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Archive for Dezember 2012

Danke!

Für Euer Interesse an meinen Texten und Gedanken!

Ich wünsche Euch für das nahende neue Jahr 2013:

Liebe

Freude

Gute Freunde

Gesundheit

Erfolg

Neue Ideen

Träume die sich erfüllen

Arbeit

Auskommen mit dem Einkommen

Zufriedenheit

Energie

Sonnenschein

Sanften Regen

Inspirationen

Musenküsse 😉

und davon ganz viel!

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Auf der Reise

Auf der Reise

Durch die Nacht

Wieg ich dich

Ganz sacht

In meinen Armen

Schließ die Augen

Finde Ruhe

Dein Haupt gebettet

In meinen Schoß

 

Wache

Über deinen Schlaf

Kein böser Traum

Soll dich erschrecken

Kein Tier der Nacht

Dich wecken

Kein Dämon

Kein Engel

Dich besuchen

 

Nur das sanfte Licht

Des Mondes

Soll uns scheinen

Um den Weg

Dir zu erleuchten

Der dich trägt

Ins Land der Fantasie

 

Tausend Sterne

Sehn uns tanzen

Zwischen Tag und Traum

Bis wir müde

Von dem Reigen

In die weichen Kissen

Sinken

 

Von unserer Liebe

Trinken

Bis berauscht

Von diesem Trank

Wir eng umschlungen

Entschlummern

Bis zum Morgen

Der uns wach küsst

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Erster Schnee

Langsam steigt eine rote Sonne

Über den Rand des Morgens

Unter ihr liegt die Welt

Weiß von Raureif

 

Wie mit Zucker bestäubt

Ein Traum aus Kindertagen

Schnee fällt in dicken Flocken

Lautlos deckt er alle Wunden zu

 

In der Stille des Tages

Knirscht der Schnee unter meinen Füssen

Sehe meine Atemwölkchen losgelöst

Von meiner Seele aufsteigen

 

Könnte ich noch einmal das Kind sein

Verspielt und verzaubert an diesem Wintertag

Wieder den Traum der Kindheit träumen

Alle Sorgen hinter mir lassen

 

Der Morgen verstreicht

Die Sonne zieht ihre Bahn

Mein Wunsch zerfließt

Wie Raureif auf den letzten Rosen

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Lucas ist gegangen. Und ich bin der Grund dafür. Ich habe meinen Mund nicht aufgemacht und gesagt: ich liebe dich. Vielleicht wäre er geblieben? Ich starre auf die Tür, aber sie bleibt geschlossen. Draußen ist alles still. Lucas ist längst gegangen. In meinem Kopf ist Leere. Ein dicker undurchlässiger Wattebausch, der die zersplitterten Gefühle in meinem Innern nicht bis ins Gehirn dringen lässt, um mir unnötigen Schmerz zu ersparen. Ich mache mir keine Hoffnung Lucas wiederzusehen. Dazu habe ich ihn zu oft zurückgewiesen. Welcher Mann hält das aus? Ich erinnere mich an Anna aus „Persuasion“, „selbst wenn keine Hoffnung mehr besteht, lieben Frauen noch ewig.“ Ich will nicht ewig lieben, denn ich weiß, dass mein Leben bald zu Ende geht.

200 Stufen hat der Kirchturm. Ich habe Angst. Sinnlose blöde Angst. Was machen die paar Tage oder Wochen aus? Ohne Lucas ist jede Stunde überflüssig. Der Wind kühlt mir mein erhitztes Gesicht und trocknet die Tränen, die unaufhörlich über meine Wangen laufen. Warum auch nicht? Darf ich nicht um eine große Liebe weinen? Ich schließe die Augen. Sehe Lucas vor mir. Spüre noch einmal den Kuss, den er mir gab. Warum kann mein Herz nicht einfach aufhören zu schlagen? Mein Atem nicht einfach stillstehen? Meine Sehnsucht ist so groß, der Schmerz so allumfassend, dass er langsam durch meinen Schutzpanzer bricht und mein Gehirn überflutet. Jetzt ist ein guter Moment zu springen.

Ich streife die Schuhe ab und will auf den Fenstersims klettern, aber zwei feste Hände halten mich und eine nur allzu vertraute Stimme sagt:

„Warum?“

„Weil ich dich unendlich liebe. – Lass mich gehen.“

„Ich verstehe es nicht.“

Ich versuche Lucas von mir weg zu schieben, aber er ist viel stärker als ich und zieht mich nur noch näher an sich.

„Ich bin krank, Lucas.“

„Und?“

„Ich werde sterben und ich kann nicht zulassen, dass du dich mit einer kranken Frau herumschlägst. Du wirst mich irgendwann hassen.“

„Die Entscheidung solltest du besser mir überlassen.“

Schluchzend lehne ich meinen Kopf an seine Schulter. Ich zittere am ganzen Körper. Seine Wärme und seine Kraft lassen mich schrumpfen. Ich bin plötzlich so klein, dass ich in eine Jackentasche passen könnte. Lucas legt seine Hand unter mein Kinn und hebt mein Gesicht zu seinem empor.

„Ich liebe dich. Mehr als ich jemals dachte, eine Frau lieben zu können. Mir ist es egal, ob du krank oder gesund bist, ich will mit dir zusammen sein. Wer weiß, wie viel Zeit uns bleibt? Jede Minute ohne dich ist vertane Zeit. Endlich habe ich den Menschen gefunden, der für mich bestimmt ist. Bitte bleib bei mir.“

Dann küsst er mich und jede Angst, jeder Gedanke an ein Ende ist wie weggeblasen. Sein Mund wird fordernder und ich spüre ein heftiges Verlangen in mir aufsteigen.

„Ich will dich“, flüstert er nah an meinem Ohr.

„Ich dich auch.“

„Dann lass uns gehen und keine Zeit verlieren.“

Er lächelt dieses bezaubernde Lächeln und mein Herz macht einen Satz. Ich weiß jetzt, dass ich alles tun werde, um solange wie möglich bei ihm zu sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ich wünsche euch …

Ruhe und Frieden

Klarheit

Zeit zu atmen

Zeit zu sehen

Freude an kleinen Dingen

Ein hörendes Ohr

Ein mitfühlendes Herz

Güte

Verständnis

Wahrheit

Gesundheit

Zufriedenheit

Freunde

Glück

Liebe

 

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„Menschen sind merkwürdig, nicht wahr?“, Antonio unterbricht mich, „je mehr uns jemand ablehnt, um so stärker entbrennt unsere Leidenschaft.“

„Tja, als ob uns das anzieht. Die Abwehr zieht uns an, oder die Gleichgültigkeit. Sie ist wie ein Magnet. Plötzlich erscheint uns der andere so begehrenswert.“

Ich klappe das Buch zu. Ich schließe die Augen und höre dem Rauschen des Meeres zu.

„Ich wünschte, ich müsste nie, nie mehr hier fortgehen. Ich würde so gerne hier sitzen bleiben bis in alle Ewigkeit. Irgendwann würde ich erstarren, wie eine Fliege im Bernstein und immer würde ich hier sitzen und das Meer sehen. Die Möwen würden mir am Tag Gesellschaft leisten und in der Nacht die Sterne.“

„Ein romantischer Wunsch“, lacht Antonio, „aber ich schätze du würdest irgendwann großen Hunger bekommen.“

„Da hast du wohl recht“, seufze ich.

In seine Augen kann ich ein wehmütiges Lächeln sehen.

„Meinst du, man kann an gebrochenem Herzen sterben?“, fragt er mich.

Ich nicke wortlos mit dem Kopf. Wenn ich an Raoul denke, spüre ich diesen Schnitt in meinem Herzen noch genauso heftig, wie zu dem Zeitpunkt, als er mich verließ. Die Gedanken, die heiße Sehnsucht, die Träume lassen mich nicht los und vertiefen den Riss noch.

„Die Wunde heilt alle Zeiten“, murmele ich.

„Heißt das nicht, die Zeit heilt alle Wunden?“

„Ja, schon, aber ich fürchte, dass meine Wunden die Zeiten überdauern werden.“

„Meine auch“, flüstert Antonio und zieht mich in seine Arme.

Ich rücke zu ihm hinüber und lehne meinen Kopf an seine Schulter. Ich weiß nicht, ob ich davon laufen, oder jede Grenze überschreiten und mich einfach fallen lasse soll. Tränen laufen mir über die Wangen. Meine Gefühle schlagen Wellen, wie das Meer und ich hab das Empfinden unterzugehen.

Antonio streicht mir eine Locke, die sich aus meinem Zopf gelöst hat, aus dem Gesicht, legt den Finger unter mein Kinn und hebt mein Gesicht seinem entgegen. Zärtlich küsst er mir die Tränen fort. Seine Lippen sind weich und sanft, ohne zu fordern.

„Antonio“, flüstere ich.

„Sag nichts. Lass mich dich einfach nur küssen. Ich weiß, dass du nicht bei mir bleiben kannst. Niemand kann das besser verstehen als ich. Wenn es um dich gehen würde, dann würde ich auch immer weiter nach dir suchen.“

„Warum?“

„Weil Liebe, Liebe ist. So wie du dich in diesen andern Mann verliebt hast, ohne an die Konsequenzen zu denken, so hab ich mich in dich verliebt.“

Antonio drückt mich fest an sich, und als er mich wieder küsst, lasse ich es geschehen, ohne nachzudenken. Wie lange wir dort sitzen, weiß ich nicht. Eng aneinander geschmiegt und schweigend.

„Ich glaube wir müssen langsam zurückgehen. Mutter wird mit dem Essen warten“, bricht Antonio das Schweigen.

„Dann sollten wir gehen“, versuche ich zu lächeln, „deine Mutter wundert sich bestimmt, wo du solange geblieben bist.“

„Ich glaube nicht. Meine Mutter ist eine kluge Frau!“

Als wir zurück sind, gehe ich auf mein Zimmer. Meine Sehnsucht bringt mich fast um. Ich denke an Antonio und seine Zärtlichkeit, die mich bis in mein Inneres getroffen hat. Ich könnte bleiben. Niemals fortgehen von diesem wunderbaren Mann, dem Meer, dem Himmel. Mein Herz hier verlieren. Aber dann wird mir bewusst, dass ich es schon längst verloren habe und es weit fort von hier ist.

Habe ich mich die ganze Zeit vor dem Leben gedrückt? Bin ich verloren gegangen aus Angst, niemals wirkliches Glück und echte Liebe zu finden? Mein Herz schlägt wie verrückt. Mir ist bewusst, dass es keine Alternative gibt. Ich habe meinen Bestimmungsort noch nicht gefunden und muss gehen. Schnell packe ich meine Sachen und gehe hinunter ins Café. Madeleine erwartet mich.

„Du gehst fort nicht wahr“, fragt sie traurig.

Ich nicke unter Tränen.

„Ja, ich muss gehen. Grüßen sie bitte Antonio von mir?“

Da kommt Antonio aus der Küche.

„Du musst nicht fortlaufen“, sagt er leise.

Ich umarme ihn ganz fest. Mein Hals ist zugeschnürt. Tränen laufen über meine Wangen und vermischen sich mit seinen.

„Vergiss mich“, flüstere ich, „finde die Eine, die dich so sehr liebt, wie du es verdienst.“

Dann nehme ich mein Gepäck und gehe zum Bahnhof hinüber. Mein Herz ist steinschwer und meine Augen sind blind vor Tränen. Der Zug hält gerade, als ich ankomme. Ein netter Schaffner hilft mir beim Einsteigen, dann ist ein lauter Pfiff zu hören und der Zug setzt sich in Bewegung und verlässt den Bahnhof. Die Tränen sind wie ein Strom, der über die Ufer tritt. Jeder Zentimeter meines Körpers, meines Herzens und meiner Seele schmerzt. Da höre ich eine sanfte Stimme neben mir.

