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Archive for Dezember 2017

Da steht: Eintritt verboten!“

Ich hielt Dean am Arm fest.

„Ich betrachte solche Schilder als gutgemeinte Vorschläge.“, sagte er lässig und zog die Waffe.

Ehe ich reagieren konnte, trat er gegen die Tür. Das morsche Holz zersplitterte unter der Wucht des Tritts. Das Krachen hallte durch die unterirdischen Gänge und war mit Sicherheit im ganzen Gemäuer zu hören.

„Dean“, zischte ich, „was soll das! Du hättest uns gleich mit Megaphone ankündigen können!“

„Ich bitte dich“, sagte er sarkastisch, „als ob die noch nicht gemerkt hätten, dass wir da sind.“

„Und wenn schon. Es ist echt unnötig, dass wir uns auf ihr Silbertablett schmeißen.“

Dean lachte und die Grübchen auf seinem Kinn faszinierten mich ein weiteres Mal. Der Kerl war lebensmüde, aber hinreißend.

„Eins ist jedenfalls klar, sie nehmen uns nicht ernst, sonst hätten sie uns nicht so weit kommen lassen.“

Wie um seine Überlegung zu bestätigen, hörten wir eine spöttische Stimme hinter uns.

„Wir haben euch früher erwartet. Was hat euch aufgehalten?“

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„Ich bin glücklich“, sagte er nachdrücklich.

Sein strahlendes offenes Lächeln, das mein Herz jedes Mal höherschlagen ließ, schmolz zu einem pragmatischen Geschäftsgrinsen zusammen. Es erreichte seine Augen nicht ansatzweise.

Ich sah ihn aufmerksam an. Seine ganze Haltung deutete Spannung an. Die Lippen leicht gepresst, die schlanken Finger ineinander verschlungen.

„Ich bin glücklich“, widerholte er.

Es klang trotzig.

Ich überlegte, was ich darauf sagen sollte. Die beiden zusammenzusehen hatte mir einen Stich versetzt. Ich versteckte es. Wer war ich, dass ich ihm sagen durfte, was ich sah? Ich kannte ihn und kannte ihn nicht, aber ich spürte die Spannung und das Machtgefälle zwischen den beiden, dass nicht zu seinen Gunsten ausfiel.

Eine Erfahrung, die ich nur allzu gut kannte. Hatte ich mich in meiner Ehe nicht ebenfalls oft genug angepasst, um den Frieden zu wahren und nicht aufs Spiel zu setzen, was ich als mein Leben oder meine Zukunft betrachtete? Ich wusste nur zu gut, wie es sich anfühlte, wenn aus Liebe Nett sein, aus Leidenschaft Gewohnheit wurde, gepaart mit Bequemlichkeit und der Sicherheit eines goldenen Käfigs.

Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach, hörte ich den Satz, den mir meine Mutter immer wieder vorgebetet hatte und erkannte erst spät, dass ich selbst lieber Taube, als Spatz sein wollte.

Ich fing seinen dunklen Blick auf, der mir unter anderen Umständen eine Gänsehaut über den Körper gejagt hätte.

„Sag mir was du denkst!“, forderte er mich auf.

Vermutlich sah er die Gedanken auf meiner Stirn geschrieben, wie dunkle Wolken, die Vorboten eines Gewitters.

Ich zuckte mit den Schultern.

„Was soll ich dir sagen? Du sagst, du bist glücklich.“

„Aber du glaubst mir nicht.“

Es war eine Feststellung, keine Frage. Ich schwieg. Wie konnte ich das ernstlich glauben? Seine Küsse, seine Berührungen, das, was er mir anvertraut hatte – er und ich – es kam mir vor, als hätte es niemals jemand anderen gegeben – nur er und ich. Aber ich war meiner selbst nicht sicher. Liebe ist ein Januskopf. Man sieht was man sehen möchte und das Herz sagte mir, du liebst ihn, du hältst es aus, auch wenn er gebunden ist und du ihn niemals für dich haben kannst – und dann…?

„Ich werde nicht an deinem Kartenhaus rütteln“, sagte ich ruhig, „aber ich glaube dir nicht, das ist wahr.“

An seinem Blick konnte ich erkennen, dass er ärgerlich war. Es erstaunte mich immer wieder, wie gut wir uns lesen konnten. Obwohl wir so wenig übereinander wussten, war da ein geheimes Verständnis, dass uns ein Gespür für die Stimmungen des anderen gab.

„Dann kannst du mir auch sagen, wie du darauf kommst!“, seine Stimme klang gereizt, „glaubst du, ich lüge dich an?“

„Nein. Es ist keine Lüge, sondern dass, was du glauben willst“, ich hielt inne. Einfach den Mund halten, ermahnte ich mich und dachte, würdest du dir die Wahrheit eingestehen, könntest du so nicht mehr leben. Die Sehnsucht nach der Welt hinter dem Horizont würde dich auffressen und das Gefühl machte einen kaputt. „Ich habe wirklich genug gesagt. Du willst kämpfen, dann tu es. Du bist glücklich. Gut.“

„Was hast du dagegen einzuwenden?“, fragte er und beugte sich etwas vor.

