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Archive for Oktober 2011

Meine Mutter geht mit mir in ein Einkaufszentrum. Es ist so voller Menschen, Geräuschen, Lichtern und Dingen, dass ich mich nicht satt sehen kann. Meine Mutter trifft eine Bekannte. Sie reden kurz, niemand beachtet mich und ich versuche die Auslagen in den Schaufenstern zu betrachten. Meine Mutter zieht mich weiter. Von einem Geschäft zum nächsten. Sie drückt meine Hand so fest, dass es weh tut. Vor dem Spielzeugladen darf ich auf dem blauen Elefanten reiten. Meine Mutter sagt: Ich soll hier warten, sie muss noch etwas erledigen. Irgendwann steht der Elefant still. Ein anderes Kind will reiten. Ich muss absteigen. Im Schaufenster sehe ich mir die bunten Spielzeuge an. Ich warte. Hinter einem Auto sitzt ein kleiner Teddy. Er trägt einen grauen Pulli mit roten Rändern. Ich werde ihn meiner Mutter zeigen. So einen hab ich mir schon lange gewünscht. Meine Mutter hat mir verboten alleine in so einen großen Laden zu gehen. Ich warte. Neue Kinder kommen und reiten auf dem Elefanten. Die Menschenmassen werden weniger. Die Warenkörbe werden eingeräumt und die Ladentüren geschlossen. Die Leute machen Feierabend. Ich warte. Meine Mutter holt mich nicht ab. Ich bin ein verlorenes Kind.

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Ungelebtes Leben

Geschrieben nach einem wahren Fall

Ich bin ein ungelebtes Leben. Meine Mama wurde schwanger ohne es zu wollen. Aber sie ließ mich nicht abtreiben und ich dachte, wenn die Zeit vorbei ist, dann würde ich sie endlich kennen lernen. Ich dachte, sie würde mich in die Arme schließen und wir beide würde es schaffen. Gemeinsam. An dem Tag an dem ich geboren werden sollte, ging alles sehr schnell. Meine Mutter presste mich heraus. Ich fiel in die Toilettenschüssel. Es war kalt und feucht. Ich schrie, weil ich solche Angst hatte und mich alleine fühlte. Meine Mutter nahm mich nicht in den Arm, hüllte mich nicht in warme Tücher. Ich streckte meine Arme aus, sah die Augen meiner Mutter und erschrak. Sie waren kalt und nahmen mich kaum wahr. Ich bekam noch mehr Angst. Weinte um mein Leben. Da nahm meine Mutter eine spitze Schere und stieß sie in meine Brust und in mein Herz. Ich weiß nicht, ob ich noch schrie. Ich erinnere mich nur an das Gefühl der Dunkelheit, die Einsamkeit und den Schmerz des Nichtseins. Niemals sollte ich wissen was Liebe ist, niemals erfahren was ich alles würde sein können und auch die Schönheiten der Erde würde ich niemals sehen können. Mein ungelebtes Leben verloren, in dem Moment in dem es gezeugte wurde.

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Leise Flötenmusik dringt zu mir herauf. Leicht, wie Federn auf einer sanften Brise, schwirren sie durch die laue Sommerluft und versetzen mich in vergangene Zeiten. Ich schließe die Augen und sehe einen reich verzierten Brunnen mit einem neckischen Wasserspiel. Damen mit weißen Perücken, aufbauschenden Roben und kostbarem Geschmeide wandeln über die Wege des Schlossparks. Herren mit aristokratischer Miene stehen in Grüppchen herum und haben wichtige Dinge zu bereden. Kinder mit weißen Kleidchen und Ringelspielen tummeln sich auf dem Rasen. Diener in schwarzer Kleidung und mit ernsten Gesichtern laufen geschäftig zwischen den Menschen umher. Der König wird erwartet. Plötzlich ein Tusch. Die Menge verstummt. Man hört nur noch das Plätschern des Brunnens und die Flötenmelodie, die lustig und unbeirrt auf den Fontänen weiter tanz und langsam in das Rund des Beckens hinab fließt. Louis erscheint. Blass, vornehm, blutjung. Seine Bewegungen sind geschmeidig, wie die eines Tänzers. Die Menge erwartet eine Rede, irgendeine Ansprache. Alle starren ihn an. Eine Träne läuft über sein Gesicht. Er macht einen Schritt, dann noch einen, der in eine elegante Drehung hinüber gleitet. Louis nimmt die Töne der Querflöte auf und verbindet sie mit seinen Schritten. Sein Körper fließt mit der Musik dahin, seine Augen geschlossen gleitet er in ihrer Flut, er strömt und ruht auf der lieblichen Weise, als hätte er nie etwas anderes getan, bis die Töne vom Windhauch davon getragen werden. Die Menge verharrt in ehrfürchtiger Stille, kaum zu atmen trauen sie sich. Louis wirft einen Blick auf die Menge und verlässt den Garten so still, wie er gekommen ist.

