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Archive for September 2018

Das kann außerordentlich entspannend und motivierend sein: ein anregender Nachmittag mit der Schreibgruppe! Gestern war es endlich wieder soweit. Es sind sechs schöne, melancholische, spannende, kriminelle, mysteriöse, lustige Texte entstanden. Hier mein Text.

Ich hatte die Worte: Lupe, düster, Herrenhaus, junge Dame, Nebel zur Verfügung. Es sind Assoziationen zu dem Gegenstand, den ich aus einer ‚Schatztruhe‘ gezogen habe: einem Monokel.

Jasmin starrte aus dem Fenster. Nebel lag über den Feldern und hüllte das stattliche Herrenhaus in einen feuchten, weißgrauen Mantel. In dem offenen Kamin knisterte ein Feuer, doch seine Wärme erreichte die junge Dame nicht. Jasmin fröstelte und zog die Strickjacke enger um die schmalen Schultern. In diesem alten Haus schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Tante Polly brütete über einer Stickarbeit. Das zierliche Monokel hielt sie ihm linken Auge, was ihrer Miene einen merkwürdig schiefen Zug verlieh. Onkel Anthony saß versteckt hinter einer Zeitung, nur ab und zu kroch ein Wölkchen hinter ihr hervor, das von seiner Pfeife rührte.

Jasmin langweilte sich unendlich. Ihre Mutter hatte sie zur Strafe in diese Einöde verbannt, weil sie von einer der Erzieherinnen im Internat dabei erwischt worden war, wie sie nachts durch ein Fenster hinauskletterte, um zu einem verbotenen Tanzvergnügen zu gehen. Nun hat sich William bestimmt mit dieser dummen Sally getröstet, dachte sie halb wütend, halb traurig.

„Liebes, kannst du mir bitte einmal die Lupe aus dem Arbeitszimmer holen?“, sagte Onkel Anthony mit seiner tiefen Stimme.

Jasmin zuckte zusammen. Sie fühlte sich ertappt und errötete. In ihrer Vorstellung, beugte sich William zu ihr herunter, sah ihr tief in die Augen und war kurz davor sie zu küssen.  „Natürlich, Onkel.“ Erwiderte Jasmin und eilte hinaus.

„Wozu brauchst du deine Lupe?“ Polly sah auf. Das Monokel fiel ihr aus dem Auge und baumelte an der kleinen Kette mit den lila Blüten über ihrem üppigen Busen. „So düster finde ich es heute nicht.“

Anthony senkte die Times und sah seine Frau irritiert an. Er schien sie während des Lesens völlig vergessen zu haben.

„Wir können John bitten die Lampen anzuzünden.“ Fuhr Polly fort, als er nicht antwortete.

„Nein, ist schon gut. Daran liegt es nicht, aber die Schrift dieser Anzeige ist auch wirklich sehr klein.“ Wehrte Anthony ab. Er stellte die Pfeife in den dafür vorgesehenen Holzständer.

Polly runzelte die Stirn. Ehe sie fragen konnte, um was für eine Annonce es sich handelte, erschien Jasmin und brachte ihrem Onkel das Vergrößerungsglas.

„Danke Kind.“ Sagte er und hielt die Lupe über den Anzeigenteil.

Neugierig beugte Jasmin sich über seine Schulter um einen Blick auf die geheimnisvolle Annonce zu werfen.

„Suche Bernstein, Tennisballgroß mit Einschlüssen, und Meteoritengestein, silberfarbig, ebenso groß, zahle Höchstpreise. Bitte schreiben sie unter Chiffre.“

Die Zahlen der Chiffre konnte Jasmin nicht erkennen. Doch sie wusste, wo sich die gesuchten Dinge befanden. Zu oft war sie in den letzten Wochen daran vorbei gelaufen. Es war eine der großen Vitrinen mit den kuriosesten Exponaten, die man sich denken konnte. In diesem privaten Museum befanden sich die gewünschten Kostbarkeiten.

Onkel Anthony atmete schwer. Sein Gesicht hatte die fahle Farbe des Nebels angenommen.

„Das ist unmöglich.“ Keuchte er. „Unmöglich.“

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In den letzten Wochen las ich immer öfter den Satz, den mir Ted Williams mit auf den Weg gegeben hat und der als Motivation an meiner Pinnwand hängt: Viel Glück und schreib weiter! Lächerliche fünf Worte und doch bedeuten sie viel mehr, als nur eine Ermunterung, dass Schreiben nicht aufzugeben.

In letzter Zeit habe ich verstärkt den Eindruck ich schwimme gegen den Strom. Ich kann mich nicht besonders gut selbstdarstellen, mit ständigen Selfies oder den neusten Erfolgsmeldungen, wie viele Wörter ich denn heute wieder geschafft habe. Mein Genie, in Bezug auf Eigenwerbung, hört nach dem Post eines neuen Buches auf und ein Markenzeichen besitze ich auch nicht.

Sorry, ihr schönen Glitzerschuhe, aber ich hasse es, meine Füße für zu martern und bin wieder bei meinen bequemen Turnschuhen gelandet.

Zum Schreiben eines Romans gehört `ne Menge Disziplin und auch Verzicht, keine Frage! Die letzten Monate habe ich jede freie Minute damit zugebracht den ersten Roman einer Reihe fertig zu schreiben. Schreiben aus Spaß, wie ich es früher oft getan habe, ist dabei völlig hinten runtergefallen. Obwohl ich mit meinem Roman schon sehr zufrieden bin und mich freue, dass er auf eine beträchtliche Größe angewachsen ist. Auch wenn er anders als geplant, noch nicht fertig auf dem Tisch liegt.

Ich will es nicht auf die Hitze schieben, auch wenn sie ihren Teil dazu beigetragen hat, mein Hirn weichzukochen, doch irgendwann zwischen meinen Jobs, Familie, einem üblen Ischiasleiden und meinem Roman – war Ende! Ich will das nicht Burnout nennen, der Begriff wird viel zu häufig benutzt, um Erschöpfung zu beschreiben. Ich nenne das Ganze: platt. Ich war platt! Innen und außen. Der Kopf fand keine Ruhe, war voller Gedanken, konnte aber keinen bis zum Ende denken. Mein Körper wollte ständig Schlaf und konnte keinen finden. Es ist erschreckend total erschöpft zu sein, unbedingt schlafen zu wollen und nicht zu können.

Während also allenthalben Erfolgsmeldungen von außen zu hören waren, habe ich die Notbremse gezogen. (Ich habe wahrscheinlich nur die Erfolge gesehen, weil ich dachte, mein Roman sollte ebenfalls fertig sein. Wobei ich argwöhne, dass auch niemand schreibt, ich habe es nicht geschafft.)

Also habe ich die bequemen Turnschuhe angezogen und bin gegangen. Netterweise hat mich mein Mann auf einige Wegen begleitet, und liebe Freundinnen haben mir ihre Ohren geliehen, bis sich wieder eine gewisse Ordnung eingependelt hat. Manchmal muss man sich eben neu sortieren, andere Prioritäten setzen, um den Spaß an der Sache nicht zu verlieren. Inzwischen macht das Schreiben wieder Spaß und ich bin zuversichtlich, dass ich bald – Ende – unter den Roman schreiben kann.

Dabei begleiten mich Teds Worte nicht einfach als Motivation zum Schreiben, ich sehe sie als Ermunterung „mein Ding durchzuziehen“ – in meinem Rhythmus. Nicht für einen „Markt“ zu schreiben, sondern die beste Geschichte zu entwickeln, die ich schreiben kann. Dann wird am Ende alles gut.

 

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