Mein Herz schlug schneller. Wenn er mir so nah war, fiel er mir schwer klar zu denken. Sein Duft benebelte mir das Hirn und ich wollte nur eins, mit ihm ins Bett gehen und jedes Tabu brechen.

„Wenn man um eine Beziehung kämpfen muss, läuft was schief“, rutschte es mir heraus.

Verdammt! Sei endlich still, schalt ich mich.

„Aber sie ist nett!“, warf er dazwischen.

Ich atmete tief durch. Ja, nett, dachte ich, aber Liebe? Liebe ist nicht nett. Liebe ist alles. Konnte er wirklich lieben? War ich es, die mehr in ihm sah, als da war? Konnte er eine einzige Frau lieben, leidenschaftlich, mit Haut und Haar. Konnte er eine Frau entdecken, ihre Höhen und Tiefen erforschen, ohne oberflächlich verliebt zu sein und gleich zur nächsten verführerisch winkenden Blüte zu gaukeln, wie ein betrunkener Schmetterling in der Sommersonne, geblendet und unfähig die Schönheit einer tiefen innigen Liebe zu erkennen, die freiwillig gab und den anderen so nahm, wie er wahr und dadurch ein Universum an Leidenschaft öffnen konnte?

Ich gab mir einen Ruck und lächelte.

„Ja, sie ist nett“, sagte ich, aber sie behandelt dich, wie einen ungezogenen Jungen, der sich zu weit von der schützenden Mutter entfernt hat und dem sie die Leviten lesen muss, damit er wieder in der vorgegebenen Spur geht. In meiner Fantasie hatte sie ihm ein Gängelband angelegt, an dem sie ihn jederzeit zurückzerren konnte.

Andererseits, das eine bedingte das andere. Zu einer Beziehung gehören zwei, einer, der es tut und einer, der es geschehen lässt. Eine Erkenntnis, die ich gerade erst selbst gemacht hatte. Und ich war diejenige, die es mit sich machen ließ. Deswegen verstand ich es so gut, wenn er von Freiheit sprach.

Wer war ich, dass ich vorwegnehmen durfte, was er vielleicht irgendwann erkennen würde? Und wenn er es nie erkannte, dann war es auch nicht an mir, die Karte aus dem Stapel zu ziehen. Es lag in seiner Verantwortung seine Verstrickungen zu erkennen und wenn er die Fesseln nicht abwerfen wollte, war dies ebenfalls seine Entscheidung. Egal, wie sehr ich ihn liebte, es war nicht mein Leben, es war seins.

„Ja, sie ist nett. Wir haben uns was aufgebaut, das will ich nicht verlieren“, wiederholte er sein Argument.

Ich nickte. Wer weiß, was morgen ist, dachte ich, Carpe diem, lagen mir die Worte auf der Zunge. Ich schluckte sie herunter.

“Sei glücklich”, sagte ich, beugte mich zu ihm herunter und küsste ihn sanft auf den Mund. Ich liebe dich, mehr als du je wissen wirst, dachte ich und sagte, „Ich werde dein Kartenhaus nicht stürzen.“

Erstaunt sah er mich an. Ich wendete mich ab und ging schnellen Schrittes davon. Meine Tränen sollte er nicht sehen.

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Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt…

R.M.Rilke

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Das folgende Gedicht, liegt nun seit Tagen auf meinem Schreibtisch. Wenn ich es lese sehe ich mich in eine laue Sommernacht versetzt. Leider fern von dem Geliebten, der Melancholie preisgegeben.

Mitternacht

 

Die Sterne sanft wie Blumen und so nah;

Die Hügel Schattennetze, trägt gewebt;

Kein Einzelblatt, kein Halm, weil alles da

Als Eines lebt.

Kein Mondstrahl schneidet Luft; ein Saphirblau

Erschimmert und erlöscht dann unbewusst.

Und Spitzes sticht in dieser Nacht so lau

Nur in der Brust.

 

Dorothy Parker

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Die gute Traditon des alljährliche Abschlussschreiben ist nun auch schon wieder eine Woche her. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir rauschen dem neuen Jahr in einem rasanten Tempo entgegen. Aber ich möchte nicht versäumen meinen Mitschreibern für ihr Erscheinen zu danken. Das vergangene Jahr war hektisch und mit vielen Aktivitäten angefüllt. Einige haben Bücher geschrieben, ihre Jobs gewechselt, eine Ausbildung gemacht, und doch haben wir uns in dem Teufelskreis aus Alltäglichem und Besonderem nicht aus den Augen verloren.

Ich möchte mich bei Euch allen bedanken! Bei denen, die mit mir geschrieben haben, die mich aufgemuntert und inspiriert haben! Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass wir unsere Schreibtreffen wieder beleben und uns öfter treffen, als nur zum Ende des alten Jahres.

Vielen Dank auch an die Leser meines Blogs!

