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Archive for Juni 2013

Auf dem gelben Ortseingangsschild mit dem wohlklingenden Ortsnamen Rabenau sitzt Abraxas, der Rabenälteste. In der alten Eiche im angrenzenden Feld hat sich der Rest der Rabensippe niedergelassen. Leises Krächzen verrät ihre Aufregung, denn es ist eine außerplanmäßige Zusammenkunft. Es muss etwas sehr Wichtiges geschehen sein, dass Abraxas eine Versammlung einberuft, die so überstürzt stattfindet. Nebelschwaden liegen über den gepflügten, rotbraunen Feldern und verleihen diesem Herbstmorgen einen eigentümlich theatralischen Hintergrund.

„Abraxas, worauf wartest du noch?“, ruft einer der jungen Raben, Maras, „warum hast du uns zur Versammlung gerufen?“

Plötzlich ist es ganz still, alle blicken den alten Raben an und warten gespannt auf eine Antwort. Majestätisch hebt Abraxas den Kopf und blickte mit Herablassung auf den hitzköpfigen Maras. Diese jungen Dummköpfe denken, weil sie stärker sind, haben sie das Recht sich ungebührlich zu benehmen, aber das zeigt nur ihren Unverstand. Abraxas hat schon viele Jahre das Ältestenamt inne. Ihm kann niemand etwas vormachen. Weisheit ist eben eine Sache des Alters und nicht der Jugend.

„Wir sind noch nicht vollzählig,“ erwidert Abraxas.

Er will gerade fortfahren, als ein leises Rauschen in der Stille zu hören ist und mit ein paar eleganten Flügelschlägen landet Jorel neben Abraxas auf dem Ortsschild.

„Du kommst spät,“ höhnt Maras.

„Dafür habe ich meine Gründe,“ erwidert Jorel und blickte Maras kühl an.

Jorel verabscheut Maras wegen seiner Gewaltbereitschaft und seiner Lust Schwächere zu quälen. Er bedauert, dass sich einige der jungen Raben Maras angeschlossen haben und sogar in den eigenen Reihen Unruhe verursachen.

„Und welches ist dein ach so guter Grund?“ Maras versucht Jorel zu provozieren.

Der schweigt, wandte sich Abraxas zu und nickt. Dieser räusperte sich.

„In unserem Gebiet sind in der letzten Zeit merkwürdige Gesänge gehört worden. Hier halten sich mehrere Vögel auf, die hier nichts zu suchen haben. Ich habe Jorel ausgesandt festzustellen, woher die Gesänge kommen. Hört, was er uns zu sagen hat!“

„Na, da bin ich aber gespannt,“ redete Maras erneut dazwischen.

„Der alte Lehrer Schröder hat auf seinem Grundstück mehrere Käfige aufgestellt und züchtet dort Vögel, aus anderen Ländern“, berichtet Jorel, „sie stellen keine Bedrohung für uns da. Der Lehrer füttert sie. Dabei handelt es sich um scheußlich schmeckende Körner.“

„So?“ Maras kann und will den Schnabel nicht halten. „Wen interessiert das? Es sind Fremde. Sie müssen verjagt werden.“

Ein zustimmendes Gekrächze schallt aus der Eiche.

„Wozu? Sie sind keine Bedrohung und außerdem nehmen sie uns kein Futter weg“, meint Jorel ruhig.

„Es war schon immer so in Rabenau! Das ist doch Grund genug. Das ist unser Land und niemand außer uns hat das Recht hier zu wohnen. Das ist Tradition, willst du etwa damit brechen?“, Maras plustert sich auf und seine Anhänger lassen beifälliges Krähen ertönen.

„Nein. Aber immerhin sind sie gefangen und werden uns nicht in die Quere kommen“, stellt Abraxas nachdenklich fest.

„Du bist ein alter Narr!“, Maras wird noch lauter und spreizt drohend die schwarzen Flügel. „Wenn wir diese Fremden dulden, werden bald andere kommen und dann? Wir öffnen dem Verderben Tür und Tor!“

Erneute Zustimmung der Rabensippe, nur wenige enthalten sich der Stimme. Sie bleiben vorsichtig im Hintergrund.

„Wenn wir diesen Fremden etwas tun, öffnen wir dem Verderben Tür und Tor. Die Menschen werden diese Sache nicht auf sich beruhen lassen und uns jagen“, sagt Abraxas ruhig, aber mit fester Stimme.

„Ach hör doch auf! Du bist alt und ängstlich“, Maras lacht höhnisch. „Wer schließt sich mir an und vertreibt die Fremden?“, ruft er der Sippe zu.

Vielstimmiges Krächzen schall über die Felder, und wird durch die Stille des Morgens noch lauter zurückgeworfen.

„Dann lasst uns handeln. Je eher, um so besser!“

Maras erhebt sich in die Lüfte und seine Anhänger folgen ihm.

„Aber Abraxas spricht die Wahrheit,“ krächzt Jorel wütend hinter den Rebellen her. „Bleibt hier und lasst die Fremden in Ruhe.“

Niemand hörte auf ihn. Nur ein paar seiner engsten Freunde sitzen mit ernsten Gesichtern in der alten Eiche.

„Abraxas wir müssen etwas unternehmen!“ bittet Jorel den alten Raben hilflos.

„Was sollen wir tun?“, Abraxas sieht Jorel traurig an, „du weißt, was passieren wird. Maras kennt keine Gnade. Es wir ein Blutbad geben, auf beiden Seiten. Wenn wir eingreifen, wird es uns wie den Fremden gehen. Entweder sterben wir durch Maras Hand oder von den Kugeln der Menschen.“

Jorel tritt unruhig von einer Kralle auf die andere.

„Ich kann nicht glauben, dass dies der einzige Weg ist.“ Jorel breitet seine Flügel aus und fliegt auf. „Ich werde sehen, ob ich etwas tun kann!“

Mit kräftigen Flügelschlägen verschwindet er im Nebel. Als er sich dem Garten des alten Lehrers Schröder nähert, ist es schon zu spät. Er hört die verzweifelten Schreie der fremden Vögel. Ihre bunten Federn sind blutüberströmt. Viel liegen am Boden, mit verdrehten Hälsen und gebrochenen Flügeln. Die Sonne, die langsam den Nebel verdrängt, blickt auf ein blutiges Schlachtfeld. Jorel sieht, wie Maras sich auf einen der Fremden stürzt und ihm ein Stück Fleisch aus der Seite reißt. Wutentbrannt stürzt Jorel sich auf ihn. Die Wucht des Aufpralls stößt Maras von seinem Opfer.

„Mörder!“, krächzte Jorel, „Mörder!“

Maras setzt zum Gegenangriff an, als ein dröhnender Knall ertönt. Maras sinkt leblos ins Gras. Es folgt der nächste Knall, darauf der Nächste. Der Rabensippe fliegen die Kugeln gnadenlos um die Ohren. Viele werden verletzt oder getötet. Jorel kann sich nur um Haaresbreite in Sicherheit bringen. Er flüchtet zu der alten Eiche und ruft schon im Anflug:

„Wir müssen fliehen. Schnell! Ich konnte gerade noch entkommen. Maras ist tot und viele andere mit ihm. Wenn wir uns nicht beeilen, sind bald die Jäger da und werden keine Gnade für uns überhaben.“

Die wenigen Raben, die zurückgeblieben sind, erheben sich hastig in die friedliche Herbstluft und folgen Jorel dicht über die dunklen Tannen des nahen Waldes. Abraxas schüttelt traurig den Kopf. Diese dummen, überheblichen Raben. Hätten sie doch auf ihn gehört. Nun ist es zu spät. Sie bezahlten ihren Hochmut mit dem Leben. Jetzt müssen sie alle ihren Ort Rabenau verlassen, an dem sie solange gelebt haben. Es gibt kein zurück.       

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Anmutig streckte Frau von Trauerweide ihre zart ergrünten Zweige dem im Sonnenlicht glitzernden Wasser entgegen und lauschte den leise gemurmelten Geschichten, die Herr Bach auf seinem stetigen Weg erzählte. Wenn die leichte Frühlingsbrise durch ihre Blätter säuselte, berichtete Frau von Trauerweide ihrerseits Herrn Bach die neusten Geschehnisse, die sich im Park zu getragen hatten, um sie ihrer Nichte, die weiter unten am Waldrand wuchs anzuvertrauen. Es gab immer etwas Neues. Familie Eichelhäher war umgezogen, in dem verwunschenen Garten der Herzogvilla, beste Wohnlage, und Familie Eichhörnchen erwartete Nachwuchs.

In diesem Frühling allerdings gab es etwas ganz Besonderes weiter zutragen. Ihre Nichte würde staunen. Mit einem sehnsuchtsvollen Seufzen teilte Frau von Trauerweide ihrem Herold die aufregende Nachricht mit. Herr Knorkeiche hatte sich endlich, endlich zu ihr gewendet und das Wort an sie gerichtet.

Wie viele Jahre hatte sie darauf gewartet. Schon als gertenschlankes Weidenstämmchen hatte sie einen leidenschaftlichen Blick auf die schneidige Eiche geworfen, die nur einige Schritte entfernt ihre Äste imposant in den Himmel streckte.

Die Jahre vergingen, aus ihrem Stämmchen wurde ein Stamm und auch Herr Knorkeiche nahm an Umfang zu. In den letzten Jahren war ihre Hoffnung, dass er sie bemerken würde, immer mehr geschwunden. Aber in jedem Frühling, wenn das Leben neu erwachte und Blumendüfte die laue Parkluft erfüllten, schlug auch Frau von Trauerweides Herz ein wenig schneller. Herr Bach lauschte ihrer Berichterstattung aufmerksam, gab nur dann und wann ein zustimmendes Gurgeln von sich.

