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Archive for Mai 2015

Auf der Seite in meinem Arbeitsjournal, die ich aufschlug, fielen mir das Stichwort: Inselgäste (ein Romantitel) und ein weißes Holzhaus (das an einer Strandpromenade steht) ins Auge. Hier ist mein Text dazu:

Die Ankunft

Sandrine stand am Bug des kleinen Fährschiffes und hielt ihren Blick fest auf das nahende Ufer gerichtet. In wenigen Minuten würde sie wieder festen Boden unter den Füßen spüren. Sie war erleichtert. Sandrine konnte schwimmen und liebte das Meer. Niemals wäre sie im Urlaub in die Berge gefahren und doch war ihr der Ozean unheimlich. Innerhalb kürzester Zeit konnte aus einem spiegelglatten, südlichen Meer ein brodelndes, zischendes, lebensgefährliches Ungeheuer werden. Ihre Granny sagte immer: Pass auf mein Mädchen, Wasser hat keine Balken.

Die Fähre legte an. Sandrine und die wenigen Mitreisenden gingen von Bord. Jeder schien zu wissen, wohin er gehen musste. Nur Sandrine blickte sich unsicher um. In der SMS stand: „Erwarte sie an der Anlegestelle.“ Doch keiner, der noch anwesenden Personen, interessierte sich für sie. Es waren Fischer und Fährenmitarbeiter, die einen kurzen Landgang machten.

Sandrine kontrollierte ihr Handy. Es war keine SMS eingegangen. Nachdem sie eine Weile gewartet hatte, ging sie gemächlich zu einem schönen, weißen Holzhaus in der Nähe der Anlegestelle. Immer wieder sah sie sich suchend um, doch als sie das Haus erreichte, war niemand erschienen, der sie abholen wollte. Über der Tür hing ein großes Schild: Post Office – Café. – Sicher kann man mir hier weiterhelfen, dachte Sandrine, Mister Hodgsen ist auf einer Insel mit kaum 30.000 Menschen bestimmt kein Unbekannter und außerdem gibt es Kaffee. –

Sandrine betrat den Gastraum, der von dunkel, glänzend polierten Holzmöbeln dominiert wurde. Hinter einem langen Tresen unterhielten sich ein älterer Mann und eine Frau ihres Alters. Sie verstummten und betrachteten Sandrine aufmerksam.

„Hallo, mein Name ist Sandrine Connor.“

Ehe sie weiter sprechen konnte, wurde sie von der Frau unterbrochen.

„Und sie suchen sicher Mister Hodgsen“, sie lächelte, „es tut ihm sehr leid, aber er ist verhindert. Sie möchten bitte hier warten. Er holt sie ab, sobald er fertig ist.“

„Na, so schön hat er das nicht gesagt“, brummelte der Mann in seinen weißen Vollbart.

– Ihm fehlt nur noch eine blaue Mütze und eine Pfeife, dachte Sandrine, fertig ist der Seemann. –

„Ach Pa, mach Miss Connor keine Angst“, die Frau wandte sich an Sandrine, „ich bin Annie Lincoln und das ist mein Vater Carl. Setzen sie sich. Ich mache ihnen eine Portion unserer leckeren Pancakes und Pa brüht einen frischen Kaffee“, bei diesen Worten sah sie Carl scharf an.

„Danke, und bitte sagen sie Sandrine. Miss Connor hört sich so streng an.“

„Gerne. Setzen sie sich.“

Annie nickte ihr freundlich zu und verschwand in der Küche, während ihr Vater die stahlglänzende Kaffeemaschine dazu brachte, ihr einen schmackhaften Kaffee zu brühen.

Sandrine schob ihr Gepäck in eine Ecke und setzte sich auf einen Barhocker in der Nähe des Fensters. Sollte Mister Hodgsen auftauchen, konnte sie gleich einen Blick auf ihn werfen. Er hatte sich schon ein erstes Bild von ihr machen können. Ihren Bewerbungsunterlagen lag ein neues Foto bei und durch den Lebenslauf konnte er immerhin einen kleinen Eindruck von ihr gewinnen. Sandrine dagegen kannte nur seine Stimme. Sie war angenehm tief, aber bestimmt.

