitnessraum ist mit Klemmbrettern, Papier und Stiften ausgestattet.
  7. In Medias res – „mitten in die Dinge(Geschichte)“ hinein springen macht sie lebendig.
  8. Bewegung! Gleicht die vielen am Schreibtisch verbrachten Stunden aus.
  9. Ein Hoch der Überarbeitung! Zitat aus Irvings Buch: „Ich steh auf Schreiben, nicht auf Überarbeiten“, hatte Drake zu Danny gesagt. „Mir gefällt nur das Kreative daran.“ – „Aber Überarbeiten ist Schreiben„, hatte Danny dem jungen Mann entgegnet. „Manchmal ist die Überarbeitung das Kreativste daran.“
  10. Vorbilder motivieren. John Irving las Charles Dickens Roman „Große Erwartungen“ und wünschte, er hätte ihn geschrieben. Er wollte die Leser so bewegen, wie ihn dieser Roman bewegt hatte.
  11. Ein (umfangreiches) Werk kann nur mit Beständigkeit gedeihen. Zitat aus Irvings Buch: Danny schrieb täglich bis zum frühen Nachmittag, die wenigen verbleibenden Stunden Tageslicht wollte er für seine Hausaufgaben nutzen.

Nicht alles ist für alle praktikabel, aber vielleicht ist das eine oder andere dabei, dass euch inspiriert. Mir zeigt es vor allem eins, ich muss nicht hektisch werden, wenn ich etwas länger für einen Roman brauche. Wichtiger ist, dass es mir ernst mit dem Schreiben ist und ich das beste schreibe, was ich kann.

Viel Spaß euch allen!

Eure Caroline

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… wenn ich wenigstens eine Blockade hätte! Nein, ich habe so viel im Kopf, tausend Ideen und keine Zeit.

Ich habe eine Zeitblockade. Doch woher nehmen? Ich stehe um sechs auf, um vor der Arbeit an meinem Manuskript zu arbeiten, zwischendurch überarbeite ich noch ein größeres Märchen. Und wenn ich könnte, dann würde ich am liebsten mit meinem neuen Roman beginnen – für den ich recherchiere und Notizen mache.

Raymond Chandler schrieb:

„Wichtig ist vor allem eins: der Berufsschriftsteller sollte einen bestimmten Zeitraum haben, sagen wir mindestens vier Stunden am Tag, wo er nichts anderes tut als schreiben. Er muss nicht unbedingt schreiben, und wenn ihm nicht danach ist, dann sollte er`s auch nicht versuchen. Er kann aus dem Fenster schauen oder einen Kopfstand machen oder sich auf dem Fußboden schlängeln, aber er soll nichts anderes tun, soll nicht lesen, Briefe schreiben, in Zeitschriften blättern oder Schecks ausfüllen. Entweder schreiben oder gar nichts.“

Ich will das auch!!!

Gut, nicht unbedingt Kopfstand machen oder auf dem Boden schlängeln, wobei das bei mir vielleicht auch nicht wirklich ästhetisch aussieht 🙂 , aber auf meinem Trampolin hüpfen und um den Tisch tanzen wäre eine nette Nebenbeschäftigung.

Es würde mir auf jeden Fall sehr gefallen mindestens vier Stunden am Tag Zeit zu haben, um zu schreiben und sonst gar nichts. Und ganz ohne schlechtes Gewissen!

Leider bin ich keine Berufsschriftstellerin und muss für meine Brötchen noch außerhalb meines Schreibplatzes arbeiten. So ist die Zeit sehr knapp bemessen und fehlt an allen Ecken und Enden.

Aber ein bisschen träumen schadet nicht. Ich kann mir ja schon mal vorstellen, wie es wäre wenn ….

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Letzten Samstag traf sich unsere Schreibgruppe endlich wieder zum heiß ersehnten Schreibnachmittag. Aus Krankheitsgründen war die Gruppe etwas dezimiert, hatte aber nicht weniger Spaß beim Schreiben.

Jeder zog ein Blatt mit einem Einstiegssatz und fügte einen zweiten Satz an. Dann wurden die Zettel einmal in der Runde herumgereicht und jeder schrieb einen weiteren Satz. Am Ende hielt jeder einen Absatz in den Händen und konnte ihn nutzen um die Geschichte weiterzuschreiben. Getreu dem Motto: Themaverfehlen erlaubt und erwünscht.

Mein Text begann mit folgendem Satz:

„Einige Mitglieder dieser altehrwürdigen Familie sind nicht gerade vom Glück gesegnet.“

Daraus wurde:

Das Jahr ohne Sommer

„Einige Mitglieder dieser altehrwürdigen Familie sind nicht gerade mit Glück gesegnet“, Lord Georg Gordon Byron löste den Knoten seines Halstuchs.

„Wie kommst du denn drauf?“, Mary Godwin erhob sich und goss der kleinen Gesellschaft Tee nach.

Georg zog eine Augenbraue hoch und sah zu, wie einige Tropfen des Earl Grey auf die Untertasse schwappten.