Es freut mich, wenn ich Euch mit meinen Texten und Tipps eine Freude bereiten und Euch inspirieren kann. Ich wünsche Euch allen eine besinnliche Zeit – ohne Hektik, Stress und Sorgen! Genießt die stille Zeit für Gespräche mit Freunden und Familie. Es gibt nichts, dass wichtiger wäre.

Lasst das alte Jahr Revue passieren. Freut Euch an euren Erfolgen! Macht Pläne für das neue Jahr! Mögen sie alle gelingen!

Viele liebe Grüße, eine gute Zeit und ein freudiges, erfolgreiches neues Jahr!

Eure Caroline

∗∗∗∗∗

Und nun die Geschichte, die bei unserem Schreibtreffen entstanden ist:

Rot ist das neue Grün

Die Worte für meine Geschichte: schlittern, Rot ist das neue Grün, Schal, Melancholie, Glühweinstand, erotisch

„Rot ist das neue Grün!“

Sanne sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ich drehe mich vor dem hohen Spiegel der Boutique von links nach rechts und finde es einfach göttlich. Dieses knallrote Seidenkleid, mit den winzigen Spagettiträgern, auf denen kleine Strasssteinchen glitzerten. Es schreit: sieh mich an! Ich bin toll und du hast mich gehen lassen.

„Findest du nicht, dass das Fähnchen für eine Weihnachtsfeier mehr als ungeeignet ist?“

„Ist es“, gebe ich zu, „aber das ist nicht der Punkt. Ich will, dass Andy sieht was ihm entgeht. Mein erotisches Potenzial ist er schöpft hat er gesagt!“, ich spürte wie der Zorn wieder in meinem Bauch rumorte. „Eine absolute Unverschämtheit. Dabei war ich diejenige welche … .“

Ich brach ab. Sanne kannte die Geschichte zur Genüge.

„Ich weiß“, seufzt sie, „aber du solltest dir einen Schal dazu gönnen, bei diesen Temperaturen und dann am Glühweinstand, ich weiß ja nicht.“

Ich gehe zurück in die Umkleidekabine und ziehe den Vorhang geräuschvoll zu. Sanne war meine beste Freundin, aber ich würde Andy zeigen, was er verpasste.

„Ich habe genau gesehen, dass du die Augen verdreht hast!“, sage ich und lasse das Fähnchen von meinem Körper gleiten.

Vor dem Spiegel der Umkleide, wirke ich nicht mehr so großartig, wie vor dem Prunkstück im Laden. Das macht vielleicht der weiße Baumwollslip Marke Schießer, denke ich, erotisch ist anders. Ich ziehe meine Strumpfhose hoch und streife das Angoraunterhemd über. Wenn Andy mich so sehen könnte, würde er den Kopf schütteln.

„Du magst ja heiße Ideen haben, aber deine Klamottenwahl ist eine Katastrophe“, sagte er mir bei unserem letzten Treffen. Wenn ich daran denke, platze ich jetzt noch vor Wut. Er lud mich zum Essen ein, schleppte mich in ein sündhaft teures Hotel, als Chef eines internationalen Unternehmens kann er es sich leisten, und wir hatten unglaublichen Sex.

Danach zog er sich an und sagte, „ach übrigens, das war unser letztes Mal.“ Bei diesen Worten stand er vor dem Spiegel und band sich die teure Krawatte. Hätte mich die Ankündigung nicht so unerwartet getroffen, hätte ich ihn damit im Affekt erwürgt. Und ich wäre damit durchgekommen. So saß ich nur da und schnappte nach Luft.

„Bis Montag“, sagte er leichthin, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, bevor er ging „und bitte vergiss nicht immer den Zucker in meinem Kaffee.“

„Was ist? Bist du fertig?“, reißt mich Sannes dumpfe Stimme, hinter dem Vorhang, aus meinen Gedanken.

„Gleich, nur noch die Stiefel zubinden.“

Ich trete aus der Kabine.

„Und, willst du das Kleid wirklich kaufen?“, sie sieht mich skeptisch an, „das Teil kostet ein Vermögen, für so wenig Stoff.“

Ich zögere einen Moment. Dann hänge ich das rote Kleid zurück an den Kleiderständer.

„Du hast recht. Ich würde mir mit dem Ding den Tod holen, und Andy würde sich noch über mich lustig machen.“

Ich hake Sanne unter und steuere mit ihr Richtung Ausgang.

„Gute Entscheidung“, stelle sie fest, „wollen wir noch einen Kaffee trinken gehen?“

„Klar, ich lade dich ein. Immerhin habe ich gerade 450 Euro gespart“, sage ich und lächelte.

Mit Andy bin ich noch lange nicht fertig. Um sein Leben in eine Eisbahn zu verwandeln und ihn in sein Unglück schlittern zu sehen, brauche ich kein rotes Kleid. Dazu reicht ein Anruf beim Steuerprüfer. Ach Andy, denke ich, Mann soll es sich nie mit seiner Sekretärin verderben.

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