„Die Pancakes und ihr Kaffee“, Annie stellte das Essen vor ihr auf den Tresen. „Darf ich sie etwas fragen?“

„Gerne“, Sandrine nahm einen Schluck Kaffee und zerteilte einen Pancake.

„Wie hat es sie auf unsere Insel verschlagen? Die meisten Leute wollen von hier fort aufs Festland, in die Großstadt.“

Fortsetzung …. 🙂

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Die Geschichte einer unerfüllten Liebe. Aus dem Buch „In den Tiefen meiner Lust“.

 

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Diane besucht, wie fast jeden Samstagvormittag den Bücherturm, um auf den vier Etagen zwischen den Zehntausenden Büchern zu stöbern. Zuerst geht sie in die 4te Etage. Dorthin verschlägt es die wenigsten Leute und die meisten gehen recht schnell wieder. Philosophie, Religion, fremdsprachige Literatur und Literaturwissenschaften sind nicht jeden Lesers Sache.

Diane hat es eilig. Für den faszinierenden Ausblick, aus dem Turmfenster über das herrliche Tal, hat sie keinen Gedanken übrig.

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Am Samstag zuvor, versteckte sie ein Buch, für das sie kein Geld mehr hatte, ganz hinten im Bereich Literaturwissenschaft, und hofft, dass nach ihr niemand mehr dort gewesen ist. Diane geht zwischen den Regalreihen entlang, bis ganz nach hinten. Im unteren Regal muss es sein, doch es ist weg. Etwas enttäuscht wendet sie sich den anderen Büchern zu. „Na ja“, murmelt sie, „ich werde ein anderes finden. So wichtig ist es auch nicht.“ Diane stöbert in den Anthologien. Eine trägt den Titel: der goldenen Schnitt, großer Erzähler 1890 – 1960. Sie nimmt das Buch heraus und blättert darin herum. Diane setzt sich auf ihren Leseplatz und überschlägt das Inhaltsverzeichnis.

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Ihr fällt eine Erzählung von Annette Kolb auf, Präludium zu einem Traumbuch. – Interessant, denkt Diana, öffnet das Buch auf Seite 261 und liest den ersten Satz – es nahm seinen Anfang, der nie ein Ende fand. – Ein Geräusch lässt sie aufhorchen. Sie blickt sich um und lauscht. Niemand scheint den Raum betreten zu haben. Diane schaut wieder ins Buch und vertieft sich in die Geschichte.

Diane beendet die Erzählung. Sie ist fasziniert. In ihre Gedanken drängt sich eine auffällige Stille. – Merkwürdig. Auch wenn es hier oben ruhig ist, so still ist es nie. Zumindest die Schritte der Besucher müssten zu hören sein. – Diane klappt das Buch zu und steckt es in ihre Tasche.

– Etwas stimmt einfach nicht. – Da ist wieder ein Geräusch. Es hört sich an, als würde etwas über Stein schaben. Diane geht in die Richtung, aus der die Töne kamen. Auf dem Treppenabsatz macht sie halt. Es ist völlig still. Keine Stimmen, keine Schritte oder Türenklappen, auch das schabende Geräusch ist weg. – Haben die mich eingeschlossen? – Diane schaut auf ihre Uhr. – Stehen geblieben? Was ist hier los? Das kann nicht sein. Ich habe doch die Batterie erst vor zwei Wochen ausgetauscht. – Jäh hört Diane wieder das Schabegeräusch. Es ist ganz in der Nähe und der Klang ist grässlich. – Wie Kreide auf Schiefer. – Diane schüttelt sich. Ihre Nackenhärchen stellen sich auf, dann hört sie eine Stimme und ihr bleibt beinahe das Herz stehen.

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Der Zerfall – The Changeling

Drama – von Thomas Middleton und William Rowley

Die beiden Dramatiker waren Zeitgenossen Shakespears. Thomas Middleton wurde 1580 in London geboren und war, neben Shakespeare, einer der erfolgreichsten Stückeschreiber der englischen Renaissance.

Über das Stück:
Beatrice–Joanna ist in Alsemero verliebt. Doch ihr Vater Vermandero hat einen anderen, Alonzo, als Ehemann für sie vorgesehen. Aus der Ferne verehrt der missgestaltete De Flores, Diener im Haus Vermaderos, die unberührbare Schöne ebenfalls. Er würde alles, wirklich alles, für sie tun.