„Hab keine Angst, Noelle, alles wird gut.“

„Herr Grimm?! Wie kommen sie hier her?“, frage ich überrascht und erleichtert.

Ich umarme ihn und er streicht mir sanft über das Haar.

„Nun, ich dachte, es wäre an der Zeit meine Notizbücher wieder abzuholen und dir deine eigenen zu bringen.“

Er lächelt und reicht mir ein Bündel Notizbücher, das mit einer roten Schleife versehen ist. Oben auf den Etiketten steht mein Name: Noelle Snow. Sie sind ganz neu und riechen nach frischem Papier.

„Hier und dies sind ein paar Stifte, damit du sofort anfangen kannst.“

Herr Grimm reicht mir einen Bund Stifte, die von einem Bindfaden zusammengehalten werden.

„Danke, Herr Grimm.“

Er sieht mich aufmerksam an.

„Hab keine Angst. Sei mutig, du wirst finden, was du suchst. Du bist jetzt eine Geschichtenerzählerin. Du hast die Liebe, die Freude, das Leid gesehen. Du brauchst all dies um deine Geschichten zu erzählen. Und hab keine Angst vor den Schatten. Du kannst sie bezwingen. Deine Fantasie wird sie zurückdrängen und die Welt um vieles bunter machen.“

Dann küsst er mich auf die Stirn, nimmt sein Bündel Notizbücher unter den Arm und verlässt mein Abteil.

Ich erwache. Was war das für ein Traum? Ich reibe mir die Augen und strecke mich. Neben mir auf dem Sitz liegen die Notizbücher. Ich nehme sie in die Hand. Auf den Etiketten steht mein Name. Noelle Snow.

„Hallo Noelle, wie schön, dass du wach bist.“

Diese Stimme! Wie sehr habe ich mich danach gesehnt sie zu hören.

„Raoul?“, flüstere ich verwundert.

„Hast du daran gezweifelt?“, fragt er.

„Nein“, erwidere ich fassungslos, „ich sah dich in meinen Träumen, hörte deine Stimme. Was ist passiert?“

Raoul setzt sich zu mir und reicht mir einen Becher Kaffee.

„Ich weiß es nicht. Du bist eingeschlafen und ich hab dich nicht mehr wach bekommen. Dein Schlaf war sehr unruhig und ich hatte Angst um dich. Manchmal hast du gesprochen, aber ich konnte dich nicht richtig verstehen. Aber nun bist du ja wieder erwacht.“

Das ist unmöglich. Alles soll nur ein Traum gewesen sein? Nein, das kann, das darf nicht sein. Ich öffne meinen Rucksack. Alles, was ich geschenkt bekam, ist noch da. Ich finde sogar eine Feder von Lilis Flügeln. Was ist passiert? Die Schatten? Ich sehe Raoul aufmerksam an, ich weiß nicht, was es ist, aber seine Gesten, seine Blicke sind so verändert, dass ich es mehr als beunruhigend finde.

„Raoul kannst du dich noch daran erinnern, was du mir am Anfang unserer Reise über die Liebe sagtest?“

„Was gibt es über die Liebe zu sagen?“, antwortet er gleichgültig.

„Du bist nicht Raoul! Wer bist du!“, schreie ich den Doppelgänger an.

Ein böses Lachen ist zu hören.

„Ich habe dich unterschätzt Noelle Snow. Woran hast du es bemerkt?“

Vor meinen Augen verwandelt sich Raoul in einen gesichtslosen dunklen Schatten. Schwarz und bedrohlich erfüllt er das kleine Abteil und nimmt der Sonne das Licht.

„An deinen Augen. Du bist ein Schatten, seelenlos und Raoul ist alles andere als das!“

Der Schatten kommt näher und ich spüre, wie mich die Kälte, die er ausstrahlt, zu lähmen beginnt.

„Gib ihn mir zurück!“, befehle ich ihm.

„Warum sollte ich!“, der Schatten lacht mich aus.

„Weil ich, dich töten werde.“

Die Wut treibt mir Tränen in die Augen, aber ich werde mich nicht unterkriegen lassen.

„Mit was willst du mich töten?“

Immer weiter dringt die Kälte in mich ein.

„Mit meinen Worte, meiner Fantasie. Ich werde solange Geschichten erzählen, bis du fort bist, du hast keine Chance, denn dir fehlt die Liebe und niemals! Niemals wird das Böse das Gute besiegen! Es war einmal ein kleines Mädchen, das sich verloren hatte …“, beginne ich mit letzter Kraft zu erzählen.

Plötzlich ertönt ein lautes Zischen ich halte mir die Ohren zu und rede dabei immer weiter. Schwarze grausame Nebel wallen auf und ab, greifen nach mir. Ich rede, wie ein Wasserfall. Jeder Gedanke, der sich in meinem Gehirn verfangen hat, ist mir recht. Ich spreche, bis mir die Zunge am Gaumen klebt und ich mich kaum noch aufrecht halten kann. Da weicht unerwartet der Schatten immer weiter zurück, bis er ganz verschwunden ist.

Die Sonne erhellt mein Abteil, wie vorher. Ich atme auf. Da geht ein leichter Ruck durch den Zug. Die Bremsen krallen sich in die Schienen. Ein lautes Zischen. Die Lok stößt einen weißen Schwall Rauch aus. Ein Bahnhof. Soll ich jetzt den Zug verlassen und an diesem Ort bleiben? Alles in mir verkrampft sich. Ein lähmendes Gefühl lässt mich zögern, als ich eine sanfte Stimme höre.

„Geh, Noelle, versuch dein Glück!“

Ich sehe Herrn Grimms gütige Augen vor mir. Er zwinkert mir zu und lächelt aufmunternd.

Ich nehme allen Mut zusammen und steige aus. Es ist ein Bahnsteig, wie alle anderen. Nichts ist besonders hier. Kein Duft, keine außergewöhnlichen Menschen. Und tatsächlich regnet es. Wie auf Tausenden Bahnhöfen vorher. Vielleicht sollte ich wieder in den Zug einsteigen. Ich will einen anderen Bahnhof finden, einen besseren als diesen ordinären Bahnsteig im Nirgendwo.

Da setzt sich der Zug wieder in Bewegung, meine Chance ist vorbei. Ich gehe zu der einzigen Bank auf dem Bahnsteig, setze mich und öffne meinen Rucksack. Da, auf den Notizbüchern von Herrn Grimm, liegt das kleine Päckchen, dass Raoul mir hinterlassen hat, bevor er ging. Ich nehme es heraus, hebe den Deckel an und ein unglaublicher Duft von Kaffee, Schokolade und betörenden Essenzen strömt heraus.

Das ist genau der Duft! Ich hatte ihn schon die ganze Zeit bei mir und habe es nicht gewusst. Ich verschließe das Döschen wieder, stecke es in meine Tasche und verlasse eilig den Bahnsteig.

Draußen empfängt mich unerwartet ein milder Duft, der Regen ist fort und es riecht nach Blüten und Sommer. Ein kleiner Platz umsäumt mit Platanen liegt vor dem Bahnhof. Sonnenstrahlen drängen durch die Wolken und lassen das Wasser in den Pfützen glitzern wie Silber. Ich setze mich auf eine weiße Bank und genieße die Düfte, die mich umschweben.

Zu Hause? Ich weiß es nicht, aber ich weiß plötzlich, dass alles gut wird. Egal wohin ich von hier aus gehe, egal wem ich begegne und was mir passieren wird. Ich werde niemals allein sein. Es wird Menschen, Elementare, Ritter und Engel geben, die meinen Weg begleiten. Ob in meinen Träumen oder in der Realität ist nicht wichtig. Für mich leben sie alle und die Schatten werden vergangen sein. Auch die Schatten meiner Vergangenheit. Ich habe sie besiegt, weil ich sie bunt gemacht habe. Ich habe ihnen durch meine Fantasie die Spitzen und die Bitterkeit genommen.

Festentschlossen meine eigene Geschichte zu schreiben, werde ich meinen Weg gehen. Alles ist Legende. Vielleicht noch nicht heute, aber die Zeit wird kommen, in dem meine Geschichte sich in ein Märchen verwandelt. Ich hole die kleine Dose wieder heraus, entnehme die Praline und stecke sie mir in den Mund. Sie zergeht auf der Zunge, die Quintessenz des Lebens, Süße und Bitternis. Füllung und Umhüllung.

„Noelle?!“

Raoul kommt auf mich zu. Ich sehe ihn einfach nur an.

„Du bist da“, sage ich, ohne überrascht zu sein.

Es ist eine Feststellung und keine Frage.

„Ja.“

Er schaut mich mit einem fragenden Blick an.

„Ich bin gekommen, um dir eine Frage zu stellen. Weiß du noch, was du mir am Anfang der Reise sagtest?“, frage ich.

„Man lebt nur einmal und man liebt nur einmal“, antwortet Raoul.

„Bist du immer noch dieser Ansicht?“

Raoul sieht mir tief in die Augen. Dann nimmt er meine Hand, legt sie auf seine Brust. Ich spüre seine warme Haut unter meinen Fingerspitzen und den Schlag seines Herzens, der in meinem Rhythmus schlägt.

„Als ich dich sah, wusste ich es. Ich liebte dich, mehr als ich jemals geliebt habe. Aber ich habe schon soviel Schmerz gesehen, soviel Leid erlebt, dass ich dir das ersparen wollte.“

„Und jetzt?“, flüstere ich ängstlich.

„Willst du mich, mit allen meinen Zweifeln, meiner Zerrissenheit und meiner Angst?“

Mein Herz setzt für einen Moment aus.

„Willst du mich mit all meiner Liebe?“, frage ich zurück.

Schweigend sehen wir uns an. Raoul hält immer noch meine Hand auf sein Herz gepresst. Ich fühle, dass sein Herz sich fast überschlägt.

„Mehr als alles, was ich mir je wünschte“, antwortet er.

Seine Lippen sind meinen ganz nah, und als er mich küsst, ist es genauso, wie ich es mir erträumt habe. Also werden Träume doch wahr.

„Komm, lass uns gehen“, sagt Raoul und lächelt.

„Wohin?“, frage ich.

„Ich weiß es nicht. Wenn wir da sind, werden wir es wissen.“

Ich muss lachen.

„Also bin ich nur angekommen, um wieder zu gehen?“

Raoul schüttelt den Kopf.

„Du bist gekommen, um zu finden. Deine Suche ist zu Ende. Du bist nicht mehr verloren, weil du gefunden wurdest und gefunden hast.“ Er lacht und küsst mich zärtlich. „Aber unsere Reise beginnt erst und es gibt soviel, das ich dir zeigen will, meine süße Noelle.“

Mein Herz macht einen Satz.

„Wo möchtest du zuerst hin?“, fragt Raoul.

„Zurück zum Meer“, antworte ich sofort.

„Dann schnell, der nächste Zug kommt gleich. Er wird uns ans Meer bringen.“

Raoul nimmt mich an die Hand, und als wir den Bahnsteig betreten, fährt gerade der nächste Zug ein.

 

„Bon Voyage!“

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Als er seine warmen Lippen auf meinen Mund legt, fahren meine Gefühle Achterbahn. Ich weiß nicht, wie lange wir so engumschlungen da stehen. Mir ist klar, dass es nur ein halbherziger Versuch ist, Raoul zu vergessen, aber dieses Gefühl von Nähe und Wärme, das Antonio in mir auslöst, weil ich es vor Sehnsucht kaum aushalten kann, bringt mich durcheinander. Ich wünsche mir ich könnte Antonio lieben. Seine schönen Augen, die mich mit einem liebevollen Blick umfassen und seine angenehme Gegenwart machen mich so traurig, weil ich sie nicht annehmen kann. Ich kann es nicht ändern, aber ich sehe Raouls melancholische Augen, seinen sinnlichen Mund und dieses Lächeln, dass mein Herz wärmt und mich gleichzeitig traurig macht. Es ist dieses innere Band, das ich zu ihm spüre, weil ich seine Zerrissenheit und seine Zweifel so gut nachvollziehen kann.