„Bitte, mein lieber Bach, sagen sie meiner Nichte, dass er mich wegen meiner üppigen Äste ansprach. Mit nur einem ganz kleinen Knarzen, ja einem fast schon zärtlichen Knarren, bat er mich, sie in eine andere Richtung zu strecken, damit sein Stamm stärker von der Sonne beschienen werden könne.“

Gleichzeitig ging ein Zittern und Beben durch Frau Trauerweides empfindsames Geäst, dass diese unerwartete Aufregung hervor rief.

„Versprechen sie mir lieber Bach, vergessen sie keines meiner Worte“, wisperte Frau von Trauerweide.

„Wie könnte ich, wie könnte ich“, säuselte Herr Bach.

Er beeilte sich den Weg zum Waldesrand hinab zu fließen, um alles getreulich zu berichten. Frau von Trauerweide schaut derweil mit sehnsüchtigem Verlangen zu Herrn Knorkeiche.

„Ach, würde er mich doch bald wieder ansprechen … und nicht noch einmal so viele Jahre verstreichen lassen“, dachte sie und seufzte aus tiefstem Herzen.

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Es war der glücklichste Augenblick meines Lebens, und ich wusste es nicht einmal … (Orhan Pamuk) 

… ich denke, ich wusste, dass es die glücklichsten Augenblicke meines Lebens waren. Auch wenn damals noch nicht klar war, dass sich alles so rasant verändern würde. Es waren zwei der schönsten Wochen, die ich mit den Mädchen verbrachte. In dem kleinen Haus in Holland, mit der großen Wiese hinter dem Haus, auf der eine Herde Schafe graste. Der Hof lag einer langen Allee aus Weiden. Ich erinnere mich in allen Einzelheiten an das Haus, an unsere kreativen Stunden und das Buch – die fernen Königreiche – das wir fast zweimal gelesen haben. Es ist als wäre es gestern gewesen und dabei ist es beinahe zehn Jahre her.

Ich erinnere mich an viele Dinge, die wir in unseren Zeelandurlauben erlebten. An das Malerfachgeschäft, mit den vielen Büchern über Malerei. Ich könnte sofort einen Grundriss zeichnen, als wäre ich vor einer halben Stunde dort gewesen. Den Spaß, den wir in dem Spielwarengeschäft hatten, in der man sich eine ganze Tüte mit Spielzeug zusammenstellen konnte und dafür nur 10 Euro bezahlen brauchte, egal wie teuer das Spielzeug war.

Und dann ist da noch „Simply Red“ und „Stars“. Das war in dem Urlaub davor, als ich vergaß das Licht am Auto auszuschalten und „Johann“ (den Namen gaben die Kinder ihm) uns Starthilfe gab. Leider funktionierte das Radio nicht mehr, da es mit einer Pinnummer vor Diebstahl geschützt war und ich sie nicht wusste, um es neu zu starten. Hanna hat dann auf der Rückfahrt aus einem Buch vorgelesen. In diesem Urlaub verlor Isa einen Gummistiefel im Watt, er blieb einfach stecken und wir hörten „Ein Königreich für ein Lama“ gefühlte 150 Mal. Wir konnten zum Schluss die Texte fehlerfrei mitsprechen. „Ich habe den königlichen Groove versaut.“ 😉

„Simply Red“, unerheblich mit welchem Lied, bringt die Erinnerungen an diese unbeschwerte Zeit zurück und ich wünschte mir, ich könnte sie wiederhaben. Alles noch einmal erleben. Diese kostbaren Erinnerungen noch einmal aufsaugen. Die Gefühle intensiver, bewusster erleben und abspeichern, damit sie so tief in meinem Gedächtnis sind, dass ich sie niemals vergessen werde. Es gibt noch viele glückliche Erinnerungen, die im Nachhinein an Bedeutung gewinnen, weil man sie aus deiner anderen Perspektive sieht. Sie sind vergangen und kehren nie wieder, dadurch erhalten sie in meinem Herzen diesen goldenen nostalgischen Schimmer.  

Es sind Momente aus meiner Kindheit, meiner Jugend, Begegnungen mit besonderen Menschen. Der erste Blick in die Augen meines Sohnes, und das erkennen einer alten Seele. Das sanfte Wesen meiner ältesten Tochter, einem glücklichen Sonntagskind, dass die Herzen im Sturm erobert. Den starken Willen meiner zweiten Tochter, einem Feenwesen mit rotgoldenen Locken und der zugewandte, pfiffige, mitfühlende Charakter meiner Jüngsten.

Ich bedauere, dass viele dieser kostbaren Momente von einem silbrigen Schleier umgeben sind, undeutlich geworden. Eingesponnen in einen Kokon. Manchmal gelingt es, den einen oder anderen zu zerrreißen und die Erinnerung zu beleben. Aber immer deutlicher sehe ich die Tage kommen, an denen es das Einzige ist, was bleibt.

Das ist des Menschen Sinn. Wir bemerken das Glück, dass wir jeden Tag genießen erst, wenn es vorbei ist, selbst wenn es riesengroß vor unseren Augen steht. Es ist leichter gesagt, als getan, das Glück des Augenblicks zu schätzen. Gerade in der heutigen hektischen Zeit, in der alles schnell gehen muss, und am besten schon gestern erledigt worden sein sollte. Mir gelingt es kaum, auch wenn ich es weiß und mir immer wieder sage, dass ich achtsam sein will. Das Schreiben ist eine Hilfe wenigstens einen Teil des Glücks zu bannen, so flüchtig es auch sein mag.

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Menschen sind Engel mit einem Flügel. Damit sie fliegen können, müssen sie sich umarmen. Ich liebe diesen Spruch! Es deutet das viele Wertvolle an, das in uns steckt, zeigt uns aber auch auf, dass wir nicht überheblich sein sollten. Denn um fliegen zu können, brauchen wir immer ein Gegenstück, das uns umarmt. Sonst können wir uns nicht vom Boden erheben.

In uns steckt die Schwere des Erdbodens und die Leichtigkeit des Himmels. Heute in der Morgendämmerung geschah etwas Außergewöhnliches. Ich sah einen Engel mit zwei Flügeln. Er war rotbraun wie die Erde, aber in seinen Augen und in seinen Flügeln sah ich das Blau des Himmels. Er trug alle Farben des Regenbogens in sich, seine Flügel weit geöffnet. Mit einer liebevollen Geste streckte er mir die Hände entgegen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich träumte oder wachte, aber ich konnte deutlich sein Gesicht sehen. Er trug deine Züge. Dein Lächeln, deine Augen, deinen Mund.

Du sagtest kein Wort. Sprachst nur mit deinen Augen. Du legtest deine Flügel um mich. Warm und festhieltest du mich und ich wusste, mir kann nichts passieren. Denn was auch geschieht, du bist in meiner Nähe. Ob ich dich sehe oder nicht. Die Sonne begann mein Zimmer zu erleuchten und langsam löstest du dich im hellen Licht auf. Deine Flügel schlugen lautlos und sacht. Da sah ich, dass du zwar zwei Flügel hattest, aber dass dir ein Fuß fehlte. Ich wollte dich fragen, wieso? Aber da wusste ich es schon. Auch du musst mit einem Mangel leben, um nicht überheblich zu werden. So wie du mich mit deinen Flügeln auffängst, wenn ich falle, oder mich fliegen lässt, wenn ich mich selbst nicht erheben kann, so helfe ich dir zu stehen, wenn dir einmal die Kraft deiner Flügel versagt.

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Y.: Kennst du eigentlich die Frau mit den drei Mädchenvon gegenüber?

X.: Ja, vom Sehen. Wieso?

Y.: Die sind nicht von hier, nur zugezogen. Ich glaub,die ziehen bald wieder weg.

X.: Kann sein, ich hab gesehen, wie der Mann, der amWochenende immer kommt, Umzugskartons mitgebrachthat.

Y.: Ist also immer noch der Gleiche?

X.: Bis jetzt ja, aber ne ganze Weile standen da immerverschiedene Autos vor der Tür.

Y.: Scheint ein Flittchen zu sein.

X.: Keine Ahnung, aber der M., wegen dem siehergezogen ist, der erzählt da so gewisse Geschichtenüber sie.

Y.: So, was denn?

X.: Die hatte schon einen Neuen, da war er noch nichtausgezogen.

Y.: Das ist ja ein Ding.

X.: Und Geld schuldet sie ihm auch noch.

Y.: Einmal hab ich gesehen, da ist sie einfach zu einen Mann mit fremden Kennzeichen ins Auto gestiegen.

X.: Die hat es wirklich nötig, drei Kinder und dann sowas.

Y.: Das ist ja noch gar nichts. Du kennst doch FrauMüller aus der Faulhaberstrasse?

X.: Ja, klar.

Y.: Neulich saßen wir beim Friseur, da hat sie mirerzählt, dass bei ihr im Haus auch so eine Zugezogenewohnt, die treibt es noch viel schlimmer.

X.: Echt?

Y.: In der einen Nacht brachte sie ein Mann mit nachHause, wohl der Exmann. Den hat sie im Streitrausgeworfen. Eine Stunde später stand ein neuer Kerl vor der Tür.

X.: Unglaublich…

Y.: Manchmal haben sich da in der Woche drei verschiedeneMänner die Klinke in die Hand gegeben. Und immer dasKind dabei…

X.: Das kann ja nicht gut sein…

Y.: Meine Rede. Neulich bei der Kerb hab ich gesehen, dasssie die Musiker angesprochen hat und einen davon hat sie mit nach Hause genommen.