Die verzweifelte Beatrice will den ungeliebten Bräutigam loswerden. Sie benutzt den liebeskranken De Flores, um Alonzo zu töten. Als Beatrice ihn auszahlen will, erpresst De Flores sie, als Sister in Crime, und fordert ihre Jungfräulichkeit. Sie gibt sich ihm hin und entbrennt in Leidenschaft für ihn. (Er muss wohl ein guter Liebhaber gewesen sein.)

„Dieser Mann ist einzig! Keiner dient mir wie er! Ist er auch hässlich nun, darauf kommt es nicht an. Man muss ihn lieben!“ Zitat von Beatrice-Joanna – danach.

Der Verlust ihrer Jungfräulichkeit führt zu Verwicklungen in ihrer Hochzeitsnacht mit Alsemero, dem vorgemacht werden muss, dass Beatrice noch Jungfrau ist.

Am Ende fliegen der Schwindel und die Bluttat auf. Alsemero verlässt Beatrice-Joanna. De Flores bringt Beatrice-Joanna und sich um. – So dass sie in der Hölle zusammensein können. –

***

Der Name De Flores bedeutet in Spanisch „von Blumen“, aber er hört sich, wie deflower(entjungfern) oder deflorieren an. Den Begriff deflower gibt es im Englischen seit dem 14. Jahrhundert.

Beatrice-Joannas Name ist ebenfalls ironisch gemeint. Beatrice bedeutet „Glücksbringer“ oder „gesegnet“ und Joanna „Gnade Gottes“. Auch wenn Beatrice De Flores Freude bringt(?), sind die Bedeutungen für die anderen Personen des Stücks das genaue Gegenteil.

Liebe, Obsession, Wahnsinn und Tod. Alles, was eine gute Story braucht, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

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Es war der Letzte von zehn Tagen. Die Teilnehmer saßen bereits mit genervtem Blick auf unbequemen Stühlen im Halbkreis.
„Natürlich“, wetterte er und stützte sich mit den Fäusten auf den Tisch. „Natürlich wollen sie entdecken, worauf es ankommt. Keine Frage. WIR, ja WIR sind die letzten Erziehungsinstanzen. Denen bringt doch keiner mehr etwas bei.“

Seine Stimme begann zu pfeifen, als er nach Luft schnappte. Doch er polterte direkt weiter, ohne zu bemerken, dass ihn alle mit aufgerissenen Augen ansahen.

„Kriminell und faul wie Schlepperbanden!“, fauchte er. „Keiner von denen hat je gelernt, wie man arbeitet. Die kommen aus der Universität und ziehen über uns her wie Heuschrecken! Aber diese Schlawiner, denen werde ich es zeigen! Ich ziehe ihnen die Ohren lang, bis man sie mit Mikadostäbchen wie Zeltstangen aufspannen kann!“

Der Bilderfriedhof hinter ihm lief einfach weiter über die portable Leinwand und erfüllte den abgedunkelten Raum mit wechselnden Farben, während die Zuhörer aus der ersten Schockstarre erwachten und sich leise murmelnd gegenseitig ansahen.

„Und jeder weiß es besser. Ein Zeitsprung nach dem anderen im Kopf, keine Konzentration, immer den roten Faden verlieren und … Sie wissen, was ich meine. Wenn … also … keinen Anstand … Neulich erst, das werden Sie sich jetzt merken, da kam einer von diesen … hat jetzt einer was zu schnabulieren, verdammt?! Passen Sie doch auf. Hier spielt die Musik, Sie …“.

Keiner zeigte eine Reaktion, niemand wollte zu seinem persönlichen Opfer und vorgeführt werden. Mit hochrotem Kopf streifte sein Blick durch die Teilnehmer, die ihre Blicke senkten und unverdächtig auf Uhren und Fingernägel schauten, um keinen Blickkontakt herzustellen. In seinem Gehirn lief eine unendlich komplizierte Analyse der Personen ab.