„Komm, dort drüben haben wir einen schönen Blick über das Meer und die Bucht.“

Antonio führt mich einen schmalen Pfad entlang, ein paar roh behauene Treppenstufen hinauf, auf eine Plattform. Wir setzen uns an den Rand und lassen die Beine herunter hängen. Schweigend sitzen wir da, Hand in Hand. Dem anderen ganz nah und doch ist mein Herz so fern und ich habe Angst, dass ich Antonio wehtun muss.

„Ich habe gehört, dass du eine Geschichtenerzählerin bist“, bricht Antonio nach einer Weile das Schweigen.

„Ja“, sage ich leise, „möchtest du eine Geschichte hören?“

„Das wäre schön, dann könnte ich mich immer an diesen wundervollen Moment erinnern.“

Ich höre die Niedergeschlagenheit in seiner Stimme.

„Du weißt es?“

„Ja, ich sehe es in deinen Augen“, sagt Antonio, „aber ich finde, er hat dich nicht verdient. Wenn du mich lieben würdest, würde ich dich niemals verlassen.“

Ich lächele bekümmert, denn ich weiß, dass er recht hat. Trotzdem ist alles was ich will, Raoul. Ich öffne meinen Rucksack, nehme das Notizbuch, Erzählungen vom Leben heraus, schlage es auf und fange an zu lesen:

„Also, es waren einmal drei Geschwister, die kamen nach Paris, auf der Suche nach Glück, so wie die meisten Menschen um die Jahrhundertwende. Die Stadt war voll von Glücksrittern und Karrieristen, die es zu Reichtum und Wohlstand bringen wollten. Als die drei jungen Leute am Place Gaillon ankamen, blieb das Mädchen überrascht stehen.

„Schau einmal, Jean!“, rief sie freudig erregt, „dieses Teeservice mit den kleinen Rosen. Genau so eins hatte Mutter sich immer gewünscht.“

Denise drückte ihr zierliches Näschen an der Fensterscheibe des Porzellangeschäftes platt. Ihre langen blonden Haare waren zu einem dicken Zopf geflochten und sie trug ein winziges Hütchen. Ihre einfache Kleidung zeigte ihre Herkunft an, war aber sauber und ordentlich, genau, wie die ihrer älteren Brüder.

„Hmmm, wirklich nett“, brummte Jean.

Seine Aufmerksamkeit galt allerdings nicht dem kostbaren Teeservice, sondern einer jungen Dame, die in dem Café saß, das direkt an den Porzellanladen grenzte. Sie trug ein modisches Kleid und ihr Dekollete leuchtete geradezu aufreizend hell im Kontrast zu dem dunkelgrünen Stoff, der ihre Katzenaugen betonte. Sie lächelte ihr Gegenüber an und mit einer anmutigen Bewegung, schob sie sich mit einer silbernen Kuchengabel ein Stückchen Sahnetorte in den sinnlichen Mund. Gierig starrte Jean auf ihre roten Lippen.

„Wenn ich sie doch nur einmal küssen könnte“, schoss es ihm durch den Kopf.

„Komm Jean, lass uns gehen“, Andre zupfte ihn am Ärmel, und als Jean nicht reagierte, zog er ihn hinter sich her, über die belebte Straße.

 

Andres eilige Schritte waren schon von Weitem zu hören. Denise riss die Tür ihres bescheidenen Zimmerchens auf und sah in Andres strahlendes Gesicht.

„Nun, was ist los? Hast du sie?“, fragte Jean ungeduldig.

Er war aufgesprungen und schob Denise beiseite.

„Ja“, stieß Andre atemlos hervor, „und wisst ihr, was das Beste ist?“

„Nein, los sag schon! Spann uns nicht auf die Folter!“, drängte Jean seinen Bruder.

„Sie nehmen euch auch in Lohn und Brot!“

„Oh, wie schön!“

Denise jubelte und fiel Andre um den Hals, „dann muss ich mich nicht von euch trennen. Ich hatte solche Angst ganz allein in einen fremden Haushalt zu kommen.“

Denise war sechzehn Jahre alt und seit dem Tod der Eltern kümmerten sich ihre Brüder um sie. Sie war ein frisches natürliches Mädchen mit Verstand, aber Paris machte ihr Angst.

„Ich bin auch froh“, sagte Andre, der ältere der beiden Brüder, „aber du scheinst ja nicht sehr glücklich zu sein?“

Andre sah Jeans gedankenverlorenen Blick. Er machte sich Sorgen um ihn. Jean war impulsiv und hatte ein selbstquälerisches Wesen, das Andre, der ein vernünftiger, bodenständiger Charakter war, völlig fremd war.

„Doch, doch, alles ist gut“, murmelte Jean und sah aus dem Fenster auf die wogenden Massen, auf der Straße.

„Als was werde ich arbeiten?“, bestürmte Denise Andre.

„Du wirst der Köchin zur Hand gehen, da kannst du dir gleich noch etwas abschauen“, Andre lächelte sie liebevoll an.

„Und was wird Jean machen?“, fragte Denise neugierig.

„Jean wird der Kammerdiener des jungen Herrn. Der Alte hat in einen anderen Haushalt gewechselt.“

Jean fuhr herum. Sein Blick hatte sich verfinstert. Er hasste es, zu lange in engen Räumen eingesperrt zu sein. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätten sie ihr Dorf nie verlassen. Aber Andre hatte ihm klar gemacht, dass sie dort keine Zukunft hatten.

„Na, toll! Du darfst im Stall bei den Pferden arbeiten und mich sperren sie in so einen muffigen alten Kasten“, begehrte er auf.

„Beruhige dich!“

Andre legte seinem Bruder beschwichtigend eine Hand auf den Arm, aber Jean schüttelte sie ab. Er war wütend.

„Leider ist im Stall zurzeit nur eine Stelle frei“, erklärte er, „aber wer weiß. In so einem großen Haushalt findet dauernd ein Personalwechsel statt. Es wird sich sicher bald etwas ergeben. – Und inzwischen hat jeder von uns sein eigenes Zimmer, freie Kost, einen freien Nachmittag und sein eigenes Geld.“

Jeans Unzufriedenheit konnte Andres gute Laune nicht mindern. Er war froh eine gute Lösung für sich und seine Geschwister gefunden zu haben. Besonders auf Denise musste er ein wachsames Auge haben. Sie war zu jung und naiv, um es zu wissen, aber Denise war eine kleine Schönheit und Andre wollte nicht, dass sie irgendeinem üblen Kerl in die Hände fiel.

Jean stand vor dem Spiegel. Der schwarze Anzug saß zu eng, spannte über den Schultern, den Armen und den Hüften. Außerdem war er an allen Enden zu kurz. Das gestärkte weiße Hemd schnürte ihm am Hals die Luft ab und zwickte überall. Jeans muskulöse Statur passte einfach nicht zu der eines Kammerdieners. Jean war zweiundzwanzig Jahre alt, groß und seine dunklen Locken ließen sich nie bändigen. Egal was er auch versuchte. Er musterte sich mit dunklem Blick und je länger er sich im Spiegel besah, um so mehr beneidete er Andre um seine Stelle als Reitknecht. Zu Hause war er den ganzen Tag mit seinem Vater auf den Feldern gewesen, hatte gejagt, gefischt und mit dem alten Gaul gepflügt. Hier, in diesem dunklen alten Haus, in dem es nach dem Mief von Hunderten Jahren roch, fühlte er sich wie ein alter Hofhund. Er konnte zwar ein Stück Himmel sehen, es aber nie erreichen. An die Kette gelegt und eingesperrt.

Jean fragte sich, wie er es hier aushalten sollte, dabei war gerade sein erster Tag. Gestern Abend waren sie vom Hausdiener begrüßt und in die Personalquartiere eingewiesen worden. Danach hatten sie mit dem anderen Personal zu Abend gegessen und waren früh zu Bett gegangen.

Es klopfte. Jean fuhr erschrocken zusammen. Die Tür wurde aufgestoßen und Françoise, der Kammerdiener des alten Duc de Saint-Simon, trat ein. Als er Jean so unglücklich vor dem Spiegel stehen sah, grinste er.

„Ich würde sagen, du brauchst einen neuen Anzug. Der alte Kammerdiener des jungen Herrn war kleiner und dünner als du.“

„Sieht so aus“, sagte Jean resigniert.

Er versuchte keine unbedachte Bewegung zu machen, aus Angst der dünne abgetragene Stoffe könnte der Belastung nicht standhalten.

„Ich werde das veranlassen“, sagte Françoise, „aber es kann ein paar Tage dauern, bis dahin musst du dich mit dem abfinden.“

„Ja, muss ich wohl.“

„Gut, dann komm. Ich werde dir alles zeigen. Da kannst du dir schon mal einen Überblick verschaffen. Der junge Herr wird heute zurück erwartet. Er war ein halbes Jahr in England.“

Françoise ging hinaus und Jean folgte ihm mit hängenden Schultern. Wenn es nicht für Andre und Denise gewesen wäre, dann wäre er am liebsten davon gelaufen.

 

In einem anderen Zimmer drehte sich Denise vor einem schmalen Spiegel hin und her. Das schwarze Kleid, die schwarzen Strümpfe und die feinen Schuhe gefielen ihr außerordentlich gut, auch wenn die Stiefelchen zu groß waren. Denise hatte sich ein paar ihrer eigenen dicken Socken angezogen und so schlüpfte sie nicht mehr hinaus. Ihre Haare hatte sie zu einem strengen Zopf geflochten, der ihr bis auf die Hüften reichte und ein weißes Leinentuch um den Kopf gebunden. Das war so üblich in der Küche hatte man ihr erklärt, außerdem trug sie eine weiße gestärkte Schürze. Die musste jeden Tag erneuert werden. So wünschte es die Dame des Hauses.

Denise war gespannt, wann sie die Duchesse kennenlernen würde. Die Dienerschaft hatte gestern beim Abendessen darüber spekuliert, wann die Herrschaften eintreffen würden. Denn es war Herbst und die Ballsaison würde bald beginnen. Die ersten Einladungen waren eingetroffen. Mademoiselle Manon war ihren Eltern voraus gereist, da sie sich mit einer ihrer Freundinnen treffen wollte, während Monsieur Jules am nächsten Tag erwartete wurde. Denis strich sich noch einmal ihre Schürze glatt, stellte sich aufrecht hin und hob den Kopf. „Immer Kopf hoch, egal was auch passiert. Du musst dich vor niemand verstecken“, hatte ihre Mutter immer gesagt. Denise war festentschlossen diesem Motto getreu zu handeln. Sie atmete tief durch und ging dann hinunter in die Küche.

 

Andre war an diesem Morgen schon sehr früh auf den Beinen gewesen. Er hatte eine schlaflose Nacht hinter sich. Er fragte sich, wie alles sein würde und ob er den Anforderungen des Duc gerecht werden konnte.

Andre hatte Schmied gelernt und Pferde waren ihm vertraut. Einmal hatte er sogar eins zugeritten, für den Pfarrer seines Ortes. Der unwissende Mann hatte sich von einem Händler, zu einem weit überhöhten Preis, einen jungen Hengst andrehen lassen, der kaum zugeritten war. Verzweifelt war er zu Andre gekommen und hatte ihn gebeten, ob er nicht einmal sein Glück mit dem Tier versuchen wollte. Es war zwar ein hartes Stück Arbeit gewesen, aber Andre hatte es tatsächlich geschafft, den Hengst zu einem guten Reitpferd zu machen. Seitdem träumt er davon einen eigenen Stall zu besitzen und Pferde zu züchten.