X.: Die Leute haben überhaupt kein Schamgefühl mehr…

Y.: Ich könnte dir Sachen erzählen…. Oh, da, da kommt  die Schlampe. Ich muss jetzt los….  – Hallo Frau Z.schön sie zu sehen…

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„Mama, Jörg will nicht aufhören zu rauchen!“  (Isa)

„Nur wenn du anfängst Gemüse zu essen.“  (Jörg)

„Na gut.“ (Isa)

„Ok, das ist ein Deal.“ (Ich)

„Ich hör aber trotzdem nicht auf.“ (Jörg)

„Siehste, da gehen wir beide den Bach runter.“ (Isa)

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Das Schlimmste, das einem Schriftsteller passieren kann: nicht schreiben zu können. Nicht aus Mangel an Einfällen oder aus Unlust. Das ist es nicht. Nein es ist das Leben, das mich hinderte. Qualvoll 1000 Worte im Kopf zu haben und nicht in Sätze fassen zu können, weil ich mich in meinen Gedankenlabyrinthen verlaufen habe. Mir meiner Unzulänglichkeit bewusst zu sein, mich für nutzlos zu halten.

Ein Künstler ist sich nur zu oft seiner Schwächen bewusst. Im Zustand der Untätigkeit um so mehr. Zu schreiben ist der Himmel, auf Wolken gehen, mit den Vögeln zu fliegen, in die Tiefen der Ozeane zu tauchen.

Schreiben ist lieben. Lieben wie im Rausch des ersten Verliebtseins. Immer wieder lieben. Jede Zeile Liebe, wie beim ersten Mal. Wortemelodien weben, auf Wortteppichen gehen. Lieben.

Tausendmal verliebt sein, wer kann das schon von sich sagen? Ich liebe immer wieder. Ein Paar schöne Augen, ein Lächeln, eine Stimme, die mich betört, Hände mit schönen Fingern, ein Mund, der alles verspricht. Eine Blüte, Blau, Wogen, eine Perle, der Wind, Regentropfen, der Geruch von Erde, frischem Gras, eine Melodie, die sich in dem einen magischen Moment mit meinen Gefühlen verbindet. Es gab eine Geschichte, bei deren Schreibprozess ich nur eine Band hörte. Beinahe vier Wochen lang.

Ich muss lieben, ob glücklich oder unglücklich spielt keine Rolle. Die Musen fragen nicht danach, was ich will. Sie geben und ich muss nehmen. Auch unglückliche Liebe ist Liebe. Die Musen geben dir einen Wink und du wirst aus Tränen Gold spinnen, wenn sie es bestimmen. Ich muss mich nur verlieben und wie von Zauberhand öffnen sich die Schleusen und schütten Worte aus. Segen oder Fluch. Ich frage mich nicht mehr. Es hat lange genug gedauert, es zu akzeptieren. Solange der Fluss nicht unterbrochen wird, ist alles andere unwichtig.

Ich mache mir kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich verliebt bin und meine Musen küsse. Mein Herz schlägt zum Zerspringen. Ich spüre keinen Hunger, keine Zeit, keine Müdigkeit. Aus meinem alles verschlingenden Rausch tauche ich erst wieder auf, wenn das letzte Wort geschrieben ist. Dann erfahre ich das schrecklichste Gefühl der Welt: verlassen zu werden.

Sie verlässt mich. Meine große Liebe geht und das Furchtbare ist, ich bin schuld daran. Ich kann es nicht aufhalten. Ich schreibe und schreibe. Wort für Wort, Blatt für Blatt. Ich liebe mit allem, was ich bin. Meinem Geist, meinem Körper und meiner Seele. Bis zu dem letzten Punkt. An dem mir das Herz bricht. Auf jede große Liebe folgt großes Leid. Immer wieder. Daran kann man sich nicht gewöhnen. Ich habe schon überlegt, mich nicht mehr zu verlieben, aber wer kann sich nicht verlieben? Ich kann mich nicht, nicht verlieben. Es passiert und ich tu`s. Ohne nach den Konsequenzen zu fragen.

Was würde ein Therapeut dazu sagen? Lasst mich überlegen:  – „Wie geht es ihnen damit?“ – „Super!“ – „Wie fühlen sie sich?“ – „Wie die Königin der Welt.“ – „Wie wollen sie damit umgehen?“ – „Ehrlich gesagt: gar nicht.“

Gut, ich leide mit meinen Figuren bis zum Herzzerbrechen, aber ich tanze auch mit ihnen. Ich leide, wenn die Geschichte zu Ende ist, aber ich weiß, Liebe ist unerschöpflich. Ich trauere und verliebe mich wieder, und wieder. Am liebsten bis in alle Ewigkeit. Aber die ist auch uns Schriftstellern nicht beschieden, bei aller Liebe. Bis auf das klitzekleine Bisschen, das in unserer Kunst überlebt. Jedes Wort, das gelesen, jedes Bild, das gesehen, jedes Lied, das gehört wird, bedeutet Liebe und ein kleines Stück Unsterblichkeit.

Wer sich den Musen hingibt, weiß was für ein Wahnsinnsgefühl das ist. Es macht süchtig! Einmal angefangen kann man nicht mehr aufhören. Keine Droge versetzt dich in so abgehobene Gefilde, wie die Kunst – bis auf die Liebe. Liebe füllt alles – Herz, Körper, Verstand.

Und endlich !!! bin ich wieder verliebt. Verliebt in dieses besondere Lächeln, den besonderen Blick, den frühen Morgen, die Stille der Nacht, die Sehnsucht, in die Freude, den Sturm, den heimlichen Kuss. Endlich wieder verliebt in das Schreiben.

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VIII.

Beim Dinner saß ich zwischen Lord Robert und William Sie erzählten begeistert von ihrem Picknick am Strand, das lenkte mich von dem Gespräch im Stall ab. Nach dem Dinner zog ich mich so schnell es der Anstand zuließ zurück. Ich wollte an den Skizzen feilen, die ich am Nachmittag gemacht hatte. Ich breitete meine Zeichnungen auf dem Schreibtisch aus und arbeitete eine ganze Weile vor mich hin. Als meine Augen vom  Licht der Nachtlampe müde geworden waren, zog ich mein Nachthemd an, kuschelte mich in mein Bett und zog mir die Decke bis unters Kinn. Die Stimme aus dem Stall ging mir nicht aus dem Kopf. Ich kannte sie, aber wo war das Gesicht dazu? Ich drehte mich von Rechts nach Links und wieder zurück. Irgendwann hatte ich genug und stand auf. Ich ging zum Fenster.  Ein paar Wolken zogen über den Himmel und schoben sich vor die helle Mondsichel. Da sah ich Schatten zwischen den Bäumen. Erst dachte ich mich getäuscht zu haben. Atemlos wartete ich. Dann sah ich die Männer. Sie liefen aufs Haus zu. Plötzlich wusste ich welches Gesicht zu der Stimme gehörte. Edward Stanton, Justins Cousin. Ich erinnerte mich an das Gespräch mit Lord Arthur, in dem er erwähnte, dass Edward Justin schon des Öfteren in Gefahr gebracht hatte. Furcht stieg in mir auf. Ich musste Justin warnen. Musste ihm sagen, wer die Person im Stall war.

„Falk, komm.“

Er sprang sofort auf und folgte mir auf den Flur. Es war dunkel, nur ein paar Nachtlichter brannten. Lautlos schlich ich durch die Flure, bis ich Justins Zimmer erreichte. Zaghaft klopfte ich an.

„Herein!“

Ich öffnete die Tür und betrat eilig sein Zimmer.

„Eliana!“ Justin sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Was machen sie denn hier?“

Erst jetzt fiel mir auf in welch abenteuerlichem Aufzug ich vor ihm stand. Barfuss, im Nachthemd und mit offenem Haar. Mir war klar, dass er eine Erklärung für diesen „Überfall“ erwartete. Anständige junge Damen besuchten keine Junggesellen zu nachtschlafender Zeit. Justin hatte Jackett und Halstuch abgelegt. Sein Hemd war aufgeknöpft und ließ einen Blick auf seine muskulöse Brust zu. Justin machte einen Schritt auf mich zu, ich senkte scheu den Blick.

 „Eliana.“

Seine Stimme ging mir unter die Haut. Justins Nähe in der Intimität seines Zimmers und die Erkenntnis über meinen äußerst unangemessenen Aufzug irritierten mich zutiefst. Mein Atem ging schneller, als ich aufgeregt sagte:

„Justin, ich habe die Stimme wieder erkannt! Es ist die Stimme von Edward Stanton gewesen.“

„Edward?“

„Ja, ich habe jemand aufs Haus zu laufen sehen!“

Justin sah mich ungläubig an.

„Wie viele Personen hast du gesehen?“

„Ich bin mir nicht sicher, aber auf jeden Fall zwei.“

„Du bleibst hier, rühr dich nicht vom Fleck. Ich werde nachsehen“, sagte er bestimmt.

„Bitte sei vorsichtig!“

Ich sah ihn beunruhigt an. Er streichelte sanft über meine Wange.

„Keine Angst, alles wird gut.“

Er griff nach seinem Degen und sagte zu Falk:

„Pass gut auf Eliana auf, hörst du!“

Falk spitzte die Ohren und knurrte leise. Justin verließ sein Zimmer. Aufgeregt lief ich hin und her. Nach endlos erscheinender Zeit öffnete sich die Tür.

„Oh, Justin, du bist zurück!“, rief ich erleichtert, aber ich hatte mich geirrt.

„Oh, welches Vögelchen haben wir denn da?“

Edward packte mich am Handgelenk und warf mich aufs Bett. Falk griff ihn an, aber Edward versetzte ihm mit seinen schweren Stiefeln einen Tritt gegen den Kopf. Falk flog in die Ecke.