 

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…oder: was ihr wollt. Eine kleine Schreibübung.

Illyrien, Schloss des Herzogen Orsino

5.Mai 1821

Es ist nun zwei Monate her, dass ich beim Herzog Orsino eine Zuflucht gefunden habe. Hier gibt es genug Tätigkeit und Zerstreuung und doch fühle ich mich unter all diesen Menschen so einsam, dass es mich mehr schmerzt, als Worte ausdrücken können. Ich bin nicht die einzige Person, die in ihrer Einsamkeit gefangen ist. Mein Herr und Meister Orsino leidet an der Krankheit des Liebeskummers. Schwermut zeichnet sein schönes, ebenmäßiges Gesicht und ich bin glücklich, dass ich seine Qual durch mein Klavierspiel etwas lindern kann.

Heute Abend verlangte der Master nach mir. Wir spielten Schach. Ich bin froh, dass Sebastian mir schon früh dieses königliche Spiel beigebracht hat. Er hat eine gute Schachspielerin aus mir gemacht, aber ich bemühe mich schlechter zu spielen als mein Herr Orsino, damit er gewinnt und sich darüber freut. Allerdings befürchte ich, dass er mir über kurz oder lang auf die Schliche kommen wird. Immer öfter spüre ich seinen prüfenden Blick und mein Herz schlägt schneller, als hätte er mich bei einer Sünde ertappt.

Herzog Orsino ist ein aufmerksamer Mann, wenn er seinen Kummer für einige Zeit vergessen kann. Er liebt die schönen Künste, exzellentes Essen und hat einen der schönsten Gärten, die ich je gesehen habe.

Ich erwarte jeden Augenblick, dass er meine Scharade durchschaut, aber sein Kummer hält ihn gefangen und beschäftigt seine Gedanken vor allem anderen.

Ach, liebster Sebastian, ich vermisse dich so sehr. Deinen Rat deine Hilfe. Warum nur mussten wir diese verheerende Schiffsreise antreten? Du warst mein einziger Halt, seit Vater von uns ging. Ich weinte so viele Tränen um dich, das es für zwei Leben reicht, deins und meins.

 6.Mai 1821  

Heute Morgen erhielt ich meine erste ordentliche Fechtstunde. Zu Hause hatte Sebastian mich heimlich unterrichtet, weil ich solange bettelte, bis er mir nicht mehr standhalten konnte. Vater durfte nichts davon erfahren, er hätte es für unschicklich gehalten.

Herzog Orsinos Fechtmeister war überrascht und meinte mein Talent zu erkennen. Orsino dagegen lobte meine Geschicklichkeit den Stößen meines Gegners geschickt genug auszuweichen, um am Leben zu bleiben. Ich hörte den Spott in seiner Stimme, aber da er Recht hatte, gab es nichts was ich darauf hätte erwidern können. Sebastian sagte immer: wenn du einen Gegner nicht bezwingen kannst, sei schneller als er. Genau das tat ich. Meine zierliche Gestalt und meine Behändigkeit waren mir dabei eine Hilfe. Allerdings hegte ich den Verdacht, dass Orsino Meister Antonio gebeten hatte, mich beim ersten Mal zu schonen.

Ich liebe ihn! Orsino. Ich versuche mich gegen meine Gefühle zu wehren, aber sobald er in meiner Nähe ist, schlägt mein Herz wie wilde Trommeln. Seine sanfte Stimme jagt mir eine Gänsehaut über den Rücken und wenn sein entflammbares Temperament hervor bricht, habe ich das Gefühl der Sturmwind hebt mich auf seine Flügel und trägt mich zu den Wolken. Jede Sekunde an seiner Seite ist wie das verbrennen in der Mitte des Feuers, aber ohne ihn befinde ich mich am kältesten Punkt der Erde.

Niemals hätte ich geglaubt, dass ich so fühlen könnte. Ich will dort sein, wo er ist. Ohne ihn ist kein Leben möglich. Ich kann nicht atmen ohne ihn, nicht essen, nicht schlafen. Mit diesen Empfindungen bin ich nicht allein. Meinem Master geht es ebenso. Nur bin nicht ich der Grund für seine Erregung, sondern Olivia.

Ach, du glückliche Olivia. Was musst du für eine wunderbare, göttliche Frau sein, dass Orsino sich so sehr nach dir verzehrt und was für ein kaltes, gefühlloses Herz schlägt in deiner Brust, dass du Orsino von dir stößt und er an der unerfüllten Liebe zu dir zu ersticken droht. Ich wünschte nur ein einziges Mal würde Orsino von mir sprechen, wie er von dir spricht.

 7.Mai 1821

Nach dem Fechtunterricht nahm mich Orsino zur Seite. Er wünscht, dass ich einen Auftrag für ihn ausführe. Orsino diktierte mir einen Brief an Olivia, den ich ihr morgen bringen soll, um für ihn um sie zu werben. Mein Herz blutet bei dem Gedanken. Jedes Wort, das aus meiner Feder auf das Papier floss, war ein Stich in mein Herz. Orsino ersann ein Sonett, ja fast ein Poem, dass Olivias Schönheit und seine Liebe zu ihr preist.