„Sie da!“, keifte er und zeigte auf einen jungen Mann mit Hemd und Krawatte. „Welchen Geschmack hat ein Gewächshaus?“

„Wie bitte? Meinen Sie …“

„Irrelevant. Ich wollte nur schauen, ob Sie noch aufpassen. Aber weit gefehlt, mein Freund, weit gefehlt. Ich sehe schon, was in Ihnen vorgeht. Sie denken nur an sich, was Sie heute Abend kochen, in Ihrer feinen Edelstahlküche mit Ihrer Bilderbuchfrau, immer bedacht auf Ambiente. Ambiente, ACH HÖREN SIE DOCH AUF MIT IHREM AMBIENTE! Was wollen Sie eigentlich? Kein Mensch hat Sie gefragt! Da wird Ihnen auch nicht die Wasserqualität Ihrer Wiederaufbereitungsanlage helfen. Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?! SIE UNGETÜM, wenn ich Sie nur sehe …!“

Mit diesen Worten stoppte seine Talfahrt so abrupt wie erleichternd. Sein Gesicht wechselte von Rot nach Blau über Weiß, um dann in versteinerter Mimik stecken zu bleiben. Das Publikum wurde ganz still, einige in den hinteren Reihen zückten jedoch Ihre Smartphones, um Bilder zu machen und wenige Sekunden später kippte er nach vorne, um mit einem lauten Rumpeln stumpf auf den Boden zu fallen. Einige schreckten hoch, eine ältere Frau sagte:

„Wir brauchen einen Krankenwagen!“

In dem Moment trat aus dem dunklen Hintergrund der Konzernchef ins Licht und sagte mit beruhigender Handbewegung:

“Nur keine Sorge, das ist nicht nötig – in unser aller Interesse. Danke für Ihre Geduld und Ihre Teilnahme an diesem Antiaggressionstraining.“

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Die kurze Geschichte „An diesem Sommertag“ ist eine Fortsetzung des Gedichtes „Wieder Sechzehn“.

 

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Bekanntschaftsanzeigen

Es hat mich als Kind fasziniert, wenn mein Vater oder meine Oma Zeitung gelesen haben. Was wohl in diesen riesigen Blättern Aufregendes drin stand? Ich fing früh an Zeitung zu lesen, auch wenn ich nicht sehr viel davon verstanden habe. Mit den Jahren änderte sich das. Meine Heimatstadt ist nicht so groß, und man kannte seine „Leute“ – Politiker, Sportler usw. über die berichtet wurde. Als ich mit 42 in ein anderes Bundesland zog, änderte sich das. Wie aufschlussreich ist Regionales, wenn man niemand kennt?

Etwas, das nie uninteressant ist, egal wo man wohnt, sind Bekanntschaftsanzeigen. Es gibt ganz schlichte Mann-sucht-Frau-Anzeigen (oder umgekehrt), und es gibt die skurrilen. Als Schriftsteller frage ich mich, wer steckt dahinter? Hat er/sie das Inserat selber geschrieben oder hat jemand anders geholfen – und wen spricht dieser Text an?

In den letzten Wochen stand ein Inserat jedes Wochenende in der Zeitung: Mann, 166, NR, gefühlte 65J., sucht gepflegte gesunde Frau 50-65 J., Erotik sollte keine Nebenrolle spielen.

So auch am letzten Wochenende. Diesmal fiel mir auf, dass der suchende Herr gleich drei Annoncen eingestellt hat, in etwas anderer Formulierung. Die Angaben über seine Person, einschließlich des Wunsches nach einer erotisch gebildeten Frau/erotische gesunde Naturfrau und dem Zugeständnis nach getrenntem Wohnraum waren in jeder enthalten.

Der Wunsch nach Zweisamkeit und Nähe ist nur allzu verständlich und obwohl Erotik in der westlichen Welt offen „gehandelt“ wird, ist echte Nähe und Vertrauen heute nicht so leicht zu bekommen. Sämtliche Dating-Seiten im Internet profitieren davon. Und wie sich zeigt, kommt es nicht nur darauf an ein „passables“ Bild von sich zu haben, sondern auch den richtigen Text dazu. Insofern kann ich mir vorstellen, dass die Wortwahl in den Annoncen des verzweifelten Herrn nicht die Gruppe Frauen anspricht, die sein bevorzugtes Alter haben. Besonders, wenn es um den Wunsch nach Erotik geht. Daran ist nichts verkehrt. Es ist toll und gehört unbedingt dazu(!), aber es kann den Eindruck erwecken, das Frau als sexuelle Wunscherfüllerin benutzt werden soll, das wirkt von vornherein abschreckend. Trotz sexueller Freiheit, die meisten Frauen ticken, was „Liebeswerben“ betrifft, immer noch anders als Männer.