„Falk!“, schrie ich auf.

„Du hast wohl gedacht, du könntest deinen Liebsten warnen. Zu spät. Jetzt werde ich meinen Spaß mit dir haben. Schade, dass Justin nichts davon weiß, das würde ihn mehr quälen als alles andere!“

Mit einem widerlichen Grinsen auf dem verzerrten Gesicht versuchte er mir das Nachthemd vom Körper zu reißen. Ich wehrte mich, aber der Stoff war sehr dünn. Mit einem Ratschen riss einer der Ärmel ab. Ich versuchte meine Blöße zu bedecken.

„Lass sie sofort los!“

Justins Stimme war so scharf, wie ein Rasiermesser. Edward drehte sich erstaunt um.

„Du solltest tot sein!“

„Hast du gedacht, du könntest mich so schnell los werden?“, fragte Justin sarkastisch.

„Wir werden sehen!“

Edward zog seinen Degen. Ich rollte mich über das Bett und ließ mich auf der anderen Seite herunter gleiten. Die beiden Männer kreuzten die Klingen. Als Justin durch eine Parade am Arm getroffen wurde und Blut seinen weißen Ärmel färbte, hielt ich vor Angst die Luft an. Falk lag jaulend in der Ecke. Ich kroch zu ihm hinüber, um ihn zu beruhigen. Justin trieb Edward vor sich her, auf die andere Seite des Zimmers. Ich nutzte die Gunst des Augenblicks und stellte ihm ein Bein. Edward stürzte, stieß sich den Kopf am Bettpfosten und wurde ohnmächtig.

„Eliana!“

Justin zog mich vom Boden hoch und schloss mich erleichtert in seine Arme. Ich lehnte mein Gesicht an seine nackte Brust und schlang meine Arme um seine Taille. Er lebte, er war hier bei mir und hielt mich in den Armen! Jeder einzelne Muskel seines Körpers war angespannt und ein Gefühl der Erregung durchlief meinen Körper. Ich spürte seine Haut auf meiner. Sein Herz schlug heftig von der Anstrengung des Kampfes.

„Oh, Justin, geht es dir gut? Wurdest du verletzt?“

Ich sah besorgt zu ihm auf.

„Eliana, du musst gehen, der Krach hat bestimmt die anderen Hausbewohner geweckt. Es wird jemand kommen und nachsehen was passiert ist. Es wäre nicht gut, wenn dich jemand in so dramatischem Zustand hier vor findet.“ Seine Stimme klang eindringlich und er schob mich sanft von sich. „Das würde deinem guten Ruf schaden.“

Das war der Grund? Er war gerettet und dachte nur daran, dass mich niemand bei ihm vorfand, um meinen guten Ruf zu retten. Als ob das irgendeine Bedeutung gehabt hätte? Ohne ihn hatte nichts Bedeutung. War er so gefühllos? Konnte ihm wirklich entgangen sein, dass ich ihn liebte? Meine Augen füllten sich mit Tränen. Ohne ein Wort lief ich davon, gefolgt von einem humpelnden Falk. In meinem Zimmer warf ich mich auf mein Bett und weinte hemmungslos.

Justin lief erregt in seinem Zimmer hin und her. Sein eigener Cousin wollte ihn aus dem Weg räumen. Er konnte es nicht fassen. Eliana hatte ihm das Leben gerettet, ohne an ihre eigene Sicherheit zu denken. Er liebte sie. Noch nie hatte er ein so starkes Gefühl für eine Frau empfunden. Sie war die Richtige. Als Eliana sich ohne Vorbehalte in seine Arme geschmiegt und er ihre zarte Haut unter seinen Fingern gespürt hatte, kostete es ihn unglaubliche Kraft ihr nicht zu zeigen, wie sehr er sie wollte. Ihr warmer Atem strich über seiner Haut, und durch ihr dünnes Hemdchen ertastete er die Rundungen ihres biegsamen Körpers. Sie sah zauberhaft aus, mit den aufgelösten Haaren, die über ihre nackten Schultern fielen und er gestand sich ein, dass er sich rasend nach ihr sehnte. Sein Verlangen ihre weiche Haut zu streicheln, sie zu küssen und zu erleben, wie sie sich ihm hingab, war schmerzhaft. In dieser Nacht fand er kaum Schlaf.

                                                                 8

Leises Klopfen weckte mich. Sara trat ein.

„Seine Lordschaft erwartet sie in der Bibliothek, Miss.“

Benommen richtete ich mich auf und versuchte mich an die Ereignisse der letzten Nacht zu erinnern. Mein Kopf schmerzte und ich fühlte mich elend. Ich zog mir die Decke über den Kopf und wäre am liebsten gestorben. Ich hatte mich vor Justin zum Narren gemacht. Der Wunsch ihn wieder zu sehen war nicht sehr groß. Es dauerte länger als gewöhnlich, bis ich mich zu recht gemacht hatte. Schleppend Schrittes begab ich mich hinunter in die Bibliothek. Vor der  Tür blieb ich kurz stehen, atmete tief durch, straffte die Schultern und trat ein. Justin stand am Fenster und sah zur Tür herüber.

„Bitte setzen sie sich, Eliana.“

Er wies auf das Sofa. Klopfenden Herzens folgte ich seiner Bitte.

„Zuerst möchte ich ihnen danken, dass sie mich gewarnt haben“, begann er förmlich. Es schnürte mir die Kehle zu und ich kämpfte mit den Tränen. „Ich hoffe Falk geht es schon wieder besser?“

„Ja, danke Mylord!“

Ich vermied es ihn anzusehen.

„Es gibt etwas, worüber wir dringend sprechen müssen!“, fuhr er fort und kam näher.

„Oh!“, entfuhr es mir.

Justin blieb vor mir stehen und sah zu mir herunter.

„Da sie scheinbar eine Begabung dafür haben, sich immer wieder in rufschädigende Situationen zu bringen, können wir den Dingen nicht länger ihren Lauf lassen. Sie brauchen jemand, der auf sie aufpasst und sie vor solchen Abenteuern beschützt. Sie brauchen jemand der ihnen gewachsen ist Ich denke, ich habe die Lösung für unser Problem gefunden.“

Panik stieg in mir hoch. Justin hatte einen Ehemann für mich gefunden und konnte mich endlich loswerden.

„Willst du meine Frau werden?“

Justins kühle Stimme war ganz sanft geworden. Die Bedeutung seiner Worte drang zögernd in mein Bewusstsein.

„Ihre Frau?“, wiederholte ich ungläubig.

Justin sah mich lächelnd an.

„Nein, tut mir leid. Ich kann ihnen nicht erlauben mich aus Pflichtgefühl heraus an sich zu binden. Wir würden niemals glücklich werden.“

Während ich sprach war ich aufgestanden und zum Kamin gegangen. Ich musste  Abstand zwischen uns bringen, um meine Fassung nicht zu verlieren. Mit starrem Blick sah ich in die Flammen. Justin sollte meine Verwirrung nicht bemerken.

„Eliana! Komm her!“, forderte er mich entschieden auf.

„Nein!“, antwortete ich tonlos.

„Wenn du mich heiratest, wirst du versprechen mir zu gehorchen und es wäre gut, jetzt damit anzufangen!“

Ich sah ihn an, weil ich feststellen wollte, ob er einen Scherz mit mir trieb.

„Komm her, Eliana!“

Seine Stimme war sanft, aber bestimmt und sein Blick ließ keinen Widerspruch zu. Mit gesenktem Kopf ging ich zu ihm.

„Sieh mich an.“

Die Zärtlichkeit in seiner Stimme ließ mich aufmerken und ich sah ihn an.

„Warum glaubst du, habe ich dich gestern wirklich fort geschickt?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Hättest du noch eine Minute länger in meinen Armen gelegen, hätte ich dich nicht mehr gehen lassen können. Was glaubst du, wie viel Selbstbeherrschung es mich gekostet hat, dich nicht auf der Stelle zu meiner Frau zu machen!?“

Sein Geständnis ließ mir eine Gänsehaut über den Rücken lauf. Ich konnte nicht glauben, was ich hörte.

„Du willst mich?“

„Glaubst du wirklich, ich würde dich nur aus Pflichtgefühl heiraten? Dann hast du mich nicht sehr gut kennen gelernt.“

„Aber Lady Isabell?“, wandte ich ein.

„Lady Isabell glaubt, wenn sie ihre Reize deutlich spielen lässt, könnte ich ihr irgendwann nicht mehr widerstehen. Aber glaub mir, meine süße Eliana, keine Frau kann dir das Wasser reichen! Du bist wunderschön, klug und mutig! Ich will dich. Keine andere.“

Justin legte seinen Arm um meine Taille, zog mich ganz dicht an sich. Er hielt meinen Blick mit seinem gefangen.

„Als ich dich das erste Mal sah, ging die Sonne auf und mit jeder Minute, die du in meiner Nähe warst, liebte ich dich mehr und ich werde dich nie wieder gehen lassen. Wir werden viel Zeit haben einander kennen zu lernen, wenn du meine Frau bist!“

Der Ausdruck in seinen Augen ließ keinen Zweifel daran, dass es ihm ernst war. Sein Mund senkte sich auf meine Lippen und eine Wärme begann mich zu durchströmen, die meinen ganzen Körper erfasste. Ich schmiegte mich in seine Arme. Als Justin spürte, dass ich seine Küsse erwiderte, gab er seiner Leidenschaft nach, bis ich bebend und atemlos in seinen Armen lag.