Andre war sich im Klaren, dass dies nur ein Traum war, aber auch wenn er versuchte seine Chancen immer möglichst realistisch abzuwägen, so spukte ihm dieser Wunsch trotz allem im Kopf herum.

So war Andre viel früher als die anderen Knechte im Stall, um sich die Pferde anzusehen und die Arbeit einzuschätzen, die ihn erwartete. Im Gegensatz zu dem hitzköpfigen, verschlossenen Jean, hatte Andre ein offenes, freundliches Wesen, das ihm bei der Arbeit mit Mensch und Tier zugute kam. Alle schätzten ihn und legten Wert auf seine Meinung.

Andre hoffte, dass ihm auch hier gelingen würde, eine gute Atmosphäre zu schaffen. Er war zwar nur zwei Jahre älter als Jean, aber sein selbstbewusstes überlegenes Auftreten sicherte ihm schnell eine gewisse Autorität.

Andre hatte wie sein Bruder dunkles Haar, aber ohne seine Widerspenstigkeit, die seinem Charakter widersprochen hätte. Seine hellen Augen standen im außergewöhnlichen Kontrast zu seinem pechschwarzen Haar und fielen sofort auf, während Jean die schwarzen seelenvollen Augen seiner Mutter geerbt hatte. Andre hatte dieselbe Statur seines Bruders, allerdings war Jean feingliedriger. Andres Körper hatte die schwere Schmiedearbeit geprägt und an Kraft konnten es wenige Männer mit ihm aufnehmen. Er war sich dessen nicht bewusst, aber wenn er irgendwo in Erscheinung trat, richteten sich alle Blicke auf ihn, egal ob die der Männer oder der Frauen.

Seine Befürchtungen waren allerdings umsonst. Nach den ersten Stunden im Stall stellte sich heraus, dass Andre mehr als geeignet war, diese Stelle zu versehen. Der Stallmeister überlegte sich schon, wie er dem Duc am geschicktesten klar machen konnte, was für einen guten Fang sie mit Andre gemacht hatten.

 

Jean stand in den Räumen des jungen Herrn. Der Salon allein war geräumiger, als das Haus in dem er mit seinen Eltern und Geschwistern gelebt hatte. Dazu gab es noch ein Schlafzimmer, Ankleidezimmer und ein Bad. Françoise hatte Jean eine Menge erklärt und ihm brummte der Kopf. Auf was er alles achten sollte. Jean hielt diese ganzen Regeln des Anstands und der Etikette für Schwachsinn, aber er musste sie wohl oder übel befolgen, sonst würde er hinausfliegen.

„Das werde ich wohl nie schaffen. Bei der ersten Gelegenheit werde ich irgendetwas falsch machen und hinaus geworfen“, dachte er, „andererseits, warum nicht? Vielleicht ist es das Beste, was mir passieren kann. Denise und Andre sind gut untergebracht und ich suche mir was Besseres.“

„Hallo, Jules!“, hörte Jean eine glockenhelle Stimme, „bist du schon zurück?“

Hastig drehte er sich um und hörte ein Ratschen. Das Jackett war entzwei gerissen.

„Oh, nein! Auch das noch“, dachte er verzweifelt.

Da kam sie auch schon herein. Es war die Dame aus dem Café. Jean starrte sie aus seinen schwarzen Augen an. Es war wie eine Erscheinung. Ihr zartes lindgrünes Kleid war so duftig wie Rosenblätter und ließ ihre feurigen roten Locken aufstrahlen. Ihre grünen Augen blitzen freudig in Erwartung ihres Bruders Jules, aber als sie Jean sah veränderte sich ihr Blick und wurde fragend neugierig.

„Oh“, sagte sie, „ich hatte meinen Bruder Jules erwartet. Wer sind sie?“

„Mein Name ist Jean Laval. Ich bin der neue Kammerdiener ihres Bruders“, antworte Jean steif, ohne den Blick von ihr abzuwenden.

„Ich bin Manon de Saint Simon“, stellte sie sich vor, „ich hoffe, dass ihr länger hier sein werdet, als der vorherige. Mein Bruder hasst die ständigen Veränderungen.“

Manon tat so als würde ihr sein eindringlicher Blick entgehen. Sie wandte sich zur Tür.

„Dann will ich sie nicht bei der Arbeit stören. Guten Tag, Jean“, säuselte sie.

Jean sah dem göttlichen Wesen nach, das aus der Tür schwebte. Sein Herz raste wie verrückt und er hoffte, dass Manon keinen zu schlechten Eindruck von ihm bekommen hatte. Immerhin sah er in dem schlecht sitzenden Anzug nicht gerade vornehm aus.

„Ach, du Schreck“, fiel ihm wieder ein, „die Jacke ist gerissen. Ich muss sie nähen.“

Eiligen Schrittes verließ er Jules Räume, um Francois zu suchen.

 

Kaum hatte Manon den Raum verlassen, als sie ein Lachen nicht mehr zurückhalten konnte. Sie schien einen außerordentlichen Eindruck auf den jungen Mann gemacht zu haben. Er hatte den Blick nicht von ihr lassen können und sie war sich sicher, dass er sich in sie verliebt hatte. Manon war zwanzig Jahre alt und hatte inzwischen einige Erfahrung mit Männern, die sich in sie verliebt hatten.

„Tölpel alle samt“, dachte sie verächtlich, „kaum haben sie mich gesehen und aus Männern werden Dummköpfe. Kein Stolz und keine Stärke mehr. Alles dahin.“

Manon wollte zwar einen Mann, der in sie verliebt war, aber keinen der jede Selbstachtung verlor und vor ihr zu Kreuze kroch. Leider war ihr dieser Mann noch nicht begegnet und sie fürchtete inzwischen, dass er auch nie kommen würde. Manon hatte sich einige Prüfungen ausgedacht, denen sie die Männer aussetzte. Diejenigen, die darauf hereinfielen, sortierte sie sofort aus und bis jetzt hatte noch keiner bestanden.

 

Andre striegelte den schwarzen Wallach. Unruhig tänzelte das schöne Tier hin und her. Er war noch nicht an Andre gewöhnt und war nervös. Andre redete beruhigend auf ihn ein und klopfte ihm sanft auf die Flanken.

„Ganz ruhig, mein Schöner. Du wirst dich an mich gewöhnen müssen.“

„Und ich wohl auch!“, vernahm Andere eine weibliche Stimme.

Er richtete sich auf und sah über den Pferderücken hinweg eine junge Frau im dunkelgrünen Reitkostüm. Es war auf Figur geschnitten und betonte ihren wohlgeformten Körper.

„Sie sind nun schon das zweite neue Gesicht, das ich im Haus sehe. Wie ist ihr Name?“, fragte sie.

„Ich bin Andre Laval und sie sind sicher die Duchesse de Saint Simon“, sagte Andre und sah Manon aufmerksam an.

„Genau die bin ich!“ Manon sah Andre mit einem Stirnrunzeln an, „satteln sie mir Malice, ich will ausreiten!“

„Natürlich, Mademoiselle“, sagte Andre freundlich.

Ohne Eile legte er die Bürste weg und ging den langen Gang zu Malice Box hinunter. Das Sattelzeug hing neben der Box und Andre sattelte den Fuchs. Nervös trat das junge Tier von einem Bein auf das andere. Andre spürte, dass es noch nicht reif war, von einer ungestümen jungen Dame geritten zu werden.

„Mademoiselle darf ich ihnen einen Rat geben?“, Andre drehte sich zu Manon um, „ich würde ihnen lieber eins der anderen Pferde satteln. Malice ist heute Morgen sehr nervös.“

Manon sah Andre mit einer hochgezogenen Augenbraue an. Was erlaubte sich der Mann eigentlich. Malice war ihr Pferd und sie würde ihn reiten, wann es ihr passte. Unwillig schüttelte sie den Kopf.

„Nein, danke!“, antwortete sie eisig, „ich werde Malice reiten.“

Unverschämter Kerl. Erst starrte sie sein Bruder an, wie das siebte Weltwunder und dann versuchte ihr der Pferdeknecht Vorschriften zu machen. Andre zuckte nur mit den Schultern und legte dem Pferd das Zaumzeug an.

„Hebt mich hoch“, befahl Manon.

Andre verschränkte die Hände zu einem Tritt, ließ Manon mit einem Fuß darauf steigen und hob sie in den Sattel. Kaum saß sie auf dem Pferd, als es auch schon in die Höhe stieg. Verzweifelt versuchte Manon das Tier zu bändigen, aber je fester sie zugriff, um so mehr scheute das Tier. Andre versuchte an die Zügel zu kommen, aber ehe er zufassen konnte, fiel Manon auch schon. Geschickt fing Andre sie auf, stellte sie auf die Füße und griff in Malice Zügel. Beruhigend redete er dem Pferd zu, das schnaubte und versuchte auszubrechen. Mit einiger Mühe gelang es ihm, Malice wieder in die Box zu bugsieren. Andre zog die Box zu, dann wandte er sich mit einem liebenswürdigen Lächeln an Manon.

„Soll ich ihnen ein anderes Pferd satteln“, der Spott in seiner Stimme war nicht zu überhören.

„Nein, danke. Ich hab genug“, erwiderte Manon ärgerlich.

So würdig es ihr nach dieser Niederlage möglich war, trat sie den Rückzug an. Einerseits war sie zornig, weil er nicht danach gefragt hatte, wie es ihr ging. Anderseits bewunderte sie sein beherztes Zugreifen und noch ein paar Stunden später, spürte sie seinen festen Griff um ihre Taille, als er sie aufgefangen hatte.

 

Manon erwachte schweißgebadet. Sie hatte schwer geträumt. Sie fiel und fiel, dabei spürte sie heftige Tritte von Pferdehufen, und als sie schon dachte, es wäre alles aus, wurde sie aufgefangen. Sie fand sich in Andres starken Armen wieder. Manon hatte das Gefühl nackt zu sein, denn sie spürte seine Haut direkt auf ihrer, wie Feuer brannte es und als sie in seine Augen sah, wurde ihr ganzer Körper von einem erregenden Gefühl erfasst, dass bis zu ihrer Venusspalte reichte und eine ungeahnte Feuchtigkeit in ihr auslöste. Andre hatte ohne Umschweife seine Hände zwischen ihre Schenkel geschoben und seine Finger bewegten sich geschickt zwischen ihrer Spalte und ließen ihren Saft immer heftiger fließen. Immer schneller glitten seine Finger in sie hinein und heraus. Die Erregung war kaum auszuhalten und dann, als die Lust sie wie eine Welle hoch aufgetürmt war und Manon die Erfüllung erwartete, erwachte sie durch ein lautes Geräusch und alles war vorüber.

Zittern lag Manon in der Dunkelheit. Draußen donnerte es wie Kanonenschläge, dicke Blitze zuckten über den Himmel und große Regentropfen schlugen gegen die Fensterscheiben. Manon fühlte sich leer und betrogen. Sie sah Andres spöttische Augen vor sich, die zu sagen schienen „soll ich ihnen ein anderes Pferd satteln“, und sie fühlte sich gedemütigt und doch wusste sie, wenn Andre zu ihr kommen würde, dann würde sie sich sofort in seine Arme werfen und sich ihm bedenkenlos hingeben.