Zwischen haben wollen und bekommen können, ist eine große Diskrepanz. Natürlich soll sich niemand unter Wert verkaufen, aber man muss auch realistisch und ehrlich mit sich sein. Wenn ich 50 Jahre bin, nützen mir die gefühlten 25 Jahre auch nichts – sie machen mich eher lächerlich. Ich bin, die ich bin. Deswegen möchte ich anerkannt und gemocht werden.

In einem anderen Inserat stand: Bei gegenseitiger Zuneigung wird die erwählte Dame zur Alleinerbin eingesetzt. Ob sich bei dem Herrn die Zuschriften stapeln? Wird er sich jemals sicher sein, dass die Interessentinnen ihn seinetwegen mögen? Oder ist er des Alleinseins so müde, dass ihm alle Mittel recht sind?

Ich wünsche allen Partnersuchenden das passende Gegenstück und ganz viel Liebe!

P. S.: Ich habe das Zeitunglesen nicht aufgegeben – es gibt ja auch die Überregionalen, und wenn ich in meine Heimat fahre, lese ich dort mit nostalgischer Freude die gute alte „Hildesheimer Allgemeine Zeitung“.

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Die Vier-Spalten-Methode

1. Nimm zwei DIN A3 Blätter und füge sie mit Klebeband an den Längsseiten zusammen. So hast du genug Platz zum Schreiben. Teile dein großes Blatt auf Vorder- und Rückseite in vier Abschnitte. (Wobei Abschnitt 1 und 4 etwas kleiner ausfallen können.)

2. Oben in die erste Spalte kommt das Wort „Tagebuch“, in die zweite „Text“ und vielleicht der Titel, in die dritte „Ergänzung zum Schreibprojekt“ und in die vierte Spalte „Flohmarkt“.

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3. In das Segment „Tagebuch“ wird während des Schreibprozesses alles aufgeschrieben, was nicht unmittelbar mit dem Text zu tun hat, sich aber in deinem Kopf herumtreibt und deinen Schreibfluss stört. Das können Termine, Einkaufslisten, Ärger, Freude, oder auch Gedanken sein, warum es gerade beim Schreiben hakt oder die Diskussion mit deinem inneren Kritiker und seine Verbannung. 🙂 (Elisabeth George empfiehlt ein Roman-Tagebuch. Dort kann alles abladen werden, was einen während des Schreibens beschäftigt.)

4. In den Abschnitt „Text“ kommt der Text, an dem du gerade schreibst. Und zwar so, wie er dir in den Kopf kommt. Erst schreiben, später überarbeiten.

5. Beim Abschnitt „Ergänzung zum Schreibprojekt“ wird alles eingetragen was für die spätere Überarbeitung nützlich sein kann: Ideen zur Figur. An welchem Set noch gearbeitet werden muss. Für welches Wort du ein anderes einsetzen willst. Wo noch recherchiert werden muss, oder auch ein Einschub in den Text, der später hinzugefügt werden soll, dir aber beim Schreiben noch nicht eingefallen war.

6. In dem letzten Segment „Flohmarkt“ kann alles gesammelt werden, das dir siedend heiß einfällt, was für den derzeitigen Text nicht genutzt, aber vielleicht in anderen Texten verwendet werden kann, die sich schon auf der „was-ich-als-nächstes-schreiben-will“-Liste befinden usw.

Vielleicht nicht für jeden Tag, so doch eine kleine Abwechslung vom „normalen“ Schreibprozedere. Etwas frischer Wind und Bewegung im Alltag des Autors. Ich habe mir angewöhnt ein Romantagebuch zu schreiben (siehe 3). Dort kann ich Erfolge feiern (zur Motivation schreibe ich mir jeden Tag auf, wie viele Wort ich geschrieben habe), aber auch meinem Ärger Luft machen. Für größere Vorhaben gibt es ein Projektbuch, in dem ich alles notiere, Charaktere, Orte, Plot, Recherchen, Ideen, Szenen, die ich noch schreiben will, Fragen zum Text, Zeitleisten usw.