„Oh, Justin“, flüsterte ich, „ich liebe dich so sehr.“

„Ich weiß mein Liebling und ich werde dir beweisen, wie sehr ich dich liebe. Jeden Tag und jede Nacht. Alles was ich mir je von einer Frau gewünscht habe, bist du. Ich will deine Liebe, deinen Geist und deinen schönen Körper.“

Ich errötete. Justin küsste mich so leidenschaftlich, dass ich keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte. Es existierte nur noch er und ich, nichts anderes hatte Bedeutung.

„Du wirst mir gehören und ich werde sehr eifersüchtig darüber wachen, dass dir kein Mann zu nahe kommt.“

Liebevoll lächelte er mich an und ich wusste, dass es das war, was ich wollte, seine Frau sein.

„Also? Wirst du mich heiraten?“

Sein Atem strich über meine Haut und ich erzitterte. Er lächelte. Ich wusste woran er dachte.

„Ja. Ich gehöre dir doch schon!“

„So etwas kannst nur du sagen“, er schmunzelte. „Mein Vater hatte Recht!“

„Womit?“

„Das du mich liebst.“

Ich nickte.

„Du wirst eine bezaubernde Braut sein und ich kann es kaum erwarten dich ganz zu besitzen“, sagte er mit rauer Stimme.

„Bitte, Justin, du machst mich verlegen.“

Er lachte leise und sein schönes Gesicht strahlte.

„Hab keine Angst, niemand hört unser Liebesgeflüster. Und wenn du erst meine Frau bist, werde ich dir noch viel zärtlichere Dinge sagen.“

Das Verlangen in seinen Augen entging mir nicht. Glücklich lehnte ich meinen Kopf an seine Brust und schloss die Augen. Ich hörte sein Herz schlagen, wie gestern Nacht. Das war kein Traum. Justin hielt mich in seinen Armen.

                                                                9

Die Hochzeitsfeier war vorüber. Die Trauung hatte im kleinsten Kreis stattgefunden. Anna hatte sich sehr über mein Glück gefreut, besonders da William ihr ebenfalls einen Antrag gemacht hatte.

Justin schloss die Tür.

„Nun mein Liebling, endlich sind wir allein!“

Er kam zu mir und sah über mich hinweg aus dem Fenster. Vor uns lag eine fantastische Aussicht aufs Meer. Ich lehnte seine Schulter. Justin umfing mich mit beiden Armen. Seine Nähe gab mir Sicherheit und erregte mich gleichzeitig.

„Bist du glücklich?“, fragte ich leise.

„Was für eine Frage? Ich werde es dir sofort beweisen!“

Justin drehte mich zu sich herum und sein Lächeln war Antwort genug. Er hob mich hoch und trug mich zum Bett. Ich drückte mein Gesicht in seine Halsbeuge und sog seinen Duft ein.

„Du riechst nach Wind und Meer“, flüsterte ich.

„Und du duftest nach Liebe.“

Ganz zart küsste er mich und ließ seine weichen Lippen an meinem Hals hinunter gleiten, ´        „Oh, Justin!“,  seufzte ich „Ich habe solche Sehnsucht nach dir! Bitte verlass mich nie. Ich liebe dich!“

„Ich verspreche es!“ Er sah mich feierlich an. „Du bist der Teil meines Lebens, der mir fehlte. Ohne dich bin ich nur unvollständig. Ich werde aufpassen, dass du mir niemals verloren gehst. Ich liebe dich!“

Sein feuriger Kuss löschte jeden Zweifel und alle Angst aus. Es waren keine Worte nötig, unsere Körper sprachen von Liebe, Sehnsucht und Verlangen. Seine Zärtlichkeit  löste meine Scheu in Luft auf. Ich gab mich ihm ganz und gar. Dafür schenkte er mir den Himmel auf Erden und weckte ein unlöschbares Feuer in mir.

Ende

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                                                                                     7

Ich erwachte, als die Sonne strahlend in mein Zimmer schien. Es klopfte leise und mein Mädchen erschien.

„Sara, wie spät ist es?“

„Neun Uhr, Miss.“

Sara stellte ein Tablett mit Tee, Toast und Marmelade auf einen kleinen Tisch.

„Oh, schon so spät? So lange hab ich schon ewig nicht mehr geschlafen.“

Ich schwang die Beine aus dem Bett, stand auf und streckte mich.

„Das macht nichts Miss. Frühstück gibt es erst um zehn. Nach langen Ballnächten pflegen die Stanforts nicht so früh aufzustehen.“

Justin hatte seinen Ausritt heute bestimmt nicht verschoben. Ich nahm eine Tasse Tee, die Sara eingeschenkt hatte und trat ans Fenster. Meine Ahnung erwies sich als richtig. Justin ritt gerade die Allee herauf. Er saß auf Thunder, als wäre er im Reitdress geboren. Seine Selbstsicherheit brachte mich jedes Mal aus der Ruhe. Sein durchdringender Blick ließ mich glauben, er könne meine Gedanken lesen, vermutlich war er dazu in der Lage.

„Welches Kleid möchtet ihr heute tragen?“, fragte Sara, „eines von den Neuen?“

„Nein. Leg mir eines von den schlichten Leinenkleidern heraus. Damit fühle ich mich am wohlsten.“

Lord Arthur fiel mir ein. Da der halbe Haushalt noch in Trance im Bett lag und ich sowieso keinen großen Hunger hatte, beschloss ich die Gelegenheit zu nutzen und ihn zu besuchen. Ich zog mich an, ließ mir von Sara einen Zopf flechten und sammelte mein Zeichenzeug zusammen.

„Sara, entschuldige mich bitte beim Frühstück. Wenn dich jemand fragt,  ich fühle mich nicht wohl.“

Sara lächelte verschwörerisch und ging. Ein paar Minuten später verließ ich mein Zimmer und begab mich in den Teil des Hauses, der zu den geheimen Gemächern führte. Schnell schlüpfte ich durch die Geheimtür und lief die Wendeltreppe herunter. Diesmal klopfte ich, bevor ich die schwere Eichentür aufschob.

„Guten Morgen, Lord Arthur.“

„Oh, guten Morgen, Eliana!“, Lord Arthur begrüßte mich freudig. „Sind sie sehr früh auf. Haben sie den Ball gestern nicht genossen?“

 „Doch sehr eure Lordschaft. Aber es ist schon zehn Uhr. Euer Sohn hat sogar seinen morgendlichen Ausritt schon hinter sich gebracht“, sagte ich mit gespielter Empörung.

„Ja, der gute Justin. Der einzige Grund für den er seinen Ausritt verschieben würde, wäre eine tödliche Krankheit“, schmunzelte er.

„Setzen sie sich Eliana. Darf ich ihnen einen Tee anbieten?“

„Gerne, my Lord.“

Ich setzte mich in einen gemütlichen Sessel am Kamin.

„Was soll ich denn für sie zeichnen, Lord Arthur?“, fragte ich voller Tatendrang.

„Nun, ich hatte gedacht, Ansichten von Stanfort Park, den Kräutergarten und den Park, Details aus den Innenräumen des Hauses. Die Wahl überlasse ich ihnen.“

Ich sah ihn nachdenklich an.

„Ich hätte da schon einige Vorschläge.“

„Das freut mich, Eliana. Wenn sie Lust haben können sie gerne anfangen. Wenn sie etwas benötigen, Zeichenmaterial, Papier sagen sie es. Ihr Wunsch ist mir Befehl.“ Er sah mich fröhlich an. „Da der Haushalt gerade mit Frühstück beschäftigt ist, würde ich gerne einen kurzen Spaziergang machen, wenn sie mich entbehren können.“

„Gerne, my Lord. Gehen sie nur, ich komme schon zurecht.“

„Ich freue mich, dass sie da sind, Eliana. Falls sie etwas benötigen, klingeln sie nach meinem Butler, er wird es ihnen bringen.“

Lord Arthur nickte mir lächelnd zu und verschwand aus einer der vielen Geheimtüren. Ich setzte mich an den großen Schreibtisch, legte ich mir die Zeichenutensilien zurecht, nahm einen großen Bogen Papier und begann einige Skizzen vom Garten. Nach einer Weile setzte ich die Feder ab. Verträumt sah ich vor mich hin. In eine Ecke der Zeichnung hatte ich ein kleines Porträt von Justin gemalt. Er gehörte zu Stanfort Park, wie der Garten und die Ahnengalerie. Nur er war aus Fleisch und Blut. Nicht nur das! Heißblütig war sicher die bessere Bezeichnung für ihn. Seine intensiven Blicke ließen erahnen, was ihn so aufregend machte. Ich musste an den Handkuss denken. Als er meine Hand küsste fesselte er meine Augen mit seinem Blick. Es war wie das Vorspiel zu einem richtigen Kuss. Ich fragte mich, wie es sich anfühlte seinen Mund auf meinem zu spüren. Völlig in meine Träumerei versunken, bemerkte ich erst, dass die Geheimtür hinter mir aufschwang, als ich ein Räuspern hörte. Ohne mich um zu drehen sagte ich:

„Oh, Lord Arthur seit ihr schon zurück?“

„Nein. Lord Arthur ist noch nicht zurück.“

Erschrocken sprang ich auf und warf beinahe den Sessel um.

„Justin?“, vor Schreck redete ich ihn mit seinem Vornamen an.

„Ich wusste gar nicht, dass sie so schreckhaft sind, Eliana.“

Er lächelte spöttisch und seine blauen Augen blitzten belustigt auf. Es gefiel ihm mich auf frischer Tat zu ertappen.

„Hier sind sie also. Ich habe sie beim Frühstück vermisst. Gibt es eigentlich ein Geheimnis, das man vor ihnen verbergen kann, Eliana?“

„Tut mir leid, Mylord. Ich habe es durch Zufall entdeckt“,  zuckte ich entschuldigend mit den Schultern.