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Ich schlage das Buch zu. Auch ich will frei sein. Ankommen. Welches ist meine Gesichte? Muss ich sie erst entdecken, bevor ich frei sein kann, um zu bleiben? Ich glaube, dass ich mich erinnern könnte, aber ich will es nicht, weil es mir zu weh tut. Welchen Nutzen würde es haben sich zu erinnern? Alte Wunden aufzureißen und darauf zu hoffen sie würden sich wieder schließen. Ich bin ich. Die Erfahrungen aus meiner Vergangenheit haben mich geformt, so wie alles was mir in meinem Leben begegnet ist. Die Menschen, die Geschichten und die Dinge, die ich gesehen habe. Also wieso erinnern? Es ist passiert, es wird sich nicht ändern, nur weil ich alles wieder hervor krame.

Ich hole die Tüte heraus, die mir die Backfrau gegeben hat. Mein Magen knurrt. In der letzten Zeit ziemlich oft. Was machte das schon. Wenigstens etwas Süßigkeit in meinem Leben. Die Tür des Wagens schlägt auf. Ich widerstehe der Versuchung mich umzudrehen und nachzusehen, wer hereingekommen ist.

„Entschuldigung“, höre ich eine helle Stimme, „die Tür ist so schwer.“

Ich schieße herum und versuche einen Blick auf den neuen Fahrgast zu werfen. Niemand ist zu sehen. Nur die Spitzen von zwei weißen Flügeln. Ich drehe mich um und knie mich auf den Sitz, um über den Rand schauen zu können. Vor mir steht ein Mädchen von ungefähr acht oder neun Jahren. Es hat einen Verband um den Kopf und ein weißes langes Kleidchen an – und es hat Flügel!

„Hallo“, sagt die Kleine und lächelt schief, „darf ich mich zu dir setzen?“

„Ja“, flüstere ich.

Umständlich setzt sich das Engelskind neben mich und schaut mich mit riesigen Augen an. Das kleine zarte Gesicht drückt Neugier aus.

„Wie heißt du?“, fragt es.

„Ich bin Noelle Snow“, antworte ich, „und wer bist du?“

„Ich bin Lili.“

„Du bist ein Engel?!“

Lili nickt heftig.

„Ja, ich bin ein Engel, aber ich bin beim Spielen von einer Wolke gefallen“, sie wird kleinlaut, „ich war zu neugierig und habe mein Gleichgewicht verloren.“

„Das ist ein Problem“, denke ich laut, „darf ich deine Flügel anfassen?“

„Klar.“

Lili dreht mir den Rücken zu und ganz vorsichtig streiche ich über die schneeweißen Federn. Sind das Weichste was ich jemals gefühlt habe.

„Schön nicht wahr?“

„Ja, wirklich schön und soooo weich!“

Lili nickt nachdenklich.

„Leider nützen sie mir hier unter nichts. Deswegen bin ich auch in den Zug gestiegen. Ich muss nach Himmelstür, dort soll es eine Leiter nach oben geben.“

„Aha, und dies ist der richtige Zug dort hin?“

„Ich denke schon“, antworte Lili.

„Warum hast du eigentlich den Verband am Kopf?“

„Blöde Geschichte“, sagt sie und fast sich an den Kopf, „ich habe mich auf einem Apfelbaum versteckt, damit mich keiner sieht, aber leider kamen ein paar Jungs vorbei.“

„Oh, Oh, ich kann mir schon denken, dass das nicht gut ausgegangen ist.“

„Ja, du sagst es“, Lili nickt unglücklich, „nachdem mich einer der Bengel entdeckt hat, haben sie versucht mich aus dem Baum zu locken, aber ich hatte Angst vor ihnen. Dann hat einer angefangen mit Steinen nach mir zu schmeißen. Ein paar Mal konnte ich ausweichen, aber dann haben sie mich doch getroffen. Direkt an die Stirn und ich bin aus dem Apfelbaum gefallen.“

„Das tut mir sehr leid. Tut es noch weh?“, frage ich mitfühlend.

„Nein, es geht schon. Zwei von den Jungen hatten wohl ein schlechtes Gewissen. Sie kamen zurück und haben mir die Platzwunde am Kopf verbunden und mich hier her zur Bahn gebracht. Ich bin vorne eingestiegen und habe dort eine Weile gesessen. Als niemand kam, und bin ich auf die Suche gegangen. Ich habe doch ein bisschen Angst so allein.“

„Das kann ich verstehen. Normalerweise sind Züge nie so leer. Nun jetzt können wir ja eine Weile zusammenfahren.“

Ich sehe auf meine Tüte und halte sie Lili hin.

„Magst du die Hälfte davon abhaben? Schmeckt bestimmt sehr lecker.“

„Oh ja! Ich hab tatsächlich Hunger.“

Lili nicht freudig und ihre goldenen Löckchen wippen auf und ab. Ich teile das Kuchenstückchen und gebe Lili das Größere.

„Danke, Noelle, ich hab auch etwas für dich“, sagt sie.

Lili greift in ihr Gewand und holt zwei Äpfel heraus.

„Die habe ich von dem Apfelbaum, sind lecker!“

„Danke, kleine Lili.“

Schweigend essen wir und genießen das Zusammensein. Alleine reisen ist wirklich nicht so schön. Besonders im Zug. Eine Weile allein zu sein ist gut, aber zu lange muss es nicht sein.

Leider kann man nicht mit allen Menschen reisen. Manche sind begeisterte Reisende. Sie nehmen alles Neue interessiert auf und fügen es ihrem Erfahrungsschatz hinzu. Während andere unzufrieden jede Abweichung von ihrem Alltag als Störung empfinden und unleidlich und anstrengend werden.

Lili ist ein angenehmer Reisegefährte. Sie passt sich meiner Stimmung an und schweigt, wenn sie spürt, dass ich nicht reden will und steigt sofort in eine Unterhaltung ein, wenn ich plötzlich anfange über irgendetwas, sei es auch noch so unsinnig, zu reden. Lili ist eben ein Engel. Ich frage mich, wie alt sie wirklich ist? Werden Engel aus Nichts geschaffen? Aus Nebel oder Geist? Sind sie klein, wie Kinder und lernen während sie wachsen oder sind sie nicht eher gleich wie Erwachsene?

„Sag mal Lili, wie alt bist du eigentlich?“

„Ich weiß es nicht. Dort wo ich herkomme, gibt es keine Zeit. Ich sehe dort auch anders aus. Nicht mit einem weißen Kleid und Flügeln, wie ein Schwan. Ich bin dort oben unsichtbar und habe keine menschliche Gestalt.“

„Also das würde bedeuten, dass ich dich so sehe, wie du in meiner Vorstellung eines Engels erscheinst?“

„Nein, so ganz ist es nicht. Du siehst mich eher so, wie mich die Mehrheit der Menschen sieht.“

Das macht mich nachdenklich. Wenn wir Engel ansehen, als wären sie Kinder, nehmen wir ihnen damit nicht auch ihre Macht? Oder tun wir es, weil wir sie dadurch klein und ungefährlich machen wollen? Wenn Lili in glänzender Rüstung und mit einem Schwert vor mir stehen würde, hätte das sicher eine andere Wirkung auf mich.

„Aha? Ich würde dich gerne so sehen, wie du wirklich bist. – Also nicht unsichtbar“, ich lächele Lili an, „aber so, wie du erscheinen würdest, wenn du dich nach deiner Vorstellung zeigen würdest.“

„Gut“, sagt sie, „aber du musst kurz die Augen schließen. Wenn ich mich verwandele, sieht das für euch Menschen nicht sehr appetitlich aus.“

„Gut.“

Ich schließe die Augen. Dann höre ich merkwürdige Knirsch- und Knackgeräusche.

„So jetzt kannst du wieder herschauen“, höre ich Lili sagen.

Ich öffne die Augen und bin sehr erstaunt. Neben mir sitzt ein Erwachsener. Noch niemals habe ich so eine Schönheit gesehen. Tatsächlich hat die Person mit Lili noch dieselben goldenen Locken gemeinsam und die hellen strahlenden Augen. Ich kann nicht erkennen ob die Person männlich oder weiblich ist. Das Gesicht ist von einer zeitlosen Schönheit. Ebenmäßige Züge und in ihren Augen kann man die alte Seele erkennen, die schon so viele Dinge gesehen hat. Die Person trägt eine Art Uniform, aus weiß und silbernem Stoff, Leder und Besätzen, dazu feine Lederstiefel. Die Flügel sind allerdings nicht mehr zu sehen. Alles an ihr strahlt Würde und Größe aus und ich bin überwältigt.

„Du bist wunderschön“, flüstere ich.

„Danke“, lächelt Lili, „das kommt meiner echten Form schon näher. Ich bin eben kein Mensch, sondern ein Engel und man kann uns normalerweise nicht sehen. Aber die Menschen haben die Angewohnheit allem eine Gestalt und ein Gesicht geben zu müssen, da sie sonst nicht glauben können.“

„Ich sehe dich aber jetzt auch“, entgegne ich.

„Ja“, Lili nimmt meine Hand, „ich wollte mich dir aber zeigen. Du warst so traurig und ich fühlte deine Einsamkeit. Ich dachte, es wäre gut, wenn du nicht so lange alleine wärst und dich mit mir unterhalten könntest. In meiner jetzigen Gestalt bin ich auch nicht mehr Lili, nenn mich Lil.“

„Das ist nett von dir, Lil. Du bist gerade zur rechten Zeit gekommen. – Weißt du, ich finde das Leben doch recht kompliziert, manchmal.“

„Ich weiß. Ich kenne die Menschen schon sehr lange und weiß, wie sie so ticken“, Lil lacht leise, „aber hab keine Angst, alles wird sich finden, auch wenn es seine Zeit dauert.“

„Die Dinge ändern sich, willst du damit sagen.“

„Ja, in gewisser Weise schon. Aber es gibt auch Dinge, die sich zusammenfügen, auch wenn du nicht mehr daran glaubst, dass es so kommen wird.“

„Das wäre schön“, seufze ich und sehe Lil nachdenklich an.

Lil beugt sich vor und sieht mir tief in die Augen.

„Er wartet auf dich. Du wirst ihn finden. Die Lösung liegt ganz nah“, flüstert Lil.

Erstaunt reiße ich die Augen auf und tausend Fragen schießen mir durch den Kopf. Bevor ich einen davon stellen kann, schüttelt Lil den Kopf.

„Mehr darf ich dir nicht sagen, aber vertrau auf deine Intuition und deine Fantasie.“

Es geht ein Ruck durch den Zug. Er hält an und eine knarrende Stimme ist durch den Lautsprecher zu hören.

„Himmelstür, der VIP – Fahrgast möchte bitte den Zug verlassen.“

Lil steht auf und umarmt mich herzlich.

„Leider muss ich dich verlassen, man vermisst mich schon. Pass auf dich auf Noelle und sei immer guten Mutes.“

„Danke, Lil. Ich werde dich nie vergessen.“

Lil lächelt wissend und steigt aus dem Zug. Hastig öffne ich das Fenster und sehe, wie Lil von einem anderen Engel begrüßt wird. Lil dreht sich noch einmal zu mir um und winkt mir zu, dann verschwindet sie im Nebel, der über den Bahnsteig weht. Es ist in Himmelstür wie auf jedem anderen Bahnhof, schlechtes Wetter. Eigentlich habe ich hier anderes erwartet. Ich werde mich wohl oder übel damit abfinden müssen, dass der wässrige und gasförmige der häufigste Aggregatzustand von Bahnhöfen ist.

Ich schließe das Fenster und lasse mich wieder in den Sitz sinken. Eine angenehme warme und zuversichtliche Aura ging von Lil aus und ich werde sie sehr vermissen. Der Zug ruckt erneut und setzt sich wieder in Bewegung.