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Noch ein Stück aus meinem Buch: „In den Tiefen meiner Lust“.

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Kurze Antwort: In Seligenstadt am Main.

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Ausführlicherer Bericht: Hanni und ich fuhren kurz vor 9 Uhr los. Das Wetter, wie man so schön sagt, durchwachsen, aber mit Regenschirm ausgestattet kein Problem. Kalt ist es nicht, 17 Grad bei unserer Ankunft in Seligenstadt eine Dreiviertelstunde später.

Da wir zu den ersten Touris an diesem Pfingstmontag gehören ist es im Klostergarten noch wunderbar still. Im Bienenlehrstock dagegen ist Betrieb. Die kleinen Honigsammler sind fleißig und fliegen eifrig raus und rein. Es summt und brummt.

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Von dort steuern wir direkt das Klostercafé an. Der Himmel ist zwar bedeckt, aber die Temperatur ist angenehm und wir suchen uns ein Plätzchen auf der Terrasse. Das Café wird von Menschen mit Handicap betrieben. Es gibt super leckeren Kuchen und wirklich guten Kaffee! Wir setzen uns und sofort ist ein netter Kellner zur Stelle. Er erklärt uns, wie wir bestellen können. Auf jedem Tisch steht ein Holzklötzchen mit Bleistift, Zettelblock und Speisekarte. Auf dem Zettel notieren wir: 2 Milchkaffee, Tisch 24. Der junge Mann holt den Bestellzettel ab und kurz darauf stehen zwei Milchkaffee mit Keks auf dem Tisch.

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Hanna holt ihr Skizzenbuch aus der Tasche und malt ein Bild von der Geranie auf dem Tisch. Ich fotografiere den Blick von unserem Sitzplatz aus und später die fertige Zeichnung.

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Als die Sonne hinter den Wolken auftaucht, brennt es unangenehm auf der Haut. Ich spanne den Sonnenschirm auf.
Man spürt den Sommer deutlich, auch wenn er kalendarisch noch vier Wochen entfernt ist. Es riecht nach Rosen und Gras. Die warme feuchte Luft nimmt alles auf und trägt sie fort. In der Nähe hört man das Plätschern des Brunnens. Auf seinem Grund liegen glänzende Cent-Stücke.

Nach dem Kaffee machen wir einen Rundgang durch den Klostergarten, von dort gehen wir zur Klostermühle. Es ist Mühlentag und wir können uns die Mühle von innen ansehen. Dort ist ein netter Herr, der uns erklärt wie aus Sonnenblumenkernen Öl gepresst wird.

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Die Klosterbäckerei hat ebenfalls auf und wir kaufen ein superleckeres Steinofen Brot. Es ist noch warm und duftet. Das Wasser läuft uns im Munde zusammen. Auch der Kuchen lächelt uns an, aber wir wollen gleich ein Eis essen und Entscheidungen müssen gefällt werden. Wir heben uns den Kuchen für nächstes Mal auf.

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Hanni und ich gehen Richtung Main. In einem kleinen Eiscafé holen wir uns ein riesiges Eis. Wir suchen uns eine freie Bank am Main, lecken genüsslich unser Eis, versuchen uns nicht voll zu kleckern und sehen dem Übersetzen der Fähre zu. Vor uns scharwenzeln Enten herum und warten darauf, dass ein paar Brocken von der Waffel abfallen. Aber nicht mit uns, immerhin ist es eine Waffel mit Schoko-Überzug und Krokant.

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Wir sitzen eine ganze Weile auf der Bank. Die Fähre fährt hin und her, zwei große Frachtkähne ziehen gemächlich an uns vorüber und verursachen heftigen Wellengang auf dem die Schwäne auf und ab schaukeln. Irgendwann reißen wir uns los und machen uns auf dem Heimweg.

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Vorher gehen wir noch mal ins Kloster. Dort kann man verschiedene Setzlinge kaufen. Ich habe es auf einen Feigenbaum abgesehen. Wir suchen uns ein schönes Pflänzchen aus und werfen den Obolus in die angekettete Gießkanne. Zufrieden gehen wir zum Auto und freuen uns darauf, zu Hause eine leckere Scheibe Kloster-Bäcker-Brot mit Butter und Käse zu essen.

 

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