„Was soll ich dazu sagen?“, fragte er ironisch, „es hat mit früheren Geschehnissen zu tun, die alles andere als erfreulich waren.“

Mit diesen Worten deutete er auf das überlebensgroße Porträt Lord F`s, gemalt von einem Künstler aus dem 17. Jahrhundert, das über dem Kamin wie ein Menetekel aus der Vergangenheit hing.

„Ich bitte dich, Georgy, erschreck die Damen nicht!“, Percy Shelly lachte, „ich glaube, du wirst langsam trübsinnig. Schon zu lange hält sich das schlechte Wetter und hält uns untätig im Haus fest.“

Clara Clairmont, Marys Stiefschwester betrat den Salon.

„Wer hält uns untätig im Haus fest?“, fragte sie und setzte sich neben Lord Byron.

Er nahm ihre Hand, küsste sie und lächelte spöttisch.

„Nicht wer, meine Liebste, sondern was?“

„Georgy, du machst dich über mich lustig“, sagte sie in schmollendem Tonfall, „du weißt, dass gefällt mir gar nicht.“

Mary und Percy warfen sich einen verschwörerischen Blick zu. Die Romanze der beiden war im Grunde genommen von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Clara war eine Schönheit, aber ihr Intellekt war Lord Byron nicht gewachsen.

John Polidori, der bis dahin schweigend zugehört hatte, erhob sich, ging zum Kamin und streckte die Hände dem Feuer entgegen.

„Bei diesem Wetter bleibt einem nichts anderes übrig, als trübsinnig zu werden“, sagte er mehr zu sich, als zu den anderen, „und dass ist meine Meinung als Arzt.“

„Und was hast du für ein Gegenmittel?“, Percy war ebenfalls aufgestanden und schlug dem Freund aufmunternd auf die Schulter.

„Johanniskraut könnte helfen“, knurrte John, „aber am schlimmsten ist deine unerschöpfliche gute Laune. Sie macht uns anderen nur zu deutlich, wie griesgrämig wir sind.“

„Ich bin nichts dergleichen“, sagte Claire mit glockenheller Stimme und schüttelte den Kopf, dass die blonden Locken nur so herum wirbelten. Ihr Blick richtete sich auf Mary. „Welches Thema hat euch denn in derart düstere Stimmung versetzt?“

Mary strich ihr Kleid glatt, setzte sich elegant in einen Sessel und nahm ihre Teetasse auf.

„Seine Lordschaft hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass die Herren dieses Schlosses unglücklichen Umständen ausgeliefert waren.“ Sie nahm einen Schluck Tee und fuhr fort, „ein Umstand, der für die Masse der Menschen gilt.“ Mary sah Georg Byron mit herausforderndem Blick an. „Vielleicht lässt du uns an deinem Wissen teilhaben, damit wir selbst entscheiden können, wie schrecklich ihre Vergangenheit wirklich war.“

Lord Byron schenkte der Geliebten seines Dichterfreundes ein unergründliches Lächeln. Er begehrte sie, doch trotz seines Rufes, als Lebemann und Weiberheld, hielt er sich davon zurück um Mary zu werben. Noch, dachte er, irgendwann wird sie gelangweilt sein, dann schlägt meine Stunde.

„Ja, bitte Georgy“, Claire klatschte aufgeregt in die Hände, dann griff sie nach seinem Arm, „erzähl uns eine Geschichte.“

Sie ist wie ein Kind, dachte George Byron und unterdrückte ein Seufzen, schön, aber so naiv. Als hätte die Natur nur eine Gabe zu vergeben, entweder Schönheit oder Klugheit. Erneut schweifte sein Blick in Marys Richtung. Was könnte Claire sein, wenn sie Marys Klugheit besäße, ging es ihm durch den Kopf.

Er schüttelte Claires Hand ab, erhob sich und trat in die Mitte des Zimmers. George Byron wusste um seine körperliche Präsenz und den Eindruck, den er auf die Damen machte. Der teure Anzug, saß perfekt, die dunkelbraunen Locken umrahmten ein gefälliges Gesicht, das von funkelnden Augen und einem sinnlichen Mund dominiert wurde. Ich werde Mary beeindrucken, dachte er. Langsam drehte er sich einmal um die eigene Achse und bedachte seine Freunde mit einer Miene, die ihnen bedeuten sollte, dass eine aufregende Geschichte darauf wartete, das Licht der Welt zu erblicken. Ich tue es für Mary, er nickte ihr unmerklich zu, sie wird mich lieben, weil sie nicht anders kann.

„Mach es nicht so spannend, Georgy“, Percy trat zu seinem Freund und legte ihm die Hand auf die Schulter, „wir wissen, dass du ein gutaussehender Bursche bist.“

Dann setzte er sich neben Mary und griff demonstrativ nach ihrer Hand und hauchte einen Kuss auf den Handrücken. Georg verkniff sich einen spitzen Kommentar, er wandte sich dem Porträt Lord Fontleroys zu und machte eine ausladende Geste.

„Lord Angus F. lebte im Jahre 1705 bis 1742“, begann er …

 

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