Nachdem wir den Nebel hinter uns gelassen haben, strahlt die Sonne über einem irisierenden azurnem Himmel. Fasziniert blicke ich aus dem Fenster. Die Gleise laufen direkt neben dem Meer entlang. Es ist zum Greifen nah. Nur der Strand und eine Promenade trennen mich vom Wasser. Möwen ziehen ihre Kreise und stoßen herunter, um sich einen Fisch zu packen. Boote mit geblähten weißen Segeln kreuzen vor dem Ufer. Rechst und links der Bahnlinie stehen lichte Pinienhaine, die immer wieder einen Blick auf das Meer ermöglichen. Riesige Kakteen stehen an der Promenade und kleine Vögel fliegen auf die großen roten Blüten, um sich Nektar zu holen. Aufgeregt packe ich meine Sachen. Ich werde auf jeden Fall am nächsten Bahnhof aussteigen. Egal wer oder was mich erwartet oder nicht.

Als der Zug in den nächsten Bahnhof einläuft, steige ich aus. Die Luft ist warm und geschwängert vom Duft der Blumen und dem Salz des Meeres. Es regnet nicht! Ist dies mein Ziel? Werde ich mich hier finden? Ich schnuppere, aber ich kann weder Kaffee noch Schokolade riechen. Das macht nichts, ich habe noch Zeit. Eilig verlasse ich den Bahnhof. Neben dem Bahnhofsgebäude liegt eine hübsche Pension über einem Cafe. Ich betrete das Haus und eine freundliche Dame kommt mir entgegen.

„Guten Morgen, meine Liebe, was kann ich für sie tun?“, fragt sie.

„Ich hätte gerne ein Zimmer“, sage ich, „ich möchte so gerne das Meer sehen.“

„Da sind sie bei mir genau richtig. Kommen sie, ich zeige ihnen ihr Zimmer. Danach kommen sie ins Café und frühstücken ordentlich. Ich bin übrigens Madeleine“, sagt sie mit ihrem strahlenden Blick und reicht mir die Hand.

„Ich bin Noelle Snow“, antworte ich und spüre ihren festen Händedruck.

Dann geht sie mir voran eine schmale Treppe hinauf und führt mich über einen Flur in ein hübsches Gästezimmer. Die Möbel sind zwar eher antik, aber alles ist sauber und ordentlich, wie in einer Puppenstube. Ein winziger Balkon hängt wie ein Schwalbennest vor dem Zimmer.

„Ihr Bad ist gleich gegenüber auf dem Flur. Hier ist der Schlüssel“, sagt Madeleine und drückt mir einen riesigen Schlüssel in die Hand.

„Danke, ich kann eine Dusche gebrauchen.“

„Lassen sie sich Zeit, Kindchen, ich richte in der Zeit das Frühstück.“

Madeleine nickt beruhigend und verlässt das Zimmer. Hastig, um keine Zeit zu verlieren, suche ich mir ein paar leichte Sachen aus meinem Koffer und husche ins Bad. Die kühle Dusche tut gut. Nachdem ich mich gründlich gesäubert und hergerichtet habe, schlüpfe ich in einen roten Glitzerrock und ein weißes Shirt mit grüner Spitzeneinfassung. Dazu trage ich rote Spitzensöckchen und weiße Leinenschuhe. Ich setzte meinen Lieblingsring auf und lege meine Perlenkette und die passenden Ohrringe dazu an. Ich nehme das goldene Band, das mir Raoul geschenkt hat, und flechte meine Haare zu einem Zopf. Ein paar Strähnen kringeln sich vorwitzig heraus und lassen mich nicht so streng aussehen. Endlich bin ich mit mir zufrieden und gehe hinunter ins Cafe.

Madeleine hat ein Tischchen für mich gedeckt, und als ich mich setze, kommt sie auch schon mit einer großen Tasse Kaffee aus der Küche.

„Oh, wie niedlich!“, sagt sie fröhlich und deutet auf meine Kleidung, „sie sehen aus, wie die Tochter des Weihnachtsmanns.“

Ich muss lachen.

„Das habe ich schon öfter gehört.“

„Wenn sie einen Wunsch haben, sagen sie es“, bietet Madeleine eifrig an.

„Danke, es ist alles bestens.“

Der kleine Tisch biegt sich unter der Last der Speisen. Croissants, Madeleines, Marmelade, Paprikawürstchen, hauchdünner Schinken, Erdbeertörtchen.

„Ich glaube nicht, dass ich alles aufessen kann“, stelle ich fest.

„Oh, das macht nichts“, winkt Madeleine ab, „essen sie, was sie mögen.“

Ich frühstücke ausgiebig und trinke dazu einen hervorragenden Milchkaffee. Nach dem Frühstück will ich zum Strand hinunter gehen.

„Madeleine, ich gehe zum Strand“, rufe ich.

„Ja“, sie kommt aus der Küche und wischt sich ihre Hände an ihrer Schürze ab, „ich rufe meinen Sohn, er wird sie hinführen.“

„Ich weiß nicht, ich glaub ich schaff das schon alleine“, wehre ich ab.

„Nein, nein“, Madeleine schüttelt den Kopf, „es ist nicht so einfach, ihr müsst erst durch einen Tunnel und dann durch einen Pinienhain.“

Sie dreht sich um und ruft:

„Antonio! Komm doch bitte mal her!“

„Was ist denn Mamita, ich habe keine Zeit.“

„Noelle möchte zum Strand, begleitest du sie, damit sie sich nicht verläuft.“

„Aber Mamita… .“

Ein Mann mit dunklem Wuschelkopf kommt aus der Küche. Als er mich sieht, bricht er ab und sieht mich mit großen Augen an.

„Hallo! Ich bin Noelle“, sage ich zurückhaltend.

Er kommt auf mich zu, sieht auf mich herunter und nimmt meine Hand.

„Guten Morgen, ich bin Antonio.“

Er dreht sich zu seiner Mutter um.

„Ich bringe Noelle zum Strand.“

Seine Mutter lächelt mit zu und verschwindet wieder in der Küche. Antonio fährt sich durch sein Kraushaar und legt seine Schürze über einen Stuhl. Unsicher folge ich ihm. Seine braunen Augen lächeln. Er mich an die Hand und ich lasse es geschehen. Schweigsam gehen wir durch den Tunnel, seine Hand ist warm und fest. Als wir aus dem Tunnel heraus treten, blendet mich die Sonne.

„Hier entlang“, Antonio zieht mich sanft nach rechts, „wenn wir durch den Pinienhain gegangen sind, dann sind wir am Meer.“

„Ich hab das Meer so lange nicht gesehen,“ murmele ich.

„Dann wird es Zeit.“

Seine Stimme ist wie sein Lächeln, leicht und unkompliziert. Die Sonne malt diffuse Muster auf den sandigen Weg, es duftet nach den Pinien. Ich kann die Schreie der Möwen hören und das salzige Meerwasser riechen. Wir gehen einen Hang hinunter. Ich rutsche ab.

„Ich falle!“

„Nein, keine Angst“, lacht Antonio, „ich halte dich.“

Er hat seine Arme um mich geschlungen und hebt mich sacht herunter. Mein Atem geht schneller, als ich seine kräftigen Arme spüre.

„Alles Ok?“, fragt er.

„Ja, alles gut“, erwidere ich und kann nicht verhindern, dass meine Stimme zittert.

Für den Bruchteil einer Sekunde sind wir uns so nah, dass ich seinen Atem auf meinem Gesicht fühlen kann. Er riecht gut. Mein Herz rast. Oh, Himmel, diese Sehnsucht. Alles in mir reagiert und mein Verstand schreit mich an:

„Tu das nicht. Warte!“

„Dort! Schau das Meer!“ Antonio deutet aufs Wasser.  „Wer zuerst da ist“, ruft er und lacht.

Wie zwei Kinder laufen wir nebeneinander her. Antonio ist schneller, und als er sich bückt und mit der Hand das Wasser berührt, lacht er mich an:

„Ich hab gewonnen.“

Dann spritzt er das Wasser in meine Richtung.

„Na, warte.“

Ich spritze zurück und laufe davon. Er jagt hinter mir her. Es dauert nicht lange und er hat mich eingeholt. Hält mich fast und wirbelt mich herum. Wir lachen und er neckt mich:

„Tja, Noelle, du bist eben ein Mädchen.“

„So bin ich das?“, ich zwicke ihn in die Seite.

„Das wirst du mir büßen“, grinst Antonio und drückt mich an sich.

Plötzlich ist alles anders. Wir stehen ganz still, sehen uns an. Antonio beugt sich vor und ich denke:

„Küss mich doch endlich.“

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„Das war wirklich eine aufregende Geschichte“, die Bäckereiverkäuferin strahlt über das ganze Gesicht, „sie machen das gut. Ich mag romantische Geschichten mit Happy End.“

„Danke!“, freue ich mich, „ich auch.“

Ich gebe zu, es hat mir großen Spaß gemacht, und wie ich sehe, haben auch andere Spaß daran. Vielleicht eher Frauen als Männer, aber andererseits haben meine Begleiter im Zug auch gerne zugehört. Männer mögen Geschichten mit anderen Elementen, aber Liebe und ein kleines Happy End wird nicht schaden.

„Darf ich ihnen meine Gesichte erzählen?“, fragt sie.

„Gerne“, antworte ich, „ich bin gespannt.“

„Es ist aber eine traurige Geschichte“, warnt sie mich.

„Jede Geschichte hat ihre Berechtigung und nach dieser Romanze holt uns eine reale Geschichte wieder in die „normale“ Welt zurück.“

„Das ist wohl wahr, allerdings stellt sich die Frage, ob wir das wirklich wollen?“, sie lächelt melancholisch.

„Jede Geschichte, ob real oder ausgedacht, hat wahre und unwahre Elemente. In der Erinnerung verschwimmen auch die wirklichen Ereignisse und werden zu Fiktion oder Mythos“, erkläre ich.

Ich muss an meine eigene Geschichte denken. Auch meine Vergangenheit verwandelt sich in einen Mythos, je mehr ich mich von ihr entferne, nähere ich mich ihr und auch wieder nicht. Ich weiß, dass ich nichts mehr weiß. Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage, oder sollte ich sagen: verloren sein, oder nicht.

Nachdenklich sieht mich die Dame an. Dann fasst sie sich ein Herz und erzählt mir ihre Geschichte:

„Ich liege auf dem Sofa. Die Decke fest um meine Schultern geschlungen. Draußen heult der Wind um das kleine Holzhaus. Er zerrt an den Balken, fährt zwischen die Dachschindeln und wühlt das Meer auf, das in hohen Wellen auf den Strand klatscht und bis an die Veranda heranreicht. Ich habe mich noch nie in meinem Leben so einsam gefühlt, obwohl ich freiwillig hierher gekommen bin, wünsche ich mir, es wäre nicht so. In meinem Kopf rasen die Gedanken Achterbahn.

Mich verlieben in einen verheirateten Mann. Wie blöd! Niemals wollte ich das. Ein Tabu! Und dann kam er. Ein Blick in seine Augen reichte und ich konnte nicht mehr zurück. Jeden Tag wartete ich auf ein Lächeln, einen Blick und nachts träumte ich davon, wie es wäre mit ihm zusammen zu sein. Ich war besessen. Besessen von einem Mann, den ich nicht haben konnte und der nicht einmal von mir wusste, auch wenn ich ihn jeden Tag auf der Arbeit sah. Ich litt still vor mich hin unter Menschen und manchmal laut, wenn ich alleine war. Ich weinte soviel, dass ich dachte, der Tag würde kommen, an dem die Tränen versiegen würden, aber er kam nicht, so sehr ich mich danach sehnte.