„So, so. – Was machen sie hier so Wichtiges, das mich um ihre Gesellschaft bringt?“

Er sah mir über die Schulter und versuchte zu erkennen, was ich gezeichnet hatte. Schnell rollte ich das Blatt zusammen.

„Es sind nur Skizzen für ihren Vater. Er hat mich gebeten, Stanfort Park für seine Dokumentensammlung zu zeichnen.“

Justin sah mit einem Blick auf mich herab, der mich nervös machte.

„Ich glaube, ich sollte jetzt gehen Mylord“, meine Stimme zitterte.

Hastig warf ich meine Zeichensachen in meine Tasche.

„Ich kann sie leider nicht gehen lassen, sie wissen zu viel!“

Seine Augen straften das Misstrauen seiner Stimme Lügen.

„Ihre Geheimnisse sind bei mir gut aufgehoben. Sie können mir vertrauen.“

„Kann ich das?“

Sein Blick traf mich bis ins Mark.

„Ja! Sie haben meine Hand darauf. Versprochen.“

Ich streckte ihm meine Hand entgegen. Justin nahm sie in seine, drehte sie vorsichtig nach oben und streichelte sanft mit seinem Daumen über meine Handfläche. Ich konnte mich nicht rühren. Atemlos ließ ich es geschehen.

„Was für eine kleine Hand, in der die Ehre unserer Familie liegt.“

Seine Stimme jagte mir Schauer über den Rücken. Was passierte gerade? Justin wollte mich doch nicht. Er wollte sich seiner Verantwortung entledigen und  je schneller, je besser.

„Ich muss gehen, Mylord.“

Ich entzog ihm meine Hand und verließ fluchtartig den Raum. Auf der Treppe stolperte ich, raffte mich wieder auf und kam völlig aufgelöst in meinem Zimmer an. Ich nahm mir fest vor, mich künftig von Justin fern zu halten.

Justin rollte das Skizzenblatt wieder auseinander. Eliana hatte das kleine Teehaus am See gezeichnet, die griechische Statue aus dem Rosengarten, ein Stück Strand mit Sonnenaufgang und an einer Ecke entdeckte er sein Gesicht. Lord Arthur kam von seinem Spaziergang zurück.

„ Justin. Schön dich zusehen! Wie geht es dir?“, begrüße er seinen Sohn herzlich.

„Danke, gut, Vater! Wie ich feststelle hast du die Bekanntschaft unserer reizenden Miss Eliana Lefay gemacht.“

„Stimmt, und wenn ich das sagen darf, sie ist wirklich außergewöhnlich!“, Lord Arthur zwinkerte seinem Sohn zu. „Und? Liebt sie dich?“

Justin sah seinen Vater erstaunt an.

„Wie kommst du darauf?“

Lord Arthur sah seinem Sohn über die Schulter und entdeckte das Porträt. Er zeigte mit dem Finger darauf.

„Nun, deswegen!“

„Bis jetzt hatte ich immer geglaubt, Eliana sei damit beschäftigt mich nicht zu sehr zu verachten“, antwortete Justin nachdenklich.

„Und liebst du sie?“, wiederholte Lord Arthur seine Frage.

„Vater! Du stellst Fragen.“

Justin schüttelte den Kopf und machte eine abwehrende Handbewegung.

„Na gut mein Lieber, ich werde nicht mehr in dich dringen. Aber ich würde jedenfalls einiges dafür geben dreißig Jahre jünger zu sein.“

Lord Arthur lachte verschmitzt und Justin zog erstaunt die Augenbrauen hoch.

Prinz Niklas war inzwischen abgereiste und Lady Isabell belegte Justin mit Enthusiasmus in Beschlag, um ihren Rückstand vom Vortag wieder wett zu machen. Die übrigen Gäste waren zu einem Picknick aufgebrochen und ich war froh über die Freiheit, die sich mir dadurch bot. Ich nutzte die Gelegenheit, mit meinem Skizzenblock auf Wanderschaft zu gehen, um einige Eindrücke der Umgebung einzufangen, die ich für Lord Arthurs Chronik verwenden wollte.

Über meiner Begeisterung vergaß ich die Zeit. Ich hörte die Turmuhr schlagen. Sechs Uhr. Höchste Zeit zum Haus zurückzukehren und sich für das Dinner umzuziehen. Auf Weg zum Haus kam ich an den Ställen vorbei. Brego! Ich schämte mich. Für ihn hatte ich noch gar keine Zeit gehabt. Es würde nicht lange dauern nach ihm zu sehen. Leise trat ich durch eine Seitentür ein, als ich aufgeregte Stimmen vernahm.

„Hier ist der Schlüssel… heute Nacht….so nicht abgesprochen…. gebe dir mehr Geld.“ Da schnaubte Brego leise, er hatte mich bemerkt. Ich hielt die Luft an und presste mich in eine Lücke zwischen zwei dicken Balken.

„Hast du das gehört!“

„Was?“

„Da ist wer?“

„Du hörst Gespenster!“

„Trotzdem, wir sollten verschwinden bevor uns jemand entdeckt.“

Schwere Stiefel schritten über die Dielen, eine Tür wurde geöffnet und fiel wieder ins Schloss. Mein Herz schlug bis zum Hals. Es dauerte eine Weile, bis ich mich aus meinem Versteck traute. Ich schlich zu Brego in die Box und drückte mich furchtsam an ihn. Brego bemerkte meine Unruhe und stampfte unruhig auf.

„Ach, Brego, was soll ich tun? Irgendwie kommt mir die Stimme des einen Mannes bekannt vor, aber ich weiß nicht wohin ich sie stecken soll? Wenn ich dass Justin sage, wird er mich auslachen.“

„Wieso sollte ich sie auslachen?“

Ich schloss die Augen, Justin hatte die Angewohnheit aus dem Nichts aufzutauchen.

„Es ist nichts!“, verlegen senkte ich den Blick.

„Sie sind keine gute Lügnerin.“

Justins Stimme hatte wieder diesen leicht spöttischen Unterton. Ich beschloss nicht zu antworten. Aber ich unterschätzte Justin. Er kam auf mich zu, legte seine Hand unter mein Kinn und zwang mich ihn anzusehen.

„Gestehen sie Eliana, wieso sollte ich sie auslachen?“

Ich wusste, dass er ein Nein nicht akzeptieren würde. Also gab ich mir einen Ruck.

„Ich habe eben ein Gespräch belauscht, irgendjemand wird für etwas bezahlt, was er heute Nacht tun soll und es hatte nicht den Anschein, als währe es eine Sache, die man bei Tageslicht durchführen könnte.“

„Und? War das alles!“

Ich schüttelte den Kopf.

„Die eine Stimme kannte ich, aber ich kann sie im Moment nicht zu ordnen.“

Justin ließ mich los.

„Warum nicht gleich so? Wissen sie nicht, dass sie mir vertrauen können?“

„Und nun?“,  ich sah ihn fragend an.

„Ich werde Vorkehrungen treffen. Mit mehr Details brauchen sie ihren hübschen Kopf nicht zu belasten.“

Ich war empört.

„Finden sie nicht, dass ich alt genug bin, um mich von ihnen nicht wie ein Kind behandeln zu lassen?“

Mit soviel Gegenwehr hatte Justin nicht gerechnet und seine Stimme klang beschwichtigend, als er sagte:

„Sie kennen schon so viele Geheimnisse, dass ich sie nicht noch mehr belasten wollte. Schließlich waren die letzten Tage aufregend genug für sie.“

Ich wusste, dass er die Sache mit Prinz Niklas meinte und mein Zorn verrauchte.

„Kommen sie, lassen sie uns zum Dinner gehen! Überlassen sie mir das Problem.“

Er bot mir seinen Arm und ich begleitete ihn zum Haus.

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Nachdem ich mich angekleidet hatte, wollte ich noch ein Stück mit Falk spazieren gehen. Ich kam an dem Flur vorbei, in dem ich heute Nachmittag Justin getroffen hatte.  Falk stellte seine  Ohren auf und knurrte leise. Regungslos lauschte ich. Dann hörte ich das Geräusch auch. Es kam direkt aus der Wand, hinter der Geheimtür. Ich wartete einen Moment. Vielleicht war das ja nur ein Tier, dass sich in die Gänge verirrt hatte.  Da war es wieder. Meine Neugierig ließ mir keine Ruhe.  Ich öffnete mit einem Druck die Wandverkleidung und legte den Eingang zu den geheimen Gängen frei. Hinter der Wand befand sich ein kleiner Flur, der zu einer Wendeltreppe führte. Falk folgte mir vorsichtig nach unten. Eine schwere Eichentür versperrte mir den Weg. Mit ganzer Kraft drückte ich die Klinke herunter und warf mich gegen die Tür. Tatsächlich gab sie nach und ich betrat ein gemütliches Arbeitszimmer. Es war leer, aber nicht unbewohnt.

Im Kamin brannte ein Feuer, dass eine angenehme Wärme verbreitete. Auf dem riesig anmutenden Schreibtisch lagen Dokumente und Handschriften über die Geschichte von Stanfort Park. Ich setzte mich und blätterte vorsichtig die Seite eines dicken Buches um, als sich eine weitere geheime Tür öffnete und ein älterer Herr erschien. Ich sah ihn erstaunt an, während er auf mich zu kam und mit strahlendem Lächeln sagte:

„Guten Abend. Sie müssen Eliana Lefay sein.“

 „Ja, woher wisst ihr wer ich bin?“

Die Augen meines Gegenübers blitzten mich belustigt an.