Ach, du schöne, eiskalte Olivia, könnte ich an deiner Stelle sein, ich würde vor Glück vergehen.

Morgen werde ich die Feuerprobe bestehen müssen, Olivia Orsinos Liebe zu gestehen und mein Herz hinter einer Mauer aus Stein zu verbergen. Unerfüllte Liebe ist schlimmer als der Tod.

8.Mai 1821

Ich habe sie gesehen. Olivia. Sie ist ein hübsches kleines Ding, aber an ihr ist nichts Besonderes, und ich muss ihr natürlich zu gute halten, dass ich ihr eigenes Geschlecht bin und anders urteile, als ein Mann. Ihre dunklen Locken fallen weich über schmale Schultern, wie meine hellen bevor ich sie abschneiden musste, um unerkannt zu bleiben. Ihr zartes Gesicht wird nicht durch einen künstlichen Bart entstellt, wie meins, da ist Olivia mir im Vorteil. Sie hat dunkle Augen, die gleichgültig drein blickten, als ich ihr von Orsinos Liebe sprach und haben nichts von dem fiebrigen Feuer, dass ich in meinen eignen sehe, wenn sie mir aus dem Spiegel entgegen blicken. Das Schlimmste sind ihre boshaften Lippen, die meinen Herrn verspotten und seine Liebe schmähen. Ist es nicht das kostbarste, das er zu vergeben hat? Und er legt ihr, außer seinem Herzen, noch sein Reich zu Füßen.

Jeden Abend befreie ich mich von meinen Bandagen, von meiner überflüssigen Gesichtsbehaarung und schaue mein wirkliches ICH im Spiegel an. Ich gehe, stehe, rede, kämpfe wie ein Mann, jede Stunde des Tages, aber nachts erwacht die Frau in mir. Mit jedem Stück meiner Verkleidung fällt das Raue, Harte von mir ab. Meine Muskeln entspannen sich, nicht mehr auf der Hut, vor unangemessenen Berührungen, die ich abwehren muss, um nicht entdeckt zu werden.

Was würde Orsino tun, wenn er wüsste, wer ich wirklich bin? Würde er mich verbannen oder das Todesurteil fällen? Fern von ihm zu leben, wäre die schrecklichste aller erdenklichen Strafen. Ich würde an gebrochenem Herzen zu Grunde gehen. Verbannung ist schlimmer als der Tod.

 9.Mai 1821

Es war noch vor dem Frühstück, als Orsino mich einbestellte, um mich nach dem Erfolg meines Werbens zu befragen. Ich versuchte so besonnen wie möglich, von Olivias Ablehnung zu sprechen. Ich konnte nicht um hin, die Härte ihres Verweises zu mildern, als ich Orsinos Blick sich verschleiern sah, während ich ihm ihre Worte wieder gab. Jedes Wort war wie ein Dolchstoß, den ich Unglückliche, in sein verzweifeltes Herz stoßen musste.

Mit anzusehen, wie sehr ihn ihre Gleichgültigkeit verletzte, war grausam. Nur zu gerne hätte ich diese Qual auf mich genommen, wenn es Orsinos krankes Herz besänftigt hätte, aber er war untröstlich. Wir saßen am Rand der Klippen und beobachten das tosende Meer. Sein Antlitz war so blass, seine schönen, grauen Augen sahen nichts als Dunkelheit, die sein Herz verfinstert hatte. Ich fürchtete um ihn und bat ihn einen Spaziergang mit mir zu machen.

Wir verließen die Klippen und wanderten einen sanften Hügel hinter dem Schloss hinunter. Bei einer umgestürzten Eiche zog Orsino plötzlich seinen Degen.

„Zeig mir, Cesario, was du bei Meister Antonio gelernt hast.“

Ich war überrascht. Ehe ich meinen Degen ziehen konnte hatte Orsino schon einen Angriffsstoß getan. Das ganze ging so unglücklich zu, dass er mir eine Schramme an der Hand beibrachte. Sofort quoll das Blut aus der Wunde. Meine Knie zitterten, obwohl ich keinen Schmerz verspürte.

„Verzeih, Cesario, meinen dummen Scherz!“

Orsino stand schon neben mir, presste mir sein spitzenbesetztes Leinentuch auf die Hand und führte mich besorgt zu dem Baumstumpf. Mein Herz flatterte und Orsino drückte mich sanft auf den Stamm. Er setzte sich zu mir, drückte mir mit der einen Hand, das Tuch auf meinen Handrücken und legte mir den anderen Arm um die Schulter. Noch nie, war ich ihm so nah gewesen. Ich schloss meine Augen. Still saßen wir da, Orsino reuig über seine unbedachte Tat und ich seine Nähe aufsaugend, wie ein Schwamm, der seit Jahren ausgetrocknet war. Seine Wärme und sein Duft waren berauschend und ich fühlte eine wilde Euphorie in mir aufsteigen, die mich unvorsichtig werden ließ. Gedankenlos ließ ich meinen Kopf auf seine Schulter sinken. Nur bei ihm sein. Die Zeit sollte still stehen.