Dafür kam ein anderer Tag. Der Tag, an dem ich fortgehen musste. Ich schrieb einen Brief an ihn, packte meine Sachen und stieg in den Zug ans Meer. Es war ein großes Meer. Tief und weit. Jeden Tag wanderte ich am Strand entlang und sah zum Horizont. Dann kam der Sturm und ich hatte Angst, er würde das Haus fortreißen.

Als ich am nächsten Tag erwachte, herrschte um mich herum eine Totenstille. Ich zog meine dicke Jacke an, band mir den Schal um, setzte meine Mütze auf und trat hinaus. Der Himmel war stahlgrau und das Meer lag still und glatt wie ein Spiegel. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Schnell schlüpfte ich in meine Gummistiefel und ging zur Wasserkante. Der Sturm hatte eine Menge Strandgut angespült und es schien mir, als würde das Meer vor Erleichterung aufatmen. Ich wünschte mir, auch alles ausspeien zu können, aber die Gefühle hatten mich so fest im Griff, dass sie meinen ganzen Körper und meine Gedanken durchdrungen haben. Vielleicht tobte deswegen dauernd ein Sturm in mir, weil das Treibgut meiner Liebe einfach nicht aus mir heraus geschwemmt werden konnte.

Ich trat einen Schritt vor, dann noch einen. Immer weiter ging ich ins Wasser. Das Wasser lief in meine Stiefel, stieg mir bis zu den Knien, reichte bis zu den Hüften, zur Taille und dann stand ich bis zum Hals im Meer. Die Kälte durchdrang jede Pore meines Körpers, so wie die Gedanken an ihn. Das Meer um mich herum stand still. Hielt mich aus, so wie ich die eisige Kälte aushielt. Meine Zähne schlugen aufeinander, meine Knie schlotterten. Ich überlegte weiter zugehen, aber das hätte keinen Sinn gehabt, denn ich kann schwimmen. Jemand der schwimmen kann, ertrinkt nicht einfach, der kämpft bis zum Schluss und das erschien mir dann doch zu anstrengend. Wenn sterben, dann sollte es wenigsten schnell gehen. Ich beschloss zurück ins Haus zu gehen. Was ich auch tat.

„Und was passierte dann?“, frage ich bedrückt.

Ich habe genau dasselbe Gefühl. Diese alles überschattende Einsamkeit, das Gefühl nie wieder glücklich sein zu können. Mein Herz ist taub vor Schmerz und Sehnsucht und ich weiß kein Mittel diese Gefühle aus meinem Inneren heraus zubringen.

Die Verkäuferin lächelt, aber es reicht nicht bis zu ihren Augen. In ihnen erkenne ich die Melancholie, die sie noch mit der damaligen Zeit verbindet. Ich fürchte, dass man solche Dinge nie ganz überwindet, auch wenn sie mit der Zeit nicht mehr so intensiv sind und der Schmerz sich in Wehmut verwandelt, kann man so eine Liebe doch niemals völlig vergessen.

„Ich habe überlebt. Ich habe noch nicht einmal eine Erkältung bekommen. Vielleicht lag es daran, dass ich mir einen starken Grog einverleibt habe. Aber vielleicht sollte es einfach nicht sein. Der Tod wollte mich nicht, aber vom Leben fühlte ich mich ausgeschlossen.“

„Wie kam es, dass sie hier angekommen sind? Sie machen einen glücklichen Eindruck auf mich.“

Sie schaut mich aufmerksam an, legt ihre warme Hand auf meine und sagt:

„Ich habe gelernt glücklich zu sein.“

„Wie? Ich dachte immer Glück ist eine flüchtige Sache, die fortfliegt sobald man versucht sie zu halten.“

„Das ist auch so, Kindchen. Aber wer lernt, dass er selbst für seinen Zustand Verantwortung trägt, wird viel seltener unglücklich sein.“

Ich lasse mir die Worte durch den Kopf gehen. Die Dame hat nicht unrecht. Niemand ist für mein Glück und mein Leben verantwortlich, nur ich allein. Sobald ich anfange mein Glück auf andere zu projizieren geht das Chaos los. Im Grunde fing es damit an, dass ich mein Glück bei Raoul suche und nicht in dem, was ich tat.

„Zufrieden kann man nur sein, wenn man aus seinem Leben, mit dem was man kann und hat, das Beste macht“, sagt die Verkäuferin, „alles andere ist Selbstbetrug.“

Ich nicke und komme nicht umhin ihr Recht zugeben.

„Darf ich sie etwas fragen?“

„Nur zu, Herzchen.“

„Haben sie die Liebe gefunden?“

Die Dame lacht ein warmes herzliches Lachen.

„Wenn man zu sich selber findet, dann wird einen auch die Liebe finden.“

Eine prosaische Antwort denke ich. Wie kann mich die Liebe finden, wenn ich eine Verlorene bin?

Mir fällt da eine junge Frau ein, die alle paar Wochen ihre große Liebe fand, sich die Zukunft mit ihm ausmalte und dann plötzlich feststellte, dass der Mann ihrer Träume seine ganz eigenen Vorstellungen von Liebe und Leben hatte. Wen wundert`s? Aber sie konnte diese kleinen Differenzen nicht akzeptieren. Statt dem Mann eine Chance zu geben, tolerant zu sein, ihn so zu lieben, wie er war, dasselbe was sie im Gegenzug voraussetzte, wurde er aus ihrem Leben entfernt und sie wandte sich einem neuen Mann zu. Der Kreislauf begann von vorn. Sie sucht wahrscheinlich heute noch. Was ist mit mir und Raoul? Liebte ich ihn oder ist es nur der Gedanke, den ich liebte, ihn zu lieben? In mir ist ein totales Chaos und so gerne ich der netten Backdame etwas erzählt habe, so froh bin, dass ich gleich weiter fahren kann. Ich höre das Rattern des Zuges schon von Weitem.

„So“, sage ich und erhebe mich, „ich habe mich sehr gefreut, dass wir uns unterhalten konnten. Ich hoffe, sie werden sich noch lange an mich erinnern.“

„Aber natürlich, wie könnte sie vergessen?!“

Die Dame füllt mir nochmals meinen Kaffeebecher voll.

„Und wer weiß“, sagt sie und zwinkert mir zu, „vielleicht sehen wir uns ja eines fernen Tages wieder?“

Ich wiege den Kopf leicht hin und her.

„Nun ja, wer weiß. Mal sehen, ob ich meinem Verlorenendasein bald ein Ende setzen kann.“

Die Dame nimmt meine Hand und dreht sie mit der Handfläche nach oben. Mit ernstem Gesicht blickt sie auf die Linien, die sich über meine Hand ziehen. Dann lächelt sie plötzlich.

„Ja, sie werden ES finden, da bin ich sicher.“

Ich muss lachen.

„Ja, irgendwann findet jeder etwas.“

Die Dame lacht ebenfalls.

„Genau mein Kind, alles wird gut.“

Ich umarme sie spontan und drücke ihr einen dicken Kuss auf die rosa Wange.

„Ich wünsche ihnen alles Gut, bleiben sie so, wie sind und ich hoffe, wir werden uns wieder sehen.“

„Ja, dass wünsche ich mir auch.“

Ich winke ihr zum Abschied zu und trete auf den Bahnsteig. Der Zug fährt gerade in den Bahnhof ein und hält mit quietschenden Rädern. Ich hieve meinen Trolley in den Wagen, trete ins Abteil und setzte mich an den ersten Fensterplatz, der frei ist. Ich sehe mich um. Eigentlich sind alle Fensterplätze frei, denn ich scheine die einzige Passagierin zu sein. Jedenfalls in diesem Wagon. Ist auch nicht schlimm, dann kann ich in Ruhe nachdenken. Der Zug setzt sich in Bewegung. Ich lehne mich in den Sitz, hole meinen MP3 Player aus dem Rucksack, stecke mir einen Stecker des Kopfhörers in mein Ohr und wähle meine liebsten Jazzsongs aus.

Die Landschaft draußen ist wirklich als lieblich zu bezeichnen. Saftiges Gras, alte Bäume, die auf Weiden stehen, auf denen sich Kühe und Schafherden tummeln. Lichte Birkenhaine trennen die Weideflächen, die hier und da von schmalen Bachläufen durchzogen werden. Dazwischen liegen kleine Dörfer und einzelne Güter, die wie aus dem Bilderbuch wirken. Über allem scheint eine laue Frühlingssonne, die in einem strahlenden Himmel steht. Ich versuche mich auf die Musik zu konzentrieren.

Es kommt mir vor als sei ich schon eine Ewigkeit unterwegs. Vielleicht bin ich das auch? Ich habe keine Zeit, kein Gefühl mehr dafür, wie lange es her ist, dass ich in meinen ersten Zug gestiegen bin. Ich erinnere mich nicht mehr, wo es war, wann und wohin ich als Nächstes fuhr. Am Anfang merkte ich mir noch die verschiedenen Stationen, aber mit der Zeit ließ ich sie nur noch an mir vorüberziehen.

Ich stöbere in meinem Rucksack und entdecke das antike Tarotkartenspiel. Ich erhielt es von einer alten Dame, die es von ihrer Großmutter erbte. Ich reiste eine Weile mit ihr und kümmerte mich um sie, weil sie krank war und Hilfe brauchte. Zum Dank gab sie es mir. Sie hatte selbst keine Kinder. Sie meinte, dass ich es sicher gut gebrauchen könnte und es bei mir in guten Händen sei. Lange habe ich es nicht mehr in den Händen gehabt. Ich wickele es aus dem roten Seidentuch. Die Karten sind abgegriffen und man sieht, dass es viel und oft benutzt wurde. Komischerweise haben die Bilder auf den Karten trotzdem kaum an Farbkraft und Ausdruck verloren.

Ich mische die Karten, schließe die Augen und versuche an nichts Besonderes zu denken. Dann ziehe ich eine Karte. Der Narr. Exemplarisch für mein Leben. Der ewige Optimist, der sich spontan und unbekümmert ins Abenteuer stürzt, und versucht das Beste daraus zu machen. Der Narr auf der suche nach sich selbst? Oder auf der Suche nach was? Der Narr, der sich ohne nachzudenken verliebt, sich blind ins Unbekannte stürzt. Der Narr, dessen Leben ständig in Bewegung ist und für den das Leben aus Überraschungen und unvorhersehbaren Situationen besteht. Der gerne Neues beginnt und der versucht die Zweifel und Sorgen zu verdrängen und sich dem Leben hinzugeben. Der Narr, der aufpassen muss, dass er sich nicht in Liebschaften stürzt und dabei seinen Kopf verliert. Die Karte warnt vor übereiltem Handeln.

Ist es wahr? Zurückhaltung ist verrückter, als das Risiko? Durchdenke ich die Dinge nicht alle hundert Mal? Ja, das tue ich und was habe ich davon? Raoul ist weg. Liam ist gegangen und auch John ist so fern von mir. Ich weiß, dass der Narr mir einen Neubeginn andeutet. Ist nicht jeder Bahnhof, jeder neue Zug, ja jeder, der sich neben mich setzt und ein Gespräch mit mir beginnt, ein Neuanfang oder der Anfang eines Richtungswechsels? Vielleicht wird ein wilder hemmungsloser Liebhaber in mein Leben treten. Vielleicht? Wieso vielleicht? Ich will diesen erotisierenden aufregenden Liebhaber, und zwar so bald wie möglich. Meine Sehnsucht frisst mich auf. Der Gedanke seinen warmen Körper in einer innigen Umarmung mit mir zu fühlen löst ein Kribbeln in mir aus, das meinen ganzen Körper erfasst.