„Ich bin Justins Vater. Er hat mir von einem Mädchen mit goldenen Haaren erzählt, das verdammt gut reiten kann.“ Er schmunzelte und mit einem Augenzwinkern sagte er: „Und glauben sie mir, mein Sohn flucht sonst nie.“

 „Justins Vater? Lord Arthur? Ich dachte, Justins Vater wäre gestorben.“

Seine Lordschaft lachte schallend. Meine Entgeisterung amüsierte ihn köstliche.

 „Ja, der bin ich. Und wie ihr seht, bin ich gesund und munter.“

 „Oh ja, dass sehe ich“, antwortete ich, „aber ich bin froh darüber, wirklich.“

„Darf  ich ihnen einen Tee anbieten, Eliana? Ich bekomme selten Besuch und bin froh über jede neue Bekanntschaft.“

„Sehr gerne“, nahm ich sein Angebot an.

Lord Arthur gefiel mir. Seine silberweißen Haare rahmten ein markantes Gesicht ein. Um seine Augen zogen sich viele winzige Lachfältchen und seine blauen Augen glichen denen von Justin sehr. Lord Arthur zog zweimal am Klingelzug neben der Tür, dann setzte er sich mir gegenüber.

„Sicher interessiert sie, jetzt da sie hinter mein Geheimnis gekommen sind, weshalb ich hier unten lebe.“

„Sehr Mylord“, ich lächelte ihn an, „ich fürchte nur, ihrem Sohn wird das nicht gefallen.“

„Ach, Justin ist ein viel zu ernster junger Mann und leider sind wir, seine Mutter und ich, nicht unschuldig daran.“

Die Tür ging auf und ein Butler erschien, mit einem Tablett Tee und Shortbread . Er schenkte seiner Lordschaft und mir Tee ein, dann zog er sich still zurück, als wäre es das normalste auf der Welt, eine junge Frau im Arbeitszimmer seines Herren vorzufinden. Lord Arthur nippte an seinem Tee, dann legte er die Fingerspitzen zusammen und sagte ernst:

„Nun, nachdem meine Frau unsere Familie durch ihre Spielsucht fast ruiniert hatte, beschloss ich, als Justin sich auf einer großen Europareise befand, zu „sterben“. Dadurch wurde Justins Trust frei und die Familie saniert. Allerdings muss der arme Justin seit dem auch die Verantwortung für alles tragen. Wenn heraus käme, dass ich noch am Leben bin, würde er als Betrüger dastehen  und seine Mutter frönt der Spielleidenschaft wie eh und je. Sie sehen, meine Liebe, eine komplizierte Angelegenheit.“

„Das verstehe ich.“

„Außerdem ist da sein Cousin Edward, der den Titel gerne erben würde und keine Gelegenheit auslässt Justin zu gefährlichen Unternehmungen zu veranlassen.“

„Wenn ich ehrlich sein darf, ist Mister Stanton mir sehr unsympathisch.“

„Sie dürfen ehrlich sein, Eliana. Ich bitte sie, sich vor Edward in Acht zu nehmen, er ist ein gefährlicher Mann, auch wenn er ziemlich unscheinbar wirkt!“

Lord Arthurs Augen ruhten besorgt auf mir.

„Ich werde an ihren guten Rat denken. Aber warum erzählen sie mir das alles?“

„Weil ich glaube, dass ich ihnen vertrauen kann. Außerdem können sie ein wachsames Auge auf Justin haben“, er schmunzelte.

„Sie können mir vertrauen, ihr Geheimnis ist in meinen Händen in Sicherheit. Aber ich glaube kaum, dass Justin möchte, dass ich ein Auge auf ihn werfe“, gebe ich zu bedenken.

Fröhlich lächelte er mich an.

„Oh, da wäre ich mir nicht so sicher“, bemerkte er und zwinkerte mir zu, „außerdem hoffe ich, sie dafür zu gewinnen Zeichnungen für mich an zu fertigen, für meine Dokumentation von Stanfort Park. Mein Sohn sagte mir, sie seien sehr begabt!“

 „Wirklich?“

Ich strahlte Lord Arthur an.

„Ja, wirklich.“

 „Wann soll ich damit beginnen?“

 „Wann sie wollen, aber nun sollten sie wieder in die Welt der Lebenden zurückkehren und zum Ball gehen, ehe man sie vermisst.“

Erschrocken sprang ich auf.

„Der Ball, dass hatte ich ganz vergessen.“

Lord Arthur lächelte verschmitzt.

„Das eine Frau für mich einen Ball vergessen hat, ist lange her.“

„Verzeihen sie Mylord, dass ich sie jetzt so überstürzt verlasse. Ich hoffe, ich kann mich morgen fort schleichen, dann können wir darüber sprechen, was sie sich genau vorstellen.“

Lord Arthur nickte und ich umarmte ihn spontan.

„Mein Sohn hat großes Glück. Was würde ich darum geben heute Abend einmal mit ihnen zu tanzen.“

Ich lächelte verlegen. Über die Wendeltreppe verschwand ich wieder in die Oberwelt. Dass Justin heute Abend mit mir tanzen wollte, bezweifelte ich. Lady Isabell würde ihn sicher nicht mit mir teilen und ich musste zugeben, dass mir bei dem Gedanken ein kleiner Stachel im Herzen saß.

                                                                    6

Falk ließ ich von einem Diener auf mein Zimmer bringen und schlug den Weg zum Ballsaal ein. Ich begegnete William und Henrietta. William bot mir seinen freien Arm und geleitete uns in den Saal. Anna stand neben Justin und winkte uns herüber. Lady Isabell war nirgends zu sehen. Den Grund dafür entdeckte ich kurze Zeit später. Sie musste sich heute Nachmittag beim Ausreiten den Knöchel verstaucht haben. Sie saß an einem kleinen Tischchen und hielt ihren Fuß elegant auf einem kleinen Schemel drapiert. Gesichtsausdruck legte den Eindruck nah, dass sie in eine Zitrone gebissen hatte.

Anna sah bezaubernd aus in ihrem weißen Seidenkleid, bestickt mit rosa Rosenblüten. Ihr aufgestecktes Haar schmückten ebenfalls kleinen Rosenblüten und Perlenschnüre. William  strahlte sie so offenkundig an, dass mir warm ums Herz wurde.

 „Sie sehen bezaubernd aus Anna. Darf ich sie gleich um den ersten Tanz bitten?“

William reichte ihr den Arm und Anna ließ sich selig lächelnd aufs Parkett führen. Ich flüsterte Henrietta ins Ohr:

„Ich glaube, vor morgen früh werden sie die Tanzfläche nicht mehr verlassen.“

Wir kicherten leise. Justin hatte noch kein Wort gesagt und mich nur sehr interessiert betrachtet. Jetzt richtete er das Wort an mich:

„Sie kommen spät. Ich wollte sie vorhin abholen, aber sie waren nirgends aufzufinden.“

 Mir schoss sofort die Röte ins Gesicht.

„Entschuldigen sie Mylord, aber ich bin noch etwas mit Falk spazieren gegangen.“

„So, so.“

Mehr sagte er nicht, aber ich spürte, dass er ahnte, dass ich nicht alles gesagt hatte. Allerdings hatte ich Lord Arthur versprochen alles für mich zubehalten. Wenn er es für richtig hielt würde er Justin sicher darüber berichten. Bevor wir noch ein Wort wechseln konnten stand Prinz Niklas neben mir und verneigte sich.

„Sie sehen wunderschön aus heute Abend. Darf ich sie um diesen Tanz bitten Eliana?“

Ich sah Justin fragend an, er nickte zustimmend. Niklas reichte mir den Arm und führte mich zum Tanz.

Justin hatte Eliana sofort gesehen, als die den Saal betrat. Sie fiel auf, weil sie versuchte nicht aufzufallen. Der Schnitt ihres Kleides war schlicht und die einzige Extravaganz, die sie sich leistete, war der Stoff. Ein einzigartiges Blau, dass das Blau ihrer Augen betonte, bestickt mit silbernen Blüten, die im Licht der Leuchter glitzerten. Das schlichteste und hervorstechenste an ihr waren die Haare. Die anderen Damen hatten kunstvoll aufgesteckte Frisuren, verziert mit Edelsteinen und allerlei Zierraten. Eliana trug das weizenblonde Haar offen. Einzig die seitlichen Strähnen waren mit silbernen Bänder verflochten und fielen ihr über die Schultern bis zur Taille.

Justin erkannte, dass er sich ein völlig falsches Bild von seiner Cousine und ihrer Familie gemacht hatte. Seine Mutter bezeichnete ihre Verwandtschaft als arrogant und verschwenderisch. Das Gegenteil war der Fall. Anna war tadellos erzogen und trotz ihres Standes bescheiden. Er freute sich, dass sie sich so gut mit William verstand. Die Beiden passten ausgezeichnet zusammen. Justin wusste, dass William Anna nicht wegen ihres Vermögens heiratete. Ein Punkt der Eliane sehr am Herzen lag. Bei Prinz Niklas sah das anderes aus. Seine Beweggründe, Eliana den Hof zu machen, waren nicht so selbstlos. Man munkelte, er hätte Spielschulden und versuche sich durch eine Heirat zu sanieren. Darum war er froh, dass Eliana keine tieferen Gefühle für ihn hegte. Sie tanzte leichtfüßig wie eine Elfe und zog die Blicke vieler Männer auf sich. Justin bemerkte, dass Niklas Eliana hinüber zu den großen Terrassentüren führte und als er für einen Moment abgelenkt war, waren sie verschwunden.

Niklas war charmant wie immer. Er war ein guter Tänzer und ich genoss das Gefühl über die Tanzfläche zu schweben. Als er mich bat mit ihm ein bisschen frische Luft zu schnappen, ging ich arglos mit ihm hinaus auf die Terrasse.