„Cesario, wie ist dir? Bleib wach. Komm wir wollen zurück gehen. Der Arzt soll dich anschauen.“

Oh, dieser köstliche Augenblick war viel zu schnell vorbei. Orsino brachte mich zurück ins Schloss. Er veranlasste seinen Leibarzt nach mir zu sehen. Seine Besorgnis tröstete mich, aber ich wäre lieber in seinen Armen verblutet, als allein in meinem weichen Bett zu liegen.

 10.Mai 1821

Orsino ließ am Vormittag nach mir schicken. Er erkundigte sich nach meinem Befinden und war beruhigt mich wohlauf zu sehen. Wir spielten mehrere Partien Tarock, die Orsino gewann, weil ich mich in seiner Gegenwart verlegen fühlte und nur an unser gestriges Zusammensein denken konnte.

Am Nachmittag machten wir einen kurzen Spaziergang durch den Park. Orsino traf sich mit Meister Juan Perez, dem Gartenarchitekten. Er ist ein kleiner dicker Mann, mit Glatze, der sogar bei niedrigen Temperaturen ins Schwitzen gerät und sich fortwährend die Stirn abtupft. Während er nervös auf und abtrippelte, erklärte er meinem Herrn, wo er den chinesischen Teepavillon zubauen gedenkt und welche Bepflanzung er empfehlen würde. Ich fürchte, Meister Perez war sehr aufgebracht über Orsinos Unaufmerksamkeit. Dauernd murmelte er ungereimtes Zeug vor sich hin und scheuchte seinen Assistenten durch die Gegend. Nachdem sich Meister Perez wegen Unpässlichkeit verabschiedet hatte, folgte ich Orsino zu seinem Lieblingsplatz.

„Ich liebe das Meer. Das Geräusch der Wellen, die Unendlichkeit. Man könnte glauben, dass dieses Urchaos meinen fiebrigen Geist noch mehr verwirrt, aber das Gegenteil ist der Fall. Nichts beruhigt mich mehr.“

Er sah auf den Horizont und ich spürte seine Einsamkeit.

„Ich weiß, mein Herr. Es ist als würde das Meer unseren Schmerz aufnehmen und ihn für uns heraus schreien.“

Orsino wandte sich mir zu. Ich fühlte seinen fragenden Blick heiß auf meinen Wangen.

„Cesario, ich wundere mich – nein, ich wundere mich nicht, dass du fühlst, was ich fühle. Ich beobachte dich schon eine ganze Weile. – Und mein Intuition hat mich nicht getäuscht, auch in dir steckt ein großer Schmerz, eine tiefe Einsamkeit, nicht wahr?“

Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und nickte.

„Möchtest du mir davon erzählen?“

„Mein Herr“, ich suchte nach Worten, „ich möchte euch nicht mit dem beschweren was mich belastet. Ich bin der Diener, ihr der Meister, mein einziger Wunsch ist, dass ihr glücklich seid.“

Orsinos ließ mich nicht aus den Augen. Er zögerte einen Moment und ich wusste, dass er nicht aufgeben würde nach dem Grund zu forschen.

„Nun, dann eben ein anderes Mal, ich will nicht in dich dringen, aber ich spüre die Finsternis in dir, weil sie auch mein Herz fest in ihrer kalten Hand hält. – Wenn du mein Glück willst, dann bitte ich dich, geh nochmals zu Olivia, sprich zu ihr von meiner Liebe.“

„Herr, ihr wisst, ich tue alles, euch zu gefallen, selbst von den Klippen springen, wenn es zu eurem Glück beiträgt. – Doch, mein Herr Orsino, wenn euch Olivia nun nicht lieben kann? Was kann ich tun? Mein ganzer Wille könnte ihre Kälte nicht in Zuneigung wandeln.“

„Nein!“, Orsino packte mich am Arm und dreht mich zu sich, seine grauen Augen spieen Feuer, „nein! Diese Antwort lass ich nicht gelten.“

„Herr, verzeiht meinen Widerspruch, ihr wisst meine Liebe, meine Treu gehört euch, euch allein“, Tränen traten mir in die Augen, „aber stellt euch ein Mädchen vor, das euch so liebt, wie ihr Olivia. Sie fühlte ebensolche Qual, wie ihr, weil ihr sie nicht lieben könnt. Muss sie nicht die Antwort hinnehmen?“

Orsino ließ mich los.