Ich habe es satt zu warten. Zu hoffen, ohne Erfüllung zu finden. Oft frage ich mich, worauf ich überhaupt hoffe und was passiert dann, wenn das was ich mir wünsche eingetreten ist? Werde ich wieder gehen, weil es möglicherweise zu langweilig wird, immer an einem Ort zu sein? Werde ich dort noch wachsen können oder auf der Stelle treten?

Ich will leben. Was ist leben? Ich kenne die Antwort nicht. Auf der Suche nach dem Gefühl, das Leben heißt. Wie prosaisch. Immer die Suchende und nie die Findende. Ich glaube, das war schon mein ganzes Leben so und möglicherweise auch in denen davor. Ich bin eine ewig Suchende. Durchstreife die Zeiten. Sehe, höre, rieche, taste, schmecke und doch kann ich nicht erkennen, was das wahre Leben ist.

Liebe nur ein Wort? Das Zusammenwirken von Hormonen, die uns in einem Bruchteil von Sekunden mitteilen: jetzt! Und dann nach ein paar Jahren: Jetzt nicht!

Ich nehme eins der Notizbücher „Ferne Jahre“ und schlage es an einer beliebigen Stelle auf:

„Ein leises Zischen war zu hören, und dort wo vorher nichts gewesen war, befand sich nun eine Person. Sie trug einen langen Wollmantel, einen dicken Schal, den sie mehrmals um ihren Hals geschlungen hatte und eine Wollmütze. Die Farbe ließ sich in dem diffusen Licht der Straßenlaterne nicht erkennen. Die Person war Janis, der Zeitenwandler.

Niemand hatte seine Ankunft bemerkt. Er kam still und unerkannt und so verschwand er auch wieder. Meistens. Janis musste sich erst orientieren. Er wusste nie, wo und in welchem Jahrhundert er auftauchen würde. Diesmal schien nicht soviel Zeit zwischen seinem Zeitsprung zu liegen. Denn eigentlich war er genau unter dieser Laterne auf die Reise gegangen und genau hier war er wieder aufgetaucht. Sogar die Jahreszeit schien dieselbe zu sein. Lautlos fielen Schneeflocken vom unsichtbaren Nachthimmel. Der Bürgersteig war mit einer weißen Schicht bedeckt, in dem noch kein Mensch seine Fußstapfen hinterlassen hatte.

Janis überlegte, ob er weiter reisen sollte. Manchmal konnte er, bei guter Konzentration, erreichen, dass er sofort weiter reisen konnte. Manchmal musste er auch abwarten, was passierte und wurde dann irgendwann, ohne dass er es erwartete, zu einem anderen Ort gebracht.

Janis wusste nicht, wie lange er schon so durch die Zeiten ging und er konnte sich auch nicht mehr daran erinnern, warum es angefangen hatte. Es gab Zeiten, in denen er nur ein unsichtbarer Gast war. Dann wieder gab es Zeiten, in denen er leben musste, wie alle anderen auch.

Janis war müde. Müde zu reisen, müde zu sehen. Er wünschte sich, einfach bleiben zu können. Fast war es ihm egal wo und wann. Janis hatte in seinem Leben viele Menschen geliebt und wieder verloren. Von manchen hatte er nicht einmal Abschied nehmen können. Nachdem er viele heiße Tränen vergossen hatte, beschloss Janis sich nicht mehr zu verlieben, aber es passierte doch ab und zu. Denn gegen die Liebe kann man nichts tun, sie kommt und geht, wie sie will.

Janis kam sich so einsam vor, wie nur ein Mensch sein kann. Suchend sah er sich um. Es war nun schon das dritte Mal, dass er hier unter dieser Straßenlaterne ankam.

Er war sich sicher, dass dies nicht nur ein Zufall sein konnte. Was hatte es damit auf sich. Langsam ging Janis die Straße entlang. Es war der ärmliche Vorort einer großen Stadt. Mit mehrstöckigen Häusern, die alle gleich aussahen. Reihe um Reihe dieselben Häuser. Mit den gleichartigen Sicherheitsglastüren, exakt gleich großen Fensterlöchern und trostlosen handtuchbreiten Grasstreifen, die einen Vorgarten darstellen sollten.

Plötzlich kam Janis die Gegend bekannt vor. Er zermarterte sich das Hirn, was es mit diesem Szenario auf sich hatte. Während Janis die Straßen durchquerte, kam er an einem der geklonten Häuserblöcke vorbei, der in ihm ein Gefühl der Kälte und des Grauens weckte. Ein Zittern lief durch seinen Körper und er blieb stehen. Ängstlich überlegte er, was er tun sollte.

„Ich muss mich meiner Angst stellen“, dachte er, „sonst werde ich ewig in dieser Zeit feststecken.“

Janis nahm seinen ganzen Mut zusammen und betrat das dunkle Treppenhaus durch eine kaputte Eingangstür. Es roch nach Muffigkeit, strengen Essensgerüchen und Feuchtigkeit. Janis musste kein Licht machen, um sich in der Finsternis zurecht zu finden. Er erfasste instinktiv den richtigen Abstand zwischen den Treppenstufen und wusste sogar, wie viele es zwischen den einzelnen Absätzen waren.

Immer weiter stieg Janis hinauf, bis er in der letzen Etage angekommen war. Hier gab es nur noch eine Wohnung. Eine winzig kleine Dachwohnung, in der es jetzt eisig kalt sein musste und im Sommer brütend heiß. Janis wusste genau, wie die Zimmer hinter der zerkratzen Tür angeordnet waren. Er konnte sich sogar an die Gesichter der Bewohner erinnern.

In seinem Herzen ahnte Janis, wo er sich befand, aber die Angst es anzuerkennen war zu groß. Für einen Moment wollte Janis kehrt machen und die Treppen wieder hinunter laufen.

„Es hat keinen Zweck“, murmelte er mit hängenden Schultern, „ich muss hier sein, sonst werde ich niemals von hier fortkommen.“

Mit einem Krachen flog die Haustür gegen die Wand und jemand drückte den Lichtschalter. Ein paar Lampen flammten auf, aber dort wo Janis war, blieb es dunkel. Er hörte polternde Schritte. Jemand sang lauthals und lallte vor sich hin. Janis kannte die Stimme. Immer näher kam sie und ihm sträubten sich die Nackenhaare. Janis presste die Lippen fest zusammen, um nicht schreien zu müssen. Ein ungepflegter Mann erschien in der letzten Etage. Für einen Moment hielt er inne.

„Ist da wer?“, lallte er.

„Niemand ist hier, Vater“, dachte Janis bitter.

Der Mann, der Janis Vater war, sah sich um, konnte aber niemand entdecken.

„Ich glaub ich bin hackedicht“, kicherte der Mann.

Unbeholfen versuchte er die Tür aufzuschließen, aber er bekam den Schlüssel nicht ins Schloss. Immer wütender wurde er und schlug dann mit der Faust gegen die Tür.

„Mach auf!“, schrie er, „mach auf, du Miststück! Hast wohl Angst?“

Irgendwo riss ein Hausbewohner die Tür auf.

„Halts Maul, du Alki! Andere Leute wollen schlafen.“

„Da scheiß ich drauf!“

„Ich hol die Bullen!“

„Mir doch egal!“

Janis zitterte am ganzen Leib. Wie oft hatte er diese Szenen erlebt. Da öffnete sich die Tür und eine Frau, die seine Mutter war, zog den betrunkenen Mann in die Wohnung. Janis folgte ihnen mit einem schmerzhaften Ziehen in der Magengegend.

„Wird aber auch Zeit, du Schlampe“, grölte sein Vater, „wo ist denn das undankbare Balg?“

Der Betrunkene ging auf Janis früheres Kinderzimmer zu.

„Lass ihn“, versuchte seine Mutter den Vater zu beruhigen, „er schläft schon. Morgen muss er zu Schule.“

„Schule?“, johlte der Vater, „der Bengel hat nur Flausen im Kopf und ist viel zu blöd es jemals zu was zu bringen.“

„Bitte“, sagte die Mutter und fasste den Vater am Arm.

Noch ehe sie sich versah, hatte ihr der Mann eine klatschende Ohrfeige versetzt.

„Fass mich nicht an!“, sagte er, „du weißt, dass ich stärker bin als du.“

Der drohende Unterton in seiner Stimme jagte Janis einen kalten Schauer über den Rücken. Ihm war übel und er vermochte es kaum noch auszuhalten. Der Vater riss die Tür zu dem Kinderzimmer auf. Dort lag ein schmächtiger Junge, zitternd vor Panik im Bett. Der Betrunkene zog dem Kind die Decke weg und höhnte:

„Los du Versager, hol deinem Vater ein Bier aus dem Kühlschrank.“

Als der Junge nicht gleich reagierte, zerrte ihn der Vater am Arm aus dem Bett, schubste ihn in die Küche und brüllte ihn an:

„Du hast zu gehorchen! Ich bin dein Vater, kapiert, du Niete!“

Der Junge nickte nur, holte eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank und gab sie dem Vater.

„So ist`s recht“, sagte der Mann und lachte böse, „warum nicht gleich so?“

Er holte aus und seine große Hand traf den Jungen im Gesicht. Er verlor den Halt und stürzte.

„Weichei“, brummte der Vater.

Dann trat er ihn mit seinem schweren Stiefeln in die Seite und ging hinaus. Janis krümmte sich vor Schmerzen, hielt sich die schmerzende Hüfte und weinte lautlos vor sich hin.

„Komm, Janis, steh auf“, sagte seine Mutter und zog ihn vom Boden, „du weißt doch, er meint es nicht so. Er ist kein schlechter Mensch. Er liebt dich.“

Der Junge wankte ins Bett. Er weinte, ohne ein Geräusch von sich zu geben, das hatte er nach vielen Schlägen lernen müssen. Wer einen Laut von sich gab, wurde wieder geschlagen. Der Junge lag im Bett und betete:

„Lieber Gott, wenn du da bist, lass mich von hier verschwinden. Ich ertrage es nicht mehr! Wenn du mir nicht hilfst, dann muss ich von einer Brücke springen oder mich vor einen Zug setzen. Bitte, Gott! Hilf mir. Amen.“

Janis fiel es wie Schuppen von den Augen. Das war der Anfang gewesen. Er war verschwunden, so wie er es sich gewünscht hatte. Damals vor unendlichen Jahren, war er vor Erschöpfung eingeschlafen, und als er wieder aufwachte, lag er in einem anderen Bett, an einem anderen Ort zu einer unbekannten Zeit. Am Anfang war es ihm schwergefallen die Zeiten einzuschätzen, aber es war ihm immer besser gelungen, je länger er sprang.

Janis sah auf den zitternden Jungen. Er ging zu ihm, strich ihm sanft über den Kopf und flüsterte:

„Hab keine Angst, du wirst bald frei sein.“

Ein Lächeln huschte über Janis Gesicht. Es würde enden. Er war erwachsen geworden. Janis verließ die Wohnung, ging die Straße hinunter, die inzwischen mit einer dichten Schneedecke überzogen war und sein Herz wurde leichter. Janis wusste, dass dies seine letzte Reise sein würde und dass er dort sein Glück finden würde. Er war frei. Es hatte seine Zeit gedauert, aber es war geschehen. Der Schnee glitzerte im Licht der Straßenlaternen. Janis trat ins Licht und verschwand, so leise und unbemerkt, wie er gekommen war. Frei!“

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Nichts wollen

Nichts wollen

Nur sein

Atmen

Sehen

Herzschlag hören

 

Kein Hetzen

Kein Jagen

Zeit

Unverplant

Frei

 

Spaziergang im Park

Geruch nach Schnee

Schreie der Gänse

Fontäne im See

Stille

 

Unendlichkeit

In Endlichkeit

Spüren

Wind auf der Haut

Glasklar

 

Herz öffnen

Augen auf

Alle Sinne geschärft

Hand in Hand

Mit dir

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