 „Ist es nicht ein wunderschöner Abend Eliana?“, Niklas lächelte mich an.

„Ja, Prinz Niklas. Ein wundervoller Ball. Alles ist so hübsch arrangiert.“

„Das stimmt, aber das Schönste an diesem Abend seid ihr“,  seine Stimme klang rau.

Plötzlich nahm er meine Hand in seine.

„Bitte, so etwas dürfen sie nicht sagen.“

Ich entzog ihm meine Hand, wandte mich verlegen ab und ging ein Stück die große Treppe hinab, die in den Park führte.

 „Wieso?“

Niklas kam hinter mir her.

„Endlich habe ich die Gelegenheit ihnen zu sagen, wie sehr ich sie verehre und liebe.“

Erneut ergriff er meine Hand und führte sie an die Lippen. Mir wurde mulmig und mein Herz schlug schneller. Was wollte er von mir? Ich hatte ihm doch bedeutet, dass mir die Situation sehr unangenehm war, aber sein Griff lockerte sich nicht.

„Bitte, Prinz Niklas. Sie kennen mich doch überhaupt nicht.“

Ich riss mich los und wich weiter in den Garten zurück. Beharrlich folgte er mir.

„Das ist nicht so entscheidend. Wenn sie meine Frau sind, werden sie lernen mich zu lieben.“

Plötzlich erkannte ich, in welch missliche Lage ich mich, durch meine Vertrauensseligkeit, gebracht hatte. Wenn ich zulange vermisst würde und mit Prinz Niklas erwischt wurde, möglicherweise in einer zweideutigen Situation, wäre ich kompromittiert und müsste auch noch froh sein, seine Frau zu werden. Ängstlich sah ich mich um. Niemand war zu sehen und der einzige Weg zu entkommen war der Park. Wenn er mich dort einholte, wäre alles nur noch schlimmer. In der Abgeschiedenheit des großen Geländes hatte er mich in der Hand. Niklas kam immer näher.

„Sträuben sie sich nicht Eliana. Ich werde sie sehr glücklich machen.“

Energisch zog er mich in seine Arme.

„Aber nicht an diesem Abend Niklas“, sagte eine eisige Stimme hinter uns.

Niklas ließ mich abrupt los. Ich stürzte in Justins Arme und presste mich zitternd an ihn.

„Prinz Niklas ich wünsche, dass sie morgen mein Haus verlassen. Sie haben meine Gastfreundschaft missbraucht, in dem sie Eliana, die mir anvertraut wurde, zu kompromittieren versuchten, um eine Heirat zu erwirken.“

„Wie sie wünschen Mylord.“ Prinz Niklas verzog beleidigt das Gesicht. „Es tut mir leid, dass meine Werbung so schroff abgelehnt wird. Besonders, da mir Lady Amanda bedeutete, dass ich als Ehemann sehr willkommen sei!“

„Lady Amanda?“, Justins Stimme vibrierte vor Zorn, „ich bin der Herr dieses Haus.“

Prinz Niklas verneigte sich ohne weitere Worte, drehte sich auf dem Absatz um und ging hocherhobenen Hauptes zurück zum Haus.

Ich lag immer noch in Justins Armen, und obwohl Niklas fort war, hielt er mich fest. Mein Kopf ruhte an seiner Schulter. Seine Wärme umfing mich und ich konnte den Schlag seines Herzens hören. Das durfte nicht sein, kam es mir schlagartig zu Bewusstsein. Sicher war Justin wütend auf mich, weil ich so dumm war und Niklas Absichten nicht erkannte. Ich löste mich aus seiner Umarmung und wich einen Schritt zurück.

„Verzeihung, Mylord. Ich danke euch für eure Hilfe.“ Meine Stimme zitterte. Ich versuchte seinen Gesichtsausdruck zu deuten, aber in der Dunkelheit der Nacht, war das nicht möglich. „Wenn ihr es wünscht, werde ich in mein Zimmer gehen,“ sagte ich leise.

„Es war dumm von euch Prinz Niklas in den Garten zu folgen. Ich halte euch zu gute, dass ihr keine Erfahrung mit Männern habt.“ Seine Stimme war beherrscht, aber die Spannung in seiner ganzen Haltung war spürbar. „Allerdings wäre es noch dümmer, wenn sie jetzt dem Fest fernbleiben und dem Getuschel auch noch Nahrung geben.“

„Ja Mylord“, antwortete ich kleinlaut.

Ich musste ihm Recht geben, von Männern hatte ich keine Ahnung. Justin reichte mir seinen Arm.

„Kommen sie Eliana. Ich hoffe, sie haben etwas dazu gelernt, wenn auch auf sehr unerfreuliche Weise. Sollte noch einmal so etwas passieren, werde ich sicher nicht mehr so verständnisvoll reagieren können. Sie müssen bedenken, solange sie noch nicht verheiratet sind, trage ich die Verantwortung für sie.“

Nach diesem Vortrag hatte ich keinen Zweifel mehr, Justin würde mich so schnell wie möglich verheiraten, um sich seiner Verantwortung zu entledigen.

Wir betraten den Saal, als gerade eine artistische Darbietung stattfand. Die Gäste waren verzückt und konzentrierten sich auf die Artisten, also erregten wir kein Aufsehen. Die Einzige, die uns bemerkte war Lady Isabell. Der Blick, den sie mir zuwarf, als sie sah, dass ich an Justins Arm ging, war alles andere als freundlich. Trotzdem ließ Justin mich an diesem Abend nicht mehr aus den Augen und ich wich nicht von seiner Seite, aus Angst Prinz Niklas noch einmal zu begegnen.

Das Orchester spielte einen Walzer. Justin sah Elianas traurige Augen. Sie hätte sicher gerne getanzt. Er war sehr ärgerlich, als er sah, wie Prinz Niklas sie in seine Arme zog. Am liebsten hätte er ihn geschlagen. Aber als Eliana sofort in seine Arme flüchtete, zitternd wie Espenlaub, wusste er, das diese Situation außerhalb ihrer Vorstellung gelegen hatte. In den letzten Jahren hatte sie kaum mit Menschen außerhalb von Staverley Court zutun gehabt, geschweige denn mit Männern. Der einzige Mann, mit dem sie näher zutun hatte, war ihr Butler und der war nicht besonders gefährlich. Justin hatte ihren anschmiegsamen weichen Körper gespürt, als sie sich schutzsuchend an ihn schmiegte und es hatte ihn große Überwindung gekostet, nicht selbst die Situation auszunutzen, wie es Niklas versucht hatte.

„Darf ich sie um diesen Tanz bitten?“, fragte Justin versöhnlich.

Eliana sah ihn fragend an.

„Mylord?“

„Lassen sie uns Frieden schließen.“

Justin reichte ihr seinen Arm und sie sah dankbar zu ihm auf.

„Ja“, hauchte sie und legte ihre schmale Hand auf seinen Arm.

Justin führte Eliana auf die Tanzfläche. Er legte den Arm um ihre schmale Taille. Als sie ihre Hand in seine legte, vertrauensvoll in seine Augen sah, war er sich seiner eigenen Gefühle nicht mehr sicher. Justin liebte es nicht besonders mit jungen Mädchen zu tanzen, die in seiner Nähe meistens so nervös wurden, dass sie mehr auf seinen Füßen standen, als auf dem Parkett. Eliana zeigte kein Anzeichen von Verunsicherung. Sie tanzte, als täte sie nichts anderes. Seine Nähe schien sie in keiner Weise durcheinander zu bringen. Nach diesem Walzer wollte Justin sie nicht mehr aus seinen Armen lassen. So ließen sie keinen Tanz aus und Eliana schien jede Sekunde zu genießen.

Justin begleitete mich zu meinem Zimmer.

„Ich hoffe, sie konnten den Rest des Balles noch gebührend genießen!“

Freundlich sah er mich an.

„Ja, danke, Mylord. Es war wundervoll“, antwortete ich leise.

 Unter seinem prüfenden Blick errötete ich. Wenn er gewusst hätte, wie sehr ich es genoss in seinen Armen zu liegen und zu tanzen, wäre er sicher nicht begeistert gewesen.

„Schlafen sie wohl und träumen sie schön!“

Justin sah mich mit einem Blick an, den ich nicht deuten konnte. Für einen langen Moment standen wir nur da und sahen uns an, dann nahm er meine Hand in seine, zog sie an seine Lippen und küsste sie. Die Berührung seiner Lippen auf meiner Haut verursachte ein Vibrieren in meiner Magengegend. Langsam entzog ich ihm meine Hand.

„Guten Nacht Mylord.“

Ich neigte den Kopf und zog mich auf mein Zimmer zurück. Erhitz von dieser langen Ballnacht und den angenehmen Gefühlen ging ich ins Bett. Justin hatte mich den Vorfall mit Niklas vollkommen vergessen lassen. Ich sagte mir, dass ich mich nicht in Justin verlieben durfte. Diese Liebe würde mich genauso unglücklich machen, wie Lady Isabell, aber es war zu spät.

Justin lächelte in sich hinein und begab sich in seine Zimmer. Er legte seine Jacke ab, zog seine Stiefel aus und ließ sich auf sein Bett fallen. Eliana war das außergewöhnlichste Mädchen, das er jemals gesehen hatte. Sie war unverdorben und arglos, was ihren Umgang mit Männern betraf, andererseits war sie intelligent und scharfsichtig und sich in ihrer Gesellschaft zu befinden war äußerst angenehm.

Er hatte ihr Erschauern gespürt, als seine Lippen ihre zarte Hand berührten und er fragte sich, wie es sich anfühlen würde, ihre weichen Lippen zu küssen und ihr zu zeigen, was es bedeutete geliebt zu werden.

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