„Nein, keine Frau erträgt die Liebe, die ich fühle. Ihre Herzen sind wankelmütig und launisch. Sie sind nicht fähig wirklich tiefe Liebe zu empfinden. – Doch meine Liebe ist so hungrig wie die See. Niemals kann man die Liebe, die eine Frau für mich empfinden könnte, mit der vergleichen, die ich zu Olivia hege.“

Die Tränen rannen mir über die Wangen. Seine Worte waren wie Pfeile. Ich begehrte auf.

„Herr, so glaubt mir, ich weiß, dass Frauen ebensolcher Gefühle fähig sind.“

„Woher kannst du das wissen? Du bist ein Jüngling“, er strich fast zärtlich über meine Wange, „deine Haut ist weich wie Pfirsich und deine Lippen zart wie Rosenknospen, du kannst höchstens zwanzig Lenze zählen – was weißt du schon von Liebe?“

Mein Herz zog sich zusammen, der Schmerz war ungeheuerlich.

„Ich weiß was Liebe ist“, ich wurde lauter als mir zustand, „mein Vater hatte eine Tochter, die so sehr liebte, wie ich euch liebte, wäre ich eine Frau, mein Herr.“

Orsino stand still. Seine Ruhe machte mir mehr Angst, als sein ungezügelter Temperamentsausbruch. Unerwartet legt er mir den Arm um die Schulter. Oh mein Gott, wie sehr ich ihn liebe.

„Erzähl mir von deiner Schwester.“

Orsino führte mich zu einer Bank, mein Blick fiel auf Beete voller Rosen, die zu knospen begannen. Wäre ich nicht Cesario, sondern Viola, das Herz wäre mir aufgegangen. Er sah mich auffordernd an und ich rückte etwas von ihm fort.

„Sprich, Cesario. Verzeih meinen Ausbruch, hab keine Angst.“

Ich begann zu sprechen, ohne das Orsino den Blick von mir gewendet hätte. Mein Herzschlag nahm mir fast den Atem.

„Mein Herr Orsino, das arme Kind liebte einen Fürsten, so wie ihr es seid, doch niemals sprach sie von ihrer Liebe, denn er hatte sein Herz an eine andere vergeben. Die Schwermut ward ihr ständiger Begleiter, so wie der Tod den Knospen droht, die von einer kalten Nacht im Mai geküsst werden. Sie lächelte im Kummer. Sagt mein Herr, ist das nicht Liebe?“

Orsino Blick halb fragend, halb wissend, ließ mich nicht los. Er lag wie ein Kuss auf meinen Lippen. Ich wünschte mir eine Ohnmacht herbei, aber Orsino wäre nicht Orsino hätte er sich damit zufrieden gegeben.

„Starb deine Schwester an dieser Liebe?“

Ich stand auf, um Orsinos Blicken zu entfliehen.

„Ich bin was meines Vaters Haus, an Töchtern und an Söhnen blieb, und doch“, ich brach ab.

Orsino trat neben mich. Ich wusste, was er von mir wollte.

„Morgen werde ich noch einmal zu dem Fräulein gehen“, seufzte ich.

„Gib ihr dies Kleinod, Cesario, sag ihr, dass ich ein Nein nicht dulden kann.“

Der Master drückte mir einen kleinen Samtbeutel in die Hand und verließ mich. Als Orsino fort war, sank ich zu Boden und weinte um meine verlorene Liebe.

11.Mai 1821

Olivia, die kühle Schöne, war so liebenswürdig, als ich kam, dass ich es kaum glauben konnte. Sobald ich ihr von Orsinos Liebe sprach und ihr das Geschenk in die Hände legen wollte, wurde sie abweisend. Als ich sie verlassen wollte, warf sie mir verlockende Blicke zu und wollte mich nicht gehen lassen, obwohl ich ihr klar mitteilte, dass ich nicht verweilen würde, da ich nur meinem Herrn verpflichtet wäre. Das ganze Spiel war so seltsam. Sie benahm sich, als sei ich der Bewerber um ihre Gunst.

Das kann doch nicht möglich sein? Erkannte nicht einmal sie, dass ich ihres Gleichen in Verkleidung bin. Es war komisch, in gewisser Weise, allerdings ist mir nicht klar, wie ich Orsino diese Posse erklären soll.

Als meinem Herrn den ungeöffneten Beutel wieder in die Hände legte, sprach er kein Wort. Er wandte sich ab und ging hinaus. Angst stieg in mir auf, denn ich befürchtete, er könnte sich ein Leid antun. Überall suchte ich nach ihm und war erleichtert, als ich ihn im Badehaus fand. Ich wollte gerade die Tür wieder schließen, als er mich entdeckte.

„Cesario, komm Junge, leiste mir Gesellschaft!“

Unsicher trat ich ein. Noch nie hatte ich einen nackten Mann gesehen.

„Komm, ich beiß dich nicht, wasch mir den Rücken.“

„Ja, mein Herr“, meine Stimme zitterte.

Ich schlich mit gesenktem Blick um die Wanne und setzte mich auf einen Schemel. Orsino reichte mir einen Schwamm. Ich tauchte ihn in das dampfende, wohlriechende Wasser, und strich ihn sanft über seine Schultern, seinen Rücken.

„Oh, was für eine Wohltat! Wüsste ich nicht das du ein Jüngling bist, du könntest eine Jungfrau sein.“

„Herr“, protestierte ich.

„Schon gut, schon gut“, Orsino lachte leise, „ich nehme es sofort zurück und ich verspreche dir, es soll in diesen vier Wänden bleiben.“

„Dann ist es nicht gut aufgehoben. Hier gehen viele ein und aus.“

„Gut gesprochen, Cesario.“ Orsino seufzte.

Meine Fingerspitzen berührten seine Haut. Es war wie ein Blitz, der durch meinen Körper schoss und ich fühlte eine Welle aus Hitze und Lust in mir aufsteigen.

Ich wollte ihn so sehr, so schmerzhaft und er stieß mich ab, wie das Wasser, das über seinen Rücken perlte. Es erfrischte ihn, aber es blieb nicht haften. Und da, ganz plötzlich erkannte ich es. Olivia wehrte sich gegen die Liebe, die Orsino ihr zu Füßen legte und je mehr sie sich wehrte, umso größer wurde seine Leidenschaft. Würde es mir gelingen meine Liebe in mir zu verschließen, um ein Abstoßen zu verhindern?

„Cesario, träumst du? – Reich mir das Handtuch und warte draußen auf mich.“

Ich reichte Orsino das Tuch und eilte hinaus. Die kühle Nachtluft stieß schmerzhaft in meine Lungen und ließ mich meinen Schmerz für einen Moment vergessen. Von irgendwoher wehte die zarte Melodie einer Laute zu mir herüber.

„Hörst du das, Cesario, der Spielmann ist zurück“, Orsino schlug mir freundschaftlich auf die Schulter, „er hat sein Nachtlager im Stall, bei den Pferden, komm, er soll uns eine Weise spielen.“

Wir liefen die Wiese hinunter und stürzten in den Stall. Der Spielmann begrüßte Orsino ehrerbietig und als er ihn bat ein Lied für uns zu spielen, kam er der Bitte bereitwillig nach. Ich hatte mich in den Schatten zurück gezogen, Orsino sollte nicht sehen, wie sehr mich die Melodie ergriff, aber es gab kein Entkommen. Mein Herr stand hinter mir und legte mir die Hände auf die Schulter. Orsino beugte sich vor und flüsterte mir ins Ohr:

„Nun, mein Freund, ist dieser Spielmann nicht ein trefflicher Sänger?“

Sein Atem streifte meinen Hals. Ich vermochte nichts zu antworten. Orsino griff mir sanft in den Nacken und bog meinen Kopf zurück. Seine Lippen berührten meine Ohrmuschel:

„Antworte, Cesario, oder hat es dir vor lauter Rührung die Sprache verschlagen.“

„Ja, Herr“, flüsterte ich und wandte ihm mein Gesicht zu. Unsere Blicke versanken in einander und unsere Münder waren nur einen Wimpernschlag von einander entfernt. Das Lied brach ab. Ich schrak zurück. Ohne mich umzusehen, lief ich davon.

12. Mai 1821

In der letzten Nacht war mein Schlaf so leicht wie eine Feder. Ich stürzte von einem Traum in den nächsten. Erschöpft erwachte ich, als es an meiner Tür klopfte.

„Cesario, eil dich, der Herr erwartet dich.“

Es war Valentin, einer der Kavaliere des Fürsten.

„Ich bin gleich bei euch, Valentin“, rief ich und sprang auf. Schnell wusch ich mich und kleidete mich an. Dann eilte ich die langen Gänge hinunter, in den großen Saal. Was wohl so dringend sein mochte? Als ich die Tür öffnete, sah ich die Kavaliere des Herzogs und ihn selbst in Uniform. Valentin grinste spöttisch. Er hatte mir absichtlich nicht Bescheid gesagt, weil er neidisch darauf war, dass der Herzog mich ins Vertrauen zog, obwohl ich erst seit kurzer Zeit im Schloss lebte. Warum das so ist, kann ich mir selbst nicht erklären, aber ich hätte es nicht anders gewollt.

Orsino sah mich und winkte mich zu sich heran.

„Cesario, mein Freund, ich habe mich entschlossen der Lady Olivia einen Besuch abzustatten.“

„Ja, mein Herr“, mein Herz krampfte sich zusammen, „ich hohle nur schnell meinen Mantel.“

„Nein, Valentin soll ihn dir holen. Wir treffen uns bei den Ställen, du sollst nicht von meiner Seite weichen.“

Ich konnte mir vorstellen, was Valentin dachte, aber es war mir unwichtig.

Als wir mit dem großen Gefolge eintrafen wurden wir von einer aufgebrachten Lady Olivia empfangen.

„Wie könnt ihr es wagen, hier einzudringen. Man könnte denken, es wäre Krieg.“

Orsino war abgestiegen und verneigte sich.

„Nicht ganz, my Lady, aber Liebe und Krieg sind nicht so verschieden.“

„Cesario, wie kommt es, dass ich dich im Gefolge des Herzogs antreffe.“ Olivia kam auf mich zu.

„My Lady, ich weiß nicht, was ihr von mir wollt.“

„Du hältst nicht das Wort, das du mir gabst. – Ich werde nach dem heiligen Mann schicken, der uns nach Gottes Gesetz verbunden hat.“

„Cesario, was soll das bedeuten?“

Orsino trat zwischen Olivia und mich.

„Ich weiß es nicht mein Herr! Bei meiner Liebe zu euch schwör ich, ich weiß nicht wovon die Lady spricht.“

Mein Herz schlug bis zum Hals, als ich Orsinos verletzten Blick sah.

„Du gabst mir dein Wort als Ehemann!“, stieß Olivia verzweifelt hervor.

„Nein“, rief ich voller Schrecken aus, „niemals!“ Ich packte Orsino am Arm, „Herr ihr wisst, ich bin euch treu ergeben, niemals bin ich euch von der Seite gewichen.“

Olivia klammerte sich an meinen Arm.

„Was sprichst du?“ Ich sah das Entsetzen in Olivias Augen.

„Ich flehe euch an, ich weiß nicht was hier passiert ist, bitte, Herr.“

Ich sah Orsinos Augen und wusste, dass er dachte, ich hätte ihn verraten. Ich wünschte mir, die Erde würde sich auftun, mich zu verschlingen, aber meine Bitte wurde nicht erhört.

„Olivia, ich bin zurück!“

Die Stimme! Diese Stimme! Ich wandte mich um.

„Sebastian“, flüsterte ich.

„Viola! Schwester, du lebst!“

„Ich glaube meinen Augen kaum, zwei mal Cesario“, hörte ich Olivia, „wie kann das sein.“

Ehe ich etwas sagen konnte, schloss mich Sebastian in seine Arme. Tatsächlich, er lebte! Das Schicksal hatte uns getrennt und führte uns hier wieder unter den merkwürdigsten Umständen zusammen. Eine Welle des Glücks durchströmte mich. Plötzlich erinnerte ich mich Orsinos. Ich würde mich erklären müssen. Sanft löste ich mich aus Sebastians Armen.

„Ich liebe dich, liebster Sebastian“, flüsterte ich und dann lief ich davon.

„Viola!“

„Cesario!“

Aber ich hörte nicht, drehte mich nicht um. Ich kannte den Weg an den Klippen entlang sehr gut. Im Schloss würde ich nicht mehr willkommen sein. Ich blieb stehen, riss mir den unsäglichen Bart ab, entledigte mich meiner Uniformjacke und zerrte mir die Bandagen vom Leib, die Cesario aus mir gemacht hatten. Ein wilder Schrei entrang sich meiner Kehle, der in dem Brüllen der Wellen unterging. Ich trat an den Rand der Klippe und betrachte die aufgepeitschte See. Ich schloss die Augen. Orsino liebte Olivia, sie hatte sich in Sebastian verliebt und ich war nicht mehr Cesario. Orsino war immer wie ein offenes Buch für mich gewesen. Er hatte mir vertraut, während ich ihn zum Narren gehalten hatte.  Niemals würde er mich lieben können. Nur ein Schritt fehlte bis zum Abgrund. Ein Schritt und mein krankes Herz würde Ruhe finden. Ich wurde heftig zurück gerissen. Orsino presste mich fest an sich. Sein weicher Mund bedeckte mein Gesicht mit Küssen.

„Tu das nie wieder!“ sagte er rau und zog mich von den Klippen fort. „Wenn du mich verlässt, werde ich an gebrochenem Herzen streben.“

„Liebt ihr mich denn?“

„Ich liebte dich mehr, als du dir vorstellen kannst. Aber deine Verkleidung stürzte meine Seele in Verwirrung. Ich dachte, einen Jüngling zu begehren. – Du sagtest mir vor ein paar Tagen, dein Vater hatte eine Tochter, die so sehr liebte, wie du mich liebtest, wärest du eine Frau. – Nun, jetzt bist du eine Frau, und Gott sei Dank, kann ich nur sagen, denn ich traute meinen Sinnen nicht mehr über den Weg, liebe mich, wie du es mir versprochen hast.“

„Ich muss träumen“, flüsterte ich.

„Nein, mein kleiner Harlekin. Schau mich an und sag, ob ich wirklich bei dir bin oder nicht.“

Ich tat es. Orsino lächelte und es reichte bis in seine schönen Augen. Es war das erste Mal, seit ich ihn kannte.

„Mein Herr…“, begann ich, es gab soviel, dass ich ihm sagen wollte.

Orsino legte mir einen Finger auf die Lippen.

„Sag nichts, sieh mir in die Augen und fühle. Lass mich dich ebenso lieben, wie du mich liebst. Es ist doch wahr?“

„Ja, mein Herr, ich liebe euch, mehr als mein Leben.“

Seine Augen nahmen wieder einen schmerzlichen Ausdruck an.

„Es muss eine Qual für dich gewesen sein, zu tun, worum ich dich gebeten habe und deiner eigenen Liebe Schweigen zu gebieten. Ich bitte dich, mein Engel, vergib mir.“

„Ihr dürft euch nicht grämen, mein Fürst, es gibt nichts, dass ich euch vergeben müsste.“

„Ich werde ein Leben lang Zeit haben, meine Schuld wieder gut zu machen“, er beugte sich herunter und flüsterte in mein Ohr, „ich lege dir alles zu Füßen, was ich bin und habe. Niemals werde ich dich aus meinen Armen und meinem Bette lassen.“

Purpurröte schoss mir in die Wangen. Orsino lachte leise.

„Wie schön dich erröten zu sehen, wenn dir ein Mann sein Herz zu Füßen legt.“

Orsino küsste meine Wangen, meine Augen, meine Lippen. Ein begehrliches, heißes Gefühl durchströmte mich. Ich erwiderte sein Verlangen, als hätte es nie etwas anderes für mich gegeben. Niemals sollte er aufhören solche Empfindungen in mir zu entfachen. Ich wollte ihn lieben, bis ans Ende meiner Zeit.

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Tränenfluten

Ich legte den Telefonhörer auf. Die Tränen laufen wie Sturzbäche über mein Gesicht. Ob ich jemals wieder aufhören kann zu weinen? Ich kann kaum Atmen. Der Druck auf meinem Herzen ist so groß, dass es gleich aufhört zu schlagen. Die Qual ist heftiger, als jeder körperliche Schmerz, den ich bis jetzt empfunden habe.

In meinem Kopf formt sich kein klarer Gedanke, einzig das Wort: warum. Es wiedeholt sich in einer Endlosschleife, aus der ich keinen Ausstieg finde.

Niemand kann meinen Schmerz lindern. Nur der Mensch, der ihn verursacht hat. Allerdings ist er der Einzige, der sich in eisiges Schweigen hüllt, nachdem er allerhand nebulöse Phrasen für mich über hatte, um mir sein unerwartetes Verlassen zu erklären. Nur nicht die Wahrheit.

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Eifersucht

Die Eifersucht bringt seine Magensäure zum Kochen und frisst ein Loch in seinen Bauch. Sein Herz ist durch ihre Eskapaden mit Kratern übersät und kann kaum noch einem weiteren Einschlag standhalten. Er überlegt, wann seine Eingeweide sich auflösen und er wegen innerer Leere in sich zusammen fällt. Aber vielleicht wird die emotionale Einöde vom Hass, der Eifersucht, der Wut, der Leidenschaft, der Hörigkeit zusammen gehalten? Seine Liebe ist ein lumpiger Flickenteppich aus Gefühlen, aber ohne ihn ist er nichts. Noch weniger, als dieser Patchworkmann, der er durch sie geworden ist. Wenn sie wieder nach anderen Männern und Sex riecht, wünschte er, sie wäre tot; und zugleich bereut er diese Gedanken aufs Tiefste. Ohne sie hätte nichts einen Sinn. Gar nichts! Aber mit ihr ist das Leben nur ein langsames Sterben.

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Hungriges Herz

Mein Herz ist immer noch nicht satt, hungert nach mehr, aber nach was? Nach den verpassten Gelegenheiten, nach dem was sein könnte, wenn…? Aber was könnte sein?

„Es ist was es ist“, sagte das Leben. „Nicht weniger, aber auch nicht mehr.“

Die Zeit besteht und vergeht im Flug und meine Jahre gehen mit. Ich kann die Jugend nicht halten. Sie ging vorüber ehe ich sie leben konnte und doch, mein Herz kann sie nicht loslassen. Es kann nicht einsehen warum. Noch ist es nicht zu spät. So viele Blätter sind noch leer, so viele Gedanken nicht geschrieben, Geschichten noch nicht erzählt. Soviel Liebe noch nicht gegeben, noch nicht ausgekostet. Träume, die noch geträumt, noch gelebt werden wollen.

„Es ist was es ist“, sagte das Leben. „Sieh die Welt in einem Sandkorn, dann hältst du die Unendlichkeit in deiner Hand, die Ewigkeit in einer Stunde.“ – „Every where is a lovesong, reminds me of you!“

Wohin ich auch gehe, ich sehe das Meer, an dem ich mit den Kindern ging. Sehe die Sonne auf ihren Haaren, in ihren Augen. Ich sehe mich mit Stift und Papier. Ich sehe ihn und mich in seinen Augen. Mein Herz schlägt ruhiger, aber die Sehnsucht bleibt, für immer in meinem hungrigen Herzen.

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